Beitrags-Archiv für die Kategory 'cinquecentistisch'

Bremer Fiat 500 Treffen: Gemischte Gefühle

Sonntag, 9. Mai 2010 22:03

Bremen_10_06Seit ewigen Zeiten war ich mal wieder ohne 500er auf einem Fiat 500 Treffen. An eine Abfahrt am Freitag war mangels Zeit nicht zu denken, und samstags hin, sonntags zurück ist mir mit nem 500er einfach zu viel des Guten. Also sind wir am Samstag ziemlich früh gen Bremen (genau Backsberg bei Fischerhude) gestartet und dort gegen 11.30 Uhr aufgeschlagen. Klar. Begeisterungsstürme erntet man nicht gerade, wenn man da mit nem Honda Civic erscheint, aber die Alternative wäre nicht zu fahren gewesen.

Es war mit Sicherheit eines der am schlechtesten besuchten Treffen in der 29jährigen Geschichte. Das hatte m. E. drei Gründe: Erstens das Wetter. Die Vorhersage war durchgehend schlecht. Immer wieder Regen und für die Jahreszeit zu kalt. Letzteres stimmte, geregnet hat es auch wohl ordentlich am Freitag, am Samstag und Sonntag dann aber praktisch nicht mehr.

Der zweite Grund ist das Harzer Treffen, das am folgenden (Himmelfahrts-)Wochenende steigt. Schon seit jeher ist das Harzer Treffen gut besucht. Die geografisch günstige Lage, aber auch die Rundum-Versorgung mit viel Show und so sorgen für regelmäßig hohe Besucherzahlen.

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Und der dritte Grund ist letztlich ein Kommunikationsproblem. Es war nämlich erst spät klar, ob überhaupt ein Treffen in Bremen ausgerichtet wird und dann war (zumindest mir) lange nicht deutlich geworden, ob nach den Problemen im letzten Jahr überhaupt ein offenes Treffen stattfindet, oder man auf eine persönliche Einladung warten muss. Tja. Und da man praktisch keinerlei offizielle Kommunikation betrieben hat, dazu komme ich gleich noch, haben die Faktoren zusammen bewirkt, dass am Ende nur etwa 50 Startnummern vergeben wurden. Dem stehen erhebliche Fixkosten gegenüber, so dass dann auch der Hut (bzw. ne Blechdose) rumging, um die Finanzierungslücke zu schließen.

Gegen Mittag, also relativ kurz nach unserem Eintreffen und der obligatorischen Begrüßungsrunde, ging es zur Ausfahrt los. Andreas und Astrid hatten ihre wunderschöne Multipla mitgebracht, die genügend Sitzplätze zum Mitfahren bot. Herrlich! Eine Fahrt in dem Auto ist wirklich ein besonderes Erlebnis. Wie gehabt bot das Bremer Umland etliche schöne Fotoperspektiven, um die Kugelautos abzulichten.

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Gegen Abend hatte ich dann leider ein paar äußerst unerfreuliche Gespräche, die sich für mich als ziemlich dummes Geschwätz darstellten, was ich so von den beteiligten Personen nicht erwartet hätte. Es ging im Allgemeinen ums Internet und im Besonderen um das Fiat 500 Forum. Von ein paar Offlinern konnte ich mir (zusammengefasst) anhören, dass in Foren ja nur totaler Schwachsinn verbreitet wird, dass man auf Problemstellungen nie eine Lösung findet, dass das alles ungeordnet sei und überhaupt seien diese ganzen Foren überflüssig wie ein Kropf. Uff. Das saß. Die ganze Arbeit, die ich seit nunmehr fast 9 Jahren z. B. in das Fiat 500 Forum gesteckt habe, abgewatscht und mit Füßen getreten. Besten Dank dafür!

Aber die Gespräche waren auch entlarvend. Entlarvend, was den Anspruch, die Konsumhaltung und die sinnlose Verbreitung von Allgemeinplätzen betrifft. Vor allem Letzteres war besonders krass: Ich musste mir die Überflüssigkeit von Internetforen (alle wurden über einen Kamm geschoren) von jemandem vorhalten lassen, der sich fast gar nicht damit beschäftigt hat, geschweige denn im Fiat 500 Forum angemeldet ist. So war man natürlich auch nicht auf die Idee gekommen, das Fiat 500 Forum zumindest als einen Kommunikationsweg zu nutzen, um klare Ansagen zu machen, ob und wie das Treffen stattfinden würde. Is ja klar, wenn man so denkt. So war das jedenfalls ein ziemliches Rumgeeier.

Bremen_10_14Ich konnte dann wenigstens erreichen, dass sich mein Gesprächsgegner darauf herabließ, dass nicht allgemein Internetforen überflüssig wie ein Kropf seien, sondern, dass er finde, dass sie überflüssig seien (allerdings ohne sich eingehend damit beschäftigt zu haben). Die Penetranz, mit der mir diese unausgegorene Denke entgegengebracht wurde, war schon frappierend. Aber es ging ja noch weiter: Am Ende war das Internet irgendwie für alles Schlechte auf der Welt verantwortlich und wie man überhaupt so blöd sein könne, in sowas Zeit zu investieren. Ich meinte: Dass man z. B. regelmäßig Rückmeldungen bekommt, wenn jemand sein Auto wieder in die Gänge bekommen hat, zähle wohl nicht so richtig.

Natürlich kam auch noch die Meinungsfreiheit auf den Tisch. Das ginge ja gar nicht, dass da jemand (ein Moderator) sitzt, der Wortbeiträge anderer zensiert. Ich habe dann ein gewisses Erstaunen ausgelöst, als ich erst mal erklärte, dass der Betreiber der Internetseite im Zweifel persönlich verantwortlich und haftbar dafür ist, was in seinem Forum geschrieben wird. “Ach so ist das?” – “Ja.” – “Das wusste ich ja gar nicht.” – *kopfschüttel*

Bremen_10_57In größerer Runde ging es dann weiter: Es wäre ja unglaublich, dass man in Internetforen keine Anleitung für ein bestimmtes Problem, es war glaube ich das Auffüllen von Gasflaschen, findet. Ich meinte, dann müsse man entweder besser oder länger suchen. Naja, hieß es dann, aber das wäre ja Mist, dass man da so ewig suchen muss. Das sei ja alles völlig unstrukturiert und chaotisch. Dass ganz viele Foren, die sich um Hobby-Themen kümmern, aber im Prinzip ehrenamtliche Freizeitbeschäftigungen sind und man deswegen vielleicht hinnehmen müsse, auch mal länger suchen zu müssen, war, so mein Eindruck, nicht hinnehmbar. Jedes Forum müsse auf jeden Fall ein in sich schlüssiges Nachschlagewerk sein, kam bei mir an. Und vor allem, was ja gar nicht in Frage kommt: Sich in einem Forum anzumelden und vielleicht selbst etwas zu fragen (geschweige denn auch mal zu antworten). Das wäre ja so ein Aufwand, diese Anmeldung! Und dann auch noch was schreiben! Nein, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar!

Und dann setzte noch jemand eins drauf: Jemand mit einem großen Fachwissen, der aber im Forum durchaus dafür bekannt ist, eigentlich nur dann etwas zu fragen, wenn er selbst etwas wissen will oder etwas bestimmtes sucht. Soweit okay, kann man machen. Aber mir dann zu sagen, dass er sich insgeheim darüber amüsiere, wenn mal wieder jemand in seinen Augen irgendwelchen Unsinn geschrieben hat, anstatt sich selbst mal eben ein paar Minuten Zeit zu nehmen und eine richtige oder weiterhelfende Antwort zu schreiben, finde ich schon ein dickes Ding. Er mache das deswegen nicht, weil er ja früher auch nach dem Prinzip “trial and error” alles allein ausprobiert habe, und so müssten die heutigen Schrauber eben auch aus ihren Fehlern lernen. Das finde ich schon echt perfide. Zumal man früher durchaus auch seine Schraubergemeinschaft hatte, die man fragen konnte. Schließlich gab es vor dem Internet bereits gemeinsame Werkstätten, Telefon und Fiat-500-Treffen, wo man sich austauschen konnte, und auch, wenn man denn wollte, anderen helfen konnte, damit sie nicht die gleichen Fehler wie man selbst machen.

Und für mich ist am Ende haften geblieben: Es gibt Social Networking oder wie immer man das nennen will. Und gerade im Internet in Hobbyforen gibt es verdammt viele Leute, die hilfsbereiter sind als so mancher Real-Life-Kontakt. Ich war in dem Moment soweit, zu sagen, das war mein letztes Bremer Treffen. Hier brauchst du nicht mehr hinzufahren, wenn du dir so einen Unfug anhören musst.

Bremen_10_47Glücklicherweise hat der weitere Abend am Lagerfeuer dann wieder einiges herausgerissen. Ich hatte sehr angenehme Gespräche, mit Leuten, unaufgeregten, intelligenten Menschen, die ich einfach immer gern mal wieder treffe. Das hat mich sehr gefreut, mich mit ihnen mal wieder zu unterhalten. Und es hat mir gezeigt: Es ist doch wert, zu solchen Treffen zu fahren. Man muss sich die Leute halt aussuchen, mit denen man sich abgibt. Das war übrigens auch ein “Argument”, das ich mir im ersten Gespräch anhören durfte: Im Internet müsse man sich ja mit jedem Hinz und Kunz abgeben. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich gestern diesen Unterschied zwischen Real Life und Internet nicht gesehen. Oder doch: Ich hab die Gespräche irgendwann abgebrochen, bin gegangen und hab mich wie beschrieben ans Lagerfeuer gesetzt. So hat der Abend einen schönen Ausklang gefunden. Auch das Frühstück am nächsten Morgen unter freiem (bedecktem) Himmel mit frisch gebackenen Brötchen war sehr harmonisch und wohl auch in gewisser Hinsicht versöhnlich. Dennoch haben wir uns zügig wieder in Bewegung gesetzt gen Heimat.

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (2) | Autor: Will

TechnoClassica 2010 – Lecker Essen

Sonntag, 11. April 2010 19:23

Wahrscheinlich hätte ich mich diesmal gedrückt, wenn ich mir nicht schon vor einigen Wochen zumindest das Ticket für die Hinfahrt nach Essen gekauft hätte. Je näher der Termin rückte, desto mehr drängelte sich um das TC-“Wochenende“. Vor allem ein von unserm Büro ausgerichtetes Seminar am Samstag und Sonntag drückte auf meine Zeitplanung. Hinzu kam dann noch ein wichtiger Termin im Büro am Freitag Nachmittag. Es blieben mir also der Mittwoch für die Hinfahrt, Donnerstag zum geselligen Beisammensein und der Freitag für die Rückfahrt. Besser als nichts!

TC10_006Im Gegensatz zum Vorjahr wollte ich die Reise allerdings deutlich entspannter angehen. Keines meiner Autos wurde für den Stand benötigt, so dass ich beruhigt mit der Bahn fahren konnte. Damit ich beim Standaufbau wenigstens noch ein bisschen mithelfen konnte, musste ich schon um 5.00 Uhr aufstehen, um rechtzeitig im Zug zu sitzen. Da stellte ich dann (mal wieder) fest, dass in den ICEs mitnichten an jedem Platz eine Steckdose ist. Die Platzreservierung habe ich dann verworfen und mich doch an einen Tisch gesetzt. Die Plätze mag ich ja nicht so. Oft genug hat man Pech und ist ungewollt vierter Mann einer Skatrunde und kann sich zudem mit dem Beinen des Gegenübers arrangieren. Ich hatte aber Glück: Der Platz mir gegenüber blieb frei. Prima. Und weil ich eben schon am Ostbahnhof, und nicht erst am Hauptbahnhof eingestiegen bin, hatte ich die einzige Steckdose in erreichbarer Nähe für mich und wurde mir auch nicht streitig gemacht. So konnte ich auch mal wieder feststellen, dass man das Surfen über UMTS/Edge und auch das Telefonieren im Zug getrost vergessen kann. Also arbeitete ich ein wenig an einem Vortrag, schnitt ein paar Audio-Dateien und guckte mir einen mitgebrachten Startrek-Film an. Das war ok!

TC10_026In Essen angekommen erwartete mich strahlender Sonnenschein mit äußerst angenehmen Temperaturen. Erst mal noch eine Kleinigkeit Eessen, bevor ich mich in ein Taxi Richtung Messe gesetzt habe. Dort holte mich Klaus am Eingang Süd ab, und nach kurzer Zeit fiel mein Blick dann auch schon auf den Stand unseres Forums und vor allem auf das tolle, 9 Meter lange Panorama vom Bremer Treffen 2007, wie wir irgendwann herausgefunden haben. Auch Axel und Christian tummelten sich schon mit Teppichmesser, Akkuschrauber und Gaffatape bewaffnet auf dem Stand. Ich brauchte nur zu helfen, ein paar Restarbeiten zu erledigen. Der Großteil war schon fertig. Vor allem die bereits auf der Bremer Messe erstmalig eingesetzte Bude war eine prima Sache zum Unterbringen von allerlei Vorräten und so. Ich habe dann auch gleich meinen Antrag auf Ehrenmitgliedschaft im neu gegründeten Fiat500-Forum-Verein eingereicht, nachdem man das von mir verlangt hatte. Ich dachte zwar, dazu wird man ernannt, aber wenn die nicht wollen…

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Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo ich von der Messe fast nichts gesehen hatte, ich hatte nicht mal Zeit und Gelegenheit, wenigstens einen kleinen Rundgang zu machen, wollte ich  nun doch etwas mehr sehen. Der strahlende Sonnenschein lud ein, das Fahrzeugangebot auf den Freiflächen zu begutachten. Ochjo… son paar kleine luftgekühlte Autochen hätte ich wohl dort gefunden. Besonders angetan hatte es mir ein mocca-brauner 911 SC mit beigefarbener Innenausstattung und Schiebedach. Herr-lich. ;)

Zu bewundern gab es auch zwei DS-Cabriolet. Besonders das erste, ich würde es mal auf Zustand 2 schätzen, war ein verführerisches Angebot zu einem Preis, den man in ländlichen Gefilden für ein kleines Einfamilienhaus hinlegen muss: 147.000 Euro sollte das Auto kosten. Da war das zweite Angebot mit 87.000 Euro ein wahres Schnäppchen dagegen und machte nicht mal einen schlechteren Eindruck. Überhaupt waren die Preise – für die TC üblich – mitunter mehr als phantasievoll. Ein Gummibalg-Stoßstangen-911er für 149.000 Euro. Hallo, geht‘s noch? Egal. Manchmal stehen vielleicht auch solche Preise an den Autos, damit nicht jemand ernsthaft Interesse entwickelt. Interessant auch, an wie vielen Autos schon kurz nach Messeeröffnung „Verkauft“-Schilder hingen. Wenn das mal alles so stimmt.

TC10_022Der erste Messetag ist der sogenannte „Fachbesuchertag“. Weil die Messe für das Publikum erst um 14.00 Uhr öffnet, geht sie abends auch bis 20.00 Uhr. An den übrigen Tagen ist um 18.00 Uhr Schluss. Doch der erste Tag verläuft stets ziemlich ruhig, so dass noch genügend Zeit ist, den Stand “in Betrieb zu nehmen”, z. B. Udos von Klaus elektrifizierten Felgengrill mit dank Wagenheber stufenlos verstellbarem Rost. Gut gefüllt mit allerlei Grillwürstchen, die wir darauf gebrutzelt hatten, brachte mich Christian freundlich wie immer zu meiner Übernachtungsstätte, einem Freund aus Studienzeiten, der in Essen wohnt. Dort holte er mich auch am nächsten Morgen wieder ab. Prima! Besten Dank dafür.

TC10_027Pünktlich um 10.00 Uhr am Donnerstag Morgen öffnete man dann die Schleusen für die Besuchermassen. Wirklich erstaunlich, wie viele Leute schon am ersten offiziellen Messetag kamen. Und das sogar zu uns Kellerkindern, die wir in Halle 1a doch relativ weit abgeschlagen von der bunten Glitzerwelt der zahlenden Aussteller unser Dasein fristeten. Egal. Inzwischen kennt man sich sogar ein bisschen, waren wir doch am gleichen Platz wie letztes Jahr. Hinter uns die Bismarck-Brothers, die u. a. eine 98er in einem einzigartigen Scheunenfundzustand ausgegraben hatten. So schööön verrostet hatte ich lange kein Motorrad mehr gesehen. Mit vereinten Kräften konnten wir dann auch unseren Nachbarn überzeugen, das Motorrad nicht zu restaurieren, sondern nur technisch in einen funktionstüchtigen Zustand zu versetzen. Immerhin fuhr es sogar. Soviel Arbeit ist das vielleicht gar nicht.

Vormittags hatte ich mit Klaus den Stand betreut. Nach ein paar weiteren Grillwürstchen bin ich dann aber auch mal losgezogen. Und zwar allein. Ich bin ziemlich kreuz- und quer durch die Hallen gestromert. Schon lange habe ich auf solchen Veranstaltungen nicht mehr den Ehrgeiz, jeden Gang abgeklappert haben zu müssen. So bin ich dann auch mehr zufällig über Frank am IKM-Stand gestolpert. Wirklich beachtenswert, wie er sich nach wie vor mit großer Leidenschaft und Ausdauer für die Anerkennung des Automobils als Kulturgut einsetzt. Ich verfolge da eher eine andere Denkweise. Das ändert aber nichts daran, dass ich seinen Einsatz bewundere!

TC10_050An einem Modellautostand erhaschte ich dann plötzlich einen bekannten Anblick: In leicht mattem Orange leuchtete mir ein etwa 30 cm langes Kunststoffmodell eines Mercedes C111 entgegen. Genau so ein Modell hatte ich als Kind! Und war zugleich Auslöser für den Beginn meines leicht gestörten Verhältnisses zur Stuttgarter Marke mit dem Stern, wie ich später durch Selbstanalyse eruiert habe. Denn genau so ein Modell habe ich im Anflug geistiger Umnachtung mit einem Hammer zerkloppt. Da muss ich so 5 oder 6 Jahre alt gewesen sein. Noch Jahre später habe ich immer mal wieder die markante Rückleuchtenblende gefunden. Jetzt war es soweit: Niemand konnte mich bremsen, also habe ich zugeschlagen und das Modell für, wie ich finde, moderate 30 Euro erstanden! Und das Beste war, dass das Original ebenfalls auf der Messe zu besichtigen war, nämlich auf dem riesigen Mercedes-Stand in Halle 1. Da musste ich am Donnerstag Abend noch schnell ein spontanes Foto-Shooting einlegen, als die Besucher langsam aber sicher wieder aus den Hallen strömten und Platz zum Fotografieren war. Nun werde ich das Modell mit Sicherheit  an einem schönen Platz verwahren. Wer weiß, vielleicht fahre ich ja sogar irgendwann Mercedes. (Obwohl ich nicht so richtig wüsste, welchen.)

TC10_047Auf einen Hinweis im Fiat-Forum von Mitschrauber Andreas bin ich dann nach kurzer Rückkehr zum Stand noch schnell zum Stand der Firma Broedersdorff & Koenzen gegangen, jene Firma, die sich schon vor etlichen Jahren mit dem Umbau eines Porsche 912 auf Elektroantrieb in meinem Hirn eingebrannt hatte. Vor allem hatte man dort begriffen, dass es nichts bringt, mit so einem Auto nur irgendwie elektrisch zu fahren. Sondern es soll auch Spaß machen, so dass die Fahrleistungen entsprechend sein müssen. Wenngleich meine Kostenplanung ein weiteres Mal nach oben ausgedehnt werden könnte, gefielen mir die Ideen zum Umbau doch etwas besser, als bei meinen bisherigen Gesprächen in der Richtung. Insbesondere der Umstand, mit höheren Spannungen zu fahren, gefiel mir gut, nimmt damit doch die Stromstärke ab, was insgesamt z. B. dünnere Kabel ermöglicht. Überhaupt schien mir mein Gesprächspartner sehr viel flexibler zu sein, was die Umrüstung betrifft, fand er doch einige meiner Ideen z. B. zur Fahrzeugheizung und Anordnung der Komponenten recht überzeugend. Damit konnte ich vorher nicht punkten. Aber besonders interessant wurde es, als es nicht nur darum ging, einen Fiat 500 umzurüsten. Das hatte man sich ohnehin gerade überlegt, schließlich wird einem 500er einfach immer noch überall die größte Sympathie entgegengebracht, so dass so ein E-500er ein sehr gutes Werbezugpferd wäre. Außerdem wäre man gern auch irgendwie in Berlin präsent. Na, wenn sich da mal nicht was einstielen lässt. Aber dennoch kann man es drehen und wenden wie man will: Das Geld für den Umbau schenkt mir so schnell keiner. Daran kann das Projekt immer noch scheitern, oder anders ausgedrückt: Es ist im Moment immer noch nicht sehr wahrscheinlich, dass das was wird. Schauen wir mal.

TC10_053Der Abend sollte mit den Mitstreitern beim Italiener in Rüttenscheid begangen werden. Ich bin ja nicht so der Gourmet, und daher konnte ich mit einigen Speiseangeboten auf der Karte nicht viel anfangen. Selbst den Ober zu fragen, scheiterte daran, dass ich nicht recht wusste, wie man das aussprach, was mir interessant zu sein schien. Aber die Bewirtung war wirklich sehr freundlich, und so wurde alles bereitwillig erklärt. Interessanterweise gab es bei dem Italiener keine Pizza! Eigentlich ganz gut so, da kann man schließlich auch mal was anderes probieren. Obwohl, eines der wirklich nicht ganz günstigen Fleischgerichte habe ich mir verkniffen. Schließlich sind die Italiener auch Beilagen betreffend nicht unbedingt freigiebig. So waren meine Pasta mit einer leckeren Soße mit hohem Fleischanteil mit Sicherheit eine gute Wahl.

Grüne MännchenNachdem wir uns kugelrund gefuttert hatten, wofür ich ja nicht lange brauche, hatten Christian und Moni für uns (Jürgen, Andrea und ich) noch einen schönen Programmpunkt ausgewählt. Klaus, Martin und Ingrid verabschiedeten sich, da sie noch zu einem späteren Zeitpunkt Gelegenheit haben würden, das Parkleuchten im Essener Gruga-Park zu bewundern.  Ähnlich wie beim Berliner Festival of Lights werden Bäume und Skulpuren, Hecken und andere Arrangements bunt erleuchtet oder mit interessanten Lichteffekten versehen. Ich war einer der wenigen mit Kamera, aber ohne Stativ. Egal: Die 1600 ASA hatten sich bei meiner Nikon D5000 (über die ich demnächst mal was schreiben muss) schon öfter bewährt, und so konnte ich doch einige, wie ich finde, ganz gelungene Fotos aus der Hand schießen. Klar, bei Belichtungszeiten von mehr als einer Achtelsekunde ist das vielfach nur noch Glückssache, und man muss die Blende schon ganz aufmachen: Aber es geht!

ParkleuchtenWieder hat Christian mich danach „zu Bett gebracht“. Nach rührenden Abschiedsszenen habe ich mir bei Übernachtungsgastgeber André noch ein Feierabendbier gegönnt, André kam allerdings erst etwas später, sichtlich angeheitert vom Test-Abend in einer neuen „Weinschenke“ um die Ecke zurück. Dennoch war er Willens und in der Lage, mich morgens zum Essener Bahnhof zu bringen. Das gemeinsame Frühstücken habe ich ihm aber erspart. Ich nehme mal an, dass er sich noch mal wieder hingelegt hat.  Also hatte ich genügend Zeit für Kaffee und Brötchen am Bahnhof und sitze nun hier im Zug (ohne Steckdose), wo ich in Ruhe auf Fabis Befehl Anregung hin einen Text über meinen Kurzausflug zur TC10 schreibe. Aber in Gedanken bin ich schon bei dem Termin, der mich gleich erwartet, beim Seminar, das Samstag/Sonntag stattfindet und am Montag Vormittag noch etwas nachdieseln wird, bei meinem Vortrag, den ich in zwei Wochen oder so halten muss, und den ich eigentlich besser jetzt weiter gebastelt hätte, anstatt die Zeit mit Sinnlosem Schöneren zu vergeuden. So bin ich halt.

Thema: Elektrisiert, cinquecentistisch | Kommentare (2) | Autor: Will

8.000 Euro haben oder nicht haben

Donnerstag, 11. Februar 2010 15:07

Ist ein Unterschied von 16.000 Euro.

tiefer gelegtAngeregt durch den Link in diesem Kommentar habe ich gestern mal bei der Firma Lorey angerufen und mit dem Chef ein längeres Telefonat geführt, um die Möglichkeiten zu besprechen, meinen Fiat 500 Kombi zu elektrifizieren, was ich ja im Prinzip schon seit ewigen Zeiten plane.

Denn, irgendetwas muss passieren: Entweder verkaufen oder das Auto anderweitig wieder interessant machen. Denn es ist nach wie vor nicht der Schub gekommen, der mich aus meiner Fiat-500-Lethargie befreit.

Allerdings habe ich bislang auch davor zurückgeschreckt, überstürzt irgendetwas zu verkaufen, was ich hinterher bereuen würde. Insbesondere mein N würde mir schon irgendwie fehlen. Allein das Auto jeden Tag ein, zwei Mal in der Garage stehen zu sehen, macht doch irgendwie Spaß. Vielleicht setze ich mich bei Zeiten einfach mal hinters Lenkrad und mache “brummbrumm”.

Mit Herrn Lorey bin ich jedenfalls die verschiedenen Möglichkeiten der Elektrifizierung mit meinen Vorstellungen durchgegangen. Im Prinzip wäre die Zusammenarbeit die ideale Kombination, denn die Firma unterstützt gerade solche Selbermacher wie mich. Willsagen: Ich bereite alles soweit vor, dass die Firma Lorey nur noch Motor einbauen, elektrisch anpassen und das Auto abnehmen lassen muss. Vielleicht könnte ich auch den Motor selbst einbauen, nur mit der Kopplung des Motors mit dem Antriebsstrang wird es dann doch schwierig. Zumal man ja auch gern sowas wie Gewährleistung auf die teuersten Teile, sprich den Motor, hätte.

BeulenwerkTja. Das Problem ist, dass der Fiat ein verhältnismäßig geringes zulässiges Gesamtgewicht hat. Ich muss die Werte nochmal genau nachschlagen, aber es ergibt sich i. d. R. das Problem, dass man zwar einerseits den Verbrennungsmotor mit der Peripherie über Bord schmeißt, andererseits ist der Elektroantrieb aber nicht wesentlich leichter, wenn man alle Komponenten (Motor, Regler, Lader, Kabelstränge, elt. Heizung etc.)  zusammenrechnet. Und dann bleiben da noch die Batterien. Bleiakkus sind im Prinzip bewährt, einigermaßen günstig, aber eben sauschwer. LiIon oder LiPo-Akkus sind leicht, nicht unbedingt so zuverlässig, komplizierter zu laden, aber vor allem wesentlich teurer als Bleiakkus. Auch LiFe-Akkus wären fein, sind wohl auch haltbarer, aber eben nicht günstiger.

Kombi52Aufgrund des Gewichtsproblems kämen aber eigentlich nur moderne Akkus in Frage. Und nach der ersten überschlägigen Rechnung ist man dann für den Umbau, also bis das Auto wirklich elektrisch fährt, mal eben mit ca. 8.000 Euro dabei. Im Gegensatz dazu ist der Kombi einigermaßen realistisch 8.000 Euro wert. Und da ich ja nicht unwillig bin, ihn zu verkaufen, sind das halt 16.000 Euro Unterschied. Mal angenommen, ich könnte den Elektroumbau mal eben aus der Portokasse finanzieren, was leider nicht der Fall ist, würde die Kohle insgesamt eben auch für ein schickes Männerauto reichen.

Vielleicht sollte ich daher mal versuchen, einen Teil des Umbaus, vor allem die Batterien, gesponsert zu bekommen. Allerdings möchte ich eigentlich auch nicht so gern mit einer fahrenden Litfaßsäule herumgurken, wie man sie manchmal von Turnvereinen und so sieht, mit briefmarkengroß beschrifteten Aufklebern, die man kaum entziffern kann.

Bliebe als Idee entweder ein Paypal-Button in mein Blog einzubauen, oder eine Art Sponsoring-Seite, wo man Pixelflächen erwerben kann und damit mein Vorhaben unterstützt. Eine Seite, auf der ich dann gleichzeitig über den Umbau meines Fiats und, wie toll die Firmen das unterstützen, blogge.  Und das muss ich dann wahrscheinlich mit meinem übrigen Einkommen versteuern, so dass am Ende kaum etwas übrig bleibt. Tolle Wurst.

Thema: Elektrisiert, cinquecentistisch | Kommentare (0) | Autor: Will

Fiat 500 Ballett

Samstag, 7. November 2009 8:55

Im Fiat-500-Forum machte ein niederländischer Mitschrauber soeben auf einen tollen Clip bei Youtube aufmerksam.

Echt stark, wie die Rennsemmeln da um die Pisten kreiseln. Rennserien nur für 500er. Das war was damals™!

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (2) | Autor: Will

Online-Umfrage: Fiat 500 Clubs im Fokus der Soziologie

Samstag, 24. Oktober 2009 8:37

Seit einigen Monaten werden wir -die Berliner Fiat 500 Fahrer- von einer Gruppe Soziologiestudenten der Berliner Technischen Universität “beobachtet”. Ich finde ja schon interessant, dass die TU ein Institut für Soziologie hat! Es geht ganz grob um Gruppen und Gemeinschaften, die sich mit einer bestimmten Sorte Autos beschäftigen. Inzwischen bin ich von den Studies schon interviewt worden, und nun haben sie eine Online-Umfrage gestartet.

Wer sich als Leser meines Blogs angesprochen fühlt, kann sich die Umfrage ja mal ansehen und sich gut 15 min Zeit nehmen.

Hier geht’s zur Umfrage.

Hier noch ein paar weitere Informationen (die ich von den “Sozis” geklaut habe):

Untersuchungsziele:
Die Entstehung und Verbreitung von produkt- und markenbezogenen Gemeinschaften stellt speziell im automobilen Bereich ein bedeutendes Phänomen dar. Unzählige Clubs, Stammtische, Vereine, Interessengemeinschaften, Internet-Foren usw. existieren im Rahmen dieses Themenfeldes – sowohl online als auch offline.
In Anbetracht der weiten Verbreitung solcher Automobil-Gemeinschaften, scheint es verwunderlich, dass die Komplexität und Spezifiät dieses Phänomens bislang kaum Gegenstand umfassender und fundierter wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen ist.
Im Rahmen eines Lehrforschungsprojektes an der TU Berlin versuchen wir nun diesem Phänomen durch die Erforschung der „Fiat 500 Markengemeinschaft“ näher zu kommen.

Durch unsere qualitativen Studien konnten wir bereits einen guten Überblick und Eindruck über die Fiat 500 Markengemeinschaft gewinnen. Die zusätzliche quantitative Befragung zielt nun darauf ab, sowohl Einstellungen von Clubmitgliedern in Bezug auf verschiedene Themen, sowie die soziostrukturelle und -kulturelle Zusammensetzung dieser Gemeinschaft zu erforschen.

Datenschutz:
Die Regeln des Datenschutzes werden von uns selbstverständlich stets eingehalten. Sämtliche Daten (Namen, E-Mail-Adressen usw.) werden nicht an Dritte weitergegeben, die mit dem Forschungsprojekt nicht unmittelbar zu tun haben. Personenbezogene Informationen und Datensatz werden vor der Auswertung getrennt, um zu vermeiden, dass von den Aussagen auf die Person geschlossen werden kann. Die Rohdaten, also die Antworten auf spezifische Fragen, werden ausschließlich von den Projektmitarbeitern verarbeitet. Dritte erhalten allenfalls die anonymisierten Daten, die keine Rückschlüsse auf einzelne befragte Personen zulassen.
Alle Personen, die mit personenbezogenen Informationen und den Rohdaten in Kontakt kommen, sind in den Datenschutzregeln unterwiesen und haben sich schriftlich zur strikten Vertraulichkeit verpflichtet.
Das Institut für Soziologie an der TU Berlin hat langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Personendaten, da wir jedes Jahr wissenschaftliche Umfragen auf Grundlage von E-Mail-, Telefon- oder Einwohnermeldeamtsstichproben durchführen.

Institut für Soziologie Technische Universität Berlin Franklinstr. 28/29 D-10587 Berlin

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (2) | Autor: Will

Bremen 2009: Liebling Backsberg

Dienstag, 2. Juni 2009 21:33

Bremen09_001Man muss schon etwas verrückt sein, wenn man sich freiwillig an einem Wochenende insgesamt über 9 Stunden in eine laut scheppernde Blechdose setzt. Aber ohne diese Verrücktheit hätte ich das Event dieses Frühjahrs, das berühmte Bremer Fiat 500 Treffen verpasst. Und das wäre eindeutig ein Fehler gewesen!

Eigentlich wollten wir uns bei Hennes zur Abfahrt treffen. Der sagte aber kurzfristig ab, weil irgendetwas mit Getriebe oder Hinterachse nicht stimmte. So haben Bed-and-Breakfast-Andreas mit Valentin und ich uns am Freitag morgen gegen 9.00 Uhr am “Neucölln-Carree” getroffen. Treibstoff bunkern, Proviant in Griffweite bereitlegen und schon gings los über die Stadtautobahn, Dreieck Funkturm, Richtung A2.

Bremen09_009Wir kullerten dann so mit 90 Sachen dahin, immer gen Westen. Irgendwo in der Brandenburger Pampa bemerkte ich, dass mein “Pacecar” nicht mehr so fuhr, wie vorher. Aber warum fuhr er nicht auf den Parkplatz, den wir gerade passierten? Dafür standen wir nun einen knappen Kilometer hinter dem Rastplatz auf dem Standstreifen, und die Lkw rauschten in Massen an uns vorbei. Schon kurz vor dem Stillstand konnte ich riechen, dass etwas nicht stimmte. Nach schlechter Verbrennung roch es in meinem Gehäuse. Nach der alten Regel: Wenn du keinen Qualm im Auto hast, stinkt der vor dir, war klar, woher der Geruch kam. Und so sah man auch den Motor lustig auf- und abwippeln, weil er nicht mehr rund lief. Eben so, wie wenn die Zündung kränkelt. Man merkte ihm nicht viel an, und nachdem wir an allen Kabeln mal ein bisschen gewackelt hatten, ging es weiter. Erst ruckelte Andreas’ Auto noch ein wenig, dann ging’s ohne Probleme bis Hannover weiter. Dort teilten sich unsere Wege. Andreas und Valentin absolvierten noch einen Verwandtenbesuch und würden am Samstag nachkommen. Ich fuhr gleich rechts ab auf die A7 Richtung Hamburg/Bremen.

Bremen09_013Früher, als ich noch in Hannover studierte und seinerzeit schon regelmäßig zum Bremer Treffen gefahren bin, kam mir die Strecke immer relativ weit vor. Jetzt hatte ich in Hannover schon das Gefühl, fast am Ziel zu sein. So kullerte ich nun mit leicht angehobener Geschwindigkeit, so 95 bis 100 km/h, weiter. In Höhe Verden/Achim fragte ich mich, ob nach 370 km auf dem Tacho nicht langsam die “Benzina-”Lampe aufblinken müsste. Ich wusste schon von meiner Essen-Fahrt zur Techno Classica, dass der Kombi bei knapp 100 km/h durchaus sparsam fährt. Aber nach 400 km war der Tank sonst immer leer. 20, 30 km vorher sollte die Lampe kommen. Also fuhr ich auf einen Rastplatz und schaute mal nach: Nö. genug von dem kostbaren Saft im Tank. Eine Familie kam lächelnd auf mich zu und sprach mich begeistert auf meinen 500er an. Na, der sei ja toll! Den normalen würden sie ja kennen, aber den Kombi? Ob ich den denn selbst umgebaut hätte. Ne ne, den gab es so zu kaufen. Warum man heute nicht mehr solche tollen Autos baut? Keine Ahnung…

Bremen09_018Eine Viertelstunde später habe ich dann in Oyten für 380 km 16 Liter nachgetankt. Wow, knapp über 4 Liter auf 100 km! Ich bin begeistert! Zum geringen Verbrauch trägt übrigens bei, mit geschlossenem Verdeck zu fahren. Offen schlägt der Fahrtwind stark hinten hinein, sodass das Heck wie ein Bremsfallschirm wirkt und das Auto nen Liter mehr verbraucht.

Auf dem Backsberg angekommen warteten schon die üblichen Verdächtigen. Harald, Ulrike, Meikel usw. Dank Wurfzelt hatte ich meine Behausung schnell fertig und konnte mich wieder der Begrüßungsrunde widmen. Schönes Wetter war hier! Und die dunklen Wolken ziehen vorbei… Klar.

—Schnitt.—

An dieser Stelle hatte ich lange keine Lust mehr, im gewohnten Törn weiterzuschreiben. Mich erreichten eine Woche nach dem Treffen ein paar Mails und Anrufe, dass es im Nachhinein Probleme gibt. Was war passiert?

Auf der Ausfahrt, bei der ich mal wieder in Martins feinem Visa-500er beifahren durfte, ging es zu einer Draisinenbahn bei Ostereistedt (man höre und staune: Dort war ich vor ca. 25 Jahren schon mal mit dem Fahrrad.) Dort standen allerlei verschiedene Schienenfahrzeuge herum: 1- bis 3-Sitzer mit Pedalantrieb und drei Rädern, vierräderige mit Pedalantrieb, aber auch die klassischen Dinger mit so einer Wippe zum Pumpen. Einige Kinder stürzten sich sofort auf die Fuhrwerke, wurden aber doch relativ schroff von einem Verantwortlichen der Betreiber zurückgepfiffen. Losgehen sollte es wohl erst mit einem Erwachsenen als Fahrer und nach entsprechender Unterweisung.

Bremen09_068Nach und nach verließ eine Draisine nach der anderen den kleinen, nett zurecht gemachten Bahnhof, und es wurde ruhig. Zeit für Gespräche mit den (physisch) Zurückgebliebenen. Ich schätze, es wird eine gute Stunde gedauert haben, bis die ersten zurückkamen und auch relativ schnell die Rede von einem glimpflich abgelaufenen Zwischenfall war. Eine dreiräderige “Fahrrad-Draisine” war umgekippt und ein Junge war heruntergefallen. Nur mit viel Glück ist es nicht zu einem schlimmeren Unfall mit schweren Körperverletzungen durch die nachfolgende Pump-Draisine gekommen. Äußerlich hat der Junge nur eine Schramme erlitten, die schnell im Krankenhaus behandelt wurde. Dorthin sei man wohl ziemlich zügig gekommen. Überhaupt hätten sich vor Ort alle sehr fürsorglich verhalten, sagt der Vater des Jungen.

Der Grund für das Entgleisen bzw. Umkippen der Draisine ist mir nicht klar geworden. Einerseits heißt es, die Pump-Draisine sei auf die kleinere, vorausfahrende Draisine aufgefahren. Andererseits soll die kleine Fahrrad-Draisine erst entgleist, der Junge herabgefallen sein und dann sei die Pump-Draisine erst angekommen. Wahrscheinlich wird man den tatsächlichen Unfallablauf nicht ermitteln können. Wenn schon unmittelbar nach dem (vermeintlich) glimpflich abgelaufenen Unfall die Meinungen auseinandergehen, ist nach meiner Erfahrung nicht mit einer besseren Aufklärung zu rechnen, wenn es erstmal härter zur Sache geht.

Bremen09_075Und das sollte es. Zwei der Erwachsenen, die zu der Gruppe mit der Pump-Draisine gehörten, hatten sich als Zeugen zur Verfügung gestellt und dem Vater des Jungen Namen und Adressen ausgehändigt. Prompt hatten sie etwa drei Wochen nach dem Treffen Post vom Anwalt im Briefkasten, wo sie aufgefordert wurden, weitere Anwesende zu benennen und insbesondere ihre Privathaftpflicht zu benennen. Denn angeblich ist der Unfall wohl keineswegs so glimpflich abgelaufen, wie man vor Ort am Samstag Abend und am Sonntag hätte vermuten können. Schwer zu sagen, man weiß es nicht so genau. Vor allem steht bei solchen Problemen immer schnell die Kausalität im Raum: Sind die Verletzungen und was sonst noch passiert sein mag wirklich Folge des Unfalls?

Bremen09_143Die Vorgehensweise, gleich einen Anwalt von der Leine zu lassen, ist natürlich in einer Szene, die man wohl gewissermaßen als “große Familie”, wenn auch einen lockeren Verbund, ansehen kann, ziemlich ungeschickt. Man fragt sich, warum es vor der Anwaltspost keinen telefonischen Kontakt mit denjenigen gegeben hat, die sich freimütig gemeldet hatten. Stattdessen bekommen sie einen Brief, den man nicht anders verstehen kann, als dass genau gegen sie Ansprüche erhoben werden. Anders sähe es vielleicht aus, wenn sich z. B. als erstes die Haftpflichtversicherung des Betreibers oder der Betreiber selbst bei ihnen gemeldet hätte, um beispielsweise zu erfahren, ob sie oder wer wie in die Draisine eingewiesen wurde(n). Oder ob sie etwas zum Unfallhergang sagen könnten, damit die Versicherung ermitteln könnte, bei wem das Verschulden liegt, um über die Eintrittspflicht zu entscheiden, ohne ein Gerichtsverfahren anzustrengen.

Bremen09_123Nach meiner Einschätzung gibt es drei mögliche Varianten: Erstens, die Fahrer der Draisinen wurden nicht richtig eingewiesen. Insbesondere soll wohl das Fahrverhalten der Fahrrad-Draisine auf den Weichen sehr abenteuerlich sein, so dass man bis zum Stillstand abbremsen muss, um dann ganz vorsichtig das Fuhrwerk über die Weiche zu bugsieren. Dann könnte man darüber nachdenken, dass der Betreiber die Leute nicht richtig oder nicht vollständig unterwiesen hat, wenn es denn so wäre, dass das nicht gesagt wurde. Ich kann nur vermuten, denn ich war ja nicht dabei. Die zweite Variante ist: Die Pump-Draisine ist auf die kleine Draisine aufgefahren. Dadurch ist die kleine entgleist und das Unglück hat seinen Lauf genommen. Aber vielleicht besteht auch die Variante, dass die Fahrrad-Draisine mit Vater und Sohn entgleist, der Junge dabei heruntergefallen ist und sich dadurch verletzt hat. Dann hätte die große Draisine das Geschehen praktisch nicht mehr beeinflusst. Sicherlich hat sie den Schrecken nicht gerade verkleinert. Aber der Unfall als solcher wäre schon passiert gewesen. Da fragt man sich letztlich, wer nun für den Unfall verantwortlich sein soll. Mir scheint es so, dass es sich um eines der vielen Unglücke handelt, für die man keinen eindeutig Verantwortlichen benennen kann. Auch wenn der Schrecken sicherlich tief sitzt: Es hätte schlimmer kommen können, aber das ist es zum Glück nicht.

Bremen09_103Inzwischen schlagen die Wellen bei den Involvierten verständlicherweise hoch. So, wie ich das kenne, gibt es am Ende keinen Gewinner. Wegen ein paar Hundert Euro so eine Angelegenheit bis zum Ende durchzuziehen, ist gegenüber dem, was man alles auf’s spielt setzt, nach meinem Empfinden die Sache nicht wert.

Sollte es tatsächlich Schule machen, dass man sich gleich die Anwälte auf den Hals hetzt, bevor man das persönliche Gespräch sucht, dürfte das einen tiefen Bruch in der Szene und vor allem für die Bereitschaft der Unermüdlichen bedeuten, in Zukunft weiterhin Treffen zu organisieren und auszurichten. Selbst wenn die Organisatoren des Bremer Treffens, allen voran Harald und Ulrike, selbst nicht in der Schusslinie sind, könnte ich es gut verstehen, wenn sie davon absehen, im nächsten Jahr für die Allgemeinheit ein Treffen auszurichten. Auch wenn ich mit meinem Optimismus immer mal wieder daneben liege, hoffe ich diesmal, dass sich die Sache wieder einrenkt. Juristisch ist aufgrund der unklaren Rechtslage und der Beweislast, die beim Anspruchsteller liegt, nach meinem laienhaften Verständnis eh nichts zu holen. Da sollte der Betreffende seinen Advokaten besser wieder zurückpfeifen.

Bremen09_132Besonders schade finde ich, dass durch diese unsägliche Geschichte die vielen tollen Momente des Treffens in Vergessenheit geraten. Am Freitag gab es abends nicht nur Pizza, sondern vorher auch noch leckeren Kuchen. Live auf dem Treffen gebacken! Nicht zu vergessen am Samstag Abend Axelli’s Essen, das es ohne die vielen Helferlein wohl erst nachts gegeben hätte. Und ein besonderes Highlight: Die Diashow mit Fotos von Treffen aus den tiefsten 80er Jahren. Hach, waren wir da noch jung. Aber mal ehrlich: So komisch sind wir da rumgelaufen? Ne, nä..?

Achso: Als ich gut wieder zu Hause angekommen bin, hab ich im Schnitt 4,3 l/100 km verbraucht.  Auch toll.

Und hoffentlich: Wiedersehen im Mai 2010!

(Weitere Fotos gibt’s hier.)

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (7) | Autor: Will

I fly bleifrei

Dienstag, 26. Mai 2009 9:23

Als Oldtimerfahrer steht man immer wieder vor der Frage, ob der Motor des liebgewonnenen Fahrzeugs denn nun bleifreien Sprit verträgt oder nicht. Es gehen ständig Gerüchte um, die ich nur zu sehr glaube, dass es früher auch keinen verbleiten Kraftstoff gab. Die Frage ist nur: Wann ist dieses “früher” gewesen?

Einerseits taucht die Frage nach der Bleifreiverträglichkeit andauernd im Fiat-500-Forum auf, andererseits beschäftigt mich aktuell gerade der Heinkel, was dieses Problem angeht. Liest man dort die Fahrzeugangebote, die Forenbeiträge etc., findet man mit großer Selbstverständlichkeit, dass die Zylinderköpfe auf “Bleifrei” umgebaut sind. Meine Frage, was denn da überhaupt gemacht wird, wurde bislang leider nicht erschöpfend beantwortet. Da ich bislang auch noch keinen Heinkelmotor selbst zerlegt habe, weiß  ich auch noch nicht genau, wie der konstruiert ist. Ich vermute nämlich, dass dieser Umbau wahrscheinlich genauso wie beim Fiat 500 unsinnig ist.

Um mal etwas mehr über bleifreies Benzin zu erfahren, habe ich mich an den Kundenservice von ARAL gewendet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

unter Oldtimerfahrern ist immer wieder umstritten, ob man Motoren für Bleifreibenzin umbauen lassen muss oder auch Zusätze ins Benzin geben muss.
Meines Wissens ist verbleites Benzin eine Erfindung der Nachkriegszeit.

Können Sie datieren, wann verbleites Benzin als der übliche Kraftstoff in Deutschland und Europa an die Tankstellen kam?

Vielen Dank!

Erfreulicherweise kam die Anwort umgehend:

Sehr geehrter Herr Will Sagen,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Gerne geben wir Ihnen einige Infos zur wechselvollen Geschichte des verbleiten Benzins:

Im Jahr 1922 wurde Blei als Klopfbremse mit dem Nebeneffekt des Verschleißschutzes für sogenannte weiche Auslassventilsitze “entdeckt”.

Ab 1929 wurde Blei in den USA erstmalig flächendeckend dem Kraftstoff zugegeben, ab dem Jahr 1939 dann auch in Europa. In der Zeit von 1955 bis 1963 wurde von Aral ein Superkraftstoff ohne Blei angeboten. Ab 1965 wurde Blei dann wieder allgemein den Ottokraftstoffen zugegeben.

Der Verkauf von verbleitem Normalbenzin wurde 1988 vom Gesetzgeber verboten. Die deutsche Mineralölindustrie hat im Jahre 1996 auf freiwilliger Basis den Verkauf von Super verbleit in der Bundesrepublik Deutschland eingestellt.

Seit dem 1.1. 2000 (Einführung der überarbeiteten Ottokraftstoffnorm EN 280 ) dürfen generell verbleite Ottokraftstoffe in der EU nicht mehr verkauft werden (Ausnahme: Flugbenzin). Nicht EU-Staaten – u.a. die Schweiz – haben sich diesem Vorgehen angeschlossen.

Mit freundlichen Grüßen

Aral Service Center

Für meine Oldtimer heißt das, dass sie wohl stets mit verbleitem Benzin gefahren wurden, weil sie mit “Normal” auskamen, das seinerzeit ja einiges billiger als “Super” war. Aus der Geschichte kann man die Bleifreiverträglichkeit also nicht allgemein folgern. Wahrscheinlich kann man aber bei Aluminiumzylinderköpfen davon ausgehen, dass die verbauten Ventilsitzringe normalen Oldtimerfahrbetrieb (also eine eher schonende Fahrweise)  mit bleifreiem Benzin aushalten. Ich werde es also so wie bisher halten: Öfter mal Ventilspiel kontrollieren.

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (0) | Autor: Will

Das Ende des schwärzeren Donnerstag

Freitag, 24. April 2009 8:49

… hat seinen Schwerpunkt verlagert.

Nach einigem Nachdenken konnte ich den Elektrikfehler in meinem Fiat 500 Kombi doch selbst in der Tiefgarage beheben. Ich musste ein Hauptpluskabel austauschen, das vom Zündschloss zum Sicherungskasten verläuft und am Tacho verzweigt. Dort hatte ich es aus Versehen rausgezogen, so dass der Stecker an Masse lag und einen herrlichen Kurzschluss fabrizierte. Das war relativ schnell behoben. Das Fernlicht funktioniert zwar immer noch nicht. Aber da weiß ich erstens, woran es liegt, und zweitens brauche ich es eh fast nie.

Eigentlich wollte ich gestern aber auch meinen anderen Fiat aus dem Winterschlaf holen. Der TÜV ist seit März abgelaufen und überhaupt schreit das Wetter auch nach langem Faltdach. Ich hatte  die geladene Batterie schnell eingebaut, die Mühle springt auch nach kurzem Orgeln an. Sie gibt aber ein unhörbarer tack-tack-tack von sich. Das war vorher nicht! Toll, also noch ein Motorschaden, der durch’s Rumstehen gekommen ist? Was ist das wieder für ein Mist? Zumal irgendwie auch ein großer Teil meiner Ersatzteile verschollen ist, die ich eigentlich dachte, trotz Umzug aufbewahrt zu haben.

Muss ich eigentlich noch erwähnen, dass mir gestern noch eine halbe Dose Hydrauliköl über die Werkbank gelaufen ist, als ich meinen Wagenheber neu abdichten wollte, und dass mir der Kolben vom dessen Hydraulikzylinder noch auf den Boden geknallt ist?

Thema: cinquecentistisch, nich so dolle | Kommentare (0) | Autor: Will

Wenn es einen schwarzen Freitag gibt…

Donnerstag, 23. April 2009 8:00

… war dieser Donnerstag jetzt schon noch dunkler.

Alles begann damit, dass bei meinem Fiat 500 Kombi der Lenkstockschalter für den Blinker klemmte. Das Problem war schnell eingekreist: Die Toleranzen für den Innendurchmesser des Lenkstockschalters einerseits und den Außendurchmesser der Lenksäule andererseits waren so ungünstig, dass es bei kälterer Witterung mal klemmte. Das war einigermaßen schnell behoben, nachdem ich die Lenksäule ausgebaut hatte und ganz oben etwa ein bis zwei Zehntel Millimeter kleiner gefeilt und geschliffen hatte.

Heute morgen auf der Fahrt zum Büro merkte ich dann gleich, dass der Tacho nicht ging. Mist, dachte ich, hast vergessen, die Tachowelle wieder anzuklemmen. Kein Problem, machste schnell mal eben in der Tiefgarage am Büro.

Es fing dann leicht an zu regnen. Der Scheibenwischer bewegte sich nur wenige Zentimeter und blieb dann stehen. Doppelmist! Hast wohl beim Aus- und Einbau der Lenksäule ein Kabel am Lenkstockschalter rausgezogen. Guckste gleich schnell mal eben am Büro in der Tiefgarage…

Dort angekommen habe ich gesehen, dass der Scheibenwischer kein elektrisches, sondern ein mechanisches Problem hatte: Die vergessene Tachowelle hatte sich oben unterhalb der Windschutzscheibe zwischen Karosserie und Kurbelarm des Wischermotors verklemmt. Na prima.

Ich hab dann erstmal den Wischermotor halb ausgebaut, bis ich die Tachowelle aus ihrer misslichen Lage befreien konnte. Und siehe da: Der Wischer wischte auch wieder. Aber, verdammte Axt, warum geht in einer bestimmten Stellung des Scheibenwischerschalters das Standlicht an? Mist³! Sowas sieht immer stark nach Massefehler aus. Und ich hatte auch ein Kabel gefunden, das so aussah, als wenn es keinen ordentlichen Massekontakt gehabt hätte. Das angeklemmt, war der Fehler aber immer noch nicht behoben. Hm, dachte ich, guckste mal eben etwas tiefer in das Kabelgekröse.

Ein Kabel sah so aus, als hätte es Verbindungsprobleme. Schwupp, hatte ich auch schon den ganzen Stecker in der Hand. Prima, damit hatte ich das Fernlicht nun auch lahmgelegt. Vielleicht schaffe ich es, den Stecker mal eben wieder auf das Kabel zu quetschen. Der Stecker fiel mir dann nach ein paar Versuchen in die Tiefe des Kofferraums, so dass ich aufgab. Schließlich wollte ich nicht den ganzen Tag in der Tiefgarage verbringen. Das herausgekramte Werkzeug hatte ich schon wieder im Kofferraum verstaut, als ich nur noch mal eben probieren wollte, ob sich am Lichtproblem noch etwas durch mein Gewackel getan hatte. Nicht direkt, würde ich sagen. Denn nun funzte die Zündung nimmer. Stattdessen fing es aus Kofferraum und Zündschloss an zu qualmen. Jetzt reicht’s aber! Flugs das Werkzeug rausgekramt und die Batterie abgeklemmt. Schöne Scheiße! Jetzt steht mein Kombi in der Tiefgarage, in der glücklicherweise die Brandmelder nicht angeschlagen haben, und ich überlege, wie ich die Karre da erstmal wegkriege. Werde nachher mal den AVD anrufen. Mal sehen, ob die mir die Karre nach Hause schleppen.

Und merke: “Mal eben” gibt es nicht! Ich könnte kotzen. Bin gespannt, was noch alles schief geht.

Nachtrag:  Zu erwähnen ist noch, dass der Heinkel auch steht: Dort wird die Batterie nicht geladen… :evil:

Thema: cinquecentistisch, nich so dolle | Kommentare (5) | Autor: Will

TC09: Shi(f)t happens

Dienstag, 7. April 2009 21:49

tc09-009Alle reden und bloggen von der rp09. Ich nicht. Ich war letztes Jahr nicht dabei, und dieses Jahr auch nicht. Letztes Jahr habe ich es verpeilt. Dieses Jahr hatte ich was besseres anderes vor.

Schon vor etlichen Jahren hatte ich die Idee, dass man auf der Techno Classica im schönen Essen mal eine Art Internet-Café vom Fiat 500 Forum aus organisieren müsste. Das hat leider nie geklappt, vor allem, weil der Aufwand zu groß schien. Einem Mit-Forumianer flatterte Ende letzten Jahres eine Einladung ins Haus, mit “seinem” Club an der Techno Classica teilzunehmen. Das verbreitete er im Forum, und sofort waren einige Feuer und Flamme, dort mitzumachen. Die Begeisterung erfasste zwar nicht die breite Masse, aber doch genügend und in gewisser Hinsicht auch die “Richtigen”, um die Aktion zum Erfolg werden zu lassen.

tc09-003Nachdem die Bewerbung um einen der  Clubmessestände lange raus, hörten wir irgendwie nichts mehr von der “Siha”, dem Messeveranstalter. Erst 6 Wochen vor der Messe stand fest, dass es mit dem Stand klappt.

Ich musste sowieso dringend was gegen die Inkontinenz des Kombi-Triebwerks unternehmen und so schlug ich vor, als Live-Schraub-Event meinen Fiat 500 Kombi nach Essen zu bringen, dort Getriebe und Motor auszubauen, alles abzudichten und wieder einzubauen. Mit der Hilfe von ein paar Leuten sollte das locker zu schaffen sein, so dass auch noch etwas Zeit für die Messe bleibt. Irgendwie kam dann doch alles etwas anders.

tc09-002Gegen 7.30 Uhr habe ich mich letzten Dienstag in meinen Alltagsklassiker geschwungen. Etliche Dichtungen, ein paar Dekoelemente für den Stand, ein Getriebe samt losen, neuen Antriebswellen, ein Klappstuhl für die Pausen und ein Koffer fuhren mit. Gegen Mittag hatte ich die Ostwestfälischen Niederungen erreicht. Zeit für eine Pause bei jog. Dort lernte ich dann auch gleich die ebenso freundlichen wie ostwestfälischen Ordnungshüterinnen kennen. Charmant wie ich (manchmal) bin, habe ich die Situation in nie dagewesener Art gemeistert, so dass ich den temporär mittellosen Kumpel doch noch einladen konnte, weil ich den Staatshaushalt nicht sanieren musste.

tc09-005Etwa zwei Stunden später war ich dann in Essen, wo ich auch zügig unsere Halle fand. Dass sie im Untergeschoss liegt, wusste ich schon. Ich fand’s nicht so schlecht. Immerhin muss man bedenken, dass die Messeorganisationsfirma den Clubs und Interessengemeinschaften etliche Quadratmeter Standfläche kostenlos zur Verfügung stellt. Strom kostet zwar einiges und Internet ist unbezahlbar. Aber ohne Strom keine Kaffeemaschine und keine Kaltgetränke. Internet wurde via UMTS gemeistert. Das ging prima! Allerdings nicht mit E-Plus/Base. Kein Netz in der Messe Essen. Tja. Dumm gelaufen. Zum Glück hatte Mitorganisator Klaus drei Vodafone-Karten, die prima funktionierten. T-Mobile lieferte ebenso ein stabiles Netz.

tc09-034Langsam, aber sicher nahm unser Stand Formen an. Der erste Abend ging, der nächste Morgen kam, und bis zum Mittwoch-Mittag waren wir fertig. Also packte ich das Getriebe aus und legte los. Bis zum Abend hatten wir die neuen Antriebswellen eingebaut. Das macht relativ viel Arbeit.

Gleichzeitig bauten andere Mitschrauber das Triebwerk aus meinem Kombi aus. Beim Zerlegen zeigte sich dann ein kleineres Problem: Kapitaler Nockenwellenschaden. Ein Nocken eingelaufen, zwei andere mit Ausbrüchen an der Oberfläche. Schöner Mist. Dank guter Kontakte war eine passende Welle relativ schnell aufgetrieben, allerdings in Hamburg bei der besten Firma für Porsche- und Fiat-Heckmotoren ilmotore. Ilmotore-Schrauber Philipp brachte die Welle samt neuen Stößeln und Messwerkzeug am Donnerstag vormittag mit. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass die Passung Nockenwelle-Motorblock passte. Ich hatte erst befürchtet, dass die Welle zu groß für das schon einmal ersetzte Lager sein könnte.

tc09-027Dennoch wurde die Zeit langsam knapp. Ich konnte auch nicht so, wie ich will. Schließlich hatte ich am Sonntag vor der Messe noch ein einschneidendes Erlebnis. Freitag Abend sollte mein Kombi wieder fahren, weil ich Samstag Morgen nach Berlin zurückfahren wollte. Als der Motor zusammengebaut und drin war, stellte sich heraus, dass sich keine Gänge schalten ließen. Einer war ständig eingelegt und ließ sich nicht rausnehmen. Klarer Anfängerfehler: Bei der Montage des vorderen Getriebedeckels hat sich die Schaltstange verdreht, einen Gang eingelegt und war nun in einer Position, in der nichts mehr ging.

tc09-021Mitschrauber Klaus hat sich freundlicherweise unters Auto gelegt, den Deckel abgenommen und samt Schaltstange richtig montiert. Damit konnte ich tatsächlich samt Kombi am Freitag Abend die Messehallen verlassen. Eine letzte Nacht habe ich bei Freund André verbracht. Dann ging’s am Samstag gegen 7.30 Uhr zurück in Richtung Heimat. Der Kombi lief wie eh und je und ist zum Glück sogar etwas dichter als vorher, wenn auch nicht ganz.

Da ich noch das UMTS-Handy mit der Base-Flatrate hatte, das wenigstens auf der Autobahn funktionierte, konnte mein Beifahrer hin und wieder mal ein Live-Bild (dank Photobooth) posten.  Schließlich hatten wir während der gesamten Messe einen Thread im Forum mit Live-Bildern gefüllt. Warum damit so plötzlich aufhören? Nächstes Jahr zünden wir dann die nächste Stufe: Webcam oder Mogulieren (oder wie das heißt).

tc09-054Am frühen Samstag Nachmittag bin ich dann ohne Probleme wieder in Berlin angekommen. Die Fahrt hab ich erstaunlich gelassen genommen. Immer so 95 bis 100 km/h bescherten mir einen Spritverbrauch von nur 4,5 l/100km. Das soll mir ein modernes Auto erstmal nachmachen!

Das nächste Mal würde ich dennoch nicht mehr unbedingt mit dem Schraubobjekt zur Techno Classica fahren. Mitm 500er vielleicht, wenn er ausgestellt wird. Aber sonst eher nicht. Denn wegen der ganzen Schraubaktion habe ich es nicht geschafft, wenigstens einen kleinen Messerundgang zu unternehmen. Und das hätte schon der Lohn für die Mühe sein sollen. Nun, wie gesagt: Beim nächsten Mal ;)

Bedanken möchte ich mich noch bei Christian, Moni, Klaus, Jürgen, Philipp, Michael, Guido, Anja, Martin, Jörg und ich hoffe, niemanden vergessen zu haben. Ein tolles Messe-Team! Es hat echt Spaß gemacht. Und ich bin um die Erkenntnis reicher geworden, dass es immer noch funktioniert, mit einem alten Fiat 500 eine lange Strecke zurückzulegen. Er hat die über 1100 km in aller Ruhe abgespult. Ich hab bequem (!) gesessen, ohne dass mir bei der Ankunft der Rücken weh tat. Aber die Fahrerei ist dennoch relativ langweilig. Vielleicht auch besser, wenn dabei nichts spannendes passiert.

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (1) | Autor: Will