[Leica M9] Sensorreinigung – ich hab’s wieder getan.

3. Mai 2012 · Will Sagen

Einen Moment lang war ich ja geläutert von den ganzen negativen Kommentaren und was ich doch für ein Idiot, Dilletant, Ignorant und was weiß ich noch alles bin. Da hab ich, weil eh gerade kein Fotografierwetter war und ich spontan in Osnabrück an einem alteingesessenen, mir wohl bekannten Laden vorbei kam, dort meine Kamera für 22 Stunden abgegeben, um mal wieder eine professionelle Sensorreinigung durchführen zu lassen. Der Spaß sollte diesmal (nur) 39 Euro kosten, was wohl eigentlich in Ordnung ist. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl …

Als ich die Kamera dann wieder bekam, hatte ich gerade nichts weißes zur Hand, und auch der Himmel war wolkenverhangen. Dabei ist dann dieses Bild entstanden. Örgs. Was isn das da unten rechts? Die kleinen Spots? Geschenkt! Aber dieser Riesenfussel: Den hätte ich ja doch nicht nach einer Profireinigung erwartet.

(Klick auf das Bild macht es größer, Rechtsklick –> Speichern unter gibt die volle Auflösung.)

Na gut, der sitzt an einer Stelle, die nicht so sehr stört. Mich – als Prinzipienreiter – nervte aber, dass ich mit so einem Fussel rumlaufen sollte.  Niemals! So kam es, dass mich heute morgen der Mut erneut überkam, den Bremsenreiniger aus dem Schrank zu holen. Inzwischen habe ich meine Technik auch verbessert: Ich nehme mein iPhone nicht mehr nur, um anderen die Wirkung von Bremsenreiniger zu demonstrieren, sondern um die richtige Menge auf/in den Wischern einzustellen. Wenn der Wischer nur noch ganz klitzekleine Tropfen hinter sich herzieht, die sofort verdunsten, ist alles gut. Abgesaugt wird überflüssiger Bremsenreiniger von den Wischern (es geht ja eh nur um ein paar Tropfen!) mit dem Hama-Optik-Papier, bevor es losgeht.

Schon nach dem ersten Durchgang sah es besser aus als nach der Profiwäsche. Aber ich war noch nicht zufrieden. Nach dem dritten oder vierten Durchgang hatte ich dann folgendes Ergebnis. Mit dem kann ich gut leben! Ein bisschen ärgerlich ist zwar, dass gerade oben der dickste Fussel sitzt. Den bekommt man aber mit Lightroom gut entfernt. Ab Blende 8 abwärts fällt der eh nimmer auf.

Auch hier geht’s mit dem Klick auf das Bild zur größeren Ansicht, mit Rechtsklick –> Speichern unter zur Originalauflösung.

Klar. Ich weiß nicht, wie und ob irgendwelche Sensoren beschichtet sind, was vom Bremsenreiniger angegriffen werden kann, daher kann ich meine Methode nicht bedenkenlos weiterempfehlen. Außerdem gibt es Bremsenreiniger in verschiedensten Rezepturen. Beruhigend ist für mich aber immerhin, dass meine Kunststoff-Wischer trotz intensiver Bremsenreinigerspülung keine Auflösungserscheinungen zeigen.

 

[LeicaM9] Daumending selbst gebaut

3. April 2012 · Will Sagen

Ich würde mal sagen, die Ergonomie der Leica M9 ist hinsichtlich dessen, wie man sie mit einer Hand halten kann, verbesserungsfähig. Es gibt dafür z. B. so ein kleines Dingelchen, das man in den Blitzschuh stecken kann. Das nennt sich ThumpsUp und kostet erstaunliche 98 Euro. Als Leica-Besitzer wird man hinsichtlich Zubehör (von der Anschaffung der Kamera und Objektiven sprechen wir jetzt mal nicht) eh ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Das geht mit so kleine Knöpfen, die man in den Auslöser schrauben kann, los, über Taschen und Umhängeriemen gern für 3-stellige Preise bis eben zu so nem Daumending. Nach dem Motto: Wer Rolls Royce fahren will, muss auch Rolls Royce bezahlen können. Tja. Dumm gelaufen in meinem Fall.

Nun bin ich ja Heimwerker. Was liegt da näher, als son Teil selber zu bauen?

(Ab hier jetzt bitte die „Zugeschaut-und-mitgebaut-Musik“ vorstellen.)

Man nehme also zuerst ein Stückchen Alu Flachmaterial und säge davon etwas ab:

Als  nächstes sägt man eine Ecke heraus und probiert, ob das Teil in den Blitzschuh passt.

Dann um 90° abwinkeln, etwas kürzen, vorn eine Kerbe hineinfeilen und eine Rundung biegen:

Damit bin ich dann erst mal einen Tag rumgelaufen. Ist ganz angenehm.

Zum Schluss habe ich die Form noch etwas angepasst und mit schwarzem Kräusel-Lack lackiert. Dabei habe ich die Stellen links, rechts und unten am Blitzschuh abgeklebt. Fertig!

 

Ok. Sieht nicht ganz so aus, wie das Original. Das gibt’s vor allem auch mit durchgeschleiftem Blitzschuh (nochmal 30 Euro teurer).

Reicht mir erst mal. Das nächste feile ich dann aus dem vollen, und außerdem wollte ich immer schon mal ausprobieren, wie man selbst eloxiert. 😉

 

 

 

Multiplex Cargo

3. April 2012 · Will Sagen

Weil ich doch den Holyolli demnächst mal besuchen will und er sagt, dass man bei ihm Modellfliegen kann, will gut überlegt sein, was ich so mitnehme. Und da habe ich an meine Multiplex Cargo gedacht, die ich schon ewig nicht mehr geflogen bin.

Mutliplex Cargo

Vor allem ist mir aber ein Video wieder eingefallen, dass ich flugs bei Youtube hochgeladen habe.

#hach!

Elektroautos werden nun doch aus Umweltzonen ausgesperrt

1. April 2012 · Will Sagen

Derzeit geht ein elektrisierender Aufschrei durch die Onlinewelt. Thema: Schmutziger Strom!

Es hat sich herausgestellt, dass es für den Betrieb eines Elektrofahrzeugs nun doch extrem auf die Reinheit des Stroms ankommt. Wissenschaftler eines namhaften Kernforschungslaboratiums mit Sitz in Obervolta haben herausgefunden, dass Strom nicht nur aus bewegten Elektronen besteht. Bisher nahm man an, dass Stromfluss allein zunächst keine Emissionen entwickelt. Mit einer neuen Lirpa-Resonanztechnologie (Version 1.4) ist es nun aber gelungen, einen Effekt zu zeigen, bei dem sich kleinste Teilchens, so genannte Amperions, an den Elektronen anlagern. Sie „ernähren“ sich mittels eines Dynamoeffekts, bis ihre Ladung so groß geworden ist, dass sie von den Elektronen abgestoßen werden. Zuvor werden sie durch die Herzschen (Benannt nach dem kürzlich verstorbenen Hochstromelektro-Wissenschaftler Sigmund Cäsar Herz) Bindungskräfte daran gehindert.

Die Amperions sind dabei dennoch so klein, dass sie durch Isolationen diffundieren können. Dadurch kann es auch zu einer Verfärbung der Stromkabel kommen. Bei Ladekabeln bleibt es aber bei diesem Effekt, da man es hier mit Wechselstrom zu tun hat. Die Amperions wechseln mit der Stromrichtung auch die Diffusionsrichtung innerhalb der Isolation.

Problematisch wird es nun aber bei Gleichstrom, wie wir ihn in Akkus finden, die unsere Elektrofahrzeuge antreiben. Dort wandelt sich die Richtung des Stroms nicht um. Allenfalls wird der Strom gepulst. Statt des „Pump“-Effekts wie beim Wechselstrom werden die Amperions nun aus der Isolation herausgeschossen. Die zur Umwelt größere Ladungsdifferenz führt dann zu einem Verklumpen zunächst zu Mega- und dann zu Giga-Amperions. Diese Ladungsträger haben nun eine Partikelgröße, die mit denen der typischen Feinstäube vergleichbar ist.

Bislang hielt man „Elektrosmog“ mehr für eine Erfindung aus dem Reich der Esoterik, nun nimmt er zunehmend greifbare Substanz an. Fast könnte man meinen, dass einige Hersteller ihre Kunden durch die Namensgebung ihrer Modelle darauf vorbereiten wollen, dass es mit der Umweltverträglichkeit doch nicht so weit her ist, wie z. B. der Name „i-Mief“ eines japanischen Herstellers vermuten lässt. Dort konnten sich die Marketingspezis in letzter Sekunde nur noch  mit einem „v“ statt einem „f“ durchsetzen. Immerhin!

Postwendend hat die Nachricht vom „schmutzigen“ Strom gleich die Umweltministerkonferenz auf den Plan gerufen, um wie schon zuvor im vorauseilenden Gehorsam, allerdings immer noch frei von jeglicher Kompetenz, Elektrofahrzeuge aus Umweltzonen zu verbannen.

Kodak Retina IIc wiederbelebt

11. März 2012 · Will Sagen

Kodak Retina IIcVom ersten Moment hatte ich mich in sie verliebt. Schon länger konnte ich nicht nach so kurzer Zeit wegsehen wie bei anderen alten Knippsen. Die Kodak Retina hatte es mir angetan, wo doch mein fotografisches Vorbild (sofern man davon sprechen kann, dass ich eines habe), Fred Herzog, seine ersten fotografischen Schritte auch mit einer Kodak Retina getan hat. Sie stammt aus dem Nachlass des Schwiegervaters eines Arbeitskollegen, der mit einer Tüte voller alter Fotosachen ankam und fragt, ob ich für das ein oder andere alte Stück noch Verwendung hatte. Hatte ich.

Kodak Retina IIcNun handelte es sich allerdings nicht um ein funktionsfähiges Exemplar einer Kodak Retina, sondern um eine Art Puzzle. Der Schwiegervater hatte sie vor etlichen Jahren zerlegt und dann weggelegt. Ich wusste nicht, ob alle Teile vorhanden waren, es sah zumindest alles sehr geordnet aus. Wie man die Kamera zusammenbaute, stand allerdings nicht dabei.

Kodak Retina IIcIch habe dann ein wenig gepuzzelt und nicht nur herausgefunden, wie die Kamera zusammenzusetzen war, sondern auch, was defekt war: Die Kraftübertragung vom Aufziehhebel zum Verschluss war defekt. Der Verschluss wurde also nimmer gespannt. Nach ein paar Versuchen war klar, ohne Ersatzteil wird das nichts. Schnell fand ich Dank Internet nicht nur heraus, dass meistens eine Zahnstange Karies bekam, sondern dass es dieses Teil sogar noch als Ersatz gibt. Schnell bestellt und eingebaut.

Dummerweise habe ich dann doch nicht alle Teile wieder untergebracht. Bei 4 Schrauben, zwei Unterlegscheiben und einer kleinen Feder bin ich mir nicht recht im Klaren, wohin die gehören. Im Probelauf funktionierte die Kamera aber auch ohne die Teile.

Offenbar war aber der Verschluss verharzt, denn bei langen Belichtungszeiten war eindeutig erkennbar, dass der Verschluss zu lange offen blieb. Ich habe dann mit einer Casio-Consumer-Highspeed-Kamera durch den Verschluss gefilmt. Durch Auszählen der Bilder bin ich dann dahinter gekommen, dass der Verschluss tendenziell doppelt so lange wie vorgesehen öffnet. Gut, damit kann man leben.

Ich hatte dann noch einen alten 24er/100Asa Schwarzweißfilm, der erst vor 8 Jahren abgelaufen ist. Den habe ich mit einer Reminiszenz an vergangene Zeiten in die Kodak eingelegt und drauflos fotografiert. Nach einer Woche hielt ich die fertigen Rossmann-Abzüge in der Hand und erkannte, was sich schon beim Fotografieren als Problem herauskristallisierte. Am Anfang war noch alles normal, aber dann merkte ich, dass der Filmtransport mehr und mehr hakte, bis gar nichts mehr ging. Herausgekommen sind dadurch ein paar hochinteressante Doppelbelichtungen. Immerhin hat der uralte Film überhaupt noch etwas von sich gegeben!

Hier nun ein paar Rummelsburger Impressionen. Die Fotos stammen ganz ehrlich vom Februar 2012, nicht von kurz nach dem Krieg, auch wenn es so aussieht. Vielleicht liegt’s auch daran, dass ich die Helligkeit relativ stark heruntergesetzt hab. Das ändere ich vielleicht noch. Die harten Kontraste mag ich aber.

(Update: Die flickr-Fotos gehen noch, wenn man sie anklickt.)

Alter Lokschuppen

Kodak Retina IIc

 

Heizkraftwerk Klingenberg. Links erkennt man eine Doppelbelichtung.

Kodak Retina IIc

Rummelsburg

Hier an Pendant, das ich mit der Olga geknippst hab. Dort hängt ein 35 mm-Objektiv dran, an der Kodak hatte ich das 50 mm-Standardobjektiv, das deutlich lichtstärker ist, als das 35er, das der Schwiegervater sich seinerzeit ebenfalls gegönnt hatte.

 

Fenster im Lagerhaus

Kodak Retina IIc

Rummelsburg

Hier an Pendant, das ich mit der Olga geknippst hab. Da habe ich versucht, etwa den gleichen Ausschnitt zu fotografieren.

 

 

Sisyphus
Hier sieht man wieder die Überlagerung mit einem anderen Bild.
Kodak Retina IIc

Rummelsburg

Pendant in bunt

 

 

Auch sehr schön:
Kodak Retina IIc

Wer bis hierhin gekommen ist, darf sich in meinem flickr-Stream mit weiteren Fotos von und mit der Kodak Retina belohnen.

Tja. Leider muss ich die Kodak nun noch einmal auseinander bauen, um zu sehen, was mit dem Filmtransport los ist. Vielleicht finde ich ja auch noch ein paar Stellen, wo ich einige der übrig behaltenen Schrauben hineindrehen kann. 😉

Die geschürzten Lippen der Trivialliteratur

21. Februar 2012 · Will Sagen

Seit ich Berliner bin, lese ich ja wieder Bücher. Und zwar sogar relativ viele. Diese ganze Schiene: Kluftinger, Adler Olson, Stieg Larsson, Schätzing. Sowas halt. (Im Moment versuche ich mich allerdings zum zweiten Mal an „Der Turm“. Zu viele Buchstaben.)

In jedem Buch kommt mindestens einmal vor, dass einer der Protagonisten die Lippen schürzt. Jedes Mal stolpere ich darüber, weil ich mir nicht recht vorstellen kann, wie das aussehen soll. Spreizt man die Ober- oder Unterlippe vor? Schiebt Unter- über Oberlippe oder umgekehrt? Spitzt man die Lippen wie ein küssender Gurami? Oder macht man was ganz anderes?

Ich weiß es nicht, und darum schürze ich jedes Mal die Lippen, wenn wieder einer in meinem Büchern die Lippen schürzt.

Lasst sie gammeln!

8. Februar 2012 · Will Sagen

Endlich ist der Trend im Mainstream angekommen, könnte man meinen. Das hat zumindest der Besuch der Bremen Classic Motorshow am vergangenen Wochenende ergeben.

Bremen Classic Motorshow 2012

Schon als ich meinen ersten 500er neu lackiert hatte und er neben dem ziemlich originalen 500D meines Bruder stand, gefiel mir seiner irgendwie besser. Meiner glänzte zwar wie eine Speckschwarte, aber seiner sah authentisch aus. Und vor allem hatte er Details zu bieten, die nach einer Karosserierestauration mit neuer Lackierung unwiederbringlich verloren gehen. Vom ständigen Öffnen und Schließen war z. B. der Lack an der vorderen Kante der Selbstmördertüren bis auf die Grundierung abgerieben. Überhaupt war die Lackierung so dünn, dass man an der Kante zwischen Frontblech und Kotflügel die Schweißpunkte sehen konnte. Da ansonsten der (heute dickere) Lack reißt, wird diese Fuge stets mit Karosseriedichtmasse zugeschmiert. Der „D“ wirkte gebraucht, aber nicht verbraucht.
Ich hatte mir im Laufe der Jahre selbst eine Fiat-500D-Karosserie beiseite gestellt, die ich ohne eine Lackierung wieder zu einem fahrbaren Auto machen wollte. Die Substanz war so gut, dass man äußerlich nur ein paar Kleinigkeiten hätte schweißen müssen. Dieses Projekt ist leider meinem Umzug zum Opfer gefallen. Keine Zeit, kein Platz und so weiter. Immerhin fährt das Auto inzwischen wieder, allerdings neu lackiert.

Bremen Classic Motorshow 2012
Seit Jahren schon schleiche ich um jedes Auto herum, dass die Spuren seines Lebens zur Schau stellt. Dabei ist es extrem schwierig, ein Auto so zu bewahren, dass es nicht vergammelt. Daher ist die Überschrift dieses Beitrags natürlich Unsinn. Gerade solche Autos darf man natürlich nicht vergammeln lassen.

Bremen Classic Motorshow 2012

Mit einer Restauration nimmt man einem alten Auto auch ein bisschen seine Würde, wenn man das so sagen kann. Wobei es ein schmaler Grat ist, wenn z. B. die Karosserie hochglänzend lackiert ist, aber das Interieur nicht aufgearbeitet wurde. Das kann auch schnell nach hinten losgehen, als ob jemandem das Geld ausgegangen ist.

Bremen Classic Motorshow 2012

Tja, und in Bremen auf der Classic Motorshow wurde den Fahrzeugen, denen man ihr Alter ansieht, nur die ganz große Bühne bereitet. Etliche Autos aus dem viele Jahre verborgen Fundus der Sammlung der Gebrüder Schlumpf aus Mulhouse waren nach Jahrzehnten wieder ans Tageslicht geholt, ein bisschen entstaubt und gereinigt worden. Übrigens, wer mal nach Mulhouse kommt, sollte sich unbedingt einen Tag Zeit für das Automuseum nehmen. Man kann zwar irgendwann keine Bugattis mehr sehen, aber auch der „Rest“ der Sammlung bildet praktisch die gesamte Entwicklung der Automobilität vor allem auch mit etlichen kuriosen Irrwegen ab. Lohnt sich definitiv!

Bremen Classic Motorshow 2012

Das gesamte Thema der Messe war den wirklich originalen Fahrzeugen, nicht den weitgehend originalgetreu restaurierten Autos gewidmet. Durch die Präsentation der „Schlumpf-Autos“ wirkten die vielen anderen Originale dann auch nicht verloren zwischen ihren Hochglanz-Brüdern und -Schwestern, was sonst leicht passieren kann. Viele Besucher delektieren sich vielleicht zu recht an Show and Shine und finden es eher befremdlich, eine Beule, einen Rostfleck oder eine schlecht ausgebesserte Lackstelle zu sehen. Aber während man beim zwanzigsten besser als neu restaurierten 911er nicht mehr hinguckt, sticht einem ein Exemplar mit den Spuren der Jahre ins Auge und lädt zum Verweilen ein. Man überlegt sich , wodurch die diversen Kampfspuren wohl entstanden sein können, wie z. B. an dem Bizzarrini GT Strada 5300.

Bremen Classic Motorshow 2012

Man muss sich nichts vormachen. Autos, die man auf diese Weise erhalten kann, sind extrem selten. Häufig ist der Karosseriezustand so marode, dass man gar nicht anders kann, als großflächig neue Bleche einzusetzen und dann eben zu lackieren. Mal abgesehen von den „Ratten“, die extrem auf „anstößiges Outfit“ getrimmt sind, bin ich dennoch mal gespannt, wann im größeren Stil Grundauf-neu-Restaurierung zu sehen sind, bei denen man bewusst versucht, die Spuren der Jahre zu imitieren. Ich lasse mich gern überraschen!

Bremen Classic Motorshow 2012

Eine Diashow meiner Fotos findet man hier.

 

 

Sensorreinigung und die Folgen

30. Januar 2012 · Will Sagen

Tja, jetzt denkt natürlich jeder, meine Leica wäre nach meiner Bremsenreinigeraktion Schrott. Nö. Isse nicht. Funktioniert super!

Bauhaus DessauAm Sonntag waren wir in Dessau und haben uns das Bauhaus sowie die Meisterhäuser angesehen. Erstens war das ein lohnender Besuch und zweitens hab ich viel fotografiert. Hier geht’s zu meinem Flickr-Album. Mal abgesehen davon, dass der Sensor deutlich sauberer ist als vorher, funktioniert die Kamera genauso, wie ich das gewohnt bin. Naja, und mit der Leica fühlte ich im Bauhaus so designmäßig sowieso gut aufgehoben. 😉

Nachdem ich meinem Kumpel Jan am Freitag Nachmittag kurz berichtete, was ich angestellt hatte, hat er das wiederum gleich an seinen Kumpel Patrick weitergeflüstert.

Der Patrick ist ja inzwischen nicht nur mit seinem Blog ziemlich erfolgreich, sondern auch als Fotograf. Ich würde mal sagen, es macht die Mischung, die er zu bieten hat.

Jedenfalls hat der Patrick auch drüber gebloggt und seine Facebook-Gemeinde instruiert.  Schwuppdiwupp hatte ich in zwei Tagen mal eben 2800 Besucher auf meinem Blog, wo die Zahlen sonst so eher bei 100 Besuchern am Tag rumdümpeln (was ich zugegebenermaßen immer noch ganz schön viel finde für meine Verhältnisse.)

Tja. Klar. Da waren natürlich etliche bei, die mich für völlig verrückt erklärt haben. So nach dem Motto, wie verzweifelt muss man sein, oder wie bekloppt/einfältig/was-auch-immer. Gut. Solche Reaktionen sind ja verständlich. Hier meint übrigens jemand, ich hätte meinen Sensor gar malträtiert. Ein Schlauberger hat an anderer Stelle festgestellt, dass ich ja gar nicht den Sensor, sondern nur die Abdeckscheibe davor gesäubert hab. Ach ne…

Ich glaube, dass viele der Kritiker in der großen weiten Welt da draußen noch nie mit Bremsenreiniger gearbeitet haben, aber sich ein Urteil deswegen erlauben, weil man das  eben nicht als Spezialmittel in einem Fotogeschäft kaufen kann. Ist ja auch ok.

Um das, was ich da getan habe, noch etwas zu erläutern, habe ich mal dieses Video aufgenommen. Eine Sensorreinigung selbst nehme ich vielleicht mal auf, wenn es wieder fällig ist. Hier müsst ihr euch mit ein paar Demo-Anwendungen zufrieden geben. Interessant ist vielleicht auch der Anfang, wie ich meinen Fleck auf den Sensor bekommen habe.

Sensorreinigung: Nur Mut!

27. Januar 2012 · Will Sagen

Ich glaub, ich bin verrückt. Aber von Anfang an. Nachdem meine letzten Anstrengungen, den Sensor der Leica zu reinigen, ziemlich in die Hose gegangen sind und in einer „professionellen“ Reinigung für eine schmale dreistellige Summe endeten, habe ich mir gesagt. Nie wieder.

Genau, nie wieder zu (de)m Profi. Denn so richtig sauber war das auch nicht. Es war ok, aber eben nicht perfekt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Mehr so, wie ich dachte, dass ich das selber hinkriege.  Jetzt hatte ich wieder Dreck auf dem Sensor, darum musste ich nun wieder ran. Ich dachte mir, puste die Kamera erst mal aus. Ich hatte mir extra so eine kleine Dose Druckluft besorgt. Resultat: Ich hatte, wohl von dem Treibmittel oder so, einen Schmierfilm auf dem Sensor. Geile Wurst. Jetzt war klar: Willst du am Wochenende fotografieren, musst du handeln.

Erst mal bin ich zu Saturn gefahren und hab dort das Regal geplündert: VisibleDust Sensor Cleaning Dinger, GreenClean Sensor Cleaner, Optic Papier von Hama und einen Speckgrabber (geiles Wort)! Danach bin ich noch in der Apotheke gewesen und hab Isopropanol (70%, 99,95% gab’s nur in der 1-Liter-Flasche) gekauft.

Tja, und dann ran an die Kamera. Erst mal mit GreenClean wet and dry. Mit dem einen Schaumstoffwischer putzt man auf dem Sensor (genauer auf der Abdeckung davor) herum, danach soll man die Flüssigkeitströpfchen mit dem trockenen Tuchwischer aufnehmen. Kannste vergessen. Der Schmierfilm von meiner Druckluft war zwar weg, aber Schlieren, nichts als Schlieren. So ähnlich sieht’s auch mit Visible-Dust-Dingern aus. Das sind auch so kleine Wischer, aber mit einer Art Mikrofasertuch drumherum. Dazu gibt es ein kleines Röhrchen, wahrscheinlich auch mit Isopropanol gefüllt.

Dass man mit dem Speckgrabber nicht viel anfangen kann, war mir gleich klar. Krümel vom Sensor picken geht damit, hinterlässt aber einen anderen Fleck. Damit kann man aber sehr gut aus dem Kameragehäuse Staubkrümelchen aufnehmen. Dafür ist das Teil ok.  Dummerweise sah mein Sensor aber nun inzwischen so aus:

Scheiße. Damit wird das nichts, am Wochenende zu fotografieren. Nun war guter Rat teuer, würde an dieser Stelle stehen, wenn es denn stimmen würde. Denn mich grinste eine Flasche Bremsenreiniger an, die ich immer für alle Fälle im Büro habe: Entfetten, Fleck aus der Krawatte oder der Hose machen, was auch immer: Ein Leben ohne Bremsenreiniger ist sinnlos. Und: So scharf ist das Zeug nicht, wenn es nicht meine billigen C&A-Krawatten auffrisst. Und²: Man putzt ja auch nicht auf dem Sensor rum, sondern auf einer Glasscheibe. Heißt es. Alles, was dazu und zur Sensorreinigung in Foren steht, ist ja so eine Sache. Gerade bei Leica sind extrem viele Leute unterwegs, die so ne M9 nur für die Vitrine oder zum Angeben haben. Ich benutze meine. Darum ist sie ja auch verschmutzt (und hat übrigens nach knapp 7000 Auslösungen schon etliche Macken im Gehäuse).

Also habe ich erst mal mein iPhone genommen. Das hat ja auch eine gläserne Oberfläche. Etwas Bremsenreiniger drauf:

Ok, passiert nichts, also weiter. Wischen wir den mal wieder ab. Und siehe da: Das geht super! Rück-stands-los! Dafür habe ich dann diese Wischer  von VisibleDust gut nehmen können. Die kann man vorher übrigens super mit dem Bremsenreiniger auswaschen. Muss man dann aber etwas ausdrücken (Hama Optic Papier) oder ablüften lassen. Und wenn der Bremsenreiniger diese Wischer nicht auflöst, wird er den Sensor auch nicht angreifen.

Also, ran an den Feind. Ist ja nur ne 6000-Euro-Kamera, die da vor mir mit offenem Herzen auf dem Tisch liegt. Urgs!

Tja. Was soll ich sagen? Geht super! Ok, wenn man zuviel nimmt, kann es sein, dass man den Bremsenreiniger zu einer Pfütze zusammenschiebt und ein kleiner Rand übrig bleibt, wenn er verflogen ist. Nimmt man zuwenig, kann man auch Schlieren erzeugen. Also ist ein bisschen Übung angesagt. Wichtig ist, nicht zu oft wischen. Einmal hin, einmal her, dann sollte man am besten fertig sein. Und nicht zu doll drücken! Das kann Kratzer geben, wenn sich harte Partikel auf dem Sensor abgesetzt haben, kleinste Sandkörnchen zum Beispiel.

Aber hier nun mein Resultat. Damit kann ich (erst mal) leben!

Und, wer macht’s nach? Ich übernehme übrigens keinerlei Gewähr, dass das bei Euren Kameras auch so geht.