Dienstag, 13. April 2010 10:10
Angeregt durch fabis Kommentar zu meinem TechnoClassica-Beitrag kann ich ja mal kurz aufschreiben, wie ich mir die Heizung eines Elektroautos vorstelle. Bei Verbrennungsmotor angetriebenen Fahrzeugen ist die Heizung nicht das große Problem, weil das Kühlwasser bzw. beim 500er die Kühlluft, eigentlich heiß genug ist, um den Innenraum zu heißen. Das gilt inzwischen aber auch nur noch mit Einschränkung, da moderne Diesel das Problem haben, im Stadtverkehr von selbst nicht mehr richtig warm zu werden. Da muss man dann etwas nachhelfen, z. B. elektrisch oder mit einer Kraftstoff betriebenen Zusatzheizung.
Man muss beim Elektrofahrzeug zunächst unterscheiden, was man überhaupt will. Es gibt eine Vorschrift in Deutschland, nach der Autos eine Heizung haben müssen. Die dient aber nicht vorrangig dem Zweck, dass es die Insassen im Winter schön mollig warm haben, sondern dass die Scheiben, insbesondere die Windschutzscheibe beschlagfrei bleiben, bzw. das Beschlag entfernt werden kann. Diese Vorschrift muss man also erfüllen, wenn man eine Chance haben will, dass das Auto legal zugelassen werden kann.
Als nächstes muss man sich über den Einsatzzweck des Fahrzeugs Gedanken machen. Beim Umbau eines Autos, das eher bei gutem Wetter in Mitteleuropa in der wärmeren Jahreshälfte eingesetzt wird, sind die Anforderungen an die Fahrzeugheizung zweifelsohne deutlich geringer, als wenn die Heizung für sibirische Verhältnisse im Ganzjahresbetrieb ausgelegt sein soll.
Das größte Problem bei Elektrofahrzeugen, insbesondere bei Umbauten ist das Gewicht. Denn man braucht jedes Gramm, um möglichst viel Energiespeicher, sprich Akkus, herumfahren zu können. Dennoch wird in umgebaute Fahrzeuge sehr oft eine Benzin- oder Diesel betriebene Standheizung eingebaut. Ganz einfach deshalb, weil die Kunden einen Haufen Geld in den Umbau investieren und dafür auch ein Ganzjahres taugliches Fahrzeug haben möchten, in dem sie sich nicht den Allerwertesten abfrieren. Eine weitere Möglichkeit sind elektrische Heizer. Doch da nimmt man sich gleich die kostbare elektrische Energie, um sie in Wärme, statt in Bewegung, umzuwandeln. Das kann es ja nicht sein!
Für meine Zwecke möchte ich gern auf all diesen Kram verzichten. Wie immer ist die Umwandlung von elektrischer in kinetische Energie mit Reibung verbunden. Auch ein Elektromotor erwärmt sich im Betrieb, aber insbesondere die Regel- und Ladeelektronik. Hier hat man also Wärmeenergie, die einem quasi frei Haus geliefert wird. Man muss sie nur an die Stellen kriegen, wo man sie haben will, und das ist als erstes für den TÜV-Onkel an der Scheibe, und dann für den Insassen an der Nase, an den Händen und an den Füßen.
Man kann also sagen: Man braucht die Wärme in erster Linie vorn. Nun würde es sich anbieten, die ganze Technik im Heck des Fahrzeugs, wo beim Fiat 500 nun mal der Motor sitzt, zu platzieren. Dann müsste man aber die Warmluft nach vorn leiten. Eigentlich kein Problem, ist der 500er doch ohnehin dafür ausgelegt. Dort strömt die warme Luft normalerweise von hinten vom Motor durch den Mitteltunnel zu Ausströmern an der Scheibe und an den Füßen. Wenn man aber sieht, was für ein fettes Gebläse im 500er verbaut ist, und wieviel Luft vorn ankommt, geht da ziemlich viel verloren. Klar: Das meiste strömt am Zylinderkopf ins Freie. Würde man den Kühlluftstrom besser leiten, käme wohl vorn mehr davon an. Dennoch kann sich die Luft auf dem Weg nach vorn stark abkühlen.
Daher würde ich versuchen, die Elektronik weitgehend vorn im Kofferraum zu platzieren. Dort ließe sich die warme Luft auf kurzem Weg entweder, wenn sie gebraucht wird, an Scheibe und Körperteile, oder im Hochsommer eben auch unter das Fahrzeug pusten, damit die Elektronik gekühlt, aber der Insasse nicht gegrillt wird.
Nun kann es allerdings sein, dass man durch die Anordnung der Elektronik vorn und des Antriebs hinten ziemlich viele und lange Kabel verlegen muss. Das kann im Endeffekt mehr Gewicht ausmachen, als z. B. für einen Elektroheizer. Und da wird es dann interessant, z. B. auszurechnen, ob ich besser ein Kilogramm Akku oder ein Kilogramm Heizung mit mir herumfahren kann. Aber das überlasse ich dann lieber fabi mit seiner Diss. Beim Fiat-Umbau, so er denn stattfindet, wird die Anordnung der Komponenten eher nach Pragmatismus als nach theoretischen Berechnungen erfolgen. Es sei denn, das Fahrzeug wird auch noch universitäres Versuchsobjekt, was ich aber eher ausschließen möchte.