Beiträge vom August, 2013

Un-Wort Nicht-Gast

Mittwoch, 21. August 2013 15:43

„Toilettenbenutzung für Nicht-Gäste 50 ct“ liest man allenthalben an gastronomischen Betrieben vor allem in hochfrequentierten Innenstadtlagen. Mit den 50 ct habe ich ja kein Problem. Besser man legt den halben Taler auf den Tresen, als dass man sich irgendwie verstohlen hinein- und wieder herausschleichen muss. So ist das ne klare Angelegenheit.

Nur dieser Begriff „Nicht-Gast“. Furchtbar, oder? Da muss doch eine Lösung her! Aber so ein richtig schönes Wort will mir einfach nicht einfallen. Man sollte diese „Notdürftigen“ doch nicht als „Nicht-Irgendwas“ bezeichnen, sondern sie vielleicht auch willkommen heißen durch eine positive Ansprache.

Pullergäste, Pieselleute, Toilettengäste, Schachtgänger: Alles Kagge. Wird wohl doch noch ne Zeitlang beim Nicht-Gast bleiben, oder?

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (1) | Autor:

Zehn Gründe, warum ich Aufsichtsratsvorsitzender des BER werden sollte

Freitag, 2. August 2013 10:25

In diversen Pressemeldungen, die man wegen des Leistungsschutzrechts nicht mehr verlinken kann oder sollte oder darf, liest man, dass der von M. Platzeck bald geräumte Posten des BER-Aufsichtsratsvorsitzenden noch immer vakant ist. Eigentlich bin ich der ideale Kandidat:

Erstens: Ich bin Fliegerei begeistert! Das ist wohl eine Grundvoraussetzung. Während andere, nachrangige Flughafenmitarbeiter  eher schienengeführt durch die Vergangenheit reisten, würde ich am liebsten fliegen können. Grundsätzliches Verständnis für die Fliegerei habe ich theoretisch (ist klar als Maschinenbau-Ing.) und praktisch durch Modellfliegerei. Außerdem bin ich schon mehrfach in Flugzeugen mitgeflogen, wo ich vorn, und nicht zur Seite hinausgucken konnte.

Zweitens: Ich bin politisch nicht vorbelastet. Ich bin in keiner Partei und lege mich für jede Wahl neu fest, wer am wenigsten meine Interessen mit Füßen tritt. Das macht mich unangreifbar. Ich kann von keinen Ämtern zurücktreten. Gegen mich laufen derzeit keine Strafverfahren und ich habe keine Steuerschulden. Das muss ich turnusmäßig gegenüber meiner IHK nachweisen zur Verlängerung meiner öffentlichen Bestellung und Vereidigung, die mich ohnehin als loyalen, unbescholtenen Bürger mit gutem Leumund kennzeichnet.

Drittens: Ich könnte mich gegen eine entsprechende Aufwandsentschädigung frei machen. Ich habe zwar einen Stapel Akten zu bearbeiten, aber für die paar Sitzungen und Gespräche ließe sich die Zeit freischaufeln. Wir haben im Büro sogar einen schönen Besprechungsraum, so dass man die Sitzungen gleich hier machen könnte.

Viertens: Ich kenne gute Berater, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen. Dazu gehören unter anderem eine erfolgreiche Bauingenieurin sowie ein Linienflugkapitän einer großen deutschen Fluggesellschaft. Beide sind in der Öffentlichkeit unverbraucht. Ich weiß, wo sie wohnen und kenne ihre Handynummern.

Fünftens: Ich kann gut zuhören. Egal, was man mir erzählt: Wenn es darauf ankommt, kann ich mir stundenlang die tollsten Geschichten anhören. Das kenne ich ja aus vielen Gerichtsverfahren. Meistens bin ich in der Lage, schon während des Zuhörens die Fallstricke zwischen den Zeilen zu erkennen und diese am Ende des Ganzen auf den Punkt zu bringen.

Sechstens: Ich scheue mich nicht, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Neulich kaufte ich eine gebrauchte Verkehrsampel (bestimmt kann man die am BER auch noch irgendwie gebrauchen). Dazu hat jeder, wirklich jeder gesagt: „Was willste denn damit?“. Außerdem war die Ampel sehr günstig. Das heißt, ich kann mit Geld umgehen. Im Gegensatz zu vielen anderen, die ihre 1, 2 und 5 ct-Münzen in Marmeladengläsern sammeln, schaffe ich es regelmäßig, diese beim Einkaufen loszuwerden.

Siebtens: Wenn es darauf ankommt, kann ich in Windeseile beim Flughafen sein. Ich kenne die Strecke auswendig, verfüge über das Wissen, die Gabe und die Berechtigung, diverse Verkehrsmittel zu nutzen. Und ich muss im Gegensatz zu vielen anderen gar nicht mehr umziehen, um in der Nähe zu sein, andererseits wohne ich nicht so dicht an einem Flughafen, dass ich in meinen Gedanken  durch Fluglärm zu stark gestört werde.

Achtens: Ich bin inzwischen Nichtraucher. Das heißt, ich war mal Raucher und weiß, wie wichtig ein effektiver Rauchabzug ist.

Neuntens: Ich habe den großen Überblick. Flughäfen sind im Grunde nichts anderes als Tankstellen. Beim BER sieht man das besonders deutlich. Das Terminal sieht nämlich aus wie eine Tankstelle. Vordergründig sollen Flugzeuge mit Fluggästen betankt werden. Manchmal sollte man ausgepowerte Fluggäste allerdings aus ankommenden Maschinen zunächst abpumpen. Dafür sind diese großen Rüssel da. Eigentlich ist das Tankstellengeschäft aber wie im automobilen Leben nur Nebensache. Denn das Terminal ist im Grunde eine verkappte Shopping-Mall, die dazu angelegt ist, den Leuten, die meinen, sie sollen in oder aus Flugzeugen steigen, das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Zehntens: Ich achte darauf, dass ich beim Fliegen keine Löcher in den Socken habe. Das ist nämlich so peinlich, an der Sicherheitskontrolle, wenn man die Schuhe ausziehen muss. Vielleicht werde ich in meiner zukünftigen Position ja dabei mal von Presseleuten fotografiert.

Liebe Flughafengesellschaft, ich sehe Ihrem Ernennungsschreiben nunmehr mit Freude entgegen.

Thema: zum Abheben | Kommentare (1) | Autor:

Mehr Kohle? Toitoitoi.

Donnerstag, 1. August 2013 9:50

Heute tritt das reformierte Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz in Kraft, und damit kommt eine spürbare Erhöhung der Stundensätze für Unfallanalytiker nach 19 Jahren Wartezeit. Das JVEG ist Teil des 2. Kostenrechtsmodernisierungsgesetzes. Nicht alle sind von den Vergütungsgesetzen begeistert. Und auch ich bin schon gespannt, ob nun eine Sozialneiddebatte starten wird, die ich mir von wie auch immer Prozessbeteiligten anhören darf, weil es natürlich auch Gruppen gibt, die nicht so gut abschneiden. Und ich habe auch Verständnis dafür, wenn Kläger, Angeklagte, Betroffene über die höheren Kosten eines Gerichtsverfahrens jammern. Schließlich steigt damit auch das Prozessrisiko. Aber um mich herum wird auch alles teurer. Wenn ich mir das Geld 1:1 in die Tasche stecken könnte, wie mal ein Richter und auch diverse Kostenbeamten meinten. Ja, das wär super. Leider wird nämlich gerade von Beamten gern mal vergessen, dass von dem Geld die ganzen laufenden (Firmen-)kosten zu bezahlen sind, mal ganz abgesehen von den Steuern. Und wie die Kosten in den letzten 19 Jahren gestiegen sind, muss ich wohl keinem erzählen.

19 Jahre hat es gedauert, bis endlich eine wirksame Erhöhung durchgesetzt wurde. 19 Jahre, in denen andere Berufsgruppe stetig und damit allmählich ihre Stundensätze angehoben haben. Das fällt natürlich weniger auf. Dadurch wird es nicht leichter, einen sprunghaften Anstieg verständlich zu machen. Dass man natürlich über fast 2 Jahrzehnte im Grunde stetig zunehmende Mindereinnahmen hatte, wird da schnell vergessen.

Achso. Und man muss ja nicht meinen, dass ich hab heute einfach höhere Rechnungen schreiben kann. Erst mal gibt es Übergangsregelungen, so dass z. B. die bereits eingegangen Aufträge (mit ein ganz paar Ausnahmen) nach altem Gesetz abzurechnen sind. Und dann ist da die Vorschussregel in Zivilverfahren. Das Gericht gibt quasi vor, welche Kosten es für das Gutachten als angemessen ansieht. Da kann der Stundensatz noch so hoch sein: Kostenrahmen ist Kostenrahmen. Reicht er nicht aus, muss man eine Erhöhung beantragen, über die die Parteien dann befinden müssen. Und gerade bei geringen Streitwerten wird da schon sehr genau hingesehen.

Dennoch: Es wird mehr Luft zum Atmen, Investieren und Schaffen von neuen, qualifizierten Arbeitsplätzen geben, weil wir nun auch wieder die Forschung stärker vorantreiben können. Die will ja auch bezahlt werden. Denn, wenn überhaupt im Bereich Unfallrekonstruktion  (nicht verwechseln mit Unfallforschung als solcher) an Hochschulen und Universitäten geforscht wird, läuft das vielfach in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros und wird so auch mitfinanziert.

Kurz zum Unterschied zwischen Unfallforschung und Forschung im Bereich Unfallrekonstruktion: Letzteres umfasst die Erforschung und damit Verbesserung der Methoden, um geschehene Unfälle möglichst detailliert rekonstruieren zu können. Das ist im Grunde eine wesentliche Voraussetzung für die Unfallforschung. Dort geht es darum, die Folgen der Unfälle, vor allem bei Personenschäden, zu analysieren und daraus abzuleiten, wie man z. B. Fahrzeuge verbessern, Straßenführungen entschärfen kann etc. Wenn man aber gar nicht so genau weiß, wie der Unfall abgelaufen ist, nutzt die beste Ursachenforschung nichts. Leider ist gerade die Forschung auf dem Gebiet der Unfallrekonstruktion völlig unterrepräsentiert. Wie da manche Ergebnisse in der besser versorgten Unfallforschung entstanden sind, darf man gar nicht erzählen …

So, und heute Abend gibt es auf die dann wohl anstehende „Gehaltserhöhung“ ein Gläschen Schaumwein. Oder zwei. Prosit!

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest, rolling rolling rolling | Kommentare deaktiviert für Mehr Kohle? Toitoitoi. | Autor: