[Arduino] BloqQloq

Sonntag, 29. März 2015

BloqQloq01Eine Uhr musste her. Eine Uhr, die nicht, wie das Ikea-Billigteil zum Mond geht und dauernd gestellt werden will, und die vielleicht auch ein bisschen sophisticated daherkommt. Freunde haben in ihrem Haus eine Qlocktwo hängen, also diese Uhr, auf der man die Uhrzeit als ganzen Satz liest: “ES IST ZEHN NACH ZWÖLF” und so. Wow, toll! Aber auch teuer. Und vor allem aufgrund ihres Formats für den bei uns vorgesehenen Platz, einen etwas breiteren Wandvorsprung, nicht geeignet. Aber sowas in der Art wäre schon toll! Ich gugelte erst einmal in der Gegend herum und fand auch einige Anleitungen, wo Leute die Qlocktwo nachgebaut haben. Allerdings nützte mir das nicht viel, und einfach irgendetwas nachbauen? Ne, das war mir zu profan.

Das Format musste für unseren Zweck ein aufrechtes Rechteck sein. Damit wurde die Anordnung von Zahlen und Buchstaben auf 6 Spalten á 16 Zeichen festgelegt. Ganz unten würde es noch 4 Punkte geben für die Minuten zwischen den Fünferschritten, die die Uhr im Klartext anzeigt. Im Gegensatz zur Qlocktwo würde unsere Uhr von oben nach unten und dann von links nach rechts zu lesen sein. Das liegt schon daran, dass z. B. das Wort “Viertel” sieben Zeichen umfasst und damit nicht in eine meiner 6er-Zeilen passen würde. Die originale Qlocktwo ist so gestaltet, dass sich zwar keine anderen Wörter als die für die Uhrzeit aufdrängen, die Anordnung der Buchstaben aber auch nicht unästhetisch wirkt. Also tüftelte ich ein bisschen herum, bis mir der Entwurf gefiel.
BloqQloq_01Die Programmierung der Uhr und die Ansteuerung des LED-Panels würde ich mit einem Arduino machen, das war klar. Ich besorgte mir zwei verschiedene Uhrenbausteine, die man mit dem Arduino verheiraten kann, und lernte erst mal kennen, wie man die Uhrzeit dort ausliest. Letztlich habe ich einen DS3232-Uhrenbaustein verwendet. Diese Bausteine sollen hochgenau arbeiten. Toi toi toi. Also fing ich erst mal an, zu programmieren und parallel dazu mir zu überlegen, wie ich die LEDs ansteuern würde. Ich bestellte nicht nur 100 einzelne LEDs im Farbton “warmweiß”, sondern sah mich schon für jede LED eine eigene Transistorstufe zusammenlöten, weil der Arduino keineswegs so viele LEDs gleichzeitig direkt ansteuern kann. Es würde ein zu großer Strom fließen, der den Arduino zerstören würde. Was für ein Aufwand. Der nächste Gedanke war, die LEDs für jedes einzelne Wort der Uhrzeitanzeige zusammenzufassen. Das war dann schon etwas übersichtlicher. So richtig viel Lust hatte ich allerdings dazu nicht.

BloqQloq_02Als nächstes besorgte ich mir LED-Band. Also LEDs von der Rolle zum Aufkleben. Die hätte ich allerdings auch wieder einzeln ansteuern müssen. Um die diversen Wörter aufleuchten lassen zu können, schaffte ich zwar noch einen Arduino Mega an, der mehr Ausgänge besitzt als der “normale” Arduino Uno oder der kleine Nano. Aber ich verfolgte das Projekt nur noch halbherzig. LEDs auf Rollen, Transistoren, Widerstände: Alles flog erst mal in die Ecke. Das war eindeutig eine Sackgasse.

BloqQloq_06Eine glückliche Fügung war dann die Bestellung eines Probe-Abos der aus “c’t-Hacks” hervorgegangenen Zeitung “Make” aus dem Heise-Verlag. Darin wurde neben einem LED-Kuchen ein selbst zu bauendes “Tetris”-Spiel Namens “Make:Block” vorgestellt, das als Grundlage auf einem LED-Raster aufbaut. Das musste ich mir näher ansehen, weil sich einerseits eine ähnliche Anwendung wie bei meiner Uhr abzeichnete, aber andererseits sich die ganze abgebildete Verkabelung extrem in Grenzen hielt, ganz anders als das, was sich mit meinen einzelnen LEDs, Widerständen und Transistoren anbahnte. Die c’t-Leute hatten ein LED-Band mit “Schieberegister” verwendet. Fragezeichen in meinen Augen. Aber das legte sich schnell: Nicht nur, dass man die LEDs einzeln ansteuern kann, man muss im Grunde nur so was wie “LED 56,57 und 58: LEUCHTEN!” programmieren, man kann sogar die Farbe in engen Schritten wählen, sodass es ein Leichtes war, einen angenehmen Weißton einzustellen. Die Uhr könnte auch blau oder rot leuchten. Muss aber nicht sein. Auch die Helligkeit ist variabel, sodass meine Uhr beim Einschalten als Gimmick erst mal mit ein paar LEDs “atmet”. Kennt man vielleicht von den auf- und abschwellenden LEDs an den Macbooks. In Anlehnung an die Qlocktwo und das Maker-Spiel Block habe ich meine Uhr “BloqQloq” getauft. Yeah!

BloqQloq_10Mit diesen LEDs nahm mein Uhrenprojekt wieder Fahrt auf. Die Anzeige der Uhrzeit wurde einfach auf die aufleuchtenden Nummern der LEDs umgestellt. Es traten natürlich noch ein paar zu umschiffende Klippen auf, wie dass es ja heißt: “ES IST EIN UHR”, aber “ES IST VIERTEL VOR EINS”, also noch ein “S” am Ende von EIN(S). Außerdem habe ich in meinem Display nicht das Wort “ZWANZIG” untergebracht. Statt “ES IST ZWANZIG NACH ZWEI” heißt es bei meiner Uhr “ES IST ZEHN VOR HALB DREI”. Und Uhrzeiten, wie man sie z. B. in Berlin kennt wie “ES IST VIERTEL DREI” würde es natürlich bei mir nicht geben! (Wo kämen wir da hin?)

Als nächstes musste ich mir überlegen, wie ich das Display baue. Die LEDs kommen mit Klebeschicht von der Rolle. Sie klebte ich in sechs Längs- und einer Querreihe aus vier LEDs auf eine MDF-Platte. Darüber sollte ein Platte aus Styrodur kommen, in der die 100 Löcher für die LEDs gefräst werden musste. Das war eine der schwierigsten Aufgaben, weil ich keine geeignete Fräse dafür hatte. Ich habe das dann mit einem Oberfräsenaufsatz für so eine kleine Proxxon-Bohrmaschine gemacht. Naja. Das ging damit leidlich.

BloqQloq_09Die Deckplatte ist eine Milchglasscheibe aus Plexiglas (von Modular am Moritzplatz), die ich mir dort gleich in der passenden Größe zuschneiden lassen konnte. Die Buchstaben sollten dann als Folie aufgeklebt werden, die an den entsprechenden Stellen ausgeschnitten ist. Nachdem ich mit Inkscape eine entsprechende Datei angelegt hatte, bin ich damit zu Neitworx an der Torstraße gestapft, die mir schon häufiger Folien geplottet oder T-Shirts bedruckt hatten. Da wir eine grüne Uhr haben wollten, musste die Folie in zwei Schichten geklebt und dann geschneidplottet werden. Zwei Schichten deswegen, weil grün allein durchscheinen würde. Darum musste noch eine Schicht schwarze Folie darunter. Nach ein paar Tagen konnte ich die Folie abholen. Man hatte mir noch angeboten, die Folie für einen kleinen Aufpreis auf die Milchplexiglasscheibe zu kleben. Das hätte ich auch angenommen, allerdings hatte die Folie noch ein Übermaß, weil ich die genau Anordnung der Folie zur Scheibe nicht in die Datei übertragen hatte und das lieber hinterher abschneiden wollte. Ich hätte das mal vorher genauer machen sollen, weil wir die Folie natürlich nicht komplett blasenfrei aufgeklebt bekommen haben. Nun ja. Die nächste Uhr wird besser.

BloqQloq_05Beim Prototyp meiner BloqQloq sind Display und Rechner mit einem Kabel verbunden. Der Arduino ließe sich zwar auch im Display-Kasten unterbringen. Da die Uhr aber am Vorsprung einer Leichtbauwand hängt, konnte ich den Kasten dahinter verstecken, wo ich auch Zugriff auf den Stromanschluss habe. Außerdem müsste ich zum Stellen noch ein paar Knöpfe an der Uhr anbringen. Die sind jetzt eben auch in dem kleinen Kasten. Kann man alles anders machen, wenn es sein muss. Für uns ist es so besser. Die originale Qlocktwo ist eine Funkuhr. Lässt sich auch machen. Später vielleicht. Eine weitere Option ist auch noch eine Energiespar-Funktion. Die Uhr muss ja nicht immer leuchten. Man kann natürlich einfach die Versorgungsspannung abschalten. Beim Einschalten hat sie die richtige Zeit gleich wieder, weil das Uhrenmodul Batterie gepuffert ist. Ich habe aber schon gedacht, ob ich einen Geräuschsensor einbaue, der die Uhr abschaltet, wenn es ganz leise ist. Auch hier gilt: Mal sehen.

Tja, und jetzt hängt das gute Stück da erst mal. Eigentlich ist die Uhr allerdings noch nicht ganz fertig, weil sie noch richtig gerahmt werden soll. Jetzt habe ich die ganze Geschichte erst mal mit billigen Kunststoff-U-Profilen eingefasst. Das soll noch schöner werden. Vielleicht aber auch erst bei der zweiten Uhr. Oder nie. Wird sich zeigen.

 

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Vivian Maier und die SPD passen nicht zusammen

Sonntag, 8. März 2015

Vivian MaierSeit geschätzt Ende der Nuller Jahre (seit 2008/2009 oder so) verfolge ich, was sich um den Fund der Fotos von Vivian Maier tut. Das ist im Vergleich zu vielen Anderen (vor allem Offlinern) wahrscheinlich ziemlich lange. Jedenfalls habe ich schon relativ früh von John Maloofs Fund in einem Blog erfahren.

Inzwischen ist Vivian Maier quasi im “Mainstream” angekommen. Den Dokumentarfilm habe ich zwar noch im b!ware-Ladenkino gesehen, also vielleicht nicht gerade im Highend-Lichtspielhaus, gleichwohl sehr sympathisch dort, aber nun ist die erste Foto-Ausstellung in Deutschlands SPD-Zentrale angekommen. Da bin ich gestern gewesen und habe mich gefreut, viele Fotos nun mal in echt anschauen zu können. Und vor allem bietet das Willy-Brandt-Haus ja auch durchaus die passenden Räumlichkeiten dafür. Die Ausstellung ist wirklich sehr sehenswert!

Ich nehme mal an, bei Willy Brandt zu Hause ist sonst eher weniger los. Nicht zu übersehende Menschenmengen schoben sich in das Gebäude, in die Ausstellungsetage. Dort findet man neben etlichen Abzügen auch ein paar Informationstafeln (mit innovativer Kommasetzung, wenn ich das mal sagen darf …) über Vivian Maier aber auch über Street Photographie und ein paar Ikonen des Genres.

Man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass praktisch keines der berühmten Street-Photographie-Fotos (super Wort …) auf legalem Wege in die Ausstellungen und Fotobildbände dieser Welt gekommen ist. Dass die Personen auf den Fotos gefragt wurden, muss man wohl wirklich nicht in Erwägung ziehen.

Vivian MaierStreet Photographie. Genau die Art des Fotografierens, die ich so mag. Und genau die Art des Fotografierens, die die SPD als Teil der derzeitigen Bundesregierung extrem erschwert hat.

Seit ein paar Wochen ist ein Gesetz mit folgendem Wortlaut in Kraft:

„Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.“

Dass man als Straßenfotograf sowieso stets mit einem Bein im Knast steht, ist nichts Neues. Allerdings gab es die Probleme bislang erst dann, wenn man die Fotos von Personen, die man nicht um Erlaubnis gefragt hat, veröffentlicht hat. Dass man auf der Straße Leute nach Lust und Laune fotografierte, war bislang niemandem verboten. Das ist jetzt anders.

Vivian Maier“Hilflosigkeit”. Was heißt denn das? Wie wir es in den letzten Jahren nicht anders kennen, haben unsere Regierungsexperten es mal wieder geschafft, ein Gesetz so zu formulieren, dass erst Gerichte klären müssen, was gemeint ist, natürlich auf den Einzelfall bezogen. Sind die Personen auf dem Bild links vielleicht hilflos, weil sie nicht wissen, welches der tollen Fotos sie sich zuerst anschauen sollen? O.k., ist überspitzt, aber das Problem wird deutlich:

Oder sind es nämlich vielleicht Fotos von Obdachlosen auf der Straße, oder Kindern, Betrunkenen, Verletzten?

Fotos solcher Personen findet man auch in der Vivian-Maier-Ausstellung im Willy-Brandt-Haus. Ob nun die Freiheit der Kunst darüber steht, dass man solche Fotos aufnehmen darf, weiß ich nicht. Macht sich die SPD jetzt vielleicht sogar strafbar, dass sie Fotos von vielleicht in den USA noch lebenden Personen unbefugt zeigt?

Was weiß ich schon. Aber es lebt sich ja ganz gut in dieser Doppelmoralwelt.

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Technicus non dicet latinam: Situs vilate inisse tabernit

Freitag, 6. März 2015

Oder “übersetzt”: Sieht aus wie Latein, ist es aber nicht.

Ich habe ja öfter mit Juristen zu tun. Juristen sind die, die neben Medizinern gern mit ihrer humanistischen Bildung prahlen und insbesondere sich der Aufgabe verschrieben haben, die tote Sprache Latein irgendwie am Tropf der Lebenserhaltung zu belassen. Während die Mediziner unbedingt das Brustbein als Sternum und die Kniescheibe als Patella bezeichnen müssen, obwohl es die deutschen Begriffe genauso tun und vor allem auch für das deutschsprachige Fußvolk zu verstehen wären (man ahnt, warum Fachsprech verwendet wird), wirft der gestandene Jurist gleich ganze Floskeln oder gar Sätze in die Niederungen des deutschen Gerichtssaals. Wenn mir in einer Gerichtsverhandlung langweilig ist, weil die Beweisaufnahme abgeschlossen und ich damit schon im Grunde arbeitslos bin, spiele ich in Gedanken oft Jura-Bullshit-Bingo. Man kann darauf wetten, dass in jedem Plädoyer diverse Juristenlateinfloskeln vorkommen. Sowas wie “ergo”, “a priori” oder “de facto” lassen wir mal gleich beiseite und stürzen uns in die Top 10:

10: “Ex lege”: Nach dem Gesetz. Anfänger geeignet.

9: “Juris non calculat”: Der Jurist rechnet nicht. Außer Stunden mal Stundensatz.

8: “Prima facie”: Der erste Anschein, Anscheinsbeweis. “Is immer so. Hamwa immer so gemacht. Darum is das jetzt auch so.”

7: “Hic et nunc”: Hier und jetzt. Mögliche Reaktion: “Haben Sie Schluckauf, soll ich Ihnen ein Glas Wasser holen?”

6: “Corpus delicti”: Beweisstück. Ohne das geht es nicht.

5: “Obiter dictum”: Nebenbei gesagt. Am Rande. Ist also nicht wichtig, Schöffe kann weiterschlafen.

4: “Persona non grata”: Sachverständiger, der nicht das sagt, was der Verteidiger hören will

3: “Conditio sine qua non”: Ohne ein bestimmtes Vorereignis wäre das, worum man verhandelt, nicht eingetreten. (Hä?-Faktor > 42 auf der nach oben offenen Jurisprudenz-Bullshit-Skala)

2: “Cui bono”: Wem nutzt es? Wird eher selten gebraucht. Aber gern mal im Sinne von: Der Tote wird durch einen Verurteilung auch nicht wieder lebendig.

1: “In dubio pro reo”: Im Zweifel für den Angeklagten. Kennt man. Must have im Verteidiger-Plädoyer

“Nunc est bibendum!”, sagt der Ingenieur. ;)

 

 

 

 

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Immer auf die Autonomen

Freitag, 27. Februar 2015

Neulich hatte ich ja was zu einem mittelguten Artikel auf Mobile Geeks geschrieben. Dazu hatte ich mir einige Schelte eingefangen. Nichtsdestotrotz wage ich es erneut, wieder etwas richtig zu stellen ein paar Zusatzinformationen zu liefern: Don Dahlmann beschäftigt sich im weiteren Sinne erneut mit der Digitalisierung der Autos und meint, dass das im autonomen Fahren endet, eher als manchem lieb ist.

Was in dem Artikel, dem ich ansonsten gern zustimme, zu wenig differenziert wird, sind die verschiedenen Modi, die man im Zusammenhang mit autonomem Fahren unterscheidet, und dadurch werden in gewisser Hinsicht Äpfel mit Birnen verglichen. Gerade die Übergänge von einer Stufe zur nächsten werden uns noch etliche Jahre begleiten.

Man unterscheidet zwischen:

– assistiertem Fahren

Das haben wir jetzt schon. Spurwechselwarner, Abstandswarner, Totwinkelwarner und so weiter. Im Wesentlichen wird vor sich anbahnenden Gefahren gewarnt oder es wird versucht, sie zum Umschiffen. Lenkeingriff gibt es nicht direkt, allenfalls über die Bremsen.

– teilautomatisiertem Fahren

Bestes Beispiel: Stauassistent. Das Auto rückt langsam vor und bremst auch ab. Das Auto kann einige Funktionen übernehmen, der Fahrer bleibt aber weitgehend Herr des Geschehens, muss vor allem jederzeit übernehmen können. Oder auch Einparkassistent.

– hochautomatisiertem Fahren

Das wäre dann so etwas, wie man sich gut auf längeren Autobahnstücken vorstellen kann. Das Auto fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss aber innerhalb einer gewissen Zeit in der Lage sein, das Auto wieder übernehmen zu können. Man spricht hier innerhalb von etwa 10 sec, was bei Autobahnrichtgeschwindigkeit 361 Metern entspricht, mithin eine längere Strecke als man derzeit beim Fahren typischerweise überblickt. Das System muss also schon ganz gut wissen, was weiter vorn los ist. In der Stadt können 10 sec zwei Kreuzungen bedeuten, die es zu überqueren gilt. Da wird von so einem System noch mehr verlangt als auf der Autobahn, gerade bei Fußgänger- und Fahrradverkehr.

– vollautomatisiertem Fahren

Der Fahrer kann sich zurücklehnen und ein Nickerchen machen, während ihn das Auto irgendwo hinfährt. In Zukunftsvisionen sieht man dann nahezu beliebig drehbar angebrachte Liegesitzen oder gar den Gang zur Kaffeemaschine. Das wird angesichts der Gurtpflicht, die wohl so eilig nicht gekippt wird, aber vorerst Zukunftsmusik bleiben.

Die Probleme werden auch nicht durch die automatisierten Fahrzeuge entstehen (vom Eingriffen durch Hacker und elektromagnetischen Impuls mal abgesehen), sondern durch das Zusammenspiel mit nicht autonom fahrenden Fahrzeugen bzw. “analogen” Verkehrsteilnehmern. Da sehe ich die Herkulesaufgabe, die die Hersteller zu bewältigen haben. Kommunizieren ALLE Verkehrsteilnehmern untereinander, ist es im Grunde sehr einfach, sie z. B. wie an der Perlenschnur aufgereiht über die Autobahn fahren zu lassen. Da es aber auf absehbare Zeit garantiert mindestens einen Kaugummivertreter mit seinem hochmotorisierten silbernen Dieselkombi auf dieser Welt geben wird, der vor seinem Konkurrenten am Ziel sein will, ist das leider nicht mehr als ein Wunschdenken, bis “herkömmliche” Fahrzeuge verbannt werden.

Im eingangs genannten Artikel wird nicht zwischen den einzelnen Automatisierungsgraden unterschieden, aber es wird ein auf den ersten Blick naheliegender Vergleich gezogen, nämlich zum Autopiloten in der Fliegerei. Den kann man vielleicht am besten mit der Teilautomatisierung vergleichen, allenfalls ansatzweise mit Hochautomatisierung. Der Pilot oder die Piloten müssen in sehr kurzer Zeit übernehmen können. Daher hinkt das Beispiel. Vollautomatisiert fliegen die Flugzeuge jedenfalls nicht. Aber dass Autofahrer ähnlich wie ihre fliegenden Zeitgenossen das Fahren/Fliegen verlernen, kann ich mir gut vorstellen. Ich meine ja, dass schon heutzutage durch die Abkoppelung der Außenwelt von der Fahrgastzelle das Gespür für die Umwelt verloren geht. Die Autos erziehen derzeit ihre Insassen zu Egoisten. In einer alten Klapperkiste wie meinem Fiat 500 ist man dem Unbill der rauen Umwelt viel extremer ausgesetzt.

Das mag jetzt wie die Suche nach dem Haar in der Suppe klingen, nur scheint mir die Differenzierung immer stärker unterzugehen. Man sieht oder kennt diese Stufen in einigen Kreisen vielleicht nicht, sondern trennt immer nur “manuelles Fahren” von “autonomem Fahren”. So einfach es ja nun nicht. Leider. Und vielleicht auch gut so.

 

 

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Das ist alles andere als mittelmäßig!

Donnerstag, 26. Februar 2015

Heute wurde ein Artikel durchs Netz gereicht, den ich nicht besonders gut fand, weil er m. E. gesellschaftsfeindlich ist. Im Grunde wird, wenn ich das mit meinem mittelmäßig ausgeprägten Geist richtig verstehe, die Ellbogengesellschaft als die einzig sinnvolle Ordnung propagiert. Es kann nur einen besten geben. An der Spitze ist immer nur für einen Platz, sonst ist es keine Spitze und keiner wäre besser als der andere. Bevor ich mich lange in ungeschickten Worten ergehe, zitiere ich lieber:

Der Wirre schreibt hier zu dem Artikel nämlich etwas extrem schlaues, wie ich finde:

Futter gibt es nicht nur ganz vorne. Tu das was du kannst und magst, versuche Leidenschaft für das was du tust zu entwickeln, aber lass dich nicht vom Ehrgeiz zerfressen. In der Ruhe liegt mehr Kraft als du denkst, bleib in Bewegung, aber werde nicht hektisch. Gehe nicht joggen oder sprinten, sondern auf ausgiebige Spaziergänge. Lerne von den Ersten und Besten, aber äffe sie nicht nach.

Das ist mal ne echte Lebensweisheit, die ich komplett unterschreibe.

 

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Ich = Kunstbanause reloaded

Dienstag, 24. Februar 2015

Ich merk’s ja immer wieder: Mit Kunst oder (Hoch)kultur hab ich es nicht so.

Altes Museum und LustgartenIm gerade abgelaufenen Lebensjahr hatte ich zusammen mit meiner Begleiterin eine Jahreskarte für die staatlichen Museen Berlin – preußischer Kulturbesitz. Am Anfang waren wir voller Euphorie und schauten uns die Museen der Stadt an. Der anfängliche Schwung verging schnell. Im Sommer ist ja auch eh nicht so Museumszeit. Der Ablauf der Jahreskarte rückte näher, aber es standen noch diverse unbesuchte Museen auf der Liste. Die wurden dann im Schnelldurchlauf abgehandelt.

Die alte Nationalgalerie fand ich ganz gut. Nur die Bilder störten. Aber das Haus mit diesen lustig krummen Räumen? Cool. Das Bode-Museum. Hm. Was war da doch gleich? Ich glaube, viel Sakral-Zeugs. Ja genau. Das langweilte mich nach einer Viertelstunde und es ging im Laufschritt von Saal zu Saal.

Ich rannte also kopflos durch die Räume und hab dann prompt eine frühe Weissagung dieser Situation gefunden. Schön, dass man fast überall fotografieren darf. So habe ich mich darauf verlegt, ein paar besonders eindrucksvolle Exponate abzulichten.

Etwas kopflos heute?

Oder auch die historische Darstellung des C-3PO: Irgendwann später musste man dem wohl mal zur Tarnung ein Gesicht überzogen haben. Auf was für Ideen die Leute kommen!

C-3PO

Vom alten Museum habe ich nicht viel erwartet, außer Figuren ohne Köppe und ohne Arme. Und so kam es dann auch. Nur dieser Fernseher der Antike, in dem gerade eine Talkshow lief, hatte es mir angetan:
Fernseher der Antike

Wir waren dann natürlich auch noch im ethnologischen Museum. Joa, son paar Sachen waren ganz hübsch, wie z. B. die frühere Vergötterung der Rolling Stones. Aber der alte Plunder soll wirklich in den entstehenden Hot-Spot, ins Humboldt-Forum, aka es Stadtschloss-Neubau? Ne, oder? Gibt’s da nicht etwas, was die Leute mehr interessiert? Oder wie wäre es mit einem Parkhaus? Egal, mich fragt eh keiner.

Frühe Vergötterung der Rolling Stones

Den Vogel abgeschossen hat aber die Gemäldegalerie. Dort traf ich allerdings erst einen alten Bekannten wieder, den alten Knacker vom 100-Mark-Schein.

Der Mann vom 100-Mark-Schein

Der schaut aber eigentlich in die andere Richtung und ist natürlich bunt:

Der Cosmograph

Ein oder das Hauptwerk in der Gemäldegalerie ist derzeit der “Genter Altar”. Das ist ein im weitesten Sinne klappbares, recht großes Holzregal, in dem statt Büchern in den Fächern diverse Bilder angebracht sind. Aber jetzt kommt’s: Das ist weder das Original, noch ist es komplett. Sechs der zwölf Bilder sind durch Schwarzweißdrucke (oder Fotos) ersetzt! In einer rieeesigen Halle huldigt man also einer unvollständigen Kopie? Das fand ich so eigenartig, dass ich nur noch in die Luft gestarrt habe, was sich an einer Stelle aber durchaus lohnt:

Gemäldegalerie

Die Mario-Testino-Ausstellung im gleichen Gebäude hat aber einiges wieder rausgerissen. Supertolle Fotos von schönen Menschen.

Mario Testino

An das Kupferstichkabinett habe ich praktisch keine Erinnerung mehr. Viel scheine ich nicht verpasst zu haben. Sehr lohnenswert fand ich dahingegen das Kunstgewerbemuseum ein paar Schritte weiter. Das lag wohl daran, dass ich mir darunter nicht viel vorstellen konnte und so auch nicht viel erwartet habe. Aber dort hat es neben allerlei Klamotten auch hübsch gestaltete Gebrauchsgegenstände und Möbel. Da findet man dann Klassiker, die man auch auf die Torstraße sich auch selbst in die Bude stellen kann:

Eames

Am Ende war ich immer gut mit so was wie Meta-Kunst beschäftigt. Kunst im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten hübsch in Szene zusetzen und zu fotografieren. Zum Beispiel, wenn die Neue Nationalgalerie als Konzerthalle genutzt wird, was ich herausragend fand!

Kraftwerk

Am Ende der Jahreskarte stellte ich dann aber fest, dass mir Fotoausstellungen besonders gern anschaue. Darum habe ich mich über die Freikarten zum diesjährigen Geburtstag für’s c/o-Berlin gefreut. Gefällt mir gut dort am neuen Platz im Amerikahaus!  Dort war ich bestimmt nicht das letzte Mal.

c/o Berlin

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Die “Doch-Nicht-Blogger”

Sonntag, 15. Februar 2015

Neulich träumte ich, ich hätte folgendes gebloggt:

Blogger ham’s ja nicht so mit dem Geld. Sie rackern emsig vor sich hin, tippen auf virtuellen Tastaturen, wischen auf Smartphones und Tablets herum wie die Fensterputzer, produzieren mal mehr, mal weniger guten Content, aber wirtschaftlich wirklich erfolgreich, so dass sie gut davon leben können, ist, bis auf vielleicht eine Hand voll, keiner, oder? Entweder haben sie gut verdienende Partner, einen “richtigen” Job, oder haben vielleicht ein Hotel in der Schlossallee geerbt. Daher wissen sie auch nicht, wie man eigentlich kalkuliert, um ein kleines Unternehmen erfolgreich florieren zu lassen.

Erster Fehler: Die eigene Arbeitszeit nicht unter Kontrolle haben. Ein Fehler, der Selbstständigen in die Wiege gelegt ist. “Boah, ich arbeite ja 70 bis 80 Stunden in der Woche.” Jau super. Und das, um am Ende 2000 Euro rauszukriegen, oder was? Aber sich darüber aufregen, dass woanders über Mindestlöhne diskutiert wird, die man für selbstverständlich hält. Bitte, wie soll das auf Dauer funktionieren?

Schon mal an Altersvorsorge, Berufshaftpflicht und sonstige Kosten gedacht? Rücklagen für Anschaffungen, weil Geräte kaputt gehen? “Einen Computer brauche ich ja eh.” Zack. Nächster Fehler. Wer mit seinem Rechner Geld verdient, benutzt damit Firmenkapital. Also sollte auch die Firma den Rechner anschaffen, um ihn abschreiben zu können. Ebenso Handykosten, Internetanschluss und so weiter. Wer da sagt,  das bräuchte er ja privat sowieso, ist meistens in einem sicheren Angestelltenverhältnis und macht sich keinen Kopp darum, dass der Schreibtisch, an dem er sitzt, nicht das Privateigentum vom Chef ist, der auch nicht die Heiz- und Stromkosten aus seiner Privatschatulle bezahlt. Firmenwagen: Kann man auch privat nutzen. Man muss “nur 1%” vom Bruttolistenneupreis versteuern. Und dass man für eine Firma nicht unbedingt den tollen Flatrate-Festnetz-Highspeed-Internet-Rundumsorglos-Vertrag für ein paar Euro-fündundneunzig bekommt, hat sich wahrscheinlich auch noch nicht bis zum nichtleitenden Angestellten rumgesprochen.

Diejenigen, die auf diese Details keinen Wert legen, sind wahrscheinlich nicht in der glücklichen Lage, viele Steuern zahlen zu müssen. Denn dann würden sie darauf achten, Firmenausgaben zu produzieren. Es ist nämlich ein Unterschied, ob man Dinge, die man beruflich braucht, von versteuertem (privaten) oder unversteuertem Geld anschafft. Ist das eigene kleine Unternehmen darauf angelegt, irgendwann komfortabel in der Gewinnzone zu arbeiten, wird man sich darauf zurückbesinnen, dass es gleich am Anfang sinnvoll war, diese Dinge im Auge zu behalten. Aber viele Firmen, die sich anfangs gut entwickeln, überleben den zweiten Steuerbescheid eh nicht. “Nachzahlung? Steuerrücklage? Ööööhm …”

Wenn sich Leser von einem abwenden, weil man es wagt, mit seiner Arbeit Geld zu verdienen, kann man davon ausgehen, dass dieser Leser entweder Student ist, der monatlich seine Kohle von den Eltern oder vom Bafög-Amt bekommt (“Hey, ich geh aber jeden Monat arbeiten und verdiene mir 250 Euro dazu” – “Ja, Schätzelein, und wo kommen die anderen 750 Euro her?”), oder er sitzt gerade in seinem wohltemperierten Angestelltenbüro und nutzt sowohl Arbeitszeit (“Ich arbeite die Pausen aber immer durch.” – “Und was ist mit der dritten Kippe, die du heute vormittag geraucht hast, mal abgesehen davon, dass Pausen gemacht werden MÜSSEN?”) als auch Internetleitung der Firma für seine Privatvergnügungen (“Ich habe meinen Chef aber auch schon mal erwischt, als der bei Facebook geguckt hat” – “Ja, der hat aber auch keine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit.” – “Das ist unfair!” – “Ja, genau. Hallo Welt.”)

Jedenfalls ist ja gerade die Diskussion, ob man als Blogger Geld verdienen darf (“Nein!” – “Doch!” – “Ooaar!”) in die nächste Runde gegangen. Ich hätte ja gedacht, dass sich das mal totlaufen würde, oder das allgemein anerkannt würde, dass man mit Blogs Geld verdienen darf. Stattdessen entwickelt sich das in eine andere Richtung, wie mir scheint. Wer mit “Irgendwas-ins-Internet-Schreiben” versucht, Geld zu verdienen, hat sich lange Jahre gern als Blogger bezeichnet. Damit war eben diese nerdige Bild vom unabhängigen, aber gut vernetzten Dauer-Online-Schreiberling verbunden, damit dem Prototyp dessen, was man sich heute eigentlich unter einem zeitgemäßen Journalisten vorstellen könnte. Problem war allenfalls, dass der Zeitdruck nicht zuließ, Dinge zu recherchieren. Das ersetzte man mit der subjektiven Note, die das besonders Authentische des Protobloggers ausmachte, wo der klassische Journalist zwischen Reportage und Kommentar unterscheidet.

Dummerweise sah und sieht man sich als “so ein Blogger” dann immer wieder dem Problem ausgesetzt, dass man kein Geld einnehmen, geschweige denn Gewinn erwirtschaften darf. Dumme Sache. Daher entwickeln sich nun einige aus der professionalisierenden Onlineschreiberzunft zum “Doch-nicht-Blogger”. Man legt gewissermaßen Wert darauf – auch wenn man dem Begriff “Blogger” noch nicht ablehnt, wenn man als solcher bezeichnet wird – zu den armseligen Bloggern da unten, die immer noch jammern, was das Leben, Bloggen und Geldverdienen so kostet, nicht mehr dazuzugehören. Weil’s besser ist für’s Geschäft. Noch ist es gerade noch vorteilhaft, mit der Bloggerei zu kokettieren, um sich von den bösen etablierten Journalisten, abzugrenzen. Aber wehe, es setzt sich in den Köpfen der Menschen fest, dass Blogger eigentlich wirtschaftlich erfolglose, nicht mit ihrer Zeit haushalten könnende Individuen sind, die auch mit über 40 noch einer Tätigkeit nachgehen, die der SoWi-Student zwischen Fußnägellackieren und Clubbesuch um 7 Uhr morgens macht. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als  Firmen anfingen zu bloggen, also ihren nervigen Newsletter von vor 5 Jahren nun auch noch in ein stylisches WordPress-Theme zu pressen, hätte die Karawane gut getan, dem Inzwischen-Mainstream abzuschwören und, wie sich das für soFreidenker gehört, auf den nächsten Zug aufzuspringen, bis sich auch dieses Karussell so schnell dreht, dass die mit der geringsten Adhäsion schon wieder abgeworfen werden und in ihr weiches 9-to-5-Job-Bettchen zurückfallen.

Eines steht ja wohl mal fest: Blogger sind ganz klar nur solche wie das hier schreibende Alter Ego “Will Sagen”. Leute, die unreflektiert, aus dem Affekt heraus irgendwelche Buchstaben ins Internetz blasen und sich einen Dreck darum scheren, ob das alles Sinn ergibt und vor allem, was das nun kostet. Dieses Blog kostet mich übrigens rund 1,95 Euro im Monat oder so. Aber, was weiß ich schon? Nichts.

Dann wachte ich auf und dachte, was für ein Unsinn. :mrgreen:

 

Thema: Kramschublade | Kommentare (0)

Mobile Geeks machen es sich einfach mit “den Daten im Auto”: Alles ist böse

Sonntag, 15. Februar 2015

Vor ein paar Tagen erschien auf Mobile Geeks ein Artikel über datensammelnde Autos. Leider ist der Artikel ziemlich oberflächlich bzw. in Teilen schlicht falsch, obwohl ein tatsächlich wichtiges Thema angesprochen wird. Ich nehme an, der Artikel ist als einseitiger Rant, losgelöst von Objektivität, gedacht? Steht leider nicht dabei. Ich schrob dort einen längeren Kommentar:

Früher hat man nach Unfällen (darauf möchte ich mich mal beschränken) die Bremsspurlänge auf der Straße vermessen, um Geschwindigkeiten zurückrechnen zu können. Heute geht das “Dank” ABS meistens nicht mehr. Man sah den Fahrzeugen auch noch besser an, welche Kräfte gewirkt haben, weil die Verformungen offensichtlicher waren und nicht im Verborgenen unter voluminösen Verkleidungen bleiben. Außerdem sind die polizeilichen Unfallaufnahmen sehr lückenhaft geworden. Um überhaupt den Zustand von vor 20 Jahren wieder zu erreichen, die Bremsspuren hat schließlich auch niemand sofort unkenntlich gemacht, wäre es daher notwendig, gewisse Daten in einem Zeitfenster um ein Triggereignis zu speichern.

Der Artikel suggeriert, dass genau das (und noch mehr, da keine Zeifensterbeschränkung) schon massenweise geschehen würde. Dem ist aber nicht so, jedenfalls nicht in Deutschland bzw. in der EU. Es gibt hier vereinzelt Fahrzeuge mit EDR, dann Importfahrzeuge aus USA, bei denen man die Funktion nicht abgeschaltet hat. Übrigens muss man, wenn man sich hierzulande einen Tesla S mieten will, eine Erklärung unterschreiben, dass man damit einverstanden ist, dass die eigene Position ständig von Tesla verfolgt werden kann. Ich glaube nicht, dass Tesla das freiwillig macht.

Wenn es überhaupt möglich ist, irgendwelche Daten aus Unfallfahrzeugen (ohne EDR) auszulesen, ist das ein erheblicher technischer Aufwand, da eben keine tabellarischen Daten, sondern wenn überhaupt derzeit nur Fehlercodes abgespeichert werden, z. B. ein Fehler am Drehzahlsensor, wenn ein Rad abreißt. Da hat man auch eine Geschwindigkeit, aber es steht nicht fest, dass dieser Geschwindigkeitswert etwas mit der Schwerpunktgeschwindigkeit des Fahrzeuges zu tun hat. Eine gerichtsfeste Auswertung nur solcher Daten, ohne sie in Bezug zu anderen Anknüpfungstatsachen zu setzen, ist praktisch nicht möglich.

Was die Hersteller mit irgendwelchen Daten derzeit anfangen, ist längst nicht so klar, wie es in dem Artikel behauptet wird. Die Herstellerinfos gehen von “wir sammeln gar nichts, um unsere Kunden zu schützen” bis “wir sammeln eine Menge, aber wir sagen nicht, wann und was.” Dass die Daten erst mal den Kunden gehören, dürfte dabei klar sein, da er sie mit dem erworbenen Fahrzeug erzeugt. So richtig kann aber niemand gegen die Hersteller vorgehen, um mehr zu verraten, weil sie nicht zur Offenlegung verpflichtet sind, was sie tun und lassen.

Zur Frage, wem “die Daten” gehören, die ein technisches Gerät erzeugt, hat vor dem LG Halle bzw. OLG Naumburg einen Prozess gegeben, der die Frage behandelt hat, wem die Daten gehören, die von Geschwindigkeitsmessgeräten (aka “Blitzer”) erzeugt werden. Die gehören dem Anwender, jedenfalls keinesfalls dem Hersteller des Geräts. Müsste man sich mal vorstellen, wenn z. B. Canon oder Nikon Besitzansprüche auf die mit ihren Kameras erzeugten Fotos anmelden würde.

Der Rundumschlag dieses Artikels endet dann natürlich mit einer Grätsche in Richtung eCall. Und grundsätzlich ist es ja auch richtig, dass die technischen Möglichkeiten Missbrauch Tor und Tür öffnen. Nur finde ich den Artikel bedenklich einseitig, da der Nutzen, den so ein System bieten kann, ebenso wie die Auswertung unfallrelevanter Daten, praktisch komplett unter den Tisch fällt. Nach meinen ganz persönlichen Erfahrungen als Unfallanalytiker gehen nämlich sehr häufig die Kläger in Zivilverfahren um Schadenersatz und Schmerzensgeld leer aus, weil sie keine Möglichkeit haben, zu beweisen, dass sie den Unfall nicht verursacht haben oder dass sie bestimmten Belastungen ausgesetzt waren.

Über diese Themen habe ich mich in ähnlicher Form bereits hier und hier ausgelassen.

 

Thema: rolling rolling rolling | Kommentare (2)

Roomservice: Live und in Farbe!

Dienstag, 10. Februar 2015

Woah, das war lange her, dass ich mal auf einer Bühne stand, um Musik zu machen. Ich war dabei früher auch immer hin und her gerissen. Einerseits gefiel es mir, andererseits war es aber auch immer purer Stress.

In meiner alten Heimat hatte ich mit Copyshop eine Coverband, die immer mal wieder auf der Kirmes oder einer Party spielte. Vielleicht so einmal im Vierteljahr oder so. Wohl eher seltener. Mit meinem Umzug nach Berlin fand meine musikalische Karriere allerdings ein abruptes Ende. Ich spielte im Oktober 2006 noch einmal auf dem Gala-Abend der Jahrestagung der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallrekonstruktion in Dresden als Überraschungsauftritt mit Wolfgang H. aus M. und Jürgen G. aus S., aber das war natürlich nur eine einmalige Sache zum Spaß. Interessant war immerhin, dass wir vorher kein einziges Mal zusammen proben konnten, stattdessen wurden mp3-Dateien und Texte hin- und hergeschickt. Hat aber alles gut geklappt, naja und dort bahnte sich dann auch eine berufliche Veränderung an, weil sich dort Gespräche zu einem Wechsel nach Berlin ergaben. Über 8 Jahre ist das schon wieder her. Es gibt sogar noch ein Bild aus einem Video von dem Auftritt mit meinem “Karrieresprung”:

Der Karrieresprung!

In Berlin stand das Musikmachen dann erst mal nicht mehr unter einem so guten Stern. Lange Zeit stand das ganze Musikgeraffel rum, zwischendurch habe ich mal ein gutes Jahr in einer Band als Bassist gespielt, die in der lautesten Platte Berlins probte. Ich glaube, die Band hieß Paperpilots oder so. Ich weiß es nicht mehr. Die Proben waren äußerst unregelmäßig und wurden gern mal eine halbe Stunde vor Beginn abgesagt, die Musik war gut (auch wieder Coversachen, aber sehr groovy und funky), nur waren die anderen auf ihren Instrumenten eindeutig besser als ich. Beinahe hätte es dann noch eine Twitterband (ich glaube, mit mbukowski, efrane und fakirsessel) gegeben, daraus ist aber nichts geworden.

Danach kamen wieder ein paar Jahre musikalische Abstinenz, bis ich bei Michael und Udo als Bassist einstieg. Wir nannten uns dann “Big as(s) Funk” und machten rockigen Funk. Oder funkigen Rock. Manchmal auch Blues. Das war dann furchtbar. Funk war aber gut. Sehr gut. Es ist einfach meine Musik. Richtig gut wurde es, als Bonus dazustieß, weil der super singen und Texte schreiben kann. Die Einigkeit in der Musik ließ sich allerdings nur schwer auf die persönliche Ebene übertragen und so kam es, wie es kommen musste: Bonus stieg aus. Ich hing dann kurz zwischen den Stühlen und entschied mich dann, auch den Stecker bei Big as Funk zu ziehen. Tut mir immer noch leid für die Rest-Combo, war aber besser so. Jedenfalls für mich.

Bonus hat mich dann in sein Singer/Songwriter-Projekt eingebaut, als Bassist und zweite Stimme, also das, was ich eh schon immer gemacht habe, nur jetzt viel leiser. Und weniger stressig. Funk ist zwar einfach die beste Musik, die es gibt, allerdings für einen wie mich, der nun nicht der Super-Virtuose auf dem Bass ist, vielleicht nicht unbedingt zum Selbermachen, sondern eher zum Anhören.

Anders dagegen Bonus’ neues Projekt. Singer/Songwriter. Eigentlich son Ding, von dem ich mich wundere, dass es mir gefällt. Aber hey, es macht Spaß! Richtig Spaß! Nach Jahren voller Krach mag ich nun die leisen Töne. Liegt vielleicht am Alter. Die Stücke sind toll, wir verstehen uns gut, also let’s rock.

Und so sah das dann aus. Ganz ruhig und gesittet.
Ich mal wieder auf ner Bühne

Das war letzten Freitag im “Flop” bei der Open-Stage. Dort sind wir als “Roomservice” aufgetreten, haben vier (von acht möglichen) Stücken gespielt, noch etwas getrunken und sind wieder gegangen. Alles super! Kein Stress, gar nichts. Tjoa, und jetzt wollen wir öfter mal so ne Open Stage entern. Vielleicht wieder am kommenden Freitag. Vielleicht diesmal in Kreuzberg. Mal sehen.

Aufnahmen gibt’s leider noch keine, aber das kommt schon noch.

 

 

Thema: Das Leben ist schön!, funky, Halleluja Berlin | Kommentare (2)

Wie ich Facebook benutze

Sonntag, 8. Februar 2015

Facebook ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab dort etliche interessante Leute kennengelernt, alte Bekannte wiedergefunden und jeden Tag gibt es ein Füllhorn interessanter Links. Natürlich auch jede Menge Schrott, aber mit der richtigen Auswahl an Personen halten sich Katzenbildchen und Spieleeinladungen in Grenzen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal eine solche Einladung bekommen habe.

Nun ist Facebook aber, was viele nicht wahrhaben wollen, keine Wohlfahrtsorganisation, sondern ein (derzeit gut) florierendes Wirtschaftsunternehmen. Die wollen dort Geld machen. Punkt. Das ist nichts Verwerfliches. Ich gehe auch jeden Wochentag mit keinem anderen Ansinnen ins Büro. (Die Welt verbessern zu wollen, habe ich mir abgeschminkt. Rechnungen schreiben ist besser für die Rente).

Nun hat Facebook “Allgemeine Geschäftsbedingungen”, meistens fälschlicherweise AGB’s genannt. Und nein. Man kann sich dagegen nicht durch das Posten eines “Ich widerspreche bla”-Bildchens zur Wehr setzen, sondern nur durch Löschen des eigenen Accounts. Friss oder stirb. That’s it.

Also muss man sich arrangieren. Facebook möchte uns möglichst gut durchleuchten, um im rechten Moment die passende Werbung einzublenden. Es werden also alle möglichen Wege verfolgt, die wir auf Facebook und überhaupt im Internet gehen. Von wo wir auf Facebook kommen, was wir dort anklicken, in welche Richtung wir Facebook verlassen und so weiter. Sobald der Facebook-Button auf einer Seite auftaucht, schauen Mark Zuckerberg und seine Knechte uns über die Schulter.

Was mache ich nun:

Erstens: Desktop/Notebook

Ich verwende Facebook in einem eigenen Browser. Der hat Facebook als Startseite. Alle möglichen Seiten im Netz surfe ich z. B. mit Chrome an (auch schon ein Fehler, ich weiß). Nur für Facebook verwende ich z. B. Safari oder Firefox (hängt davon ab, ob ich mit einem Mac oder ner Windose unterwegs bin). In allen Browsern habe ich einen Adblocker und Ghostery installiert. Ghostery verhindert weitgehend das Tracking. Also das Sammeln und Zurückfunken von Metadaten, die Informationen über unser Surfverhalten geben. Irgendwelcher Statistikkram und so. Jedenfalls ist es immer wieder interessant, wie viele Unternehmen z. B. bei eine Nachrichtenseite wie Sueddeutsche.de und so. Die bleiben damit erst mal größtenteils außen vor. Die Werbung auf Facebook “Die dicksten Dinger in deiner Nachbarschaft” und so sind derzeit auch noch weg. Ich frage mich, wie lange es dauert, bis dort ein Umgehung gefunden wird. Aber nun.

Taucht in Chrome ein Facebook-Link auf, kopiere ich den eben schnell (Rechtsklick “Adresse des Links kopieren”), füge den in Firefox/Safari ein und mache dort weiter. Das ist lästig, aber nun. Finde ich bei Facebook, also in Safari oder Firefox, einen interessanten Link, der aus der Facebook-Spähre hinausführt, kann ich das genauso machen: Rechtsklick, Link kopieren, in Chrome einfügen und weitersurfen.

Man kann natürlich auch noch das Anlegen von Cookies unterbinden. Dann wird es aber irgendwann schwierig, Seiten anzusurfen. Aber nach einer Sitzung die Cookies automatisch zu löschen, ist nicht schlecht. Muss man sich halt jedes Mal neu anmelden.

Zweitens: Mobil

Ich habe ein iPhone. Darauf ist zwar auch die Facebook-App installiert, die brauche ich aber nur in Ausnahmefällen. Ansonsten verwende ich einen anderen Browser, in meinem Fall den Adblocker Browser. Der stellt z. B. im Vergleich zu Opera die Facebook-Seite besser dar. (Allerdings ist der Vergleich schon etwas älter. Kann sein, dass das inzwischen besser aussieht.) Während die Facebook-App ziemlich sicher auch im geschlossenen Zustand nach Hause telefoniert, macht der Adblocker-Browser das (wohl) nicht. Man kann natürlich auch die Apps richtig “abschießen” (Doppelklick auf Homebutton und nach oben rausschieben).

Kann sein, dass das alles etwas paranoid ist. Aber schaden kann’s wohl nicht.

Thema: Draußen nur Kännchen | Kommentare (1)