BI(G)C IBAN-Wahn

22. November 2013 · Will Sagen

Ich ersticke hier gerade in Papier. Jeder, aber auch wirklich JEDER schickt mir Briefe, in denen er mir mitteilt, dass da irgendwas mit der Abbucherei umgestellt wird (mal abgesehen von den Briefen, dass irgendwelche Beiträge angepasst wurden).

Allein das Finanzamt schickt mir für JEDE Einzugsermächtigung ein einzelnes Schreiben. Bei vier zugelassenen Fahrzeugen kommt da was zusammen. Ja sag mal: Kann man das mit einer einzigen Datenbankabfrage nicht kanalisieren, auflisten und in einem einzigen Schreiben mitteilen? Allein für diese Redundanz-Redundanz werden ja schon mehr Bäume gefällt als für den gesamten A100-Ausbau in den nächsten 20 Jahren! Und dann soll ich auch noch prüfen, ob die Angaben stimmen. Hallo? Ist MIR doch egal, ob ihr die Kohle von nem falschen Konto abbucht.

Und jetzt meldet sich auch noch der Vermieter meiner Bastelwerkstatt, dass ich doch bitte daran denken soll, den Dauerauftrag umzustellen. Öhm. So was wie ne Serviceleistung der Bank, dass die mal eben sowas automatisch machen, gibt es auch nicht? Is‘ ja klasse. Die Kohle wandert mal gerade ein paar Kilometer weiter. Aber der europäische Zahlungsverkehr wird einfacher. Dann ist ja gut.

 

10 – Die Traumfragen

10. November 2013 · Will Sagen

Der Probefahrer hat mir ein „Stöckchen“ zugeworfen.

Du hast 1 Jahr um Dich NUR um Dein Blog zu kümmern. Kriegst alles bezahlt und musst Dir ums Geld verdienen keinen Kopf machen. Was machst Du mit Deinem Blog?

Mein Blog mit Werbung vollknallen und zugucken, wie zu dem Geld, das man mir schenkt, noch mehr dazu kommt. Und das, weil ich diese Gutmenschendiskussion hasse, wenn sich ein Blogger wieder angeblich verkauft hat, weil er zum Bestreiten seines Lebensunterhalts irgendwelche Werbelinks oder so in oder neben seinen Beiträgen eingebaut hat, und gleich an den Bloggerpranger gestellt wird. Wobei die empört Aufschreienden wahrscheinlich überwiegend in unbefristet Arbeitsverhältnissen arbeitende Angestellte mit 13 Monatsgehältern sind, die während der von ihrem Arbeitgeber bezahlten Arbeitszeit bloggen, facebooken und twittern, und ganz verstört sind, wenn man fragt, ob sie das eigentlich in Ordnung finden.

 

Was ist der beste Blogbeitrag den Du je gelesen hast? Mit Link bitte 😉

Es gab mal einen anonymen Blogger, der sich Quality nannte. Oder Qualitys Blog. Der konnte schreiben! Großartigst. Der letzte mir bekannte Link, an den ich mich erinnern kann, ist leider tot. Nehmen wir halt eine super Story von Beetlebum-Jojo (auch die folgenden Beiträge lesen). Am besten gefällt mir der neunte Gang.

 

Warum hast Du mit Bloggen angefangen?

Eigentlich brauchte ich nur ne neue Internetseite als Ersatz für meine statische alte Fiat-500-Seite. Mit dem Bloggen habe ich dann begonnen, weil ich das als eine Art Notizblock erkannte, um mir eigene Gedanken merken zu können. Und weil ich dachte, das könnte vielleicht auch andere interessieren.

 

Wir tippern beim Bloggen ja schon eine Masse Text zusammen. Wenn Du ein Buch schreiben _müsstest_ worüber wäre das und wie lautet der Titel?

„Kariertes Hemd und Samenstau – ich studier‘ Maschinenbau: Ingenieure sind auch Menschen“ (Hab ich mir jetzt ausgedacht. Aber der Titel des „Buches“, das ich gerade schreibe, gehört nicht hier her).

 

Wenn Du Musik beim Schreiben hörst: Gib mal 3-5 Hör-Tips

Musik höre ich fast nur in Öffis, beim Autofahren oder im Flugzeug

– Rodgau Monotones – Fluchtpunkt Dudenhofen

– Jazzkantine – Ultrahocherhitzt

– Prince – Nightclubbing

Big as Funk

– Tom Oz and the wet (Gibt eh nur eine vergriffene CD, daher ist der Titel egal)

– US 3 – Hand on the torch

– Jamiroquai – Best of

 

Was liest Du lieber? Hochprofessionelle, nach journalistischen “Standards” recherchierte, objektiv und elaboriert geschriebene Artikel, die pro und contra abwägen oder eher schnelle, emotionale und polarisiernde Artikel, die sich subjektiv mit klarer Meinung zu einem Thema auskotzen und dabei kurz und auf den Punkt sind (was mir mit dieser Frage nur bedingt gelungen ist *g*)?

Kann ich nicht sagen. Kommt drauf an. Technische Berichte oder Tests bitte lieber objektiv, aber unterhaltsam. Menschliches Zeug gern emotional. Wichtig ist: Der Text muss mich in den ersten 3 Zeilen fesseln, sonst lese ich i. d. R. nicht weiter.

 

Wovon kriegst Du im Web schlechte Laune?

– Heuchlerische Gutmenschendiskussionen (s.o.) und absichtliches In-den-falschen-Hals-kriegen-wollen

– Berichte über Zusammenhänge, die mir stinken und die ich nicht beeinflussen kann

– Wenn jemand „das E-Mail“ und „der Blog“ sagt und „sowohl … wie auch“ schreibt.

 

Zu welchem Thema fehlt Dir ein Blog?

Wahrscheinlich fehlt zu gar keinem Thema ein Blog. Nach mir fehlenden hab ich entweder nicht gesucht oder sie nicht gefunden. Aber wenn, dann bitte über Sensorreinigung mit ungewöhnlichen Mitteln oder ein wirklich humorvolles, geistreiches, gut bebildertes Autoblog mit großer Gebrauchtwagenabteilung

 

Worüber könntest/würdest Du nie und nimmer schreiben und warum?

Über private Dinge, die keinen was angehen, weil sie keinen was angehen.

 

Hast Du ein Traumprojekt, über das Du gerne bloggen möchtest (realistischer als das in Frage 1) für das Du Unterstützung brauchst?

Naja. Eher habe ich Traumprojekte, die ich lieber umsetzen würde, als über sie zu bloggen, z. B. eine PPL-A und die Zeit und die Kohle, dann auch regelmäßig fliegen zu können. Außerdem würde ich gern mit etwas Geld verdienen, das anderen Leuten Freude bereitet. Das ist in meinem Job nämlich zu selten der Fall.

 

So. Und wenn ich ein Signal bekomme, dass der Fragende das bis hierher gelesen hat, denke ich mir vielleicht auch 10 Fragen aus. Allerdings werden mir kaum 10 Blogger einfallen, von denen ich realistischerweise eine Reaktion erwarten kann.

Kristallnacht – Pogromnacht – Nazimordnacht

9. November 2013 · Will Sagen

Ich gehöre noch zu der Generation, die den 9. November als Jahrestag der „Kristallnacht“ kennengelernt hat. Ich war 12, als BAP den Song „Kristallnaach“ veröffentlicht hat. Das Wort „Pogrom“ kam in meiner schulischen Ausbildung nicht vor. Auch bei uns zu Hause hieß das „Kristallnacht“. Punkt.

Aus verständlichen Gründen – das Wort „Kristall“ hat ja eher eine positive Attitüde, man verbindet damit etwas Schönes und Wertvolles – ist der Begriff „Kristallnacht“ politisch nicht mehr korrekt. Das ist ok. Dennoch: Auch wenn „Kristall“ in meinem Sprachgebrauch positiv belegt ist, ist es bei „Kristallnacht“ das Gegenteil. Für mich ist es nicht die Verbindung aus zwei Wörtern, sondern ein einziges, das bei mir nur mit Abscheu, Leid und Schrecken verbunden ist. Das Wort „Pogromnacht“ hat bei mir bislang nicht den gleichen Stellenwert eingenommen. Es wirkt so sachlich distanziert. Ich bin dafür wohl nicht gebildet genug. Es löst bei mir kein Erschaudern aus, sondern geht gleichgültiger an mir vorbei als „Kristallnacht“.

Ich habe ein bisschen überlegt, was ein besseres Wort wäre: Judenmordnacht. Trifft es vielleicht ganz gut. Aber damit hat man nicht die vielen Opfern aus anderen Bevölkerungsgruppen des damaligen Deutschen Reichs erfasst. Vielleicht wäre Nazimordnacht gar nicht so schlecht. Gerade letzteres würde im Vergleich mit „Judenmordnacht“ im ersten Teil des Wortes die Opfer durch die Täter ersetzen. Aber funktioniert das Wort nicht trotzdem? Man spricht ja auch in Zusammenhang mit dem NSU/Tschäpe-Prozess von „Nazimorden“.

Mein Eindruck ist, dass man sich nicht trauen würde, in offiziellen Ansprachen ein Wort wie „Nazimordnacht“ zu verwenden. Darin schwingt nicht genügend Schlausprech mit, den man braucht, um die Seriösität zu transportieren, die ernsten Anlässen angemessen ist. Dennoch werde ich in Gedanken „Pogromnacht“ jetzt öfter mit „Nazimordnacht“ übersetzen. Was wäre den Menschen seit den 1930er Jahren bis heute erspart geblieben, wenn der Nationalsozialismus in jener Nacht sein Ende gefunden hätte.

Meine Gedanken sind nun bei allen Opfern rechtsradikaler Übergriffe.

Weihnachtsschaufensterdiashowrätselgewinnspiel

12. Oktober 2013 · Will Sagen

Es muss so Anfang der 1980er Jahre gewesen sein. Ich wohnte damals in einem kleinen Städtchen südlich von Osnabrück. In dem Städtchen gab es einen Optiker- und Fotoladen. Der Optiker veranstaltete in jenem Jahr zur Weihnachtszeit ein Gewinnspiel. Das hatten wir – meine Eltern, Geschwister und ich –  auf adventlichen Abendspaziergängen entdeckt. Ich weiß nicht mehr genau, was man machen musste, aber so ungefähr war das folgendermaßen: Man musste aus einer Reihe von automatisch gezeigten Dias (nix da Powerpoint oder so) diejenigen mit heimischen Motiven notieren oder so.

Das machten wir dann auch. Und zwar ganz allein. Es stellte sich nämlich heraus, dass wir die Einzigen waren, die sich die Zeit genommen hatten, bei Schmuddelwetter vor dem Schaufenster zu verharren und die Diashow über sich ergehen zu lassen. Mit der Info, dass wir ja praktisch die gesamten Gewinne abgeräumt haben mussten – es gab Einkaufsgutscheine mit abgestuften Beträgen – machte ich mich gleich daran, zusammenzustellen, was mir so an Fotokram gefallen könnte (eine Brille trug ich damals noch nicht).

Die Gewinnausgabe verzögerte sich dann aber. Der Grund war, dass sich der Optiker das mit der Teilnahme an dem Gewinnspiel irgendwie anders vorgestellt hatte. Und darum rückte er dann schließlich damit heraus, dass er noch 100 „Leerlose“ mit in die Lostrommel geworfen hatte. Unter den „Preisträgern“ hatten wir mit unseren 5 Losen dann nur noch einen einzigen hinteren Platz auf der Gewinnliste ergattert. Tolle Wurst. Meine Eltern haben dem Optiker dann gesagt, dass er sich das Geld in die Haare schmieren könne das Geld dem Roten Kreuz spenden soll (was ich irgendwie auch doof fand, so als 11 oder 12-jähriger).

Und wie komme ich darauf? Ganz einfach. Neulich auf dem Flohmarkt habe ich für schmales Geld die Kamera ergattert, die ich mir damals als „Hauptgewinn“ ausgesucht hatte. Eine Pentax Auto 110. Eine Spiegelreflexkamera mit Pocketfilmen, die kleinste SLR mit Wechselobjektiven. Ich hatte es eh immer mit kleinen Dingen, darum sprach mich diese Kamera besonders an, die nun in meiner kleinen Fotoraritätensammlung einen gewissen Ehrenplatz eingenommen hat. Bei dem Optiker habe ich, glaube ich, nie mehr etwas gekauft.

Asahi Pentax Auto 110

Wo kann man denn hier flattrn?

11. Oktober 2013 · Will Sagen

Ich bin ja unmodern. Und weil flattrn irgendwie auch unmodern geworden ist oder immer schon war, jedenfalls ist es voll nicht angesagt, mag ich das flattrn. Ich finde das nämlich voll gut:

Ich bestimme einen Betrag, den ich jeden Monat in die Welt kippen will, lade ein bisschen Geld hoch und flattre in der Gegend rum. Spreeblick, Sashs GNiT, der Wirre, Netzpolitik sind so regelmäßige von mir besuchte Blogs, oder auch die TAZ als Zeitungsseite, wo ich den flattr-Knopf kenne und immer wieder mal gern anklicke. Bei meinem Klickverhalten und flattr-Vermögen sind das pro Klick dann zwischen 30 und 50 ct oder so.

Aber eigentlich besuche ich die Blogs ja nicht, sondern lese sie im Feedreader. Um zu Flattrn, muss ich die Blogseite dann besuchen. Das ist ok. Ich habe sogar extra den flattr-Knopf aus meiner Ghostery-Liste herausgenommen. Nur vielleicht übersehe ich wegen des Feedreaders andere Blogs, die zwischenzeitlich auch so unmodern schlau sind, einen flattr-Knopf einzubauen. Für mich wäre es daher schlau, einen kleinen Hinweis „flattr erlaubt“ einzubauen. Manchmal lese ich auch einen guten Beitrag und denke, hey, wo ist hier der flattr-Knopf? ICH WILL DAS JETZT BEFLATTRN!

Achso, und warum ich keinen flattr-Knopf habe? Hatte ich mal. Ich hab auch 3 ct bekommen oder so. Aber ich bin ja keine Kommerzhure. 😉

 

Wer bildet sich hier einseitig ..?

11. Oktober 2013 · Will Sagen

Lesen ist Bildung, heißt es. Man könnte allerdings meinen, dass ich mich sehr einseitig bilde.

Ich glaube, ich muss mal wieder was anderes lesen. 🙂

Kindle

Ein paar Gedanken zum Blitzmarathon

10. Oktober 2013 · Will Sagen

esoDer Kollege Gigold rantet auch gerade so herrlich herum. Abzocke, Wegelagerei, das sind so die typischen Stammtischvokabeln, wenn mal wieder einer geblitzt wurde. Beim nächsten Stammtisch, es ist am vergangenen Tag gerade ein Kind bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, wettert alles über den Raser, dem man am besten an Ort und Stelle den Gasfuß amputieren müsste. Fragt man dann in die Runde, wird man natürlich sofort von allen die Bestätigung erhalten, dass man grundsätzlich vor Schulen und Kindergärten auf die zulässige Geschwindigkeit achten würde und natürlich nur da geblitzt wird, wo der Staat besonders gut abzocken kann. Is‘ klar.

Zunächst bietet es sich an, auf eine Binsenweisheit aufmerksam zu machen, die ganz einfach davor schützt, geblitzt zu werden. Man muss sich nur an die zulässige Höchstgeschwindigkeit halten. Ist das nicht mein Ding, sollte ich mir über die hierzulande geltenden Regeln hinsichtlich Fahrverboten im Klaren sein. Innerorts ist man mit einem Fahrverbot von einem Monat dann dabei, wenn man die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 31 km/h überschritten hat, außerorts sind es sogar 41 km/h.

Wir alle wissen, dass ein Tacho stets etwas mehr anzeigt, als man tatsächlich fährt. Außerdem werden bei Geschwindigkeitsmessungen bis 100 km/h 3 km/h abgezogen, darüber 3 %. Das bedeutet, dass ich auf meinem Tacho knapp 90 km/h ablesen kann, wenn ich Gefahr laufe, beim Zuschnellfahren in der Stadt meinen Führerschein loszuwerden. 50+31+4 (geht der Tacho zuviel) +3 (Toleranz) macht 88. Eine häufige Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen beträgt 120 km/h. Hier ist mein Führerschein weg, wenn der Tacho ungefähr 170 km/h anzeigt.

Im Ordnungswidrigkeitengesetz wird unterschieden zwischen fahrlässiger und vorsätzlicher Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit. Mir muss niemand erzählen, dass er es, auch ohne auf den Tacho zu schauen, nicht unterscheiden kann, ob er in der Stadt 50 oder um 80 bis 90 km/h fährt. Auch einen Unterschied zwischen 120 km/h und jenseits der 160 km/h sollte man als Autofahrer merken. Wenn nicht, sollte man an seiner Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen zweifeln. Und dass unmittelbar nach dem ersten 120er Schild die Blitzkiste steht, ist schon verdammt selten. Problematisch sind kurze Abschnitte, wo 30 km/h gilt und die Schilder schlecht erkennbar aufgehängt sind. Da ist es schon weitaus schneller möglich, in den Bereich des Fahrverbots zu kommen, auch wenn man die ansonsten innerorts zulässige Höchstgeschwindigkeit nur fahrlässig ein bisschen überschreitet.

Häufig wird ins Feld geführt, dass die Geschwindigkeitsmessverfahren ungenau und unzuverlässig seien. Man muss sich vor Augen führen, dass die Anforderungen an die Beweiskraft solcher Messverfahren in Deutschland geradezu groteske Ausmaße angenommen haben. Eher wird ein Verbrecher nach Indizienlage zu Lebenslänglich verurteilt, als dass ein Raser wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung einen Monat lang zu Fuß gehen muss. Es wird eine dermaßen lückenlose Beweiskette gefordert, die ihresgleichen sucht. Zweifellos, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, die für die Zulassung von Messgeräten zuständig ist, ist nicht unfehlbar, auch wenn sie dies nie zugeben würde. Aber bis auf Extremsituationen sind die Geschwindigkeitsmessgeräte wohl mit die Geräte, die am zuverlässigsten funktionieren im Straßenverkehr. Interessantes Ergebnis einer spontanen Umfrage unter Richtern, Staatsanwälten und Amtsanwälten. Die erste Frage: Wer von Ihnen ist bereits in der Vergangenheit geblitzt worden? Fast alle Hände gingen nach oben. Zweite Frage: Und wer von Ihnen fühlte sich zu Unrecht geblitzt? Alle Hände gingen wieder runter. Tatsächlich sind Fehlmessungen eine absolute Rarität. Es gibt sie, aber ihr Anteil ist verschwindend gering. Das bedeutet, dass die meisten Einspruchsverfahren sich um Formalitäten ranken, ob ein Messgerät 5 cm höher oder tiefer aufgestellt war oder die fünfte oder sechste Auflage der Gebrauchsanweisung verwendet wurde.

Zweifellos kann man sich über so manche Beschilderung nur wundern und ihren Sinn ernsthaft infrage stellen. Man kommt auf der Autobahn mit hoher Geschwindigkeit angeflogen, dort ist es ja an einigen Stellen noch erlaubt, plötzlich tauchen Schilder in kurzer Abfolge auf 120, 100, 80 km/h auf, nur weil sich irgendwo am rechten Fahrbahnrand ein Steinchen aus der Oberfläche gelöst hat. An solchen Stellen ist es häufig gar nicht möglich, an den Schildern die zulässige Geschwindigkeit zu erreichen, wenn man nicht einen Unfall provozieren will, da man gerade ein anderes Fahrzeug überholt und auch einen weiteren „Mitraser“ im Nacken hat. Wer aber zum Beispiel mal eine Panne in einer Autobahn-Baustelle hatte oder bei anderer Gelegenheit dort bei den Bauarbeitern stand, wird sich wundern, warum es dort nicht häufiger kracht, wenn die Fahrzeuge auf zwei engen Bahnen vorbeischießen. Auch wenn Geschwindigkeitsmessungen in Baustellen wie Fallen wirken, kann man dann nachvollziehen, warum dort gemessen wird.

Vor vielen Schulen findet man Beschilderungen, dass nur noch 30 km/h gefahren werden darf. Viele werden gerade einmal den Gasfuß ein wenig lupfen, wenn sie dort vorbeifahren. Tatsächlich muss man sich vor Augen halten, dass man aus 30 km/h dort zum Stehen kommt, wo man aus 50 km/h gerade einmal anfängt zu bremsen. Das Problem ist hier die Reaktionszeit oder sogenannte Schrecksekunde. Bei 50 km/h legt man in 1 sec, in der man schlicht und ergreifend nichts machen kann, knapp 14 m zurück, bei 30 km/h nur gut 8 m. Innerhalb der restlichen knapp 6 m kommt man aus 30 km/h locker zum Stehen. Das heißt, dort, wo man aus 30 km/h vor einem Kind zum Stehen gekommen ist, fährt man es mit 50 km/h um. Und zwar mit 50.

Man hört dann oft: „Ja, ich kenn‘ meinen Weg aber so gut, ich weiß, wo ich schneller als erlaubt fahren kann.“ Tja, Hauptsache, die anderen wissen das auch, wenn eben doch plötzlich jemand auf die Straße tritt oder aus einer Nebenstraße kommt, wo sonst noch nie jemand herauskam.

 

Wenn's gekracht hat: "Wem gehören die Daten?"

7. Oktober 2013 · Will Sagen

fragt der Verkehrsgerichtstag 2014, der vom 29.1. bis 31.1.2014 in Goslar stattfinden wird.

Im Arbeitskreis VII sollen die Themen

  • Vernetzte Datenbox Fahrzeug
  • Big Data contra Datenschutz
  • Prävention und Repression

behandelt werden. Schaut man in die Referentenliste, ist fraglich, ob dort jemand dabei ist, der die Sorgen und Nöte der Unfallanalytiker vertritt oder überhaupt erst mal begreift.

Datenschutz ist wichtig. Wichtig ist aber auch, für Rechtssicherheit zu sorgen, bzw. dafür, dass diese Rechtssicherheit den Bürgern überhaupt zuteil werden kann. Es gilt, ein gesundes Gleichgewicht zu finden.

Ich frage mich, was man unter „Daten“ im Bereich „Verkehrsunfälle“ überhaupt zu verstehen hat. Die meisten werden darunter natürlich irgendwelche Informationen verstehen, die über die verschiedenen Datensysteme der Fahrzeuge laufen. Aber gehen wir mal historisch ein paar Jahre zurück bis in die Prä-ABS-Zeit. Da gab es Bremsspuren. Die waren auf der Straße. Für jeden öffentlich sichtbar. Der Polizist nahm sein Messrad und rollerte die Länge aus. So einfach war das. Oder Glühlampen: Anhand bestimmter Beschädigungen ließ sich beurteilen, ob das Licht zum Unfallzeitpunkt eingeschaltet war. Damals ™ hatten wir Driftspuren. Daran konnte man sehen, ob der Fahrer noch bremste oder nicht, je nach Ausprägung der Spuren. Alles Informationen, alles Daten.

Heute sieht das anders aus: Bremsspuren sind praktisch verschwunden. „Dank“ ABS sind sie nur noch mit viel Glück und Erfahrung zu finden. An LED- oder Xenon-Scheinwerfern kann man keinen Schaltzustand erkennen. Driftspuren? Ja vielleicht. Aber hat der Fahrer aktiv etwas getan, oder hat ein Steuergerät irgendwie eingegriffen? Man weiß es nicht. Man weiß es solange nicht, wie man nicht andere Quellen anzapft. Die Spuren sind nun im Auto verborgen, nicht mehr auf der Straße.

Besonders aufwendig sind Nachtsichtuntersuchungen. Dort muss die Unfallszenerie möglichst genau nachgestellt werden, um zu beurteilen, ab welcher Entfernung ein Fußgänger sichtbar war. Farbe der Bekleidung, Witterung, Sonnenstand/Mondstand, Fahrzeug, Scheinwerfersystem, Scheinwerfereinstellung. Alles Parameter, die es zu berücksichtigen galt. Ein Riesenaufwand! Heute kann man sich das beinahe schenken, wenn ein Fahrzeug mit der modernsten Scheinwerfergeneration (Stichwort „Adaptive Scheinwerfer“) am Unfall beteiligt war. Früher hat man das Abblendlicht eingeschaltet und seine Beobachtungen und Messungen gemacht. Heute müsste man wissen, was der Computer meinte, welches Licht zum Unfallzeitpunkt optimal gewesen sein könnte. Da wird mit Blenden, Klappen, LED-Clustern und so weiter der Gegenverkehr ausgeblendet, der Straßenrand ausgeleuchtet, um die Ecke geschielt. Alles Rechner gesteuert, nichts wird protokolliert. Und vor allem: Das Licht lässt sich im Stand nicht manuell so schalten, wie es während der Fahrt automatisch passiert. Das ist einfach nicht vorgesehen. Keine Chance, Leuchtweiten und Lichtfelder nachzuvollziehen.

Oder Assistenzsysteme wie das inzwischen hinlänglich bekannte ESP. Was tun, wenn ein Fahrzeug gegen einen Baum geprallt ist? War es Selbstmord? War es eine Fehlfunktion des Steuergeräts, der Software? Hat der Fahrer noch am Lenkrad gedreht oder auf die Bremse getreten? Keine Ahnung. Es gibt keine offiziellen Schnittstellen mit der Auslesemöglichkeit irgendwelcher Betriebsdaten. Die Hersteller mauern, weil sie nichts preisgeben müssen. Der Gesetzgeber schläft, weil er im Grunde gar nicht weiß, dass sich in seinem Staate Leute tummeln, die Unfälle in Gerichtsverfahren rekonstruieren, was etwas anderes als Unfallforschung ist.

Es geht ja gar nicht um den gläsernen Autofahrer, den viele befürchten. Mich interessiert nicht, wer in dem Fahrzeug saß. Die Person ist mir völlig egal. Mir geht es auch nicht um Bewegungsprofile. Mir würde ein Ringspeicher mit ein ganz paar rudimentären Daten reichen, der fünf Sekunden vor und nach dem Unfall abspeichert und ansonsten alle Daten aus weiterer Vergangenheit wieder vergisst. Dieser Speicher sollte von Berechtigten ausgelesen werden können. Das wäre z. B. die Polizei, die Staatsanwaltschaft und damit eben auch ein von ihr beauftragter Sachverständiger. Nicht Hinz und Kunz. Da läge tatsächlich eine Gefahr, dass diese Daten falsch interpretiert werden von Leuten, die sie nicht sinnvoll in einen Kontext einbinden können, eben eine Unfallrekonstruktion.

Mit diesem Thema habe ich mich hier und hier schon mal in ähnlicher Weise beschäftigt. Da sich nichts geändert hat, werde ich mich mal in Goslar anmelden und schauen, was dort so passiert.

Heute wählen gehen! #btw2013 #gehwählen

22. September 2013 · Will Sagen

Nicht vergessen. Ist wichtig!

Ob Piraten oder Partei: Egal, nur nicht rechts außen.

 

Meine Erststimme wird an einen Listenkandidaten gehen, der sich über jede einzelne Stimme freuen wird.

Die Zweitstimme bekommt die Partei mit dem zweitgrößten Unterhaltungswert.