Beitrags-Archiv für die Kategory 'im Fluss'

Auto verkauft.

Montag, 17. März 2008 12:30

money money moneyNun isses soweit. Mein Lieblingssuperdupertraumauto ist verkauft. Dem schnöden Mammon zum Opfer gefallen, für die Finanzierung des neuen Eigenheims. Wenn ich überlege, dass der Erlös zum Großteil für die Grunderwerbssteuer draufgeht, kommen mir echt die Tränen. 😥 .

Tschüss, Z3-Coupé. Ich wünsche dem neuen Besitzer viel Spaß. Er sagt, er würde sich damit auch einen Traum erfüllen. Ich kann’s nur zu gut verstehen!

z3-geloescht.gif

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Villa Tugendhat

Montag, 10. März 2008 21:41

Im Sommer 2005 waren wir in Tschechien, unter anderem auch in Brno. Keine Ahnung, wie man das richtig ausspricht. Auf deutsch sagt man Brünn. Außer einer beeindruckenden Altstadt, einem Modellflugzeughersteller und einer tollen Umgebung gibt es auch die Villa Tugendhat.
Villa TugendhatDie Tugendhat-Villa wurde zwischen 1929 und 1930 erbaut von dem Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe. Bauherren waren Grete und Fritz Tugendhat, ein Industriellenehepaar. Sie waren Opfer der Judenverfolgung durch die Nazis und konnten nur etwa 7 Jahren in ihrem Haus wohnen, bevor sie flohen. Nach einer wechselvollen Geschichte ist derzeit (wohl) die Stadt Brünn Eigner des Hauses.

Inside Villa Tugendhat IWährend unseres Aufenthalts habe ich heimlich -Fotografieren ist offiziell eigentlich verboten, warum auch immer- einige Fotos geschossen und bei flickr eingestellt. Im Gegensatz zu den meisten anderen erfreuen sich die Fotos von der Tugendhat-Villa relativ großer Beliebtheit. Und so hat heute jemand eines meiner Bilder als Favorit abgespeichert. Da habe ich doch mal geguckt, was der denn so für Fotos bei flickr anzubieten hat. Eines war auch von der Villa dabei. Interessanter fand ich aber die dort verlinkte, schon gut ein Jahr alte Meldung, dass die Nachkommen nun die Villa für sich beanspruchen. Darum komme ich auch jetzt darauf, über die Villa zu schreiben. Ein Grund für die Rückübereignung sei, dass man sich über den Erhaltungszustand Sorgen macht. Und tatsächlich sah die Villa von außen ziemlich heruntergekommen aus. Eigentlich sollte eine Restauration kurz nach unserem Besuch beginnen. Anscheinend wurde aber wohl nichts daraus. Die Bedenken der Nachkommen scheinen mir durchaus angebracht zu sein. Ich kenne die Gesetzeslage nicht genau und noch weniger die tatsächlichen Besitzverhältnisse. Aber so richtig will ich nicht daran glauben, dass man den Tugendhats den Besitz streitig machen kann.

Villa TugendhatDer Besuch in der Villa Tugendhat hat mein Interesse für Bauhaus-Architektur, insbesondere aber für Ludwig Mies van der Rohe geweckt. Man muss nicht jeden Entwurf mögen. Einige Entwürfe finde ich einfach zu rechtwinklig und zu nüchtern. Aber meist überwiegt die Eleganz der klaren Struktur. Leider haben heutzutage die meisten Architekten ihre Kurvenlinie verlegt, und ihr Lieblingswinkel muss ein rechter Winkel sein. Aber Mies van der Ruhe hatte die Gabe, genau an der richtigen Stelle eine geschwungene Linie einzufügen. Nicht viele. Außen ist die Milchverglasung des Treppenhauses geschwungen, innen die Wand zwischen Wohn- und Essbereich. Dort stand mal ein runder Tisch, an dem 24 Personen Platz hatten. Heute steht da leider nur noch ein kleiner Abklatsch. Beachtenswert ist auch der Querschnitt der verchromten Träger, ähnlich der Form eines vierblättrigen Kleeblatts.

Villa Tugendhat

Interessant ist auch die Innenausstattung. Einige der Möbel wurden extra für die Tugendhats und ihr Haus entworfen, z. B. die Sessel als Chromschwinger. Man muss das Haus und die Möbel im Zusammenhang mit der damaligen Zeit sehen: Wie müssen die Leute damals verdutzt geguckt haben, als sie dieses völlig außergewöhnliche Haus sahen? Immerhin wurde seinerzeit konventionell mit reichlich Verzierungen und Schnörkelkrams gebaut. Aus heutiger Sicht sind wir ja einiges gewohnt. Aber damals muss das eine Sensation gewesen sein.

Wer nach Brno kommt, sollte von der Gelegenheit Gebrauch machen, das Haus zu besichtigen, sofern das möglich ist. Ich könnte gut verstehen, wenn sich jemand das Haus wieder zum Bewohnen herrichten würde. Zum Einen ist die Lage fantastisch: Vom Garten hat man einen herrlichen Blick von einem Hügel herab, und der Knüller ist, dass man die großen Scheiben vom Wohnzimmer zum Garten herunterlassen kann und dann drinnen quasi draußen sitzt. Wirklich toll!

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Internetforen: Futter für soziokulturelle Studien

Sonntag, 2. März 2008 13:48

In „meinem“ Forum ist’s wieder mal hoch her gegangen.

Hintergrund war, dass ein in der Szene bekannter Händler ein Auto recht ungeschickt bei Ebay angeboten hatte, das Auto zu einem horrenden Preis verkauft worden sein soll und kurze Zeit später wieder auftauchte. Außerdem wurde noch ein weiteres, ebenfalls völlig überteuertes Auto fast zeitgleich angeboten.

Solche Angebote bleiben typischerweise nicht unentdeckt. Rasch wird gepostet und entsprechend kommentiert. Typischerweise nehmen Händler in Person nicht an Diskussionen teil, lesen aber wohl anonym mit. Oder sie haben sympathisierende Informanden. So auch im letzten Fall.

Am Anfang ist es immer lustig. Ein Wort gibt das andere, viel Gezwinker hier und Gelole da. Spätestens nach zwei bis drei Tagen kippt die Stimmung. Der Sympathisant meldet sich zu Wort. Der Händler sei not amused. Ach was. Also ist nun der Moderator gefragt, die Diskussion entweder in die richtige Richtung zu lenken, einige Beiträge gerade zu biegen oder das ganze Thema zu beseitigen. Sofort ist meistens von Rufmord, Verleumdung und was nicht noch sonst alles die Rede. Also muss man als verantwortungsvoller Moderator (und Betreiber) gucken, was an der Sache dran ist.

Ich versuche, möglichst objektiv vorzugehen. Objektiv sind vor allem frei zugängliche Information, die in diesem Fall aus den Ebay-Auktionen bestanden. Tja, was sahen wir da? Einen nicht wirklich fehlerfreien Anzeigentext, Seiten aus einem älteren Wertgutachten mit je zwei Fotos und eine weitere Seite aus einem Wertgutachten mit der Angabe des Wertes. Nur leider stimmte die Gutachtennummer nicht mit der auf den Bildseiten überein. Recht nebulös heißt es im Text, das Wertgutachten sei abgewertet worden. Nunja. Alles in allem machte das einen wenig seriösen Eindruck. Auch das zweite Angebot ließ Zweifel daran aufkommen, ob da wirklich so etwas außergewöhnliches zur Auktion kam. Vor allem konnte man deswegen stutzig werden, weil unter dem bekannte Ebaynamen des Händler die Angebote für die zufriedenen Kunden als Privatauktion eingestellt worden seien.

Aber ich konnte feststellen, dass alles, was in dem Forumsthema zu lesen war, im Prinzip dem entsprach, was man den Auktionen entnehmen konnte, bis zu dem Zeitpunkt, als sich der Sympathisant bemüßigt fühlte, zum Schutze des Händlers ein paar Hintergrundinformationen preisgeben zu müssen. Verkauf und so sei alles mit rechten Dingen zugegangen und der neue Anbieter sei bereits abgemahnt worden, weil er den gleichen Text benutzt habe. Nun war es natürlich um die anderen Mitdiskutanten geschehen. Man wollte wissen, in welcher Verbindung der Sympathisant zu dem Händler steht und ob er die Kontoauszüge gesehen habe und und und. Wie immer gab ein Wort das andere, und die Angelegenheit brodelte inzwischen recht ordentlich. Der Punkt, zu entscheiden, wie es weitergeht, war also gekommen: Schließen oder Gucken, wie es weitergeht? Ich entschloss mich, die Sache zunächst laufen zu lassen.

Es ist tatsächlich so eine Sache, ob man verantworten kann, dass ein Händler in schlechtem Licht dasteht. Andererseits meinte ein anderer Händler mal zu mir, dass man (ich) das Forum völlig überschätze. Das sei für die großen Verkäufe alles unwichtig. Also, wenn das keine Relevanz hat, kann es ja so schlimm nicht sein, wenn mal Kritik geübt wird. Natürlich meint der Sympathisant sogleich, dass sei geschäftsschädigend und der Händler sei überhaupt der beste Mensch auf der Welt. Ich kenne den Mann nur von einem Telefonat und habe ihn vor über 10 Jahren einmal auf einem Teilemarkt gesehen. Daher stehe ich dem Ganzen ziemlich unvoreingenommen gegenüber. Ich denke, wenn jemand durch nicht astreine Ebayauktionen auffällt, hat er es auch nicht besser verdient, als dass man genauso öffentlich wie die Auktionen darüber diskutiert. Was kann ich oder das Forum dafür, wenn sich jemand selbst der Lächerlichkeit preisgibt? Es bleibt nur die Frage, ob man die Plattform dafür bieten darf, dass solche Informationen verdichtet und kanalisiert werden. Darum stand mein Entschluss schon relativ früh fest: Ich lasse das Thema nur begrenzte Zeit öffentlich. Ein paar Tage, dann kommt es auf die Datenmüllhalde.

Schließlich meinte der Sympathisant aber dennoch, er müsse mit dem großen Paukenschlag seinen Abgang einleiten. Den Rundumschlag würzte er mit diversen Vulgärausdrücken, um abschließend – wie üblich – die Löschung seines Accounts fordern. Das war genau das, was ich erwartet hatte: Alles Schweine, nur ich und der Händler nicht. Ist klar.

Was lerne ich aus der Angelegenheit:

  • Für den lieben Frieden müsste man früher eingreifen.
  • Objektiv zu sein, kann ungemütlich werden und macht Arbeit.
  • Ich muss mir darüber im Klaren sein, ob ich jegliche Händlerkritik gleich abbiegen soll. Da die Händler sich nicht persönlich äußern, auch nicht per E-Mail an mich, obwohl sie wahrscheinlich Kenntnis davon haben, kann es aber so schlimm nicht sein.
  • Ich lösche Accounts so, dass sie wieder hergestellt werden können.
  • Den wahren Charakter von Menschen erkennt man erst, wenn es ungemütlich wird.
  • Ich kann die Welt nicht verbessern.

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Mein Jahresrückblick 2007

Montag, 24. Dezember 2007 14:38

Puh, was für ein Jahr! Eigentlich fing das Jahr schon Ende 2006 mit der Entscheidung an, das Münsterland zu verlassen und nach Berlin zu gehen. Aber der Rattenschwanz, den das nach sich gezogen hat, ist schon beachtlich. Aber von vorn:

Nov. 2006:

Der Entschluss ist gefallen. Ich verlasse meine erste Arbeitsstelle und gehe nach Berlin.

Dez. 2006:

Auf den letzten Drücker habe ich in der Nähe meiner neuen Wirkungsstätte, in der Gormannstraße (Berlin-Mitte) eine 35qm-Einzimmerwohnung gefunden. Nicht billig, auch fast nicht gemütlich. Aber für den Übergang genau richtig. Ich packe meine sieben(siebzig) Sachen in einen Transporter und kann dank Hilfe netter Menschen zwischen den Jahren den Mini-Umzug bewältigen. Silvester bin ich mit den Nerven dennoch ziemlich fertig. Ich suche dringend den Ordner mit meinen Zeugnissen, den ich für die Umschreibung meiner öffentlichen Bestellung und Vereidigung brauche. Der kann nur in der alten Heimat sein. Ich finde ihn dann in Berlin. Hatte ihn wohl schon mitgenommen, obwohl ich mir doch so sicher war. Leider habe ich wohl ziemlich schlechte Stimmung verbreitet…

Januar

Ich sehe auf Anhieb: In Berlin gibts auch Unfälle. Ich arbeite viel. Es wird erst hell, wenn ich schon lange im Büro bin, und ich gehe, wenn es schon lange wieder dunkel ist. Dabei lerne ich eine Straßenlaterne kennen, die immer dann ausgeht, wenn ich vorbei gehe. Den Weg zum Büro gehe ich zu Fuß. Das sind nur gut 5 Minuten aus meinem Büro bis zu meinem Kämmerchen. Praktisch! Meine Chefin und ich führen jetzt erstmal eine Wochenendbeziehung. Dank Skype und Nachbars offenem WLan halten sich die Telefonkosten in Grenzen. Jog leiht mir seine Base-Flat, damit ich einen Internetzugang habe, wenn Nachbar sein Wlan mal ausschaltet. Da ich im Erdgeschoß und im Schatten des Sendemasts wohne, habe ich leider sehr schlechten UMTS-Empfang und merke: GPRS macht keinen Spaß! Die Leitung ist lahm und instabil. Mit UMTS geht’s viel besser.
Februar

Ich richte mich in meinem neuen Büro ein. Dabei ist auch mein selbst gezimmerter Bürostuhl aus einem Smart-Roadster-Sitz. Der ist allen Unkenrufen zum Trotz sehr bequem. Alle sagen, nur gekaufte Bürostühle taugen was. Nur die seien ergonomisch richtig geformt. Ich glaube aber, dass in die Entwicklung von Autositzen mehr Entwicklungsarbeit als in Bürostühle der eher unteren Preiskategorie gesteckt wird. Da ich in die alte Bürobibliothek einziehe, muss ich mir den Platz voerst noch mit zahlreichen Büchern teilen. Aber: Mit mir kommt der Durchbruch. Und zwar zum Nachbarflur. Sechs Büroräume werden zusätzlich angemietet, aber nicht alle für mich. Ich freue mich, dass ich mir den zweiten TFT nicht selbst kaufen muss wie in meiner alten Firma, sondern ihn selbstverständlich gestellt kriege. Zu meinem Glück fehlt mir eigentlich nur noch ein Sofa im Büro.

März

Ich entdecke das Fotografieren als nette Freizeitgestaltung. Außerdem habe ich mir eine BVG-Jahreskarte zugelegt. Nun fahre ich, wenn ich Langeweile habe, in Berlin rum. Mein Auto steht derweil nur in der Tiefgarage herum. Ich entschließe mich, einfach mal ne Runde zu drehen, um die Batterie aufzuladen. An den Wochenenden, die wir nicht zusammen in Berlin verbringen, fahre ich mit dem Zug in die alte Heimat. Mittlerweile habe ich sämtliche Dönerbuden in der Nähe erkundet und staune über die günstigen Preise. Gammelfleisch lässt mich kalt. Hauptsache, es schmeckt! Zur Abwechslung suche ich auch mal nen Thai-Asia-China-Fernost-Imbiss auf. Wäre mir früher nicht im Traum eingefallen. Ich lebe mich im neuen Büro bestens ein. Ich hab’s wirklich gut getroffen und bemitleide alle, die nicht das gleiche Glück haben.

April

Langsam neigt sich der Winter dem Ende. Kalt war es nicht wirklich. Mich nervt im Allgemeinen im Winter vielmehr, dass es so spät hell und so früh dunkel wird. Das wird nun besser. Der gemeine Berliner setzt oder legt sich nach draußen, sobald auch nur der erste Sonnenstrahl rauskommt. Langsam wird es auch ernst, das Häuschen in der alten Heimat zu verkaufen. Ein Interessentenpaar hat sich herauskristallisiert, und es sieht so aus, dass wir dem Münsterland beinahe schneller als gedacht den Rücken kehren. Wenn jetzt noch eine Stelle für meine Chefin in Aussicht wäre… Hier sollte mein vierwöchiges Tagesspiegel-Probeabo noch eine entscheidende Rolle spielen. Das hatte ich mir aufgrund meiner guten Laune von einer wortgewandten Studentin aufschwatzen lassen. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass ich zu den beiden Kinogutscheinen auch den Studentenrabatt bekomme.

Mai

Der Wonnemonat Mai kommt, und damit auch die Oldtimersaison. Meine beiden Fiats stehen ziemlich festgenagelt rum. Seit langer Zeit darf mein N mal wieder an die Luft. Er wird der erste sein, der mit mir nach Berlin „geht“. In Berlin ist die sog. „Umweltzone“ das Thema, das die Oldtimerszene bewegt. Ich bin schon vor ein paar Monaten zu den Aktivisten hinzugestoßen. (Was soll man auch sonst mit seiner Freizeit anfangen?) Und so nehmen wir an der großen Oldtimerdemo teil, die leider im strömenden Regen stattfindet. Dadurch kann sie nicht die Aufmerksamkeit erregen, die wir gerne gehabt hätten. Alles sieht danach aus, dass die schwachsinnigsten aller Politiker dem mobilen Kulturgut den Garaus machen wollen. Aber noch ist die Zone ja nicht amtlich. Eins ist aber klar: Der gemeine Deutsche neigt zu Zonen. Irgendwie hat er Spaß daran einige aus- und andere einzusperren.

Juni

Endlich sind die Tage so lang, wie ich mir das vorstelle. So könnt es ewig bleiben! 25°C wäre mir auch als durchgängige Temperatur sehr angenehm! Wir schauen uns die Umgebung an und nutzen kulturelle Angebote. Fest steht nun auch, dass wir unser Häuschen zum 1.7. verlassen werden. Noch bin ich ganz cool. So richtig habe ich auch nicht daran gehangen. Wie oft habe ich gesagt: „Das erste Haus ist sowieso nicht das richtige!“? Das Tagesspiegel-Probeabo hat sich ausgezahlt: Auch wenn ich die meisten Ausgaben beinahe ungelesen ins Altpapier gestopft habe, habe ich es doch geschafft, wenigstens einmal in den Stellenanteil zu schauen. Da habe ich dann eine für meine Chefin passende Stelle gefunden. Nämlich das gleiche, was sie in Münster gemacht hat, nun in Berlin. Ist doch klar, dass man mit einer einzigen Bewerbung auch nur eine einzige Zusage bekommen kann, oder?

Juli

Mal wieder haben wir so ziemlich die letzte Chance genutzt, eine neue Bleibe zu finden. Das Haus ist geräumt, was mich zumindest für einen Tag ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Jetzt sind wir richtig in die Stadt nach Prenzlberg gezogen. Gut, dass ich darauf geachtet habe, nicht zu hoch zu wohnen. So ist es eine Bell Etage-Altbauwohnung mit gutem Grundriss und 3,8m hohen Räumen. Mal was anderes, wohnen auf nur einer Ebene. Aber irgendwie fehlt doch die Werkstatt ein bisschen. Wir sind erstmal froh, dass wir ein neues Zuhause gefunden haben, von wo aus wir in Ruhe etwas Neues suchen können, das unseren Ansprüchen gerecht wird. Meine Chefin möchte einen Garten, weil das ihr Hobby ist, ich möchte in der Stadt wohnen, nicht irgendwo am Rand. Ach so, und Wassernähe wäre nicht schlecht, und ne Garage…

August

Wir sind gut dabei, unsere neue Wohn- und Lebenssituation zu organisieren. Mein Job läuft sowieso gut, und auch bei meiner Chefin sind die unumgänglichen Anlaufschwierigkeiten so ziemlich erledigt. Ich merke aber, wie ihr der Garten fehlt. Ein Ausflug hierhin ins Grüne oder dorthin ins Blaue ist kein Ersatz. Also schauen wir uns um, was es so gibt. Ich denke, dass auch eine nette Wohnung mit großer Dachterasse ne super Lösung wäre. Sie sieht das nicht so. Wir fahren mal nach Teltow und schauen uns dort ein Baugebiet an. Meine Meinung steht unumstößlich fest: Dort möchte ich nicht tot übern Zaun hängen! Auch die sonstigen Immobilienangebote machen nicht gerade Mut. Viele runtergewirtschaftete Angebote in fragwürdiger Lage und ebensolcher Vergangenheit. Nein, so wird das nichts! Glücklicherweise müssen wir uns nicht beeilen.

September

Man merkt es schon, dass die Tage kürzer werden. Aber trotzdem laden die warmen Abende ein, mal hierhin, mal dorthin zu gehen und ein Bierchen unter freiem Himmel zu genießen. Das muss man ja sagen, ist ein Vorteil hier in der Stadt: Man hat soviel Auswahlmöglichkeit, irgendwo hinzugehen, dass es so schnell nicht langweilig wird. Aber man muss sich natürlich daran gewöhnen, dass überall gleich Unmengen von Menschen sind. Es ist schwierig, auch mal einen Moment der Stille genießen zu können. Es fehlt eine Rückzugsmöglichkeit. Und, solange es schön draußen ist, gibt es auch keinen Grund, in der Stube zu hocken. Um den Kontakt mit der Außenwelt, also vor allem dem alten Bekanntenkreis, aufrecht zu erhalten, haben wir in unserer Wohnung dafür gesorgt, ein Gästezimmer bieten zu können. Da können bis zu vier Leute übernachten (die sich dann aber schon näher kennen sollten…).

Oktober

Unser Ruf ist nicht ungehört verhallt, und so strömen plötzlich Besuchermassen heran! Macht nix, wir haben es ja nicht anders gewollt. Und so beherbergen wir, Freunde, Freundinnen, Familie, Freunde von Kindern von Freunden usw. usf. Also zeigen wir allen, die es sehen wollen, unser Berlin. Das ist nicht zuletzt auch für uns interessant, denn meistens nutzen wir die Gelegenheit zu einer kleinen Stadtführung. So lernen wir beispielsweise den Bereich um den Hackeschen Markt, die Spandauer Vorstadt, mit der jüngeren Vergangenheit, aber auch Pariser Platz, Brandenburger Tor und Reichstag näher kennen. Überhaupt sei allen die Teilnahme an solchen Führungen empfohlen. Bislang sind wir noch nicht reingefallen, ganz im Gegenteil! In Berlin haben sich z. B. die Führungen der Stadtflüsterer bewährt. Aber auch Rundtouren mit dem Rad durch Berlin werden gern angenommen.

November

In Berlin habe ich meinen alten Freund Frank wiedergetroffen. Wir kennen uns noch aus der Grundschule, und haben uns leider in den 1990er Jahren aus den Augen verloren. Ich wusste nur, dass er erst in Erfurt bei ner Tageszeitung war. Inzwischen hatte es ihn vor ein paar Jahren auf verschlungenen Pfaden nach Berlin verschlagen. Seit ein paar Jahren hatten wir wieder sporadischen, nun wieder intensiven Kontakt, was mich sehr freut! Er kauft sich mit seinem Partner ein Haus in Rummelsburg. Darauf war ich auch vor einigen Monaten aufmerksam geworden, hatte es aber wieder aus dem Blick verloren. Nun beschäftigen wir uns recht kurz entschlossen auch damit, dort ein Reihenhaus mal intensiver unter die Lupe zu nehmen. Wohnen in Lagen oder Scheiben, das ist hier die Frage. Wir werden uns wohl für die Scheibe entscheiden. Es scheint, der beste Kompromiss zu sein, der unsere Ansprüche am ehesten vereint, ohne gleichzeitig eine Reihe von Nachteilen mit sich zu bringen. Es sieht so aus, dass das Warten und Suchen ein Ende hat. Innenstadtnah gelegen, gute fünf Minuten zu Fuß zur S-Bahn mit prima Verbindungsmöglichkeiten zu unseren Arbeitsstellen. Auch das Wasser ist in der Nähe, so dass wir hoffentlich bald unser Kanu mal wieder zu Wasser lassen können.

Dezember

Der Hauskauf ist fast unter Dach und Fach. Bis Mitte nächsten Jahres werden wir uns aber wohl noch gedulden müssen, bis alles fertig gestellt ist. Das dürfte dann wohl einer der wichtigsten Momente des nächsten Jahres werden. Damit bin ich auch mit meinem Jahresrückblick am Ende. Der erste, den ich überhaupt geschrieben habe. Viele Dinge habe ich nicht erwähnt. Die vielen neuen, netten Bekanntschaften, auch unschönere Begebenheiten, wie die Zensur auf flickr.com, die mich einige Zeit beschäftigt hat. Dauerbrenner war die sog. „Umweltzone“ und die CO2- oder auch Feinstaubdiskussion. Wenn ich daran denke, kommt mir die Galle hoch, zeigt sich doch, was für schlechte, verlogene Politiker uns „vertreten“. Schön war das erste Jahr in meiner neuen Firma. Seit langem habe ich mich mal wieder auf eine Weihnachtsfeier gefreut! Prima gelaufen ist auch das Fiat-500-Forum, das nur ganz selten Anlass für Ärger gab, die meiste Zeit Spaß machte, auch wenn wirklich sehr viel Arbeit darin steckt. In dem Zusammenhang bedanke ich mich auch bei meinen Mitstreitern.

Jetzt ist Heiligabend, früher Nachmittag. Heute Abend geht’s zu einem lieben Kollegen und seiner Frau, morgen startet die Weihnachtstournee zu unseren Eltern. Dann kommt Besuch über Silvester. Es wird also nicht langweilig.

Ich wünsche allen genauso viel Glück, wie ich in den vergangenen Monaten hatte, schöne Weihnachten und alles Gute für 2008!

So long.

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