{"id":5738,"date":"2015-02-15T23:14:20","date_gmt":"2015-02-15T21:14:20","guid":{"rendered":"http:\/\/willsagen.de\/?p=5738"},"modified":"2015-02-15T23:14:20","modified_gmt":"2015-02-15T21:14:20","slug":"die-doch-nicht-blogger-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willsagen.de\/?p=5738","title":{"rendered":"Die &quot;Doch-Nicht-Blogger&quot;"},"content":{"rendered":"<p>Neulich tr\u00e4umte ich, ich h\u00e4tte folgendes gebloggt:<\/p>\n<blockquote><p>Blogger ham&#8217;s ja nicht so mit dem Geld. Sie rackern emsig vor sich hin, tippen auf virtuellen Tastaturen, wischen auf Smartphones und Tablets herum wie die Fensterputzer, produzieren mal mehr, mal weniger guten Content, aber wirtschaftlich wirklich erfolgreich, so dass sie gut davon leben k\u00f6nnen, ist, bis auf vielleicht eine Hand voll, keiner, oder? Entweder haben sie gut verdienende Partner, einen &#8222;richtigen&#8220; Job, oder haben vielleicht\u00a0ein Hotel in der Schlossallee geerbt. Daher wissen sie auch nicht, wie man eigentlich kalkuliert, um ein kleines Unternehmen erfolgreich florieren zu lassen.<\/p>\n<p>Erster Fehler:\u00a0Die eigene Arbeitszeit nicht unter Kontrolle haben. Ein Fehler, der Selbstst\u00e4ndigen in die Wiege gelegt\u00a0ist. &#8222;Boah, ich arbeite ja 70 bis 80 Stunden in der Woche.&#8220; Jau super. Und das, um am Ende 2000 Euro rauszukriegen, oder was? Aber sich dar\u00fcber aufregen, dass woanders \u00fcber Mindestl\u00f6hne diskutiert wird, die man f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4lt. Bitte, wie soll das auf Dauer funktionieren?<\/p>\n<p>Schon mal an Altersvorsorge, Berufshaftpflicht und sonstige Kosten gedacht? R\u00fccklagen f\u00fcr Anschaffungen, weil Ger\u00e4te kaputt gehen?\u00a0&#8222;Einen Computer brauche ich ja eh.&#8220; Zack. N\u00e4chster Fehler. Wer mit seinem Rechner Geld verdient, benutzt damit\u00a0Firmenkapital. Also sollte auch die Firma den Rechner anschaffen, um ihn abschreiben zu k\u00f6nnen. Ebenso Handykosten, Internetanschluss und so weiter. Wer da sagt, \u00a0das br\u00e4uchte er\u00a0ja privat sowieso, ist meistens in einem sicheren Angestelltenverh\u00e4ltnis und macht sich keinen Kopp darum, dass der Schreibtisch, an dem er sitzt, nicht das Privateigentum vom Chef ist, der auch nicht die Heiz- und Stromkosten aus seiner Privatschatulle bezahlt. Firmenwagen: Kann man auch privat nutzen. Man muss &#8222;nur 1%&#8220; vom Bruttolistenneupreis versteuern. Und dass man f\u00fcr eine Firma nicht unbedingt den tollen Flatrate-Festnetz-Highspeed-Internet-Rundumsorglos-Vertrag f\u00fcr ein paar Euro-f\u00fcndundneunzig bekommt, hat sich wahrscheinlich auch noch nicht bis zum nichtleitenden Angestellten rumgesprochen.<\/p>\n<p>Diejenigen, die auf diese Details keinen Wert legen, sind wahrscheinlich nicht in der gl\u00fccklichen Lage, viele Steuern zahlen zu m\u00fcssen. Denn dann w\u00fcrden sie darauf achten, Firmenausgaben zu produzieren. Es ist n\u00e4mlich ein\u00a0Unterschied, ob man Dinge, die man beruflich braucht, von versteuertem (privaten) oder unversteuertem Geld anschafft. Ist das eigene kleine Unternehmen darauf angelegt, irgendwann komfortabel in der Gewinnzone zu arbeiten, wird man sich darauf zur\u00fcckbesinnen, dass es gleich am Anfang sinnvoll war, diese Dinge im Auge zu behalten. Aber viele Firmen, die sich anfangs gut entwickeln, \u00fcberleben den zweiten Steuerbescheid eh nicht. &#8222;Nachzahlung? Steuerr\u00fccklage? \u00d6\u00f6\u00f6\u00f6hm &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Wenn sich Leser von einem abwenden, weil man es wagt, mit seiner Arbeit Geld zu verdienen, kann man davon ausgehen, dass dieser Leser entweder Student ist, der monatlich seine Kohle von den Eltern oder vom Baf\u00f6g-Amt bekommt (&#8222;Hey, ich geh aber jeden Monat arbeiten und verdiene mir 250 Euro dazu&#8220; &#8211; &#8222;Ja, Sch\u00e4tzelein, und wo kommen die anderen 750 Euro her?&#8220;), oder er sitzt gerade in seinem wohltemperierten\u00a0Angestelltenb\u00fcro und nutzt sowohl Arbeitszeit (&#8222;Ich arbeite die Pausen aber immer durch.&#8220; &#8211; &#8222;Und was ist mit der dritten Kippe, die du heute vormittag geraucht hast, mal abgesehen davon, dass Pausen gemacht werden M\u00dcSSEN?&#8220;) als auch Internetleitung der Firma f\u00fcr seine Privatvergn\u00fcgungen (&#8222;Ich habe meinen Chef aber auch schon mal erwischt, als der bei Facebook geguckt hat&#8220; &#8211; &#8222;Ja, der hat aber auch keine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit.&#8220; &#8211; &#8222;Das ist unfair!&#8220; &#8211; &#8222;Ja, genau. Hallo Welt.&#8220;)<\/p>\n<p>Jedenfalls ist ja gerade die Diskussion, ob man als Blogger Geld verdienen darf (&#8222;Nein!&#8220; &#8211; &#8222;Doch!&#8220; &#8211; &#8222;Ooaar!&#8220;) in die n\u00e4chste Runde\u00a0gegangen. Ich h\u00e4tte ja gedacht, dass sich das mal totlaufen w\u00fcrde, oder das allgemein anerkannt w\u00fcrde, dass man mit Blogs Geld verdienen darf. Stattdessen entwickelt sich das in eine andere Richtung, wie mir scheint. Wer mit &#8222;Irgendwas-ins-Internet-Schreiben&#8220; versucht, Geld zu verdienen, hat sich lange Jahre gern als Blogger bezeichnet. Damit war eben diese nerdige Bild vom unabh\u00e4ngigen, aber gut vernetzten Dauer-Online-Schreiberling verbunden, damit dem Prototyp dessen, was man sich heute eigentlich unter einem zeitgem\u00e4\u00dfen Journalisten vorstellen k\u00f6nnte. Problem war allenfalls, dass der Zeitdruck nicht zulie\u00df, Dinge zu recherchieren. Das ersetzte man mit der subjektiven Note, die das besonders Authentische des Protobloggers ausmachte, wo der klassische Journalist zwischen Reportage und Kommentar unterscheidet.<\/p>\n<p>Dummerweise sah und sieht\u00a0man sich als &#8222;so ein Blogger&#8220; dann immer wieder dem Problem ausgesetzt, dass man kein Geld einnehmen, geschweige denn Gewinn erwirtschaften darf. Dumme Sache. Daher entwickeln sich nun einige aus der professionalisierenden Onlineschreiberzunft zum &#8222;Doch-nicht-Blogger&#8220;. Man legt gewisserma\u00dfen Wert darauf &#8211; auch wenn man dem Begriff &#8222;Blogger&#8220; noch nicht ablehnt, wenn man als solcher bezeichnet wird &#8211;\u00a0zu den armseligen Bloggern da unten, die immer noch jammern, was das Leben, Bloggen und Geldverdienen so kostet, nicht mehr dazuzugeh\u00f6ren. Weil&#8217;s besser ist f\u00fcr&#8217;s Gesch\u00e4ft. Noch ist es gerade noch vorteilhaft, mit der Bloggerei zu kokettieren, um sich von den b\u00f6sen etablierten Journalisten, abzugrenzen. Aber wehe, es setzt sich in den K\u00f6pfen der Menschen fest, dass Blogger eigentlich wirtschaftlich erfolglose, nicht mit ihrer Zeit haushalten k\u00f6nnende Individuen sind, die auch mit \u00fcber 40 noch einer T\u00e4tigkeit nachgehen, die der SoWi-Student zwischen Fu\u00dfn\u00e4gellackieren und Clubbesuch um 7 Uhr morgens macht. Sp\u00e4testens zu dem Zeitpunkt, als \u00a0Firmen anfingen zu bloggen, also ihren nervigen Newsletter von vor 5 Jahren nun auch noch in ein stylisches WordPress-Theme zu pressen, h\u00e4tte die Karawane gut getan, dem Inzwischen-Mainstream abzuschw\u00f6ren und, wie sich das f\u00fcr soFreidenker\u00a0geh\u00f6rt, auf den n\u00e4chsten Zug aufzuspringen, bis sich auch dieses Karussell so schnell dreht, dass die mit der geringsten Adh\u00e4sion\u00a0schon wieder abgeworfen werden und in ihr weiches 9-to-5-Job-Bettchen zur\u00fcckfallen.<\/p>\n<p>Eines steht ja wohl mal fest:\u00a0Blogger sind ganz klar nur solche wie das hier schreibende Alter Ego &#8222;Will Sagen&#8220;. Leute, die unreflektiert, aus dem Affekt heraus irgendwelche Buchstaben ins Internetz blasen und sich einen Dreck darum scheren, ob das alles Sinn ergibt und vor allem, was das nun kostet. Dieses Blog kostet mich \u00fcbrigens rund 1,95 Euro im Monat oder so. Aber, was wei\u00df ich schon? Nichts.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann wachte ich auf und dachte, was f\u00fcr ein Unsinn.\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/willsagen.de\/wp-includes\/images\/smilies\/icon_mrgreen.gif\" alt=\":mrgreen:\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich tr\u00e4umte ich, ich h\u00e4tte folgendes gebloggt: Blogger ham&#8217;s ja nicht so mit dem Geld. 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