Einfach die Hände schütteln

Samstag, 31. Januar 2015

Ich bin Begrüßungs- oder Verabschiedungs-Honk.

Als Kind hat man mir beigebracht, “das schöne Händchen” zu geben. Da ich eh Rechtshänder bin, war das einfach.

Später, als ich mehr mit Musikern und damit sowas wie Künstlern zu tun hatte, ging das Umarmen los. Noch schlimmer mit Küsschen auf die Wange geben. In Luxemburg übrigens drei. Aber wie? Links-rechts-links? Rechts-links-rechts? Keine Ahnung.

Wenn Sie mal jemanden treffen, mit dem Sie beim Versuch einer Umarmung mit dem Kopf aneinander ballern, könnte es sein, dass Sie gerade mich begrüßen. Ich habe nämlich die Begabung, garantiert mit der falschen Seite anzufangen. Schon ist die erste peinliche Situation da. Super.

Oder dieses supercoole Verabschieden, wie das die Cool People in den schlechten Autosendungen auf D-Max immer machen: High Five? Ich haue garantiert daneben. Zack, ist der kleine Finger umgeknickt. Die Fäuste leicht gegeneinander klopfen: Ich werde Ihnen die Hand geben wollen. Sich so lässig an den Handgelenken packen? Ich kratze meine Nägel in Ihre Pulsadern.

Selbst beim Händeschütteln kann man ja einiges falsch machen. Hier im Osten schüttelt man sich viel eher die Hände als im Westen, wo auch mal der Gruß mit der leicht angehobenen Hand und einem “Hi” ausreicht. Ich gebe garantiert dem nicht die Hand, der es gerade erwartet.

Das sind Probleme! Guten Tag!

Thema: danke es geht | Kommentare (0)

Das Unrecht am eigenen Bild

Samstag, 31. Januar 2015

Die Diskussion um das Foto des Fotografen Martin Langer von dem Mann mit Pissfleck in der Hose, der in den frühen 90ern in Rostock-Lichtenhagen so was wie den Hitlergruß zeigt, ausgelöst durch das Twittern dieses Fotos durch Jan Böhmermann, ist ja an Absurdität nicht zu übertreffen. Besonders hilfreich dank der Kommentar- und Verlinkungsvielfalt ist sicherlich der Beitrag vom Wirren. Ich möchte der Absurdität noch eine weitere Facette hinzufügen.

Ich fotografiere ja auch immer mal wieder Leute auf der Straße. Ohne zu fragen (muss man auch nicht). Aber auch ohne zu fragen, ob ich die Fotos veröffentlichen darf (müsste man!). Ich lege aber Wert darauf, nie Menschen in Posen zu zeigen, die sie diskreditieren oder lächerlich aussehen lassen.

Und so frage ich mich, wie wohl der Mann mit dem (vermeintlichen) Pissfleck (es könnte sich wohl auch um verschüttetes Bier gehandelt haben, aber dann hätte das Bild deutlich weniger Reiz) und auch der daneben stehende Mann auf die ja wohl mit Sicherheit vom Fotografen gestellte Frage reagiert haben, als er um Erlaubnis bat, das Foto veröffentlichen zu dürfen. Das Bild ist auf der Webseite untertitelt mit “Zuschauer während der Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen im August 1992″. Als Teilnehmer öffentlicher Veranstaltungen muss man damit rechnen, fotografiert zu werden, wobei schon fraglich ist, ob das Portraitdarstellungen sein dürfen. Als Zuschauer, damit nicht Teilnehmer, vielmehr zufäliger Zaungast, eröffnet sich aber ein Diskussionsspielraum. Vielleicht ganz interessant dazu:

Wesentlich häufiger als die konkrte Zustimmung sind jedoch die Fälle, in denen die abgebildete Person stillschweigend, in der Sprache der Juristen „konkludent“, in die Aufnahme und deren Veröffentlichung eingewilligt hat. Hier ist wichtig, dass in dem bloßen Dulden der Fotografie noch keine Einwilligung gesehen werden kann. Vielmehr muss die Person zum Ausdruck bringen, mit den Aufnahmen einverstanden zu sein. Dies kann zum Beispiel durch „Posen“ geschehen, sprich die Person merkt, sie wird fotografiert und setzt sich bewusst in Szene. Aber natürlich ist auch die nachträgliche Zustimmung möglich. Wenn eine Person nicht merkt, dass sie fotografiert wird hat sie sich auch nicht konkludent mit der Aufnahme einverstanden erklärt. Um sich hier rechtlich abzusicher, sollte der Fotograf, wenn die Person erkennbar ist, diese nachträglich um eine Erlaubnis fragen.

Quelle

Emporgereckter rechter Arm als Pose und der Aufforderung, mit Fleck in der Hose fotografiert und konkludent veröffentlicht zu werden, oder zufällig dabei abgelichtet worden? Der Fotograf wird es wissen, nehme ich an.

Thema: abgelichtet | Kommentare (1)

Fundamental-Blogger

Samstag, 31. Januar 2015

Manchmal scheine ich ja Fundamentalist zu sein. Jedenfalls, was das Bloggen betrifft, also ein Weblog zu führen, ein digitales Tagebuch, in dem man seine Gedanken niederschreibt, die dann auch andere lesen können. Ob das nun besonders viele Leute lesen, oder nicht: Mir egal. Man liest auch mehr darüber, wie wichtig es ist, “erfolgreich” (= mit monetärem Zuwachs) zu bloggen, als wie unwichtig es ist, Relevanz zu haben.

Ich finde es absolut ok und sehr anregend, dass es ganz viele Leute gibt, die z. B. Techniknachrichten ins Netz stellen. Oder über neue Musik schreiben. Oder über die fresheste Mode. Aber Bloggen in dem Sinn, wie ich das verstehe, ist das nicht. Darum gibt es m. E. auch immer wieder diese elende Diskussion, dass einige Blogger angefeindet werden, wenn sie mit Ihrem Schaffen Geld verdienen, sei es über Werbung oder für bezahltes Bloggen. Das liegt eben daran, dass viele das Bloggen offenbar noch so verstehen wie ich. Ich stelle aber klar: Auf diese Art sein Geld zu verdienen, ist genauso ehrenvoll wie als Oberarzt oder Straßenfeger.

Nur “Bloggen” ist das eben nicht. Es ist kurztaktiges Online-Publizieren, häufig subjektiv gefärbt, eine zweifellos gewollte Attitude. Eigentlich wichtig, einen neuen Begriff dafür zu finden. Aber dafür ist es wohl zu spät. Jedenfalls, die “echten” Blogger als “Journalizer” zu bezeichnen, wie ich darüber mal fantasiert hatte, hat sich ja nun auch nicht durchgesetzt. (Was Wunder.)

Angeregt zu diesem Beitrag wurde ich hierdurch und dadurch.

Thema: Draußen nur Kännchen | Kommentare (3)

Video-Video

Freitag, 23. Januar 2015

Dass andere Leute immer das zuerst machen, was man selbst immer mal ausprobieren wollte.

Aber dass dabei sowas tolles rauskommt, hätte ich nicht gedacht!

via

 

Thema: abgelichtet | Kommentare (0)

Keine Angst, Charlie!

Sonntag, 11. Januar 2015

PRRRR
Vor langer Zeit für uns gemalt von Silke N. aus H. nach Vorlage von Uderzo.

Hat mir immer schon sehr gut gefallen. Jetzt mehr denn je.

Thema: Energie! | Kommentare (0)

Warum ich nicht gern demonstrieren gehe

Samstag, 10. Januar 2015

Weil meistens schlechtes Wetter ist: Regen, Sonne, kalt, heiß: Irgendwas ist ja immer.

Ne, im Ernst.
Derzeit wird ja viel zum Demonstrieren aufgerufen. Meine Teilnahmen an Demos kann man allerdings wahrscheinlich an zwei Händen abzählen. Mal Menschenkette gegen Ausländerhass, 30-Mann-Demo vor dem Funkhaus von Radio ffn für den Erhalt des Frühstyxradios, gegen #Zensursula, gegen Überwachung, Anti-Atomkraft. Viel mehr kommt da nicht zusammen.

Und sehr oft (von der Frühstyxradiogeschichte und den eher stillen Menschenketten abgesehen) ging es mir ähnlich: Ich fühlte mich von den Wortführern instrumentalisiert. Da wurde eine Wortgewalt auf die Menge und in den Äther geblasen, dass mir unwohl wurde. Ich war mit der Rhetorik und den teilweise extremen Ansichten nicht einverstanden. Ich fühlte mich benutzt. Meine Anwesenheit wurde dafür missbraucht, mich mit den Äußerungen der Wortführer zu identifizieren.

Wenn es nicht ganz dicke kommt, werde ich wohl erst wieder zu einer Demo gehen, auf der ich selbst spreche. Und dit kann dauern.

 

Thema: danke es geht | Kommentare (1)

Differenzierter Egalismus

Freitag, 9. Januar 2015

Ich bin froh, dass ich im freien Entschluss vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Ich bin gerade jetzt – nach den Anschlägen von Paris – darüber froh, weil ich damit zu einer Gruppe weniger gehöre, für die ich meine, mich einsetzen zu müssen, wenn sie angegriffen wird, durch was oder wen auch immer. Man ergreift ja so leicht Partei für etwas, das einem wichtig ist. Es ist mir inzwischen schlicht und ergreifend egal, wer was über welche Religion sagt. Das ist gut. Wenn das so ist, nennt man das wohl pragmatischen Agnostizismus. Einfach ausgedrückt, glaube ich nicht an einen Gott, aber ich glaube auch nicht, dass es bestimmt keinen Gott gibt, wie Atheisten das tun (am Rande: Ich bin überzeugt, dass die meisten Atheisten eigentlich auch Agnostiker sind).

Ich verkenne nicht, dass der Glaube für Menschen, denen es z. B. in irgendeiner Weise schlecht geht, eine Stütze sein kann. Der Mensch lebt in schlechten Zeiten von der Hoffnung.  Die Erlösung, wie auch immer die aussehen mag, kann den Menschen hilfreich sein, um die tägliche Challenge zu meistern und Kraft zu schöpfen. Zum Glück geht es mir so gut oder bin ich so aufgeklärt, dass ich das nicht nötig habe.

Seit den Gräueltaten in Paris ist in den sog. sozialen Medien richtig Stimmung. Man ist zwar einerseits irgendwie natürlich gegen Gewalt, vor allem, wenn sie aus religiösen Erwägungen heraus begangen wird, aber man hat kein Problem damit, sich teilweise übelst zu fetzen, wenn es darum geht, ob denn nun im Namen der einen oder anderen Religion irgendwann in der Menschheitsgeschichte nicht auch mal gemordet wurde, ob das vergleichbar ist oder schlimmer, weniger schlimm, irgendwie anders und überhaupt. Ruckzuck ist man bei den Kreuzzügen und “den bösen Christen”. Man ist nicht zimperlich damit, pauschal alles zu verunglimpfen, was mal als Säugling über den Rand eines Taufbeckens geschmult hat. Klar. Es sind natürlich ALLE Christen. Wenn man lange genug wühlt, gibt es wohl immer einen oder mehrere Religionsangehörige, die mal was Böses getan haben und sich dabei auf “ihren Gott” berufen haben. Schaut euch auch mal diesen sagenhaften Comic von Pablo Stanley an, der das immer immer immer aktuelle Lied “Imagine” von John Lennon illustriert hat.

Gerade in einer Zeit, in der die Folgen von Gewalttaten von der Gesellschaft zu meistern sind, ist es unheimlich wichtig, Augenmaß zu bewahren. Nicht alle über einen Kamm zu scheren, zu differenzieren. Und überhaupt mal genau hinzuschauen. Stimmt es überhaupt, dass die Gewalttäter im Namen des Islams als gewaltbereite Islamisten unterwegs waren, auch wenn sie das rausgebrüllt haben mögen? Oder sind es vlt. einfach geistig gestörte, traumatisierte, irrgeleitete (meist männliche) Heranwachsende*, wie sie auch als Amokläufer in Schulen in Deutschland oder Amerika rumballern (dort meist ohne Religionshintergrund)? Ich weiß es nicht. Ich glaube nur, dass es falsch ist, solche Vorfälle nur durch die Religionsbrille zu sehen, auch wenn es noch so bequem ist. Auch andere Gewalttäter haben immer wieder vorgegeben, im Sinne irgendeiner höheren Sache zu handeln und damit eine gute Sache zu kapern, die vielen, vielen Menschen eine gemeinsame Heimat in der Ausrichtung ihres Lebensmottos gibt.  Was, wenn mal son Irrer statt den Namen einer Gottheit “BVF Schalke 05″ ruft, bevor er sich in die Luft sprengt? Alle Fußballfans verunglimpfen oder nur die eines gewissen Vereins? Bestimmt nicht, aber es ist auch schon nicht komisch, wenn gewaltbereite Testosteronüberproduzenten sich wegen einer Kunstlederpille an die Gurgel gehen ohne sich gleich gegenseitig umzubringen.

Ich rege daher zum differenzierten Egalismus an. Leute, denkt nach, ob ihr gerade mit der Pauschalsense die Meinung eines anderen niedermähen wollt oder ob es nicht vielleicht doch angemessen ist, etwas genauer hinzusehen. Sind die Dinge wirklich so einfach, wie sie im ersten Schein der Schwarzweißmalerei aussehen? Und, vor allem, überlegt, ob es sich nicht eher lohnt, die ganze Situation zu entschärfen, wenn man mit einem genuschelten “Machwoh’sein”  etwas Druck vom Kessel nimmt. So wichtig ist das doch alles gar nicht.

Ich sollte selbst viel öfter gelassener sein.

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*Das habe ich mir nicht allein ausgedacht, aber ich hab die Quelle vergessen.

 

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (6)

Bild lügt und macht kaputt

Dienstag, 23. Dezember 2014

Bild_luegtDass das stimmt, sollte man als normal-schlauer Deutschsprachler ja eigentlich wissen. Und das ist ja das Problem. Man nutzt die Dummheit der Menschen aus, um seine eigene wirre Botschaft zu transportieren, um die Stimmung aufzuheizen, aber vor allem, um Umsatz zu machen. Wie skrupellos man bei der Bild vorgeht, zeigt dieser Tage ja gerade die völlig verdrehte Geschichte, Politiker würden fordern, Christen sollten im Weihnachtsgottesdienst muslimische Lieder singen. Blödsinn.

Unweigerlich musste ich dabei an den Slogan “Bild lügt und macht kaputt” denken. Der ist mir so dermaßen geläufig, dass ich dachte, den kennt ja wohl jeder. Vor allem hatten wir ja früher alle  irgendwo so einen Aufkleber. Auf dem Auto, der Schultasche, dem  Kleiderschrank, dem Moped, dem Fahrrad, der Zimmertür, dem Gitarrenkoffer. Irgendwo war einer. Klare Sache.

Also, so ein Aufkleber muss wieder her. Aber nixda. Weder bei Amazon, noch bei ebay erhältlich. Das ist schon eigenartig. Auch bei Google: Kein Hinweis auf den Slogan. Folgerichtig finde ich auch in der Google-Bildersuche den Aufkleber als Bildchen nicht.

Ja, habe ich das denn geträumt? Oder – und alle Verschwörungstheoretiker werden mir jetzt zustimmen – hat der Verlagskonzern diesen Slogan etwa aus der Geschichte getilgt ..?

 

Thema: Wie getz? | Kommentare (0)

Großväterland – Gegen das Vergessen

Samstag, 20. Dezember 2014

FullSizeRenderGroßväterland, das Projekt von Markus Freise, Alex Kahl und Christian Hartinghaus tritt gegen das Vergessen der Zeit des 2. Weltkriegs mit einer Graphic Novel an.  Dafür haben sie ein Crowdfunding gestartet, das m. E. absolut unterstützenswert ist. Die Geschichte werden in Comicform aufbereitet. Ich war mir nicht sicher, ob das funktioniert. Nach den ersten Entwürfen und auch dem Prolog-Band muss ich aber sagen, ja, das geht sehr gut! Neben den Bildern gibt es Infokästen, in denen der Historiker des Projekts Hintergrundfakten liefert und Zusammenhänge darstellt.

Gerade in der heutigen Zeit, in der man anscheinend kein Problem mehr damit hat, mit Knarren aufeinander loszugehen, ist es unglaublich wichtig, zu transportieren, dass nirgendwo so viel gelogen wird, wie im Krieg, und dass es keinen sauberen Krieg gibt. In einer Zeit, in der Alltagsfaschismus in allen Bereichen der Gesellschaft en vogue ist, muss man die Menschen mit deutlichen Bildern darauf stoßen, welche Dummheit sie begehen, hinter ein paar Populisten her zu rennen und unreflektiert deren Gedankengut rauszurülpsen.

Ich hätte meinen Opa mütterlicherseits gerne kennengelernt. Ich glaube, er muss ein faszinierender Mann gewesen sein. Überhaupt hat es die Familie meiner Mutter im Osnabrück der 1930er und 40er Jahre verstanden, sich den Nazis entgegenzustellen. Die Familie hatte eine Gemüsegärtnerei mit einem kleinen Laden in der Nähe des Neumarkts. Für die jüdischen Menschen in Osnabrück lag stets etwas unter dem Ladentisch. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so etwas zu drakonischster Bestrafung führen konnte! Eines Tages stellte ein Osnabrücker Nazi eine Spendendose auf den Tisch, mit der mein Opa (oder Uropa) für die NSDAP sammeln gehen sollte. Er verweigerte das beharrlich, bis meine Uroma ein paar Münzen herauskramte und in die Dose warf, damit es keine Probleme gab.

Mein Opa wurde 1944 als Vater von vier Kindern eingezogen. Er wurde irgendwann als “vermisst” gemeldet, und ist wohl in der Normandie gefallen. Meine Oma hat nie wieder geheiratet, weil sie als fromme Frau stets die Hoffnung hatte, dass ihr geliebter Mann wiederkommen würde. Er war ja “nur” vermisst.

Ich hätte auch gern die Brüder meiner Oma väterlicherseits kennengelernt. Von ihnen weiß ich fast nichts, außer dass sie wohl bei Stalingrad gefallen sind.

In den 1980er Jahren gab es mal eine Sendung im dritten Programm “Vor 40 Jahren”. Die lief von Zeit zu Zeit bei uns. Mitunter gab es Szenen von Luftangriffen und dem vorangehenden Sirenengeheul. Ich war damals noch nicht alt genug, um das alles zu verstehen. Aber ich weiß noch, wie meine Mutter bei diesen Sirenengeräuschen wie erstarrt im Sessel saß, mit einem versteinerten Gesicht, und ihr die Tränen hinunter liefen. Sie ist 1938 geboren, hat also den 2. Weltkrieg miterlebt und auch Erinnerungen an die Bombenangriffe auf Osnabrück. Die ungewissen Stunden in Kellern, während darüber die Häuser zusammenstürzten und Brände durch die Straßen tobten.

In Osnabrück gab es seinerzeit große Industrieanlagen, die Ziele der Alliierten darstellten. Und da die Route von England nach Berlin, Hannover oder auch Leipzig und Dresden über Osnabrück führte, war die Bevölkerung extremen Bombenangriffen ausgesetzt. Was man auf dem Hinweg nicht losgeworden war, warf man auf dem Rückflug ab. Die Brutalität des Kriegs ergab, dass man nicht nur die Industrieanlagen ausradieren wollte, sondern durch massive Angriffe auf die Zivilbevölkerung auch die Menschen, die in den Betrieben arbeiteten.

Es war so schlimm, dass meine Oma mit den Kindern nach Dissen ausgesiedelt wurde, in ein Dorf etwa 20 km entfernt. Dorthin fuhr man mit dem Zug, oder auch mal zur Verwandtschaft nach Ostercappeln. Ich habe eine Begeisterung für Flugzeuge aus jener Zeit. Aber wenn meine Mutter erzählt, wie die Tiefflieger die Züge beschossen, mit denen sie unterwegs waren, so dass sie in die angrenzenden Äcker flüchten mussten und sie bei der Weiterfahrt die Einschusslöcher in den Dächern der Waggons sahen, wird mir ganz anders.

Ich muss schon weit zurückdenken, und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt schon eine Zeit in meinen 44 Jahren auf diesem Planeten erlebt habe, in dem an so vielen Stellen auf dieser Welt Krieg herrschte. Für mich besonders schlimm daran ist, dass “wir” (ich habe die nicht gewählt) kräftig mitmischen. Ich empfinde den Begriff “Verteidigungsminister(in)” schon lange für eine Farce. Wenn sich alle nur verteidigen würden, gäbe es ja keinen Krieg. Ehrlicher wäre wohl, wenn alle diejenigen, die erwägen, Angriffe mit Waffengewalt zu befehlen, sich dann bitte schön auch als Kriegsminister bezeichnen. Und nein, Angriff ist nicht die beste Verteidigung.

Ich lehne Gewalt ab. Je älter ich werde, desto mehr kommen meine pazifistischen Ansichten durch. Ich gebe dabei auch ganz ehrlich zu, dass ich keine Antwort auf die Frage habe: Was willst du denn machen, wenn Gewalttäter unschuldige Menschen angreifen? Mit Raketen, Bomben und Granaten zu reagieren, ist jedenfalls für mich keine Option. Die ultima ratio, Gewalt mit Gegengewalt zu kontern, gibt es für mich nicht. Wenn einige bewaffnete Gruppen überhaupt die Möglichkeit haben, andere Menschen anzugreifen und niederzumetzeln, hat die Menschheit schon versagt, weil sie es nicht geschafft hat, zu unterbinden, dass solche Leute überhaupt Waffen und Munitionsnachschub bekommen. Aber solange ja ach so viele Arbeitsplätze davon abhängen ..? Da kommt mir echt die Galle hoch.

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

 

 

Thema: Wichtigpopichtig! | Kommentare (0)

Warum der neue Stadtentwicklungssenator Geisel super zu Berlin passt

Freitag, 12. Dezember 2014

Im März 2013 fragte ich beim damaligen Bezirksbürgermeister von Berlin-Lichtenberg, Andreas Geisel, nun frischgebackener Stadtentwicklungssenator, wann denn wohl die Hauptstraße (der verlängerte Markgrafendamm zwischen Ostkreuz und Karlshorster Straße) ENDLICH instand gesetzt wird. Für die tägliche Verkehrsbelastung ist das sicherlich eine der schlechtesten Straßen Berlins.

Im Februar 2010 sah sie so aus:
Schlaglochallee

In der Antwort auf meine Mail, die recht zügig kam, hieß es noch verheißungsvoll:

Wir werden die Straße noch über das Jahr 2013 retten. Aber dann folgt die Grundinstandsetzung.

Im Juni 2014 sah die Hauptstraße so aus:
Hauptstraße

Richtig. Es hat sich genau nichts getan. Keine Grundinstandsetzung in Sicht, dafür aber das Jahr 2015. Meine Nachfrage vom März 2014 blieb unbeantwortet. Was das Verschleppen und Hinausschieben von Bauvorhaben und das Ignorieren von lästigen Steuerzahlern betrifft, hat er sich also offensichtlich schon hervorragend an seinen Vorgängern orientiert. Das kann ja was geben. Ich wünsche eine glückliche Hand bei der Amtsführung und schöne Abende in illustrer Runde in der Staatsoper. Ah, wait …

Und damit bleibt die Göttin daher noch für lange Zeit das optimale Auto für diese Straße:
DS in natürlichem Umfeld (Schlaglochallee)

Thema: Halleluja Berlin | Kommentare (0)