Beitrags-Archiv für die Kategory 'Elektrisiert'

Nicht astrein, aber bundrein

Dienstag, 27. Januar 2026 13:28

Vor einiger Zeit habe ich mir eine Klappgitarre gekauft, die man als Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen kann. Es ist eine Snap Dragon Mini Traxe. Die Gitarre brauchte ich, um in Kopenhagen ein selbstgeschriebenes Lied bei der Hochzeit von A&J zu begleiten. Die Gitarre war gebraucht, die Kosten im Rahmen. Im letzten Sommer hatte ich die Gitarre auch noch mal mit in der Schweiz am Bodensee. Das ist immer ein großes Hallo! an der Sicherheitskontrolle, wenn man mit einer Tasche ankommt, in der zusammengewickelte Drähte und komische andere Sachen im Röntgenbild zu sehen sind.

Ansonsten steht sie im Büro. Sie ist nicht sehr laut, da kann man auch mal drauf spielen, wenn andere Leute im Büro sind.

Was an der Gitarre von Anfang an nervte, war, dass sie nicht ganz bundrein war. Für die Laien: Im 12. Bund (das sind diese abgetrennten Rechtecke am Hals der Gitarre, die immer enger werden), muss die Gitarre genau eine Oktave höher klingen. Bei E-Gitarren oder auch Bässen hat man i. d. R. Saitenhalter („Brücken“) mit etlichen Einstellmöglichkeiten. Neben der sogenannten Saitenlage (Höhe der Saite über dem Griffbrett) kann man die klingende Länge einstellen und damit die Bundreinheit. Bei Westerngitarren (die Klappgitarre ist im Prinzip eine Westerngitarre, also akustisch mit Stahlsaiten) hat man diese Einstellmöglichkeiten meistens nicht, sondern in der Brücke nur eine Stegeinlage, die nach Erfahrungswerten die klingende Länge der Saite einstellt. Das passte nun hier nicht so richtig. Spätestens als meine Musik-Freundin Kathrin gerechtfertigt die Nase rümpfte, war endgültig Handlungsbedarf. Also beschloss ich, die Plastikbrücke gegen eine E-Gitarrenbrücke auszutauschen. Die war schnell bestellt und geliefert, hatte aber einen Haken, den ich erst nicht gesehen hatte, dazu später.

So sah es nach Demontage der alten Plastikbrücke aus. Verdammt! Darunter ist ein Piezo-Tonabnehmer (der dunkle Stab)! Der liegt auf der Decke der Gitarre, der Druck auf die Sensoren ergibt sich über die Stegeinlage (das helle Kunststoffstäbchen).

Also konnte ich die neue Brücke nicht einfach aufschrauben, sondern musste mir etwas für den Tonabnehmer überlegen. Ich sägte und fräste ein Fenster aus dem Metallteil heraus, das ich mit einem Alublech auffüllte. Dieses Blech sitzt nun zwischen den einzelnen Saitenreitern und dem Tonabnehmer und überträgt so die Schwingungen.

Hier kann man das erkennen und sieht auch gleich den oben erwähten Haken an der Sache:

Die Saiten kann man nicht von hinten (im Bild unten) durch das Metallteil stecken. Die Brücke ist für Gitarren gedacht, bei denen man die Saiten durch den Korpus zieht. Also habe ich zum Probieren die Saiten durch die Schlitze der Saitenreiter gesteckt. Spielbar, aber die Saiten liegen noch mit den umwickelten Ende auf den Reitern. Das geht so nicht. Es darf nur der dünne Teil der Saiten schwingen und klingen.

Also musste die nächste Brücke her, bei der man die Saiten von hinten durchfädeln kann. Die ist nun nicht gegossen, sondern aus viel dünnerem Blech. Hier schon mal vorweg das fertige Ergebnis.

Und wieder musste ich ein Fenster in die Brücke sägen und auch das Aluteil neumachen. Da das Blech der Brücke aber nun so dünn war, musste ich den Tonabnehmer in der Decke verschwinden lassen. Die hat keine tragende Funktion. Es spielt also keine Rolle, ob man da einen Schlitz reinfräst oder nicht.

Ich hatte auch probiert, ob es vielleicht ohne Fenster und Alublech geht: Dann werden aber nicht genug Schwingungen auf den Tonabnehmer übertragen. Deswegen die Fräsung. Ich hab also nicht gleich zur Oberfräse gegriffen, sondern erst mal probiert. Die diversen Löcher (und ein langer Riss in der Decke, der dort von Anfang an drin war) habe ich mit einem Gemisch aus Sägemehl und Sekundenkleber aufgefüllt. Dann ist mir noch eine Schraube abgerissen, die ich herausoperieren musste. Aber jetzt funktioniert alles. Im Übrigen musste ich schon zuvor das Ausgangssignal des Tonabnehmers mit einem Widerstand abschwächen, da die Gitarre am „cleanen“ Verstärker leicht verzerrte. Den Widerstand hatte ich erst wieder ausgelötet, als ich die ungefensterte Brücke probeweise montiert hatte. Da war das Signal aber dennoch zu schwach, mit dem Aluteil, ohne Widerstand aber zu stark. Außerdem hab ich auch irgendwann einen Vorverstärker mit Klangregelung eingebaut. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich den herhabe. Vorher konnte man nur laut und leise drehen. Jetzt kann man auch Bässe und Höhen getrennt regeln. Alles in allem eine gut spielbare und ok klingende Reisegitarre ist es nun geworden. Nur, dass ich ja praktisch nicht mehr reise. Aber irgendwas ist ja immer.

 

 

 

 

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Schalt‘ dein Radio ein!

Mittwoch, 7. Januar 2026 19:52

Gern. Aber wie?

In der alten, analogen Welt hatten die meisten Geräte Schalter, mit denen man sie ein- und ausschalten konnte. Das sind kleine, feinmechanische Bauteile, die richtige, den kompletten Strom führende Kontakte miteinander verbinden. Das heißt: Wenn der Schalter auf “ein” steht, muss man nur Strom anlegen, und es war sofort an. Man kann solche Geräte also ganz einfach mit Schaltuhren oder Bewegungsmeldern einschalten. Das geht heute kaum noch. Das reine Anlegen der Betriebsspannung bewirkt nichts, weil es keinen mechanischen Schalter gibt, der den Kontakt aufrecht erhält, auch wenn keine Spannung mehr anliegt.

Wenn Geräte mit überwiegend digitalem Innenleben heute so tun, als ob man sie über einen Schalter ein- und ausschalten kann, ist das oft geflunkert, weil da – soweit ich das verstanden habe – eigentlich nur ein Taster einem Transistor sagt, dass er jetzt mal durchschalten soll und so die Spannung an die Stromkreise legt. Es muss also überhaupt eine Spannung anliegen, damit der Schalter seinen Schaltzustand kennt. (In dem Zusammenhang: Es gibt auch kaum noch Potentiometer, gar mit Anschlag links und rechts, sondern häufig nur noch Drehsteller, die Impulse an die Elektronik geben: Mach mal lauter, heller, leiser, dunkler: Was auch immer.)

Jetzt habe ich aber einen Anwendungsfall, bei dem ein Radio angehen soll, wenn man am Versorgungskabel Strom anlegt, z. B. weil die Steckdose über eine Lichtschalter betätigt wird oder so.

Die Lösung ist so hässlich wie unelegant: Oben auf das Radio habe ich ein sog. Servo aus dem RC-Modellbau geklebt. Das ist ein kleiner Stellmotor. Angesteuert wird das Servo von einem Arduino (neben dem Servo), der beim Anlegen der Versorgungsspannung das Servo einmal hin- und herdreht und dann in einer nicht endenden while-Schleife “festhängt”. An dem Ärmchen des Servos ist eine Stange angebracht, die den runden Knopf drückt und wieder loslässt, der das Radio einschaltet. Man braucht dann “nur noch” ein Netzteil mit zwei USB-Anschlüssen: Einen für das Radio und einen für den Arduino (oder eine Doppelsteckdose und zwei Netzteile).

Eigentlich wollte ich das so machen, dass der Arduino sich selbst seine Stromversorgung nach dem Servodrehen komplett abschaltet. Das ist auch hinzukriegen. Aber dass die Stromversorgung nach dem Aussschalten und beim nächsten Wiedereinschalten auch wieder hergestellt wird, habe ich noch nicht nicht geschafft. Der Stromverbrauch des Arduino hält sich allerdings auch sehr in Grenzen. Von daher besteht erst mal kein weiterer Handlungsbedarf.

 

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Kameragesteuerte Heizungsumschaltung

Mittwoch, 15. Oktober 2025 7:31

Hä, was? Genau! Ich hab mir wieder was zusammengegyvert. Das Problem fängt bei unserer Heizung an. Da heizt nichts, sondern es ist eine Fernwärme-Übergabestation. Die ist aus dem Jahr 2008, also alles andere als smart. Geheizt wird über eine Fußbodenheizung. Die ist bekanntermaßen recht träge. Wenn man also mal ein paar Tage wegfährt und nicht die ganze Zeit heizen will, die Heizung aber erst bei der Rückkehr wieder einschalten kann, ist es am ersten und darauffolgenden Tag recht frisch.

An der Heizung selbst in ein ziemlich kleiner Drehschalter, den man zwischen den Symbolen „Mond“ (Absenk-Betrieb) und „Uhr“ (Zeitschaltuhr-Betrieb) hin- und herschalten muss, um die Betriebsmodi zu wechseln. Einen Drehschalter sollte man auch in irgendeiner Form elektromechanisch bedienen können, aber es wäre ja ganz schön, wenn man eine Rückmeldung hätte, welcher Modus nun aktiv ist. Da fällt mein Blick auf eine Überwachungskamera für Innenräume, die mal bei Amazon im Angebot war, aber schon eine Zeit arbeitslos rumliegt. Die kann gucken UND man kann sie ferngesteuert hin- und herdrehen, damit also auch was betätigen, so mein MacGyver-Geistesblitz. Man kann das sicher alles viel besser machen: Eine schickere, kleinere Kamera und Arduino-gesteuerter Aktuator und so. Aber da ich besser im Basteln als im Programmieren bin, nahm ich die Kamera. Weiterer Vorteil: Die Heizung wohnt in der dunklen Garage, aber da die Kamera einen InfrarotModus nebst Infrarot-LEDs hat, kann sie auch gucken, ohne dass man das Licht einschalten muss.

Die Kamera ist so aufgebaut, dass sich unten ein Sockel befindet, auf dem die Kamera um die Hochachse drehbar angebracht ist. Außerdem kann man die Kamera in ihrem Gehäuse noch rauf- und runterschwenken. Damit der Blick der Kamera auf den Schalter also immer konstant ist, müsste man die Kamera mit ihrem innersten Gehäuse mit der Heizung mechanisch verbinden. Das geht sehr schlecht. Aber wenn die Heizungsbetätigung über die Drehbewegung um die Hochachse gesteuert wird, reicht es, die Kamera am äußeren, oberen Gehäuse festzuhalten, dann kann sich der Sockel unten drehen. Also hängt die Kamera jetzt an einem Brett, das ich wiederum am Schaltkasten der Heizung einfach mit einem Spanngurt festgezurrt habe.

An den Sockel hab ich dann einen kleinen Hebel angeklebt und weiter vorn an dem Brett eine Umlenkung, um die horizontale Bewegung in eine vertikale umzuwandeln. An den kleinen Drehschalter der Heizungssteuerung habe ich dann eine Verlängerung angebaut, die auf den Knauf geklemmt wird, und an der nach vielen Versuchen mit den richtigen Hebelarmen und ausreichender Beweglichkeit die Betätigungsstange der Kamera eingehängt wird. Weil die Kamera  nun nicht ständig in Betrieb sein muss und ich eh schon eine schaltbare „smarte“ Steckdose für die Warmwasserpumpe integriert habe, ist die Kamera jetzt eben gleichzeitig mit der Warmwasserpumpe aktiv. Das ist ein bis zwei mal am Tag der Fall, oder gar nicht, wenn wir nicht da sind. Per Smartphone kann ich die Pumpe und damit nun auch die Kamera ein- und ausschalten, über die Kamera-App dann auch die Heizung. Wie das bei solchen Kameras der Fall ist, hat man es mit erheblichen Latenzen zu tun. Aber die Kamera muss nur von Anschlag zu Anschlag fahren, damit ist das kein Problem. Bin gespannt, wie resilient die ganze Geschichte ist (um mal eines der für mich schwer erträglichen Modewörter zu benutzen und mich so daran zu gewöhnen).

In der App sieht das als Screen-Cam-Film vom Smartphone so aus:

 

Und am „lebenden Objekt“ so. Am Ende des Filmchens schwenke ich die Kamera auch hoch und runter.

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Nefilim KI – 42 Bücher in 5 Monaten

Donnerstag, 24. April 2025 11:37

… ist eine (derzeit) 42-teilige Science-Fiction-Roman-Reihe (oder Soap) von Cahal Armstrong. Das ist das (ein?) Pseudonym des in Norddeutschland lebenden Autors Dirk Breden.

Ich habe gerade mal nachgesehen: Das erste Buch habe ich am 23.11.2024 ausgeliehen. Das 42. habe ich Ostermontag (21.04.2025) ausgelesen. 42 Bücher in 5 Monaten. Ganz schön fleißig, oder? Kindle unlimited ist mein Freund! Jedes Buch hat so um die 200 bis 250 Seiten, manche etwas mehr, ein ganz paar auch weniger.

Die Story hat mich stets gut unterhalten. Es gibt ein paar Hauptpersonen, die immer wieder auftauchen. Andere kommen dazu und verlassen den Plot auch wieder. Immer wieder passiert was Schlimmes, und der Held Iason Spyridon muss nicht nur die Welt, sondern gleich das (ein?) Multiversum retten. Das Schöne an SciFi ist, dass nützliche Eigenschaften oder technische Errungenschaften einfach hinzugedichtet werden können (einstellbare Schwerkraft, nahezu unbegrenzte Wundheilung, Reinkarnation on demand und so). Genau das richtige für mein schlichtes Gemüt.

Es war echt sehr praktisch, dass ich immer gleich das nächste Buch laden konnte und mir keine Gedanken darüber machen musste, was ich als nächstes lesen möchte. In der Zwischenzeit sind ein paar Bücher anderer Autoren erschienen, denen ich folge. Die lese ich jetzt erst mal. Vielleicht finde ich ja wieder so eine mehrteilige Reihe. Einmal hab ich eine Trilogie angefangen, die dann aber aus 12 oder 16 Teilen bestand. Das fand ich echt super! Dieses bewusste Aussuchen von Büchern, aber auch Filmen, Serien und Musik finde ich immer extrem anstrengend. Ein Prozess, der bei mir zu viel Zeit in Anspruch nimmt.

Ich lese die Bücher übrigens alle ausschließlich auf meinem Handy. Mein Kindle ist irgendwann kaputt gegangen. Besonders gut finde ich die Möglichkeit, mal eben schnell einen Namen zur markieren und danach im Text zu suchen, wo ich mir sowas doch so schlecht merken kann. Noch besser wäre das, wenn das über mehrere Bände hinweg gehen würde. Naja. Man kann nicht alles haben. Aber Papierbücher sind für mich definitiv nix mehr. Die leuchten nicht mal im Dunkeln (solange man sie nicht verbrennt, was man ja nicht machen soll).

 

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Die smarte Jalousie

Montag, 15. April 2024 19:49

Wir haben eine elektrische Jalousie. Die hält im Sommer die Sonnenwärme draußen und im Winter hat man etwas Sichtschutz und so. Dazu gibt es eine Fernbedienung. Damit ist es leicht, die Jalousie rauf- und runterfahren zu lassen. Weil wir vor ein paar Jahren, als die ganze Technik installiert wurde, auch etwas automatische Steuerung haben wollten, gab es seinerzeit auch eine Schaltuhr dazu.

Ich behaupte, dass ich mich eigentlich nicht besonders dumm anstelle, wenn es darum geht, so eine Schaltuhr zu programmieren. Aber dieses Gerät ist eine einzige Katastrophe. Bis heute ist es mir nicht gelungen, die so zu programmieren, dass die Jalousie dann herauf- und hinunterfährt, wenn sie soll. Zwar meistens, aber nicht zufriedenstellend. Wenn sie einmal funktionierte: Bloß nicht mehr anrühren, bis der Übergang von Sommer zu Winter und umgekehrt Maßnahmen verlangten. Das ist der Übeltäter, hier inzwischen inaktiv:

Zwischenzeitlich übernimmt Apple Homekit einige Funktionen in unserem Haus, z. B. die Steuerung der Warmwasserpumpe. Und da dachte ich, dass ich die Jalousie dort auch andocken könnte. Geht ja auch mit Funk und so. Aber leider ist es etwas undurchschaubar, was man nun für Gerätschaften braucht. Der Hersteller scheint nicht nur bei seinen Bedienungsanleitungen zur Verwirrung zu neigen. Ich bin mir also nicht sicher, ob die Steuerung überhaupt mit Apple Homekit gehen würde.

Also suche ich im Internet nach anderen Lösungen. Ein bisschen kann ich mit Arduinos umgehen, und so finde ich eine Lösung, wie man ein ESP32-Board mit Apple Homekit verheiraten kann. Meine Idee: Ich schalte mit dem ESP32 ein paar Optokoppler oder Relais, die so tun, als ob sie die Knöpfe an der Fernbedienung meiner Jalousie drücken. Dafür muss ich allerdings erst mal ziemlich filigrane Drähtchen an den richtigen Stellen der Platine anlöte. Diese Kontakte sind mit den Tastern auf der Platine verbunden.

Die Kupferlackdrähte enden dann an zwei Relais am ESP32-Board. Ich stecke das erst mal alles auf einer Steckplatine zusammen. Es funktioniert. Gegen Optokoppler entscheide ich mich, weil vermutlich die zu schaltende Spannung zu gering ist.

Meistens jedenfalls. Denn immer wieder verliert das ESP32-Board die Verbindung zum Homekit-Netzwerk. Auch hier ergoogle ich mir eine Lösung. Die besteht offensichtlich darin, dem WiFi-Router einen festen Kanal zuzuweisen. Ich hoffe, dass damit auch dasselbe Problem mit anderen Geräten passé ist, die sich ebenfalls immer mal wieder aus dem Verbund verabschieden.

Damit das alles besser nutzbar wird, kommt in die Fernbedienung der Jalousie eine Anschlussbuchse und das ESP32-Board mit den Relais in eine kleine Box, aus der das passende Verbindungskabel herausguckt.

Auf den Platinen der Relais befanden sich noch LEDs. Die habe ich aus Stromspargründen entfernt. Man sieht davon ja eh nichts.

Man kann nun die Knöpfe der alte Fernbedienung nach wie vor manuell bedienen, aber die Jalousien auch von der Home-App aus ereignis- oder zeitgesteuert herauf- und hinunter fahren lassen.

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Stompbox mit Snare-Effekt selbst gebaut

Samstag, 23. Oktober 2021 16:54

Mein musikalischer Kumpel Bonus meinte, es wäre eigentlich ganz gut, wenn wir für unsere 2-Mann-Band eine Rhythmus-Begleitung hätten. Aber Drumcomputer oder anderweitig programmierbare Beats fallen irgendwie aus. Zu statisch, zu kompliziert, zu wenige Hände zum Bedienen und so. Ich meinte, ne Stompbox müsste her, so ne Kiste, die „Bumm“ macht, wenn man drauftritt. Am besten auch noch „Tschrrr“, wenn man woanders drauftritt, im Grunde also eine flache, liegende Cajon.

Nichts leichter als das, dachte ich, und googele drauf los, wie man eine Cajon selber baut. Denn „Bumm“ ist ja relativ einfach, aber „Tschrrr“ schon etwas komplizierter. Dachte ich. Ich las mich durch Youtube-Videos-Gucken in das Thema ein. Ein halber Snareteppich auf eine Holzplatte geschraubt macht sowas wie „Tschrrr“. Dann noch zwei Mikrofone. Das alles sollte (erst mal) nicht teuer sein. Also nahm ich die billigsten Dinger, die ich so finden konnte.

Zwischenzeitlich war ich auch im Baumarkt und hab mir ein paar Bretter zurechtsägen lassen.

Das ganze sollte eine pultförmige Kiste werden, nicht höher als rund 10 cm, darum musste meine Bandsäge auch noch mal ran.

Mit den keilförmigen Seiten- und Zwischenwänden hab ich zwei Kammern geschaffen. Eine für den Bassdrum- („Bumm“) und eine für den Snare- („Tschrrr“) Effekt.

Noch ein paar Leisten drumherum, die z. T. auch auf den passenden Winkel geschnitten werden wollten. Und alles zusammengeleimt.

Den Snare-Teppich hab ich in der Mitte durchgeschnitten und auf Holzlatten als Unterkonstruktion geschraubt. Das ganze wurde dann unter die eine Deckplatte geleimt und geschraubt.

Die Mikrofone liegen in Heizungsrohrisolierungen, die ich mit Pattex auf die Bodenplatten geklebt habe. Wenn man genau hinschaut, sieht man in der Rückwand der einen Kammer einige Löcher. Die hatte ich als „Bassreflex“-Öffnungen gedacht. Da ich allerdings die Seiten noch tauschen musste (links Bass, rechts Snare) habe ich die wieder zumachen müssen und auf der anderen Seite nicht neu gesägt. Bonus kann besser mit dem linken Fuß „Bumm“ und mit dem rechten „Tschrrr“ machen als umgekehrt, wie ich es erst gebaut hatte. Tja. Künstlerpech.

So sieht das ganze Werk nun aus. Auf die Kante kann man seine Füße stellen und dann losstompen. „NO STEP“ habe ich auflackiert, weil man sich besser nicht draufstellen sollte. Dafür ist vor allem die Deckplatte der Snare-Seite zu dünn. Die besteht nur aus „Schrankrückwand“, also dieser rund 4 bis 5 mm dicken Presspatte. Der ganze Rest ist aus 6 mm Sperrholz gebaut.

Ja, und so hört sich die Kiste nun mit Gitarren- und Bassbegleitung an. Beim Bass-Mikro sind am Mischer Höhen und Mitten voll raus und die Bässe ganz reingedreht, auf der Snare-Seite quasi umgekehrt, also Bässe und Mitten ganz raus, Höhen voll rein. Ich finde, das klingt ganz gut!

 

Eigentlich macht man so eine Bauanleitung ja seit langer Zeit nicht in einem Blog mit Text und Bildern, sondern in Youtube, so wie ich das hier mit dem Bundieren meiner Bassukulele gemacht habe (nur besser …) . Aber das ist echt ne Menge Arbeit. Die Stompbox ist im Wesentlichen an einem Wochenende entstanden. Das Video hätte vermutlich noch mal so lange gedauert. Demnächst will ich ne Bass-Ukulele selbst bauen. Dann lasse ich vielleicht Kameras laufen. Mal sehen.

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[Neues Projekt] Hybrid-Tretboot

Dienstag, 8. August 2017 15:54

Kanufahren ist ja ganz nett. Aber zum Sundown-Rumdümpeln doch irgendwie ungeil.

Was will man da: Den Sonnenuntergang mit der Liebsten genießen. Händchenhalten, ein Gläschen Wein dabei. Vielleicht noch einen Snack genießen. Sowas halt.

Größtes Manko beim Kanu ist die Sitzposition. Keine Lehne, die Füße schlafen einem ein, beim Händchenhalten verrenkt man sich und für das Weinglas gibt es auch keine rechte Abstellmöglichkeit. Man müsste also in Lehnstühlen nebeneinander sitzen. Ein Gestell mit zwei Campingstühlen auf zwei aufblasbaren Schwimmkörpern sollte das kleinere Problem sein. Dabei könnte man ja bequem wie bei einem Tretboot in die Pedalen treten. Aber so einen platsch-platsch-platsch-Schaufelradantrieb wie bei gängigen Tretbooten finde ich zum einen zu laut, zum anderen zu ineffizient. Schraubenantrieb ist besser. Dafür braucht mal allerdings eine ziemlich große Übersetzung und außerdem einen Kurbeltrieb, 90°-Winkelgetriebe und Schraubenwelle nebst Ruder.

Was ja auch ginge, wäre ein flüsterleiser Elektroantrieb, den man mittels Tretantrieb mit Strom versorgt. Kleine Elektroaußenborder gibt es ab etwa 150 Euro aufwärts. Die sind so ausgelegt, dass man sie mit einem 12V-Akku (Autobatterie) betreiben kann. Für ein aufblasbares Paddelboot reichen die allemal. Im Urlaub haben wir damit schon ein ca. 3×4 m großes Floß mit 8 Personen bewegt.

Außerdem ist z. B. ebay voll mit kleinen Windenergie-Anlagen, die wiederum dazu gedacht sind, 12V-Akkus zu laden. Wenn man nun statt Wind den Generator mittels Tretkurbeln antreibt, müsste das ja irgendwie funktionieren. Allerdings läuft das alles über diverse Ladeelektronik- und Regelmodule. Da braucht man dann stets einen Akku (von 100 Ah ist die Rede) als Puffer. Und das Gewicht würde ich mir ja eigentlich ganz gern sparen, wenn das alles mobil transportabel bleiben soll. Außerdem hat die erste Recherche ergeben, dass die Windkraftanlagen rund 1000 1/min (oder mehr) benötigen, um einigermaßen Leistung abzugeben. Da ist man dann wieder bei einer Übersetzung von 20:1. Das muss man erst mal hinkriegen.

Was die Energieversorgung betrifft: Man könnte sich übrigens sogar noch ein Solarpanel als Dach vorstellen. Dann hätte man ein Pedal-Solar-Hybridboot. Und wenn man die Luftschraube einfach dranlässt? Wind hat man ja auch oft auf dem Wasser. Dann muss man die Tretkurbeln wieder umlenken. Und nein, die will ich bislang noch nicht weglassen. Das war ja der Anfangsgedanke und ist gleichzeitig die Herausforderung.

Mal sehen, wie das weitergeht.

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Die großen drei Missverständnis der E-Mobilität

Donnerstag, 15. Juni 2017 9:39

Fehler, die aus meiner Sicht derzeit dauernd bei der Betrachtung von Elektroautos gemacht werden:
  • „Bei der Stromerzeugung entsteht auch CO2“
    Die Elektroenergie kann sicherlich klimaschädlich hergestellt werden, es gibt aber eben C02-neutrale oder sogar schonende Methoden. Bei Verbrennungsprozessen entsteht immer CO2.
  • „Die Erzeugung elektrischer Energie verursacht auch jede Menge giftige Abgase“
    In Ballungsgebieten ist es nicht egal, wo Schadstoffe ausgestoßen werden. Selbst wenn E-Autos nicht klimaschonend betrieben werden, ist der Betrieb in Innenstädten immer noch besser, als dort Verbrennungsgase zu erzeugen.
  • „Die Herstellung von E-Autos und deren Komponenten ist viel giftiger als die herkömmlicher Verbrennerautos“
    Die Produktion der gesamten E-Komponenten steckt im Vergleich zum Verbrennungsauto noch in den Kinderschuhen. Zunächst sieht man in klassischen Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Fertigungsprozessen zu, überhaupt etwas herzustellen, dann wird die Effizienz gesteigert und dann die Umweltverträglichkeit. Heutzutage laufen die letzten beiden Punkte aber schon Hand in Hand, früher keineswegs. Wenn man die gleiche Gesamtentwicklungszeit wie in Verbrennungstechnologie investiert hat, wird aus heutiger Sicht die E-Mobilität unter Garantie besser dastehen als Verbrennertechnologie. Man muss nur Geduld haben. Derzeit sind wir maximal in der Phase der E-Mobilität, als man für Verbrennerautos den Sprit gerade nicht mehr in der Apotheke kaufen musste.

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Second Life für Magsafe 1 #rp16 – Kaputte Netzteile gesucht!

Mittwoch, 13. Januar 2016 22:18

Ich habe für die re:publica 2016 eine Workshop-Session eingereicht. Und zwar möchte ich zusammen mit Andrea vom Techniktagebuch die Reparatur von Magsafe-Netzteilen (Typ 1) vorstellen. Ob die Session angenommen wird, erfahre ich wohl in etwa 6 Wochen.

Magsafe-Netzteile für Macbooks haben häufig nur ein kurzes Leben. Während Trafo/Spannungswandler meistens noch funktionieren, leiden die Kabel z. B. unter falscher Wickeltechnik oder Materialermüdung und brechen entweder am Stecker oder am Netzteilgehäuse. Bevor man sie in den Elektroschrott gibt, lohnt es sich aber, wenigstens einen Reparaturversuch zu starten.

FullSizeRenderZuerst hat mir Kathrin Passig ihre umfangreiche Sammlung kaputter Magsafe1-Netzteile zur Verfügung gestellt, an denen ich ein bisschen üben konnte. Das hat eigentlich ganz gut geklappt. Dann habe ich zusammen mit Andrea das Netzteil ihres Macbooks repariert. Dabei hat es sich als sehr hartnäckig herausgestellt, so dass wir viel über die Fallstricke gelernt haben, die die kleinen Mistviecher bereithalten können.

Zu Beginn der Session sollen die typischen Beschädigungen vorgestellt werden. Es gibt Fehler, die sich einfacher als andere reparieren lassen, womit sich die Reparaturwürdigkeit einstufen lässt. Wir zeigen, wie man die Fehlerquellen freilegt und was man für die Reparatur braucht. Wenn es sich einrichten lässt, sollen gleich Netzteile von Session-Teilnehmern unters Messer kommen. Eine Erfolgsgarantie können wir natürlich nicht geben.

Spoiler: Ohne Lötkolben geht’s nicht.

Nun ist es aber so, dass die bislang zur Verfügung stehenden Netzteile noch nicht ausreichen, um die Reparaturmethoden verfestigen und durchstrukturieren zu können. Und darum können wir noch ein paar Netzteile gebrauchen. Kathrin hat mir angeboten, ihre Coworking-Space-Adresse als Sammelpunkt zu verwenden.

Ihr könnt (wg. Kabelbruch) kaputte Magsafe-Netzteile – bitte nur die mit den magnetischen Steckern – ausreichend frankiert schicken an:

Weserland Coworking
Kathrin Passig
Weserstr. 21

12045 Berlin

Meinetwegen könnt ihr auch einen Namen oder besser eine E-Mail-Adresse draufschreiben (Edding, Folienschreiber, Aufkleber). Sollten sie reparabel sein – was nicht feststeht! – könntet ihr sie ggf. bei der re:publica 16 wiederbekommen*. Einen Rücksendeservice können wir nicht anbieten.  Sorry. Denn es ist auch denkbar, dass Netzteile beim Reparaturversuch unrettbar kaputt gehen oder nur ein paar Ersatzteile gebraucht werden.

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*Hast du kein Ticket, können wir uns vor der Tür treffen oder so.

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iiiIIIIIEEeeeeiiii3

Montag, 26. Mai 2014 20:32

Zzzzzzzzzisch …

i3-011Ich bin eben BMW i3 gefahren. Bloggerkollege Thomas Gigold, der natürlich viel fleißiger, fundierter und ausdauernder über Autos bloggt, stellte den Kontakt zu BMW Berlin her, um mich zu einer Proberunde mit dem i3 einzuladen.  Das ist das erste reine Elektroauto von BMW. Gleich vorweg: Fährt super! Wenn man gemein ist, und das bin ich ja, könnte man sagen, der fährt so super, wie er furchtbar aussieht. Ich komme nicht drumherum, aber ich muss da noch ein bisschen drauf rumreiten. Ich verstehe BMW an der Stelle einfach nicht. Für mich – ich fahre ja selbst einen (älteren) BMW – steht die Marke BMW für dynamische, sportliche Fahrzeuge. Weniger für Vernunftkisten, die auch so aussehen. BMW hat in der Vergangenheit ja schon öfter Mut zu auffälligem Design bewiesen, dabei aber für meinen Geschmack nicht unbedingt ein glückliches Händchen gehabt. Lange Zeit übersetzten alte Fans der Marke BMW mit „Bangle muss weg“. Bis vor kurzem war Chris Bangle ja der Chefdesigner, der z. B. solche Unglücke wie das 6er Coupé mit dem Kofferraumdeckelgeschwür zu verantworten hat. (Beim Z3 hat er sich zum Glück noch nicht so richtig getraut.)

i3-012wi3-001Egal. Mit dem i3 hat Bangle m. W. nichts zu tun. Es fehlen auch die typischen hängenden Linien und konkaven Blechflächen. Stattdessen folgt man hier dem Trend, dass die Designelemente eines Fahrzeugs für mindestens drei Modelle ausreichen. So ähnlich hat Mercedes das ja mit der A-und B-Klasse vorexerziert. Auch da: Von allem zuviel. Ich hätte mir den i3 im Interesse dessen, wofür BMW steht, dynamischer gewünscht. Für meinen persönlichen Geschmack auch gern als kombihaftes Coupé. Ich habe vorhin mal mit Photoshop rumdilettiert. Ich hab davon echt keine Ahnung und kann allenfalls Pickel wegmachen oder Farben anpassen. Jedenfalls habe ich mal stumpf ein paar Markierungen ausgeschnitten und woanders eingefügt. Die Gürtellinie samt Dach insgesamt etwas tiefer, die Schießscharten seitlich hinten nach unten gezogen, den Schweller durchgängig schwarz und so. Wenn das jetzt gut gemacht wäre, sähe das von der Seite schon mal besser aus. Hinten müsste man dann auch noch was machen. Die Heckscheibe würde mit der Unterkante sicherlich die Seitenlinie der Fenster aufnehmen. Oder so.

i3-008Der i3 will ja ein Stadtauto sein. Und in der Stadt biegt man häufig rechts ab. Was macht man da? Richtig, man versucht nach hinten rechts Radfahrer zu orten. Da hat man dann diesen Blick. Das ist schon arg wenig, was man da sieht. Bei meiner Lösung hätte man schon ein etwas größeres Sichtfeld, und damit ein wichtiges Argument, das man als Sicherheitsfeature für das gemeinschaftliche Auskommen im Verkehr mit schwächeren Verkehrsteilnehmern bringen könnte. Stattdessen folgt man leider dem Trend, die Gürtellinie hinten hochzuziehen. Dabei finde ich diese riesigen hinten hochgezogenen Blechflächen mit den schmalen Sehschlitzen an der Seite alles andere als schön und eben auch aus meiner beruflichen Sicht schlecht. Für Kinder sind die runtergezogenen Fenster in den Fondtüren natürlich schön zum Rausgucken.

Sonst sitzt man natürlich gut. Man hat eine leicht erhöhte Sitzposition, die vielen ja so wichtig ist und sich daher gleich einen panzerspähwagenesken SUV zulegen, mit dem sie dann die Gören 500 Meter weit zur Kita befördern und dabei so viel Platz einnehmen, auf der woanders 10 Leute wohnen. An dem Erfolg dieser Fahrzeuggattung zeigt sich auch, dass man hierzulande über Wirtschaftlichkeit keine Autos verkaufen kann. Denn so ein SUV ist ja nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern verbraucht auch mehr Sprit als ein „normales“ Auto. Zudem braucht man häufig auch fettere Reifen und so. Alles teurer. Also: Die Karre muss was hermachen, damit sie gekauft wird. Vielleicht wäre BMW gut beraten gewesen, dem i3 ein martialischeres Äußeres zu geben. Aber der i3 ist -wenn man sich mit seinen Linien anfreunden kann- dafür zu nett. So wie der Audi A2. Dem fehlte auch das Bissige. Erst die Gebrauchtwagenkäufer haben dessen wirklichen Qualitäten erkannt.

i3-005Hinten hat der i3 auch ne Sitzbank. Der Fußraum hat keinen fetten Mitteltunnel. Das ist toll, weil man viel besser durchrutschen kann. Meine DS hatte ja auch einen glatten Wagenboden, und aus Kindertagen ist mir das vom Citroën GS Break meiner Eltern noch gut in Erinnerung. Die Türen hinten sind „Selbstmördertüren“, also hinten angeschlagen. Man kann sie nur öffnen, wenn die vordere Tür auch offen ist. Hm. Weiß nicht. Dem kann ich nicht viel abgewinnen. Ist ein netter Gag, benötigt aber viel Stabilität in den Strukturen drumherum, weil man keine B-Säule hat. Bestimmt gewöhnt man sich aber dran, wenn man seine Aktentasche hinter den Sitz stellen will, erst die Fahrertür und dann die Fondtür zu öffnen. Man muss ja eh beide Türen auf- und zumachen, auch bei nem anderen Viertüren, wenn man etwas hinten unterbringen will.

i3-009Im Kofferraum merkt man, dass man irgendwo Technik unterbringen musste. Der Kofferraum ist nämlich kein tiefes Loch wie bei anderen Autos heutzutage, sondern erinnert mich an meinen Fiat 500 Kombi, bei dem die Ladekante mit dem Kofferraumboden eine Ebene bildet. Andere Autoblogger wissen ja immer gleich, wie viel in den Kofferraum reinpasst. Ich weiß das nicht. Ich finde die Größe daher ok. Der Wocheneinkauf würde reinpassen und auch noch ein paar Kisten Pils extra für Vatti, wenn man die Sitze umklappt. Was will man mehr? Vielleicht einen Fahrradträger. Ich glaube, ne Anhängerkupplung gibt es für den i3 nicht. Aber BMW hat bestimmt ne Zubehörlösung, um den Transport der beiden Hippster-Fixies zu bewerkstelligen.

i3-007Das weitere Innendesign finde ich großartig! Das Holz ist geöltes Eukalyptus, was ja besonders schnell nachwächst. Vorsichtig sollte man dann sein, wenn man einen Koala im Haushalt hat. Der sollte hinten sitzen, nicht dass er vorne die Verkleidungen anknabbert. Die Armaturenbrett- und Türverkleidungen sehen aus wie aus einem dunklen recyceltem Fasermaterial. Das hat mir auch sehr gut gefallen, weil es hier im positiven Sinne die Andersartigkeit unterstreicht. Statt eines Tachos hat man ein Display vor sich, das man gut ablesen kann. Außerdem noch einen mittig angebrachten Bildschirm mit allerlei weiteren Infos wie Navi, Radio und so.

Mir ist die Geschwindigkeitsanzeige allerdings zu träge. Denn der i3 geht im Stadtverkehr so ab, dass die Anzeige, das ist kein Witz, mit der Geschwindigkeit hinterher hinkt. So ist es mir ein paar Mal passiert, dass ich mich jenseits der 60 km/h wiedergefunden habe, obwohl ich nur auf knapp über 50 beschleunigen wollte. Kurven konnte ich nicht so ausgiebig testen. Der Schwerpunkt liegt wohl recht tief, so dass die Fuhre sicherlich auch gut ums Eck geht. Auch hier kann ich nur sagen, dass die Form diese Dynamik gern auch nach außen transportieren dürfte. So sieht es wohl eher ein bisschen unbeholfen aus, wenn der Kasten, der höher als breit ist, um die Ecke gerauscht kommt. Der Wendekreis ist noch kleiner als der meines Z3, und das will was heißen (echt jetzt!).

i3-013Woran man sich schnell gewöhnt, ist die Funktion des GasStrompedals. Wenn man nicht gerade scharf bremsen muss (wie ich, weil ein Radfahrer bei roter Ampel in falscher Richtung die Straße überquert), braucht das Bremspedal praktisch nicht. Nimmt man den Fuß vom Gas, hat man eine sehr wirkungsvolle Motorbremse. Dabei wird die Energie nicht wie beim herkömmlichen Bremsen in Feinstaub und Wärme umgewandelt, sondern in elektrische Energie zurück in den Akku gestopft. Das ist super! Ich schätze die Verzögerung auf etwa 2 bis 3 m/s2. Das merkt man dann schon. Viel stärker bremst man im normalen Verkehr höchstens, wenn relativ plötzlich ne Ampel auf rot umspringt. Ich habe mich allerdings gefragt, was das Auto macht, wenn die Griffigkeit nicht gegeben ist, also bei Straßenglätte. Dann müsste wohl dauernd das ESPDSC regeln oder so.

i3-004Der freundliche BMW-Mann hat mir auch noch das Aufladen mit den verschiedenen Möglichkeiten gezeigt, zu Hause (mit einem Wandladegerät, langsames Aufladen bei den Schwiegereltern über die Schukosteckdose, oder Schnellladen an einer öffentlichen Ladesäule. Letztere hatte irgendwie einen doofen Stecker, der nicht richtig einrasten wollte. Daran merkt man, dass man es hier mit einer Technik zu tun hat, die noch in den Kinderschuhen steckt. Überhaupt das Aufladen. Das dauernd natürlich schon seine Zeit. 80% hat man zwar relativ schnell wieder drin (ich glaube, das war ne Dreiviertelstunde), die letzten 20% dauern dann aber noch mal so lange. Das bringt diese Akkutechnologie eben so mit sich.

i3-003Im Grunde müsste man jede Gelegenheit, bei der man anhält, zum Laden nutzen können. Das ist aber kaum praktikabel, weil man ja nicht ständig mit der Kabeltrommel irgendwo nach Strom betteln will. Öffentliche Ladestationen gibt es zu wenige, und ob einem die Reichweite reicht, muss jeder für sich entscheiden. Ich halte die realistischen gut 100 km, es mögen auch 130 km sein, für zu wenig. Zwar ist es richtig, dass man meistens weniger am Tag fährt. Aber allein in meinem Beruf kann es schon mal sein, dass ich morgens erst ins Büro, dann zu einer Fahrzeugbesichtigung nach Tegel fahre, danach noch eine Unfallstelle in Grünau angucke, dann wieder ins Büro und später nach Hause. Da komme ich dann vielleicht gerade noch mit dem letzten Elektron an, aber das wäre mir zu stressig. Eine Gesamtreichweite, bei der bei den Benzinkarren fast schon die Reserveleuchte kommt, halte ich für schlecht vermittelbar, um so ein Auto wirklich an den Ottonormalverbraucher zu bringen. Da sollte es schon eine Tagesetappe eines Wochenendausflugs sein, sagen wir 500 km. Das wäre so die Zahl, wo die Leute zu überlegen anfangen würden, ob die Elektrogurke was für sie wäre. Und im Grunde haben sie ja auch alle Recht, wenn sie sagen: „Ich kann beim ferngesteuerten Auto meines Sohnemanns die Akkus auch tauschen. Warum geht das hier nicht?“ Die Tankstelle als Akkuwechselstube. DAS muss man den Leuten erstmal klar machen, warum das nicht geht. M. E. wäre das immer noch zu überlegen, würde aber bedeuten, dass sich die Hersteller miteinander weltweit ins Benehmen setzen. Kannste vergessen. Man kann ja froh sein, dass man den ganzen Kofferraum nicht mit Steckeradaptern füllen muss.

i3-010Aus beruflicher Sicht interessiert mich natürlich auch die Sicherheit oder die Wege der Kaltverformung. Das ist bei einem Auto, das aus neuartigen Werkstoffen gebaut ist, ja so eine Sache. Wie für die Kanzlerin nach vielen, vielen Jahren das Internet noch Neuland ist, ist das ja mit neuen Werkstoffen im Autobau auch so. Ist man in einen Unfall verwickelt und nicht unbedingt schuld, kommt das Auto ja nicht gleich in die Reparatur, sondern ein Schadensachverständiger schätzt erst mal die Schadenhöhe. Mal ein Beispiel: Jeder (oder?) weiß, dass ein Auto einen Anprall an einer festen Barriere mit bis zu 4 km/h ohne Schaden übersteht. Soweit die Theorie. Denn in der Praxis mag der Schaden noch so klein sein: Wenn sich am Thermoplastbauwerk, der Stoßfängerverkleidung, auch nur die kleinste Aufwölbung zeigt, ist ne neue fällig. Und weil die Gutachter keinen Röntgenblick haben, wird – oft auf Verdacht – der Querträger samt Pralldämpfern darunter gleich mit aufgeschrieben. Ein Bekannter berichtete von einem Fall mit einem Rennrad aus Carbon. Das hatte einen Kratzer am oberen Rahmenrohr abbekommen, bei dem ein paar Fasern gerissen waren. Irreparabel. Neuer Rahmen. Wenn nun nach einem Unfall sich irgendwo ein kleiner Spliss in der Kohlefaser zeigt, oder auch nur der Verdacht besteht, dass es eine solche Belastung gegeben haben könnte, möchte ich wetten, dass da viele teure Reparaturen kalkuliert werden, weil man es eben nicht so genau weiß. Ist ja Neuland, so ein Auto. Und misslungene Unfallreparaturen, bei denen die einstmalige berechnete Crashsicherheit nicht mehr gegeben ist, sind leider keine Seltenheit. Dieses Problem betrifft aber nicht nur den i3, sondern auch andere Fahrzeuge mit Verbundwerkstoffen in den tragenden Strukturen. Der i3 ist halt gerade ein sehr prominenter Vertreter auf dem Markt, und BMW wirbt ja auch mit den Vorteilen dieser Technologie, die man zweifellos nicht in Abrede stellen kann.

i3-002Nichtsdestotrotz: Ich finde den i3 toll, habe mich aber trotzdem einmal dabei erwischt, wie ich fast gedacht hätte: „Na hoffentlich erkennt dich keiner in dem Ding!“ Aber die Form ist natürlich Geschmackssache. Darüber darf man ja angeblich nicht streiten. Ich bin mir sicher, dass sich BMW mit einem ästhetischeren Auto, das mehr Dynamik verkörpert, einen größeren Gefallen getan hätte. Denn so muss man die inneren Werte wahrhaftig erfahren, damit man auf den Geschmack kommt. Elektroautofahren ist toll! Echt jetzt. Das ist so dermaßen elegant, quasi geräuschlos dahinzugleiten, dass man sich fragt, warum man den Irrweg über den Zerknalltreibling überhaupt eingeschlagen hat. Denn, wenn man die gleiche Forschung wie in Verbrennungskraftmaschinen in die Elektro- vor allem die Akkutechnik gesteckt hätte, würde man heute mit einem Auto wie dem i3 wohl 1000 km und mehr am Stück fahren und die Akkus in 5 Minuten aufladen können.

Also, danke BMW, für die Probefahrt, aber sorry, dass ich doch ein paar Kritikpunkte aufzählen musste. Wer sich selbst ein Bild vom i3 machen möchte, und das sollte man, wenn man an innovativen Autos interessiert ist, kann man sich als Berliner oder Speckgürtler hier melden: bmwi3berlin. Da läuft gerade eine Aktion bis Ende Juni.

Nachtrag:

Der supernette Probefahrermann, mit dem ich mich echt gut unterhalten habe, dessen Namen ich aber leider vergessen habe, hatte mich vorher gefragt, ob ich beim Fahren fotografiert werden darf, daraus würde dann ein Film zusammengeschnitten. Den kann man hier sehen. Ich kann versichern, dass man eigentlich normal sitzt, und nicht mit dem Kopf nach unten. Außerdem bohre ich mir nicht dauernd in der Nase, sondern stütze meine schwere Rübe mit dem Arm auf der bequemen Mittelarmlehne ein bisschen ab. 🙂

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