{"id":5665,"date":"2014-12-12T13:03:18","date_gmt":"2014-12-12T11:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/willsagen.de\/?p=5665"},"modified":"2014-12-12T13:03:18","modified_gmt":"2014-12-12T11:03:18","slug":"der-pipi-test-fuer-den-boesen-bullen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willsagen.de\/?p=5665","title":{"rendered":"Der Pipi-Test f\u00fcr den &quot;B\u00f6sen Bullen&quot;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/willsagen.de\/wp-content\/uploads\/bullen_0123.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-5668 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/willsagen.de\/wp-content\/uploads\/bullen_0123-200x133.jpg\" alt=\"bullen_0123\" width=\"200\" height=\"133\" \/><\/a>Gestern Abend kurz vor sechs, f\u00fcnf Minuten nach Feierabend, hatte ich seit langem mal wieder unberuflichen Kontakt zur uniformierten Staatsgewalt\u00a0in Form einer Drogenkontrolle. Von der Sch\u00f6nhauser Allee kommend bog ich nach links in die Torstra\u00dfe ein, um an der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe\u00a0Richtung Alex abzubiegen. Fast\u00a0alle Fahrspuren waren versperrt, und ich wurde von einem Kellemann auf den Parkstreifen rechts gelotst. Dort angekommen wollte man erst mal meine Papiere sehen. Gut. Nach einigem Kramen im Auto hatte ich alles Gew\u00fcnschte gefunden, und weil ich dabei auch den Verbandskasten in H\u00e4nden hatte, der auch pl\u00f6tzlich von Interesse war, hab ich dem &#8222;Guten Bullen&#8220; auch noch unter die Nase gerieben, dass der noch haltbar ist. Soweit so gut.<\/p>\n<p>Man mache eine Drogenkontrolle.<\/p>\n<p>&#8222;Aha.&#8220; meinte ich.<\/p>\n<p>Ob ich letztens mal Drogen genommen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&#8222;N\u00f6.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Noch nie?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ne, noch nie.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Nicht mal probiert?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ne. Nicht mal probiert. Nur vor ein paar\u00a0Wochen war ich mal in nem Raum, in dem gleichzeitig gekifft wurde.&#8220;<\/p>\n<p>Ob ich mit einem Test einverstanden w\u00e4re. &#8211; Naja, nun gut.<\/p>\n<p><em>Guter Bulle<\/em>\u00a0leuchtet mir in die Augen, die ich vorher schlie\u00dfen soll. Alles gut (alles andere h\u00e4tte mich auch gewundert).<\/p>\n<p>&#8222;Z\u00e4hlense mal bis 30.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;???&#8220; (Z\u00e4hle in Gedanken mittelschnell bis drei\u00dfig) &#8222;Fertig!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Oh, das ging aber schnell.&#8220; und guckt auf seine Uhr.<\/p>\n<p>&#8222;Jo, wieso?&#8220;<\/p>\n<p>Naja, ich sollte im Sekundentakt z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&#8222;Aha, ich soll also nicht bis 30 z\u00e4hlen, sondern 30 Sekunden abz\u00e4hlen. M\u00fcssen Sie mir aber auch so sagen.&#8220; und \u00fcberlege, ob der wohl was genommen hat &#8230; Jedenfalls z\u00e4hle ich dann, inzwischen rund 10 Minuten im Regen stehend, mit geschlossenen Augen im gef\u00fchlten Sekundentakt bis 30. &#8222;Fertig.&#8220; &#8211; &#8222;Ja, gut.&#8220; Anscheinend habe ich den Test bestanden. (Sp\u00e4ter erfrage ich, dass ich 35 Sekunden gebraucht habe, was wohl ein guter Wert ist.)<\/p>\n<p>Jetzt kommt Kollege <em>B\u00f6ser Bulle<\/em>\u00a0dazu. &#8222;Welche Farbe hat&#8217;n Ihr Auto?&#8220; &#8211; &#8222;Gr\u00fcn, wieso?&#8220;. Leuchtet mit der Taschenlampe auf den Kotfl\u00fcgel und schweigt. War das jetzt auch ein Test? Was, wenn ich rosa mit blauen Sternen gesagt h\u00e4tte? W\u00e4re ich dann gleich in die \u00a0Entziehung eingeliefert worden?<\/p>\n<p><em>Guter Bulle<\/em>\u00a0fragt mich, ob ich mit einem freiwilligen Pipi-Test (seine Wortwahl, wie ich sp\u00e4ter merke, wohl offizieller Berliner Polizei-Jargon) einverstanden w\u00e4re. Ich meinte, das w\u00e4re jetzt schlecht, ich w\u00e4re eben unten an der Sch\u00f6nhauser vom B\u00fcro aus losgefahren und w\u00e4re vorher noch aufm Klo gewesen. Das k\u00f6nnte meine Frau best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>&#8222;Naja, aber ein paar Tropfen gehen doch immer.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Mag wohl sein, aber wenn das freiwillig ist, dann w\u00fcrde ich jetzt eben sagen, dass ich damit nicht einverstanden bin, weil ich jetzt nicht muss, kann und will.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ja, man k\u00f6nnte auch eine Blutprobe anordnen.&#8220;, meinte Kollege <em>B\u00f6ser Bulle<\/em>.<\/p>\n<p>&#8222;Oh, dann w\u00fcrde ich jetzt erst mal meinen Anwalt anrufen und fragen, ob das alles so richtig ist.&#8220;<\/p>\n<p><em>Guter Bulle<\/em>: &#8222;Wir m\u00fcssten schon noch vorher einen Richter fragen.&#8220;<\/p>\n<p>Ich so: &#8222;Ach was.&#8220;<\/p>\n<p><em>Guter Bulle<\/em>: Ob ich jetzt den Pipi-Test machen wolle. &#8211; Ne, eigentlich hatte sich meine Meinung nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><em>B\u00f6ser Bulle<\/em>: &#8222;Wenn Sie jetzt nicht freiwillig einwilligen, dauert das hier\u00a02 bis 3 Stunden, bis wir fertig sind mit der richterlichen Anordnung.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Oh, einen freiwilligen Urintest hab\u00a0ich mir jetzt anders vorgestellt, n\u00e4mlich ohne dass ich jetzt hier dazu durch Androhung einer Zwangsma\u00dfnahme dazu gen\u00f6tigt werde. Immerhin bin ich doch wohl kommunikativ und kooperativ, hab\u00a0die diversen bisherigen Tests ja wohl ordentlich absolviert, ohne Anlass f\u00fcr weitere Ma\u00dfnahmen zu geben. Ich m\u00f6chte\u00a0jetzt erst mal gern wissen, was Ihnen die Veranlassung gibt, nun die n\u00e4chste Stufe zu z\u00fcnden.&#8220;<\/p>\n<p><em>B\u00f6ser Bulle<\/em>: &#8222;Na, so richtig kooperativ sind Sie ja nicht. Immerhin weigern Sie sich, den freiwilligen Pipi-Test mitzumachen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Versetzen Sie sich mal in meine Situation. Sie kommen nach 10 Stunden aus dem B\u00fcro, werden rausgewunken, benehmen sich anst\u00e4ndig, Ihnen wird ein <em>freiwilliger<\/em> Test angeboten und die Freiwilligkeit sieht dann so aus, dass man bei Nichtteilnahme den Feierabend versaut kriegt. Da soll man jubilierend zustimmen, das so ein Test jetzt voll super ist? Ich f\u00fchle\u00a0mich jetzt von Ihnen schikaniert und an meiner Menschenw\u00fcrde angekratzt&#8220; &#8211; mein Blickt schweift zu\u00a0zwei Dixi-Klos in der N\u00e4he- &#8222;, wenn ich auf diese Weise zu einem freiwilligen Test gen\u00f6tigt w\u00fcrde, obwohl ich klargemacht habe, dass das jetzt schwierig ist mit dem Urintest. Jedenfalls f\u00fchle ich mich von Ihnen gen\u00f6tigt.&#8220;<\/p>\n<p>Dass ich aus der Nummer nicht rauskomme, war mir schon klar. Aber ich hatte auch irgendwie Lust, das auszudiskutieren. Im Grunde waren die beiden ja weitgehend freundlich zu mir. Ich aber auch! Aber man kann sich leicht vorstellen, in welche Richtung das geht, wenn man vielleicht nicht einen einigerma\u00dfen verst\u00e4ndigen Eindruck macht. Wenn schlichte Gem\u00fcter aufeinanderprallen. Vor allem kann ich mir leicht vorstellen, dass die\u00a0juristischen Feinheiten leicht mal unter den Tisch fallen, um eine bestimmte Handlungsweise durchzusetzen.<\/p>\n<p>Es ging dann in irgendein nah gelegenes B\u00fcrogeb\u00e4ude mit einem Klo im Erdgeschoss. Dort war ein gro\u00dfes Hallo! Viele Uniformierte und genervte Menschen dr\u00e4ngten sich vor allem um das M\u00e4nnerklo. \u00a0Einen mutma\u00dflichen Drogi hatten sie sich da gerade zur Brust genommen und versuchten ihm in gebrochenem Englisch zu erkl\u00e4ren, dass jetzt ein &#8222;Judge&#8220; a &#8222;Blood-Test&#8220; anordnen w\u00fcrde and \u00fcberhaupt. Jedenfalls fielen wie Maschinengewehrsalven stakkatohaft Begriffe wie Police, Drugs, THC, Blood, Judge, Test. Ich dr\u00fcckte mir ein paar Kubikmillimeter aus der Blase und \u00fcbergab mein T\u00f6pfen an den <em>Guten Bullen<\/em>, der mir das Haltbarkeitsdatum seines Schnelltests zeigte und loslegte. Wie zu erwarten, war alles in Ordnung.<\/p>\n<p>Ich hab noch mal klargemacht, dass das von seinem Kollegen nicht fair\u00a0war, die richterliche Anordnung zu vergessen.<\/p>\n<p>&#8222;Ne, das hat der gesagt.&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Ne, das haben nur Sie mir gesagt. Ihr Kollege hat damit gedroht, dass sich das noch 2, 3 Stunden\u00a0hinziehen kann. Seien sie doch mit der Freiwilligkeit ehrlich, dass es die de facto nicht gibt. H\u00e4tte ich mein Aufnahmeger\u00e4t dabei, k\u00f6nnte ich es Ihnen jetzt vorspielen.&#8220;<\/p>\n<p><em>Guter Bulle<\/em> meinte: &#8222;Ja, der Kollege ist\u00a0noch neu und etwas steif im Umgang. Ich bin l\u00e4nger dabei und versuche, freundlicher zu sein.&#8220;<\/p>\n<p>Beinahe w\u00e4re mir &#8222;Ach, das alte Spielchen <em>Guter Bulle, B\u00f6ser Bulle<\/em>, ja?&#8220; rausgerutscht, konnte es mir aber gerade noch verkneifen.<\/p>\n<p>Kaum weggefahren habe ich dann auf dem Weg vom Alex zum Strausberger Platz im Berufsverkehr drei Rotlichtverst\u00f6\u00dfe, eine eindeutige Geschwindigkeits\u00fcberschreitung und zwei mal rechts abbiegen von der Geradeausspur, einmal mit Gef\u00e4hrdung von Radfahrern gesehen und dachte, dass es bestimmt wichtiger ist, am fr\u00fchen Abend Drogentests bis zum bitteren Ende durchzuf\u00fchren, ohne zu antizipieren, wann es reicht. ACA&#8230; arme W\u00fcrstchen. Sie f\u00fchren ja nur Befehle aus. Sch\u00f6nen Dank f\u00fcr die sinnvolle Verwendung meiner Steuergelder.<\/p>\n<p>Update:<br \/>\nHeute fuhr ich die gleiche Strecke und wurde wieder rausgewunken. Mit ein paar \u00fcberzeugenden Worten meinerseits konnte ich einen erneuten Test aber abwenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend kurz vor sechs, f\u00fcnf Minuten nach Feierabend, hatte ich seit langem mal wieder unberuflichen Kontakt zur uniformierten Staatsgewalt\u00a0in Form einer Drogenkontrolle. Von der Sch\u00f6nhauser Allee kommend bog ich nach links in die Torstra\u00dfe ein, um an der Karl-Liebknecht-Stra\u00dfe\u00a0Richtung Alex abzubiegen. 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