Bloggen vs. Journalismus: Gähn…
Eines der großen Themen der re:publica. Irgendwie scheinen die “großen” Blogs von nichts anderem beherrscht zu sein, als davon, ob nun Bloggen etwas mit Journalismus zu tun hat. Robert Basic beschäftigt sich z. B. mit fazzen oder bloggen. Auch Zeitungen beschäftigen sich damit, was wiederum Blogs, hier z. B. Spreeblick, anspornt, darauf zu reagieren, vor allem, wenn die Journallie mal wieder in ein Fettnäpfchen getreten ist.
Was denke ich als “Longest Tailer” darüber?
Mir scheint das mal wieder ein (deutsches) Schubladenproblem zu sein. Es gibt etwas Neues? Kann nicht sein, wir müssen das in eine vorhandene Schublade einsortieren. Warum eigentlich?
Journalismus hat für mich einen ganz anderen Ansatz (wenn man mal von bunter Springerpresse absieht). Da sitzen Leute, die ihr Geld damit verdienen, Meldungen so aufzubereiten, dass sie einer breiteren Masse zugänglich gemacht werden, sei es im TV, Radio, Printmedien oder eben online. Journalistische Berichterstattung sollte sich dadurch auszeichnen, dass sie objektiv und informativ ist. Persönliche Meinungen sollten als Kommentare gekennzeichnet sein oder anderweitig als Auswertung von Fakten in einer bestimmten Denkrichtung zu erkennen sein.
Als Blogger braucht man sich an diese Regeln nicht zu halten, und gerade das ist das Schöne. Ich kann in der Ich-Form schreiben. Das ist schon der erste große Unterschied zum Journalismus. Sobald ich die erste Person Singular wähle, ist klar, dass ich meine persönliche Meinung wiedergebe. Zunächst einmal für mich, aber natürlich auch für diejenigen, die lesen möchten, was ich so denke (und für veröffentlichungswürdig halte). Ich muss mich nur an die Formen des guten Geschmacks und ein paar Grundregeln, z. B. das Urheberrecht, halten.
Wie sonst außer am Stammtisch oder vielleicht mal in einem Leserbrief kann man seine Meinung als kleiner Nobody kundtun? Gerade dafür bietet sich die Plattform “Blog” an. Darum blogge ich, nicht, weil ich etwas Journalistischem nacheifern will. Das Webblog als ursprünglich öffentliches online-Tagebuch scheint sich in zwei Richtungen zu entwickeln: Leute, wie ich, die einfach ein paar Gedanken und Texte kommunizieren wollen und diejenigen, die eine Message haben (oder das zumindest meinen), die eine möglichst große Masse erreichen soll. Letzteres geht dann eindeutig in Richtung Journalismus und wird in absehbarer Zeit als zusätzliches Medium auch von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden.
Die derzeitige Diskussion wird m. E. von den professionellen Journalisten geschürt, weil ich meine, ihre Angst zu spüren, wie sie althergebrachte Pfründe zu verlieren drohen. Im Gegensatz zu den Bloggern. Die meisten bloggen aus Spaß an der Freud’. Und wenn ihnen im Laufe der Zeit eine gewichtigere Rolle zukommt, sind sie wahrscheinlich erstmal stolz drauf, bevor sie das in bare Münze umsetzen. Den Ansatz, von vornherein “richtigen” Journalismus zu betreiben, haben wohl die allerwenigsten (die allerdings wohl überproportional viele Leser haben dürften). Als Journalist sieht man sich nun durch den “Zwang” auch online Artikel “webzwonullmäßig” mit Kommentarfunktion anzubieten, in der Lage, zügig auf die Gedanken der Leser reagieren zu müssen. Viel schneller werden falsch recherchierte Meldungen entlarvt (siehe oben bei “Spreeblick”). Watchblogs haben sich das im Prinzip in gewisser Hinsicht zu einer ihrer Aufgaben gemacht.
In vielen Berufsbildern hat das Digitalzeitalter zu radikalen Veränderungen geführt. Wenn man bei den Printmedien bleiben will, könnt ihr ja mal einen Schriftsetzer alter Schule befragen. Mir geht es auch oft so, dass ich denke, mein Beruf droht Gefahr, aufs Abstellgleis zu laufen, weil immer neue Methoden entwickelt werden, Unfälle zu vermeiden (was ja vom Ansatz her gut ist). Bevor Computerprogramme meine derzeitige Arbeit übernehmen, ist es noch ein langer Weg. Viel größer ist das Problem, dass Scharlatane neue Methoden für ihre Zwecke nutzen und durch oberflächliche Überzeugungskraft von ihrem Unvermögen ablenken können.
Wenn man weiß, womit man zu rechnen hat, ist es einfacher, sich darauf einzustellen. Ob nun als Blogger, Journalist oder Unfallanalytiker.
So long.

