{"id":709,"date":"2008-11-09T22:09:28","date_gmt":"2008-11-09T20:09:28","guid":{"rendered":"http:\/\/willsagen.de\/?p=709"},"modified":"2008-11-09T22:09:28","modified_gmt":"2008-11-09T20:09:28","slug":"viereinhalb-tage-nizza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/willsagen.de\/?p=709","title":{"rendered":"viereinhalb Tage Nizza"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"text-decoration: line-through;\"><em>(Fotos kommen etwas sp\u00e4ter)<\/em><\/span><em> <\/em><a href=\"http:\/\/willsagen.de\/?p=727\" target=\"_blank\"><em>Hier sind die Fotos.<\/em><\/a><span style=\"text-decoration: line-through;\"><em><br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p>Manchmal hat der Beruf ja auch durchaus angenehme Seiten. Eine davon ist die j\u00e4hrliche Jahrestagung des europ\u00e4ischen Verbands der Unfallanalytiker. Diese Tagung findet reihum in verschiedenen europ\u00e4ischen St\u00e4dten statt. Letztes Jahr Krakau, dieses Jahr Nizza.<\/p>\n<p>Wetter<br \/>\nZwar ist die Jahreszeit vielleicht nicht mehr unbedingt das, was man sich unter der typischen Zeit f\u00fcr einen Ausflug an die Cote d&#8217;Azur vorstellt, aber im November kommen die Zimmerpreise ordentlicher Hotels langsam wieder aus schwindelerregenden H\u00f6hen zur\u00fcck. Au\u00dferdem ist das Wetter f\u00fcr uns nicht gerade temperaturm\u00e4\u00dfig verw\u00f6hnten Mitteleurop\u00e4er durchaus angenehm: Um die 17\u00b0C sind im November eine feine Sache. Auch der Regen ist wunderbar warm&#8230; Das ist uns n\u00e4mlich gleich am ersten Tag widerfahren: Ein ordentlicher Regenguss, der auch nach 2 Stunden nichts an Intensit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft hatte. Daf\u00fcr konnten wir beim Trocknen unserer Klamotten herrlich beobachten, wie \u00fcber das Meer das gute Wetter zur\u00fcckkam. Am Samstag war dann wirklich herrliches Wetter. 17\u00b0C, klarer Himmel, Sonne. Einfach herrlich f\u00fcr November.<\/p>\n<p>Wohin<br \/>\nUnd was macht man bei schlechtem Wetter? Richtig, man geht ins Museum. Was liegt da n\u00e4her, als sich erneut mit moderner Kunst auseinanderzusetzen? Darum haben wir das Museum der modernen und zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnste aufgesucht, das wir vor Beginn der &#8222;Regenzeit&#8220; noch halbwegs trocken erreicht haben. Ansonsten hat nat\u00fcrlich die Altstadt gelockt und der kleine Berg mit der Zitadelle, dessen Namen ich vergessen hab.<\/p>\n<p>Technisches<br \/>\nFrankreich ist m. E. ein Technik verliebtes Land. Das merkt man nicht nur an den alten Autos, den Apotheken-Leuchtreklamen, sondern auch an so profanen Dingen wie Schlie\u00dff\u00e4chern. Die Variante im Museum wartet mit Zahlenschl\u00f6ssern auf. Man braucht nicht eine spezielle M\u00fcnze, sondern merkt sich nur eine vierstellige Zahlenkombination. Was liegt da n\u00e4her, als z. B. eine Konto-PIN, die man sowieso im Kopf hat? Man kann jedenfalls auch keinen Schl\u00fcssel verlieren.\u00a0 Und dabei ist die Bedienung wirklich einfach. Sachen reinpacken, gew\u00fcnschte Kombination einstellen, T\u00fcr mit dem Verschlussknopf verschlie\u00dfen und die Zahlenkombination verstellen. Mit dem erneuten Einstellen der Zahlenkombination und Dreh am Verschlussknopf hat man seine Sachen wieder. Prima!<\/p>\n<p>Museum<br \/>\nDas n\u00e4chste positive Erlebnis wartete an der Museumskasse auf uns. W\u00e4hrend der Reisef\u00fchrer noch einen Preis von sage und schreibe 4 Euro listete, winkte man uns hinein, ohne auch nur einen m\u00fcden Euro zahlen zu m\u00fcssen. Ich will ja gar nicht sagen, dass man in Museen grunds\u00e4tzlich freien Eintritt haben muss, aber entgegen der letzten Erfahrung war das doch sehr erfreulich! Und man muss sagen, dass die Ausstellung wirklich nicht provinziell ist. Ein gro\u00dfer Schwerpunkt liegt auf Werken von Niki de Saint Phalle. Als &#8222;alter Hannoveraner&#8220; und regelm\u00e4\u00dfiger Besucher des dortigen Flohmarkts kennt man die Nanas von ihr selbstredend. Neben diversen Nana-esken Figuren sieht man auch Werke, die einen weit weniger freundlichen Charakter haben, sondern eher einer manischen Phase des Schaffens zu stammen scheinen.<\/p>\n<p>Weitere Werke sind von Warhol oder auch Christo, von dem mir besonders die 2-dimensionale Ladenfassade mit unglaublich 3-dimensionaler Wirkung gefallen hat. Dar\u00fcber hinaus findet man auch Studien und kleine Beispiele seiner Verpackungskunst. Eine Sonderausstellung war dem mir unbekannten K\u00fcnstler Robert Long gewidmet, der neben Fotos und Installationen auch raumgreifende Wandgem\u00e4lde beigesteuert hat. Gut gefallen hat mir auch eine Installation bestehend aus einem Zimmerspringbrunnen und einem langen Blechtrichter, an dem am Ende ein Lautsprecher eingebaut ist und nicht nur lustige Ger\u00e4usche von sich gab, sondern auch pulsierendes Wasser tanzen lie\u00df. Lustig! Letztlich hat sich noch der Name Yves Klein in meinen Hirnwindungen festgesetzt. Au\u00dferdem kam mir das Plattencover von US3 Hand on the torch pl\u00f6tzlich unglaublich bekannt vor.<br \/>\nMeine <em>Chefin<\/em> war ja mit, und in der Zeit, in der ich in der Tagung sa\u00df, schon beinahe traditionell mit diversen Frauen (ja, Unfallanalytiker sind fast ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich) unterwegs. Dabei stellte sich heraus, dass auch das Matisse-Museum kostenlos besucht werden konnte und auch Chagalls Bilder f\u00fcr kleines Geld anzusehen waren.<\/p>\n<p>Nice (F)<br \/>\nDanach haben wir uns dann in die Altstadt aufgemacht. Die erinnerte mich stark an Genua. Allerdings schienen mir die engen Gassen dort noch enger und die H\u00e4user h\u00f6her zu sein. Leider fing es dann, wie oben schon erw\u00e4hnt, ziemlich stark an zu regnen, so dass wir den im Hafen liegenden Superyachten viel zu wenig Beachtung schenken konnten. Beeindruckend z. B. der moderne Viermaster. Ein riesiges Ger\u00e4t mit moderner Optik, aber man kann wohl tats\u00e4chlich Segel setzen. Dennoch zeugen 8 Auspuffrohre davon, dass wohl auch eine leistungsstarke Maschine eingebaut ist. M\u00f6chte gern mal wissen, welchem Angeber dieser Kahn geh\u00f6rt! Am Samstag haben wir dann noch ein wenig von dem bewussten H\u00fcgel auf den Hafen hinuntergeblickt. Das ist wohl das, was man als mond\u00e4n bezeichnet.<\/p>\n<p>Essen und Trinken<br \/>\nNat\u00fcrlich waren wir das ein oder andere Mal auch schon Essen (und Trinken) Das Fr\u00fchst\u00fcck im Hotel ist, wie es wohl in Frankreich \u00fcblich ist, eher sp\u00e4rlich, aber dennoch o.k.. Croissants bis zum Abwinken, Kilometerweise Baguette und f\u00fcr uns komischen Osteurop\u00e4er ein paar Br\u00f6tchen nebst gekochtem Schinken und K\u00e4se. Speck, W\u00fcrstchen, Joghurt, M\u00fcsli: Alles da. Mittags und abends wird nat\u00fcrlich ordentlich aufgetischt. Am ersten Abend hatten wir ein ordentliches Steak mit Salat und Pommes. Sehr lecker! Auch Pizza (in Nizza) ist empfehlenswert. Nur die Pasta einen Abend sp\u00e4ter haben etwas lange gekocht. Die Sauce war demgegen\u00fcber aber sehr gut! Preislich sollte man gegen\u00fcber Berliner Preisen mit dem Faktor 2, gegen\u00fcber dem Rest der Republik mit dem Faktor 1,5 rechnen. W\u00e4hrend Bier richtig teuer ist (0,5 Liter zwischen 6,5 und 10 Euro) ist Wein deutlich g\u00fcnstiger zu haben. Dabei ist in der Regel auch der g\u00fcnstige Wein im Restaurant oder in der Brasserie durchaus lecker.<\/p>\n<p>Tagung<br \/>\nJetzt sitze ich gerade in der ersten Session der Tagung und frage mich, warum der deutsche Vortragende sich f\u00fcr seinen Vortrag an der englischen Sprache vergeht, wo doch hinten in so kleinen Kabinchen Simultan\u00fcbersetzer sitzen. So ist es mir schon gleich am Anfang verg\u00f6nnt, der durchaus angenehmen Stimme der deutschen \u00dcbersetzerin zu lauschen. Allerdings scheint sich die gute Dame in ihrer Kabine noch einzurichten. Jedenfalls rumpelt es im Kopfh\u00f6rer so, dass man meint, sie w\u00fcrde nebenbei noch ein Ikea-Regal aufbauen. Als n\u00e4chstes ist ein Franzose dran, der Englisch spricht. Der kann das aber so gut, dass es mir egal ist, dem Original oder der \u00dcbersetzung zu lauschen. Erstaunlicherweise habe ich fast alle Sessions mitgenommen und mich relativ wenig im Foyer rumgedr\u00fcckt, was auch daran lag, dass nur in einem sehr engen Zeitfenster Kaffee angeboten wurde. Nur einmal musste ich f\u00fcr anderthalb St\u00fcndchen eine Auszeit nehmen, als es mir zu theoretisch wurde. Da war das Mittagschl\u00e4fchen einfach verlockender!<\/p>\n<p>Drumherum<br \/>\nAm Donnerstag Abend hat es so derma\u00dfen stark geregnet, dass wir uns in die n\u00e4chstbeste Pizzeria gerettet haben, was kein Fehler war. In der Zwischenzeit h\u00f6rte es auf zu regnen, so dass wir noch ein paar Schritte in die nahgelegene Altstadt gegangen sind, wo wir eine sehr abgefahrene Kneipe &#8222;Distillerie&#8220; gefunden haben. F\u00fcr einen Maschinenbauer wie mich gab es einiges zu gucken, ganz vorn sind die \u00fcber Transmissionsriemen betriebenen Ventilatoren zu nennen.<\/p>\n<p>Der Freitag Abend war dann der Abend das &#8222;Gala Dinners&#8220;. Zun\u00e4chst gab es einen Aperitif. Tja, die Qual der Wahl: Eine Art Punsch mit diversen Fr\u00fcchten oder doch Whiskey? Ich bestelle also letzteres und wunderte mich, wie voll man in Frankreich die Gl\u00e4ser mit diesem hochprozentigem Ges\u00f6ff f\u00fchlt. Aber ich fand die Best\u00e4tigung, dass es kein Versehen war, in dem zweiten Glas, das genauso voll war wie das erste&#8230;<\/p>\n<p>Wir hatten schon beim Eintragen in die Tischlisten das Gl\u00fcck, in eine Art Spezialliste aufgenommen zu werden. Denn in dem Cafe des&#8217;Art war nicht f\u00fcr alle genug Platz, so dass wir in ein nahe gelegenes, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig unscheinbares Restaurant gelotst wurden. Nachher habe ich erfahren, dass in der gr\u00f6\u00dferen Lokalit\u00e4t ein Dreig\u00e4ngemen\u00fc geboten wurde, Suppe, Fisch als Hauptgang (es war Freitag) und abschlie\u00dfend ein Dessert. Da hatten wir mit unserem f\u00fcr die Region Nizza typischen Men\u00fc wohl mehr Gl\u00fcck. Wenn ich mich richtig erinnere, waren es insgesamt sechs G\u00e4nge. Erst der dritte Gang war Salat Nicoise. Zu Anfang gab es ein kleines St\u00fcck einer Art Zwiebelkuchen, danach eine frittierte, essbare Blume. Dann wie gesagt der Salat. Darauf folgte ein sehr zartes St\u00fcck Rindfleisch mit Polenta. Danach bekomme ich nicht mehr alles zusammen. Ich erinnere mich zumindest noch gebackenen Ziegenk\u00e4se, an eine Tarte und zum Schluss Kaffee. Wir sa\u00dfen unter anderem mit zwei britischen Kollegen zusammen, und je sp\u00e4ter der Abend und je leerer die Flaschen wurden, desto besser klappte die Kommunikation.<\/p>\n<p>Apropos Kommunikation:<br \/>\nInternet im Hotel kostete sage und schreibe 50 ct pro Minute. Das habe ich mir dann gespart, bzw. nur sieben Minuten lang geg\u00f6nnt, um was wichtiges nachzuschauen. Wie teuer der Spa\u00df mit meinem Handy als Modem gekommen w\u00e4re, habe ich vergessen, vorher nachzusehen.<\/p>\n<p>Und sonst?<\/p>\n<p>Die Tagung war am Samstag Mittag zu Ende. Zum Flughafen ging es vom Hotel aus um 17.00 Uhr zur\u00fcck. Da war also noch genug Zeit, um drei gef\u00fchlte Tage Urlaub nachzuholen. Bergwandern, Stadtbesichtigung, Shopping, Strandbesuch: Alles geschafft.<br \/>\nTja, und was sollte mir als Auto-affinem Menschen wohl auffallen? Es gibt keine alten Autos in Frankreich (also zumindest in Nizza nicht). 2 oder 3 Enten, 2 Kastenenten, ein LN A, ein paar R4 und ein R5 aus der ersten Serie waren alles, was mir in der Zeit unter die Augen gekommen ist. Alles mehr oder weniger Gebrauchsautos. Kein schicker, restaurierter Oldtimer, nix. Traurig, traurig, wo doch die Franzosen so herrliche Autos gebaut haben.<\/p>\n<p>Res\u00fcmee: Nizza im November: Sehr lohnenswert!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Fotos kommen etwas sp\u00e4ter) Hier sind die Fotos. Manchmal hat der Beruf ja auch durchaus angenehme Seiten. Eine davon ist die j\u00e4hrliche Jahrestagung des europ\u00e4ischen Verbands der Unfallanalytiker. Diese Tagung findet reihum in verschiedenen europ\u00e4ischen St\u00e4dten statt. Letztes Jahr Krakau, dieses Jahr Nizza. 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