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Digitalisiertes Kassettenteil

Montag, 1. Dezember 2008 21:22

Hanimex Cassette PlayerSchon vor Jahrenden habe ich mal auf einem Flohmarkt für 20 Mark (sic!) ein altes Kassettenabspielgerät (ja, damals gab es das Wort <Player> noch nicht) von Hanimex für’s Auto gekauft. Das hatte ich auch mal angeschlossen mit dem Ergebnis, dass es im Prinzip funktionierte, aber ziemlich leierte. Ich habe dann sämtliche Riemen ausgebaut und mir sogar aufgezeichnet, wie das alles zusammengebaut war. Allerdings hatte ich nie den Ehrgeiz, nach Ersatzriemen zu suchen. Denn so prickelnd ist ein Kassettenteil als einziger Musik-Emitter im Auto dann auch nicht. Also lag es rum. Und rum. Und noch länger rum.

Kürzlich bin ich dann in der Oldtimer-Praxis auf einen Lesertipp gestoßen, der einen MP3-Player an ein Kassettenteil angeschlossen hatte. Das war ein Gerät, das mit so einer anderen Kassettensorte funktionierte, nicht mit den allseits bekannten Compact-Kassetten.

Hanimex Cassette PlayerEinen Monat später meldete sich jemand zu diesem Tipp, der sagte, dass der Vorschlag, den Player am Tonkopf anzuschließen nicht so optimal sei. Klang, Pegel und all das würden nicht recht stimmen. Besser sei die „heiße Seite“ des Lautstärkereglers. Außerdem könne es Probleme mit verschiedenen Massepotentialen geben. Damit hatte ich bei anderen Basteleien schon mal Erfahrungen gemacht, die sich im wahrsten Sinne des Wortes eingebrannt haben, nämlich in meinen Fingern.

Derzeit habe ich in meinem Kombi ein altes Becker-Mono-Autoradio. Das kann vor allem eins: Gut aussehen. Denn der Klang ist er solala. Außerdem ist die Beleuchtung kaputt. Da müsste ich also mal reinschauen. In der Zwischenzeit könnte ich natürlich am einfachsten auf die Schnelle irgendein anderes Radio einbauen. Oder, ja oder mein altes Hanimex-Gerät auf MP3-Betrieb umbauen.

Hanimex Cassette PlayerAlso los. Ich habe das Teil erstmal provisorisch an zwei alte Plärrboxen angeschlossen und in den Kassettenschacht so eine Adapterkassette reingesteckt, mit der man im Prinzip das, was ich vorhatte, ganz einfach verwirklich kann. Da hängt ein Kabel heraus, an das man einen MP3-Player anschließen kann. Statt Magnetband hat’s einen Tonkopf, der dem anderen Kopf im Kassettengerät gegenübersteht. Das funktioniert im Prinzip. Aber… Mein Hanimex ist ein, man höre und staune, Autoreverse-Gerät. Ohne drehende Spulen will das Teil dauernd die Richtung wechseln. Da klackert dann ständig so ein elektromagnetischer Schalter. So wird das also nichts. Außerdem dreht sich natürlich noch der Antriebsmotor vom Kassettenteil. Den habe ich mal als erstes abgelötet. Dann habe ich mich um das Autoreverse gekümmert. Die Ansteuerung läuft über Reed-Relais und kleinen Magnetscheiben, die unter den Spulenrädern angebracht sind.  Sobald die Reed-Relais wechselnde Impulse bekommen, bleibt die Autoreverse-Funktion ruhig.

Hanimex Cassette PlayerIch habe dann mal geguckt, wo die diversen Kabel so hinführen. Die gehen zu einer abgesetzten Platine. Der habe ich einfach mal die Stromversorgung geklaut und siehe da, schon war das Autoreverse stillgelegt. Das hatte zugleich noch den Nebeneffekt, dass ich die im Richtungswahlschalter integrierten Kontrolllämpchen nun als „ich-bin-eingeschaltet“-Lämpchen umfunktionieren konnte. Apropos einschalten: Normalerweise wird das Gerät natürlich dadurch eingeschaltet, dass man eine Kassette in den Schacht schiebt. Der Schalter dafür war schnell ausfindig gemacht. Um das Gerät nun auch ohne eine Kassette ein- und ausschalten zu können, habe ich einen kleinen dezenten Schiebeschalter in das Frontpanel des Geräts eingesetzt und diesen Schalter zu dem im Gerät befindlichen parallel geschaltet. Nun konnte ich das alte Hanimex schon mal von außen ein- und ausschalten.

Hanimex Cassette PlayerLangsam musste ich mich aber auch mal um den Anschluss für das Musiksignal kümmern. Der Lautstärkeregler lag direkt vor mir. Zunächst habe ich mal diverse Masseanschlüsse durchgemessen. Anscheinend arbeitet das Hanimex mit nur einem Massepotential. Da konnte ich die Masseleitung vom MP3-Playerausgang erstmal an irgendwo auf Masse halten und mit den Signalkabeln ein bisschen an den Anschlüssen des Lautstärkereglers rumspielen. Nach diversen Rückschlägen, unter anderem, weil ein Klinkenstecker innendrin kaputt war, und diversen Umlötaktionen hatte ich mich für eine Variante entschieden, die mir am sinnvollsten schien. Ich kann die Lautstärke am Gerät regeln. Der Pegel, den der MP3-Player liefert, harmoniert gut mit, was das Gerät anscheinend erwartet. Es übersteuert erst, wenn man den Player wirklich laut aufdreht. Man kann die Balance regeln (was bei meinen diversen Lötungen nicht immer der Fall war).  Nur die Klangregelung will irgendwie nicht. Naja, das ist eh nur ein Höhenkiller, also egal. Allerdings muss ich gestehen, dass ich für meine Basteleinen nicht meinen guten Fuze vom Wirren, sondern meinen ollen iPod-Shuffle, der eh nur dumm rumliegt genommen habe. Aber auch der hat keinen Schaden genommen, trotz zwischenzeitlichem Kurzschluss auf der Ausgangsseite.

Hanimex Cassette PlayerNun baumelt also ein dünnes Kabel aus dem Kassettenschacht mit kleiner Aufrollspule heraus. Am Ende hängt ein 3,5mm-Klinkenstecker, den man nun in einen beliebigen MP3-Player stecken kann. Wenn ich es mir recht überlege, könnte ich auch mein Handy anschließen. Dann sollte ich allerdings erst prüfen, ob die Masse des Kopfhörerausgangs die gleiche ist wie die des Stromanschlusses. Sonst wird’s warm.

Da mein Fuze nicht nur mp3s wiedergeben kann, sondern auch ein integriertes Radio hat (leider ohne RDS) kann ich nun wieder im Auto Radio hören. Naja, und ein iPhone kann man natürlich auch anschließen. Nur es gleichzeitig zu laden, hab ich mich noch nicht getraut. Das kann zu Problemen führen, weil Lautsprecher und Gerätemasse gleich sind.

Inzwischen habe ich das alte Beckerradio durch das Hanimex ersetzt. Nach wie vor fehlen mir die Bässe im Auto, aber dafür müsste ich erstmal unauffällig Platz dafür finden. Das kommt dann später. Bis jetzt bin ich mit dem Ergebnis gut zufrieden.

Schalala.

Thema: cinquecentistisch, Kapla!, Neues aus der Bastelbude | Kommentare (4) | Autor: