Tempelhof sehen und sterben lassen

DC-3_Tempelhof_31Ich wollte wenigstens einmal von Tempelhof geflogen sein. Zum Geburtstag habe ich mir darum einen Rundflug mit dem „Rosinenbomber“ (Douglas DC-3) gewünscht. Angeboten werden solche Rundflüge vom Air-Service-Berlin. Erster Termin war Freitag vor einer Woche. Die Flugsicherheit hat wegen tief hängender Wolken (Sichtflug) aber keine Startgenehmigung erteilt, was nicht so schlimm war. Bei schönem Wetter macht ein Rundflug schließlich mehr Spaß. Also fiel der neue Termin auf den gestrigen „Schicksals“-Sonntag.

Die DC-3 D-CXXX ist die einzige Maschine, die noch im kommerziellen Einsatz ist. Das zieht einige rechtliche Besonderheiten mit sich, die ich nicht weiter ausführen will. Die Kabine ist mit bequemen Ledersitzen eingerichtet. Die Beinfreiheit kann man sich so vorstellen, dass in einem einfachen Ferienflieger 2 Sitzreihen dort angeordnet sind, wo in der alten DC-3 eine Reihe ist: sehr geräumig! Insgesamt passen 25 Leute hinein. Die Fenster sind einigermaßen groß, so dass man recht gut herausgucken kann. Typisches Tiefdeckerproblem: So ein Flugzeug hat Tragflächen, die nicht durchsichtig sind. Tja.

Vor dem Rundflug nimmt man erst in einer „Lounge“ Platz und schlürft ein oder zwei Gläser Sekt, ist einen Donut oder so. Danach gibt es einen kurzen Film über die Luftbrücke. Schon ein Wahnsinn, was sich die Russen in der Zeit kurz nach dem Krieg geleistet haben, West-Berlin abzuriegeln und was über fast ein Jahr geleistet wurde, die Stadt am Leben zu halten!

Pikantes Detail am Rande: Obwohl der Flughafen dann noch nicht geschlossen ist, finden die Feierlichkeiten zum 60. Jubiläum der Luftbrücke nicht in Berlin, sondern in Frankfurt statt, teilte der Pilot mit. Der Senat habe es nicht gestattet, die Feier in Berlin zu begehen. Man fürchtet wohl den Presserummel. Weil auch einige amerikanische Piloten-Veteranen, die seinerzeit aktiv dabei waren, eingeladen sind, will man sie stilecht mit der DC-3 rumkutschieren und wohl auch nach Berlin fliegen.

Der Flug selbst ist natürlich viel zu kurz. Wir starteten Richtung Osten, drehten über Rummelsburg (unser neues Haus konnten wir leider nicht sehen) und flogen dann Richtung Westen an den wesentlichen Bauten vorbei, die man aus der Luft erkennen kann: Alex und Fernsehturm, Berliner Dom, Deutscher und Französischer Dom, Potsdamer Platz, Regierungsviertel, Großer Stern und so weiter am Olympiastadion und Wannsee vorbei Richtung Potsdam. Da wurde dann gewendet und schon gings wieder zurück.

Ich liebe ja das Fluggefühl in so einer alten Mühle. Die Berliner Straßen sind nämlich sogar in der Luft schlecht. Überall hat’s Schlaglöcher. So wird man lustig ein wenig durchgeschüttelt und brummt vom sonoren Geräusch der beiden Sternmotoren begleitet mit gut 220 km/h in ca. 600 m Höhe durch die Luft. Am liebsten würde ich ja selbst fliegen…

(Beim Neuladen (F5) gibt’s neue Bilder, oder druffklicken, dann landest Du in meinem flickr-Photostream)

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Datum: Montag, 28. April 2008
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