Viel Spaß noch in Berlin
Mittwoch, 1. September 2010
Wie man an der Beitragsfrequenz merkt, ist hier gerade etwas Sommerpause angesagt. Und richtig: Gestern sind wir nach gut zwei Wochen aus Südfrankreich zurückgekehrt, wo wir Wetter, Futter und Gegend genossen haben. Den Rest dieser Woche lassen wir uns noch ein bisschen durch Berlin treiben.
Nach einem Besuch, der den Optiker des Vertrauens reich machen wird (ich wollte doch schon lange so eine Brille Modell “erfolgloser Jungfilmer” haben), sind wir noch durch diverse Läden rund um den Hackeschen Markt gestiefelt. Und da Stadtstiefeln hungrig macht, sind wir in einem Restaurant an der Oranienburger Straße gegenüber des alten Postfuhramts hängen geblieben.
Sowohl die Chefin als auch ich hatten nur ein Tasche dabei, keinen Rucksack, kein Fotoapparat, keine Sonnenbrille und hatten auch keine Schöffel-Sandalen an. Trotzdem wurden wir von der freundlichen Bewirtung mit den Worten “Viel Spaß noch in Berlin” verabschiedet. Ich meinte: “Danke, aber wir wohnen hier.” – “Öh.” – “Ja, wir haben uns als Touristen getarnt.”
Die Berliner (wer auch immer sich dafür hält) schimpfen ja gern über die Touristen. Oder machen sich über sie lustig. Dabei sind es doch gerade die Touristen, die vor allem der ach so hippe Berliner braucht, um die erwünschte Aufmerksamkeit zu erzielen. Der anorektische Mitte-Boy würde sich kaum in die knallenge Röhrenjeans stopfen, wenn er hinter seiner Porno-Sonnenbrille nicht sicher wäre, dass von der anderen Straßenseite die Unschuld vom Lande herüberschielt. Oder der goldkettenbehängte Endfünfziger mit dem Brusthaartoupée in seinem leicht verbeulten, aber nicht unbedingt abbezahlten Mercedes-Cabrio will doch eigentlich nur beim Damenkegelclub “Einer steht immer” aus Bramsche-Engter Eindruck schinden, der gerade die Kegelkasse in der “Ständigen Vertretung” versoffen hat.
Ich mag die Touris. Allein die vielen verschiedenen Sprachen, die man jeden Tag auf der Straße hört! Klar stehen sie einem im Weg herum. Aber ich habe meine eigene Vergangenheit oder die Situation, dass ich in anderen Ländern auch “lästiger” Touri bin, nicht vergessen. Die Touris beleben das Stadtbild, machen es bunt und sorgen dafür, dass das Berlin der Berliner, die ja eh meist zu Hause bleiben, von der Welt überhaupt wahrgenommen wird.
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