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[Fusselflieger] Copter mit Selfie-Stick

Sonntag, 16. September 2018 18:55

Ich weiß nicht mehr, wo ich die Idee herhabe, ich glaube, aus einer Facebook-Gruppe. Jedenfalls fand ich die Perspektive ganz lustig und wollte sowas auch bauen: Einen Selfie-Stick für meinen Copter.

Um die „hübsche“ Haube zu halten, gucken oben aus meinem Copter vier Verschraubungen heraus. Ideal, um dort etwas zu montieren. Ich nahm ein paar Teile eines alten Lenkdrachens, genau gesagt eine dünne Kohlefaserstange, eine dickere sowie einen 90°-Verbinder und montierte das Ganze auf einem kleinen Elektromotor aus dem Schubladenantrieb eines alten CD-Rom-Laufwerks. Der Motor hat keine elektrische Funktion. Er dient hier lediglich einer leichtgängigen drehbaren Lagerung. Das alles habe ich dann noch auf ein Brettchen geklebt, zwei Löcher rein gebohrt und alles mit Glasfasermatte und Sekundenkleber verstärkt.

Am einen Ende der dickeren Kohlefaserstange hängt die Kamera, am anderen Ende ein Gegengewicht. Ich war mir nicht sicher, ob das eher eine Absturzhilfe wird, oder die beabsichtigte Kamerahalterung. Es stellt sich heraus, dass sich der Copter von dem Aufbau nicht großartig beeindrucken lässt.

So sieht das am Boden aus:

 

Heute war der Erstflug dieses hübschen Werks. Dieses Video ist dabei herausgekommen:

Ganz lustig, oder?

Thema: Neues aus der Bastelbude | Kommentare (0) | Autor:

Das Ende von „La Cucina“

Freitag, 24. August 2018 8:44

Mein kleiner Italiener hat dicht gemacht. Unzählige Male waren wir dort unten an der Schönhauser Allee kurz vor der Torstraße mittags vom Büro aus zum Essen. Eine Portion Pasta und einen kleinen Salat gab es meistens. Pasta mal mit Gemüse, mal mit Rind-, Schwein- oder Überraschungsfleisch. War immer lecker und das Personal sehr freundlich. Am Ende gab es stets einen hervorragenden Espresso „auf’s Haus“.

Da ist man mal kurz im Urlaub und schon schließt der Laden – wegen Sanierung. Es war auch ziemlich usselig drinnen, und das gesamte Inventar hätte mal eine Auffrischung gebraucht. Da aber lange Zeit unklar war, wann denn die Sanierung nach einem Verkauf des Hauses losgehen soll, hat der Betreiber gescheut, noch Geld zu investieren, wie er mir mal sagte. Wahrscheinlich wird die Miete nun so weit angehoben, dass er dort auch keine Pizzeria wieder eröffnen wird. Zwischenzeitlich hat er nämlich in Schwanebeck was Neues aufgebaut, wenn ich mich nicht irre, das „Buona Fortuna„*. Ich wünsche gute Umsätze und nette Gäste!**

Seit ein paar Tagen ziert ein großes Mural die Fassade. Das entschädigt wenigstens ein bisschen. Aber nur ein ganz bisschen. „La Cucina“ war unten rechts im Haus, links neben „BurgerVision“.

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*Nein, ich weiß nicht, warum das hintere Anführungszeichen auch unten ist. In der Voransicht sind beide oben.

** Es könnte auch das Don Giovanni sein. 

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (0) | Autor:

Es werde Tretboot!

Samstag, 11. August 2018 13:48

Der Plan, ein Tretboot zu bauen, dümpelte knapp ein Jahr so vor sich hin. Ziemlich rasch hatte ich mir aufblasbare Schwimmer besorgt, sogar welche, die extra für ein Tretboot („Seabike“) gedacht sind. Auch der Plan, wie ich darauf eine Plattform für zwei Sitze befestigen könnte, nahm schnell Formen an. Nur der Antrieb machte mir nach wie vor Sorgen. Ich hatte mir zwar schon Teile von drei Fahrrädern besorgt, die Crashversuchen unserer Firma „zum Opfer gefallen“ waren. Für das geplante Hybrid-Tretboot brauche ich vor allem einen Generator. Die Wahl fiel auf einen kleinen Windgenerator, der aber so seine 1000 bis 1500 1/min braucht, um halbwegs akzeptable Leistung abzugeben. So schnell trampelt kein Schwein. Ich sah mich also nach einigermaßen passenden Getrieben um, und irgendwann lag auch ein Planetengetriebe vor mir mit einer  Übersetzung von 23:1, was theoretisch ganz gut hinkommen müsste.

Jedenfalls drehte ich passende Adapter und besorgte mich noch die richtigen Ritzel, um das alles in die Gänge zu bekommen. Aber beim Versuch, das ganze Werk von Hand durchzudrehen, lag der Verdacht nahe, eher eine Energievernichtungsmaschine als ein Tretboot zu bauen.

Also legte ich das ganze Zeug erst mal in die Ecke. Dennoch guckte es mich dauernd an. Der Urlaub rückte näher und damit auch der Wunsch, Tretboot zu fahren. Gut zwei Wochen, bevor es nach Krakow am See gehen sollte, hielt ich es nicht mehr aus. Ich griff mir also die Fahrradteile und fing an, mit Flex und Schweißgerät etwas zusammenzubauen, was das Boot irgendwie antreiben könnte. Aber wie groß muss die Übersetzung sein? Welchen Tiefgang hat das Boot? Wie groß muss der Abstand zwischen Sitz und Tretkurbel sein? Fragen über Fragen. Sicherlich kann man das alles irgendwie planen, konstruieren und zeichnen. Dazu hatte ich aber keine Lust. Also fing ich – wie immer – einfach an zu bauen.

Praktisch alle herkömmlichen Tretboote funktionieren mit Schaufelrädern. Der naheliegendste Grund neben der Robustheit ist, dass man die Ausrichtung der Welle nicht ändern muss. Tretwelle und Schaufelradwelle liegen quer zum Boot, meistens ist es ja sogar eine einzige Welle. Aber die Schaufelradantriebe haben einen schlechten Wirkungsgrad. Darum wollte ich auf jeden Fall einen Schraubenantrieb. Verschiedene Schrauben hatte ich auch schon liegen, aber die beste bekam ich erst vor kurzem von meinem Arbeitskollegen geschenkt, zusammen mit einem defekten Torqeedo-Elektro-Außenborder, den ich ihm schon mal repariert hatte. Nunmehr sah der Fall allerdings hoffnungslos aus.

Der Plan war jetzt ein zweistufiges Getriebe. Die erste Stufe sollte ein Winkeltrieb sein mit sich unter 90° kreuzenden Wellen, die zweite Stufe ein Kettenantrieb: oben großes, unten auf der Schraubenwelle ein kleines Ritzel.

Ich nahm also das Tretlagerteil eines Fahrradrahmens mit dem großen Ritzel und ordnete dazu ein auf einer Fahrradnabe sitzendes kleines Ritzel an. Ein paar Schweißpunkte, fest.

Auf das Ende der Welle hab ich eine alte Tretlagerwelle geschweißt (zur Zentrierung erst hohlgebohrt). Damit hatte ich am an anderen Ende gleich den nötigen Vierkant, um ein großes Fahrradritzel anzubringen, von dem ich die Tretkurbel abgeflext hab.

Weiter unten sitzt eine zweite Fahrradnabe mit einem kleinen Ritzel und am anderen Ende die Schraube. Damit laufen die Kette und das untere Ritzel zwar im Wasser, für einen Prototypbetrieb sollte das aber auf jeden Fall gehen.

 

Damit sich die Schraube nicht löst, habe ich die Welle quer durchbohrt und einen Sicherungsstift eingesetzt, der in eine entsprechenden Nut in die Schraube greift.

An anderen Stellen war es schwieriger mit Verdrehsicherungen, so dass ich z. B. das kleine Ritzel an dem Winkeltrieb angeschweißt habe.

Bei ersten Sitzproben meinte ich, dass die Fahrradtretkurbeln zu lang sind. Wenn man auf einem Fahrrad sitzt, tritt man ja quasi von oben nach unten, auf dem Tretboot aber mehr nach vorn. Man ist in den Hüften also schon stärker eingeknickt. Damit ist der Bewegungsraum eingeschränkt. Da ich natürlich nicht die passenden Gewindebohrer für die Pedale habe (Rechts- und Linksgewinde), habe ich kurzerhand neue Löcher in die Pedalarme gebohrt, die Pedalarme gekürzt, die Gewinde an den Pedalen abgeschliffen und die Pedalen angeschweißt.

Um die Tretmühle am Tretboot anzubringen, hab ich noch einen Ausleger mit einem Winkelstahl angeschweißt. Der Winkelstahl sitzt dann quer vorn am Boot.

Das Tretboot selbst besteht aus den beiden aufblasbaren Schwimmern und vor allem drei kurzen Alu-Leitern (6 Sprossen), die ich mir über ebay bestellt habe. Diese liegen hintereinander quer auf dem Boot und sind mit drei Gewindestangen verbunden, die ich durch die Sprossen gesteckt habe. Die Leiten habe ich noch mit an den Seiten umgekantetem Aluriffelblech belegt. Man will ja nicht zwischen den Sprossen durchrutschen.

An zwei vorderen Enden der drei Gewindestangen wird die Tretmühle befestigt, hinten ein Winkelprofil, an dem ich erst mal ein Kanupaddel als Ruder befestigt habe. Lenken will ich ja schließlich auch.

An den Schwimmern gibt es mehrere Ösen, durch die ich 18 mm dicke Alurohre gesteckt habe (2 mm Wandstärke). Da liegen die Leitern auf und sind mit Spanngurten fixiert. Das geht ganz gut und hält (zumindest bislang). Nachdem sich die Schwimmer in der extremen Hitze aber ziemlich gedehnt haben, ist es wohl doch besser, die Rohre noch etwas zu verlängern und ggf. auch noch vorn und hinten kurze Querverbindungen durch die restlichen Ösen zu stecken, weil die Schwimmer sonst unmittelbar hinter den Enden der Rohre Knickfalten bilden können. Mal sehen.

Als Sitze fungieren leichte, zusammensteckbare Campingsitze. Auch die werden mit Spanngurten in Position gehalten.

Dass die Tretmühle außermittig sitzt, ergibt allenfangs beim Losfahren eine kleine Tendenz zur Drehung um die Hochachse. Sobald man etwas Druck auf dem Ruder hat, ist das Manövrieren aber gar kein Problem mehr und man muss praktisch nicht gegenhalten.

Zunächst hatte ich die größtmögliche Übersetzung gewählt. Das sind 2 Stufen á 42:11 Zähne. Macht zusammen (42/11)*(42/11) eine Gesamtübersetzung von 14,6:1 . Es zeigte sich dann aber, dass das Treten zu schwer ging. Außerdem hatte ich schon bei den ersten Fahrten Probleme mit einem übersetzenden Zahnrad an der ersten Getriebestufe, dem Winkeltrieb.

Der besteht ja aus normalen Fahrradritzeln, die nun mal für über sie laufende Ketten gedacht sind, aber nicht zum Direkteingriff der Zähne. Außerdem bestand das große Ritzel – was ich nicht wusste – aus Aluminium und wurde schneller zerspant, als ich gucken konnte. Also musste ich noch im Urlaub für Ersatz sorgen, aber das ist eine andere Geschichte.

An der vorderen Kette hatte ich 3 Zahnkränze zur Auswahl. Ich baute zunächst auf den nächst kleineren um, wofür ich die Kette kürzen musste.

Das nächst kleinere Zahnrad hat 34 Zähne. Damit ergibt sich dann eine Gesamtübersetzung von (42/11)*(34/11) = 11,8:1. Ich hätte auch noch gern den kleinsten Zahnkranz ausprobiert, hatte die Kette auch schon wieder aufgetrennt, aber es zeigte sich, dass die Kette entweder zu lang war (sprang ab), oder zu kurz, so dass ich sie nicht zusammen bekam. Schließlich kann man minimal zwei Glieder herausnehmen. Eines hätte genau gepasst, ging aber nicht. Und da ich keinen Kettenspanner verbaut oder eine Möglichkeit hatte, die Kette zu spannen, musste ich diesen Versuch also abbrechen und die Kette in der alten Länge wieder zusammennieten. Wenn ich nochmal eine Tretantriebvariante baue und die gleiche Schraube verwenden kann, würde ich wohl eine Übersetzung zwischen 10:1 und 11:1 anstreben. Dann aber mit richtigen Zahnrädern!

Die Probefahrten verliefen nun recht erfolgreich. An der Ausrichtung der Plattform auf den Schwimmern muss ich noch etwas arbeiten. Das dürfte alles gern noch ein Stückchen weiter nach vorn für eine bessere Schwerpunktlage. Außerdem müsste die Schraube so 5 bis 10 cm tiefer ins Wasser ragen, wobei das auch wieder von der Schwerpunktlage abhängt. Und so konnten die ersten Fahrten unter der gleißenden Sonne Mecklenburgs unternommen werden. Während der Antrieb leise ratterte, dachte ich schon über ein Sonnendach nach …

Aber eigentlich sollte das Boot ja einen Hybridantrieb bekommen, also eine elektrisch betriebene Schraube, für die die Energie einerseits „ertreten“ und andererseits durch Sonnenenergie erzeugt werden sollte. Für den Antrieb hatte ich mir  von Amazon den kleinsten Außenborder besorgt, den ich kriegen konnte. Der hat auch nicht etwa eine stufenlose Drehzahlregelung, sondern nur halbe Fahrt und volle Fahrt. Naja, und die Drehrichtung kann man auch schalten. Immerhinque!

Nachdem die Trettestfahrten soweit abgeschlossen waren, hab ich dann provisorisch diesen Motor angebracht.

Wenn man sich den kleinen Propeller so ansieht, kann man sich nicht vorstellen, dass das damit funktioniert. Leider wirkt die Schraube auch ziemlich zerbrechlich. Die eine Ersatzschraube, die dem Motor beilag, ist wenigstens ein bisschen beruhigend. Mal sehen, ob ich da was 3D-drucken kann.

Als Spannungsquelle kamen zwei parallel geschaltete Modellflugzeug-Akkus zum Einsatz. Die haben rund 12 V. Damit kann man locker ne halbe Stunde fahren, ohne sie zu leer zu nuckeln. Und man ist durchaus flott unterwegs!

Wenn ich das richtig ausgerechnet hab, lag die Leistungsaufnahme des Antriebs bei meinen Testfahrten bei rund 120 Watt. Die muss man erst mal auf Dauer trampeln! (Zumal ja mein Planetengetriebe unter Umständen nicht unerheblich zu einem schlechten Wirkungsgrad beträgt. Ach je…)

Die Elektrotestfahrten hab ich nur einsitzig durchgeführt. Mit zwei Personen braucht man dann auch nicht unbedingt weniger Leistung. Alles schreit also danach, zum Tretantrieb noch ein Solarpanel zu verbauen. Das könnte auch gleich schönen Schatten spenden.

Zerlegt ist das Boot recht kompakt und lässt sich ganz gut im Auto verstauen.

Und wer mir in den Kommentaren sagt, welches Teil auf diesen Fotos fehlt, gewinnt eine Freifahrt!

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Thema: Neues aus der Bastelbude | Kommentare (2) | Autor:

Rupert’s Kitchen Orchestra macht ernst und sich unbeliebt.

Donnerstag, 2. August 2018 17:07

Vor vielen Jahren entdeckte ich zufällig die Band „Rupert’s Kitchen Orchestra“. Ich mochte die Musik, die Texte waren lustig und hintersinnig, die Musiker erkennbar beseelt von dem, was sie tun. Ich hab viele gute Worte über die Band verloren, sie Bekannten und Freunden empfohlen, bin zu Konzerten gegangen und habe CDs gekauft. Es ging sogar so weit, dass mein Kumpel Bonus und ich nach einer Aufforderung von Rupet’s Kitchen Orchestra auf Facebook (der Link geht nicht mehr, weil der Beitrag gelöscht wurde), den Song „Wir retten Berlin“ nicht nur gecovert haben, sondern auch ein kleines Video dazu gedreht haben, das man sich bei Youtube ansehen konnte. Gerade mal 176 Leute haben das in den vergangenen knapp viereinhalb Jahren getan. Was für ein Erfolg!

Vor drei Wochen bekam ich plötzlich eine Nachricht über einen Kommentar von Youtube-User „rupertskitchen“ unter meinem Video:

Hey Willsagen, bitte nimm das Video inzwischen mal raus oder mache viel deutlicher, daß Du coverst. Danke!

Weil ich nicht so richtig wusste, was nun genau das Problem ist, antwortete ich:

„Text + Musik: Rupert’s Kitchen Orchestra“ Wie deutlich soll es denn sein? Ich sag mal so: IHR habt damals dazu AUFGERUFEN, das zu covern. Und ich hab gleich in der ersten Zeile den Urheber vermerkt. Was ist daran falsch?

Rupert’s Kitchen Orchestra:

Nenne doch einfach Deinen Künstlernamen im Titel.

Das hab ich dann ehrlich gesagt nicht so recht verstanden. Schließlich habe ich keinen „Künsternamen“, und das Video ist eindeutig nicht im YouTube-Kanal von Rupert’s Kitchen Orchestra aufgeführt.

Daher:

Meinen? Ich hab jetzt mal euern Bandnamen dazugeschrieben.

So sah das dann als Screenshot aus:

Gestern dann:

Willsagen, bitte lösche den Song umgehend, die Aktion von damals ist vorbei. Vermeide unangenehme Konsequenzen. Danke.

Da habe ich mich ja dann doch gefragt, welche Synapsen da wohl gerade klemmen. Es ist eine Coverversion, die nach Aufforderung der Band aufgenommen wurde, also erwünscht und legitimiert war. In den Kommentaren des damaligen Facebook-Beitrags fand die auch durchaus Anklang und es wurde insbesondere keine Unterlassung ausgesprochen. Hier sagt die Band ein bisschen was über ihr neuerliches Vorgehen, wenn auch sprachlich ziemlich ungeschickt. Offensichtlich hadert man mit der früheren Freerider-Attitüde einerseits und andererseits mit der Erkenntnis, dass man Einnahmen braucht, um den Spaß zu finanzieren. Und ungefragte Mitschnitte sind ja das eine. Da habe ich grundsätzlich durchaus ein gewisses Verständnis dafür, dass man die Kontrolle über das eigene Material behalten will. Bei Coverversionen sieht die rechtliche Lage aber doch etwas anders aus, vor allem unter den beschriebenen Voraussetzungen.

Ich will mal so sagen: Die mir angedrohten unangenehmen Konsequenzen könnten für die Band einige Gerichts- und Anwaltsgebühren sein, wenn ich es auf die Spitze treiben würde. Das tue ich natürlich nicht. Stattdessen habe ich das Video auf „privat“ gesetzt, auch wenn ich das bestimmt nicht müsste. Der Klügere gibt nach. So wichtig ist mir das dann ja doch nicht.

Aber beliebt macht man sich die Band „Rupert’s Kitchen Orchestra“ durch so ein Vorgehen ganz bestimmt nicht. In Zukunft werde ich also nicht nur einen großen Bogen um die „beste Berliner Funkband der Welt“ machen, sondern es wäre wohl am besten, auch alle zu warnen, die sich mit der Kapelle in irgendeiner Form geschäftlich einlassen. Verlässlichkeit sieht ja doch etwas anders aus.

Das Nachtreten übernimmt schon mal der Schlagzeuger:

Wer hier wohl der Kloppi ist?

Update:

Zwischenzeitlich hat sich der Schlagzeuger bei mir über Facebook gemeldet, nachdem ich an seinem albernen Kommentar ein „Haha“ hinterlassen hatte. Er hat jetzt damit rausgerückt, dass es um die GEMA geht. Das bedeutet für die Band einen ziemlichen Paradigmenwechsel, hat man doch früher gern mal auf dieses „System“ geschimpft und wollte keinesfalls Teil davon sein. Im Netz ist davon natürlich nicht mehr viel zu finden. Offensichtlich hat man mit vermehrtem Airplay gemerkt, dass es eben doch nicht so clever ist, sich Einnahmen durch die Lappen gehen zu lassen und nur den verhassten Touris im Mauerpark die Kohle (steuerfrei ..?) aus der Tasche zu ziehen. Der Song „Wir retten Berlin“ ist bei der GEMA also sehr wahrscheinlich deutlich später angemeldet worden, als die Aufforderung der Band auf Facebook, das Stück zu covern. Mit einer nachträgliche GEMA-Anmeldung lassen sich vorher zugeteilte Verwertungsrechte allerdings schlechterdings rückgängig machen. Andreas R. Raab klärt mich dann auch auf, dass es keine Coverversion, sondern eine Bearbeitung sei (gähn). Und dass er mich ja nur davor bewahren will, dass mir die (vormals böse) GEMA bald eine Rechnung auf den Tisch legt. Ach, und ich soll doch seinen Kommentar im obigen Screenshot nicht auf mich beziehen. Ist klar, bei der zeitlichen Koinzidenz. Und überhaupt wäre es doch wohl einzusehen, seinen unbegründeten Aufforderungen ohne Diskussion Folge zu leisten. Wer glaubt der eigentlich, wer er ist?

Immerhin habe ich nach dem YouTube-Kommentar nun auch mit der Facebook-Nachricht von Andreas R. Raab sozusagen schriftlich, dass es damals eine von der Band ausgelobte Aktion gab, den Song „Wir retten Berlin“ zu covern. Damit hat man seinerzeit klar eine Bearbeitungsgenehmigung erteilt, die man m. E. eben nicht mal eben so rückgängig machen kann, wie es einem gerade passt, auch wenn man den Facebook-Beitrag dazu gelöscht hat. Aber wie gesagt: Ich habe mich ja auf alles eingelassen, was man von mir wollte. Fragt man dann nach einer Begründung, darf man sich von diesem Experten beschimpfen lassen. Für eine kleine Entschuldigung ist man dann aber zu stolz. Das Beste ist noch, dass der Schlagzeuger von Rupert’s Kitchen Orchestra, Andreas R. Raab, mich erst von sich aus anschreibt und mich dann auch noch bittet, ihn in Ruhe zu lassen.

Zusammengefasst kommt also einer daher, behauptet, der Urheber zu sein, fordert mich im Grunde ungerechtfertigt auf, Änderungen an einer zuvor gewollten Coverversion bis hin zur Löschung vorzunehmen. Dem komme ich nach, wenn auch etwas widerwillig. Und dem Typ fällt nichts besseres ein, als einen für dumm verkaufen zu wollen und zu beleidigen.

Kannste dir nicht ausdenken. Der Ton macht die Musik. Aber sowas von!

Nachtrag 2:

Was für Amateure! Die GEMA kennt den Song gar nicht.

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Dampfgenerator für Modellboot

Freitag, 6. Juli 2018 14:03

Seit geraumer Zeit bin ich dabei (mit seeeeehr langen Unterbrechungen), das Modellboot zu restaurieren, das mein Vater als Jugendlicher gebaut hat. Um neuen Schwung in die Sache zu bringen, habe ich mir ein paar Gedanken über Zusatzfunktionen gemacht. Und dabei herausgekommen ist, dass der Schornstein qualmen muss! Also habe ich mich nach Dampfgeneratoren umgesehen. Was es da so zu kaufen gab, war entweder für HO-Modellbahnen und dampfte nicht genug, oder zu teuer. Dann machte meine Frau mich auf jemanden aufmerksam, der so fröhlich mit seiner E-Zigarette herumdampfte und dachte: Och, das wär’s ja!

Also habe ich mir bei Ebay erst mal die billigste E-Zigarette bestellt, wo gibt. Dabei waren 10 ml Fluid Duftnote „Grape“. Außerdem habe ich mir eine 12V-Aquarienpumpe ebenfalls bei Ebay besorgt. Die Daten kann man den Fotos entnehmen. Zusammen hat das keine 20 € gekostet.

Als erstes habe ich den Akku der E-Zigarette zur Seite gelegt. Zum einen, weil die Stromversorgung durch den Fahrakku des Boots erledigt werden soll, zum anderen, weil bei der E-Zigarette die Luft durch vier kleine Schlitze angesaugt wird, wenn man am Mundstück nuckelt, meine Pumpe soll aber von unten pusten. Dafür brauche ich einen ordentlichen Schlauchstutzen mit geringem Strömungswiderstand. Mit Wegfall des Akkus musste ich auch Kabel für die Stromversorgung anloten. Bei Youtube gibt es auch eine Anleitung, wie man eine Mini-Nebelmaschine baut. Daraus habe ich allerdings nur entnommen, wo man die Stromversorgung anlöten muss, nämlich an der kleinen Düse in der Mitte.Da muss das Pluskabel dran.

Das Minus-Kabel hab ich außen ans Gehäuse gelötet.

Danach hab ich in meiner Schläuche-Kiste gewühlt, bis ich genügend Schläuche hatte, um den kleinen Stutzen an der Pumpe mit dem dicken Rohr der E-Zigarette zu verbinden. Hier die ausgewählten Schläuche:

So sieht das von innen aus, wenn alle Schläuche ineinander gesteckt sind:

Und so im Ganzen. Das Plus-Kabel quetscht sich also zwischen dem dicken Schlauch und dem Gehäuse der E-Zigarette nach außen.

Die Kabel sind vorerst noch provisorisch an eine Steckerleiste angelötet, mit der ich den Dampfgenerator zum Testen erst mal an den Balancer-Anschluss eines 3S-Lipo-Akkus anschließen kann.

Die Pumpe hängt an allen 3 Zellen, die E-Zigarette nur an einer. Das muss ich später im Boot anders lösen, weil die einzelnen Zellen sonst nicht gleichmäßig entladen werden. Vielleicht mit einem Spannungsregler oder so. Das wird sich zeigen. Zeigen wird sich auch, wie lange die E-Zigarette auf Dauerbetrieb überhaupt läuft, bis sie erhitzt. Dafür muss ich vielleicht mal eine opfern. Aber wer weiß. Eventuell hält sie ja auch so durch.

Und so sieht das dann im Textbetrieb aus:

Wenn das Boot irgendwann mal fertig ist, gibt es ein schönes Fahr-Video.

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„Idiotensichere“ Spannungsversorgung für Messgeräte und so

Sonntag, 25. März 2018 11:29

Vor drei Jahren hat unsere Firma eine Bachelorarbeit an der TU-Berlin zum Thema „Untersuchung der Auswirkungen des Tragens eines Fahrradhelmes im Straßenverkehr auf die Risikokompensation durch Fahrer überholender Kraftfahrzeuge“ betreut. Dafür habe ich eine Messtechnik entwickelt, die zum größten Teil in einer Lenkertasche untergebracht werden konnte: Datenlogger, zwei Kameras, ein Arduino für die Synchronisation zwischen Datenlogger und Kameras sowie die Spannungsversorgung. Der Lasersensor für die Abstandsmessung wurde am unteren Rahmenrohr angeklemmt. Für von hinten kommende Autofahrer war das so ausgerüstete Fahrrad absolut unauffällig. Was von Beginn an Schwierigkeiten machte, war die Spannungsversorgung. Erst hatte ich dreizellige Lipo-Akkus meiner Modellflugzeuge zweckentfremdet, dann aus 9 AA-Zellen zusammengelötete Akkus verwendet, die wie Dynamitstangen aussahen. Besonders unangenehm war, dass zwar fast alle Technik mit 12 V zufrieden war, einzig der Lasersensor braucht mindestens 18 V. Für  unsere Zwecke war das ok, mit dem relativ kryptisch bedienbaren Ladegerät und der fummeligen Kabelage aber nicht sonderlich anwenderfreundlich.

Vor einiger Zeit fragten Verkehrsplaner der TU an, ob wir sie bei ähnlichen Messungen irgendwie unterstützen könnten. Klar, die Messtechnik lag bei uns mehr oder weniger ungenutzt rum. Aber die Spannungsversorgung war eben immer noch die Archillesferse. Gerne hätte ich ein System mit fertig konfektionierten Akkus, Schnelllademöglichkeit, nachkaufbar und am besten auch noch Tiefentladeschutz. Und wo ist das alles vereint? Richtig, in einem Akkuschrauber! Inzwischen haben die meisten ja LiIon-Akkus, die also nicht immer genau dann leer sind, wenn man sie braucht, sondern die Spannung auch über längere Zeit halten.

Also kaufte ich einen Bosch-12V-Akkuschrauber (GSR 12V – 15) samt Ersatzakku. Ich probierte ihn aus: Sehr handliches Gerät, hätte ich gern selbst. Aber ich zerlegte ihn ja gleich.Schnell hab ich auf der Platine den Punkt ausfindig gemacht, an dem beim Drücken des Schalters die volle Spannung anliegt. Daran und an Masse lötete ich erst mal dicke Kabel mit einem entsprechenden Stecker für die Hauptstromversorgung der Messtechnik an. An einem anderen Punkt findet man die geregelte Spannung für den Motor. Den kann ich nicht gebrauchen. An dem Schalter findet man seitlich zwei Anschlüsse. An die habe ich einen kleinen Kippschalter angelötet, um meine Spannungsversorgung ein- und ausschalten zu können.

Nun brauchte ich noch mindestens 18 V für den Lasersensor. Dafür habe ich ein Step Up-Modul besorgt (MT3608 2A). Dort kann man mit 12 V reingehen und bis zu 28 V bei 1 A herausbekommen. Die Ausgangsspannung kann man mit einem kleinen Spindeltrimmpoti einstellen. Perfekt für meine Zwecke.

Die kleine Platine mit dem Step Up-Modul und die Kabelage haben dort ausreichend Platz, wo zuvor Motor und Getriebe untergebracht waren. Die Teile kommen in die Bastelkiste. Hier werden sie nicht mehr gebraucht. Als Deckel habe ich eine kleine Kunststoffplatte angefertigt, in der nun der Schalter und eine Kontroll-LED sitzen und die beiden Kabel mit 12 und 24 V herausbaumeln. Bislang funktioniert das alles wunderbar. Mal sehen, was die Verkehrsplaner dazu sagen.

 

 

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Überall „Experten“

Freitag, 23. März 2018 15:04

Da sucht man händeringend nach geeignetem Nachwuchs in der eigenen Branche, dabei muss man nur einmal Twitter und Facebook öffnen und weiß gar nicht, wen man zuerst einstel – äh ohrfeigen soll. Ein autonom fahrendes Fahrzeug kollidiert mit einer Fußgängerin, die ein Fahrrad schiebt. Das ist zweifellos tragisch – wie jeder Unfall mit Personenschaden – aber für einen wie mich natürlich hochinteressant. Etwa genauso interessant, wie die Ergebnisse der Bundesliga für die gefühlt 80 Mio. Fußballtrainer, die regelmäßig vor den Fernsehgeräten und in den Stadien sitzen. In großer Zahl melden sie sich zu Wort, wenn der Ball noch nicht ausgerollt oder die Leiche noch nicht erkaltet, und wissen alles, aber wirklich _Alles_ über den Unfall: Erkennbarkeit, Geschwindigkeiten, aber als allererstes sogar, ob der Unfall vermeidbar war.

Was also tun, wenn man sich mit 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich der Unfallrekonstruktion doch irgendwie in der Lage sieht, bereits mit dem nach wenigen Stunden veröffentlichten Material etwas zu dem Unfall sagen zu können (zum Beispiel, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen)? Den Kopf in den Sand stecken, oder in homöopathischen Dosen (hilft ja eh nicht) hier und da mal einen Kommentar ablassen, um wenigstens versucht zu haben, die „Diskussion“ aus einigen Sackgassen wieder hinauszumanövrieren?

Ich komme auf das Thema, weil ich kürzlich hier eine Abhandlung darüber las, was es doch für ein Problem sei, oder warum eigentlich nicht zu den diversen Themen, die die Welt bewegen, geeignete Experten z. B. für Talkshows gewonnen werden könnten, sondern dann immer irgendwelche vermeintlichen Spitzenkräfte eingeladen werden.

Ich weiß ja, was drumherum, z. B. zur Vorstellung des „Experten“, dann für Beiträge produziert werden, denn schon beinahe rührend komisch, aber doch eher an der Grenze zum Fremdschämen ist es, wenn es um Verkehrsunfälle geht, habe ich doch ganz guten Einblick in das echte Geschehen. Zoom auf das Messrad, Totale von der Messlatte. Der „Experte“ in seinem Büro: Interessant, wie behände er zur Tür hineinkommen kann! Genau so stelle ich mir echte Professionalität vor. Er sitzt an seinem Rechner. Mit Warnweste. In der Einblendung liest man „Crashexperte“, „Unfallermittler“ oder so. Und er erzählt wirres Zeug.

Nur mit dem Namen des „Experten“ verbindet man alles andere als einen Fachmann. Man kennt sich ja in der Szene. Denn die echten Experten sehen ihr Gesicht aus Gründen der Seriösität und Reputation eher nicht so gern in windigen Fernsehproduktionen, wollen sie z. B. auch weiterhin im Gerichtsverfahren eine gute Figur abgeben oder nicht mit den falschen Namen in einem Zusammenhang genannt werden .

Damit ist das Problem eigentlich bereits beschrieben: Es melden sich nicht die zu Wort, die wirklich etwas von der Sache verstehen, sondern diejenigen, die meinen, sie hätten die große Ahnung, meistens noch kombiniert mit einem übersteigerten Sendungsbewusstsein und gute Rhetorik.

Und so werde ich es wohl noch ein Weilchen ertragen müssen, dass sich Menschen die Köpfe heiß reden und die Finger wund tippen, obwohl sie keinerlei Ahnung von Kollisionsmechanik und Unfallabläufen, deren Rekonstruktion oder gar der Vermeidbarkeitsbetrachtung haben. Im Hintergrund sammle ich übrigens Material zu dem Unfall, um dann, wenn es an der Zeit ist, vielleicht etwas Tiefgreifenderes dazu zu sagen.

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Die deutsche Justiz wird digitales Neuland bleiben

Freitag, 2. März 2018 9:39

Gestern war ich auf einer Sachverständigen-Tagung bei der IHK. Da ging es unter anderem auch um die elektronische Akte. Nicht nur, dass man irgendwie in Dateien statt Papierstapel Einsicht nehmen wird, nein, auch die Gutachten sollen natürlich als Dateien eingereicht werden. Dafür soll es irgendwie Signaturtechniken geben. Es wurden bunte Karten und Kartenleser vorgestellt, ähnlich wie man sie auch für das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) benötigt, das gerade eine scheppernde Bruchlandung hingelegt hat. Auch die Vortragende konnte nicht verhehlen, dass diese Lösung nicht besonders „smart“ ist. Es sei bestimmt nur eine Übergangslösung, meinte sie. Dass es die erforderliche Software nur für Windows-Systeme geben soll, ist dabei nur ein Bonmot am Rande.

Interessanter wurde es, als Nachfragen aus dem Publikum kamen, wie denn mit verschiedenen Dateiformaten umgegangen werde, da man bislang praktisch nur von Textdateien ausging. Ich habe dann explizit nachgefragt, ob denn auch Videodateien vorgesehen seien. Der Vertreter der Justiz, ein Richter vom Kammergericht, sagte dazu, dass das definitiv nicht vorgesehen sei. Er sprach dann auch nur von pdf- und tif-Dateien (also auch keine jpgs!).

Derzeit, wo wir noch bedruckte Papierstapel abliefern, haben wir das Problem, Simulationsberechnungen von Unfallabläufen, die wir auf dem Rechner als Film ablaufen sehen, als Sequenzen von Einzelbildern erstellen und ausdrucken zu müssen. In Einzelfällen liefert man dann eine CD-Rom oder DVD mit den Filmdateien dazu. Ich habe auch schon Filme bei Youtube hochgeladen („nicht gelistet“) und den Link im Gutachten als QR-Code verteilt. Letzteres kann man natürlich auch in Zukunft machen. Nur, wenn man doch schon die Möglichkeit hat, Dateien hochladen zu können, warum dann nicht auch Filme?

Vielleicht schafft es ja wenigstens das gute alte, nicht tot zu kriegende animated gif in die Liste zulässiger Dateien. Für kurze Sequenzen ginge das ja. Up to date ist anders. Aber was will man von einer der konservativsten Branchen schon erwarten?

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Hier irrt @saschalobo ausnahmsweise

Dienstag, 6. Februar 2018 11:28

Ich schätze Sascha Lobo sehr. Seine Texte sind für mich gut verständlich formuliert, seine Argumentation sachlich und erschöpfend. Da kann man ihm zugestehen, auch mal einen schlechten Tag zu haben. Er echauffiert sich auf Facebook über eine Pressemeldung der Berliner Polizei, die aus seiner Sicht einen falschen Duktus hat, wenn ich das richtig verstehe. Darin kann man ihm durchaus zustimmen. Nur wie er das begründet, halte ich für wenig hilfreich in der Sache.

Zunächst die Meldung in voller Länge. Ich zitiere die hier voll, weil sie ja ggf. überarbeitet werden könnte.

Beim Driften mit dem Auto Fußgänger schwer verletzt
Polizeimeldung vom 05.02.2018
Steglitz-Zehlendorf
Nr. 0296
Bei einem Verkehrsunfall wurde gestern Nachmittag ein Fußgänger in Lichterfelde schwer verletzt. Ersten Ermittlungen zufolge fuhr ein 23-Jähriger mit seinem BMW gegen 16.30 Uhr wiederholt den Ostpreußendamm zwischen Giesensdorfer und Osdorfer Straße auf und ab. Nach Zeugenaussagen soll er hierbei jeweils mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren sein. An der Einmündung Giesensdorfer Straße Ecke Ostpreußendamm soll er seinen Wagen mehrmals um die eigene Achse driften gelassen haben. Hierbei kam er nach rechts von der Fahrbahn ab, erfasste einen 75-jährigen Fußgänger auf dem Gehweg des Ostpreußendammes und verletzte ihn schwer. Der Senior kam mit Frakturen im Rumpfbereich zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Führerschein des 23-Jährigen wurde beschlagnahmt und dessen BMW als Tatmittel sichergestellt. Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 4 übernimmt die weitere Bearbeitung.

Als erstes meint Lobo, dass schon der Begriff „Unfall“ falsch sei. Man kann dazu z. B. bei Wikipedia nachlesen, dass es ein Schadensereignis sein muss, das zumindest für einen der Beteiligten plötzlich und ungewollt eintritt und über eine bloße Gefährdung hinausgeht. Der BGH hat mal gesagt:

„Ein Unfall ist ein plötzliches Ereignis im Straßenverkehr, dass mit den Gefahren des Straßenverkehrs in ursächlichem Zusammenhang steht“.

Wodurch die Gefahren ausgelöst werden, steht dort ausdrücklich nicht. Aus diesem Grunde wird dann auch später in leichte und grobe Fahrlässigkeit bzw. Vorsatz unterschieden. Auch wenn Lobo es gern anders hätte, tut die Polizei gut daran, diesen Vorfall erst mal als Straßenverkehrsunfall zu klassifizieren. Was später daraus strafrechtlich wird, ist ja etwas ganz anderes. Man kann nur hoffen, dass die Spuren des Geschehens gut dokumentiert wurden. Das ist nämlich leider nicht selbstverständlich.

Als nächstes stört er sich an der passiven Formulierung, der Fußgänger wurde verletzt. Später wechselt der Text aber in die aktive Form: „Hierbei kam er nach rechts von der Fahrbahn ab, erfasste einen 75-jährigen Fußgänger auf dem Gehweg des Ostpreußendammes und verletzte ihn schwer.“ Schon die Überschrift sei falsch, weil dort der Täter nicht benannt werde: „Beim Driften mit dem Auto Fußgänger schwer verletzt„. Da hätte ich einen Hinweis auf den 23-Jährigen auch nicht verkehrt gefunden, hätte einem das doch gleich anfangs geholfen, den Vorfall besser einsortieren zu können.

Dann meint Lobo aber, „Driften“ sei die Beschreibung eines coolen Fahrmanövers. Aus Laiensicht mag man den Eindruck haben, wenn man Driften nur aus amerikanischen Filmen kennt. Driften beschreibt aber auch den Übergang vom stabilen zum instabilen Fahrvorgang, von Kurvenfahrt zum Schleudern. Für mich liest sich das so, als ob der BMW-Fahrer „Donuts“ gedreht habe. Wenn die Polizei aber von „Donuts“ geschrieben hätte, könnte ich die Aufregung ja verstehen. Hat sie aber nicht, sondern die unaufgeregtere, objektivere Beschreibung gewählt. Kann man daraus so einen Vorwurf drechseln?

Danach bringt Lobo – geradezu unvermeidlich – die Schwanzverlängerung ins Spiel. Ich habe noch nicht nach wissenschaftlichen Studien gesucht, in denen nach einer Korrelation zwischen der Länge des männlichen Geschlechtsorgan und der Tieferlegung und Motorleistung geforscht wurde, und werde das auch nicht tun. Es ist schlicht Polemik. Nichts anderes.

Im nächsten Absatz reibt sich Lobo am Strafmaß: Sechs Monate Führerscheinentzug und 2.350 Euro Geldstrafe. Und für ihn gehört so jemand, anscheinend vor der Aufarbeitung in einem Strafverfahren, ins Gefängnis und auf Lebenszeit der Führerschein entzogen. Das Strafmaß richtet sich nach Tagessätzen. Es wird keine absolute Höhe verhängt. Die ergibt sich durch Multiplikation ihrer Anzahl mit der Höhe der Tagessätze, kann also für den Täter höchst unterschiedlich ausfallen. Vor der Verurteilung ist dem Täter sein Vergehen nachzuweisen. Solange das nicht gelingt, gilt er als unschuldig. Auch wenn Lobo meint, dass ich davon nichts verstehe: Ich hab die Anwendung der Unschuldsvermutung in Strafverfahren zu Straßenverkehrsgeschehen wahrscheinlich öfter erlebt als er.

Seine Vorverurteilung mag ja richtig sein. Es spricht vielleicht sogar einiges dafür. Aber aus meiner Sicht ist es auf Bildzeitungsniveau sich das Geschehen aus der knappen Meldung so zurechtzubiegen, wie man es gerne hätte und so zu tun, als sei man dabei gewesen. Ich habe schon so viele Zeugenaussagen gehört, bei denen sich Fahrzeuge „mehrmals um die eigene Achse gedreht“ haben, wo aufgrund der Spuren mal gerade eine 180°-Drehung verblieb. Zeugen beschreiben irrwitzige Geschwindigkeiten. Aber wenn man mal den Test macht, z. B. bei einem Crashversuch, kommt auch mal die Schätzung 70 km/h zustande, obwohl der Fußgängerdummy nur mit 30 km/h angefahren wurde. Alles selbst erlebt und nicht nur einmal.

Sascha Lobo hat in vielerlei Hinsicht Recht, wenn er die amerikanischen Waffengesetze mit der Diskussion hierzulande vergleicht, was man mit einem Auto so anstellen darf. Und zweifellos muss in der Raserszene hart durchgegriffen werden. Aber bitte auf der Grundlage von Fakten, und nicht einen gerade passierten, unaufgeklärten individuellen Vorfall als Vehikel für einen polemischen Facebook-Rant nehmen. Das hilft nicht weiter. Höchstens am Stammtisch. Sascha Lobo findet den Text der Polizei „in jeder Hinsicht schlimm„. Ich nicht. Jedenfalls nicht in jeder.

 

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Bässere Zeiten

Montag, 25. Dezember 2017 11:47

Dieses Jahr habe ich mir ein schönes Weihnachtsgeschenk selber gemacht.

Schon lange war ich auf der Suche nach einem Bass, mit dem ich seinerzeit, Anfang der 90er Jahre, das Bassspielen begonnen hatte. Es war kein besonderes Instrument, aber ich mochte es, und es musste damals aus finanziellen Gründen weichen, weil ich mich in was Tolleres verguckt hatte (einen Fender Jazzbass, den ich heute noch habe).

 

Kurz vor Weihnachten wurde bei ebay ein „Marina Bass Collection SB301 angeboten, in schwarz, wie er mir damals in Hannover Linden in einem kleinen Musikladen anempfohlen wurde. Eine absolut sehr gute Empfehlung, ließ sich der Bass doch von einem Anfänger wie mir gut spielen und klang sehr ausgewogen.

Der Bass wurde in Prenzlauer Berg angeboten, 20 Minuten zu Fuß vom Büro, für 76,53€ erhielt ich den Zuschlag. Als ich den Bass abholte, dachte ich natürlich daran, dass das mein alter sein könnte, hielten sich die Verkaufszahlen dieses Modells doch vermutlich in Grenzen. Genau genommen, habe ich in Natura so einen nirgends anders gesehen. Beim Verkäufer war es ziemlich dunkel, ich packte den Bass schnell ein, bezahlte und verschwand zurück ins Büro. Dort inspizierte ich ihn genauer. Er ist ziemlich heruntergekommen, viele Macken, der Hals krumm wie eine Banane (hab ich inzwischen ganz gut gerichtet).

Auf einmal fiel mir eine Stelle am Hals auf, die ich sofort wiedererkannte. Ein kleiner Lackierfehler. schwarzer Lack war in Richtung Griffbrett verlaufen und hatte einen schwarzen Fleck gebildet, unter dem Klarlack! Ich weiß noch, wie ich damals versuchte hatte, diesen Fleck zu entfernen, weil ich dachte, das ist Edding oder so. Es ging nicht.

Nun habe ich ihn nach fast 25 Jahre wieder. Meinen Anfängerbass! Ist das nicht eine rührende Weihnachtsgeschichte?

Thema: funky | Kommentare (0) | Autor: