Springerblöd

9. November 2014 · Will Sagen

Da mache ich doch heute den Briefkasten auf und sehe was völlig Unerwartetes: Eine Blöd-Zeitung. Die hatte ich weder bestellt, noch würde mir sowas ins Haus kommen, nicht mal zum Bio-Müll einwickeln. Ist doch ok, wenn man Ungewollte Postsendungen wieder zurückschickt, oder? Sicher wird sich doch der eigentliche Adressat darüber freuen. Oder ..?Nicht? Ich meine, das ist doch nicht für mich… Also, ich hab das echt sofort, unverzüglich …

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Äh, und einen VW werde ich deswegen auch nicht kaufen.

 

 

[Fusselflieger] Tuppercopter

7. November 2014 · Will Sagen

tuppercopter_01 In der Zwischenzeit hat mein Mikrokopter eine gewisse Metamorphose durchlebt. Das Mikrokopter-Board (eine ältere Version, die Versionsummer weiß ich nicht genau) hat mich mit Temperaturdrift genervt, man musste beim Fliegen ständig das Wegdriften wegtrimmen. Der Gaui, den ich zwischendurch hatte, war mir zu hibbelig. Irgendwann entdeckte ich die KK-Boards bei ebay für kleines Geld. Einziger Nachteil gegenüber dem Mikrokopter: Keine Höhenregelung. Ansonsten flog sich das Ding besser. Am Ende passte allerdings meine ultraleichte Haube nicht mehr drauf. Zeit, etwas zu ändern.

tuppercopter_07Inzwischen bin ich ja zum Wasserflieger avanciert. Eigentlich ne ganz gute Gelegenheit, den Copter wasserflugtauglich zu machen. Dafür muss erst mal die Elektronik verpackt werden, hier in eine (natürlich nicht originale) Tupperdose (wobei sich die abgebildete kurz darauf als zu groß herausstellte: Die Propeller drehten sich frei. Von Anschlag zu Anschlag … Wer misst, misst Mist.) Also noch mal die Schubladen in der Küche durchgewühlt und eine zweite, kleinere hervorgezaubert. Die musste natürlich auch gleich dran glauben, jedenfalls wurde der Deckel schnell perforiert, um Kabel durchführen und Schrauben durchdrehen zu können.

tuppercopter_03Außerdem gefiel mir schon ziemlich lange die Schwimmnudel als Landegestell nimmer. Die ist zwar echt praktisch, sieht aber so klobrillenmäßig aus. Und dann noch die Farbe! Zeit für was anderes. Schon mal bei ebay nach „aufblasbar“ gesucht? Da gibt’s Sachen! Da läuft man schon beim Durchscrollen rot an. Aber da gibt’s auch Sachen, die man als Landegestell und gleichzeitig Schwimmer verwenden kann, so der Plan, z. B. als Scherz- oder Party-Artikel (haha, gut, dass ich nicht zu Partys muss, wo man mit sowas konfrontiert wird und lustig finden muss) angebotene Morgensterne. Jedenfalls gibt’s die Dinger für ein paar Euro im 4er Pack. Ok, die Kugel hab ich abgeschnitten.

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Mitfliegen soll demnächst auch die Sony Actioncam, die rund 1/3 einer Gopro gekostet hat und irgendwie nicht viel schlechter ist. Hier habe ich die mit zwei Alublechen am Rahmen befestigt. Die Elektronik ist in der nun kleineren Tupperdose untergebracht, samt Akku. Meine Befürchtung ist ja, dass der ganze Kram in der Dose, vor allem die vier Motorregler und der Akku, zu warm werden. Wird sich zeigen. Jedenfalls sieht der ganze Copter jetzt ungefähr 1 my weniger scheiße aus, oder? ODER?

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Die „Schwimmer“ sind jetzt nicht so super professionell angebaut. Aber das geht schon so.

 

 

 

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tuppercopter_09Mal sehen, wie das Teil jetzt fliegt. Vor allem die Wasserflugtauglichkeitserprobung wird spannend. Ich weiß ja gar nicht, wie viel Wasser die Propeller hochwirbeln und so. Vielleicht sinkt das Teil auch zu tief ein. Dann baue ich noch die beiden restlichen Morgensternknüppelschwimmer an. Schau’n wir mal.

Nachtrag:

tuppercopter_10Eben hab ich den Copter mal in der Badewanne zu Wasser gelassen. Zu viel Tiefgang. Da sind sofort die Motoren überflutet. Das macht denen zwar so eigentlich nicht viel aus, aber auf Dauer können die Lager eben anfangen zu gammeln. Das wäre dann blöd. Ich werde dann wohl mal das zweite Paar Morgensternknüppel unterbauen.

 

9. November 1989 – Was für ein Tag!

6. November 2014 · Will Sagen

Ja. Für ganz viele.

VERDAMMTE AXT. ICH WEIß NICHT MEHR, WAS ICH AM 9.11.1989 GEMACHT HABE!

Ich wohnte tief im Westen, war 19, hatte im Sommer mein Abi gemacht, mich für einen Studiengang eingeschrieben, den ich nicht studieren wollte (lange Geschichte), meine Kumpels zogen weg und studierten das und dort, was und wo sie wollten, oder waren beim Bund. Und ich machte in der Zeit diverse Praktika oder schweißte einen Fiat 500 wieder zusammen.

Ich glaube, ich habe Magnum geguckt. Kam das donnerstags? Ne, dienstags, oder?

ICH WEIß ES NIMMER!!! Mein älterer Bruder nannte mich Higgins mit Spitznamen. Das weiß ich noch.

Nachtrag:

Hier noch der Song, der meine Situation perfekt beschreibt. Die Rodgaus ab ich damals tatsächlich viel gehört.

 

Die bunte Polizei-Torte

30. Oktober 2014 · Will Sagen

Kürzlich saß ich in einer Veranstaltung, in der es um polizeiliche Geschwindigkeitsmessverfahren ging: Neue Verfahren und wie sie zugelassen und in Verkehr gebracht werden, Änderungen älterer Verfahren, und wie sie an den neuesten Stand der Technik angepasst werden, Fehlerquellen, Schwachsinnigkeit Unvermögen von Gutachtern und so. Das Übliche. Teilnehmer waren größtenteils Polizei- und Eichbeamte, Vertreter der Hersteller und ein paar versprengte Sachverständige.

Unter anderem erhielt ein Vertreter der Polizei das Wort, um den Anwesenden einmal mehr zu erklären, warum Geschwindigkeitsüberwachung erforderlich ist. Natürlich bemühte er Statistik. Er zeigte ein buntes Tortendiagramm, aus dem klar hervorging, dass „nicht angepasste Geschwindigkeit“ Unfallursache Nummer eins ist.

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(Quelle)

Das nimmt man ja im Grunde als Binsenweisheit hin. Wenn’s gekracht hat, war höchstwahrscheinlich einer zu schnell. Is‘ ja klar. Andere Gründe sind Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtsverletzung und so weiter. Was einen wie mich schon stutzig macht, ist, warum nicht z. B. auch „Unaufmerksamkeit“ oder „verspätete Reaktion“ als Unfallursache auftaucht. Grund, einmal nachzufragen. Gelegenheit dazu ergab sich nach dem Vortrag.

Tja, meinte er, da würden ja Bremsspuren ausgemessen und die Schäden der Fahrzeuge beurteilt und damit wisse man dann, wie schnell ein Fahrzeug war. Ich war baff. In Hessen werden Unfälle für die Statistik rekonstruiert! Ich meinte, dass wäre ja super da in Hessen. In Berlin würde nicht mal ein Bruchteil der Unfälle rekonstruiert, selbst die mit Toten und Schwerstverletzten kaum. Vor mir drehte sich ein Herr entrüstet um, dass das ja wohl nicht stimmen würde. Es gebe schließlich in Berlin eigens Verkehrsunfallkommandos der Polizeidirektionen, die nichts anderes machen würden, als Unfälle aufzunehmen. Ich sagte, ja, das kenne ich sehr genau, weil ich nämlich, wie auch viele meiner Kollegen zusammen mit den Polizisten auf der Straße rumkriechen würden, um Spuren zu sichern. Ja eben, meinte er. Ja eben nicht, meinte ich. Denn die Spurensicherung ist keine Unfallrekonstruktion. Zunächst würden die Spuren gesichert und dann könne man erst anfangen, den Unfall zu rekonstruieren, und ich wüsste sicher, dass das keine Tätigkeit der Berliner Polizei sei. Der Leiter der Tagung hat die Diskussion dann verständlicherweise abgebrochen, weil sich herausstellte, dass das wohl länger dauern würde. Immerhin schloss sich sowieso gerade an Kaffeepause an, so dass dort das Gespräch vertieft werden konnte.

Der Herr vor mir entpuppte sich als ein Vertreter aus dem Stab des Polizeipräsidenten. Wir haben uns gut und angeregt in der Pause unterhalten, es hat aber dennoch einige Zeit gekostet, ihm die Unterschiede zwischen Unfallaufnahme, Unfallrekonstruktion und Unfallforschung aus Sicht des Profis Unfallanalytikers zu erklären. Immerhin bekam ich aber die Antwort auf meine Frage, woher die Statistik die Unfallursache kennt: Das ist nichts weiter als die völlig subjektive Einschätzung der Polizisten, die den Unfall aufnehmen.

Man darf diesen Polizisten nun keinen Vorwurf machen, wenn sie bei ihrer Einschätzung einen Fehler machen. Woher sollen sie das denn wissen? Das hat mich verblüffenderweise auch der Stabsmann gefragt mit dem Verweis darauf, dass ich ja auch etliche Jahre gebraucht hätte, um Unfälle zu rekonstruieren. Ja, so 5 bis 10 Jahre braucht man, bis man das richtig kann. Und genau darum muss man sich doch fragen, wie der Dienstherr von seinen Mitarbeitern, also von Laien auf dem Gebiet der Unfallrekonstruktion, zum einen diese Einschätzung verlangen kann und zum anderen aber nicht davor zurückschreckt, aus diesem Ratespiel eine Statistik zu zaubern und diese bis auf die zweite Nachkommastelle zu präsentieren. Eine ähnliche Qualität hätte es wohl, wenn man die Mitarbeiter eines Bestattungsinstitut nach der Todesursache ihrer „Kunden“ fragen würde.

 

 

 

 

Straßenmusik: Perlen vor die Säue

26. Oktober 2014 · Will Sagen

Ich glaube, jeder ist wahrscheinlich schon mal über diesen oder einen ähnlichen Text gestolpert:

An einer U-Bahnhaltestelle in Washington D. C. spielte ein Mann an einem kalten Januar Morgen für 45 Minuten auf seiner Violine sechs Stücke von Bach. Während dieser Zeit benutzen ca. 2000 Menschen diese Haltestelle, die meisten auf dem Weg zur Arbeit.

Nach etwa 3 Minuten bemerkte ein Passant die Musik. Für ein paar Sekunden verlangsamte er seine Schritte, um dann schnell wieder seinen Weg zur Arbeit fortzusetzen.

4 Minuten später erhält der Geiger seinen ersten Dollar. Eine Frau wirft ihm ihren Dollar in den Hut ohne ihr Tempo zu verringern.

Nach etwa 6 Minuten lehnt sich ein junger Mann gegen die Wand um zuzuhören. Dann blickt er auf seine Uhr und setzt seinen Weg fort.

10 Minuten später bleibt ein etwa 3jähriger Junge stehen, aber seine Mutter zieht ihn sofort. Das Kind bleibt erneut stehen, um dem Musiker zuzusehen, aber seine Mutter treibt ihn an und das Kind geht weiter.

Mehrere andere Kinder verhalten sich ebenso. Aber alle Eltern, ohne Ausnahme, drängen ihre Kinder zum schnellen weitergehen.

Nach 45 Minuten: Der Musiker spielt ohne abzusetzen. Nur 6 Menschen insgesamt blieben stehen und hören für kurze Zeit zu. Zirka 20 Personen geben ihm Geld und gehen in ihrer normalen Geschwindigkeit weiter. Die Gesamteinnahmen des Mannes sind 32 Dollar.

Nach einer Stunde beendet der Musiker seine Darbietung und es wird still. Niemand nimmt Notiz und niemand applaudiert. Es gibt keine Anerkennung….

Niemand wusste es, aber der Violinist war Joshua Bell, einer der größten Musiker der Welt. Er spielte eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke, die je geschrieben wurden auf einer Violine im Wert von 3,5 Mio Dollar. 2 Tage zuvor spielte Joshua Bell vor ausverkauften Haus in Boston das gleiche Stücke, zu einem Durchschnittspreis von 100 Dollar pro Platz.

Dies ist eine wahre Geschichte. Joshua Bell spielte inkognito in der Untergrundstation. Auftraggeber dieses sozialen Experiments über Wahrnehmung, Geschmack und Prioritäten war die Washington Post.

Diese Experimente warf folgende Fragen auf:

Können wir Schönheit in einem alltäglichen Umfeld, zu einem unangemessenen Zeitpunkt wahrnehmen? Wenn dem so ist, nehmen wir uns Zeit sie Wertzuschätzen? Erkennen wir Talent in einem unerwarteten Kontext?

Eine mögliche Schlussfolgerung dieses Experiments könnte sein:

Wenn wir nicht einmal einen Moment Zeit haben anzuhalten, um einem der besten Musiker der Welt zuzuhören, während er eines der wundervollsten Musikstücke spielt auf einem der schönsten Instrumente, die je gebaut wurden…

… wie viel andere Gelegenheiten verpassen wir, wenn wir durch unser Leben hasten?

Onyx AshantiAch, da kommen einem ja echt die Tränen ob so großer Unbarmherzigkeit. Ganz ehrlich? Ich wäre auch schleunigst weitergegangen. Erstens habe ich keinen Zugang zu klassischer Musik und zweitens finde ich Sologeige überwiegend furchtbar. Streicher gehen erst bei n>3.

Außerdem suggeriert das ja, dass überhaupt jemand in der Lage wäre, die Qualität der musikalischen Darbietung erkennen zu müssen. Selbst wenn man es wollte: Die allermeisten sind doch so dermaßen musikalische Blindgänger, dass sie das nie erkennen würden. Vor allem den Wert eines Instruments heraushören zu können, gelingt vlt. 0,01 % der in Frage kommen Zuhörer, zu denen ich auch nicht gehören würde. Deswegen gehen sie wahrscheinlich auch ins Konzerthaus, weil die Wahrscheinlichkeit größer ist, dort Qualität geboten zu bekommen, ohne das selbst beurteilen zu können oder müssen. Nur weil man einen dunklen Anzug oder ein Abendkleid zu einer Musikdarbietung anzieht, heißt das noch lange nicht, dass in der Verkleidung auch ein Musikkenner steckt. Auf der Rückfahrt hören sie wahrscheinlich schon wieder Helene Fischer oder die Randfichten. Btw.: Jede Karte für die Staatsoper wird mit je 257 Euro gesponsert! Das nur am Rande.

Rupert's Kitchen OrchestraWas mich aber am meisten schmerzt, und damit tut man sehr vielen Straßenmusikern Unrecht, dass man zwangsläufig impliziert, nur etablierte Profimusiker wären in der Lage, ihr Instrument hervorragend bedienen zu können. Wahrscheinlich gehen die Leute nur deswegen vorbei, weil ihnen auf der Straße ganz oft hervorragende Musik* geboten wird und es keinen Unterschied macht, wenn da ein Supergeiger steht.

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*Es gibt allerdings auch ganz viele Straßenmusiker, die besser zu Hause bleiben sollten …

Politiker, beschwert euch nicht, einigt euch

18. September 2014 · Will Sagen

Heute stimmen also die Schotten darüber ab, ob sie im vereinigten Königreich bleiben wollen oder nicht. Wieder zeigen sich in Europa Bestrebungen in der Bevölkerung, dass man lieber unter sich sein will, statt im großen Ganzen unterzugehen. Und die Politiker jammern (bis auf die Befürworter der separatistischen Tendenzen).

Offensichtlich hat es die  Politik nicht geschafft, den Leuten zu vermitteln, dass es schlau und vorteilhaft für den Wohlstand ist, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen, ein  kleines Rädchen im Getriebe zu sein, ohne das der ganze Wagen nicht rundläuft, aber dass sie trotzdem in der Lage sind, die Eigenheiten ihrer Volksgruppe bewahren zu können (solange sie nicht z. B. fremdenfeindlich sind). Ich finde, in Deutschland funktioniert das ganz gut: Da sind als eine Gruppe natürlich die Bayern, die stolz auf ihren Freistaat, die Landschaft, das Bier, das Jodeln und was weiß ich sind. Aber trotzdem gibt es wohl nur ein paar dumme Hinterwäldler, die sich ernsthaft einen unabhängigen Bayernstaat wünschen. Die Ostfriesen oder auch Sachsen haben zurecht ihren Stolz, so zu sein, wie es ihnen durch  stoische Lebensart oder knorrige Mundart in die Wiege gelegt wurde und so weiter. Trotzdem funktioniert das Land dank Föderalismus eigentlich ganz gut.

Schaut man sich um, findet man aber immer wieder in den letzten 30 Jahren Ereignisse, die zum Zerfallen großer Staaten geführt haben: Sowjetunion, Jugoslawien, Tschechoslowakei, um ein paar zu nennen. Ob die Konglomerate, die die Staaten darstellten, in ihrer Kombination besonders glücklich entstanden waren oder den Menschen aufoktroyiert wurden, sei mal dahingestellt. Ob Grenzen entstehen oder abgebaut werden: Man wird nie allen gerecht.

Während aber die Europäische Union eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist, gibt es dennoch Bestrebungen, dass man eben nicht das gemeinsame Europa sein will, sondern lieber ein separater kleiner Teil. Da fragt man sich ja, wie das sein kann. Gleichzeitig ist das Interesse an Europawahlen sehr gering. Auch die Wahlbeteiligungen hierzulande geben einem stark zu denken. Ist es nicht so, dass die Politik es offensichtlich nicht schafft, den Menschen zu vermitteln, wie wichtig es ist, gemeinsam etwas zu gestalten? Woran liegt das?

Ich glaube, das liegt an dem ureigenen Verhalten der Politiker selbst. Auf der einen Seite predigen sie von der tollen europäischen Gemeinschaft, vom Pluralismus und so weiter, sind aber auf der anderen Seite untereinander so zerstritten, dass das Gerede komplett unglaubwürdig ist. Anstatt sich eine Idee des politischen Gegners wenigstens anzuhören, wird, egal, was er sagt, gleich in die Kerbe gehauen, was das für riesengroßer Unsinn ist, den derjenige erzählt. Nur die eigene Partei, vielleicht sogar nur der eigene Flügel in der Partei weiß, wie es richtig geht. Alle anderen haben Unrecht und sind unfähig, völlig unabhängig, welche Ziele sie verfolgen.

Diese ganzen Elefantenrunden, Fernsehduelle, Interviews, Talkshows: Nur nerviges Rumgehacke auf dem Gegenüber. Kein einziger noch so vernünftiger Gedanke darf unwidersprochen bleiben. Das ist inzwischen soweit gekommen, dass das Zustimmen zu einer Position, die der Andere (warum ist er überhaupt „Gegner“?) vertritt, als Schwäche stigmatisiert wird. Überlegtes Abwägen, das Beurteilen der anderen Position, kommt viel zu kurz. Dabei ist es doch vielmehr eine Stärke, wenn man mit dem Kollegen aus der anderen Partei eine gemeinsame Lösung erarbeitet. Vor laufender Kamera traut sich das ja keiner mehr und im Hinterzimmer immer weniger.

Solange die Politiker im Kleinen nicht lernen, ihren Willen zur gemeinsamen Arbeit zu zeigen, können sie es von ihrem Wahlvolk auch nicht erwarten.

Die Frau überm Sofa

15. September 2014 · Will Sagen

inlinesofaDa hing sie nun und sagte nichts. Sie verriet nicht, wer sie war, woher sie kam, wohin sie rollte.

Ich hatte ja noch nicht viele Fotos von mir vergrößern lassen, aber dieses eine hatte es mir angetan. Ich mochte die Dynamik, den ziemlich gut sitzenden Schärfepunkt, die Farben. Einfach  für meinen  Geschmack ein tolles Foto. Also kam es irgendwann in üppiger Größe über’s Sofa, zumal auch die Gattin angetan war.

Bei genauem Hinsehen verriet die Frau auf dem Foto dann aber doch etwas über sich selbst, nämlich ihren Vornamen am Helm. Und irgendwann begann die Frage an mir zu nagen, wer das wohl sein könnte, die da bei uns über der Couch hängt und in unserm Wohnzimmer Rollschuh fährt Nun wusste ich ja noch, bei welcher Veranstaltung ich das Foto geknippst hatte. Das lag schon ein bisschen zurück. Nach vielen Fotos (natürlich von viel schlechteren anderen Knippsern) und Berichten hatte ich aber auf der Veranstalter-Seite Glück und fand ziemlich versteckt die Teilnehmerlisten vergangener Läufe. Die kaute ich nun nach dem Vornamen durch. Man glaubt ja gar nicht, wie oft manche Vornamen vorkommen. Vielleicht lag es auch daran, dass es etliche Tausend Starter gab. Jedenfalls hatte ich eine ganze Latte  Treffer bekam.

Irgendwann kristallisierte sich eine Teilnehmerin heraus, deren vollständigen Namen ich dann durchgugelte. Und wieder mehrere Treffer, diesmal im ganzen Bundesgebiet. Aber eben auch eine Frau aus hiesigen Gefilden. Ha! Und sie hatte ein Profil in einem Netzwerk, bei dem man sich typischerweise mit dem Klarnamen anmeldet. So wie ich auch vor langer, langer Zeit.

Tjoa. Und dann wartete ich erst mal auf eine Eingebung von oben. Was mag sie sich denken, wenn sie, mangels ausreichender Zeichenanzahl bei der Kontaktanbahnungsnachricht, plötzlich von einem wildfremden Kerl einen Link zu einem Foto mit dem recht kurzen Hinweis bekommt, dass ich sie fotografiert habe? Irgendwann schickte ich die Nachricht aber doch ab, und die Antwort lies nicht lange auf sich warten. Sie bestätigte tatsächlich, mein zufälliges Fotomodell zu sein, fragte aber -berechtigterweise- auch, wie ich denn auf sie gekommen bin. Nun, das habe ich natürlich gern erklärt, gehört sich ja so. Und, hurra, sie fand die Geschichte einfach klasse und fragte mich, ob sie denn ihren Facebook-Freunden davon berichten darf. Naja, sicher. Da kann ich ja schlecht nein sagen. Warum auch?

Weswegen ich eigentlich Kontakt aufgenommen hatte, war ja, weil ich noch einen Druck von dem Foto im Format 90×60 cm hatte. Den hätte ich beinahe schon anderweitig vergeben, war am Ende aber doch froh, meinen inneren Sherlock Holmes rauszukehren und derjenigen das Foto zu vermachen, die es verdient hat.

inline1Es dauert dann noch ein paar Tage, bis es zum konspirativen Übergabetreffen kam. Ich hatte einen Gerichtstermin in der Nähe ihres Arbeitsplatzes (nehme ich jedenfalls an). Und wow! Sie hat sich echt gefreut! Und das hat mich dann auch echt gefreut! Sie fand die ganze Aktion einfach großartig. Hach!

Wir haben einen zufällig rumlungernden Blumenkutscher dann noch gefragt, ob er ein Bild von uns machen könnte. Wie son Berliner Blumenkutscher nun mal so ist, meinte, er würde dann mal seine Pinsel und Farben holen. Gnarf … Er hat sich dann doch mit meinem Handy begnügt. Ergebnis: Siehe links.

Kaufhaus-Kräcker

8. September 2014 · Will Sagen

Wie das mit dem Cracken ging, habe ich ja nie verstanden. Aber mit einem Stapel Disketten habe ich mich in den 80ern auch regelmäßig in Kaufhäusern rumgetrieben. Soll wohl verjährt sein. Nur, dass mir meine Eltern irgendwann nicht mehr geglaubt haben, dass man einen C64 auch nur ansatzweise für die Hausaufgaben gebrauchen kann. Wobei, im Werkunterricht hat er mir geholfen, meine Fähigkeiten zu erweitern. Immerhin habe ich mangels Geld meine Joysticks selber gebaut.

Via Jens S. aus B.

[Fusselflieger] Aqua-Icon: Auf Schwimmern in Brandenburg

24. August 2014 · Will Sagen

Zwei Jahre ist es schon wieder her, dass ich meine brüchige Icon 312 auf Schwimmer gestellt habe. Ein paar Flüge habe ich seitdem gemacht, aber wirklich ausgiebige Erfahrungen konnte ich bislang nicht erfliegen, bis zur vergangenen Woche. Wir, meine Beraterin in allen Lebenslagen und ich, waren mal wieder mit dem Boot auf Brandenburger Gewässern unterwegs.

Meine YachtIcon 312 mit SchwimmernNeben meinem neuen Segelboot, einer SeaCret von Staufenbiel, war auch meine Icon 312, für den unkontrollierten Luftraum, dabei und eben mit den wieder montierten Schwimmern. Geflogen bin ich nur in den Abendstunden. Tagsüber war es immer so dermaßen windig, dass es mir zu gefährlich war. Man muss ja nicht zwangsläufig das Modell aufs Spiel setzen, zumal die Bergung auf dem Wasser nicht so einfach ist. Mal eben mit dem 12-Meter-Kahn ablegen und das Flugzeug einsammeln, sagt sich leichter als es ist.

Wie ich schon bei den ersten Tests feststellte, neigt die Aqua-Icon dazu, am Wasser zu kleben. Anstellwinkel hat sie auf jeden Fall genug, und bei entsprechender Geschwindigkeit ist durch einen beherzten Zug am Höhenruder auch das Abwassern (so nennt der Profi den Wasserstart) kein wirkliches Problem. Sieht nur etwas doof aus, dass die Mühle sich gleich steil in den Himmel schraubt, anstatt in flachem Winkel abzuheben.

Beim Fliegen merkt man den Luftwiderstand und das Gewicht der Schwimmer ziemlich deutlich. Man muss wesentlich mehr Gas geben und die Grundgeschwindigkeit ist auch höher. Ansonsten scheint das Flugzeug recht gut für die Wasserfliegerei geeignet zu sein. Bislang hatte ich jedenfalls noch keine kritischen Situationen zu meistern. Man könnte ja meinen, dass ein Hochdecker besser geeignet ist, aber das kann ich nicht bestätigen. Nur eigenstabil fliegt die Icon natürlich als 3D-Kunstflugmaschine nicht, im Gegensatz zu einem Hochdecker mit ordentlich V-Form in den Tragflächen.

Modellwasserfliegen ist eine tolle Sache. Ich mag es sowieso, mich am Wasser aufzuhalten, weil ich beim Blick über das Wasser so schön meinen Gedanken nachhängen kann. Vor allem die Ruhe auf den Brandenburger Gewässern ist dafür natürlich hilfreich. Aber demnächst werde ich auch mal über der Rummelsburg Bucht kreisen, glaube ich.

Icon 312 mit Schwimmern

Wenn man genau hinsieht, erkennt man eine kleine Kamera oben auf der Icon. Über einen irgendwie anscheinend doch nicht windigen Händler (Banggood) kam vor ein paar Wochen eine Versandtasche aus China mit einer kleinen „Keychain-Cam“ mit Weitwinkelobjektiv. Bei einigen Vorgängermodellen habe ich festgestellt, dass die Dinger anscheinend selbsttätig den Akku nicht nur leersaugen, sondern auch tiefentladen und damit zerstören. Daher baue ich da Kameras jetzt so um, dass man den Akku abstöpseln kann. Das scheint zu helfen.

Die Kamera sitzt mit etwas dauerelastischem Kitt und Tesa-Band auf der Kabinenhaube und guckt mal nach vorn, mal nach hinten oder zur Seite. Vielleicht baue ich mal eine Halterung mit Dreheinrichtung.

Entstanden sind in den letzten Tagen diese Videos. Wer Zeit und Lust hat, kann ja mal reinschauen. Es empfiehlt sich, den Ton leiser zu stellen.

Seinen ersten Test hatte die Kamera allerdings an einem historischem Ort, in Tempelhof:

 

Google, kannste vergessen? Danke.

13. Juli 2014 · Will Sagen

Das sog. „Recht auf Vergessen“, diese „Lex Google“, wonach man einen Antrag an Suchmaschinenbetreiber stellen kann, unliebsame Suchergebnisse zu beseitigen, stößt bei einigen Netzaktivisten so dermaßen auf Widerstand, dass sie den Untergang des Abendlandes kommen sehen. Mindestens. Je öfter „Zensur“ gekräht wird, desto weniger fällt allerdings auf, wenn es wirklich mal zu Zensur kommt. Das ist das Ärgerliche an Gewöhnungseffekten.

Ich halte es für ziemliche Panikmache, dass dieses Möglichkeit, Sucheinträge beseitigen zu lassen, wirklich nennenswerte Auswirkungen hat. Erstens ist es doch so, dass man sich an jeden einzelnen Suchmaschinenbetreiber wenden muss. Ich verrate euch mal was: Es gibt nicht nur Google. Zweitens wird ja nicht die Fundstelle selber gelöscht. Der eigentliche Inhalt bleibt unangetastet. So richtig Zensur ist es also nicht. Ok. Dadurch wird die Recherche etwas aufwendiger, um nicht zu sagen, ist es ein Rückschritt wie in analoge Zeiten, als man sich in Bibliotheken durch Karteikästen und Regale gehangelt hat. Es ist nicht mehr alles bequem vorgefiltert und in appetitlichen Häppchen vorgekaut. Zur Not muss man selbst recherchieren. Macht natürlich keiner, dessen Startseite google und erster Bookmark Wikipedia ist.

Aber wenn man mal über seine eigene Bequemlichkeit hinwegsieht und sich in die betroffene Person versetzt: Warum sollte ihr es nicht ermöglicht werden, unliebsame Netzfundstücke schwieriger auffindbar zu machen? Es wird nun mal so viel unreflektierter Mist ins Netz gekippt, dass es einem manchmal etwas zu viel werden kann.

Mir ist das passiert, als mich mal ein von Verschwörungstheorien durchweichter Journalist sozusagen beruflich konsultieren wollte, nachdem sich ein ebenso weichbirniger Politiker zu Tode gefahren hatte. Ich sollte mich zu den Schäden am Fahrzeug äußern. Offensichtlich hatte sich der Journalist Zutritt zu dem Fahrzeugwrack verschafft, wohl unberechtigt, nehme ich an.

Wir haben dann telefoniert. Danach habe ich mich allerdings informiert, was das denn überhaupt für einer ist, dieser Journalist. Und da kam dann doch so großer Unfug zutage, vor allem auch eindeutig einer politischen Richtung zugehörig, mit der ich nun beim besten Willen nicht in Verbindung gebracht werden wollte,  dass ich dachte, ne, mit dem will ich nicht in einem Atemzug genannt werden. Jedenfalls untersagte ich ihm per Mail, mich in seinen Pamphleten namentlich zu nennen. Daran hat er sich – natürlich – nicht gehalten, und so ist mein Name mit – zum Glück – wenigstens richtig wiedergegebenen Zitaten in einem Buch zu dem Thema erschienen, das dieser Schreiberling tatsächlich zustande gebracht hat.

Irgendwann stieß ich bei Google auf, ich glaube, eine französische Seite, auf der mein Name und der dieses Journalisten auftauchte. Ich dachte, na super. Außerdem wurde da als Quelle das unsägliche Machwerk dieses Schreiberlings genannt, das ich mir dann erst mal beschaffte. Allerdings gebraucht für 99 ct, damit bitte keine Tantiemen bei diesem Typen landen. Und tatsächlich tauche ich darin namentlich auf.

Das Buch kauft wahrscheinlich eh kaum einer. Und wenn mich einer darauf anspricht, weiß ich gleich, was ich von demjenigen zu halten habe. Aber die Fundstelle im Netz hat mich doch irgendwie gewurmt. Da nun aber jemanden anzuschreiben, bitteschön meinen Namen zu entfernen, kann man ja vergessen. Damit erreicht man eher das Gegenteil. Kennt man ja. Wenn man sich aber an denjenigen wenden kann, der als Multiplikator fungiert, finde ich das persönlich nicht die allerschlechteste Variante. So mancher Netzinhalt sollte sowieso einer Halbwertszeit unterliegen und sich nach einer gewissen Zeit von selbst beseitigen.