[Fusselflieger] Aqua-Icon: Auf Schwimmern in Brandenburg

Sonntag, 24. August 2014

Zwei Jahre ist es schon wieder her, dass ich meine brüchige Icon 312 auf Schwimmer gestellt habe. Ein paar Flüge habe ich seitdem gemacht, aber wirklich ausgiebige Erfahrungen konnte ich bislang nicht erfliegen, bis zur vergangenen Woche. Wir, meine Beraterin in allen Lebenslagen und ich, waren mal wieder mit dem Boot auf Brandenburger Gewässern unterwegs.

Meine YachtIcon 312 mit SchwimmernNeben meinem neuen Segelboot, einer SeaCret von Staufenbiel, war auch meine Icon 312, für den unkontrollierten Luftraum, dabei und eben mit den wieder montierten Schwimmern. Geflogen bin ich nur in den Abendstunden. Tagsüber war es immer so dermaßen windig, dass es mir zu gefährlich war. Man muss ja nicht zwangsläufig das Modell aufs Spiel setzen, zumal die Bergung auf dem Wasser nicht so einfach ist. Mal eben mit dem 12-Meter-Kahn ablegen und das Flugzeug einsammeln, sagt sich leichter als es ist.

Wie ich schon bei den ersten Tests feststellte, neigt die Aqua-Icon dazu, am Wasser zu kleben. Anstellwinkel hat sie auf jeden Fall genug, und bei entsprechender Geschwindigkeit ist durch einen beherzten Zug am Höhenruder auch das Abwassern (so nennt der Profi den Wasserstart) kein wirkliches Problem. Sieht nur etwas doof aus, dass die Mühle sich gleich steil in den Himmel schraubt, anstatt in flachem Winkel abzuheben.

Beim Fliegen merkt man den Luftwiderstand und das Gewicht der Schwimmer ziemlich deutlich. Man muss wesentlich mehr Gas geben und die Grundgeschwindigkeit ist auch höher. Ansonsten scheint das Flugzeug recht gut für die Wasserfliegerei geeignet zu sein. Bislang hatte ich jedenfalls noch keine kritischen Situationen zu meistern. Man könnte ja meinen, dass ein Hochdecker besser geeignet ist, aber das kann ich nicht bestätigen. Nur eigenstabil fliegt die Icon natürlich als 3D-Kunstflugmaschine nicht, im Gegensatz zu einem Hochdecker mit ordentlich V-Form in den Tragflächen.

Modellwasserfliegen ist eine tolle Sache. Ich mag es sowieso, mich am Wasser aufzuhalten, weil ich beim Blick über das Wasser so schön meinen Gedanken nachhängen kann. Vor allem die Ruhe auf den Brandenburger Gewässern ist dafür natürlich hilfreich. Aber demnächst werde ich auch mal über der Rummelsburg Bucht kreisen, glaube ich.

Icon 312 mit Schwimmern

Wenn man genau hinsieht, erkennt man eine kleine Kamera oben auf der Icon. Über einen irgendwie anscheinend doch nicht windigen Händler (Banggood) kam vor ein paar Wochen eine Versandtasche aus China mit einer kleinen “Keychain-Cam” mit Weitwinkelobjektiv. Bei einigen Vorgängermodellen habe ich festgestellt, dass die Dinger anscheinend selbsttätig den Akku nicht nur leersaugen, sondern auch tiefentladen und damit zerstören. Daher baue ich da Kameras jetzt so um, dass man den Akku abstöpseln kann. Das scheint zu helfen.

Die Kamera sitzt mit etwas dauerelastischem Kitt und Tesa-Band auf der Kabinenhaube und guckt mal nach vorn, mal nach hinten oder zur Seite. Vielleicht baue ich mal eine Halterung mit Dreheinrichtung.

Entstanden sind in den letzten Tagen diese Videos. Wer Zeit und Lust hat, kann ja mal reinschauen. Es empfiehlt sich, den Ton leiser zu stellen.

Seinen ersten Test hatte die Kamera allerdings an einem historischem Ort, in Tempelhof:

 

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Google, kannste vergessen? Danke.

Sonntag, 13. Juli 2014

Das sog. “Recht auf Vergessen”, diese “Lex Google”, wonach man einen Antrag an Suchmaschinenbetreiber stellen kann, unliebsame Suchergebnisse zu beseitigen, stößt bei einigen Netzaktivisten so dermaßen auf Widerstand, dass sie den Untergang des Abendlandes kommen sehen. Mindestens. Je öfter “Zensur” gekräht wird, desto weniger fällt allerdings auf, wenn es wirklich mal zu Zensur kommt. Das ist das Ärgerliche an Gewöhnungseffekten.

Ich halte es für ziemliche Panikmache, dass dieses Möglichkeit, Sucheinträge beseitigen zu lassen, wirklich nennenswerte Auswirkungen hat. Erstens ist es doch so, dass man sich an jeden einzelnen Suchmaschinenbetreiber wenden muss. Ich verrate euch mal was: Es gibt nicht nur Google. Zweitens wird ja nicht die Fundstelle selber gelöscht. Der eigentliche Inhalt bleibt unangetastet. So richtig Zensur ist es also nicht. Ok. Dadurch wird die Recherche etwas aufwendiger, um nicht zu sagen, ist es ein Rückschritt wie in analoge Zeiten, als man sich in Bibliotheken durch Karteikästen und Regale gehangelt hat. Es ist nicht mehr alles bequem vorgefiltert und in appetitlichen Häppchen vorgekaut. Zur Not muss man selbst recherchieren. Macht natürlich keiner, dessen Startseite google und erster Bookmark Wikipedia ist.

Aber wenn man mal über seine eigene Bequemlichkeit hinwegsieht und sich in die betroffene Person versetzt: Warum sollte ihr es nicht ermöglicht werden, unliebsame Netzfundstücke schwieriger auffindbar zu machen? Es wird nun mal so viel unreflektierter Mist ins Netz gekippt, dass es einem manchmal etwas zu viel werden kann.

Mir ist das passiert, als mich mal ein von Verschwörungstheorien durchweichter Journalist sozusagen beruflich konsultieren wollte, nachdem sich ein ebenso weichbirniger Politiker zu Tode gefahren hatte. Ich sollte mich zu den Schäden am Fahrzeug äußern. Offensichtlich hatte sich der Journalist Zutritt zu dem Fahrzeugwrack verschafft, wohl unberechtigt, nehme ich an.

Wir haben dann telefoniert. Danach habe ich mich allerdings informiert, was das denn überhaupt für einer ist, dieser Journalist. Und da kam dann doch so großer Unfug zutage, vor allem auch eindeutig einer politischen Richtung zugehörig, mit der ich nun beim besten Willen nicht in Verbindung gebracht werden wollte,  dass ich dachte, ne, mit dem will ich nicht in einem Atemzug genannt werden. Jedenfalls untersagte ich ihm per Mail, mich in seinen Pamphleten namentlich zu nennen. Daran hat er sich – natürlich – nicht gehalten, und so ist mein Name mit – zum Glück – wenigstens richtig wiedergegebenen Zitaten in einem Buch zu dem Thema erschienen, das dieser Schreiberling tatsächlich zustande gebracht hat.

Irgendwann stieß ich bei Google auf, ich glaube, eine französische Seite, auf der mein Name und der dieses Journalisten auftauchte. Ich dachte, na super. Außerdem wurde da als Quelle das unsägliche Machwerk dieses Schreiberlings genannt, das ich mir dann erst mal beschaffte. Allerdings gebraucht für 99 ct, damit bitte keine Tantiemen bei diesem Typen landen. Und tatsächlich tauche ich darin namentlich auf.

Das Buch kauft wahrscheinlich eh kaum einer. Und wenn mich einer darauf anspricht, weiß ich gleich, was ich von demjenigen zu halten habe. Aber die Fundstelle im Netz hat mich doch irgendwie gewurmt. Da nun aber jemanden anzuschreiben, bitteschön meinen Namen zu entfernen, kann man ja vergessen. Damit erreicht man eher das Gegenteil. Kennt man ja. Wenn man sich aber an denjenigen wenden kann, der als Multiplikator fungiert, finde ich das persönlich nicht die allerschlechteste Variante. So mancher Netzinhalt sollte sowieso einer Halbwertszeit unterliegen und sich nach einer gewissen Zeit von selbst beseitigen.

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (0)

Ach #touchandtravel. Ihr müsst noch viel lernen.

Freitag, 4. Juli 2014

Eben habe ich das Auto in die Werkstatt gebracht und bin mit der BVG zum Büro gefahren. Dafür nutze ich eigentlich ganz gern Touch&Travel, auch wenn es teurer ist, als z. B. 4er-Karten zu kaufen. Aber die Nerven, die Nicht-Annahme “neuer” 5€-Scheine (Die gibt’s schon ziemlich lange, finde ich), die Geräusche etlicher ankommender und abfahrender Züge, die bohrenden Blicke anderer Fahrscheinerwerbegewillter, während quälend langsam die Fahrscheine aus dem Automaten quillen, lassen mich zu der eigentlich ganz bequemen Handylösung greifen. Dass damit ein Bewegungsprofil erstellt wird: Nunja. HIER weiß man es wenigstens.

Nach dem ich mich eben am Senefelderplatz ausloggte und auch der Fahrpreis berechnet wurde, hatte ich beim Einschalten meines Rechners postwendend eine Mail bekommen:

 

Verstoß gegen die Touch&Travel-Bedingungen bei Ihrer Fahrt 0815

Sehr geehrter Herr Will Sagen,

während Ihrer Fahrt mit Touch&Travel am 04.07.14 (Fahrt-ID: 0815) war die Positionsbestimmung durch den Location Based Service (LBS) nicht möglich. Die Freigabe des LBS durch Sie ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung, um Touch&Travel nutzen zu können.

Bitte beachten Sie, dass zur Berechnung des Fahrpreises Ihr Standort zwischen An- und Abmeldung periodisch ermittelt werden muss.

Damit Sie Touch&Travel weiterhin nutzen können, ist es notwendig, den Location Based Service erneut freizuschalten. Senden Sie dazu eine SMS mit dem Inhalt +touchandtravel an die Nummer 27637. Für den Versand dieser SMS berechnet Ihr Mobilfunkanbieter Kosten für eine Standard-SMS entsprechend Ihres Mobilfunktarifs.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Touch&Travel-Kundenbetreuung

Diese E-Mail wurde automatisch generiert. Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail.

Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an:
Touch&Travel Kundenbetreuung
Salzufer 6
10587 Berlin

Tel.: 0800 330 430 1 (kostenlos)
info@touchandtravel.de
https://www.touchandtravel.de/

 

Ich dann so:

Guten Tag,

> Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail.
Doch. Genau das tue ich:

Ich will wohl gerne irgendetwas freischalten, aber einen Verstoß, also eine aktive Pflichtverletzung gegen irgendwelche Bedingungen, habe ich nicht begangen und muss ich mir auch nicht vorwerfen lassen. Ich habe an meinem Smartphone keinerlei andere Einstellungen vorgenommen als sonst. Wlan aktiv, GSM aktiv, GPS aktiv, ja sogar Bluetooth. Der Akku zeigte beim Verlassen der letzten Station 92% an.

Wenn Ihr LBS z. B. in einer U-Bahn nicht funktioniert, kann ich wenig dagegen ausrichten. Mein Navi im Auto hat in Tunnels auch Schwierigkeiten. Jedenfalls werde ich auch in Zukunft davon absehen, an jeder Station auszusteigen und für 5 Minuten ans Tageslicht zu gehen, damit ich von Ihnen periodisch überwacht werden kann. Vielleicht sind Ihre Nutzungsbedingungen mit einer Fortbewegung unter der Erde (Blaschkoallee-Hermannplatz-Alexanderplatz-Senefelderplatz) in Zusammenwirken mit einem dramatisch schlechten, also im doppelten Sinn unterirdischen Mobilfunknetz schlicht inkompatibel. Ich habe mich von Anfang an gefragt, als diese periodische Überwachung eingeführt wurde, wie zuverlässig das wohl unter der Erde funktioniert. Mir scheint außerdem, Ihr Kundenüberwachungsdrang und das grundsätzliche Misstrauen ist etwas zu stark ausgeprägt. Ich empfehle Ihnen daher, den Fehler zunächst bei sich zu suchen, bevor Sie das Vergehen Ihren Kunden zuweisen.

Vielleicht sollten Sie über die Formulierung Ihrer Mail daher noch mal etwas nachdenken. Als Anregung, weil ich ja quasi Kunde der ersten Stunde und so etwas wie ein Betatester war (immer noch bin, trifft es wohl eher):

“Betreff: Problem mit der Standortbestimmung” oder so. Und dann: “Leider war es unserem System nicht möglich, Ihren Standort periodisch zu bestimmen. [...] Die Programmierung sieht vor, dass die Standortbestimmung durch Sie erneut freigeschaltet werden muss.” An dieser Stelle könnten Sie sich auch fragen: Warum eigentlich? Nur, weil das einmal nicht ging, muss man als Kunde aktiv werden?

Ich werde wohl dazu übergehen, mich wieder an den quälend langsamen Automaten zu bedienen (die sind vermutlich vom gleichen Programmierer, oder?) Mit 4er-Karten ist es in Berlin eh günstiger, Öffis zu nutzen.

Ja, meine Ausdrucksweise ist etwas deftig geraten. Genauso, wie Sie, der/die das jetzt liest, persönlich wohl nichts für die Unzulänglichkeiten kann, geht es mir aber auch.

Viele Grüße und einen angenehmen Tag noch

Will Sagen

 

Thema: Ach geh mir wech | Kommentare (2)

Demokratisches Internetforum. Geht das?

Mittwoch, 2. Juli 2014

Fiat 500 Treffen Klein-Marzehns 2013 Die Betreiber meines alten Fiat-500-Forum haben mich ja nicht mehr lieb. Die lebenslängliche Verbannung scheint wohl nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt zu werden.

Nun gut. Mache ich mir eben mein eigenes Forum. Aber die gleichen Fehler machen wie alle anderen? Genauso autokratisch, launisch und unberechenbar moderieren? Sich dem Dauerstress aussetzen, dass es immer einen geben könnte, der nicht weiß, wie er sich benehmen soll?

Oder die Sache anders angehen: Man kann, wenn man ein bisschen an das Gute im Menschen glaubt, davon ausgehen, dass die meisten Leute eigentlich ganz sauber ticken. Warum sollten sie nicht in der  Lage sein, verantwortungsbewusst gegenseitig aufeinander aufzupassen? Sollte es nicht möglich sein, ein Forum, selbstreguliert zu betreiben? Wenn der Wikipedia-Gedanke doch eigentlich auch ganz gut funktioniert, könnte es doch sein, dass sich auch in einem Forum das Gute durchsetzt. Es ist ja eh nur eine sehr begrenzte Nutzerschaft, die in Frage kommt.

Selbstreguliert heißt, dass jeder Benutzer Moderatorrechte besitzt. Er/Sie kann Beiträge anderer verändern. Das wird über dem jeweiligen Beitrag eingeblendet. Leider weiß ich nicht, wie man bei MyBB, die von mir gewählte Software, eine Bearbeitungshistorie erstellt. So muss man wohl damit leben, dass nur die letzte Bearbeitung angezeigt wird. Und was natürlich auch blöd ist, dass man Änderungen nicht rückgängig machen kann. Sollte mir hier jemand Hilfe anbieten können, wäre ich sehr dankbar!

Mit ein paar Voraussetzungen könnte man diesen Versuchsballon doch mal starten. Eine ist z. B., dass die Benutzer nach außen zwar anonym auftreten können, aber bei der Registrierung ihre Identität preisgeben müssen. Selbstredend werden diese Daten nicht veröffentlicht, stehen dem Betreiber aber zur Kontaktaufnahme zur Verfügung. Ich denke mal, viele sind schon etwas einsichtiger, wenn sie wissen, dass man sich im Zweifel an sie persönlich wendet.

Also. Hier geht’s zu meinem, euerm neuen Fiat-500-Forum. 

500web-forum-logo

 

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (0)

Carlchen-Pokal 2014

Sonntag, 22. Juni 2014

Carlchen-Pokal 2014Vor 24 Jahren erfuhr ich das erste Mal von der Existenz des Heidbergrings. Einem Fiat-500-Novizen wurden schillernde Bilder von einer sagenumwobenen Zwergenrennstrecke geschildert. Die Realität sah direkt vor meinen Augen damals allerdings anders aus. Da stand nämlich Milles 500er mit abgeschmirgelter Regenrinne und leicht onduliertem Dachholm. Da stand für mich erst mal fest: Rennsport ist gefährlich. Die Freunde der Querbeschleunigung mögen’s nicht, wenn die Beschleunigung nicht mehr zur Quer-, sondern entlang der Z-Achse einwirkt.

Carlchen-Pokal 2014Seit ein paar Jahren veranstaltet ilmotore, die Firma um Natascha und Torsten, so eine Art Revival des damaligen Renntages, benannt nach dem Stammhalter “Carlchen-Pokal”. Seitdem hadere ich damit, dort teilzunehmen oder wenigstens hinzufahren. Das Teilnehmen lasse ich mal besser sein. Erstens fehlt das passende Renngerät und zweitens halte ich mich für alles andere als einen begnadeten Rennfahrer. Da ich mich ja inzwischen sowieso mehr auf’s Fotografieren als auf’s Autofahren verlegt habe, packte ich eben den Kofferraum mit Fotozeugs voll (die Stehleiter, die ich doch nicht brauchte, passte sogar nur auf den Beifahrersitz) und machte mich auf den Weg zum 275 km entfernten Heidbergring bei Geesthacht.

Carlchen-Pokal 2014Knapp 3 Stunden später stand ich vor dem Tor, und mein Grinsen ging von Ohr zu Ohr, weil mich zorniges Zweizylindergebrumme begrüßte. Allerdings unterbrochen erst von einem Quietschen eines BMW E46 und dann einigen Knack- und Knirschgeräuschen. Der hatte sich mal gleich den Stoßfänger geliftet. Ne Rolle Gaffatape später fuhr aber wieder. Dennoch merkte man schon, dass der Kurs für normale Autos eigentlich zu eng ist. Die 500er dagegen passten hervorragend in die Landschaft. Der etwa 850 Meter lange Ring liegt wie in einem Kessel, ringsum von einem hohen Wall umgeben, ziemlich idyllisch im Grünen. Die Milane kreisen darüber und die Lerche trällert ihr Lied dazu, wenn die Motoren ihren Dienst aufnehmen. Großartig!

Carlchen-Pokal 2014Großartig auch, viele nette Leute wiederzutreffen: Natascha und Torsten sowieso. Guzzi-Philipp habe ich jahrelang nicht gesehen. BOR-NO-Andreas, aber auch Ralf. Letzter gab mir zu verstehen, dass er auch nicht mit allem einverstanden ist, was im Forum von Moderatorenseite aus läuft. Im Grunde hat er vieles bestätigt, was ich mir schon gedacht hab. Leider fehlt ihm wohl der Mut, mal etwas zu bewegen. Sei’s drum. So ist das halt im Despotismus. Karsten ließ von Rike grüßen, Steffen, Düsi, Philipp, Anja, Guido und viele mehr. Dummerweise fehlen mir zu vielen Gesichtern ja immer noch oder immer wieder die Namen. Man bot mir an, mal mitzufahren oder mir sogar ein Auto zu leihen. Beides habe ich aber dankend abgelehnt. Wenn, dann würde ich nur mit nem eigenen Auto fahren. Dennoch danke!

Carlchen-Pokal 2014Ich packte dann mein Foto-Geraffel und machte mich auf den Weg, die besten Fotospots zu erkunden. Das geht eigentlich ganz gut, weil es viele Möglichkeiten gibt, auf verschiedenen Höhen an die Strecke zu kommen. Dabei hatte ich meine Leica mit den drei Linsen (15, 35 und 90 mm) und die Nikon D5000 mit dem 70-200  (4,5-5,6) (faktisch also 105 bis 300 mm). Letzteres habe ich mal wieder viel benutzt, aber die Schärfe und der Autofokus sind halt so ne Sache. Wenn man sich die Fotos von der Leica und der Nikon in Lightroom nebeneinander in 100%-Ansicht anschaut, sind die Nikon-Bilder eben deutlich matschiger. Dafür ist es mit der Leica schwieriger, überhaupt den richtigen Schärfepunkt zu treffen. Aber ich will es ja nicht anders.

Carlchen-Pokal 2014Am imposantesten drehte für meinen Geschmack immer noch Philipp mit seinem Guzzi-D seine Runden. Das Auto ist einfach eine Wucht! Aber auch die konventioneller frisierten 500er waren eine Schau. Die “Fremdfahrzeuge”, 126er, 128er, X1/9 etc. lockerten das Feld auf. Für meinen Geschmack eher fehl am Platz war der lustige quietschende Honda. Die Jungs darin hatten aber wohl ihren Spaß. Den TT und den E46 habe ich mehr oder weniger ausgeblendet, der E30 war aber sehr hübsch anzusehen. Alles in allem hat sich die Fahrt echt gelohnt: Jede Menge Fotos, rund 700, von denen ich 175 “entwickelt” habe. Weil sich jemand über die Vokabel “entwickeln” amüsierte: Keines der Fotos wandert so, wie es aus der Kamera kommt, ins Netz. Alle sind nachbearbeitet, meistens die Ausrichtung und der Bildausschnitt. Häufig der Kontrast und “Tiefen/Lichter”, Weißabgleich, Vignettierung, Rauschunterdrückung usw. Das dauert dann schon ein paar Stunden.

Carlchen-Pokal 2014Ein paar Ausfälle gab es leider auch. Schon vor meinen Eintreffen hatte Düsis Puch Probleme mit der Kraftübertragung. Dem schönen 128er hat es vorne links die Radaufhängung zerrissen, und der 126er hat “den Mille gemacht”, sich nämlich auf die Seite gelegt. Außer ein bisschen Blechschaden ist aber nichts passiert. Hoffen wir mal, dass alle Schäden leicht zu reparieren sind, damit ich vielleicht im kommenden Jahr neue Fotos von den tollen Autos machen kann. Das hängt wahrscheinlich mehr von mir als von den Schraubern ab.

Hier der Link zu meinem flickr-Album.
Achso, und ein Filmchen habe ich auch noch gedreht. Das kann ich aber nicht so gut. Aber man bekommt einen Eindruck, was so abging.

 

Thema: abgelichtet, cinquecentistisch, rolling rolling rolling | Kommentare (1)

Krautreportende

Freitag, 6. Juni 2014

Krautreporter

29. Krautreporterunterstützer. Early Adopter ftw!

Du bist informationsinteressiert? Du liest viel online? Du wunderst dich, wie das überhaupt funktionieren kann mit dem Online-Journalismus? Du fragst dich, wie das in Zukunft weitergehen soll?

Dann bist du schon einen Schritt weiter als viele andere. Denn, online lesen, ist gut, weil man bei guten Angeboten nicht nur ein Feedback abgeben, sondern auch ein Feedback zum Feedback bekommen kann. Online-Journalismus funktioniert aber nicht so gut, wie man es gern hätte. Denn, Qualität lässt sich mit Werbung kaum finanzieren. Wenn man von einem Thema Ahnung hat, merkt man sofort, was da für ein Mist zusammencontentet wird. Außerdem nerven die ganzen großen Verlagshäuser, die nur auf Effekthascherei aus sind und aus jeder noch so kleinen Nicht-Meldung eine 100-seitige Klickstrecke machen (wobei ich Foto-Klickstrecken zum Beispiel bei Spon oft ganz schön toll finde). Und weil die Modelle, die die großen Verlage fahren, dem Untergang geweiht sind, muss man sich für die Zukunft was anderes ausdenken.

Und, Rettung ist in Sicht! Denn jetzt kommen die Krautreporter ums Eck! Das Problem ist: Die kommen erst dann ums Eck, wenn 15.000 Leute zusammengekommen sind, die ein wenig die Katze im Sack für 60 Euro kaufen, von der sie eine Ahnung haben, wer die Elterntiere sind. Aber hey: 60 Euro im Jahr. Das kann man schon mal wagen. 5 Euro im Monat. Und die werden erst fällig, wenn die 15.000 zusammengekommen sind (wobei ich mir ja wünschen würde, dass die vielleicht mit halber Schlagzahl schon mal loslegen, wenn nur die Hälfte erreicht ist). Denn, leider sind noch nicht ganz die Hälfte von 15.000 Mitkrautern zusammengekommen. Und es sind nur noch ein paar Tage Zeit.

Tja. Und jetzt komme ich mit meiner kaum in Zahlen zu fassenden Leserschar daher. Nach Veröffentlichung dieses Beitrags ist das Projekt auf’s Gleis gesetzt, ok?

Danke!

Thema: Linkomat, Wichtigpopichtig! | Kommentare (0)

eCall? Locker bleiben.

Dienstag, 3. Juni 2014

Eigentlich schätze ich netzpolitik.org ja. Ich würde mal sagen, dass ich dort mit am häufigsten den flattr-Button klicke. Nur manchmal geht es doch mit ihnen durch. So in den heutigen Beiträgen zu eCall. Einer von Andre Meister und einer vom schleswig-holsteinischen Datenschützer Thilo Weichert. Beim ersten habe ich kommentiert, bei letzterem habe ich mich dann doch zu einer Antwort als Blogbeitrag durchgerungen. Th. Weichert hatte mich schon beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag nicht gerade begeistert.

Ich fand die Positionen von Th. Weichert nämlich schon dort enttäuschend vorgetragen. Er äußerte sich in einer Gemengelage aus Halbwahrheiten und Vermischung von Fakten und Fantasie. Ich würde mir eine klarere Trennung dessen wünschen, was eCall tatsächlich ist und was technisch alles möglich ist. Das verschwurbelt zum Schluss so schön, dass man beinahe glaubt, dass eCall direkt schon die 24/7-Überwachung bedeutet. So ist es ja nun nicht. Ganz anders sind die Dinge, die das Leben und Fahren angenehmer machen, zu sehen. Dort sind nämlich die zukünftigen Entertainmentsysteme der Fahrzeuge für ein Tracking viel besser geeignet. Mit Spotify Musik streamen, die neuesten Staunachrichten im Echtzet-Navi und an der Tanke mit Karte oder mobilen Payment bezahlen. Ja ne is klar. Ich nehme mal an, dass die eCall-Gegner alle brav ihr Handy abschalten, wenn sie ins Auto steigen. Dass man darüber getrackt werden kann, liegt ja auf der Hand. Und mit welchen weiteren Handybesitzern man zusammen im Auto sitzt, kann man dann auch gleich herausfinden. Um das gleiche mit eCall zu bewerkstelligen, müssen erst mal einige Voraussetzungen gegeben sein, die derzeit klar verneint werden. Ich glaube eCall ist da doch die deutlich harmlosere Technik.

Wenn erst mal ein buntes iOS- oder Android-System im Auto werkelt, alle schön Musik über Spotify während der Fahrt streamen, sich den Streckenverlauf schon mal mit einem Online-Navi anschauen, weil man ja hochaktuelle Staumeldungen haben will, dann beim Tanken mit Karte oder einem Mobil-Payment bezahlen: Dabei wird man dann getrackt, nicht mit eCall.

Interessant auch, dass sich niemand an den Car-Sharern abarbeitet. Die kombinieren auch GPS-Ortung mit personenbezogenen Daten und versprechen ebenso nur, dass kein Tracking stattfindet. Warum sollte man die gesetzliche Bestimmung zu eCall als weniger glaubwürdig ansehen, als die Interessen von Privatunternehmen wie der Bahn, dem BMW-Konzern oder wer auch sonst gerade mit den Parkplatzblockierern in den Markt drängt? Denen ist doch direkt viel mehr daran gelegen, zu erfahren, was mit ihren Autos passiert. Sei es, um die Nutzungsbedingungen zu erfahren (zu Recht, wenn ich sehe, wie manche die Autos vergewaltigen), oder auch, um Probleme mit den Fahrzeugen im Feld zu eruieren. So ein überwachter Großtestbetrieb ist doch mehr als reizvoll für die Entwickler. Aber weil die Dinger ja hipp sind, im Gegensatz dazu, in einen Unfall verwickelt zu werden, ist das eben ok und wird nicht weiter hinterfragt.

Und dass es keine Opt-Out-Möglichkeit für eCall gibt, liegt ganz einfach daran, dass man damit auch denjenigen schnelle Hilfe zukommen lassen will, die unverantwortet in einen Unfall mit einem eCall-Fahrzeug verwickelt werden, z. B. weil der besoffene Jurist, der auf dem VGT2014 meinte, man müsse ja wohl noch besoffen unerkannt in den Graben fahren dürfen, den Graben nicht getroffen hat, sondern das Mütterchen auf dem Fahrrad. Oder, wenn er den Graben getroffen hat, die schwer verletzten Insassen, die den Alkoholkonsum nicht geahnt haben. Darum. Außerdem kann man ja auch einfach alte Autos fahren. :)

 

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iiiIIIIIEEeeeeiiii3

Montag, 26. Mai 2014

Zzzzzzzzzisch …

i3-011Ich bin eben BMW i3 gefahren. Bloggerkollege Thomas Gigold, der natürlich viel fleißiger, fundierter und ausdauernder über Autos bloggt, stellte den Kontakt zu BMW Berlin her, um mich zu einer Proberunde mit dem i3 einzuladen.  Das ist das erste reine Elektroauto von BMW. Gleich vorweg: Fährt super! Wenn man gemein ist, und das bin ich ja, könnte man sagen, der fährt so super, wie er furchtbar aussieht. Ich komme nicht drumherum, aber ich muss da noch ein bisschen drauf rumreiten. Ich verstehe BMW an der Stelle einfach nicht. Für mich – ich fahre ja selbst einen (älteren) BMW – steht die Marke BMW für dynamische, sportliche Fahrzeuge. Weniger für Vernunftkisten, die auch so aussehen. BMW hat in der Vergangenheit ja schon öfter Mut zu auffälligem Design bewiesen, dabei aber für meinen Geschmack nicht unbedingt ein glückliches Händchen gehabt. Lange Zeit übersetzten alte Fans der Marke BMW mit “Bangle muss weg”. Bis vor kurzem war Chris Bangle ja der Chefdesigner, der z. B. solche Unglücke wie das 6er Coupé mit dem Kofferraumdeckelgeschwür zu verantworten hat. (Beim Z3 hat er sich zum Glück noch nicht so richtig getraut.)

i3-012wi3-001Egal. Mit dem i3 hat Bangle m. W. nichts zu tun. Es fehlen auch die typischen hängenden Linien und konkaven Blechflächen. Stattdessen folgt man hier dem Trend, dass die Designelemente eines Fahrzeugs für mindestens drei Modelle ausreichen. So ähnlich hat Mercedes das ja mit der A-und B-Klasse vorexerziert. Auch da: Von allem zuviel. Ich hätte mir den i3 im Interesse dessen, wofür BMW steht, dynamischer gewünscht. Für meinen persönlichen Geschmack auch gern als kombihaftes Coupé. Ich habe vorhin mal mit Photoshop rumdilettiert. Ich hab davon echt keine Ahnung und kann allenfalls Pickel wegmachen oder Farben anpassen. Jedenfalls habe ich mal stumpf ein paar Markierungen ausgeschnitten und woanders eingefügt. Die Gürtellinie samt Dach insgesamt etwas tiefer, die Schießscharten seitlich hinten nach unten gezogen, den Schweller durchgängig schwarz und so. Wenn das jetzt gut gemacht wäre, sähe das von der Seite schon mal besser aus. Hinten müsste man dann auch noch was machen. Die Heckscheibe würde mit der Unterkante sicherlich die Seitenlinie der Fenster aufnehmen. Oder so.

i3-008Der i3 will ja ein Stadtauto sein. Und in der Stadt biegt man häufig rechts ab. Was macht man da? Richtig, man versucht nach hinten rechts Radfahrer zu orten. Da hat man dann diesen Blick. Das ist schon arg wenig, was man da sieht. Bei meiner Lösung hätte man schon ein etwas größeres Sichtfeld, und damit ein wichtiges Argument, das man als Sicherheitsfeature für das gemeinschaftliche Auskommen im Verkehr mit schwächeren Verkehrsteilnehmern bringen könnte. Stattdessen folgt man leider dem Trend, die Gürtellinie hinten hochzuziehen. Dabei finde ich diese riesigen hinten hochgezogenen Blechflächen mit den schmalen Sehschlitzen an der Seite alles andere als schön und eben auch aus meiner beruflichen Sicht schlecht. Für Kinder sind die runtergezogenen Fenster in den Fondtüren natürlich schön zum Rausgucken.

Sonst sitzt man natürlich gut. Man hat eine leicht erhöhte Sitzposition, die vielen ja so wichtig ist und sich daher gleich einen panzerspähwagenesken SUV zulegen, mit dem sie dann die Gören 500 Meter weit zur Kita befördern und dabei so viel Platz einnehmen, auf der woanders 10 Leute wohnen. An dem Erfolg dieser Fahrzeuggattung zeigt sich auch, dass man hierzulande über Wirtschaftlichkeit keine Autos verkaufen kann. Denn so ein SUV ist ja nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern verbraucht auch mehr Sprit als ein “normales” Auto. Zudem braucht man häufig auch fettere Reifen und so. Alles teurer. Also: Die Karre muss was hermachen, damit sie gekauft wird. Vielleicht wäre BMW gut beraten gewesen, dem i3 ein martialischeres Äußeres zu geben. Aber der i3 ist -wenn man sich mit seinen Linien anfreunden kann- dafür zu nett. So wie der Audi A2. Dem fehlte auch das Bissige. Erst die Gebrauchtwagenkäufer haben dessen wirklichen Qualitäten erkannt.

i3-005Hinten hat der i3 auch ne Sitzbank. Der Fußraum hat keinen fetten Mitteltunnel. Das ist toll, weil man viel besser durchrutschen kann. Meine DS hatte ja auch einen glatten Wagenboden, und aus Kindertagen ist mir das vom Citroën GS Break meiner Eltern noch gut in Erinnerung. Die Türen hinten sind “Selbstmördertüren”, also hinten angeschlagen. Man kann sie nur öffnen, wenn die vordere Tür auch offen ist. Hm. Weiß nicht. Dem kann ich nicht viel abgewinnen. Ist ein netter Gag, benötigt aber viel Stabilität in den Strukturen drumherum, weil man keine B-Säule hat. Bestimmt gewöhnt man sich aber dran, wenn man seine Aktentasche hinter den Sitz stellen will, erst die Fahrertür und dann die Fondtür zu öffnen. Man muss ja eh beide Türen auf- und zumachen, auch bei nem anderen Viertüren, wenn man etwas hinten unterbringen will.

i3-009Im Kofferraum merkt man, dass man irgendwo Technik unterbringen musste. Der Kofferraum ist nämlich kein tiefes Loch wie bei anderen Autos heutzutage, sondern erinnert mich an meinen Fiat 500 Kombi, bei dem die Ladekante mit dem Kofferraumboden eine Ebene bildet. Andere Autoblogger wissen ja immer gleich, wie viel in den Kofferraum reinpasst. Ich weiß das nicht. Ich finde die Größe daher ok. Der Wocheneinkauf würde reinpassen und auch noch ein paar Kisten Pils extra für Vatti, wenn man die Sitze umklappt. Was will man mehr? Vielleicht einen Fahrradträger. Ich glaube, ne Anhängerkupplung gibt es für den i3 nicht. Aber BMW hat bestimmt ne Zubehörlösung, um den Transport der beiden Hippster-Fixies zu bewerkstelligen.

i3-007Das weitere Innendesign finde ich großartig! Das Holz ist geöltes Eukalyptus, was ja besonders schnell nachwächst. Vorsichtig sollte man dann sein, wenn man einen Koala im Haushalt hat. Der sollte hinten sitzen, nicht dass er vorne die Verkleidungen anknabbert. Die Armaturenbrett- und Türverkleidungen sehen aus wie aus einem dunklen recyceltem Fasermaterial. Das hat mir auch sehr gut gefallen, weil es hier im positiven Sinne die Andersartigkeit unterstreicht. Statt eines Tachos hat man ein Display vor sich, das man gut ablesen kann. Außerdem noch einen mittig angebrachten Bildschirm mit allerlei weiteren Infos wie Navi, Radio und so.

Mir ist die Geschwindigkeitsanzeige allerdings zu träge. Denn der i3 geht im Stadtverkehr so ab, dass die Anzeige, das ist kein Witz, mit der Geschwindigkeit hinterher hinkt. So ist es mir ein paar Mal passiert, dass ich mich jenseits der 60 km/h wiedergefunden habe, obwohl ich nur auf knapp über 50 beschleunigen wollte. Kurven konnte ich nicht so ausgiebig testen. Der Schwerpunkt liegt wohl recht tief, so dass die Fuhre sicherlich auch gut ums Eck geht. Auch hier kann ich nur sagen, dass die Form diese Dynamik gern auch nach außen transportieren dürfte. So sieht es wohl eher ein bisschen unbeholfen aus, wenn der Kasten, der höher als breit ist, um die Ecke gerauscht kommt. Der Wendekreis ist noch kleiner als der meines Z3, und das will was heißen (echt jetzt!).

i3-013Woran man sich schnell gewöhnt, ist die Funktion des GasStrompedals. Wenn man nicht gerade scharf bremsen muss (wie ich, weil ein Radfahrer bei roter Ampel in falscher Richtung die Straße überquert), braucht das Bremspedal praktisch nicht. Nimmt man den Fuß vom Gas, hat man eine sehr wirkungsvolle Motorbremse. Dabei wird die Energie nicht wie beim herkömmlichen Bremsen in Feinstaub und Wärme umgewandelt, sondern in elektrische Energie zurück in den Akku gestopft. Das ist super! Ich schätze die Verzögerung auf etwa 2 bis 3 m/s2. Das merkt man dann schon. Viel stärker bremst man im normalen Verkehr höchstens, wenn relativ plötzlich ne Ampel auf rot umspringt. Ich habe mich allerdings gefragt, was das Auto macht, wenn die Griffigkeit nicht gegeben ist, also bei Straßenglätte. Dann müsste wohl dauernd das ESPDSC regeln oder so.

i3-004Der freundliche BMW-Mann hat mir auch noch das Aufladen mit den verschiedenen Möglichkeiten gezeigt, zu Hause (mit einem Wandladegerät, langsames Aufladen bei den Schwiegereltern über die Schukosteckdose, oder Schnellladen an einer öffentlichen Ladesäule. Letztere hatte irgendwie einen doofen Stecker, der nicht richtig einrasten wollte. Daran merkt man, dass man es hier mit einer Technik zu tun hat, die noch in den Kinderschuhen steckt. Überhaupt das Aufladen. Das dauernd natürlich schon seine Zeit. 80% hat man zwar relativ schnell wieder drin (ich glaube, das war ne Dreiviertelstunde), die letzten 20% dauern dann aber noch mal so lange. Das bringt diese Akkutechnologie eben so mit sich.

i3-003Im Grunde müsste man jede Gelegenheit, bei der man anhält, zum Laden nutzen können. Das ist aber kaum praktikabel, weil man ja nicht ständig mit der Kabeltrommel irgendwo nach Strom betteln will. Öffentliche Ladestationen gibt es zu wenige, und ob einem die Reichweite reicht, muss jeder für sich entscheiden. Ich halte die realistischen gut 100 km, es mögen auch 130 km sein, für zu wenig. Zwar ist es richtig, dass man meistens weniger am Tag fährt. Aber allein in meinem Beruf kann es schon mal sein, dass ich morgens erst ins Büro, dann zu einer Fahrzeugbesichtigung nach Tegel fahre, danach noch eine Unfallstelle in Grünau angucke, dann wieder ins Büro und später nach Hause. Da komme ich dann vielleicht gerade noch mit dem letzten Elektron an, aber das wäre mir zu stressig. Eine Gesamtreichweite, bei der bei den Benzinkarren fast schon die Reserveleuchte kommt, halte ich für schlecht vermittelbar, um so ein Auto wirklich an den Ottonormalverbraucher zu bringen. Da sollte es schon eine Tagesetappe eines Wochenendausflugs sein, sagen wir 500 km. Das wäre so die Zahl, wo die Leute zu überlegen anfangen würden, ob die Elektrogurke was für sie wäre. Und im Grunde haben sie ja auch alle Recht, wenn sie sagen: “Ich kann beim ferngesteuerten Auto meines Sohnemanns die Akkus auch tauschen. Warum geht das hier nicht?” Die Tankstelle als Akkuwechselstube. DAS muss man den Leuten erstmal klar machen, warum das nicht geht. M. E. wäre das immer noch zu überlegen, würde aber bedeuten, dass sich die Hersteller miteinander weltweit ins Benehmen setzen. Kannste vergessen. Man kann ja froh sein, dass man den ganzen Kofferraum nicht mit Steckeradaptern füllen muss.

i3-010Aus beruflicher Sicht interessiert mich natürlich auch die Sicherheit oder die Wege der Kaltverformung. Das ist bei einem Auto, das aus neuartigen Werkstoffen gebaut ist, ja so eine Sache. Wie für die Kanzlerin nach vielen, vielen Jahren das Internet noch Neuland ist, ist das ja mit neuen Werkstoffen im Autobau auch so. Ist man in einen Unfall verwickelt und nicht unbedingt schuld, kommt das Auto ja nicht gleich in die Reparatur, sondern ein Schadensachverständiger schätzt erst mal die Schadenhöhe. Mal ein Beispiel: Jeder (oder?) weiß, dass ein Auto einen Anprall an einer festen Barriere mit bis zu 4 km/h ohne Schaden übersteht. Soweit die Theorie. Denn in der Praxis mag der Schaden noch so klein sein: Wenn sich am Thermoplastbauwerk, der Stoßfängerverkleidung, auch nur die kleinste Aufwölbung zeigt, ist ne neue fällig. Und weil die Gutachter keinen Röntgenblick haben, wird – oft auf Verdacht – der Querträger samt Pralldämpfern darunter gleich mit aufgeschrieben. Ein Bekannter berichtete von einem Fall mit einem Rennrad aus Carbon. Das hatte einen Kratzer am oberen Rahmenrohr abbekommen, bei dem ein paar Fasern gerissen waren. Irreparabel. Neuer Rahmen. Wenn nun nach einem Unfall sich irgendwo ein kleiner Spliss in der Kohlefaser zeigt, oder auch nur der Verdacht besteht, dass es eine solche Belastung gegeben haben könnte, möchte ich wetten, dass da viele teure Reparaturen kalkuliert werden, weil man es eben nicht so genau weiß. Ist ja Neuland, so ein Auto. Und misslungene Unfallreparaturen, bei denen die einstmalige berechnete Crashsicherheit nicht mehr gegeben ist, sind leider keine Seltenheit. Dieses Problem betrifft aber nicht nur den i3, sondern auch andere Fahrzeuge mit Verbundwerkstoffen in den tragenden Strukturen. Der i3 ist halt gerade ein sehr prominenter Vertreter auf dem Markt, und BMW wirbt ja auch mit den Vorteilen dieser Technologie, die man zweifellos nicht in Abrede stellen kann.

i3-002Nichtsdestotrotz: Ich finde den i3 toll, habe mich aber trotzdem einmal dabei erwischt, wie ich fast gedacht hätte: “Na hoffentlich erkennt dich keiner in dem Ding!” Aber die Form ist natürlich Geschmackssache. Darüber darf man ja angeblich nicht streiten. Ich bin mir sicher, dass sich BMW mit einem ästhetischeren Auto, das mehr Dynamik verkörpert, einen größeren Gefallen getan hätte. Denn so muss man die inneren Werte wahrhaftig erfahren, damit man auf den Geschmack kommt. Elektroautofahren ist toll! Echt jetzt. Das ist so dermaßen elegant, quasi geräuschlos dahinzugleiten, dass man sich fragt, warum man den Irrweg über den Zerknalltreibling überhaupt eingeschlagen hat. Denn, wenn man die gleiche Forschung wie in Verbrennungskraftmaschinen in die Elektro- vor allem die Akkutechnik gesteckt hätte, würde man heute mit einem Auto wie dem i3 wohl 1000 km und mehr am Stück fahren und die Akkus in 5 Minuten aufladen können.

Also, danke BMW, für die Probefahrt, aber sorry, dass ich doch ein paar Kritikpunkte aufzählen musste. Wer sich selbst ein Bild vom i3 machen möchte, und das sollte man, wenn man an innovativen Autos interessiert ist, kann man sich als Berliner oder Speckgürtler hier melden: bmwi3berlin. Da läuft gerade eine Aktion bis Ende Juni.

Nachtrag:

Der supernette Probefahrermann, mit dem ich mich echt gut unterhalten habe, dessen Namen ich aber leider vergessen habe, hatte mich vorher gefragt, ob ich beim Fahren fotografiert werden darf, daraus würde dann ein Film zusammengeschnitten. Den kann man hier sehen. Ich kann versichern, dass man eigentlich normal sitzt, und nicht mit dem Kopf nach unten. Außerdem bohre ich mir nicht dauernd in der Nase, sondern stütze meine schwere Rübe mit dem Arm auf der bequemen Mittelarmlehne ein bisschen ab. :)

Thema: Elektrisiert, rolling rolling rolling | Kommentare (5)

2x nein, weil’s besser ist für THF

Freitag, 23. Mai 2014

Tempelhof
Ich bin ja Fliegerei-Freund. Von daher ist es aus meiner Sicht um Tempelhof eh geschehen. Im Grunde also egal, was da nun passiert? Übermorgen dürfen die wahlberechtigten Berliner über zwei Gesetzesvorschläge abstimmen. Wenn man sich die im Wortlaut durchliest, muss man schon genau hinschauen, was die Initiatoren eigentlich von einem wollen. Bis vor kurzem wusste ich auch gar nicht, dass man über beide Vorschläge getrennt abstimmen kann.

Fangen wir mal mit den Senatsplänen an:

Senatspläne

 

Das klingt schon alles sehr vage, und scheint etliche Hintertürchen offen zu lassen. Außerdem ist es so formuliert, dass es sich eigentlich ganz freundlich anhört. Obwohl schaut man genauer hin: “Historische Spuren … werden bewahrt.” Pfff. Spuren. Spurenelemente. Etwas, das man nur mit intensiver Suche findet. Dass mit der “Möglichkeit einer Randentwicklung” eigentlich eine 100%ige, nicht nur eine in meinen Augen zu starke Bebauung und zudem diese völlig überflüssige Landesbibliothek verbunden ist, ist hier schön verschleiert. Allein, dass ich mit einem “Ja” auch für diese Bibliothek stimmen würde, lässt mir hier nur die zweite Alternative, das “Nein”. Denn, solange angeblich der Nutzen der riesigen Flächen des Tempelhofer Flughafengebäudes unklar ist, man kann es ja angeblich so schlecht zu irgendwas gebrauchen, muss man keinen neuen Lagerraum für Bücher bauen. Im Ernst mal: Man wird ja wohl ein paar Bücherregale in einem alten Flughafen aufstellen können! Sanieren muss man die Gebäude so oder so, wenn sie nicht verfallen sollen. Eigentlich sollte man über Abriss nachdenken, wenn sie zu nichts zu gebrauchen sind. Da pfeif’ ich doch auf den Denkmalschutz.

Vom Schöneberger Südgelände nach TempelhofJemand sagte mir neulich mal, so eine Bibliothek sei ein “Ort der Begegnung”. So ein Quatsch. Kann man ja mal versuchen, dort jemandem zu begegnen, also mit ihm zu sprechen. Dann wird man doch gleich von allen Seiten angePssst! Nene. Bücher gehören gescannt und ins Netz. Das sollte man mal vorrangig ins Auge fassen, und keinen Protzbau, den keiner braucht.

Die sog. Randbebauung finde ich im Kern nicht schlecht. Nur scheint mir der Rand etwas arg breit auszufallen. Mich beschleicht außerdem das Gefühl, dass sich die Grüppchen schon gebildet haben, die die Filetstücke und sicher aufteilen wollen. Darum muss die Bebauung, wie sie derzeit geplant ist, erst mal in der Schublade verschwinden. Denn, es ist ja wohl klar, dass die derzeitig Regierenden jedwedes Vertrauen verspielt haben, was größere Bauvorhaben und ihre Planungen betrifft. Die profilierungssüchtigen Versager sollen doch bitte erst mal reumütig von dannen ziehen.

Also pro “100% Tempelhofer Feld”?

Was wollen die denn eigentlich?

100THF

Naja. Klingt ja ganz gut soweit. Nur, ein bisschen Planung und gewisse Regeln wären vielleicht nicht verkehrt. Z. B. diese völlig unmotiviert aufgestellten Hochbeete. Ey, sorry jetzt mal. Aber das sieht einfach scheiße aus, wo man wie die Farmer im Wilden Westen angefangen hat, irgendwas in Hüfthöhe anzupflanzen. Kann ja aussehen, wie es will, aber dafür finde ich die Lage doch arg prominent. Diese zusammengefuddelten Gestelle und was das alles ist, verletzen jede Heimwerkerehre. Naja, egal.

KiteAchso, und die Kitesurfanfänger, die mit einem Skateboard, einem für sie zu großen Drachen und ungefähr 10 km Schnur mal eben ganz allein sämtliche Radfahrer, Fußgänger, Hunde und sonstige Freizeitsuchenden von der Landebahn fegen. Können die vielleicht erst mal in Schönefeld üben? Vielleicht am BER, da soll Platz für sowas sein.

Und die Modellflieger. Ich bin ja auch Modellflieger und meine, dass man in THF hervorragend fliegen kann. Aber mitten im Bereich einer Hauptzufahrt des Geländes, wo alle Nase lang andere Besucher die Flugbahn kreuzen? Viel zu gefährlich! Und so könnte man noch mit anderen Aktivitäten und temporären Einrichtungen dort weiter machen.

Das bedeutet, man müsste das vorhandene Gelände erst mal sinnvoll einteilen. Modellflieger irgendwo am Rand in einer Ecke, die nicht so belebt ist, aber vielleicht auch so, dass man mit einer Karre,  nem Fahrrad samt Anhänger gut dort hinkommt. Schön wäre auch, wenn es Möglichkeiten, abschließbare Boxen vielleicht, gäbe, um solche Karren oder andere Dinge, die man nicht immer wieder mit nach Hause nehmen muss, einschließen kann. Und, warum nicht ein Café oder einen Imbiss im südlichen Teil? Ist eine Bademöglichkeit nicht auch ne gute Sache? Muss ja nicht gleich riesig sein. Usw.

P-38 LightningMit zaghafter Planung könnte man die vorhandene Fläche so umgestalten, dass sie vielen Aktivitäten mehr entgegenkommen würde, auch wenn das Chaos, das die Berliner dort ja angeblich so lieben, etwas darunter leiden würde. Weniger Chaos führt m. E. zu Entspannung und Beruhigung der Gemüter, was man sich ja in der Freizeit wünscht.

Nunja. Und dann meine ich, dass man durchaus auf einem schmaleren Bereich am Rand bauen sollte. Z. B. am Columbiadamm. Ich finde wirklich, dass dort Platz genug ist, um ein- oder zweireihige Bebauung umzusetzen. Vielleicht wäre auch ein Streifen am T-Damm oder östlich Richtung Neukölln so bebaubar, dass der Eindruck der weiten Fläche erhalten bleibt, und trotzdem ein paar tausend Leute vielleicht sogar günstigen Wohnraum in attraktiver Lage erhalten können (wobei ich der Meinung bin, dass Wohnungen mit fließend Warmwasser und Zentralheizung keine Luxusbebauung darstellen, auch wenn manch Linksverdreher das meint). Denn eine Stadt wie Berlin kann es sich nicht leisten, eine solche große Fläche komplett für den Wohnungsbau ungenutzt zu lassen. Ich halte die 100%-Forderung an der Stelle auch für relativ egoistisch. Diejenigen, die das fordern, haben bestimmt eine Wohnung in  THF-Nähe oder so, dass sie gut dorthin kommen können.

Vom Schöneberger Südgelände nach TempelhofDas Problem ist nur, dass die sog. Volksvertreter ihre Aufgabe ja nicht ernst nehmen und das umsetzen, was das Volk will. Stattdessen ist man viel zu sehr gefangen in seiner Parteiherrlichkeit. Hier fehlt eine viel wahrhaftigere Wahrnehmung von “Volkes Stimme”. Die ist nicht so schwer zu hören, wenn man sich Mühe gibt. Allerdings muss man dafür selbst mal einen Moment still sein.

Insgesamt bin ich zum jetzigen Zeitpunkt der Meinung, dass weder die eine noch die andere Idee taugt. Da man auf dem Stimmzettel ja keine Vorschläge oder Kritik vermerken sollte, bleibt es also dabei: Ein Doppel-nein könnte -sollte- für die sog. Verantwortungstragenden ein Zeichen sein, einen Kompromiss zu finden. Sehr behutsame Bebauung, eine sinnvolle Raumplanung mit angepasster Umgestaltung der Flächen, die aber den Grundcharakter nicht verändern.

Und als letztes frage mich ja ohnehin, wie lange solche Gesetze Bestand haben, egal, was es nun wird. Kann denn nicht eine kommende Regierung solche Beschlüsse einfach wieder aufheben?

Vom Schöneberger Südgelände nach Tempelhof

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Pro Dashcam

Samstag, 17. Mai 2014

Ja. Ich bin böse. Ich bin kein bedingungsloser Datenschutzverfechter und außerdem habe ich eine Dashcam im Auto, die ja von einigen Juristen, darunter auch vom Lawblogger Udo Vetter, gegeißelt wird. Seit dem Meteroriteneinschlag in Russland sind sie einer breiten Masse bekannt, weil sich viele fragten, wo denn die ganzen Filmschnippsel dazu herkommen. So eine Dashcam ist inzwischen in einigen Ländern Europas verboten.

reflashIch dagegen finde sie eine tolle Einrichtung. Erst mal aus beruflicher Sicht. Einige meiner Berufskollegen leiden ja manchmal an Fantasielosigkeit, wenn es darum geht, einzuschätzen, wie sich so mancher im Straßenverkehr verhält, bevor man irgendwelche ach so typischen Verhaltensweisen voraussetzt. Da ist es schon mal nützlich, eine Verkehrssituation jenseits des “Normalen” zeigen zu können. Aber dieser Einsatzzweck ist natürlich auf das große Ganze bezogen eine Seltenheit. Die meisten Leute werden sowas im Auto haben, um gegebenenfalls einen Unfall oder eine gefährliche Situation, die ihnen widerfährt, aufzeichnen zu können. Oder man kann aufzeichnen, wenn man geblitzt wird. Vielleicht sogar, um nachzuweisen, dass man die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten hat. Das ist doch geradezu ein Muss, wo doch bei Verkehrsrechtlern in aller Munde ist, wie unzuverlässig die bösen Blitzerfallen sind.

Es gibt ja einige Stimmen, das habe ich sogar schon mal von einer Juristen für Verkehrsrecht gehört oder gelesen, die es eigentlich besser wissen müsste, die meinen, dass man sich im Falle eines Unfalles darauf verlassen kann, dass die Polizei alles Erforderliche unternimmt. Sorry, aber da muss man deutlich sagen, das ist Bullshit. Viele Unfälle sind zwar nicht gefährlich, weil nur etwas Blech verbogen ist, aber für die Beteiligten dennoch ärgerlich. Ich könnte es finanziell auch nur schlecht verschmerzen, wenn mir jemand meine Karre kaputt fährt und, vorausgesetzt, ich habe mich richtig verhalten, ich sein Verschulden nicht nachweisen kann, weil die Polizei eben bei Sachschäden in der Regel nicht mehr macht, als die Kennzeichen und Namen der Beteiligten zu notieren. Fotos machen? Skizze? Ohne Personenschaden bestimmt nicht (es sei denn, ein Polizeibeamter ist Unfallbeteiligter, dann wird schon mal von der Regel abgewichen …). Damit im Nachhinein sein Recht durchzusetzen, ist verdammt schwierig und gelingt nur in wenigen Fällen. Vor allem, wenn man erst mal vor Gericht als Kläger den sog. Vollbeweis führen muss, wird es richtig schwierig. Endet das Verfahren in einer Quotelung, geht der “Gewinn” häufig in den Prozesskosten unter, wenn man nicht gerade über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, die das Risiko hoffentlich trägt. Dass man ein Urteil oft erst nach Jahren bekommt, ist dann das nächste Problem. Und den Zeitaufwand, den man mit der Klärung hat, ersetzt einem eh keiner. Warum also etwas verbieten, dass doch im Grunde allen Beteiligten das Leben erleichtert? Es werden doch eben keine privaten Daten erhoben, weil das, was gefilmt wird, öffentlich stattfindet und im direkten Interessebereich des Filmenden liegt.

Udo Vetter schreibt auch, dass mit einer Dashcam ja der öffentliche Raum permanent überwacht werde. Das ist natürlich so nicht richtig. Die Dashcams, wie ich sie z. B. habe, speichert nichts permanent, sondern nur, wenn ich das will. Also, wenn ich einen “Speicher das jetzt”-Knopf drücke, oder wenn eine Triggerschwelle (Beschleunigungsgrenze) überschritten wird. Dann werden die 15 sec vor und nach dem Triggerereignis als Datei abgespeichert. Permanente Überwachung sieht nach meinem Verständnis anders aus. Ich frage mich darüber hinaus, ob das Filmen mit so einer Kamera im Auto nicht sowieso von der Panoramafreiheit geschützt ist. Denn, wo ist denn der Unterschied, ob ich mir so ne Kamera an die Windschutzscheibe klebe oder ob ein Rentner damit durch die Gegend läuft und alles und jeden, der ihm vor die Linse kommt, filmt? Vor diesem Hintergrund müsste doch jedes Filmen in der Öffentlichkeit, auf der Personen zu sehen sind, verboten sein. Wobei, Dashcams zeigen häufig ja nur die Autos, nicht mal die Personen darin. Wo ist also das Problem? Bei Fußgehenden und Radfahrenden (und Cabriofahrenden …) mag das vielleicht anders sein. Aber den Unterschied zum Urlaubsvideo sehe ich formal trotzdem nicht.

Mal ehrlich: Privat können die Leute meinetwegen machen, was sie wollen. Aber wenn sie sich in der Öffentlichkeit, z. B. im Straßenverkehr, meinen, wie die Axt im Walde aufführen zu müssen, kann ihnen ein bisschen das Gefühl, ggf. kontrolliert zu werden, nicht schaden. Ich sehe zu häufig, was aus leichtfertigem oder vorsätzlichem Fehlverhalten im Straßenverkehr resultiert. Glücklicherweise kann ich keinen wirklichen selbst gefilmten Unfall zeigen. Will ich auch gar nicht können.

Nachtrag: Es wäre mir ein Leichtes, einen ähnlichen Film mit Rotlichtverstößen von Pkws zusammenzustellen.

 

Thema: abgelichtet, rolling rolling rolling | Kommentare (3)