Beiträge vom Januar, 2026

Nicht astrein, aber bundrein

Dienstag, 27. Januar 2026 13:28

Vor einiger Zeit habe ich mir eine Klappgitarre gekauft, die man als Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen kann. Es ist eine Snap Dragon Mini Traxe. Die Gitarre brauchte ich, um in Kopenhagen ein selbstgeschriebenes Lied bei der Hochzeit von A&J zu begleiten. Die Gitarre war gebraucht, die Kosten im Rahmen. Im letzten Sommer hatte ich die Gitarre auch noch mal mit in der Schweiz am Bodensee. Das ist immer ein großes Hallo! an der Sicherheitskontrolle, wenn man mit einer Tasche ankommt, in der zusammengewickelte Drähte und komische andere Sachen im Röntgenbild zu sehen sind.

Ansonsten steht sie im Büro. Sie ist nicht sehr laut, da kann man auch mal drauf spielen, wenn andere Leute im Büro sind.

Was an der Gitarre von Anfang an nervte, war, dass sie nicht ganz bundrein war. Für die Laien: Im 12. Bund (das sind diese abgetrennten Rechtecke am Hals der Gitarre, die immer enger werden), muss die Gitarre genau eine Oktave höher klingen. Bei E-Gitarren oder auch Bässen hat man i. d. R. Saitenhalter („Brücken“) mit etlichen Einstellmöglichkeiten. Neben der sogenannten Saitenlage (Höhe der Saite über dem Griffbrett) kann man die klingende Länge einstellen und damit die Bundreinheit. Bei Westerngitarren (die Klappgitarre ist im Prinzip eine Westerngitarre, also akustisch mit Stahlsaiten) hat man diese Einstellmöglichkeiten meistens nicht, sondern in der Brücke nur eine Stegeinlage, die nach Erfahrungswerten die klingende Länge der Saite einstellt. Das passte nun hier nicht so richtig. Spätestens als meine Musik-Freundin Kathrin gerechtfertigt die Nase rümpfte, war endgültig Handlungsbedarf. Also beschloss ich, die Plastikbrücke gegen eine E-Gitarrenbrücke auszutauschen. Die war schnell bestellt und geliefert, hatte aber einen Haken, den ich erst nicht gesehen hatte, dazu später.

So sah es nach Demontage der alten Plastikbrücke aus. Verdammt! Darunter ist ein Piezo-Tonabnehmer (der dunkle Stab)! Der liegt auf der Decke der Gitarre, der Druck auf die Sensoren ergibt sich über die Stegeinlage (das helle Kunststoffstäbchen).

Also konnte ich die neue Brücke nicht einfach aufschrauben, sondern musste mir etwas für den Tonabnehmer überlegen. Ich sägte und fräste ein Fenster aus dem Metallteil heraus, das ich mit einem Alublech auffüllte. Dieses Blech sitzt nun zwischen den einzelnen Saitenreitern und dem Tonabnehmer und überträgt so die Schwingungen.

Hier kann man das erkennen und sieht auch gleich den oben erwähten Haken an der Sache:

Die Saiten kann man nicht von hinten (im Bild unten) durch das Metallteil stecken. Die Brücke ist für Gitarren gedacht, bei denen man die Saiten durch den Korpus zieht. Also habe ich zum Probieren die Saiten durch die Schlitze der Saitenreiter gesteckt. Spielbar, aber die Saiten liegen noch mit den umwickelten Ende auf den Reitern. Das geht so nicht. Es darf nur der dünne Teil der Saiten schwingen und klingen.

Also musste die nächste Brücke her, bei der man die Saiten von hinten durchfädeln kann. Die ist nun nicht gegossen, sondern aus viel dünnerem Blech. Hier schon mal vorweg das fertige Ergebnis.

Und wieder musste ich ein Fenster in die Brücke sägen und auch das Aluteil neumachen. Da das Blech der Brücke aber nun so dünn war, musste ich den Tonabnehmer in der Decke verschwinden lassen. Die hat keine tragende Funktion. Es spielt also keine Rolle, ob man da einen Schlitz reinfräst oder nicht.

Ich hatte auch probiert, ob es vielleicht ohne Fenster und Alublech geht: Dann werden aber nicht genug Schwingungen auf den Tonabnehmer übertragen. Deswegen die Fräsung. Ich hab also nicht gleich zur Oberfräse gegriffen, sondern erst mal probiert. Die diversen Löcher (und ein langer Riss in der Decke, der dort von Anfang an drin war) habe ich mit einem Gemisch aus Sägemehl und Sekundenkleber aufgefüllt. Dann ist mir noch eine Schraube abgerissen, die ich herausoperieren musste. Aber jetzt funktioniert alles. Im Übrigen musste ich schon zuvor das Ausgangssignal des Tonabnehmers mit einem Widerstand abschwächen, da die Gitarre am „cleanen“ Verstärker leicht verzerrte. Den Widerstand hatte ich erst wieder ausgelötet, als ich die ungefensterte Brücke probeweise montiert hatte. Da war das Signal aber dennoch zu schwach, mit dem Aluteil, ohne Widerstand aber zu stark. Außerdem hab ich auch irgendwann einen Vorverstärker mit Klangregelung eingebaut. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich den herhabe. Vorher konnte man nur laut und leise drehen. Jetzt kann man auch Bässe und Höhen getrennt regeln. Alles in allem eine gut spielbare und ok klingende Reisegitarre ist es nun geworden. Nur, dass ich ja praktisch nicht mehr reise. Aber irgendwas ist ja immer.

 

 

 

 

Thema: Elektrisiert, Klingt gut!, Neues aus der Bastelbude | Kommentare (0) | Autor:

Schalt‘ dein Radio ein!

Mittwoch, 7. Januar 2026 19:52

Gern. Aber wie?

In der alten, analogen Welt hatten die meisten Geräte Schalter, mit denen man sie ein- und ausschalten konnte. Das sind kleine, feinmechanische Bauteile, die richtige, den kompletten Strom führende Kontakte miteinander verbinden. Das heißt: Wenn der Schalter auf “ein” steht, muss man nur Strom anlegen, und es war sofort an. Man kann solche Geräte also ganz einfach mit Schaltuhren oder Bewegungsmeldern einschalten. Das geht heute kaum noch. Das reine Anlegen der Betriebsspannung bewirkt nichts, weil es keinen mechanischen Schalter gibt, der den Kontakt aufrecht erhält, auch wenn keine Spannung mehr anliegt.

Wenn Geräte mit überwiegend digitalem Innenleben heute so tun, als ob man sie über einen Schalter ein- und ausschalten kann, ist das oft geflunkert, weil da – soweit ich das verstanden habe – eigentlich nur ein Taster einem Transistor sagt, dass er jetzt mal durchschalten soll und so die Spannung an die Stromkreise legt. Es muss also überhaupt eine Spannung anliegen, damit der Schalter seinen Schaltzustand kennt. (In dem Zusammenhang: Es gibt auch kaum noch Potentiometer, gar mit Anschlag links und rechts, sondern häufig nur noch Drehsteller, die Impulse an die Elektronik geben: Mach mal lauter, heller, leiser, dunkler: Was auch immer.)

Jetzt habe ich aber einen Anwendungsfall, bei dem ein Radio angehen soll, wenn man am Versorgungskabel Strom anlegt, z. B. weil die Steckdose über eine Lichtschalter betätigt wird oder so.

Die Lösung ist so hässlich wie unelegant: Oben auf das Radio habe ich ein sog. Servo aus dem RC-Modellbau geklebt. Das ist ein kleiner Stellmotor. Angesteuert wird das Servo von einem Arduino (neben dem Servo), der beim Anlegen der Versorgungsspannung das Servo einmal hin- und herdreht und dann in einer nicht endenden while-Schleife “festhängt”. An dem Ärmchen des Servos ist eine Stange angebracht, die den runden Knopf drückt und wieder loslässt, der das Radio einschaltet. Man braucht dann “nur noch” ein Netzteil mit zwei USB-Anschlüssen: Einen für das Radio und einen für den Arduino (oder eine Doppelsteckdose und zwei Netzteile).

Eigentlich wollte ich das so machen, dass der Arduino sich selbst seine Stromversorgung nach dem Servodrehen komplett abschaltet. Das ist auch hinzukriegen. Aber dass die Stromversorgung nach dem Aussschalten und beim nächsten Wiedereinschalten auch wieder hergestellt wird, habe ich noch nicht nicht geschafft. Der Stromverbrauch des Arduino hält sich allerdings auch sehr in Grenzen. Von daher besteht erst mal kein weiterer Handlungsbedarf.

 

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