Immer auf die Autonomen

Neulich hatte ich ja was zu einem mittelguten Artikel auf Mobile Geeks geschrieben. Dazu hatte ich mir einige Schelte eingefangen. Nichtsdestotrotz wage ich es erneut, wieder etwas richtig zu stellen ein paar Zusatzinformationen zu liefern: Don Dahlmann beschäftigt sich im weiteren Sinne erneut mit der Digitalisierung der Autos und meint, dass das im autonomen Fahren endet, eher als manchem lieb ist.

Was in dem Artikel, dem ich ansonsten gern zustimme, zu wenig differenziert wird, sind die verschiedenen Modi, die man im Zusammenhang mit autonomem Fahren unterscheidet, und dadurch werden in gewisser Hinsicht Äpfel mit Birnen verglichen. Gerade die Übergänge von einer Stufe zur nächsten werden uns noch etliche Jahre begleiten.

Man unterscheidet zwischen:

– assistiertem Fahren

Das haben wir jetzt schon. Spurwechselwarner, Abstandswarner, Totwinkelwarner und so weiter. Im Wesentlichen wird vor sich anbahnenden Gefahren gewarnt oder es wird versucht, sie zum Umschiffen. Lenkeingriff gibt es nicht direkt, allenfalls über die Bremsen.

– teilautomatisiertem Fahren

Bestes Beispiel: Stauassistent. Das Auto rückt langsam vor und bremst auch ab. Das Auto kann einige Funktionen übernehmen, der Fahrer bleibt aber weitgehend Herr des Geschehens, muss vor allem jederzeit übernehmen können. Oder auch Einparkassistent.

– hochautomatisiertem Fahren

Das wäre dann so etwas, wie man sich gut auf längeren Autobahnstücken vorstellen kann. Das Auto fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss aber innerhalb einer gewissen Zeit in der Lage sein, das Auto wieder übernehmen zu können. Man spricht hier innerhalb von etwa 10 sec, was bei Autobahnrichtgeschwindigkeit 361 Metern entspricht, mithin eine längere Strecke als man derzeit beim Fahren typischerweise überblickt. Das System muss also schon ganz gut wissen, was weiter vorn los ist. In der Stadt können 10 sec zwei Kreuzungen bedeuten, die es zu überqueren gilt. Da wird von so einem System noch mehr verlangt als auf der Autobahn, gerade bei Fußgänger- und Fahrradverkehr.

– vollautomatisiertem Fahren

Der Fahrer kann sich zurücklehnen und ein Nickerchen machen, während ihn das Auto irgendwo hinfährt. In Zukunftsvisionen sieht man dann nahezu beliebig drehbar angebrachte Liegesitzen oder gar den Gang zur Kaffeemaschine. Das wird angesichts der Gurtpflicht, die wohl so eilig nicht gekippt wird, aber vorerst Zukunftsmusik bleiben.

Die Probleme werden auch nicht durch die automatisierten Fahrzeuge entstehen (vom Eingriffen durch Hacker und elektromagnetischen Impuls mal abgesehen), sondern durch das Zusammenspiel mit nicht autonom fahrenden Fahrzeugen bzw. „analogen“ Verkehrsteilnehmern. Da sehe ich die Herkulesaufgabe, die die Hersteller zu bewältigen haben. Kommunizieren ALLE Verkehrsteilnehmern untereinander, ist es im Grunde sehr einfach, sie z. B. wie an der Perlenschnur aufgereiht über die Autobahn fahren zu lassen. Da es aber auf absehbare Zeit garantiert mindestens einen Kaugummivertreter mit seinem hochmotorisierten silbernen Dieselkombi auf dieser Welt geben wird, der vor seinem Konkurrenten am Ziel sein will, ist das leider nicht mehr als ein Wunschdenken, bis „herkömmliche“ Fahrzeuge verbannt werden.

Im eingangs genannten Artikel wird nicht zwischen den einzelnen Automatisierungsgraden unterschieden, aber es wird ein auf den ersten Blick naheliegender Vergleich gezogen, nämlich zum Autopiloten in der Fliegerei. Den kann man vielleicht am besten mit der Teilautomatisierung vergleichen, allenfalls ansatzweise mit Hochautomatisierung. Der Pilot oder die Piloten müssen in sehr kurzer Zeit übernehmen können. Daher hinkt das Beispiel. Vollautomatisiert fliegen die Flugzeuge jedenfalls nicht. Aber dass Autofahrer ähnlich wie ihre fliegenden Zeitgenossen das Fahren/Fliegen verlernen, kann ich mir gut vorstellen. Ich meine ja, dass schon heutzutage durch die Abkoppelung der Außenwelt von der Fahrgastzelle das Gespür für die Umwelt verloren geht. Die Autos erziehen derzeit ihre Insassen zu Egoisten. In einer alten Klapperkiste wie meinem Fiat 500 ist man dem Unbill der rauen Umwelt viel extremer ausgesetzt.

Das mag jetzt wie die Suche nach dem Haar in der Suppe klingen, nur scheint mir die Differenzierung immer stärker unterzugehen. Man sieht oder kennt diese Stufen in einigen Kreisen vielleicht nicht, sondern trennt immer nur „manuelles Fahren“ von „autonomem Fahren“. So einfach es ja nun nicht. Leider. Und vielleicht auch gut so.

 

 

Autor:
Datum: Freitag, 27. Februar 2015
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: rolling rolling rolling

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2 Kommentare

  1. 1

    Bei den Piloten gibt’s gegen das Verlernen ja immer mehrfach Simulatortraining pro Jahr. Und trotz alledem hat die Anzahl der Unfälle wegen schlechten manuellen Flugfähigkeiten zugenommen. Bin gespannt, wie das dann auf den Straßen so wird… 😉

  2. 2

    […] sagenImmer auf die AutonomenNeulich hatte ich ja was zu einem mittelguten Artikel auf Mobile Geeks geschrieben. Dazu hatte ich […]

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