Fiat 500: Antriebswellen wechseln leicht gemacht!

© wilsagen.de 2006

Man fragt sich wirklich, was das soll. Da baut Herr Fiat einfach längere Antriebswellen in den 126er ein. Eine Dreistigkeit ohne Gleichen!
Nun gut, diese Feststellung hilft uns nicht weiter. Wir müssen in den sauren Apfel (die harte Welle) beißen und sie austauschen. Hier kann man übrigens den Längenunterschied erkennen.

Dummerweise muss man zum Auswechseln der Wellen sogar das Differential zerlegen. Wie das geht, beschreibe ich jetzt. Als erstes packe man sich das Getriebe auf die gut aufgeräumte Werkbank.

Los geht´s mit der Demontage der Schulterlager. Da es sich anbietet, die Achsmanschetten auszuwechseln, schraubt man als erstes die Blechfassungen von den Lagerträgern ab. Das sind pro Seite 4 M6er (SW 10) Schrauben. Dann kann man die Manschetten samt den Fassungen abnehmen. Aber aufgepasst! Es kann sein, dass in der Manschette ein Blechring mit auffälligen Nasen steckt. Das ist das Sicherungsblech für die Einstellschraube (riesengroße Hohlschraube mit Zacken innen drin), damit sich die Einstellung nicht verändert. Das Sicherungsblech wird später wieder so eingesetzt, dass es zwischen die Zacken der Hohlschraube greift und außen in die Nasen am Lagerträger.

Die Manschetten kriegt man erst komplett ab, wenn man außen die Schiebestücke (aka „Glocken“) abgezupft hat. Da sitzen außen in einer Nut der Welle Sicherungsringe drin, die man erst entfernen muss. Dann kann man die Glocken und Manschetten abziehen. Wenn man später die neuen Manschetten aufschiebt, kann man die Verzahnung der Welle z. B. mit Paketklebeband umwickeln, damit der empfindliche Simmerring in der Manschette nicht beschädigt wird.

So, jetzt wieder zum Getriebe. Um die Schulterlager zu demontieren, muss man erst einmal die 4 Muttern je Seite entfernen. Bevor man jetzt am Lagersitz zerrt und zieht, markiere man sich die Einbaulage. Am wichtigsten ist, dass man das linke Lager wieder auf die linke Seite baut und das rechte nach rechts. Ich habe es mir mit Körnerschägen markiert.

Wenn man die Lager nicht mit sanfter Gewalt OHNE zu VERKANTEN herausziehen kann, kann man vier lange M6er Schrauben in die Löcher für die Manschettenringe drehen und den Lagerträger durch gleichmäßiges Anziehen aller Schrauben herausdrücken.

Wenn man nun beide Lagerträger entfernt hat, schraubt man als nächstes die Kupplungsglocke ab. Das ist ziemlich selbst erklärend. Wenn ich mich nicht irre, sind zwei der sechs Schrauben kürzer. Also, entweder merken oder hinterher nachdenken! Nimmt man nun die Glocke ab, purzelt einem auch schon das Differential entgegen. Jetzt kann man den ganzen Rest vom Getriebe kurz beiseite legen.

Als nächstes werden die sechs Schrauben gelöst, mit denen das Tellerrad am Differential-Korb befestigt ist.

Damit werden auch gleichzeitig die beiden Differentialkorb-Hälften zusammengehalten. Die muss man als nächstes voneinander trennen. Weil die sich aber ganz doll lieb haben, lassen die nicht voneinander und wollen erst überredet werden, entweder indem man mit etwas keilförmigen hantiert, oder den ganzen Kladderadatsch an eine Welle anfasst, baumeln lässt und schüttelt, bis alles auseinanderfällt (aber bitte nicht in den Dreck plumpsen lassen).

Ich habe mir mit einer Markierung übrigens gemerkt, wie die zusammengebaut sind. Das ist zwar nicht unbedingt nötig, aber schaden kann es auch nicht.

Jetzt kann man die erste Welle „schon“ herausziehen. Auf den kleinen Zapfen der Welle sitzen die sogenannten Gleitsteine. Unter einem ist auch noch eine Federscheibe.


Die Steine und die Scheibe steckt man nun auf die andere Welle und schiebt das eine Zahnrad aus dem Differentialkorb drüber (Verzahnung nach innen…). Danach widmen wir uns der anderen Hälfte. Da muss man zunächst so ein Blechtöpfchen entfernen, das sich mit 4 Krallen im Differentialkorb festhält. Die Krallen biegt man zurück und schiebt dieses Blechding runter. Danach kann man die Ausgleichsräder mit der Zwischenwelle entnehmen.

Die zweite Welle wechselt man dann im Prinzip genauso wie die erste.

Dann fädelt man die Ausgleichsräder mit der Welle wieder ein und bringt den Blechtopf wieder an. Nasen umbiegen nicht vergessen! Dann den Differentialkorb wieder zusammenfügen und das Tellerrad draufschieben. Schrauben rein, mit dem richtigen Drehmoment festziehen (müsste 33 Nm sein).

Wenn man nicht noch andere Teile im Getriebe oder irgendwelche Dichtungen ersetzen will, baut man nun alles in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen. Also erst einmal das Differential mit den neuen Wellen ins Getriebe einlegen und die Kupplungsglocke montieren. Ich verwende dabei immer etwas Dichtmasse (Hylomar). Manchmal ist das Getriebe danach sogar dicht. Es bietet sich an, den Simmerring für die Getriebeeingangswelle zu erneuern. Dafür muss man die Haltebuchse herausschrauben und das Bronzelager herausdrücken/-ziehen. Der Simmerring sitzt etwas tiefer. Nicht verkanten beim Reindrücken! Dann montiert man als nächstes die Schulterlager. Achtung: Jetzt nicht rechts und links verwechseln. Auch hier aufpassen, dass man die Lagerkörper nicht verkanten. Als nächstes kommen die Sicherungsbleche für die Lagereinstellschrauben und die Manschetten.
Naja, der Rest, ist Kleinkram, sind ja im Prinzip nur noch die Glocken.
Getriebeöl (1,1l SAE 80) nicht vergessen! Fertig!

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Datum: Samstag, 19. August 2006 9:35
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3 Kommentare

  1. 1

    […] Langsam, aber sicher nahm unser Stand Formen an. Der erste Abend ging, der nächste Morgen kam, und bis zum Mittwoch-Mittag waren wir fertig. Also packte ich das Getriebe aus und legte los. Bis zum Abend hatte ich die neuen Antriebswellen eingebaut. Das macht relativ viel Arbeit. […]

  2. 2

    hallo,

    also relativ viel arbeit ist ein bissi übertrieben… ich habe das soeben auch gemacht 1std und die antriebswellen waren ersetzt!

    wenn irgendwer tips braucht dann mail hilft

    lg
    marianne mit dem pickup 🙂

  3. 3

    hallo,

    Wellenwechsel war ganz leicht, hab gleich mal den Triebling und das Tellerrad auf Bis gewechselt.
    Dabei mußte ich das Getriebe neu zusammen bauen, war aber auch in zwei Stunden erledigt.

    Wolfgang

    PS.: mit einstellen, ohne Motor läst es sich super schalten,ich hoffe mit Motor auch!!!

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