Giardiniera Landspeeder

6. Februar 2014 · Will Sagen

Seit einiger Zeit tauchen vornehmlich auf Facebook Fotomontagen des Künstlers Jacob Munkhammar auf. Dieser bearbeitet Fotos alter Citroëns so, dass sie den StarWars-Landspeeder-Look bekommen, also, dass sie quasi so Schwebefahrzeuge sind.

Gerade mit den Citroëns bietet sich das an, weil die alten Dinger keine ausgestellten Kotflügel haben und die Hinterräder ohnehin oft von der Karosserie teilweise verdeckt sind. Deswegen sieht das bei denen auch besonders großartig aus. Ich find’s jedenfalls super und würde mir solche Bilder sofort ins Büro oder Wohnzimmer hängen.

Klar, dass ich das auch mal mit einem meiner Fotos probieren musste. Aber gegen den Meister bin ich natürlich nur ein Photoshop-Dilletant. Trotzdem sieht’s flott und lustig aus!

500speeder

Von Datenschutz und Täterschutz

1. Februar 2014 · Will Sagen

Ich komme gerade vom 52. Verkehrsgerichtstag in Goslar. Dort habe ich am Arbeitskreis VII „Wem gehören die Daten?“ teilgenommen. Ich komme einigermaßen verstört von dort wieder.

Ich fange mal mit einer Plattitüde an: „Ich bin ja auch für Datenschutz, aber …“:

Derzeit fahren Autos ziemlich autonom durch die Gegend, also nicht ohne Fahrer (das kommt erst noch), aber unbeobachtet. Was an Daten in den Fahrzeugsystemen produziert wird, bleibt in aller Regel auch im Fahrzeug, ist ohnehin größtenteils flüchtig. Problematisch wird es in dem Moment, wo das Auto über mehr als eine einseitige Funkverbindung via Autoradio verfügt. So war „eCall“ ein großer Streitpunkt. eCall ist ein Notfallalarmsystem, das bei einer Airbagauslösung aktiv wird. Es wird 2015 für alle Neufahrzeuge eingeführt. Wenn ein Airbag auslöst, geht man erst mal von einem schweren Unfall aus. Sicherlich kein schlechter Ansatz. Das System nimmt dann Kontakt mit einer Notrufzentrale auf, um Rettungswege und -zeiten zu verkürzen. Keine üble Idee. Mit dem Notruf, der erst mal nur eine Sprechverbindung zwischen Auto und Notrufzentrale herstellt, werden aber auch logischerweise die Standortdaten übermittelt, sonst würde das ja alles keinen Sinn machen. Auf dieses Datenpaket können noch andere Informationen, wie z. B. Geschwindigkeiten aufgesattelt werden. Und da treten natürlich nun die Datenschützer auf den Plan, die sagen, der Insasse müsse selbst entscheiden können, was über ihn in die „Cloud“ geblasen wird, Stichwort informationelle Selbstbestimmung, sprich eCall müsse man entweder ausschalten oder überhaupt erst auf Wunsch einschalten können. Ob aber der Fahrer z. B. über die Rettung des Beifahrers entscheiden darf? Schwer zu sagen. Jedenfalls müsse es auch in Zukunft noch möglich sein, im Suff unbeobachtet in den Graben oder von seiner Geliebten nach Hause fahren zu können, selbst wenn man dabei einen Unfall hat, so die beklatschte Meinung einiger Teilnehmer.

Das erste große Problem ist, dass die versammelten Juristen immer nur von „den Daten“ sprechen, ohne auch nur ansatzweise zu differenzieren. So hat es sich dann auch in den Empfehlungen niedergeschlagen. Mobilitätsdaten, Telemedienverbindungsdaten, Fahrdaten, Steuergerätedaten: Egal, Daten sind Daten. Mein Versuch, hier etwas Klarheit zu schaffen, ist leider fehlgeschlagen. Man hat es einfach nicht verstanden oder verstehen wollen (Immerhin weiß die Rechtsabteilung von BMW jetzt, dass mein Z3 eine sicherheitsrelevante Fehlfunktion hatte.)

Gerade in der heutigen Zeit der Geheimdienstaffären ist es schwer, einen objektiven Blick zu bewahren. Es ist ein schwieriger Spagat wie auch bei Überwachungskameras, was an Daten missbraucht werden kann und wieweit der Einzelne davor zu schützen ist, oder ob er eben auch im Sinne des Allgemeinwohls einen Teil seiner Daten preisgeben muss.

Das Auto als Zeuge der Anklage

Eine Anwältin auf dem Podium berichtete über zwei Beispiele: Eine Autofahrerin hatte beim Starten und Anfahren ihres Autos eine andere Person umgefahren, die dadurch zu Tode gekommen war. Sie war verurteilt worden, obwohl sie stets beteuerte, ihr Auto habe von selbst Gas gegeben. Das hatte ihr aber keiner geglaubt. Zwei Jahre später sei dieser Fahrzeugtyp aufgrund solcher Vorkommnisse in die Werkstätten zurückgerufen worden.

Im anderen Fall kam es zu einem Kreuzungsunfall auf einer innerörtlichen rechts-vor-links-Kreuzung. Das von rechts kommende Fahrzeug war laut klassischer Unfallrekonstruktion nicht zu schnell, also eine eindeutige Vorfahrtsverletzung, bei der der Beifahrer im von links kommenden Fahrzeug schwer verletzt wurde. Eine Auswertung der „Daten“ (welcher auch immer) hätte ergeben können, dass das von rechts kommende Fahrzeuge aus 93 km/h abgebremst worden sei. Dadurch ergäbe sich ein erheblicher Mitverschuldensanteil, vielleicht würde sich aufgrund der enormen Übertretung der Höchstgeschwindigkeit das Verschulden auch vollständig umdrehen.

Bremsspuren gab es „dank“ ABS nicht.

Auch so ein Punkt: Während heute einige Daten über einen Unfall im Fahrzeug stecken, an die aber niemand so einfach rankommt und ran darf, kann ich mich nicht erinnern, dass man früher nach einem Unfall als erstes die Bremsspur abdeckte, um den Fahrer davor zu schützen, das möglicherweise seine überhöhte Ausgangsgeschwindigkeit offenbar wurde. Auch Bremsspurlängen sind in meinen Augen Daten, die Informationen über den Unfall bereitstellt. Im Gegensatz zu der Länge der Spur, die man mit einem Messrad ausmessen kann, ist es technisch aber bedeutend schwieriger, einem Auto etwaige Informationen dieser Art zu entlocken, weil das einfach nicht vorgesehen ist. Und an der Stelle bekommen die Vernetzung der Fahrzeuge und die immer komplizierter werdenden Fahrzeugsysteme eine ganz neue Brisanz.

Assistenzsysteme werden immer stärker direkt in das Fahrverhalten Eingriff nehmen können. Dazu wird das Wiener Abkommen über den Straßenverkehr sukzessiv aufgeweicht, um Funktionen wie z. B. „steer by wire“ zuzulassen. Es heißt zwar im Grunde, dass der Fahrer stets die Systeme eines Fahrzeugs übersteuern können muss, also stets Herr des Geschehens sein muss. Wenn aber eines der Systeme nicht richtig funktioniert, muss der Fahrer das erst mal merken und dann etwas dagegen unternehmen. Dann kann es aber schon zu spät sein.

Wenn das Auto nicht das macht, was der Fahrer will.

Das DSC meines BMW (bei anderen Herstellern unter „ESP“ bekannt) fing auf gerader Strecke und konstanter Geschwindigkeit mehrfach von selbst an zu regeln und merkte erst nach vielleicht 5 bis 10 Sekunden, dass es nicht richtig funktionierte und sich dann abschaltete. Das hätte viel früher geschehen müssen! Wären mir diese Vorfälle auf eisglatter Straße passiert, wäre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Schleudern gekommen. Selbst wenn jemand die Steuergeräte ausgelesen hätte, hätte für den betreffenden Zeitpunkt vielleicht einen Fehlereintrag gefunden, der ja auch mit dem Unfall in Verbindung stehen könnte. Was fährt der Depp auch in den Graben? Ist ja klar, dass das System dann irgendwas macht. Dass es aber jenes System selbst war, das dafür sorgte, dass der Wagen von der Straße abkam: Darauf wäre keiner gekommen.

Virus im Auto

Und da lauert nun die nächste Gefahr: Bei der Programmierung ihrer Systeme kocht jeder Hersteller sein eigenes Süppchen, von dem er keinem verrät, wie er es würzt. Insbesondere sind es die Hersteller aber gewöhnt, geschlossene Systeme ohne Einflussmöglichkeit von außen zu kreieren. Nun kommt z. B. Audi daher und will demnächst Android-Systeme in die Fahrzeuge integrieren. Man kann nur hoffen, dass das Auto vor jedem Fahrtantritt dann erst mal einen aktuellen Virenscanner herunterlädt. Denn, es ist ja klar, dass an z. B. Android andockende Infotainmentsysteme eine Verbindung zum Datenbus der Fahrzeuge haben und sei es für die geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeregelung, so dass es mindestens an dieser Stelle ein mögliches Einfallstor für Schadsoftware in Fahrzeugen gibt.

Die anwesenden Hersteller, allen voran Daimler, versuchten, ein Horrorszenario für offene Softwaresysteme in Fahrzeugen aufzubauen: „Wenn wir in den Fahrzeugen eine offene Softwareplattform haben: Möchten Sie denn mit Beta-Versionen und ungeprüften Apps durch die Gegend fahren, die von Leuten programmiert wurden, die davon keine Ahnung haben?“ hieß es von der Seite. Dabei verliert man anscheinend aus den Augen, dass es jetzt schon Leute gibt, die nur nach offenen Einfallstoren in den Fahrzeugen suchen, um sich Zugriff auf Funktionen der Fahrzeuge zu verschaffen. Dafür braucht man keine offene Plattform, vor der der Daimler-Mann so warnte. Dass ein Hacker dafür sorgen könnte, mal das Licht während der Fahrt auszuschalten oder bei „Steer-by-wire“-Systemen in die Lenkung einzugreifen, bedarf keiner großen Phantasie. Und ich bin fest davon überzeugt, dass die Borniertheit der Hersteller, ach so tolle Premiumprodukte auf den Markt zu bringen, sie blind sein lässt gegen Cyberkriminalität. Auch wenn sie tolle Motoren und Fahrwerke bauen können: Bei den Softwarelösungen sieht es im Frontend oft mau aus. Da ist dahinter auch nicht viel zu erwarten.

Dauernde Überwachung versus Zeitfensterspeicherung

Die oben bereits erwähnte Juristin fand es nach meinem Empfinden in Ordnung, dass Autos ihre Daten verheimlichen. Es ist auch Reflex der Strafverteidiger alles dafür zu tun, dass keine Informationen über das Verhalten ihres Mandanten herauskommen. In der Regel geht es bei Verkehrsunfällen, Geschehen, die häufig aus einer Fahrlässigkeit, einem Augenblicksversagen resultieren,  um Geldstrafen. Dass ein Verkehrsstrafverfahren mal mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung endet, ist schon eine absolute Seltenheit. Da geht es maximal um ein paar Tausend Euro Strafe. Um zu verhindern, dass jemand diese Strafe bezahlen muss, nimmt man billigend in Kauf, dass unter Umständen das Unfallopfer im parallelen Zivilverfahren seine Ansprüche nicht durchsetzen kann. Es ist vielleicht durch den Unfall sowieso schon entstellt und behindert, hat dann aber auch noch extreme Schwierigkeiten, den erforderlich Hausumbau oder Hilfsmittel, die den Alltag erträglich machen, von der Versicherung des Unfallopfers finanziert zu kriegen. Und das liegt daran, dass der Gesetzgeber es nicht für erforderlich hält, dafür zu sorgen, dass ein Zeitfenster von ein paar Sekunden vor und nach dem Unfall eingefroren werden: Kinematikdaten und Schaltzustände von Steuergeräten ereignisbezogen (Beschleunigungstrigger, Airbagauslösung etc.) aufzuzeichnen und von Berechtigten auslesen zu lassen, sollte möglich sein, auch vor dem Hintergrund des Datenschutzes. Die Vertreter der Strafverfolgungsbehörden machten klar, dass es ihnen hinsichtlich Verkehrsunfällen nicht um eine Vollüberwachung geht. Und solange einjeder sein Handy im Auto nicht ausschaltet, muss er sich eh nicht sorgen, dass er ein Bewegungsprofil hinterlässt. Darum kümmern sich dann schon andere, wie z. B. Google, Facebook, Apple oder NSA.

 

[arduino] Fahrerlebnissometer

27. Januar 2014 · Will Sagen

013_arduinoBei BMW – so hab ich gehört – gibt’s einen Fahrerlebnisschalter. Mir ist jetzt nicht klar, ob dieser Schalter default-mäßig ein oder ausgeschaltet ist. Also, ob man bei so einem BMW das Fahr-Erlebnis erst ausschalten muss, um unaufgeregt dahinzugleiten, oder ob das Erlebnis mit dem ersten Meter aus der Parklücke schon anfängt. Mein BMW hat auch einen „Fahrerlebnisschalter“. Experten nennen den auch Gaspedal. Egal. Kommen wir zu einem anderen Erlebnis: Messtechnik meets Bastelbude.

Wie ließe sich das Fahrerlebnis besser anzeigen als mit einem Beschleunigungsmessgerät? Grundstein meiner weltweit wahrscheinlich einzigartigen Sammlung von Beschleunigungsmessgeräten war ein Zeigerinstrument, das ich seinerzeit erst in meiner DS und danach in meinem 911er installiert hatte. Ich fand das immer ganz interessant, einen Eindruck davon zu bekommen, wie hoch die wirkenden Beschleunigungen und Verzögerungen sind, gerade auch im Hinblick auf die Zahlen, die man so in Unfallrekonstruktionen anwendet. Später hatte ich sowas, nun für Längs- und Querbeschleunigung, als Digitalinstrument gebaut. Das war allerdings rein optisch eher nicht so schön. Display und „Rechner“ waren auch getrennt in zwei Kästen. Alles irgendwie ungeil.

001_arduino

Schon länger haben es mir diese kleinen Einplatinenrechner angetan, wie z. B. der Arduino. Irgendwo flogen bei mir auch noch ein paar Analog Devices Beschleunigungssensoren rum, und so stand das erste Projekt fest: Ein analoges Beschleunigungsmessgerät. Aber erst mal musste ich mit meinem neuen italienischen Kumpel warm werden, was schnell klappte. Der Arduino grüßt mich freundlich und kennt schon die richtige Antwort.

Schon mal ganz schön super. Als nächstes hab ich meinen alten ADXL202 angekabelt, der mir nach ein paar Programmierfingerübungen auch schon passable Werte lieferte. Vorteil ist ja heutzutage, dass man sich im Netz viele, viele Tipps und Beispiel-Code holen kann. Denn allein das Ansteuern der Anzeige hätte ich allein nie hingekriegt. Was ich aber z. B. nirgendwo fand, ist, dass man nachdem Beschreiben einer Anzeigenzeile diese auch wieder löschen muss. Wenn nämlich ein Zahlenwert nur zweistellig ist und da vorher ein dreistelliger stand, kann man sich ganz schön lange fragen, warum die Anzeige unplausible Werte liefert, wenn man nicht ahnt, dass nur die Stellen überschrieben werden, die tatsächlich aktualisiert werden, und alle anderen ihre Information behalten.

002_arduinoAls nächstes kam das Zeigerinstrument ins Spiel. Das wollte ich eigentlich mit einem Schrittmotor bewerkstelligen, hab dann aber doch erst ausprobiert, ob man über die Pulsweitenmodulation (PWM) auch ein Zeigerinstrument ansteuern kann. Ergebnis: Klappt! Blöd ist, dass die meisten Anzeigen nur einen Zeigerwinkel von 90° liefern. Das war mir zu wenig. Ich wollte mehr! Also hab ich mir einen kleinen Drehzahlmesser besorgt. Warum man sowas für nicht mal 13 Euro inklusive Versand bekommt und einem das auch noch aus England geliefert wird, ist mir unklar. Egal. Kaum angekommen, hatte ich es schon zerlegt und ausgeweidet. Als erstes zeigte sich, dass der Zeiger stark gedämpft ist. Nach weiterem Zerlegen fand ich heraus, dass die Zeigerachse in zähem Fett gelagert ist. Das habe ich entfernt und schon ging der Zeiger so leicht, wie er sollte. Schnell noch den Strom gemessen: Knapp über 40 mA bei Vollausschlag. Das geht gerade noch. Vollausschlag hat man ja nicht so oft.

005_arduino

Dann war das Zeigerinstrument auch schon schnell an einen PWM-Ausgang angeschlossen. Erst dachte ich, dass der Zeiger eine Mittelstellung haben soll und dann nach links und rechts ausschlägt. Ich hab mich dann aber entschlossen, dass, egal in welcher Richtung die Beschleunigung wirkt, der Zeiger immer in die gleiche Richtung ausschlägt. Und da ich ja einen zweiaxialen Beschleunigungssensor hatte, hab ich mir dann noch gedacht, dass man zwischen Längs- und Querbeschleunigung mit einem Tastendruck wechseln kann. Eine LED zeigt dann die gewählte Messachse an.

007_arduino

Den „großen“ Arduino (Uno R3)  hab ich mir im Grunde als Entwicklungsgerät besorgt. In das Rundinstrument wandert dann der Arduino Nano-Derivat , hier unten im Bild. Der kann das gleiche wie der große, ist nur kleiner.
Nachdem die Software soweit lief, musste ich den ganzen Kram nun in das vorgesehene Gehäuse einbauen. Zum Arduino Nano gesellt sich noch die Platine mit dem Beschleunigungssensor und ein Spannungsreglerbaustein. Zwar kann man den Arduino an bis zu 12 Volt hängen, aber im Auto hat man ja schon mal etwas mehr. Außerdem kann ein Kondensator zum Glätten auch nicht schaden.

009_arduinoDiverse Bauteile mussten dafür an andere Stellen umgesetzt werden, damit alles in die kleine Röhre des Messgeräts passt. Die Beleuchtung des Geräts habe ich erst mal wieder eingebaut wie sie war, allerdings wird mir die Glühbirne zu warm. Da werde ich wohl noch LEDs einbauen.

Überhaupt scheint der große Arduino die Werte des Beschleunigungssensors etwas anders als der Nano auszuwerten. Da muss ich die Software noch mal anpassen, damit der Zeiger wirklich anfangs auf Null steht. Vielleicht baue ich auch noch eine automatische Nullstellungsfunktion ein. Mal sehen. Ach, und das Superdupercarbonoptik Zifferblatt muss noch anders beschriftet werden. Wenn ich das ganz neu mache, kann ich auch noch eine andere Skala aufdrucken. Dann muss ich mich nicht mit einem Maximalwert von 7,5 m/s2 zufrieden geben. Work in Progress. Sowas ist ja nie fertig.

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Schwarzweiß, farblos oder doch bunt?

21. Januar 2014 · Will Sagen

Die echte, wahre Fotokunst findet ja in Schwarzweißbildern statt. Das weiß jedes Kind. Willst du Foto-Künstler sein, machst du Schwarzweißbilder.

Ich sehe das ja anders. Zwar versuche ich mich auch manchmal in Schwarzweißfotografie, aber das sind mehr Experimente, wie das so aussieht. Oft erliege ich dann allerdings dem Eindruck: Jau, jetzt isses Kunst!

Tram 21

Das ist natürlich Quatsch. Aber daran sieht man schon, dass ich kein „richtiger“ Künstler bin, sondern allenfalls ein nicht vollkommen dämlicher Hobbyknippser, der aber fast nichts von Fotografie, geschweige denn von Kunst versteht, jedenfalls im Vergleich zu richtigen Künstlern. Denn, um richtiger Künstler zu sein, versteht man es vor allem, damit Umsatz zu generieren. Jedenfalls ist es das, was sich bislang in meinem Kunstverständnis als wichtigstes Kriterium herausgestellt hat: Die formale Qualität (besonders pfiffige Idee, handwerkliche Ausführung) ist im Grunde scheißegal. Du musst etwas möglichst als Erster  machen und es nur schaffen, dass dein Gewerksel in einer Ausstellung hängt, für die die Leute Eintritt zahlen (und in der selbstverständlich fotografieren verboten ist), oder/und du musst es schaffen, nicht nur ein Preisschild an deine Elaborate zu hängen, sondern hin und wieder auch einen gewissen Preis bezahlt zu bekommen. Von wegen, Kunst liegt im Auge des Betrachters. Kunst liegt als klingende Münze in der Kasse. Das ist die Kunst. Punkt.

Nebeneinander

Und das scheint mit Schwarzweißfotos besser zu gehen, als mit Farbe. Dabei ist die Schwarzweißfotografiererei ja eigentlich aus der Not geboren. Es gab schlicht keine Farbfilme. Bei meinen Eltern gibt es noch einen Karton mit Uraltfotos von vor über hundert Jahren, da findet man nachkolorierte Fotos, wo den Kinderchen rote Bäckchen gemalt wurden und so. Dann gab es irgendwann Farbfilme, und sie wurden von einigen großartigen Fotografen, wie zum Beispiel Fred Herzog, mit Bravour eingesetzt. Kodachrome ist eine Vokabel, die die Herzen vieler Bestager höher schlagen lässt.

Herzog

Digitalkameras waren und sind im Grunde alle bunt (bis auf ein paar Ausnahmen, wie billige monochrome Überwachungskameras oder, am anderen Ende der Preisskala, die Leica M Monochrom). Und dann soll ich hingehen, erst bunt durch den Sucher gucken, bunt fotografieren und dann die Farbe rausziehen? Nö. Nicht mit mir! Und wenn man sich dann einige dieser „kunstvollen“ Schwarzweißfotos anschaut, stellt man oft fest, dass vor allem Leutefotografierer die Technik anscheinend nutzen, um Mängel zu kaschieren. Gesichter bestehen plötzlich aus großen weißen Flächen. Einzelne Hautporen sind gar nicht zu erkennen, weil sie in einer gräulichen Melange untergehen. Aber die Bilder sehen gut aus. Weil sie eben nicht die Realität abbilden, sondern nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Wellenlängensortiments, das das sichtbare Ganze eigentlich umfasst. Es gibt aber auch das Gegenteil: Da wird am Kontrast gedreht bis zum Gehtnichtmehr, bis jedes einzelne Gesichtshaar aus Stahldraht zu bestehen scheint und mit Wucht in die Haut gesteckt wurde. Und ich muss gestehen: Das sieht oft ganz toll aus!

gm

Toskana 2013

Aber ich bin überzeugt: Die größere Kunst ist, Farbfotos diesen Touch mit dem gewissen Etwas zu geben. Und damit meine ich keine kitschigen Sonnenuntergänge mit ner halbnackten Tante davor.

Warten

 

Im Moment beschäftige ich mich mal wieder damit, Mikrocontroller zu programmieren, genau gesagt, spiele ich mit einem Arduino rum. Und da habe ich mir Folgendes überlegt: Wenn ich mal in die Verlegenheit kommen sollte, einige meiner Fotos öffentlich auszustellen, würde ich jeweils schwarzweiße und bunte Bilder mit dem gleichen Motiv aufhängen. Dann wird der Fußboden mit druckempfindlichen Platten ausgelegt, und mit meinem Arduino messe ich dann, vor welchem Bild die Menschen länger stehen bleiben. Dann weiß ich zumindest, was bei den Leuten mehr Aufsehen erregt (und kann dann daran arbeiten, dass die Leute zukünftig vor der anderen Variante länger ausharren).

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Besonders schlimm ist, glaube ich, wenn man „Buntfoto“ statt „Farbfotografie“ sagt. :mrgreen:

 

Warum Verbrennungsmotoren am Ende sind.

20. Januar 2014 · Will Sagen

Hier angucken. Lohnt sich.

Z. B. ab 13:40

Vor allem aber ab Minute 18.

Oder Minute 21. Oder 29. Oder 35.

Ach, einfach alles. Am besten von Anfang an.

… und trotzdem werde ich mich auch in Zukunft gern in meine 2- und 6-zylindrigen Fuhrwerke setzen. Aber ein neues mit Verbrenner kaufen? Nö. Glaub nicht. Ich nicht mehr. Und Hybridkrams ist ne Übergangstechnologie für ein paar Jahre. Sollte jedem einleuchten.

via Opa Hans

Seene: 3D-Gewackel

14. Januar 2014 · Will Sagen

Update: Tolle Wurst. Auf meinem Macbook funzt es nur mit Firefox, aber nicht mit Safari oder Chrome.

Ganz lustig:

 

Seene gibt’s im Appstore.

Ob man damit was anfangen kann? Mal sehen. Glaub nicht. 🙂

 

Der steinige Weg von Dropbox zu OwnCloud

11. Januar 2014 · Will Sagen

(Disclosure: Die folgenden Zeilen schreibe ich in erster Linie nicht unbedingt für andere, sondern damit ich mich vor allem selbst daran erinnern kann, was ich wie gemacht habe. Wer eine gute Installationsanleitung erwartet, den muss ich leider enttäuschen. So richtig weiß ich nicht, was ich getrieben habe, weil ich letztlich stundenlang rumgetüftelt habe und schreibe hier ein paar Dinge auf, die mir als besondere Fallstricke in Erinnerung geblieben sind.)

Seit mein Internet-Speichermann AllInkl den Webspace aufgebohrt hat, liegt natürlich die Idee nahe, diesen Speicher als eigene Dropbox zu verwenden.

Nach ein wenig Gugeln und Rumprobieren mit anderen Tools, die entweder gleich abgestürzt sind, oder keinen MacOS-X-Client anboten, bin ich auf OwnCloud gestoßen. Vordergründig schien mir OwnCloud am einfachsten einzurichten zu sein, weil es zunächst so aussah, als wenn das einzige Problem die verwendete PHP-Version wäre. Weit gefehlt!

Wenn man OwnCloud über den Webinstaller installiert, legt das in dem Ordner, den man dafür ausgewählt hat, eine .htaccess-Datei an. Da stehen ja immer allerhand wichtige Dinge drin, wie Browser mit dort in den weiteren Unterverzeichnissen vorhandenen Dateien umgehen sollen (wenn ich das richtig verstanden habe). Jedenfalls muss man in diese .htaccess-Datei ein bisschen Code einfügen, den man sich in den unten angegebenen Links zusammenklauben kann.

Ein dickes Dankeschön übrigens an diejenigen, die vielerlei Wissenswertes ins Netz geschrieben haben! Folgende Links waren am hilfreichsten:

http://www.cy-man.de/?x=entry:entry131222-120247

http://meinnoteblog.wordpress.com/ … owncloud-5-0-8-auf-all-inkl-webspace-mit-ssl-proxy/

http://klein-gedruckt.de/2013/01/owncloud-bei-all-inkl/

Besonders schwierig für mich war das Einrichten der erzwungenen ssl-Verschlüsselung. Mit einigen Veränderungen in der .htcaccess und der lib/base.php (hier: http://www.sendspace.com/file/60lsdc) ging es dann irgendwann. Außerdem mussten die „magic quotes“ ausgeschaltet werden (was auch immer das ist) und die php-Version auf 5.3 gesetzt werden. Ein weiterer wichtiger Schritt war die richtige Einstellung der Dateizugriffsrechte (chmod) und der „Besitzer“ (chown). Das ist alles in obigen Links beschrieben. Man muss sich das nur ein bisschen zusammensuchen. Anscheinend ist es bei einem Update der OwnCloud-Version wohl so, dass die .htaccess-Datei überschrieben wird. Da macht es vielleicht Sinn, die Datei vorher zu sichern, um die Veränderungen nachvollziehen zu können. (Für mich klingt das ein bisschen danach, erst mal mit der vorhanden Version möglichst lange zu arbeiten …)

Zum Anmelden mit dem Webclient habe ich immer die von mir gewählte Subdomain samt Unterverzeichnis gewählt. Das war aber falsch. Nachdem ich im Kasserver-Dings „ja“ bei subdomain–>SSL Proxy aktiv gewählt hatte, konnte ich als Server https://ssl-account.com/MeineSubdomain.MeineHauptdomain/MeinOwncloudVerzeichnis/ angeben. Vorher hatte ich immer nur einen ewig drehenden Kringel beim Anmeldefenster.

Tja. Und jetzt läuft’s, wie es aussieht.

 

Update:

Eine Anleitung zum Aktualisieren von Owncloud findet man hier:

  1. Vor jeder Änderung am bestehenden System sollte unbedingt ein Backup der wichtigsten Verzeichnisse und Dateien gemacht werden. Bei ownCloud ist es das Verzeichnis /config und die Datei /.htaccess. So sich das /data Verzeichnis im root-Verzeichnis befindet, gehört es ebenfalls mit dazu.
    Aufgrund von verschiedenen Datei- und Besitzrechten kann es notwendig sein, diese wieder auf den Standard-FTP-User zu ändern. Bei all-inkl.com geschieht dies für den Nutzer wwwrun im Kundenadministrationssystem (KAS)
  2. Alles bis auf das Verzeichnis /config und die Datei /.htaccess löschen.
  3. Das Update, zum Beispiel die Version 6.0.1 downloaden und entpacken.
  4. Aus dem ausgepackten Archiv Alles bis auf das Verzeichnis /config und die Datei /.htaccess via FTP wieder hochladen.
  5. Das Update ist damit abgeschlossen.

Toi toi toi …

Nachtrag:

Das erste Software-Update scheint geklappt zu haben. Bevor man die Software auf dem Server nach obiger Liste abarbeitet, sollte man noch prüfen, ob die Daten („data“) im gleichen Verzeichnis wie der Rest von Owncloud liegt. Wenn ja, muss man „drumherum“ löschen.

Atomic Swing – Stone Me Into The Groove

7. Januar 2014 · Will Sagen

Manchmal findet man ja so Sachen in diesem Internet. Gerade habe ich eine echte Perle gehoben. Jedenfalls aus meiner Sicht.

Ich mag ja das „Bermuda Dreieck“ auf Radio Eins. Das gibt’s morgens immer, wenn ich mit Duschen fertig bin (so gegen 6:20 Uhr). Dort werden dann in Vergessenheit geratene Songs gespielt. Vor über drei Jahren wünschte ich mir „Stone me into the groove“ von Atomic Swing. Kennt das Stück einer? Ne, oder?

Das schrob ich damals an den besten Radiosender von allen:

Hallo,

es war zu meiner Studentenzeit, also in den 90er Jahren. Der
WG-Fernseher lief noch spät abends und irgendwann wurde ich hellhörig,
als eine mir unbekannte schwedische Band auftauchte. Die Einblendung
verriet den Namen „Atomic Swing“. Im Radio oder Fernsehen habe ich nie
wieder etwas von der Band gehört. Da ich seinerzeit selbst noch
gitarrenlastigen Rock gemacht habe, gefiel mir die Musik nicht nur
sehr gut, sondern auch, dass die Band offenbar ein Faible für
Vintage-Gitarren hat(te): Immerhin hatte der Gitarrist und Sänger eine
Gibson Thunderbird umhängen, die man nicht so oft sieht und hört.
Ich bin am nächsten Morgen (also so gegen 12…) gleich in den
CD-Verleih am „Schwarzen Bär“ in Hannover gegangen und habe
tatsächlich eine CD von der Band gefunden. Besonders gut hat mir auf
der CD der Song „Stone me into the groove“ gefallen.

Die CD habe ich mir vor kurzem „antiquarisch“ gekauft.

Und jetzt finde ich gerade den originalen Fernsehbeitrag von 1993, den ich damals gesehen hab!

Hier noch mal in besserer Tonqualität. (Ist eh alles playback.)

Danke, Internet. 🙂

Weniger Meinung mehr

2. Januar 2014 · Will Sagen

Eigentlich wollte ich ja einen ganz anderen Beitrag schreiben. Was könnte ich alles bloggen. Aber da Blogs ja bekanntermaßen immer schon tot waren und sind, blogge ich halt nicht mehr. Oder sagen wir, kaum noch. Das liegt an einer Episode im vergangenen Jahr, als ich beschloss, einer dieser berühmten Schönwetterblogger zu werden. Gemeckert wird ja schon genug, also wollte ich zukünftig nur noch (überwiegend) Positives bloggen. Tja. Und da einem wie mir das nicht so leicht fällt, ist es eben still geworden. Manchmal ist es mir auch überhaupt nicht gelungen und ich bin wieder in alte Phraserei verfallen. Schönes Wetter gibt es ja auch viel weniger als schlechtes Wetter. Kein Wunder also, wenn es hier selten was Neues gibt. Vielleicht nerve ich dafür mehr mit Kommentaren bei Facebook oder so.

Dabei könnte ich mich herrlich aufregen über schlauquatschende Gutmenschen, die jedes Wort auf die von ihnen höchstpersönlich geeichte Goldwaage legen. Aber da die sowieso alles noch ein bisschen besser wissen als ich – und das will schließlich schon was bedeuten! – halte ich eben die Finger still. Irgendwie habe ich immer weniger Lust, meine Meinung in die Welt zu posauen. Das gilt nicht nur im Netz, sondern zunehmend auch im Real Life. Ich denke mir halt meinen Teil. Noch nicht sehr oft, aber  öfter als früher. Auf Meinung verzichten, scheint mir das Motto für 2014 zu sein.

In diesem Sinne: ________

 

Untierisch

7. Dezember 2013 · Will Sagen

Ich bin ja so ein Ernährungsegalist. Hauptsache, mir schmeckt’s. Ich weiß, dass das schlimm und böse ist und dass ich stellenweise damit auch meine nächste Umgebung zur Verzweiflung bringe. Mit vegetarischer oder gar veganer Ernährung oder Lebensweise – Vegansein ist ja mehr als nur nichts Tierisches zu essen, denn z. B. Leder- und Seidenklamotten sind auch tabu – muss man mir derzeit nicht kommen. Das ist einfach nichts für mich. Jedenfalls im Moment nicht. Ich will gar nicht ausschließen, dass sich das nicht ändern kann, aber im Moment deutet nichts darauf hin. Wobei ich allerdings gut verstehen kann, wenn manche Leute das vor allem aus ethischen Gründen anders sehen. Die Massenproduktion tierischer Produkte ist oftmals eine Ansammlung von Abscheulichkeiten. Ist mir bekannt. Ich kenne die Filme und Bilder von gequälten Kreaturen. Trotzdem bin ich menschliches Arschloch genug, um mich darüber hinwegzusetzen. Dass man in seiner Lebensweise aber auch andere Schwerpunkte als ich setzen kann, finde ich absolut in Ordnung. Und wenn man z. B. bei Bekleidung und Ernährung auf tierische Produkte verzichtet, um damit die Lebewesen zu schützen, ist das aller Ehren wert. Dass man sicherlich auch an anderen Stellen in besserem Einklang mit seiner Umwelt leben kann, ist unbestritten. Man kann sich ja alles mögliche abgewöhnen, was der Erde schadet, z. B. Energie zu verbrauchen. Ist ja auch nicht gut, wenn man sich anschaut, wie die derzeit noch meistens für uns erzeugt wird, sei es Wärme oder Elektrizität oder Mobilität (thermische, elektrische und kinetische Energie). Ich versuche, meistens zu meinen Mitmenschen freundlich zu sein. Ist doch auch was. Außerdem habe ich keine Haustiere, weil ich mal behaupte, dass sich ein wahrer Tierfreund keine Tiere hält. Essen oder anziehen sollte man sie konsequenterweise allerdings auch nicht. Irgendwas ist ja immer.

Nun war ich gestern also zum ersten Mal in einem veganen Restaurant. Eine angenehme Mitmenschin aus Köln, die ich vor meinem Rausschmiss aus der internetten Fiat-500-Welt kennenlernte, weilte wegen einer beruflichen Fortbildung in Berlin. Und sie ist eben Veganerin.

Ich weiß gar nicht, wie man genau sagt: Veganerrestaurant? Vegan-Restaurant? Keine Ahnung. Wie auch immer. Der Laden, Mio Matto in Friedrichshain, war jedenfalls gut besucht. Die Tischreservierung ging vorab über’s Internet. Ist ganz praktisch gemacht und zugleich modern, wobei sich so ein alter Mann wie ich natürlich fragt, ob das auch alles funktioniert und man am Eingang dann stammelt: „Ich hatte einen Tisch für vier reserviert … also, äh, über diese Internetseite. Äh, ne?“ Der freundliche Mann am Empfang, der Chef, wie ich kurz darauf von meiner Bekannten erfuhr, die sich in der Vegan-Szene gut auskennt, nahm mir aber gleich meine Unsicherheit ab und führte mich zum Tisch. Hm. Okay? Da sollte ich also die nächste mindestens zwei Stunden hocken. Die Tische im Gastraum sind auf verschiedenen Höhen angeordnet. Es gibt ein paar normale Tische mit Bänken oder Stühlen, vor allem einen größeren, an dem eine größere Gruppe saß, die offenkundig gute Kontakte zum Inhaber pflegte, ein paar Tische, die mehr so loungig-couchig flach sind und ein paar Tische, die das alles durch übermäßige Höhe wieder ausgleichen, nämlich mehr so Tische wie im Imbiss, wo man ja gern mal mit lehnenlosen Barhockern die Tische bevölkert. Und an so einen Tisch führte mich nun also der Chef. Genauer gesagt waren es 4 Zweiertische, von denen zwei einzeln und zwei zu einer Gruppe – für uns – zusammengestellt waren. Ich zwängte mich völlig egoistisch auf die Bank, die eine etwas klapprige Rückwand hatte, aber man konnte sich immerhin anlehnen. Die Durchschlüpfbreite zum Tisch hat man eher nicht für Leute meines Formats eingerichtet, stellte ich schnell fest. Ich hatte das aber gerade alles geschafft und saß nun mit einer Frau auf der durchgehenden Bank und kippte mit dem ganzen Gerät erst mal leicht nach vorn. Ups. Schon trafen mich ein bisschen wütende Blicke der beiden Frauen vom Nebentisch, die sich gerade über ihre optisch ansprechende Vorspeise hermachen wollten.

Weil die Frau neben mir sowohl ihre Tasche als auch Jacke neben sich auf der Bank zwischen uns aufgetürmt hatte, stopfte ich meine gefütterte Winterjacke samt Handschuhen, Schal und Mütze auch dorthin. Wenige Sekunden später kam der Chef wieder an und fragte mich sehr freundlich, ob er meine Jacke zur Garderobe bringen sollte. Ich wollte noch sagen, er könne ja auch gleich die Jacke meiner Nachbarin mitnehmen, begegnete aber nur mit einem „Gern, vielen Dank“, worauf er mich noch daran erinnerte, keine Wertsachen in der Jacke zu lassen, und schon war ich meine Jacke los. Mit dem Resultat, dass ich nun den Rest des Abends zum Teil auf der Jacke meiner Nachbarin saß. Das störte mich nicht großartig, denn die Holzbank war ansonsten nicht gepolstert und ich wurde schnell auf eine Fehlkonstruktion aufmerksam: Die Fußstützen. Bevor ich die zu weit hinten und zu tief angebrachten Metallstreben ertastet hatte, baumelten meine Füße erst eine ganze Weile unter dem Tisch, während ich mir das Publikum – ich war ja noch allein – mal genauer anschaute. Nach kurzer Zeit ließ meine Konzentration auf die Mitesser aber nach, weil sich die Kante der Bank unangenehm in meine Oberschenkel bohrte, vor allem dort, wo ich nicht auf der Jacke meiner Nachbarin saß, die immer noch keine Anstalten machte, ihre Sachen z. B. auf die andere – freie – Seite zu befördern, oder wenigstens dichter an sich heranzuziehen. Ich traute mich natürlich nicht, die Sachen offensichtlich zu berühren und sparte mir auch eine Bemerkung. Es störte mich ja nicht so richtig, ich fand es nur etwas unhöflich. Ich dachte so bei mir, na, die ist bestimmt nicht aus ethischer Überzeugung Veganerin mit Respekt vor allen anderen Lebewesen, sondern würde eher einen Spielplatz in der Nachbarschaft wegklagen, damit dort ein Heim für jaulende Katzen und kläffende Hunde eröffnen könnte. Auch viele andere Gästen machten auf den Misanthropen in mir mit ihrem Habitus jetzt nicht den Eindruck, auf möglichst harmonisches Zusammenleben mit allen Geschöpfen ausgerichtet zu sein, sondern es waren eben die ganz normalen Mittzwanziger bis -fünfziger, wie man sie überall in Mitte, X-Berg oder Friedrichshain finden kann. So mittel- bis überdurschnittlich erfolgreiche, eher nicht altruistisch wirkende Mittelschichtler, die sich aber selbst bestimmt voll tolerant finden. Vegan ist eben im Mainstream angekommen. Punkt. Manch einer isst eben komische Dinge, nur weil es gerade angesagt ist. Das gilt ja für viele Dinge, nicht nur für vegane Ernährung. Eine ernsthafte Lebenseinstellung steckt nur bei wenigen dahinter, behaupte ich mal (ohne das aber näher zu wissen). Wie man sich ernsthaft Fischeier, Hühnerfüße, Kalbszunge, Rindsleber, Froschschenkel oder Weinbergschnecken und Miesmuscheln, aber auch Spargel und Artischocken oder Fische, die einen noch angucken, in den Hals stopfen kann, werde ich aus Ekelgründen nie verstehen.

Apropos essen. Inzwischen war unserer Essmannschaft auf vier Personen zur geplanten Größe gewachsen, und wir bestellten Getränke. Ich trinke ja gern Bier. Ein Blick in die Karte beruhigte mich: Bier scheint als vegan zu gelten, obwohl, Achtung, Veganer-Bullshit-Bingo: darin Hefe enthalten ist. Haha. Wein gäbe es auch, den hatte ich aber am Vortag genug genossen … Man bestellte sich auch heißen Sanddornsaft. Ob ich mal probieren wolle? Ne, lass ma. Und nahm einen Schluck von meinem leckeren Bürgerbräu Rotkehlchen (Möööp – Vegan-Bullshit-Bingo: Mein Lebensmittel hat Tiernamen!) Die anderen bestellten sich noch eine Vorspeisenplatte. So antipastimäßig eingelegt. Damit kann ich ja nichts anfangen. Überhaupt, kaltes und süßes Essen. Ist ja nicht so meins. Auf den mit der Vorspeise bestellten Hauptgang haben wir dann sage und schreibe ne Stunde gewartet. Ganz schön lange für ein paar Nudeln und ne Pizza. Letztere hatte ich mir bestellt, wobei mir von unserer einzigen richtigen Veganerin am Tisch eher nicht dazu geraten worden wäre. So bekam ich dann also irgendwann meine Quattro Stagioni. Die Pizza sah lecker aus, vielleicht etwas trocken, aber so ne matschige Pizza, aus der das Öl zu allen Seiten rausläuft, finde ich auch nicht so dolle. Geschmacklich wirklich gut. Belegt unter anderem mit Salami- und Schinkenersatzscheiben. Kann man sich ja fragen, ob das nicht generell Unsinn ist. Aber ich wollte eben auch gern mal testen, wie gut das geschmacklich so hinkommt. Kann man machen, is okay, so mein Urteil. Die anderen waren von ihren Speisen auch begeistert, vor allem vom Geschmack. Es war alles sehr gut und einfallsreich gewürzt. Nur hätte es etwas reichhaltiger und wärmer sein können.

Nach ein paar weiteren Bierchen und einer Nachspeiseportion, an der ich nicht beteiligt war, an der man aber vor allem die Pseudo-Sahne lobte, klang der Abend dann aus und ich wurde auch von meiner kantigen Bank erlöst. Was nehme ich außer einem vollen Bauch mit nach Hause? Vegan essen geht, muss für mich aber nicht sein. Vegane Lebensweise ist in jedem Fall konsequenter als vegetarische Ernährung. Wenn ich überhaupt einen Schnitt machen würde, käme vegetarische Ernährung nicht in Frage, weil mir das zu halbgar wäre. Es würden ohnehin vorwiegend ethische Gründe bei mir dazu führen. Vegetarier könnte ich nur sein, wenn ich mich z. B. vor Fleisch ekeln würde oder ich den Geschmack nicht mehr mögen würde. Eine Lebenseinstellung ist das aber sicherlich nicht. Jedenfalls nicht für mich. Immerhin denke ich aber im Moment verstärkt darüber nach, was eigentlich woher kommt, und wer oder was dafür gelitten haben könnte.

Ach ja. Nächste Woche wird abgegrillt.