Beitrags-Archiv für die Kategory 'Ach geh mir wech'

Rupert’s Kitchen Orchestra macht ernst und sich unbeliebt.

Donnerstag, 2. August 2018 17:07

Vor vielen Jahren entdeckte ich zufällig die Band „Rupert’s Kitchen Orchestra“. Ich mochte die Musik, die Texte waren lustig und hintersinnig, die Musiker erkennbar beseelt von dem, was sie tun. Ich hab viele gute Worte über die Band verloren, sie Bekannten und Freunden empfohlen, bin zu Konzerten gegangen und habe CDs gekauft. Es ging sogar so weit, dass mein Kumpel Bonus und ich nach einer Aufforderung von Rupet’s Kitchen Orchestra auf Facebook (der Link geht nicht mehr, weil der Beitrag gelöscht wurde), den Song „Wir retten Berlin“ nicht nur gecovert haben, sondern auch ein kleines Video dazu gedreht haben, das man sich bei Youtube ansehen konnte. Gerade mal 176 Leute haben das in den vergangenen knapp viereinhalb Jahren getan. Was für ein Erfolg!

Vor drei Wochen bekam ich plötzlich eine Nachricht über einen Kommentar von Youtube-User „rupertskitchen“ unter meinem Video:

Hey Willsagen, bitte nimm das Video inzwischen mal raus oder mache viel deutlicher, daß Du coverst. Danke!

Weil ich nicht so richtig wusste, was nun genau das Problem ist, antwortete ich:

„Text + Musik: Rupert’s Kitchen Orchestra“ Wie deutlich soll es denn sein? Ich sag mal so: IHR habt damals dazu AUFGERUFEN, das zu covern. Und ich hab gleich in der ersten Zeile den Urheber vermerkt. Was ist daran falsch?

Rupert’s Kitchen Orchestra:

Nenne doch einfach Deinen Künstlernamen im Titel.

Das hab ich dann ehrlich gesagt nicht so recht verstanden. Schließlich habe ich keinen „Künsternamen“, und das Video ist eindeutig nicht im YouTube-Kanal von Rupert’s Kitchen Orchestra aufgeführt.

Daher:

Meinen? Ich hab jetzt mal euern Bandnamen dazugeschrieben.

So sah das dann als Screenshot aus:

Gestern dann:

Willsagen, bitte lösche den Song umgehend, die Aktion von damals ist vorbei. Vermeide unangenehme Konsequenzen. Danke.

Da habe ich mich ja dann doch gefragt, welche Synapsen da wohl gerade klemmen. Es ist eine Coverversion, die nach Aufforderung der Band aufgenommen wurde, also erwünscht und legitimiert war. In den Kommentaren des damaligen Facebook-Beitrags fand die auch durchaus Anklang und es wurde insbesondere keine Unterlassung ausgesprochen. Hier sagt die Band ein bisschen was über ihr neuerliches Vorgehen, wenn auch sprachlich ziemlich ungeschickt. Offensichtlich hadert man mit der früheren Freerider-Attitüde einerseits und andererseits mit der Erkenntnis, dass man Einnahmen braucht, um den Spaß zu finanzieren. Und ungefragte Mitschnitte sind ja das eine. Da habe ich grundsätzlich durchaus ein gewisses Verständnis dafür, dass man die Kontrolle über das eigene Material behalten will. Bei Coverversionen sieht die rechtliche Lage aber doch etwas anders aus, vor allem unter den beschriebenen Voraussetzungen.

Ich will mal so sagen: Die mir angedrohten unangenehmen Konsequenzen könnten für die Band einige Gerichts- und Anwaltsgebühren sein, wenn ich es auf die Spitze treiben würde. Das tue ich natürlich nicht. Stattdessen habe ich das Video auf „privat“ gesetzt, auch wenn ich das bestimmt nicht müsste. Der Klügere gibt nach. So wichtig ist mir das dann ja doch nicht.

Aber beliebt macht man sich die Band „Rupert’s Kitchen Orchestra“ durch so ein Vorgehen ganz bestimmt nicht. In Zukunft werde ich also nicht nur einen großen Bogen um die „beste Berliner Funkband der Welt“ machen, sondern es wäre wohl am besten, auch alle zu warnen, die sich mit der Kapelle in irgendeiner Form geschäftlich einlassen. Verlässlichkeit sieht ja doch etwas anders aus.

Das Nachtreten übernimmt schon mal der Schlagzeuger:

Wer hier wohl der Kloppi ist?

Update:

Zwischenzeitlich hat sich der Schlagzeuger bei mir über Facebook gemeldet, nachdem ich an seinem albernen Kommentar ein „Haha“ hinterlassen hatte. Er hat jetzt damit rausgerückt, dass es um die GEMA geht. Das bedeutet für die Band einen ziemlichen Paradigmenwechsel, hat man doch früher gern mal auf dieses „System“ geschimpft und wollte keinesfalls Teil davon sein. Im Netz ist davon natürlich nicht mehr viel zu finden. Offensichtlich hat man mit vermehrtem Airplay gemerkt, dass es eben doch nicht so clever ist, sich Einnahmen durch die Lappen gehen zu lassen und nur den verhassten Touris im Mauerpark die Kohle (steuerfrei ..?) aus der Tasche zu ziehen. Der Song „Wir retten Berlin“ ist bei der GEMA also sehr wahrscheinlich deutlich später angemeldet worden, als die Aufforderung der Band auf Facebook, das Stück zu covern. Mit einer nachträgliche GEMA-Anmeldung lassen sich vorher zugeteilte Verwertungsrechte allerdings schlechterdings rückgängig machen. Andreas R. Raab klärt mich dann auch auf, dass es keine Coverversion, sondern eine Bearbeitung sei (gähn). Und dass er mich ja nur davor bewahren will, dass mir die (vormals böse) GEMA bald eine Rechnung auf den Tisch legt. Ach, und ich soll doch seinen Kommentar im obigen Screenshot nicht auf mich beziehen. Ist klar, bei der zeitlichen Koinzidenz. Und überhaupt wäre es doch wohl einzusehen, seinen unbegründeten Aufforderungen ohne Diskussion Folge zu leisten. Wer glaubt der eigentlich, wer er ist?

Immerhin habe ich nach dem YouTube-Kommentar nun auch mit der Facebook-Nachricht von Andreas R. Raab sozusagen schriftlich, dass es damals eine von der Band ausgelobte Aktion gab, den Song „Wir retten Berlin“ zu covern. Damit hat man seinerzeit klar eine Bearbeitungsgenehmigung erteilt, die man m. E. eben nicht mal eben so rückgängig machen kann, wie es einem gerade passt, auch wenn man den Facebook-Beitrag dazu gelöscht hat. Aber wie gesagt: Ich habe mich ja auf alles eingelassen, was man von mir wollte. Fragt man dann nach einer Begründung, darf man sich von diesem Experten beschimpfen lassen. Für eine kleine Entschuldigung ist man dann aber zu stolz. Das Beste ist noch, dass der Schlagzeuger von Rupert’s Kitchen Orchestra, Andreas R. Raab, mich erst von sich aus anschreibt und mich dann auch noch bittet, ihn in Ruhe zu lassen.

Zusammengefasst kommt also einer daher, behauptet, der Urheber zu sein, fordert mich im Grunde ungerechtfertigt auf, Änderungen an einer zuvor gewollten Coverversion bis hin zur Löschung vorzunehmen. Dem komme ich nach, wenn auch etwas widerwillig. Und dem Typ fällt nichts besseres ein, als einen für dumm verkaufen zu wollen und zu beleidigen.

Kannste dir nicht ausdenken. Der Ton macht die Musik. Aber sowas von!

Nachtrag 2:

Was für Amateure! Die GEMA kennt den Song gar nicht.

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Überall „Experten“

Freitag, 23. März 2018 15:04

Da sucht man händeringend nach geeignetem Nachwuchs in der eigenen Branche, dabei muss man nur einmal Twitter und Facebook öffnen und weiß gar nicht, wen man zuerst einstel – äh ohrfeigen soll. Ein autonom fahrendes Fahrzeug kollidiert mit einer Fußgängerin, die ein Fahrrad schiebt. Das ist zweifellos tragisch – wie jeder Unfall mit Personenschaden – aber für einen wie mich natürlich hochinteressant. Etwa genauso interessant, wie die Ergebnisse der Bundesliga für die gefühlt 80 Mio. Fußballtrainer, die regelmäßig vor den Fernsehgeräten und in den Stadien sitzen. In großer Zahl melden sie sich zu Wort, wenn der Ball noch nicht ausgerollt oder die Leiche noch nicht erkaltet, und wissen alles, aber wirklich _Alles_ über den Unfall: Erkennbarkeit, Geschwindigkeiten, aber als allererstes sogar, ob der Unfall vermeidbar war.

Was also tun, wenn man sich mit 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich der Unfallrekonstruktion doch irgendwie in der Lage sieht, bereits mit dem nach wenigen Stunden veröffentlichten Material etwas zu dem Unfall sagen zu können (zum Beispiel, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen)? Den Kopf in den Sand stecken, oder in homöopathischen Dosen (hilft ja eh nicht) hier und da mal einen Kommentar ablassen, um wenigstens versucht zu haben, die „Diskussion“ aus einigen Sackgassen wieder hinauszumanövrieren?

Ich komme auf das Thema, weil ich kürzlich hier eine Abhandlung darüber las, was es doch für ein Problem sei, oder warum eigentlich nicht zu den diversen Themen, die die Welt bewegen, geeignete Experten z. B. für Talkshows gewonnen werden könnten, sondern dann immer irgendwelche vermeintlichen Spitzenkräfte eingeladen werden.

Ich weiß ja, was drumherum, z. B. zur Vorstellung des „Experten“, dann für Beiträge produziert werden, denn schon beinahe rührend komisch, aber doch eher an der Grenze zum Fremdschämen ist es, wenn es um Verkehrsunfälle geht, habe ich doch ganz guten Einblick in das echte Geschehen. Zoom auf das Messrad, Totale von der Messlatte. Der „Experte“ in seinem Büro: Interessant, wie behände er zur Tür hineinkommen kann! Genau so stelle ich mir echte Professionalität vor. Er sitzt an seinem Rechner. Mit Warnweste. In der Einblendung liest man „Crashexperte“, „Unfallermittler“ oder so. Und er erzählt wirres Zeug.

Nur mit dem Namen des „Experten“ verbindet man alles andere als einen Fachmann. Man kennt sich ja in der Szene. Denn die echten Experten sehen ihr Gesicht aus Gründen der Seriösität und Reputation eher nicht so gern in windigen Fernsehproduktionen, wollen sie z. B. auch weiterhin im Gerichtsverfahren eine gute Figur abgeben oder nicht mit den falschen Namen in einem Zusammenhang genannt werden .

Damit ist das Problem eigentlich bereits beschrieben: Es melden sich nicht die zu Wort, die wirklich etwas von der Sache verstehen, sondern diejenigen, die meinen, sie hätten die große Ahnung, meistens noch kombiniert mit einem übersteigerten Sendungsbewusstsein und gute Rhetorik.

Und so werde ich es wohl noch ein Weilchen ertragen müssen, dass sich Menschen die Köpfe heiß reden und die Finger wund tippen, obwohl sie keinerlei Ahnung von Kollisionsmechanik und Unfallabläufen, deren Rekonstruktion oder gar der Vermeidbarkeitsbetrachtung haben. Im Hintergrund sammle ich übrigens Material zu dem Unfall, um dann, wenn es an der Zeit ist, vielleicht etwas Tiefgreifenderes dazu zu sagen.

Thema: Ach geh mir wech, Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (1) | Autor:

Die deutsche Justiz wird digitales Neuland bleiben

Freitag, 2. März 2018 9:39

Gestern war ich auf einer Sachverständigen-Tagung bei der IHK. Da ging es unter anderem auch um die elektronische Akte. Nicht nur, dass man irgendwie in Dateien statt Papierstapel Einsicht nehmen wird, nein, auch die Gutachten sollen natürlich als Dateien eingereicht werden. Dafür soll es irgendwie Signaturtechniken geben. Es wurden bunte Karten und Kartenleser vorgestellt, ähnlich wie man sie auch für das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) benötigt, das gerade eine scheppernde Bruchlandung hingelegt hat. Auch die Vortragende konnte nicht verhehlen, dass diese Lösung nicht besonders „smart“ ist. Es sei bestimmt nur eine Übergangslösung, meinte sie. Dass es die erforderliche Software nur für Windows-Systeme geben soll, ist dabei nur ein Bonmot am Rande.

Interessanter wurde es, als Nachfragen aus dem Publikum kamen, wie denn mit verschiedenen Dateiformaten umgegangen werde, da man bislang praktisch nur von Textdateien ausging. Ich habe dann explizit nachgefragt, ob denn auch Videodateien vorgesehen seien. Der Vertreter der Justiz, ein Richter vom Kammergericht, sagte dazu, dass das definitiv nicht vorgesehen sei. Er sprach dann auch nur von pdf- und tif-Dateien (also auch keine jpgs!).

Derzeit, wo wir noch bedruckte Papierstapel abliefern, haben wir das Problem, Simulationsberechnungen von Unfallabläufen, die wir auf dem Rechner als Film ablaufen sehen, als Sequenzen von Einzelbildern erstellen und ausdrucken zu müssen. In Einzelfällen liefert man dann eine CD-Rom oder DVD mit den Filmdateien dazu. Ich habe auch schon Filme bei Youtube hochgeladen („nicht gelistet“) und den Link im Gutachten als QR-Code verteilt. Letzteres kann man natürlich auch in Zukunft machen. Nur, wenn man doch schon die Möglichkeit hat, Dateien hochladen zu können, warum dann nicht auch Filme?

Vielleicht schafft es ja wenigstens das gute alte, nicht tot zu kriegende animated gif in die Liste zulässiger Dateien. Für kurze Sequenzen ginge das ja. Up to date ist anders. Aber was will man von einer der konservativsten Branchen schon erwarten?

Thema: Ach geh mir wech | Kommentare (1) | Autor:

Mal rischtisch hart durchgreifen! Eine kleine Bildergeschichte.

Sonntag, 3. September 2017 20:49

Heute im Mauerpark spielte unter anderem ein Gitarren-Duo, das sehr gut dazu zweistimmig sang. Es standen einige Leute herum und hörten bei angenehmer Lautstärke zu.

Schöne Musik!

Am Rand standen ein paar verdächtige Zuhörer. Sie warteten das Stück noch ab.

Verdächtige Zuhörer

Und dann war Schluss mit lustig. Echt ne ganz, ganz große Leistung.

... und dann war Schluss.

Mann, war ich sauer. 🙁

Thema: Ach geh mir wech, Draußen nur Kännchen | Kommentare (0) | Autor:

Drohnenverordnung – Dobrindt: Nur herrenlose Drohnen dürfen in Wohngebieten fliegen

Montag, 10. April 2017 12:19

Nun ist sie also da, die „Drohnenverordnung„. Nur weil ein paar dahergelaufene Hansel, die sich im Supermarkt eine „Drohne“ in den Einkaufswagen gepackt haben und damit postwendend auf Nachbars Kaffeetisch gelandet sind, ist nun mal eben der gesamte Modellflug Dobrindts aktionistischer Regulierungswut zum Opfer gefallen.

Wie üblich hat man es mal wieder geschafft, unter Beweis zu stellen, dass man von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Denn es heißt:

„Der Betrieb von unbemannten Luftfahrtsystemen
und Flugmodellen ist verboten, […]

über Wohngrundstücken, wenn die Startmasse
des Geräts mehr als 0,25 Kilogramm beträgt
oder das Gerät oder seine Ausrüstung in der
Lage sind, optische, akustische oder Funksignale
zu empfangen, zu übertragen oder aufzuzeichnen,
es sei denn, der durch den Betrieb
über dem jeweiligen Wohngrundstück in seinen
Rechten betroffene Eigentümer oder sonstige
Nutzungsberechtigte hat dem Überflug ausdrücklich
zugestimmt“

Man fasst sich wirklich an den Kopf, was für Anfänger da am Werke sind. Also erst, wenn die superduper Supermarktdrohne nach dem Ausfall der Fernsteuerung keine Funksignale mehr empfangen kann, darf sie legal in der Käsesahnetorte aufschlagen?

Man kann diesen ganzen Unfug einfach nicht ernst nehmen, der einem da als „Klare Regeln für Betrieb von Drohnen“ verkauft wird.

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DHL: Eine tolle Fahrt im Nonservice-Karussell

Freitag, 16. September 2016 9:54

Ich erwarte ein Paket. Da geht es mir nicht anders, als vielen Menschen auf diesem Globus. Ich habe etwas bei ebay gekauft. Dort ist meine Adresse seit Jahren unverändert hinterlegt.

Aber das Paket kommt nicht. In der Sendungsverfolgung verändert sich der Status ein paar Tage nicht. Dann wird das Paket ins Auslieferungsauto geladen, fährt einen Tag durch die Gegend. Ich lese als nächstes die Meldung, dass mit dem Empfänger eine Lagerfrist vereinbart worden sei. Ich habe aber gar nichts veranlasst.

Dann wandert das Paket wieder in das Auslieferungsauto. Als nächstes heißt es „Empfänger unbekannt“. Kann ja nicht wahr sein, also greife ich zum Telefonhörer und will die Hotline anrufen.

Aber ich finde gar keine Telefonnummer. Wieder und wieder klicke ich auf der Sendungsverfolgungsseite herum und sitze offenkundig in einem Nonservice-Karussell und fahre Runde um Runde. Ich frage die alte Tante Google nach einer Telefonnummer und sie verrät sie mir:

0228/4333112.

Ja, man habe das Paket versucht auszuliefern. Zu der Frage, wo ich eine Lagerung vereinbart hätte, kein Wort. Auf dem Paket sei als Adresse „Alte Schönhauser Straße“ angegeben, sagt mir der Telefonist. Richtig wäre „Schönhauser Allee“, sage ich und frage, wie das denn wohl sein könnte. Die Daten würden ja elektronisch übermittelt. Keine Antwort. Immerhin ist die eine Straße die Fortsetzung der anderen. Der Mensch von der Hotline meint, er würde jetzt „in das System“ eingeben, dass das Paket an die richtige Adresse geliefert wird.

Einen halben Tag später sehe ich, dass das Paket seinen Rückweg angetreten hat. unbenannt2

Am nächsten Morgen rufe ich wieder bei der Hotline an, was denn das jetzt solle. Ja, da kann man nichts mehr machen. Das Paket geht jetzt zurück. Die Frage, ob ich ihn jetzt anschreien oder einfach eine Viertelstunde ausharren müsse, damit etwas passiert, beantwortet er immer wieder stereotyp mit (sinngemäß): Jetzt ist alles zu spät. Und: Der Versender müsse sich jetzt bei DHL melden, damit er eine neue (kostenlose …) Paketmarke bekommt.

Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Es ist gar keine Hotline. Diese Hotline hat einzig und allein die Aufgabe, verdrossene Kunden eine Zeit lang hinzuhalten, bis sie sich entweder besser oder wenigstens anders fühlen. Es gibt ganz offensichtlich überhaupt keine Verbindung zwischen der DHL-Hotline und dem DHL-Paketdienst. Auf der einen Seite quatscht man ein bisschen mit den Kunden, auf der anderen schiebt man lustlos die Pakete mal hierhin, mal dahin. Kurz darauf bietet man mir noch die Möglichkeit an, das Problem via Facebook-Chat zu klären, schließlich habe ich meinem Unmut bereits über Twitter und eben auch Facebook Luft gemacht. Ergebnis: Das gleiche. Wer will, kann das hier nachlesen.

Dieses gesamte Online-Bestelldings ist im Grunde nur eine groß angelegte Förderung des lokalen Handels. Das wird mir jetzt langsam klar.

 

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Amazon ist nichts für Geschäftsleute

Mittwoch, 13. Juli 2016 16:12

Mal wieder Zeit für einen Rant.

Amazon ist ja schön und gut, solange man sich privat irgendwelchen Mist kauft. Aber wehe, man muss fürs G’schäft was bestellen. Die Sachen kommen ja meistens schnell. Aber was ist mit der Rechnung? Eine Firma versteckt es in den Amazon-Nachrichten, wo man nie nachschaut. Andere senden einem eine Mail, manche drucken sie aus und schicken sie per Post oder legen sie ins Paket, wieder andere bleiben komplett stumm.

Ja, man kann über einen nicht all zu weit entfernten Knopf eine Rechnung für eine Bestellung anfordern. Aber wenn man in einer Bestellung mehrere Artikel von verschiedenen Marketplace-Anbietern zusammengefasst hat, klappt das nicht mehr. Denn, die Rechnungsanforderung über diesen Knopf funktioniert stets nur für den ersten Artikel und damit nur für den ersten Anbieter in der Liste. Rechnung1

M. E. ist das ein ganz klarer Designfehler auf Seiten Amazons. Ich dachte erst, gebe ich einfach allen Anbietern eine schlechte Bewertung mit dem Text „Keine Rechnung, nicht geeignet für gewerbliche Bestellungen. No invoice, not suitable for business.“ Schließlich könnten mir die Anbieter einfach (ungefragt) eine Rechnung an die Versandbestätigung heften. Nur die Händler verlassen sich wohl darauf, dass bei Amazon alles richtig funktioniert. Wenn zwei beteiligt sind, ist es immer keine gewesen. Wie auf dem Bau.

Wahrscheinlich muss man jeden Artikel einzeln bestellen. Dann geht es vielleicht über den Knopf „Rechnung anfordern“. Ansonsten muss man, das als Tipp, auf die Verkäuferseite gehen und dann gaaaaaaaaaaaaaanz nach unten scrollen. Dort findet man derzeit (Amazon ändert ja auch mal gerne was) unten rechts dann „Verkäufer kontaktieren“ und kann dort sein Glück versuchen.kontakt

 

Ich frage mich, warum man im Warenkorb nicht einfach ein Häkchen „Rechnung als pdf per E-Mail“ setzen kann. Das Leben könnte so einfach sein.

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Krieg? Gefällt mir. Nicht.

Freitag, 4. Dezember 2015 12:07

Heute klickt ein Großteil der Bundestagsabgeordneten zum Thema Krieg in Syrien sehr wahrscheinlich den „Gefällt mir“-Button, um es mal im Facebook-Sprech auszudrücken. Dabei haben sie laut einer Umfrage einen Großteil der Bevölkerung hinter sich, also ist die Entscheidung demokratisch vielleicht in Ordnung.

Ich hatte eben einen Gerichtstermin in der Turmstraße und kam auf dem Weg zurück zum Auto am Friedhof in der Wilsnacker Straße vorbei. An der Friedhofsmauer ist diese Bronzetafel angebracht:

Hier wurden über 300 Menschen begraben, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Umkreis dieses Friedhofs ums Leben kamen. Sie starben bei Kampfhandlungen, im Luftschutzkeller, beim Beschaffen des Notwendigen, durch Genickschuss oder begingen Selbstmord.

Der Wahn allein war Herr in diesem Land.
In Leichenfeldern schliesst sein stolzer Lauf,
und Elend, unermessbar, steigt herauf.

Albrecht Haushofer, Moabiter Sonette.

Wem Krieg gefällt, dem gefällt auch diese Tafel.

Mag sein, dass ich in meinem Pazifismus naiv bin. Aber dass Krieg irgendwo zu Frieden führt, ohne dass ein Großteil der Zivilbevölkerung darunter extrem zu leiden hat, ist eine ebenso naive Wunschvorstellung.

 

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Ich fühle mich verraten.

Freitag, 31. Juli 2015 6:40

Aber nicht von Netzpolitik.org*, sondern von der Bundesregierung.

Ist ja nicht das erste Mal, dass sich Ermittlungsverfahren gegen die Falschen richten.

 

*Falls Netzpolitik.org nicht erreichbar ist: Mehr hier: https://landesverrat.org/

 

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Der Pipi-Test für den "Bösen Bullen"

Freitag, 12. Dezember 2014 13:03

bullen_0123Gestern Abend kurz vor sechs, fünf Minuten nach Feierabend, hatte ich seit langem mal wieder unberuflichen Kontakt zur uniformierten Staatsgewalt in Form einer Drogenkontrolle. Von der Schönhauser Allee kommend bog ich nach links in die Torstraße ein, um an der Karl-Liebknecht-Straße Richtung Alex abzubiegen. Fast alle Fahrspuren waren versperrt, und ich wurde von einem Kellemann auf den Parkstreifen rechts gelotst. Dort angekommen wollte man erst mal meine Papiere sehen. Gut. Nach einigem Kramen im Auto hatte ich alles Gewünschte gefunden, und weil ich dabei auch den Verbandskasten in Händen hatte, der auch plötzlich von Interesse war, hab ich dem „Guten Bullen“ auch noch unter die Nase gerieben, dass der noch haltbar ist. Soweit so gut.

Man mache eine Drogenkontrolle.

„Aha.“ meinte ich.

Ob ich letztens mal Drogen genommen hätte.

„Nö.“

„Noch nie?“

„Ne, noch nie.“

„Nicht mal probiert?“

„Ne. Nicht mal probiert. Nur vor ein paar Wochen war ich mal in nem Raum, in dem gleichzeitig gekifft wurde.“

Ob ich mit einem Test einverstanden wäre. – Naja, nun gut.

Guter Bulle leuchtet mir in die Augen, die ich vorher schließen soll. Alles gut (alles andere hätte mich auch gewundert).

„Zählense mal bis 30.“

„???“ (Zähle in Gedanken mittelschnell bis dreißig) „Fertig!“

„Oh, das ging aber schnell.“ und guckt auf seine Uhr.

„Jo, wieso?“

Naja, ich sollte im Sekundentakt zählen.

„Aha, ich soll also nicht bis 30 zählen, sondern 30 Sekunden abzählen. Müssen Sie mir aber auch so sagen.“ und überlege, ob der wohl was genommen hat … Jedenfalls zähle ich dann, inzwischen rund 10 Minuten im Regen stehend, mit geschlossenen Augen im gefühlten Sekundentakt bis 30. „Fertig.“ – „Ja, gut.“ Anscheinend habe ich den Test bestanden. (Später erfrage ich, dass ich 35 Sekunden gebraucht habe, was wohl ein guter Wert ist.)

Jetzt kommt Kollege Böser Bulle dazu. „Welche Farbe hat’n Ihr Auto?“ – „Grün, wieso?“. Leuchtet mit der Taschenlampe auf den Kotflügel und schweigt. War das jetzt auch ein Test? Was, wenn ich rosa mit blauen Sternen gesagt hätte? Wäre ich dann gleich in die  Entziehung eingeliefert worden?

Guter Bulle fragt mich, ob ich mit einem freiwilligen Pipi-Test (seine Wortwahl, wie ich später merke, wohl offizieller Berliner Polizei-Jargon) einverstanden wäre. Ich meinte, das wäre jetzt schlecht, ich wäre eben unten an der Schönhauser vom Büro aus losgefahren und wäre vorher noch aufm Klo gewesen. Das könnte meine Frau bestätigen.

„Naja, aber ein paar Tropfen gehen doch immer.“

„Mag wohl sein, aber wenn das freiwillig ist, dann würde ich jetzt eben sagen, dass ich damit nicht einverstanden bin, weil ich jetzt nicht muss, kann und will.“

„Ja, man könnte auch eine Blutprobe anordnen.“, meinte Kollege Böser Bulle.

„Oh, dann würde ich jetzt erst mal meinen Anwalt anrufen und fragen, ob das alles so richtig ist.“

Guter Bulle: „Wir müssten schon noch vorher einen Richter fragen.“

Ich so: „Ach was.“

Guter Bulle: Ob ich jetzt den Pipi-Test machen wolle. – Ne, eigentlich hatte sich meine Meinung nicht geändert.

Böser Bulle: „Wenn Sie jetzt nicht freiwillig einwilligen, dauert das hier 2 bis 3 Stunden, bis wir fertig sind mit der richterlichen Anordnung.“

„Oh, einen freiwilligen Urintest hab ich mir jetzt anders vorgestellt, nämlich ohne dass ich jetzt hier dazu durch Androhung einer Zwangsmaßnahme dazu genötigt werde. Immerhin bin ich doch wohl kommunikativ und kooperativ, hab die diversen bisherigen Tests ja wohl ordentlich absolviert, ohne Anlass für weitere Maßnahmen zu geben. Ich möchte jetzt erst mal gern wissen, was Ihnen die Veranlassung gibt, nun die nächste Stufe zu zünden.“

Böser Bulle: „Na, so richtig kooperativ sind Sie ja nicht. Immerhin weigern Sie sich, den freiwilligen Pipi-Test mitzumachen.“

„Versetzen Sie sich mal in meine Situation. Sie kommen nach 10 Stunden aus dem Büro, werden rausgewunken, benehmen sich anständig, Ihnen wird ein freiwilliger Test angeboten und die Freiwilligkeit sieht dann so aus, dass man bei Nichtteilnahme den Feierabend versaut kriegt. Da soll man jubilierend zustimmen, das so ein Test jetzt voll super ist? Ich fühle mich jetzt von Ihnen schikaniert und an meiner Menschenwürde angekratzt“ – mein Blickt schweift zu zwei Dixi-Klos in der Nähe- „, wenn ich auf diese Weise zu einem freiwilligen Test genötigt würde, obwohl ich klargemacht habe, dass das jetzt schwierig ist mit dem Urintest. Jedenfalls fühle ich mich von Ihnen genötigt.“

Dass ich aus der Nummer nicht rauskomme, war mir schon klar. Aber ich hatte auch irgendwie Lust, das auszudiskutieren. Im Grunde waren die beiden ja weitgehend freundlich zu mir. Ich aber auch! Aber man kann sich leicht vorstellen, in welche Richtung das geht, wenn man vielleicht nicht einen einigermaßen verständigen Eindruck macht. Wenn schlichte Gemüter aufeinanderprallen. Vor allem kann ich mir leicht vorstellen, dass die juristischen Feinheiten leicht mal unter den Tisch fallen, um eine bestimmte Handlungsweise durchzusetzen.

Es ging dann in irgendein nah gelegenes Bürogebäude mit einem Klo im Erdgeschoss. Dort war ein großes Hallo! Viele Uniformierte und genervte Menschen drängten sich vor allem um das Männerklo.  Einen mutmaßlichen Drogi hatten sie sich da gerade zur Brust genommen und versuchten ihm in gebrochenem Englisch zu erklären, dass jetzt ein „Judge“ a „Blood-Test“ anordnen würde and überhaupt. Jedenfalls fielen wie Maschinengewehrsalven stakkatohaft Begriffe wie Police, Drugs, THC, Blood, Judge, Test. Ich drückte mir ein paar Kubikmillimeter aus der Blase und übergab mein Töpfen an den Guten Bullen, der mir das Haltbarkeitsdatum seines Schnelltests zeigte und loslegte. Wie zu erwarten, war alles in Ordnung.

Ich hab noch mal klargemacht, dass das von seinem Kollegen nicht fair war, die richterliche Anordnung zu vergessen.

„Ne, das hat der gesagt.“.

„Ne, das haben nur Sie mir gesagt. Ihr Kollege hat damit gedroht, dass sich das noch 2, 3 Stunden hinziehen kann. Seien sie doch mit der Freiwilligkeit ehrlich, dass es die de facto nicht gibt. Hätte ich mein Aufnahmegerät dabei, könnte ich es Ihnen jetzt vorspielen.“

Guter Bulle meinte: „Ja, der Kollege ist noch neu und etwas steif im Umgang. Ich bin länger dabei und versuche, freundlicher zu sein.“

Beinahe wäre mir „Ach, das alte Spielchen Guter Bulle, Böser Bulle, ja?“ rausgerutscht, konnte es mir aber gerade noch verkneifen.

Kaum weggefahren habe ich dann auf dem Weg vom Alex zum Strausberger Platz im Berufsverkehr drei Rotlichtverstöße, eine eindeutige Geschwindigkeitsüberschreitung und zwei mal rechts abbiegen von der Geradeausspur, einmal mit Gefährdung von Radfahrern gesehen und dachte, dass es bestimmt wichtiger ist, am frühen Abend Drogentests bis zum bitteren Ende durchzuführen, ohne zu antizipieren, wann es reicht. ACA… arme Würstchen. Sie führen ja nur Befehle aus. Schönen Dank für die sinnvolle Verwendung meiner Steuergelder.

Update:
Heute fuhr ich die gleiche Strecke und wurde wieder rausgewunken. Mit ein paar überzeugenden Worten meinerseits konnte ich einen erneuten Test aber abwenden.

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