Ach #touchandtravel. Ihr müsst noch viel lernen.

Eben habe ich das Auto in die Werkstatt gebracht und bin mit der BVG zum Büro gefahren. Dafür nutze ich eigentlich ganz gern Touch&Travel, auch wenn es teurer ist, als z. B. 4er-Karten zu kaufen. Aber die Nerven, die Nicht-Annahme „neuer“ 5€-Scheine (Die gibt’s schon ziemlich lange, finde ich), die Geräusche etlicher ankommender und abfahrender Züge, die bohrenden Blicke anderer Fahrscheinerwerbegewillter, während quälend langsam die Fahrscheine aus dem Automaten quillen, lassen mich zu der eigentlich ganz bequemen Handylösung greifen. Dass damit ein Bewegungsprofil erstellt wird: Nunja. HIER weiß man es wenigstens.

Nach dem ich mich eben am Senefelderplatz ausloggte und auch der Fahrpreis berechnet wurde, hatte ich beim Einschalten meines Rechners postwendend eine Mail bekommen:

 

Verstoß gegen die Touch&Travel-Bedingungen bei Ihrer Fahrt 0815

Sehr geehrter Herr Will Sagen,

während Ihrer Fahrt mit Touch&Travel am 04.07.14 (Fahrt-ID: 0815) war die Positionsbestimmung durch den Location Based Service (LBS) nicht möglich. Die Freigabe des LBS durch Sie ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung, um Touch&Travel nutzen zu können.

Bitte beachten Sie, dass zur Berechnung des Fahrpreises Ihr Standort zwischen An- und Abmeldung periodisch ermittelt werden muss.

Damit Sie Touch&Travel weiterhin nutzen können, ist es notwendig, den Location Based Service erneut freizuschalten. Senden Sie dazu eine SMS mit dem Inhalt +touchandtravel an die Nummer 27637. Für den Versand dieser SMS berechnet Ihr Mobilfunkanbieter Kosten für eine Standard-SMS entsprechend Ihres Mobilfunktarifs.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Touch&Travel-Kundenbetreuung

Diese E-Mail wurde automatisch generiert. Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail.

Bei Fragen und Anregungen wenden Sie sich bitte an:
Touch&Travel Kundenbetreuung
Salzufer 6
10587 Berlin

Tel.: 0800 330 430 1 (kostenlos)
info@touchandtravel.de
https://www.touchandtravel.de/

 

Ich dann so:

Guten Tag,

> Bitte antworten Sie nicht auf diese E-Mail.
Doch. Genau das tue ich:

Ich will wohl gerne irgendetwas freischalten, aber einen Verstoß, also eine aktive Pflichtverletzung gegen irgendwelche Bedingungen, habe ich nicht begangen und muss ich mir auch nicht vorwerfen lassen. Ich habe an meinem Smartphone keinerlei andere Einstellungen vorgenommen als sonst. Wlan aktiv, GSM aktiv, GPS aktiv, ja sogar Bluetooth. Der Akku zeigte beim Verlassen der letzten Station 92% an.

Wenn Ihr LBS z. B. in einer U-Bahn nicht funktioniert, kann ich wenig dagegen ausrichten. Mein Navi im Auto hat in Tunnels auch Schwierigkeiten. Jedenfalls werde ich auch in Zukunft davon absehen, an jeder Station auszusteigen und für 5 Minuten ans Tageslicht zu gehen, damit ich von Ihnen periodisch überwacht werden kann. Vielleicht sind Ihre Nutzungsbedingungen mit einer Fortbewegung unter der Erde (Blaschkoallee-Hermannplatz-Alexanderplatz-Senefelderplatz) in Zusammenwirken mit einem dramatisch schlechten, also im doppelten Sinn unterirdischen Mobilfunknetz schlicht inkompatibel. Ich habe mich von Anfang an gefragt, als diese periodische Überwachung eingeführt wurde, wie zuverlässig das wohl unter der Erde funktioniert. Mir scheint außerdem, Ihr Kundenüberwachungsdrang und das grundsätzliche Misstrauen ist etwas zu stark ausgeprägt. Ich empfehle Ihnen daher, den Fehler zunächst bei sich zu suchen, bevor Sie das Vergehen Ihren Kunden zuweisen.

Vielleicht sollten Sie über die Formulierung Ihrer Mail daher noch mal etwas nachdenken. Als Anregung, weil ich ja quasi Kunde der ersten Stunde und so etwas wie ein Betatester war (immer noch bin, trifft es wohl eher):

„Betreff: Problem mit der Standortbestimmung“ oder so. Und dann: „Leider war es unserem System nicht möglich, Ihren Standort periodisch zu bestimmen. […] Die Programmierung sieht vor, dass die Standortbestimmung durch Sie erneut freigeschaltet werden muss.“ An dieser Stelle könnten Sie sich auch fragen: Warum eigentlich? Nur, weil das einmal nicht ging, muss man als Kunde aktiv werden?

Ich werde wohl dazu übergehen, mich wieder an den quälend langsamen Automaten zu bedienen (die sind vermutlich vom gleichen Programmierer, oder?) Mit 4er-Karten ist es in Berlin eh günstiger, Öffis zu nutzen.

Ja, meine Ausdrucksweise ist etwas deftig geraten. Genauso, wie Sie, der/die das jetzt liest, persönlich wohl nichts für die Unzulänglichkeiten kann, geht es mir aber auch.

Viele Grüße und einen angenehmen Tag noch

Will Sagen

 

Autor:
Datum: Freitag, 4. Juli 2014
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2 Kommentare

  1. 1

    Spricht mir aus der Seele! Touch and Travel ist wirklich Beta. Berechnet z.B. einen viel zu hohen Preis wenn ich mit der Regionalbahn ins Umland fahre.(1. Klasse und Bahncard 50 scheint zu kompliziert zu sein, obwohl alles in der App eingetragen ist.) Wenn die nicht bald in die Hufe kommen und nachbessern, kann man das Projekt wohl als gescheitert ansehen.

  2. 2

    Am besten fährt man wohl schwarz. Man muss sich nicht mit Automaten aus dem vorletzten Jahrhundert und schlampig programmierter Software rumärgern. Ab und zu zahlt man halt lächelnd und ehrlich das „erhöhte Beförderungsentgelt“ und gut ist.

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