Macbook Air von Magsafe 1 auf Magsafe1+2 umfräsen

Sonntag, 17. Mai 2015

Außer, an Adaptern und neuen Netzteilen noch mehr Geld zu verdienen, fällt mir nicht viel dazu ein, dass Apple vor einiger Zeit den Stromanschluss an den Macbooks geometrisch verändert hat. Es sei denn, sie brauchten in der Höhe mehr Platz. Könnte durchaus sein. Denn der neue Stecker (Magsafe 2) ist etwas breiter (m. E. unnötig), aber dafür dünner. Sieht man ganz gut auf diesem Bild.

Magsafe2

Oben mein teuer erkaufter Adapter mit dem Magsafe 2-Anschluss, darunter mein altes, kleines Macbook Air. Einen Adapter Magsafe2-Netzteil auf Magsafe1-Macbook gibt es nicht. Eigenartig.  Seitdem sich im Haushalt nun nicht nur zwei alte Macbooks mit dem Magsafe1-Anschluss, sondern auch ein neueres Gerät befinden, und ich die vorhandenen Netzteile je nach Einsatzort zweckmäßig verteilt habe, musste eine Lösung her, möglichst alle Netzteile für alle Macbooks verwenden zu können, zumindest aber das rund 4 Jahre alte Macbook Air mit dem neuen Netzteil. Da auf dem neuen Netzteil noch Gewährleistung ist, wollte ich den Stecker nicht ändern, was im Grunde einfacher gewesen wäre. Ein weiterer Grund war auch, dass ich befürchtete, der Stecker könnte nicht mehr so gut halten.

Die Anordnung der Kontakte und die Geometrie der Einfassung sieht passend zueinander aus. Dennoch habe ich wenigstens mal eben kurz den Durchgang der Kontakte gemessen. Nicht dass Herr Apple in den Adapter noch irgendwelche Raketentechnologie eingebaut hat, die darauf hindeutet, dass man alte Macbooks evtl. nicht mit neueren Netzteilen laden kann. Scheint nicht der Fall zu sein.

Magsafe1

Als nächstes habe ich dann verschiedene kleine Frässtifte und meinen Aldi-Dremel genommen und so lange am Aluminium meines Macbooks rumgefräst, bis der Adapter und damit ja auch der neue Stecker sitzt. Man beachte auch den Staubsauger zum Späne absaugen. Soll ja möglichst nichts im Gerät landen.

Magsafe3

Das sieht jetzt so aus:

Magsafe5

Geht doch. Und siehe da: Ich kann jetzt das neue Macbook-Netzteil anschließen …

Magsafe6

… und auch das alte. Wenn ich will, auch mit dem Adapter.

Magsafe4

Muss ich aber nicht.

 

 

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Eigentlich darf ich mein Erbe nicht fotografieren.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Neulich war ich in China, meine bislang weiteste Reise ever. Wie das so ist, wenn man versucht, ein derart großes Land innerhalb von zwei Wochen komplett zu bereisen, greift man sich ein paar touristische Highlights heraus, darunter die Terrakotta-Armee und die Große Mauer. Beides Weltkulturerbe.

Ich gehöre zu dieser Welt, also darf ich mich mit Fug und Recht als Erbberechtigten verstehen. Ich will die Sachen ja nicht gleich mitnehmen. Nun ist es aber so, dass man an einigen Stellen dieser Weltkulturerbestätten Hinweise findet, die einem das Fotografieren versagen wollen.

Gut. In China achtet darauf irgendwie keiner, was ich ok finde (daher das “eigentlich” in der Überschrift.) Nur völlig zum Spaß wird man die Hinweise auch nicht aufgestellt haben. Immerhin ist gerade die Erhaltung der Weltkulturerbestätten in ärmeren Ländern durchaus mit finanziellen Zuwendungen verbunden, mal völlig abgesehen vom Imagegewinn. Da man ja ohnehin schon meistens nicht unerhebliche Eintrittsgelder für Besichtigungen verlangt, sollte es da nicht selbstverständlich sein, dass alle Besucher “ihr Erbe” egal zu welchem Zweck kostenlos fotografieren dürfen?

Terracotta Army Xi'an

Great Wall

Immerhin kann man meine tollen Fotos auch kostenlos angucken. 😉

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Attentatsversuch in Prenzlauer Berg steht unmittelbar bevor

Samstag, 9. Mai 2015

Das jedenfalls könnte man meinen, wenn man sich ein Schreiben des Polizeipräsidenten durchliest, das kürzlich in unserem Büro in Berlin Prenzlauer Burg eintrudelte.

pp

Vor allem dieser Satz gefällt mir ja besonders gut:

“Mit dem Eintritt eines Schadens zum Nachteil von Leben, körperlicher Unversehrtheit und/oder Handlungsfreiheit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen.”

Ich meine, geht’s noch?

Hintergrund dürfte der Besuch des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin sein. Dass es allerlei fehlgeleitete Irre auf der Welt gibt, die Bürgern Israels, gerade Spitzenpolitikern, nach dem Leben trachten, muss man nicht in Abrede stellen. Das ist leider ein Fakt. Aber fehlgeleitet war m. E. auch derjenige, dem die “wunderbare” Formulierung im Schreiben des Polizeipräsidenten aus dem Kopf gepurzelt ist.

Erst mal ist ja gar nicht klar, wer überhaupt gemeint ist. Betrifft die akute Bedrohungslage nur den Staatsgast und natürlich sich in der Nähe befindende Personen, oder muss ich auch damit rechnen, von einer irrgeleiteten Kugel eines zuckenden Scharfschützen getroffen zu werden, die sicherlich zu hunderten auf den Häusern in der Umgebung Stellung beziehen? Oder durch den oder die Angriffe der ja mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Plan tretenden Attentäter? Eine solche Formulierung impliziert nicht nur Panikmache, sondern auch das voraussichtliche Scheitern der Sicherheitskräfte. Etwas mehr Selbstvertrauen hätte ruhig zwischen den Zeilen durchsickern dürfen.

In der Sache werde ich das tun, was das Schreiben wohl bewirken soll, nämlich das Büro einfach meiden. Andere Kollegen und Kolleginnen wohl auch. Es dürfte sehr schwierig werden, überhaupt zum Büro zu gelangen. Das angebotene Polizeigeleit dürfte nicht mehr sein, als die Folge davon, dass man das Erreichen des Arbeitsplatzes wohl nicht verbieten darf. De facto wird die Polizei Wichtigeres zu tun haben, als arbeitswütige Deppen zum Schreibtisch zu begleiten und darauf zu achten, dass keiner ein Fenster öffnet.

Die Rechnung über die Umsatzeinbußen schicken wir dann genau wohin?

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Favorite Photo

Dienstag, 5. Mai 2015

Es ist schon etwas putzig. Mein beliebtestes Foto auf flickr, jedenfalls nach der Klickzahl beurteilt (derzeit etwas über 12.000), ist ein Foto meiner Leica M9 im damals sozusagen jungfräulichen Zustand.

Wenn die Leute ahnen würden, dass es mit einer schnöden Nikon D5000 fotografiert ist …

Leica M9-P

 

Irgendwie kann ich nicht recht nachvollziehen, warum die Leute gerade dieses Foto so toll finden. Soll’nse halt.

 

 

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[Arduino] BloqQloq

Sonntag, 29. März 2015

BloqQloq01Eine Uhr musste her. Eine Uhr, die nicht, wie das Ikea-Billigteil zum Mond geht und dauernd gestellt werden will, und die vielleicht auch ein bisschen sophisticated daherkommt. Freunde haben in ihrem Haus eine Qlocktwo hängen, also diese Uhr, auf der man die Uhrzeit als ganzen Satz liest: “ES IST ZEHN NACH ZWÖLF” und so. Wow, toll! Aber auch teuer. Und vor allem aufgrund ihres Formats für den bei uns vorgesehenen Platz, einen etwas breiteren Wandvorsprung, nicht geeignet. Aber sowas in der Art wäre schon toll! Ich gugelte erst einmal in der Gegend herum und fand auch einige Anleitungen, wo Leute die Qlocktwo nachgebaut haben. Allerdings nützte mir das nicht viel, und einfach irgendetwas nachbauen? Ne, das war mir zu profan.

Das Format musste für unseren Zweck ein aufrechtes Rechteck sein. Damit wurde die Anordnung von Zahlen und Buchstaben auf 6 Spalten á 16 Zeichen festgelegt. Ganz unten würde es noch 4 Punkte geben für die Minuten zwischen den Fünferschritten, die die Uhr im Klartext anzeigt. Im Gegensatz zur Qlocktwo würde unsere Uhr von oben nach unten und dann von links nach rechts zu lesen sein. Das liegt schon daran, dass z. B. das Wort “Viertel” sieben Zeichen umfasst und damit nicht in eine meiner 6er-Zeilen passen würde. Die originale Qlocktwo ist so gestaltet, dass sich zwar keine anderen Wörter als die für die Uhrzeit aufdrängen, die Anordnung der Buchstaben aber auch nicht unästhetisch wirkt. Also tüftelte ich ein bisschen herum, bis mir der Entwurf gefiel.
BloqQloq_01Die Programmierung der Uhr und die Ansteuerung des LED-Panels würde ich mit einem Arduino machen, das war klar. Ich besorgte mir zwei verschiedene Uhrenbausteine, die man mit dem Arduino verheiraten kann, und lernte erst mal kennen, wie man die Uhrzeit dort ausliest. Letztlich habe ich einen DS3232-Uhrenbaustein verwendet. Diese Bausteine sollen hochgenau arbeiten. Toi toi toi. Also fing ich erst mal an, zu programmieren und parallel dazu mir zu überlegen, wie ich die LEDs ansteuern würde. Ich bestellte nicht nur 100 einzelne LEDs im Farbton “warmweiß”, sondern sah mich schon für jede LED eine eigene Transistorstufe zusammenlöten, weil der Arduino keineswegs so viele LEDs gleichzeitig direkt ansteuern kann. Es würde ein zu großer Strom fließen, der den Arduino zerstören würde. Was für ein Aufwand. Der nächste Gedanke war, die LEDs für jedes einzelne Wort der Uhrzeitanzeige zusammenzufassen. Das war dann schon etwas übersichtlicher. So richtig viel Lust hatte ich allerdings dazu nicht.

BloqQloq_02Als nächstes besorgte ich mir LED-Band. Also LEDs von der Rolle zum Aufkleben. Die hätte ich allerdings auch wieder einzeln ansteuern müssen. Um die diversen Wörter aufleuchten lassen zu können, schaffte ich zwar noch einen Arduino Mega an, der mehr Ausgänge besitzt als der “normale” Arduino Uno oder der kleine Nano. Aber ich verfolgte das Projekt nur noch halbherzig. LEDs auf Rollen, Transistoren, Widerstände: Alles flog erst mal in die Ecke. Das war eindeutig eine Sackgasse.

BloqQloq_06Eine glückliche Fügung war dann die Bestellung eines Probe-Abos der aus “c’t-Hacks” hervorgegangenen Zeitung “Make” aus dem Heise-Verlag. Darin wurde neben einem LED-Kuchen ein selbst zu bauendes “Tetris”-Spiel Namens “Make:Block” vorgestellt, das als Grundlage auf einem LED-Raster aufbaut. Das musste ich mir näher ansehen, weil sich einerseits eine ähnliche Anwendung wie bei meiner Uhr abzeichnete, aber andererseits sich die ganze abgebildete Verkabelung extrem in Grenzen hielt, ganz anders als das, was sich mit meinen einzelnen LEDs, Widerständen und Transistoren anbahnte. Die c’t-Leute hatten ein LED-Band mit “Schieberegister” verwendet. Fragezeichen in meinen Augen. Aber das legte sich schnell: Nicht nur, dass man die LEDs einzeln ansteuern kann, man muss im Grunde nur so was wie “LED 56,57 und 58: LEUCHTEN!” programmieren, man kann sogar die Farbe in engen Schritten wählen, sodass es ein Leichtes war, einen angenehmen Weißton einzustellen. Die Uhr könnte auch blau oder rot leuchten. Muss aber nicht sein. Auch die Helligkeit ist variabel, sodass meine Uhr beim Einschalten als Gimmick erst mal mit ein paar LEDs “atmet”. Kennt man vielleicht von den auf- und abschwellenden LEDs an den Macbooks. In Anlehnung an die Qlocktwo und das Maker-Spiel Block habe ich meine Uhr “BloqQloq” getauft. Yeah!

BloqQloq_10Mit diesen LEDs nahm mein Uhrenprojekt wieder Fahrt auf. Die Anzeige der Uhrzeit wurde einfach auf die aufleuchtenden Nummern der LEDs umgestellt. Es traten natürlich noch ein paar zu umschiffende Klippen auf, wie dass es ja heißt: “ES IST EIN UHR”, aber “ES IST VIERTEL VOR EINS”, also noch ein “S” am Ende von EIN(S). Außerdem habe ich in meinem Display nicht das Wort “ZWANZIG” untergebracht. Statt “ES IST ZWANZIG NACH ZWEI” heißt es bei meiner Uhr “ES IST ZEHN VOR HALB DREI”. Und Uhrzeiten, wie man sie z. B. in Berlin kennt wie “ES IST VIERTEL DREI” würde es natürlich bei mir nicht geben! (Wo kämen wir da hin?)

Als nächstes musste ich mir überlegen, wie ich das Display baue. Die LEDs kommen mit Klebeschicht von der Rolle. Sie klebte ich in sechs Längs- und einer Querreihe aus vier LEDs auf eine MDF-Platte. Darüber sollte ein Platte aus Styrodur kommen, in der die 100 Löcher für die LEDs gefräst werden musste. Das war eine der schwierigsten Aufgaben, weil ich keine geeignete Fräse dafür hatte. Ich habe das dann mit einem Oberfräsenaufsatz für so eine kleine Proxxon-Bohrmaschine gemacht. Naja. Das ging damit leidlich.

BloqQloq_09Die Deckplatte ist eine Milchglasscheibe aus Plexiglas (von Modular am Moritzplatz), die ich mir dort gleich in der passenden Größe zuschneiden lassen konnte. Die Buchstaben sollten dann als Folie aufgeklebt werden, die an den entsprechenden Stellen ausgeschnitten ist. Nachdem ich mit Inkscape eine entsprechende Datei angelegt hatte, bin ich damit zu Neitworx an der Torstraße gestapft, die mir schon häufiger Folien geplottet oder T-Shirts bedruckt hatten. Da wir eine grüne Uhr haben wollten, musste die Folie in zwei Schichten geklebt und dann geschneidplottet werden. Zwei Schichten deswegen, weil grün allein durchscheinen würde. Darum musste noch eine Schicht schwarze Folie darunter. Nach ein paar Tagen konnte ich die Folie abholen. Man hatte mir noch angeboten, die Folie für einen kleinen Aufpreis auf die Milchplexiglasscheibe zu kleben. Das hätte ich auch angenommen, allerdings hatte die Folie noch ein Übermaß, weil ich die genau Anordnung der Folie zur Scheibe nicht in die Datei übertragen hatte und das lieber hinterher abschneiden wollte. Ich hätte das mal vorher genauer machen sollen, weil wir die Folie natürlich nicht komplett blasenfrei aufgeklebt bekommen haben. Nun ja. Die nächste Uhr wird besser.

BloqQloq_05Beim Prototyp meiner BloqQloq sind Display und Rechner mit einem Kabel verbunden. Der Arduino ließe sich zwar auch im Display-Kasten unterbringen. Da die Uhr aber am Vorsprung einer Leichtbauwand hängt, konnte ich den Kasten dahinter verstecken, wo ich auch Zugriff auf den Stromanschluss habe. Außerdem müsste ich zum Stellen noch ein paar Knöpfe an der Uhr anbringen. Die sind jetzt eben auch in dem kleinen Kasten. Kann man alles anders machen, wenn es sein muss. Für uns ist es so besser. Die originale Qlocktwo ist eine Funkuhr. Lässt sich auch machen. Später vielleicht. Eine weitere Option ist auch noch eine Energiespar-Funktion. Die Uhr muss ja nicht immer leuchten. Man kann natürlich einfach die Versorgungsspannung abschalten. Beim Einschalten hat sie die richtige Zeit gleich wieder, weil das Uhrenmodul Batterie gepuffert ist. Ich habe aber schon gedacht, ob ich einen Geräuschsensor einbaue, der die Uhr abschaltet, wenn es ganz leise ist. Auch hier gilt: Mal sehen.

Tja, und jetzt hängt das gute Stück da erst mal. Eigentlich ist die Uhr allerdings noch nicht ganz fertig, weil sie noch richtig gerahmt werden soll. Jetzt habe ich die ganze Geschichte erst mal mit billigen Kunststoff-U-Profilen eingefasst. Das soll noch schöner werden. Vielleicht aber auch erst bei der zweiten Uhr. Oder nie. Wird sich zeigen.

 

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Vivian Maier und die SPD passen nicht zusammen

Sonntag, 8. März 2015

Vivian MaierSeit geschätzt Ende der Nuller Jahre (seit 2008/2009 oder so) verfolge ich, was sich um den Fund der Fotos von Vivian Maier tut. Das ist im Vergleich zu vielen Anderen (vor allem Offlinern) wahrscheinlich ziemlich lange. Jedenfalls habe ich schon relativ früh von John Maloofs Fund in einem Blog erfahren.

Inzwischen ist Vivian Maier quasi im “Mainstream” angekommen. Den Dokumentarfilm habe ich zwar noch im b!ware-Ladenkino gesehen, also vielleicht nicht gerade im Highend-Lichtspielhaus, gleichwohl sehr sympathisch dort, aber nun ist die erste Foto-Ausstellung in Deutschlands SPD-Zentrale angekommen. Da bin ich gestern gewesen und habe mich gefreut, viele Fotos nun mal in echt anschauen zu können. Und vor allem bietet das Willy-Brandt-Haus ja auch durchaus die passenden Räumlichkeiten dafür. Die Ausstellung ist wirklich sehr sehenswert!

Ich nehme mal an, bei Willy Brandt zu Hause ist sonst eher weniger los. Nicht zu übersehende Menschenmengen schoben sich in das Gebäude, in die Ausstellungsetage. Dort findet man neben etlichen Abzügen auch ein paar Informationstafeln (mit innovativer Kommasetzung, wenn ich das mal sagen darf …) über Vivian Maier aber auch über Street Photographie und ein paar Ikonen des Genres.

Man darf wohl mit Fug und Recht behaupten, dass praktisch keines der berühmten Street-Photographie-Fotos (super Wort …) auf legalem Wege in die Ausstellungen und Fotobildbände dieser Welt gekommen ist. Dass die Personen auf den Fotos gefragt wurden, muss man wohl wirklich nicht in Erwägung ziehen.

Vivian MaierStreet Photographie. Genau die Art des Fotografierens, die ich so mag. Und genau die Art des Fotografierens, die die SPD als Teil der derzeitigen Bundesregierung extrem erschwert hat.

Seit ein paar Wochen ist ein Gesetz mit folgendem Wortlaut in Kraft:

„Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.“

Dass man als Straßenfotograf sowieso stets mit einem Bein im Knast steht, ist nichts Neues. Allerdings gab es die Probleme bislang erst dann, wenn man die Fotos von Personen, die man nicht um Erlaubnis gefragt hat, veröffentlicht hat. Dass man auf der Straße Leute nach Lust und Laune fotografierte, war bislang niemandem verboten. Das ist jetzt anders.

Vivian Maier“Hilflosigkeit”. Was heißt denn das? Wie wir es in den letzten Jahren nicht anders kennen, haben unsere Regierungsexperten es mal wieder geschafft, ein Gesetz so zu formulieren, dass erst Gerichte klären müssen, was gemeint ist, natürlich auf den Einzelfall bezogen. Sind die Personen auf dem Bild links vielleicht hilflos, weil sie nicht wissen, welches der tollen Fotos sie sich zuerst anschauen sollen? O.k., ist überspitzt, aber das Problem wird deutlich:

Oder sind es nämlich vielleicht Fotos von Obdachlosen auf der Straße, oder Kindern, Betrunkenen, Verletzten?

Fotos solcher Personen findet man auch in der Vivian-Maier-Ausstellung im Willy-Brandt-Haus. Ob nun die Freiheit der Kunst darüber steht, dass man solche Fotos aufnehmen darf, weiß ich nicht. Macht sich die SPD jetzt vielleicht sogar strafbar, dass sie Fotos von vielleicht in den USA noch lebenden Personen unbefugt zeigt?

Was weiß ich schon. Aber es lebt sich ja ganz gut in dieser Doppelmoralwelt.

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Technicus non dicet latinam: Situs vilate inisse tabernit

Freitag, 6. März 2015

Oder “übersetzt”: Sieht aus wie Latein, ist es aber nicht.

Ich habe ja öfter mit Juristen zu tun. Juristen sind die, die neben Medizinern gern mit ihrer humanistischen Bildung prahlen und insbesondere sich der Aufgabe verschrieben haben, die tote Sprache Latein irgendwie am Tropf der Lebenserhaltung zu belassen. Während die Mediziner unbedingt das Brustbein als Sternum und die Kniescheibe als Patella bezeichnen müssen, obwohl es die deutschen Begriffe genauso tun und vor allem auch für das deutschsprachige Fußvolk zu verstehen wären (man ahnt, warum Fachsprech verwendet wird), wirft der gestandene Jurist gleich ganze Floskeln oder gar Sätze in die Niederungen des deutschen Gerichtssaals. Wenn mir in einer Gerichtsverhandlung langweilig ist, weil die Beweisaufnahme abgeschlossen und ich damit schon im Grunde arbeitslos bin, spiele ich in Gedanken oft Jura-Bullshit-Bingo. Man kann darauf wetten, dass in jedem Plädoyer diverse Juristenlateinfloskeln vorkommen. Sowas wie “ergo”, “a priori” oder “de facto” lassen wir mal gleich beiseite und stürzen uns in die Top 10:

10: “Ex lege”: Nach dem Gesetz. Anfänger geeignet.

9: “Juris non calculat”: Der Jurist rechnet nicht. Außer Stunden mal Stundensatz.

8: “Prima facie”: Der erste Anschein, Anscheinsbeweis. “Is immer so. Hamwa immer so gemacht. Darum is das jetzt auch so.”

7: “Hic et nunc”: Hier und jetzt. Mögliche Reaktion: “Haben Sie Schluckauf, soll ich Ihnen ein Glas Wasser holen?”

6: “Corpus delicti”: Beweisstück. Ohne das geht es nicht.

5: “Obiter dictum”: Nebenbei gesagt. Am Rande. Ist also nicht wichtig, Schöffe kann weiterschlafen.

4: “Persona non grata”: Sachverständiger, der nicht das sagt, was der Verteidiger hören will

3: “Conditio sine qua non”: Ohne ein bestimmtes Vorereignis wäre das, worum man verhandelt, nicht eingetreten. (Hä?-Faktor > 42 auf der nach oben offenen Jurisprudenz-Bullshit-Skala)

2: “Cui bono”: Wem nutzt es? Wird eher selten gebraucht. Aber gern mal im Sinne von: Der Tote wird durch einen Verurteilung auch nicht wieder lebendig.

1: “In dubio pro reo”: Im Zweifel für den Angeklagten. Kennt man. Must have im Verteidiger-Plädoyer

“Nunc est bibendum!”, sagt der Ingenieur. 😉

 

 

 

 

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Immer auf die Autonomen

Freitag, 27. Februar 2015

Neulich hatte ich ja was zu einem mittelguten Artikel auf Mobile Geeks geschrieben. Dazu hatte ich mir einige Schelte eingefangen. Nichtsdestotrotz wage ich es erneut, wieder etwas richtig zu stellen ein paar Zusatzinformationen zu liefern: Don Dahlmann beschäftigt sich im weiteren Sinne erneut mit der Digitalisierung der Autos und meint, dass das im autonomen Fahren endet, eher als manchem lieb ist.

Was in dem Artikel, dem ich ansonsten gern zustimme, zu wenig differenziert wird, sind die verschiedenen Modi, die man im Zusammenhang mit autonomem Fahren unterscheidet, und dadurch werden in gewisser Hinsicht Äpfel mit Birnen verglichen. Gerade die Übergänge von einer Stufe zur nächsten werden uns noch etliche Jahre begleiten.

Man unterscheidet zwischen:

– assistiertem Fahren

Das haben wir jetzt schon. Spurwechselwarner, Abstandswarner, Totwinkelwarner und so weiter. Im Wesentlichen wird vor sich anbahnenden Gefahren gewarnt oder es wird versucht, sie zum Umschiffen. Lenkeingriff gibt es nicht direkt, allenfalls über die Bremsen.

– teilautomatisiertem Fahren

Bestes Beispiel: Stauassistent. Das Auto rückt langsam vor und bremst auch ab. Das Auto kann einige Funktionen übernehmen, der Fahrer bleibt aber weitgehend Herr des Geschehens, muss vor allem jederzeit übernehmen können. Oder auch Einparkassistent.

– hochautomatisiertem Fahren

Das wäre dann so etwas, wie man sich gut auf längeren Autobahnstücken vorstellen kann. Das Auto fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss aber innerhalb einer gewissen Zeit in der Lage sein, das Auto wieder übernehmen zu können. Man spricht hier innerhalb von etwa 10 sec, was bei Autobahnrichtgeschwindigkeit 361 Metern entspricht, mithin eine längere Strecke als man derzeit beim Fahren typischerweise überblickt. Das System muss also schon ganz gut wissen, was weiter vorn los ist. In der Stadt können 10 sec zwei Kreuzungen bedeuten, die es zu überqueren gilt. Da wird von so einem System noch mehr verlangt als auf der Autobahn, gerade bei Fußgänger- und Fahrradverkehr.

– vollautomatisiertem Fahren

Der Fahrer kann sich zurücklehnen und ein Nickerchen machen, während ihn das Auto irgendwo hinfährt. In Zukunftsvisionen sieht man dann nahezu beliebig drehbar angebrachte Liegesitzen oder gar den Gang zur Kaffeemaschine. Das wird angesichts der Gurtpflicht, die wohl so eilig nicht gekippt wird, aber vorerst Zukunftsmusik bleiben.

Die Probleme werden auch nicht durch die automatisierten Fahrzeuge entstehen (vom Eingriffen durch Hacker und elektromagnetischen Impuls mal abgesehen), sondern durch das Zusammenspiel mit nicht autonom fahrenden Fahrzeugen bzw. “analogen” Verkehrsteilnehmern. Da sehe ich die Herkulesaufgabe, die die Hersteller zu bewältigen haben. Kommunizieren ALLE Verkehrsteilnehmern untereinander, ist es im Grunde sehr einfach, sie z. B. wie an der Perlenschnur aufgereiht über die Autobahn fahren zu lassen. Da es aber auf absehbare Zeit garantiert mindestens einen Kaugummivertreter mit seinem hochmotorisierten silbernen Dieselkombi auf dieser Welt geben wird, der vor seinem Konkurrenten am Ziel sein will, ist das leider nicht mehr als ein Wunschdenken, bis “herkömmliche” Fahrzeuge verbannt werden.

Im eingangs genannten Artikel wird nicht zwischen den einzelnen Automatisierungsgraden unterschieden, aber es wird ein auf den ersten Blick naheliegender Vergleich gezogen, nämlich zum Autopiloten in der Fliegerei. Den kann man vielleicht am besten mit der Teilautomatisierung vergleichen, allenfalls ansatzweise mit Hochautomatisierung. Der Pilot oder die Piloten müssen in sehr kurzer Zeit übernehmen können. Daher hinkt das Beispiel. Vollautomatisiert fliegen die Flugzeuge jedenfalls nicht. Aber dass Autofahrer ähnlich wie ihre fliegenden Zeitgenossen das Fahren/Fliegen verlernen, kann ich mir gut vorstellen. Ich meine ja, dass schon heutzutage durch die Abkoppelung der Außenwelt von der Fahrgastzelle das Gespür für die Umwelt verloren geht. Die Autos erziehen derzeit ihre Insassen zu Egoisten. In einer alten Klapperkiste wie meinem Fiat 500 ist man dem Unbill der rauen Umwelt viel extremer ausgesetzt.

Das mag jetzt wie die Suche nach dem Haar in der Suppe klingen, nur scheint mir die Differenzierung immer stärker unterzugehen. Man sieht oder kennt diese Stufen in einigen Kreisen vielleicht nicht, sondern trennt immer nur “manuelles Fahren” von “autonomem Fahren”. So einfach es ja nun nicht. Leider. Und vielleicht auch gut so.

 

 

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Das ist alles andere als mittelmäßig!

Donnerstag, 26. Februar 2015

Heute wurde ein Artikel durchs Netz gereicht, den ich nicht besonders gut fand, weil er m. E. gesellschaftsfeindlich ist. Im Grunde wird, wenn ich das mit meinem mittelmäßig ausgeprägten Geist richtig verstehe, die Ellbogengesellschaft als die einzig sinnvolle Ordnung propagiert. Es kann nur einen besten geben. An der Spitze ist immer nur für einen Platz, sonst ist es keine Spitze und keiner wäre besser als der andere. Bevor ich mich lange in ungeschickten Worten ergehe, zitiere ich lieber:

Der Wirre schreibt hier zu dem Artikel nämlich etwas extrem schlaues, wie ich finde:

Futter gibt es nicht nur ganz vorne. Tu das was du kannst und magst, versuche Leidenschaft für das was du tust zu entwickeln, aber lass dich nicht vom Ehrgeiz zerfressen. In der Ruhe liegt mehr Kraft als du denkst, bleib in Bewegung, aber werde nicht hektisch. Gehe nicht joggen oder sprinten, sondern auf ausgiebige Spaziergänge. Lerne von den Ersten und Besten, aber äffe sie nicht nach.

Das ist mal ne echte Lebensweisheit, die ich komplett unterschreibe.

 

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Ich = Kunstbanause reloaded

Dienstag, 24. Februar 2015

Ich merk’s ja immer wieder: Mit Kunst oder (Hoch)kultur hab ich es nicht so.

Altes Museum und LustgartenIm gerade abgelaufenen Lebensjahr hatte ich zusammen mit meiner Begleiterin eine Jahreskarte für die staatlichen Museen Berlin – preußischer Kulturbesitz. Am Anfang waren wir voller Euphorie und schauten uns die Museen der Stadt an. Der anfängliche Schwung verging schnell. Im Sommer ist ja auch eh nicht so Museumszeit. Der Ablauf der Jahreskarte rückte näher, aber es standen noch diverse unbesuchte Museen auf der Liste. Die wurden dann im Schnelldurchlauf abgehandelt.

Die alte Nationalgalerie fand ich ganz gut. Nur die Bilder störten. Aber das Haus mit diesen lustig krummen Räumen? Cool. Das Bode-Museum. Hm. Was war da doch gleich? Ich glaube, viel Sakral-Zeugs. Ja genau. Das langweilte mich nach einer Viertelstunde und es ging im Laufschritt von Saal zu Saal.

Ich rannte also kopflos durch die Räume und hab dann prompt eine frühe Weissagung dieser Situation gefunden. Schön, dass man fast überall fotografieren darf. So habe ich mich darauf verlegt, ein paar besonders eindrucksvolle Exponate abzulichten.

Etwas kopflos heute?

Oder auch die historische Darstellung des C-3PO: Irgendwann später musste man dem wohl mal zur Tarnung ein Gesicht überzogen haben. Auf was für Ideen die Leute kommen!

C-3PO

Vom alten Museum habe ich nicht viel erwartet, außer Figuren ohne Köppe und ohne Arme. Und so kam es dann auch. Nur dieser Fernseher der Antike, in dem gerade eine Talkshow lief, hatte es mir angetan:
Fernseher der Antike

Wir waren dann natürlich auch noch im ethnologischen Museum. Joa, son paar Sachen waren ganz hübsch, wie z. B. die frühere Vergötterung der Rolling Stones. Aber der alte Plunder soll wirklich in den entstehenden Hot-Spot, ins Humboldt-Forum, aka es Stadtschloss-Neubau? Ne, oder? Gibt’s da nicht etwas, was die Leute mehr interessiert? Oder wie wäre es mit einem Parkhaus? Egal, mich fragt eh keiner.

Frühe Vergötterung der Rolling Stones

Den Vogel abgeschossen hat aber die Gemäldegalerie. Dort traf ich allerdings erst einen alten Bekannten wieder, den alten Knacker vom 100-Mark-Schein.

Der Mann vom 100-Mark-Schein

Der schaut aber eigentlich in die andere Richtung und ist natürlich bunt:

Der Cosmograph

Ein oder das Hauptwerk in der Gemäldegalerie ist derzeit der “Genter Altar”. Das ist ein im weitesten Sinne klappbares, recht großes Holzregal, in dem statt Büchern in den Fächern diverse Bilder angebracht sind. Aber jetzt kommt’s: Das ist weder das Original, noch ist es komplett. Sechs der zwölf Bilder sind durch Schwarzweißdrucke (oder Fotos) ersetzt! In einer rieeesigen Halle huldigt man also einer unvollständigen Kopie? Das fand ich so eigenartig, dass ich nur noch in die Luft gestarrt habe, was sich an einer Stelle aber durchaus lohnt:

Gemäldegalerie

Die Mario-Testino-Ausstellung im gleichen Gebäude hat aber einiges wieder rausgerissen. Supertolle Fotos von schönen Menschen.

Mario Testino

An das Kupferstichkabinett habe ich praktisch keine Erinnerung mehr. Viel scheine ich nicht verpasst zu haben. Sehr lohnenswert fand ich dahingegen das Kunstgewerbemuseum ein paar Schritte weiter. Das lag wohl daran, dass ich mir darunter nicht viel vorstellen konnte und so auch nicht viel erwartet habe. Aber dort hat es neben allerlei Klamotten auch hübsch gestaltete Gebrauchsgegenstände und Möbel. Da findet man dann Klassiker, die man auch auf die Torstraße sich auch selbst in die Bude stellen kann:

Eames

Am Ende war ich immer gut mit so was wie Meta-Kunst beschäftigt. Kunst im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten hübsch in Szene zusetzen und zu fotografieren. Zum Beispiel, wenn die Neue Nationalgalerie als Konzerthalle genutzt wird, was ich herausragend fand!

Kraftwerk

Am Ende der Jahreskarte stellte ich dann aber fest, dass mir Fotoausstellungen besonders gern anschaue. Darum habe ich mich über die Freikarten zum diesjährigen Geburtstag für’s c/o-Berlin gefreut. Gefällt mir gut dort am neuen Platz im Amerikahaus!  Dort war ich bestimmt nicht das letzte Mal.

c/o Berlin

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