Da biste platt!

Wenn man sich, so wie ich, seit nunmehr über 25 Jahren mit ein und demselbem Fahrzeugtyp – Fiat 500 – beschäftigt, kommt man nicht umhin, dass man von seinem Umfeld mit allerlei Fiat-500-Krams bedacht wird. Das sind natürlich Fotos, Modellautos, aber auch mal Ersatzteile, die der Vater vom ersten Auto abbaute, mit Fiat-500s verzierte Alltagsgegenstände, Schokolade und was weiß ich noch. Ich mag das alles sehr.

Im digitalen Zeitalter wird man dann natürlich auch mit Links zu diversen cinquecentoaffinen Themen bedacht, derzeit ist das der Spon-Link zu den Pressed Flowers von Ron Arad. Anstatt das man sich bei Spon durch die Bildstrecke klickt, wo das aus meiner Sicht schon abgekühlte Thema nun aufgewärmt wurde, kann man sich natürlich besser auf der Originalseite umschauen: Der hat einfach mal ein paar alte 500er (rechtsgelenkte wohlgemerkt) genommen und sie nach allen Regeln seiner Kunst gepresst.

So, und jetzt kommt’s: Ich finde das großartig. So großartig, dass ich mir am liebsten eine seiner Pressed Flowers ins Wohnzimmer hängen würde. Der Name geht übrigens auf diese Herbarium-Geschichte zurück, wo man zwischen Buchseiten Pflanzenblüten und -blätter presst, diese dann meinst vergisst und einem in dem Moment entgegen flattern, wenn man das Buch in die Flohmarktkiste packt.

Der Spiegel meint, „Diese Exponate dürften jeden [sic!] Oldtimer-Fan die Tränen in die Augen treiben.“ Tja. Dann bin ich wohl kein Oldtimerfan. Ich kann mir natürlich gut die Heerscharen an sogenannten Oldtimerfans vorstellen, die sich nun künstlich über den Frevel an den Fahrzeugen aufregen. Ich habe damit kein Problem. Soll doch jeder mit dem von ihm erworbenen Gegenstand machen, was er will. Klar, ich will auch niemandem verbieten, sich darüber aufzuregen. Aber viele wären wohl kaum in der Lage mit den Fiats irgendetwas anderes anzufangen, als sie wegzustellen und/oder verrotten zu lassen. Sich aufregen geht natürlich einfacher, als aufbauen. Kenne ich aus eigener Erfahrung ja zu gut. Nur gerade in der Oldtimerszene sind doch etliche Zeitgenossen in ihren Ansichten eher rückwärts gewandt und neigen stark zum Scheuklappensehen. Mal über den Tellerrand zu schauen, kommt ihnen eher nicht in ihr schlichtes Gemüt. Sie haben nicht selten ein Problem mit Andersdenkenden.

Auf mich üben die Pressed Fiatflowers eine spezielle Ästhetik aus. Die gepressten Komponenten sind schön arrangiert, so dass die Autos noch als solche erkennbar sind. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Fiats keineswegs einfach irgendwie gepresst wurden. Motor, Getriebe und Fahrwerksteile fehlen z. B., die hätten sich wohl nicht gut gemacht. Auch Verkleidungsteile aus dem Innenraum wurden entfernt. Und es ist gut zu erkennen, dass die Fahrzeuge bewusst unter der Presse arrangiert wurden. Die Details gehen nicht einfach im Gesamtbrei unter, sondern sind gut zu erkennen. Ich würde sogar soweit gehen, dass die kleinen, unschuldigen Autos ihrer Würde (wenn man davon reden kann) nicht beraubt wurden.

Nun wurde mir gerade zugetragen, dass sowas ja auch mit Modellautos gehen müsste. Hm. Ich hab da noch so ein paar Exemplare (selbst gekauft, keine Geschenke, versteht sich), die ich eh nicht mehr brauche. Fehlt nur die Presse. Achso, und die Erfahrung, wie sich Zinkdruck unter der Presse verhält. Mal sehen.

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Datum: Donnerstag, 19. September 2013
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: cinquecentistisch

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Ein Kommentar

  1. 1

    Voll alt! 😉
    Ich finde den spontanen Versuch von Hamburg Thomas mit dem 5er in der Presse eigentlich auch sehr gut. Ist auch ohne Motor (und ohne Laserschnit) erfolgt, ist aber trotzdem schon sehr nah an den pressed Flowers dran.
    http://www.flickr.com/photos/31188373@N03/9614821096/

    Zinkdruckguss ist glaub ich zu spröde. Das zerbröselt.

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