Sonntag, 11. Juli 2010
… ist doch nur eine unverfänglichere Beschreibung für Zeit Totschlagen oder ein allgemeines Sozialphlegma. Da stehen sie am Wasser, halten den Wurm rein oder nicht und gucken ins Leere. Meistens steht auch ne Bierbuddel daneben. Außerdem etliche hochpreisige (oder look-a-like) Ausrüstungsgegenstände, die nach ihrer Aufmachung eher an eine paramilitärische Gesinnung erinnern. “Camouflage” ist alles. Der Feind (also der Fisch) soll einen ja nicht sehen (wenn er von seinem Landspaziergang zurückkommt, oder was?) So unbeweglich, wie die Angler am Ufer stehen, würde selbst eine neongelbe Aufmachung bei den Fischen wohl kaum für Unruhe sorgen.
Und Angler haben die Gabe, allen Passanten mit einem einzigen Blick zu verstehen zu geben, dass man unerwünscht ist, bloß kein Geräusch machen darf und sich auch ansonsten besser in Luft auflösen sollte. Durch bunte Dinger, die im Wasser an dünnsten seidenartigen Fäden dümpeln, markieren sie ihr Revier. Inzwischen hält ja auch kein einziger Angler mehr seine Rute selbst fest, sondern hat ein Gestell mit allerlei Sensoren, die sofort losschrillen, wenn mal wieder ein Fisch zu doof war.
Ein besonderes Verhältnis haben Angler gegenüber Leuten, die dem Badespaß nachgehen wollen. An einem kleinen See im Brandenburgischen wurde der Freizeiterholungssuchende dank etlicher Schilder gleich über das Wichtigste aufgeklärt: “Angelgewässer”. Ok. “Baden auf eigene Gefahr”. Das kann ja nicht gutgehen: Angler und Badegäste nebeneinandern. Und prompt:
Klar, dass die Angler, die wahrscheinlich schon seit Wochen dort biwakierten, die Badestelle mit ihren von Gestellen gehaltenen Ruten annektiert hatten. Ein Badegast: “Wo kann man denn hier baden?” Ein Angler: “An der Badestelle in Buckow.” (Anmerkung: Mit 10.000 anderen im Nachbarsee) Damit war das mal gleich geklärt. “Hier jedenfalls nicht.” wäre wohl noch richtiger gewesen, aus Sicht des Anglers, versteht sich. Und dabei bot der See noch etliche andere, vor allem auch schattige Stellen, wo man den Wurm hätte wässern können, der See für Badegäste aber nicht zugänglich war.
Eigentlich wäre das mal die Gelegenheit für einen Bade-Flashmob. Da hätten sie bestimmt ihren Spaß, wenn mal eben ein paar hundert Leute in den See hüpfen.
Angeln ist echt voll asi.