IT-Gipfel: Blogger und der Rest der Welt
Ich hab ja keine Ahnung von der großen Politik. Und es käme wohl auch niemand auf die Idee, mich nach meiner Meinung zu fragen. Schön, dass es das Internet gibt, schön, dass es Blogs gibt. Denn so kann ich meine Sicht der Dinge niederschreiben, und irgendjemand anders kann es lesen. War es je einfacher, seine freie Meinung zu äußern, so dass sie auch gehört wird?
Die Bundesregierung hat zu einem IT-Gipfel eingeladen, was auch immer das sein soll. Jede teilnehmende Fraktion hat wohl so ihre eigene Vorstellung davon: Vom Ideenaustausch über Informationsbörse bis Lobbyisten-Schmusen geht die Bandbreite. Eben hieß es in der Berichterstattung der Tagesschau dazu, dass wohl jemand aus einem Verband beklagt hat, dass nach wie vor viele Fachkräfte fehlen. Naja, sicherlich geht es auch um die Verteilung von Geld und so weiter.
Aufmerksam geworden bin ich auf den Gipfel aber nicht etwa durch die Tagesschau, sondern durch diesen Artikel auf Indiskretion-Ehrensache. Etwas ausführlicher berichtet Netzpolitik darüber. Ich gestehe, ich habe den Bericht nicht komplett gelesen. (Ich habe grundsätzlich ein Problem mit zu langen Blogbeiträgen.) Tendenziell merkt man aber schon beim Diagonallesen eine große Enttäuschung. Gelder werden falsch verteilt, die Regierung hat keine Ahnung von den wichtigen Dingen, es werden falsche Schwerpunkte gesetzt, falls sich überhaupt was bewegt. Ich glaube, dass das alles ziemlich richtig ist.
Interessant finde ich aber auch die Reaktionen anderer Bloggerkollegen, ne, Blogger, ich will ja nicht anmaßend sein. Denn, z. B. Stefan Niggemeier, dessen intelligente Beiträge ich (ansonsten) sehr schätze, war oder ist trotz Einladung offensichtlich nicht dort. Genauso wie Johnny Haeusler von Spreeblick. Der regt sich wie auch Stefan Niggemeier darüber auf, dass man in einer Pressemitteilung ihre Namen verwendet, um für die Veranstaltung und die Berichterstattung darüber die zu werben. Während so ein kleiner, unbedeutender Hansel wie ich wohl stolz wäre, wenn sein Name in dem Zusammenhang fiele, warten Spreeblick und Niggemeier mit einer ganz anderen Sichtweise auf: Man kommt sich “merkwürdig “benutzt”" vor von der PR-Maschinerie dieser IT-Veranstaltung, die von einem wohl nicht groß geliebten Institut betrieben wird. Was ist denn so schlimm daran, wenn man die erwarteten Gäste schon mal aufführt, und dabei die Blogger ganz besonders in den Vordergrund rückt? Mag sein, dass man sich damit einen besonders innovativen Anstrich geben will. Aber irgendwie muss man doch auch anfangen mit den ersten Schritten, die Bloggerei in die normale Berichterstattung zu integrieren. Darüber, dass den Deutschen das nicht so elegant gelingt wie den in dieser Hinsicht viel unverkrampfteren Amerikanern, kann man sich doch nicht großartig wundern.
Vielleicht bin ich zu naiv oder habe zu wenig Einblick in die ganze Szene. Man liest dauernd, dass die Profi-Journalisten Blogger nicht ernstnehmen, dass es keine Außenwirkung gibt. Geh mal auf die Straße und frage 10 Leute, was Blogs sind. Wenn du großes Glück hast, wird es einer von den 10 wissen. Blogs sind doch nach wie vor ziemlich unbedeutend. Was muss man tun, damit sich das ändert? Richtig, dafür werben. Sich auch mal auf ein ungewohntes Parkett begeben, sich mit Leuten unterhalten, mit denen man vielleicht nicht unbedingt jeden Abend ein Bier zusammen trinken möchte. So schlimm wird es bei einer solchen Veranstaltung nicht zugehen. Immerhin wird man sicherlich verköstigt. Und wenn es nur das ist und man ansonsten eh von dem lebt, was man in sein Notebook tippt, kann man sich auch in eine solche Veranstaltung setzen.
Für mich ist es genau diese Attitüde, dort bewusst nicht teilzunehmen, weil man wohl meint, damit ein Zeichen setzen zu wollen, oder im Sinne der A-Bloggeria setzen zu müssen, die den Bloggern insgesamt einen Bärendienst erweist. Ob man auf diese Weise mehr Akzeptanz erlangt und vielleicht auch Leser aus der großen Otto-Normalverbraucher-Gruppe bekommt, wage ich mal zu bezweifeln. Irgendwie werden Blogger so wohl noch einige Zeit länger als Neonröhren gebleichte, Pizza fressende Spinner angesehen werden. Vielleicht will man auch gar nicht in die Wahrnehmung einer bedeutenden Masse aufsteigen. Denn, was ist bequemer, als sich zurückzulehnen, aus sicherer Entfernung alles um sich herum zu beobachten und an passender Stelle zu sagen: “Hab ich ja gleich gesagt, aber ihr habt mich ja nicht beachtet.”
Aber ich hab ja keine Ahnung.


Donnerstag, 20. November 2008 21:24
Blogs erblühen und leben erst von ihren Kommentatoren. Ohne diese sind Blogs nichts als verlorene Worthülsen, verschossenes Pulver.
Kommentatoren machen Blogs und ihre “erfolgreichen” Blogger doch erst bekannt.
Donnerstag, 20. November 2008 22:18
Dafür, dass du lange Texte nicht gerne liest, schreibst du aber ganz schön lange Texte!
Guck mal hier, ich hab’s nochmal erklärt. Ich rede gerne (und oft) mit vielen unterschiedlichen Leuten, aber in diesem Fall ging es nicht darum, miteinander zu reden.
Freitag, 21. November 2008 6:33
Du magst Recht haben. So, wie ich solche oder ähnliche Veranstaltungen kenne, ist das Drumherum wichtiger als die Reden, die dort gehalten werden. Naja, und wenn man nicht dabei ist, hat man natürlich definitiv keine Chance, an Veränderungen mitzuwirken.
Samstag, 22. November 2008 18:49
Klasse Beitrag! So oder so ähnlich sehe ich das auch
*Thumbsup*