{"id":5677,"date":"2014-12-20T15:35:50","date_gmt":"2014-12-20T13:35:50","guid":{"rendered":"http:\/\/willsagen.de\/?p=5677"},"modified":"2014-12-20T15:35:50","modified_gmt":"2014-12-20T13:35:50","slug":"grossvaeterland-gegen-das-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willsagen.de\/?p=5677","title":{"rendered":"Gro\u00dfv\u00e4terland &#8211; Gegen das Vergessen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/willsagen.de\/wp-content\/uploads\/FullSizeRender.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-5678\" src=\"http:\/\/willsagen.de\/wp-content\/uploads\/FullSizeRender.jpg\" alt=\"FullSizeRender\" width=\"202\" height=\"269\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.grossvaeterland.de\/\" target=\"_blank\">Gro\u00dfv\u00e4terland<\/a>, das Projekt von Markus Freise, Alex Kahl und Christian Hartinghaus tritt\u00a0gegen das Vergessen der\u00a0Zeit des 2. Weltkriegs mit einer Graphic Novel an. \u00a0Daf\u00fcr haben sie ein <a href=\"https:\/\/www.indiegogo.com\/projects\/grossvaterland-graphic-novel-about-ww2-in-germany\" target=\"_blank\">Crowdfunding<\/a>\u00a0gestartet, das m. E. absolut unterst\u00fctzenswert ist. Die Geschichte werden in Comicform aufbereitet. Ich war mir nicht sicher, ob das funktioniert. Nach den ersten Entw\u00fcrfen und auch dem Prolog-Band muss ich aber sagen, ja, das geht sehr gut! Neben den Bildern gibt es Infok\u00e4sten, in denen der Historiker des Projekts Hintergrundfakten liefert und Zusammenh\u00e4nge darstellt.<\/p>\n<p>Gerade in der heutigen Zeit, in der man\u00a0anscheinend\u00a0kein Problem mehr damit hat, mit Knarren aufeinander loszugehen, ist es unglaublich wichtig, zu transportieren, dass nirgendwo so viel gelogen wird, wie im Krieg, und dass es keinen sauberen Krieg gibt. In einer Zeit, in der Alltagsfaschismus in allen Bereichen der Gesellschaft en vogue ist, muss man die Menschen mit deutlichen Bildern darauf sto\u00dfen, welche Dummheit sie begehen, hinter ein paar Populisten her zu rennen und unreflektiert deren Gedankengut rauszur\u00fclpsen.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte meinen Opa m\u00fctterlicherseits gerne kennengelernt. Ich glaube, er muss ein faszinierender Mann gewesen sein. \u00dcberhaupt hat es die Familie meiner Mutter im Osnabr\u00fcck der 1930er und 40er Jahre verstanden, sich den Nazis entgegenzustellen. Die Familie hatte eine Gem\u00fcseg\u00e4rtnerei mit einem kleinen Laden in der N\u00e4he des Neumarkts. F\u00fcr die j\u00fcdischen Menschen in Osnabr\u00fcck lag stets etwas unter dem Ladentisch. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so etwas zu drakonischster Bestrafung f\u00fchren konnte! Eines Tages stellte ein Osnabr\u00fccker Nazi eine Spendendose auf den Tisch, mit der mein Opa (oder Uropa) f\u00fcr die NSDAP sammeln gehen sollte. Er verweigerte das beharrlich, bis meine Uroma ein paar M\u00fcnzen herauskramte und in die Dose warf, damit es keine Probleme gab.<\/p>\n<p>Mein Opa wurde 1944 als Vater von vier Kindern eingezogen. Er wurde irgendwann als &#8222;vermisst&#8220; gemeldet, und ist wohl in der Normandie gefallen. Meine Oma hat nie wieder geheiratet, weil sie als fromme Frau stets die Hoffnung hatte, dass ihr geliebter Mann wiederkommen w\u00fcrde. Er war ja &#8222;nur&#8220; vermisst.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte auch gern die Br\u00fcder meiner Oma v\u00e4terlicherseits kennengelernt. Von ihnen wei\u00df ich fast nichts, au\u00dfer dass sie wohl\u00a0bei\u00a0Stalingrad gefallen sind.<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren gab es mal eine Sendung im dritten Programm &#8222;Vor 40 Jahren&#8220;. Die lief von Zeit zu Zeit bei uns. Mitunter gab es Szenen von Luftangriffen und dem vorangehenden Sirenengeheul. Ich war damals noch nicht alt genug, um das alles zu verstehen. Aber ich wei\u00df noch, wie meine Mutter bei diesen Sirenenger\u00e4uschen wie erstarrt im Sessel sa\u00df, mit einem versteinerten Gesicht, und ihr die Tr\u00e4nen hinunter liefen. Sie ist 1938 geboren, hat also den 2. Weltkrieg miterlebt und auch Erinnerungen an die Bombenangriffe auf Osnabr\u00fcck. Die ungewissen Stunden in Kellern, w\u00e4hrend dar\u00fcber die H\u00e4user zusammenst\u00fcrzten und Br\u00e4nde durch die Stra\u00dfen tobten.<\/p>\n<p>In Osnabr\u00fcck gab es seinerzeit gro\u00dfe Industrieanlagen, die Ziele der Alliierten darstellten. Und da die Route von England nach Berlin, Hannover oder auch Leipzig und Dresden \u00fcber Osnabr\u00fcck f\u00fchrte, war die Bev\u00f6lkerung extremen Bombenangriffen ausgesetzt. Was man auf dem Hinweg nicht losgeworden war, warf man auf dem R\u00fcckflug ab. Die Brutalit\u00e4t des Kriegs ergab, dass man nicht nur die Industrieanlagen ausradieren wollte, sondern durch massive Angriffe auf die Zivilbev\u00f6lkerung auch die Menschen, die in den Betrieben arbeiteten.<\/p>\n<p>Es war so schlimm, dass meine Oma mit den Kindern nach Dissen ausgesiedelt wurde, in ein Dorf etwa 20 km entfernt. Dorthin fuhr man mit dem Zug, oder auch mal zur Verwandtschaft nach Ostercappeln. Ich habe eine Begeisterung f\u00fcr Flugzeuge aus jener Zeit. Aber wenn meine Mutter erz\u00e4hlt, wie die Tiefflieger die Z\u00fcge beschossen, mit denen sie unterwegs waren, so dass sie in die angrenzenden \u00c4cker fl\u00fcchten mussten und sie bei der Weiterfahrt die Einschussl\u00f6cher in den D\u00e4chern der Waggons sahen, wird mir ganz anders.<\/p>\n<p>Ich muss schon weit zur\u00fcckdenken, und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich \u00fcberhaupt schon eine Zeit in meinen 44 Jahren auf diesem Planeten erlebt habe, in dem an so vielen Stellen auf dieser Welt Krieg herrschte. F\u00fcr mich besonders schlimm daran ist, dass &#8222;wir&#8220; (ich habe die nicht gew\u00e4hlt) kr\u00e4ftig mitmischen. Ich empfinde den Begriff &#8222;Verteidigungsminister(in)&#8220; schon lange f\u00fcr eine Farce. Wenn sich alle nur verteidigen w\u00fcrden, g\u00e4be es ja keinen Krieg. Ehrlicher w\u00e4re wohl, wenn alle diejenigen, die erw\u00e4gen, Angriffe mit Waffengewalt zu befehlen, sich dann bitte sch\u00f6n auch als Kriegsminister bezeichnen. Und nein, Angriff ist nicht die beste Verteidigung.<\/p>\n<p>Ich lehne Gewalt ab. Je \u00e4lter ich werde, desto mehr kommen meine pazifistischen Ansichten durch. Ich gebe dabei auch ganz ehrlich zu, dass ich keine Antwort auf die Frage habe: Was willst du denn machen, wenn Gewaltt\u00e4ter unschuldige Menschen angreifen? Mit Raketen, Bomben und Granaten zu reagieren, ist jedenfalls f\u00fcr mich keine Option. Die ultima ratio, Gewalt mit Gegengewalt zu kontern, gibt es f\u00fcr mich nicht. Wenn\u00a0einige bewaffnete Gruppen \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit haben, andere Menschen anzugreifen und niederzumetzeln, hat die Menschheit schon versagt, weil sie es nicht geschafft hat, zu unterbinden, dass solche Leute \u00fcberhaupt Waffen und Munitionsnachschub bekommen. Aber solange ja ach so viele Arbeitspl\u00e4tze davon abh\u00e4ngen ..? Da kommt mir echt die Galle hoch.<\/p>\n<p>Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfv\u00e4terland, das Projekt von Markus Freise, Alex Kahl und Christian Hartinghaus tritt\u00a0gegen das Vergessen der\u00a0Zeit des 2. Weltkriegs mit einer Graphic Novel an. \u00a0Daf\u00fcr haben sie ein Crowdfunding\u00a0gestartet, das m. E. absolut unterst\u00fctzenswert ist. Die Geschichte werden in Comicform aufbereitet. Ich war mir nicht sicher, ob das funktioniert. 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