„Idiotensichere“ Spannungsversorgung für Messgeräte und so

Sonntag, 25. März 2018

Vor drei Jahren hat unsere Firma eine Bachelorarbeit an der TU-Berlin zum Thema „Untersuchung der Auswirkungen des Tragens eines Fahrradhelmes im Straßenverkehr auf die Risikokompensation durch Fahrer überholender Kraftfahrzeuge“ betreut. Dafür habe ich eine Messtechnik entwickelt, die zum größten Teil in einer Lenkertasche untergebracht werden konnte: Datenlogger, zwei Kameras, ein Arduino für die Synchronisation zwischen Datenlogger und Kameras sowie die Spannungsversorgung. Der Lasersensor für die Abstandsmessung wurde am unteren Rahmenrohr angeklemmt. Für von hinten kommende Autofahrer war das so ausgerüstete Fahrrad absolut unauffällig. Was von Beginn an Schwierigkeiten machte, war die Spannungsversorgung. Erst hatte ich dreizellige Lipo-Akkus meiner Modellflugzeuge zweckentfremdet, dann aus 9 AA-Zellen zusammengelötete Akkus verwendet, die wie Dynamitstangen aussahen. Besonders unangenehm war, dass zwar fast alle Technik mit 12 V zufrieden war, einzig der Lasersensor braucht mindestens 18 V. Für  unsere Zwecke war das ok, mit dem relativ kryptisch bedienbaren Ladegerät und der fummeligen Kabelage aber nicht sonderlich anwenderfreundlich.

Vor einiger Zeit fragten Verkehrsplaner der TU an, ob wir sie bei ähnlichen Messungen irgendwie unterstützen könnten. Klar, die Messtechnik lag bei uns mehr oder weniger ungenutzt rum. Aber die Spannungsversorgung war eben immer noch die Archillesferse. Gerne hätte ich ein System mit fertig konfektionierten Akkus, Schnelllademöglichkeit, nachkaufbar und am besten auch noch Tiefentladeschutz. Und wo ist das alles vereint? Richtig, in einem Akkuschrauber! Inzwischen haben die meisten ja LiIon-Akkus, die also nicht immer genau dann leer sind, wenn man sie braucht, sondern die Spannung auch über längere Zeit halten.

Also kaufte ich einen Bosch-12V-Akkuschrauber (GSR 12V – 15) samt Ersatzakku. Ich probierte ihn aus: Sehr handliches Gerät, hätte ich gern selbst. Aber ich zerlegte ihn ja gleich.Schnell hab ich auf der Platine den Punkt ausfindig gemacht, an dem beim Drücken des Schalters die volle Spannung anliegt. Daran und an Masse lötete ich erst mal dicke Kabel mit einem entsprechenden Stecker für die Hauptstromversorgung der Messtechnik an. An einem anderen Punkt findet man die geregelte Spannung für den Motor. Den kann ich nicht gebrauchen. An dem Schalter findet man seitlich zwei Anschlüsse. An die habe ich einen kleinen Kippschalter angelötet, um meine Spannungsversorgung ein- und ausschalten zu können.

Nun brauchte ich noch mindestens 18 V für den Lasersensor. Dafür habe ich ein Step Up-Modul besorgt (MT3608 2A). Dort kann man mit 12 V reingehen und bis zu 28 V bei 1 A herausbekommen. Die Ausgangsspannung kann man mit einem kleinen Spindeltrimmpoti einstellen. Perfekt für meine Zwecke.

Die kleine Platine mit dem Step Up-Modul und die Kabelage haben dort ausreichend Platz, wo zuvor Motor und Getriebe untergebracht waren. Die Teile kommen in die Bastelkiste. Hier werden sie nicht mehr gebraucht. Als Deckel habe ich eine kleine Kunststoffplatte angefertigt, in der nun der Schalter und eine Kontroll-LED sitzen und die beiden Kabel mit 12 und 24 V herausbaumeln. Bislang funktioniert das alles wunderbar. Mal sehen, was die Verkehrsplaner dazu sagen.

 

 

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Überall „Experten“

Freitag, 23. März 2018

Da sucht man händeringend nach geeignetem Nachwuchs in der eigenen Branche, dabei muss man nur einmal Twitter und Facebook öffnen und weiß gar nicht, wen man zuerst einstel – äh ohrfeigen soll. Ein autonom fahrendes Fahrzeug kollidiert mit einer Fußgängerin, die ein Fahrrad schiebt. Das ist zweifellos tragisch – wie jeder Unfall mit Personenschaden – aber für einen wie mich natürlich hochinteressant. Etwa genauso interessant, wie die Ergebnisse der Bundesliga für die gefühlt 80 Mio. Fußballtrainer, die regelmäßig vor den Fernsehgeräten und in den Stadien sitzen. In großer Zahl melden sie sich zu Wort, wenn der Ball noch nicht ausgerollt oder die Leiche noch nicht erkaltet, und wissen alles, aber wirklich _Alles_ über den Unfall: Erkennbarkeit, Geschwindigkeiten, aber als allererstes sogar, ob der Unfall vermeidbar war.

Was also tun, wenn man sich mit 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich der Unfallrekonstruktion doch irgendwie in der Lage sieht, bereits mit dem nach wenigen Stunden veröffentlichten Material etwas zu dem Unfall sagen zu können (zum Beispiel, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen)? Den Kopf in den Sand stecken, oder in homöopathischen Dosen (hilft ja eh nicht) hier und da mal einen Kommentar ablassen, um wenigstens versucht zu haben, die „Diskussion“ aus einigen Sackgassen wieder hinauszumanövrieren?

Ich komme auf das Thema, weil ich kürzlich hier eine Abhandlung darüber las, was es doch für ein Problem sei, oder warum eigentlich nicht zu den diversen Themen, die die Welt bewegen, geeignete Experten z. B. für Talkshows gewonnen werden könnten, sondern dann immer irgendwelche vermeintlichen Spitzenkräfte eingeladen werden.

Ich weiß ja, was drumherum, z. B. zur Vorstellung des „Experten“, dann für Beiträge produziert werden, denn schon beinahe rührend komisch, aber doch eher an der Grenze zum Fremdschämen ist es, wenn es um Verkehrsunfälle geht, habe ich doch ganz guten Einblick in das echte Geschehen. Zoom auf das Messrad, Totale von der Messlatte. Der „Experte“ in seinem Büro: Interessant, wie behände er zur Tür hineinkommen kann! Genau so stelle ich mir echte Professionalität vor. Er sitzt an seinem Rechner. Mit Warnweste. In der Einblendung liest man „Crashexperte“, „Unfallermittler“ oder so. Und er erzählt wirres Zeug.

Nur mit dem Namen des „Experten“ verbindet man alles andere als einen Fachmann. Man kennt sich ja in der Szene. Denn die echten Experten sehen ihr Gesicht aus Gründen der Seriösität und Reputation eher nicht so gern in windigen Fernsehproduktionen, wollen sie z. B. auch weiterhin im Gerichtsverfahren eine gute Figur abgeben oder nicht mit den falschen Namen in einem Zusammenhang genannt werden .

Damit ist das Problem eigentlich bereits beschrieben: Es melden sich nicht die zu Wort, die wirklich etwas von der Sache verstehen, sondern diejenigen, die meinen, sie hätten die große Ahnung, meistens noch kombiniert mit einem übersteigerten Sendungsbewusstsein und gute Rhetorik.

Und so werde ich es wohl noch ein Weilchen ertragen müssen, dass sich Menschen die Köpfe heiß reden und die Finger wund tippen, obwohl sie keinerlei Ahnung von Kollisionsmechanik und Unfallabläufen, deren Rekonstruktion oder gar der Vermeidbarkeitsbetrachtung haben. Im Hintergrund sammle ich übrigens Material zu dem Unfall, um dann, wenn es an der Zeit ist, vielleicht etwas Tiefgreifenderes dazu zu sagen.

Thema: Ach geh mir wech, Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (1)

Die deutsche Justiz wird digitales Neuland bleiben

Freitag, 2. März 2018

Gestern war ich auf einer Sachverständigen-Tagung bei der IHK. Da ging es unter anderem auch um die elektronische Akte. Nicht nur, dass man irgendwie in Dateien statt Papierstapel Einsicht nehmen wird, nein, auch die Gutachten sollen natürlich als Dateien eingereicht werden. Dafür soll es irgendwie Signaturtechniken geben. Es wurden bunte Karten und Kartenleser vorgestellt, ähnlich wie man sie auch für das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) benötigt, das gerade eine scheppernde Bruchlandung hingelegt hat. Auch die Vortragende konnte nicht verhehlen, dass diese Lösung nicht besonders „smart“ ist. Es sei bestimmt nur eine Übergangslösung, meinte sie. Dass es die erforderliche Software nur für Windows-Systeme geben soll, ist dabei nur ein Bonmot am Rande.

Interessanter wurde es, als Nachfragen aus dem Publikum kamen, wie denn mit verschiedenen Dateiformaten umgegangen werde, da man bislang praktisch nur von Textdateien ausging. Ich habe dann explizit nachgefragt, ob denn auch Videodateien vorgesehen seien. Der Vertreter der Justiz, ein Richter vom Kammergericht, sagte dazu, dass das definitiv nicht vorgesehen sei. Er sprach dann auch nur von pdf- und tif-Dateien (also auch keine jpgs!).

Derzeit, wo wir noch bedruckte Papierstapel abliefern, haben wir das Problem, Simulationsberechnungen von Unfallabläufen, die wir auf dem Rechner als Film ablaufen sehen, als Sequenzen von Einzelbildern erstellen und ausdrucken zu müssen. In Einzelfällen liefert man dann eine CD-Rom oder DVD mit den Filmdateien dazu. Ich habe auch schon Filme bei Youtube hochgeladen („nicht gelistet“) und den Link im Gutachten als QR-Code verteilt. Letzteres kann man natürlich auch in Zukunft machen. Nur, wenn man doch schon die Möglichkeit hat, Dateien hochladen zu können, warum dann nicht auch Filme?

Vielleicht schafft es ja wenigstens das gute alte, nicht tot zu kriegende animated gif in die Liste zulässiger Dateien. Für kurze Sequenzen ginge das ja. Up to date ist anders. Aber was will man von einer der konservativsten Branchen schon erwarten?

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Hier irrt @saschalobo ausnahmsweise

Dienstag, 6. Februar 2018

Ich schätze Sascha Lobo sehr. Seine Texte sind für mich gut verständlich formuliert, seine Argumentation sachlich und erschöpfend. Da kann man ihm zugestehen, auch mal einen schlechten Tag zu haben. Er echauffiert sich auf Facebook über eine Pressemeldung der Berliner Polizei, die aus seiner Sicht einen falschen Duktus hat, wenn ich das richtig verstehe. Darin kann man ihm durchaus zustimmen. Nur wie er das begründet, halte ich für wenig hilfreich in der Sache.

Zunächst die Meldung in voller Länge. Ich zitiere die hier voll, weil sie ja ggf. überarbeitet werden könnte.

Beim Driften mit dem Auto Fußgänger schwer verletzt
Polizeimeldung vom 05.02.2018
Steglitz-Zehlendorf
Nr. 0296
Bei einem Verkehrsunfall wurde gestern Nachmittag ein Fußgänger in Lichterfelde schwer verletzt. Ersten Ermittlungen zufolge fuhr ein 23-Jähriger mit seinem BMW gegen 16.30 Uhr wiederholt den Ostpreußendamm zwischen Giesensdorfer und Osdorfer Straße auf und ab. Nach Zeugenaussagen soll er hierbei jeweils mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren sein. An der Einmündung Giesensdorfer Straße Ecke Ostpreußendamm soll er seinen Wagen mehrmals um die eigene Achse driften gelassen haben. Hierbei kam er nach rechts von der Fahrbahn ab, erfasste einen 75-jährigen Fußgänger auf dem Gehweg des Ostpreußendammes und verletzte ihn schwer. Der Senior kam mit Frakturen im Rumpfbereich zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Führerschein des 23-Jährigen wurde beschlagnahmt und dessen BMW als Tatmittel sichergestellt. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 4 übernimmt die weitere Bearbeitung.

Als erstes meint Lobo, dass schon der Begriff „Unfall“ falsch sei. Man kann dazu z. B. bei Wikipedia nachlesen, dass es ein Schadensereignis sein muss, das zumindest für einen der Beteiligten plötzlich und ungewollt eintritt und über eine bloße Gefährdung hinausgeht. Der BGH hat mal gesagt:

„Ein Unfall ist ein plötzliches Ereignis im Straßenverkehr, dass mit den Gefahren des Straßenverkehrs in ursächlichem Zusammenhang steht“.

Wodurch die Gefahren ausgelöst werden, steht dort ausdrücklich nicht. Aus diesem Grunde wird dann auch später in leichte und grobe Fahrlässigkeit bzw. Vorsatz unterschieden. Auch wenn Lobo es gern anders hätte, tut die Polizei gut daran, diesen Vorfall erst mal als Straßenverkehrsunfall zu klassifizieren. Was später daraus strafrechtlich wird, ist ja etwas ganz anderes. Man kann nur hoffen, dass die Spuren des Geschehens gut dokumentiert wurden. Das ist nämlich leider nicht selbstverständlich.

Als nächstes stört er sich an der passiven Formulierung, der Fußgänger wurde verletzt. Später wechselt der Text aber in die aktive Form: „Hierbei kam er nach rechts von der Fahrbahn ab, erfasste einen 75-jährigen Fußgänger auf dem Gehweg des Ostpreußendammes und verletzte ihn schwer.“ Schon die Überschrift sei falsch, weil dort der Täter nicht benannt werde: „Beim Driften mit dem Auto Fußgänger schwer verletzt„. Da hätte ich einen Hinweis auf den 23-Jährigen auch nicht verkehrt gefunden, hätte einem das doch gleich anfangs geholfen, den Vorfall besser einsortieren zu können.

Dann meint Lobo aber, „Driften“ sei die Beschreibung eines coolen Fahrmanövers. Aus Laiensicht mag man den Eindruck haben, wenn man Driften nur aus amerikanischen Filmen kennt. Driften beschreibt aber auch den Übergang vom stabilen zum instabilen Fahrvorgang, von Kurvenfahrt zum Schleudern. Für mich liest sich das so, als ob der BMW-Fahrer „Donuts“ gedreht habe. Wenn die Polizei aber von „Donuts“ geschrieben hätte, könnte ich die Aufregung ja verstehen. Hat sie aber nicht, sondern die unaufgeregtere, objektivere Beschreibung gewählt. Kann man daraus so einen Vorwurf drechseln?

Danach bringt Lobo – geradezu unvermeidlich – die Schwanzverlängerung ins Spiel. Ich habe noch nicht nach wissenschaftlichen Studien gesucht, in denen nach einer Korrelation zwischen der Länge des männlichen Geschlechtsorgan und der Tieferlegung und Motorleistung geforscht wurde, und werde das auch nicht tun. Es ist schlicht Polemik. Nichts anderes.

Im nächsten Absatz reibt sich Lobo am Strafmaß: Sechs Monate Führerscheinentzug und 2.350 Euro Geldstrafe. Und für ihn gehört so jemand, anscheinend vor der Aufarbeitung in einem Strafverfahren, ins Gefängnis und auf Lebenszeit der Führerschein entzogen. Das Strafmaß richtet sich nach Tagessätzen. Es wird keine absolute Höhe verhängt. Die ergibt sich durch Multiplikation ihrer Anzahl mit der Höhe der Tagessätze, kann also für den Täter höchst unterschiedlich ausfallen. Vor der Verurteilung ist dem Täter sein Vergehen nachzuweisen. Solange das nicht gelingt, gilt er als unschuldig. Auch wenn Lobo meint, dass ich davon nichts verstehe: Ich hab die Anwendung der Unschuldsvermutung in Strafverfahren zu Straßenverkehrsgeschehen wahrscheinlich öfter erlebt als er.

Seine Vorverurteilung mag ja richtig sein. Es spricht vielleicht sogar einiges dafür. Aber aus meiner Sicht ist es auf Bildzeitungsniveau sich das Geschehen aus der knappen Meldung so zurechtzubiegen, wie man es gerne hätte und so zu tun, als sei man dabei gewesen. Ich habe schon so viele Zeugenaussagen gehört, bei denen sich Fahrzeuge „mehrmals um die eigene Achse gedreht“ haben, wo aufgrund der Spuren mal gerade eine 180°-Drehung verblieb. Zeugen beschreiben irrwitzige Geschwindigkeiten. Aber wenn man mal den Test macht, z. B. bei einem Crashversuch, kommt auch mal die Schätzung 70 km/h zustande, obwohl der Fußgängerdummy nur mit 30 km/h angefahren wurde. Alles selbst erlebt und nicht nur einmal.

Sascha Lobo hat in vielerlei Hinsicht Recht, wenn er die amerikanischen Waffengesetze mit der Diskussion hierzulande vergleicht, was man mit einem Auto so anstellen darf. Und zweifellos muss in der Raserszene hart durchgegriffen werden. Aber bitte auf der Grundlage von Fakten, und nicht einen gerade passierten, unaufgeklärten individuellen Vorfall als Vehikel für einen polemischen Facebook-Rant nehmen. Das hilft nicht weiter. Höchstens am Stammtisch. Sascha Lobo findet den Text der Polizei „in jeder Hinsicht schlimm„. Ich nicht. Jedenfalls nicht in jeder.

 

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Bässere Zeiten

Montag, 25. Dezember 2017

Dieses Jahr habe ich mir ein schönes Weihnachtsgeschenk selber gemacht.

Schon lange war ich auf der Suche nach einem Bass, mit dem ich seinerzeit, Anfang der 90er Jahre, das Bassspielen begonnen hatte. Es war kein besonderes Instrument, aber ich mochte es, und es musste damals aus finanziellen Gründen weichen, weil ich mich in was Tolleres verguckt hatte (einen Fender Jazzbass, den ich heute noch habe).

 

Kurz vor Weihnachten wurde bei ebay ein „Marina Bass Collection SB301 angeboten, in schwarz, wie er mir damals in Hannover Linden in einem kleinen Musikladen anempfohlen wurde. Eine absolut sehr gute Empfehlung, ließ sich der Bass doch von einem Anfänger wie mir gut spielen und klang sehr ausgewogen.

Der Bass wurde in Prenzlauer Berg angeboten, 20 Minuten zu Fuß vom Büro, für 76,53€ erhielt ich den Zuschlag. Als ich den Bass abholte, dachte ich natürlich daran, dass das mein alter sein könnte, hielten sich die Verkaufszahlen dieses Modells doch vermutlich in Grenzen. Genau genommen, habe ich in Natura so einen nirgends anders gesehen. Beim Verkäufer war es ziemlich dunkel, ich packte den Bass schnell ein, bezahlte und verschwand zurück ins Büro. Dort inspizierte ich ihn genauer. Er ist ziemlich heruntergekommen, viele Macken, der Hals krumm wie eine Banane (hab ich inzwischen ganz gut gerichtet).

Auf einmal fiel mir eine Stelle am Hals auf, die ich sofort wiedererkannte. Ein kleiner Lackierfehler. schwarzer Lack war in Richtung Griffbrett verlaufen und hatte einen schwarzen Fleck gebildet, unter dem Klarlack! Ich weiß noch, wie ich damals versuchte hatte, diesen Fleck zu entfernen, weil ich dachte, das ist Edding oder so. Es ging nicht.

Nun habe ich ihn nach fast 25 Jahre wieder. Meinen Anfängerbass! Ist das nicht eine rührende Weihnachtsgeschichte?

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BassTL, der Bastel-Bass, für Open Stages mit Built-In Limiter

Sonntag, 26. November 2017

Inzwischen hab ich einige Erfahrung mit Auftritten auf Open Stages, offenen Bühnen, Open-Mic-Veranstaltungen, wie auch immer das heißt. Man kommt vorbei, meldet sich an, wartet, spielt 2 bis 5 Stücke und ist fertig. Das geht immer alles sehr flott vonstatten. Schließlich will man nicht lange rumstöpseln und irgendwas einstellen, sondern spielen. Man lernt, ohne Soundcheck geht es auch. Wenn man Glück hat, wie z. B. im Dodo, wo wir am liebsten spielen, dreht der Wirt ein bisschen an den Reglern, bis man sich selbst und die Gäste gut hören können. Hat man Pech, muss man das selbst machen, läuft es richtig scheiße, dreht irgendjemand an den Reglern, der überhaupt keine Ahnung hat. Das gibt es leider öfter, als man denkt.

 


Kommt man mit einem E-Bass vorbei, gehen bei vielen Veranstaltern schon die Alarmglocken an. Die Nachbarn! Wirklich jede Kneipe hat einen Nachbarn, der meint, in Berlin müsste es so ruhig sein wie in Hintertupfingen. Deswegen gibt es gern mal Dezibel-Killer, die radikal eingreifen, wenn man auch nur einen zu lauten Ton spielt und man einige Sekunden lang fast gar nichts mehr hört, oder der „Tonmeister“ dreht gleich alles so leise, dass man nichts, vor allem aber den Bass nicht mehr hört.

 

Seitdem ich das weiß, nehme ich zu Open Stages gern einen „aktiven“ Bass mit, also einen mit elektronischem Vorverstärker. Beim Soundcheck, so es ihn gibt, bzw. beim ersten Stück spiele ich passiv. Da wird man dann „schön leise“ eingestellt. Ich drücke mein Knöpfchen mit dem Vorverstärker, und schon hört man auch wieder was von den tiefen Frequenzen. Soweit so gut. (Und so gemein …)

Aber leider hat das auch seine Schattenseiten: Sobald man etwas slappt oder überhaupt mit mehr Dynamik spielt, fliegen den Gästen, dem Wirt, den Nachbarn, überhaupt allen die Lautsprechermembranen um die Ohren. Dafür hat der Musikgott den Limiter erschaffen. Der grätscht einfach mal kurz rein, wenn es zu laut wird.

Da es bei Open Stages eher nicht so gut ankommt, wenn man erst noch seine diversen Tretminen (aka „Effektgeräte“) anstöpseln muss, und ich einen ausgeweideten Hohner-Headless-Bass zum Rumbasteln in die Finger bekommen habe, dachte ich mir: Kombiniere den Bass mit einem Limiter. Der Hohner-Bass hat zudem den Vorteil, sehr kompakt und leicht zu sein, so dass ich nicht mehr mit dem Gigbag auf dem Rücken an jedem Türrahmen und jeder Leuchtstoffröhre hängen bleibe.

Als erstes habe ich mir den billigsten Limiter besorgt, den ich kriegen konnte. Den hab ich kurz getestet und er macht genau das, was ich will. Der originale Vorverstärker im Hohner B2A fehlte sowieso. Und da ich eh immer mit beiden Pickups vollaufgedreht spiele, Tonblende und Volume voll auf, ist das Layout ziemlich einfach.

Die beiden Pickups werden parallel geschaltet und direkt an den Eingang des Limiters angelötet. Der Ausgang des Limiters kommt dann an die Klinkenbuchse im Bass. Klingt leichter als es ist, weil der Limiter natürlich nicht einfach so in den Bass passt. Also hab ich den Limiter erst mal ausgeweidet. Das Gehäuse brauche ich nicht mehr. Dann mussten die Potis von der Platine herunter. Die kommen ja vorn in den Bass: Volumen, Attack und Threshold statt, Volumen vorderes Pickup, Volumen hinteres Pickup und Tonblende. Mit dem originalen Schalter konnte man vorher zwischen Aktiv und Passiv wählen. Der wird nun Mute-Schalter zum Stimmen und schaltet gleichzeitig die Spannung für den Limiter ein und aus. Die LED zeigte vorher den Betriebsmodus aktiv/passiv an. Die wird gegen die Zwei-Farb-LED des Effektgeräts ausgetauscht.

Der Bass hat auf der Rückseite zwei Fächer: Eines, über das man von der Rückseite an die Potis und die Klinkenbuchse sowie Schalter und LED kommt, ein weiteres, in dem der Vorverstärker und die 9V-Blockbatterie saßen. Dort kommt auch die Batterie wieder hinein. Die Abdeckung mache ich durchsichtig, in das Fach kommt ein kleines Voltmeter hinein, damit man vor dem Auftritt noch kurz checken kann, ob die Batterie noch voll genug ist. 

 

In der Zarge hat der Hohner B2A der ersten Generation neben der Klinkenbuchse noch eine XLR-Buchse. Dort konnte man das pure Passivsignal abnehmen, für Aufnahmen und so. Das brauche ich nicht. Dort kommt der Fußschalter des Effektgeräts hinein.

Die Potis, die ich aus demEffektgerät ausgelötet habe, sind nicht mehr zu gebrauchen. Ich besorge mir neue mit verzahnten Steckachsen, die ich in den Bass einbauen kann. Das Volumenpoti hat eine Rastung in der Mittelstellung. Das ist sehr praktisch. Es wird meine Standardeinstellung sein, und dreht mich ein Open-Stage-Betreiber zu leise, kann ich dort noch etwas nachlegen. Hähähä!

Dummerweise sind die Gewinde der Potis etwas zu kurz und zu dünn. Also werfe ich erst TinkerCad und dann den 3D-Drucker an, um mir kleine Hülsen zu drucken, die die Potis halten. Außerdem drucke ich noch eine weitere Hülse, damit der Fußschalter in der Zarge nicht unnötig weit herausguckt.

Dann löte ich alles zusammen. Und es brummt. Wie verrückt. Nachdem ich alle Einbauten (Schalter, Buchsen usw.) an die Abschirmung angeklemmt hatte (ich dachte, ich hätte das schon gemacht …), hat der Spuk ein Ende und alles funktioniert so, wie ich mir das vorstelle. Auf die Rückseite des Basses kommt noch ein ausklappbarer Hebel für die linke Befestigung des Gurtes. Denn der Bass hängt sonst sehr weit links vorm Körper, jedenfalls in vollkommen anderer Position als z. B. meine Jazzbasse. Ich hab mich ohne die Verlängerung immer um 2 Bünde vergriffen, bzw. mein linker Arm war zu kurz. 

Das gab es in ähnlicher Form an den Original-Steinberger-Bässen. Sah dort natürlich schöner aus. Dieser Ausleger ist aus Blech und dann mit Kunstleder bezogen. Damit der Gurt nicht abrutscht, habe ich alte Dichtungen von Flensburger Bierflaschen draufgesteckt. Leider gibt es die ja nicht mehr in der guten alten Gummi-Qualität.

Jetzt kann der nächste Auftritt kommen!

Zum Schluss noch ein Video vom BassTL-Making.

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„Die Leute sollen nicht googlen“

Dienstag, 17. Oktober 2017

Gestern Abend hab ich mit meiner 2-Mann-Band an einer Open Stage teilgenommen. Es war das erste Mal, dass wir in dem Laden aufgetreten sind und so hab ich vorher geschaut, wie ich dort hin komme. Ich tippe den Namen des Ladens bei Google-Maps ein und sehe schnell, wo ich hin muss. Was ich aber auch sehe: „Heute geschlossen.“ und morgen auch. Und übermorgen sowieso. Geöffnet von donnerstags bis sonntags.

Leicht irritiert schaue ich auf der Homepage, jedenfalls dort, was ich für die Homepage halte. „DIESER DOMAINNAME IST REGISTRIERT“ leuchtet es mir entgegen. Also wieder googlen. Ok, die beiden Namensteile des Ladens sind noch mit einem Bindestrich voneinander getrennt. Dort gibt es einen Kalender, wo ich auch die Veranstaltung „Offene Bühne“ finde, im Gegensatz übrigens zur Facebook-Seite, auf der nur vergangene Veranstaltung aufgelistet sind.

Ich mache mich auf den Weg und bin auch rechtzeitig vor Ort, wo ich einen recht kauzigen Techniker vorfinde. Zusammen mit dem Menschen hinter der Theke mache ich die beiden auf den Umstand „heute geschlossen“ in Google Maps aufmerksam, und dass man das wohl ziemlich leicht ändern kann. Ja ne, so richtig geöffnet wäre ja heute nicht, weil es eben kein Konzert oder keine Lesung sei, sondern die offene Bühne, meint der Techniker, was ich mit Fragezeichen in den Augen beantworte.

Nunja, die Leute würden sich aber bestimmt vielfach via Google über den Anreiseweg informieren. „Das geht ja auch am besten.“, schiebe ich noch nach. „Unsinn.“ [sinngemäß] schallt es mir entgegen. Da nehme man berlin.de und dann den dortigen Stadtplan. Die Leute sollen nicht googlen.

Ich hab’s dann sein gelassen. Stattdessen haben wir vier Songs vor fast leeren Reihen gespielt.

Thema: Draußen nur Kännchen | Kommentare (0)

Was/Wen ich [nicht] wähle

Freitag, 22. September 2017

Klar gehe ich am Sonntag wählen. Es geht unter anderem darum, die AfD-Nazis möglichst klein zu halten. Ich werde so ein bisschen strategisch wählen. Ich werde nicht direkt verraten, wo ich mein Kreuz mache, aber wie ich zu meiner Wahlentscheidung komme.

Erststimme:

Wer den Wahlkreis persönlich gewinnt, bekommt einen Sitz im Bundestag. Ich müsste/dürfte/könnte Gesine Lötzsch [Linke], die 2013 eine komfortable Mehrheit bekommen hat, zu weiteren vier Jahren im Parlament verhelfen. Alle anderen sind so weit zurück, dass sie allenfalls über Listenplätze ihrer Parteien einen Sitz bekommen. Da ich mit den Linken auf Bundesebene nicht viel anfangen kann, werde ich einen anderen Direktkandidaten wählen. Vermutlich ist es relativ egal, wen man da wählt. Der CDU-Kandidat, Martin Pätzold, hat wohl einen Listenplatz ergattert. Den muss ich daher auch nicht wählen. Das ist mir ganz recht.

Zweitstimme:

Bloß keine GroKo mehr! Das muss ein Ende haben. Also werde ich weder SPD noch CDU wählen. Vielmehr möchte ich dafür sorgen, dass eine der kleineren Parteien, die für mich das kleinste Übel darstellt, drittstärkste Kraft wird. Da drittstärkste Kraft natürlich nicht die NSDAP AfD werden darf, ich mit den Linken aber auch so meine Probleme habe (außer, was Verteidungs-/Rüstungsfragen betrifft), bleiben nur der Lindner-Club, der wieder mitspielen möchte, und die Blassen, äh Grünen übrig.

Ich denke, ich muss etwas Farbe ins Spiel bringen.

Thema: Wichtigpopichtig! | Kommentare (0)

Mal rischtisch hart durchgreifen! Eine kleine Bildergeschichte.

Sonntag, 3. September 2017

Heute im Mauerpark spielte unter anderem ein Gitarren-Duo, das sehr gut dazu zweistimmig sang. Es standen einige Leute herum und hörten bei angenehmer Lautstärke zu.

Schöne Musik!

Am Rand standen ein paar verdächtige Zuhörer. Sie warteten das Stück noch ab.

Verdächtige Zuhörer

Und dann war Schluss mit lustig. Echt ne ganz, ganz große Leistung.

... und dann war Schluss.

Mann, war ich sauer. 🙁

Thema: Ach geh mir wech, Draußen nur Kännchen | Kommentare (0)

[Kombi-Tagebuch] Kleine Inspektion

Donnerstag, 10. August 2017

Kilometerstand 30143

  • Ölwechsel Liqui Moly 15W40
  • Ventilspiel und Kontaktabstand eingestellt
  • Klötergeräusch durch Nachspannen des Keilriemens beseitigt.
  • Achsschenkel abgeschmiert

Thema: cinquecentistisch | Kommentare (0)