{"id":4118,"date":"2013-04-18T21:09:54","date_gmt":"2013-04-18T19:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/willsagen.de\/?p=4118"},"modified":"2013-04-18T21:09:54","modified_gmt":"2013-04-18T19:09:54","slug":"10-sekunden-reichen-wenns-gekracht-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willsagen.de\/?p=4118","title":{"rendered":"10 Sekunden reichen, wenn&#039;s gekracht hat."},"content":{"rendered":"<p>Da hat mich doch der Probefahrer angetriggert,<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\"><p>Was m\u00fcsste man Euch bieten, damit Ihr Eure Auto-Fahrdaten hergebt? <a title=\"http:\/\/wp.me\/pqIUt-1DZ\" href=\"http:\/\/t.co\/sQocjs0uD3\">wp.me\/pqIUt-1DZ<\/a> @<a href=\"https:\/\/twitter.com\/udovetter\">udovetter<\/a> @<a href=\"https:\/\/twitter.com\/willsagen\">willsagen<\/a><\/p>\n<p>\u2014 Alex Kahl (@probefahrer) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/probefahrer\/status\/324487210638405632\">April 17, 2013<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>und ich glaube, ich muss da mal was klarstellen. Denn, bezugnehmend auf den <a href=\"http:\/\/www.lawblog.de\/index.php\/archives\/2013\/04\/17\/freiwillige-vorratsdatenspeicherung\/\" target=\"_blank\">Lawblogger<\/a>\u00a0schreibt Alex weiter:<\/p>\n<blockquote><p>O2 will Versicherungskonzernen die Technologie anbieten, mit denen die Fahrdaten von Autofahrer per BlackBox im Auto aufgezeichnet und versendet werden k\u00f6nnen.\u00a0Daf\u00fcr k\u00f6nnen dann bsw. die Versicherungen den teilnehmenden Kunden Rabatte einr\u00e4umen.<br \/>\nUnfall-Analytiker wie willsagen w\u00fcrden sich dar\u00fcber sicher freuen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Also, Moment mal.<\/strong><\/p>\n<p>Mir liegt nichts daran, dass Versicherungen Bewegungsprofile ihrer Kunden aufnehmen. Und da gebe ich Vetter nat\u00fcrlich recht, dass die Datensammelei genau darauf hinauslaufen w\u00fcrde. F\u00fcr eine Unfallrekonstruktion dahingegen w\u00fcrden die Daten wahrscheinlich eher nicht reichen. Vielleicht als zus\u00e4tzliche Informationen, aber wenn es darauf ankommt, sind irgendwelche GPS-und Funkzellen-Daten dann doch nicht zu gebrauchen, weil es eben nicht auf eine Geschwindigkeit irgendwann vor dem Unfall ankommt, sondern auf den Punkt, an dem sich die Gefahr verdichtet. Da reden wir meistens von nicht mehr als 3 Sekunden vor dem Unfall, aber wir reden auch von Daten, die man eher Zehntelsekunden- als Sekundengenau haben m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Ich schrob dem Probefahrer \u00fcber Twitter<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\"><p>@<a href=\"https:\/\/twitter.com\/probefahrer\">probefahrer<\/a> Geschwindigkeit, Beschleunigung (l\u00e4ngs und quer) mit 50 Hz, Lichtschaltung von 5 sec vor bis 5 sec nach einer Kollision.<\/p>\n<p>\u2014 Will Sagen (@willsagen) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/willsagen\/status\/324511754233188353\">April 17, 2013<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>140 Zeichen sind dann doch etwas (aber nicht viel) zu wenig, f\u00fcr das, was sich ein Unfallanalytiker w\u00fcnscht. Erstens interessiert mich nicht, wie schnell <em>eine Person<\/em> gefahren ist, sondern das Auto. Wer darin sa\u00df, ist mir wurscht. Das sind dann andere F\u00e4lle, in denen man herausfinden soll, wer gefahren ist. Da n\u00fctzen einem Bewegungsprofile von z. B. sich zwei identisch bewegenden Handys auch nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcnsche ich mir also?<\/strong><\/p>\n<p>Mal vorausgesetzt, der Unfall wurde einigerma\u00dfen vollst\u00e4ndig aufgenommen. Also, Endstellungen sind fotografiert worden, vielleicht auch ein paar Splitterfelder eingemessen worden. Mit ganz viel Gl\u00fcck hat man m\u00f6glicherweise auch Spuren gesichert, die auf den Kollisionsort hinweisen oder \u00fcber Schleuderbewegungen informieren. Dann reichen einem im Grunde relativ wenige Informationen den gesamten Zeitraum betreffend, aber bitte mit einigerma\u00dfen guter zeitlicher Aufl\u00f6sung (vulgo <em>Messfrequenz<\/em>). F\u00fcr letztere w\u00e4re man schon mit 50 Hz ganz gut bedient. Mehr ist nat\u00fcrlich besser, aber man will ja nicht unversch\u00e4mt sein.<\/p>\n<p>Der Moment, wenn sich die Gefahr verdichtet, liegt meistens 1 bis 3 Sekunden vor dem Unfall. Wenn man dann noch 2 Sekunden dazunimmt, hat man eigentlich f\u00fcr fast alle F\u00e4lle gen\u00fcgend Aufzeichnungszeitraum. Nach einem Unfall dauert es etwa genauso lange, bis alles zum Stehen kommt, nehmen wir also auch wieder 5 Sekunden. An Messdaten reichen erst mal die Bewegungsgeschwindigkeit des Fahrzeugs sowie L\u00e4ngs- und Querbeschleunigung. Mit den neuen Assistenzsystemen, die sich immer st\u00e4rker in das F\u00fchren eines Fahrzeugs einmischen, sollte man auch noch wissen, wann irgendwelche Assistenten angesprochen haben, um unterscheiden zu k\u00f6nnen, ob meinetwegen der Fahrer vor den Baum gelenkt hat, oder ob der Gegenverkehrausweichassistent der Meinung war, es w\u00e4re ne gute Idee, nicht in den 40-Tonner im Gegenverkehr, sondern vor die deutsche Eiche am rechten Rand zu fahren. Dann haben wir es mit immer sensibleren Scheinwerfern zu tun. Da klappen irgendwelche Klappen rauf und runter, gehen L\u00e4mpchen aus und an, schwenken Reflektoren in der Gegend herum: Keine Chance, im Nachhinein nachvollziehen zu k\u00f6nnen, ob das System den Fu\u00dfg\u00e4nger am Fahrbahnrand ausgeblendet hat, weil sich zuf\u00e4llig auf einer Seitenstra\u00dfe ein anderes Fahrzeug mit f\u00fcr den Assistenten erkennbarem Licht n\u00e4herte, oder der Fahrer einfach mal das Licht ausgeschaltet hat, mal ganz abgesehen davon, dass man die dynamische Schaltung des Lichts nicht manuell f\u00fcr Sichtuntersuchungen schalten kann. Daran hat wieder keiner gedacht.<\/p>\n<p>Usw. usw.. Das sind aber alles keine personen-, sondern fahrzeugbezogene Daten. Genauso, wie man fr\u00fcher die L\u00e4nge von Brems- und den Radius von Driftspuren im \u00f6ffentlichen Verkehrsraum vermessen hat, die Verformung von Gl\u00fchwendeln und Spuren an Sicherheitsgurten gesichert hat, muss man nun eben wissen, was die Elektronik so getrieben hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wann ist &#8222;Unfall&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Problem gibt es noch: Wann genau ist der Unfallzeitpunkt? Wenn es richtig kracht, ist das einfach: Wenn die Airbags ausl\u00f6sen, setzt man t=0. In dem Ringspeicher werden die 5 Sekunden alten Daten in einen Speicher geschrieben und noch weitere 5 Sekunden aufgezeichnet. Aber z. B. ein streifender Fu\u00dfg\u00e4ngerunfall: Dramatisch in den Folgen, kaum zu detektieren f\u00fcr die Systeme. Da muss man sich noch was einfallen lassen. Gibt es einen Fu\u00dfg\u00e4ngerunfallvermeidungsassistenten, kann der das ja machen. Nunja, und wenn der Autofahrer meint, er hat alles richtig gemacht, soll er auch einen Knopf f\u00fcr manuelle Speicherung bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gibt&#8217;s schon.<\/strong><\/p>\n<p>Das simple Aufzeichnen von Daten als Angebot der Versicherung im Tausch gegen Beitragsrabatte, ist \u00fcbrigens nichts neues: Die <a href=\"https:\/\/www.axa-winterthur.ch\/de\/privatpersonen\/kampagnen\/Seiten\/crash-recorder.aspx\" target=\"_blank\">Axa-Winterthur<\/a> bietet das in der Schweiz schon seit ein paar Jahren an. Von dieser Blackbox, die autark arbeitet, werden einfach nur ein paar rudiment\u00e4re Daten aufgezeichnet, die aber sehr hilfreich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Btw.:\u00a0<a href=\"http:\/\/willsagen.de\/?p=3728\">Hier<\/a> hat ich mich auch schon mal zum &#8222;gl\u00e4sernen Autofahrer&#8220; ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da hat mich doch der Probefahrer angetriggert, Was m\u00fcsste man Euch bieten, damit Ihr Eure Auto-Fahrdaten hergebt? wp.me\/pqIUt-1DZ @udovetter @willsagen \u2014 Alex Kahl (@probefahrer) April 17, 2013 und ich glaube, ich muss da mal was klarstellen. 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