Nur zum Spaß Dilettant
Donnerstag, 23. Mai 2013
Jog hat auf Facebook gestern Folgendes zum besten gegeben:
Always fun to see that some people don’t even manage to shoot decent pictures with a 7k$ camera.
Klar kann man sich darüber lustig machen, wenn einer mit einem sündhaft teuren Gerät nicht umgehen kann. Son bisschen fühle ich mich mit meiner Leica M9 ja auch angesprochen (obwohl er mich wohl nicht gemeint hat, nehme ich an). Aus Profi-Sicht ist es eh Quatsch, sich ne Leica M9 zu kaufen: Im Vergleich zu japanischen Produkten wie Canon 5 D Mark II oder Nikon D3 (aus meiner Sicht damalige Alternativen) kann die M9 eigentlich nichts besonders gut: Keine Zoomobjektive, kein 100%-Sucher, kein Autofokus, rauscht schon bei ISO 1600 wie bekloppt und so weiter und so fort. Genauso ist es ja auch mit einem richtig teuren Sportwagen: Da stellt man sich einen Porsche vor die Tür, kann aber Untersteuern nicht von Übersteuern unterscheiden.
Ich geb’s zu. Ich habe auch Spaß an teuren Sachen, auch wenn ich nicht unbedingt besonders gut damit umgehen kann. Damals mit meinem 911er (der allerdings weniger als ein 5 Jahre alter Golf gekostet hat…), hab ich mich auf nasser Straße gedreht, weil ich mit den Lastwechselreaktionen nicht so recht umgehen konnte. Aber was konnte ich mir anhören, dass ich eben nicht einen 5 Jahre alten Wolfsburger, sondern so ne Männlichkeitsprothese fuhr? Wenn ich mancher Leute Fotos sehe, möchte ich auf der Stelle im Erdboden versinken, und Schrauben habe ich noch nie gerade reingedreht. Muss es für mein musikalisches Verständnis ein Musicman oder Fender Jazzbass sein? Hätte für mein unkontrolliertes Gezupfe nicht auch das 199-Euro-Chinapaddel gereicht? Manchmal hatte ich kurzfristig die Möglichkeit, etwas Kohle unnütz auf den Kopf zu hauen. Und so habe ich mir im Laufe der Zeit ein paar schöne Dinge gegönnt, an denen ich einfach Freude habe, nur weil ich sie habe (oder hatte). Da schnurrt der Materialist in mir sanft vor sich hin.
Ich glaube, das alles resultiert mal wieder aus der Neiddebatte. Einer kauft sich was Teures, weil er die Kohle übrig hat, und ein anderer, der das nicht mal eben kann, wird darauf aufmerksam. Bei einem technischen Gerät, das es gekonnt zu bedienen gilt, lauert dann die Gefahr, dass man sich der Blöße des Dilettantentums preisgibt. Mit einer teuren Uhr wäre das nicht passiert: Die Uhrzeit muss man nicht besonders gut ablesen können. Aber eine Kamera will natürlich ordentlich bedient werden. Jedes Foto muss ein Kunstwerk sein! Oder mit einem Porsche muss man selbstredend jede Kurve mit mindestens 0,8 g Querbeschleunigung nehmen und die Fliegen müssen auf den Seitenscheiben kleben. Aber muss man mit einem Makita-Akkuschrauber die Schrauben noch gleichmäßiger und rechtwinkliger reindrehen als mit einem Aldi-Teil?
Ich bin ja der Meinung (wobei ich mir erst in einem gewissen Denkprozess darüber klar werden musste), dass sich auch der Dilettant an schönen und teuren Dingen erfreuen darf, auch wenn er nix damit anfangen kann, ohne dass man sich darüber lustig machen muss. Die neue M240 um den Hals, aber ständig vergessen, den Objektivdeckel abzunehmen. Die D4 in der Tasche, aber die “P”-Einstellung ist schon ganz schön gewagt. Das ganze Geraffel auf den Beifahrersitzes des 911ers gepackt, weil man nicht so genau weiß, wie der Kofferraum aufgeht und warum der überhaupt vorn ist (wo ist der Motor hin?). Und dann nur um die Ecke zum Brötchenholen.
Ja und? Leben und leben lassen. That’s it, folks!
Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (3)
















