“Leben” in der kleinen Diktatur
“So langsam bekomme ich einen Eindruck davon, was es heißen muss, in einer Diktatur mit staatlicher Observation zu leben. Dessen bewusst kann man sich wohl erst dann werden, wenn man nicht mehr selbst Mitglied jenes Systems ist.
Man sagt das eine, meint aber das andere. Will offiziell den Untertanen Freiheit gewähren, damit sie ihren Bekanntheitsgrad erhöhen können, ist aber nur darauf aus, für den eigenen Namen zu werben. Abtrünnige werden im Nachhinein verunglimpft, Kontaktpersonen, die im System geblieben sind, müssen damit rechnen, “intensiv beobachtet” zu werden. Eine ernst zu nehmende Diskussion gibt es nicht, da abweichende Meinungen nicht gehört werden und inzwischen auch gar nicht mehr geäußert werden. Restriktive Zugangsbeschränkungen wurden zunächst auf einige Bereiche ausgedehnt, nun werden auch noch dringend erforderliche Zugriffsrechte auf Netzwerke für die Leute beschnitten, die dafür sorgen, dass das System am Leben erhalten wird.
Das nächste, was m. E. eine Diktatur auszeichnet, ist dass es nur eine sehr flache Hierarchie gibt. Oben der oder die Herrscher, dann kommt lange Zeit gar nichts. Irgendwann hat man als wabernde Masse ein Sammelsurium aus Akademikern, Mechanikern, Arbeitern und Bauern darunter, die sich gegenseitig vermeintliche Rechte streitig machen.
Es ist interessant und gleichzeitig erschütternd mit anzusehen, wie stark man Menschen, die keine unmittelbar greifbare Alternative haben, erpressen, einschüchtern und drangsalieren kann. Mittel sind wie üblich in erster Linie persönliche bzw. finanzielle Repressalien.
Ich bedauere alle, die nicht das gleiche Glück haben wie ich, dort auszubrechen, wenn sie den Wunsch dazu verspüren.”
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Diesen Beitrag habe ich schon vor über einem halben Jahr zu schreiben begonnen. Ich hole ihn aus der Versenkung hervor, weil Tom Schimana hier den Führungsstil von Jean-Luc Picard analysiert bzw. kommentiert. Ich glaube nämlich, dass ich es geschafft habe, einem Romulanerschiff entkommen zu sein und nun auf der “Enterprise” Dienst tue.
Bislang halten sich meine Überlegungen in Grenzen, Charaktere oder Handlungsweisen aus dem Fernsehen auf mein Alltagsleben zu übertragen. Aber, warum eigentlich nicht? Es ist zumindest einen Versuch wert. StarTrek TNG zeichnet sich wie viele andere Fernsehserien dadurch aus, dass das Gute letztlich siegt. Daran ist selbstredend nichts Schlechtes zu finden. Der Umgang miteinander ist von gegenseitigem Respekt und Höflichkeit geprägt. Die Bösen kriegen ein’s auf die Mütze, aber manchmal hakt es auch ein wenig im eigenen System, wenn mal wieder der Warpantrieb benötigt wird, man aber nur Impulskraft zur Verfügung hat.
Aber vor allem:
Dass Probleme innerhalb von 45, maximal 90 Minuten gelöst sind, scheint mir besonders erstrebenswert zu sein!


Dienstag, 11. Dezember 2007 20:54
Schön, dass ich Dich inspirieren konnte.
Ich mag selbst auch nicht gerne solche Vergleiche. Vor allem nicht wenn es sehr in S/W oder gut und böse geht.
Wie ich auch schon in meinen Beitrag geschrieben habe, möchte ich nicht Star Trek für alles als Vorlage nehmen. Ich fand es einfach nur eine sehr gute und passende bildliche Vorgabe (für diesen Fall).
Aber vor allem freit es mich zu hören, dass Du vom Romulanerschiff entkommen bist.
Dienstag, 11. Dezember 2007 22:48
Ja, dankeschön. Ich genieße jetzt die unendlichen Weiten!