AfD-ler sind für mich Nazis

Wenn der Begriff „Nazi“ fällt, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das hat verschiedene Gründe. In erster Linie bin ich von Kindesbeinen an sensibilisiert worden, dass es sich bei Vertretern dieser Ideologie schlicht um Abschaum handelt. Ihr Denken und Handeln ist darauf ausgelegt, anderen zu schaden, von denen sie meinen, sie würden sich irgendwie rassisch unterscheiden. Sie halten sich selbst für etwas besseres. Außerdem hat meine Mutter den Krieg als kleines Mädchen bewusst miterlebt, die Familie hatte unmittelbar unter den Nazis zu leiden, so dass mir aus erster Hand von damals berichtet wurde. Das reicht bei mir hoffentlich für ein Leben, um niemals solchen Schergen auf den Leim zu gehen.

Nun erleben wir in der Welt, insbesondere auch hierzulande, wie Leute mit solchem Gedankengut wieder Oberwasser gewinnen. Ich habe mich also gefragt, ob man Anhänger der AfD als Nazis bezeichnen sollte. Ich bin zum Ergebnis gekommen, dass das richtig ist.

In den letzten Jahren ist der Nazibegriff wieder salonfähig geworden, aber vielfach auf verharmlosende Weise, wie z. B. der Rechtschreibnazi. Macht jemand auf pingelige Weise darauf aufmerksam, dass etwas falsch geschrieben ist, kommt jemand anders mit dem Begriff Rechtschreibnazi um die Ecke. Auch andernorts wird gewisse Penetranz, auf Einhaltung von Regeln hinzuweisen, gern mit Irgendwasnazi umschrieben. Ich bin kein Freund davon und finde das auch falsch. Die Gräueltaten der Nazis sind im Grunde mit nichts vergleichbar, daher ist jeder Verballhornung gleichzeitig ein Schritt dahin, dass Menschen glauben, ach, so schlimm ist das ja nicht: Ein paar Millionen Menschen abschlachten ist ja das Gleiche, wie drei falsch gesetzte Kommas. Klar. Das ist jetzt stark verkürzt und vereinfacht, aber die gedankliche Grundtendenz geht in die Richtung. Man muss sich also fragen, ob die Bezeichnung von AfD-Wählern, -Anhängern und -Mitgliedern auch eine Verharmlosung des Nazibegriffs ist. Und an der Stelle bin ich der Meinung, dass das nicht der Fall ist.

Die AfD und ihre Sprachrohre wirken auf mich so, als sei das der gleiche Duktus, der Ende der 1920, Anfang der 1930er Jahre zum Aufstieg der Nazis geführt hat. Das Handeln einiger Anhänger ist direkt mit Vorkommnissen in den 1930er Jahren z. B. bei der Judenverfolgung zu vergleichen. Noch ein paar strahlende Demagogen mehr und es ist wieder so weit.

Darum werde ich AfD-Leute als Nazis bezeichnen.

3 Gedanken zu „AfD-ler sind für mich Nazis“

  1. Das ist ein sehr guter Text, er regt zum Nachdenken an. Ich werde auch gern als „Rechtschreibnazi“ bezeichnet und dabei kam mir der Begriff im Laufe der Zeit wie eine Verniedlichung vor. Die es niemals werden darf. Ich werde zukünftig darauf aufmerksam machen, danke für den Hinweis! Doch denke ich, dass viele AfD-Wähler einfach recht ungebildet sind, niemals das Wahlprogramm gelesen haben und einfach nur gegen irgendwas sind. Und wenn es Touristen sind, die durch die Straßen laufen. Nicht zwingend Nazis. Leider unglaublich dumm. Ich würde mal sagen, jeder Nazi ist dumm. Aber nicht jeder Dumme ist ein Nazi. Letzteren kann man helfen.

  2. Das sind genau die gleichen Gedanken, die mich vor dem Schreiben auch umgetrieben haben. Ich bin mir sicher, dass es in den 1930ern im Grunde aber die gleiche Gemengelage war. Auch damals waren nicht alle, die die NSdAP gewählt haben, mit überragender Intelligenz geschlagen. Aber wer die gewählt hat, muss sich damit abfinden, zumindest von mir als Nazi bezeichnet zu werden. Und das gilt nun eben für AfD-Wähler. Dummheit ist keine Ausrede.

  3. Die Frage reduziert sich doch auf: sind (deutsche) Rassisten automatisch Nazis. Eventuell gehört zum Nazi sein auch noch ein autoritäres Politikverständnis. Da ich kein Spezialist für solche Fragen bin und die Beantwortung auch eine klare Definition von den Begriffen Nazi und AFDler voraussetzt, begnüge ich mich mit Folgendem:
    Ich gehe davon aus, dass ein relevanter Anteil der AFD aus Nazis und Sympathisanten besteht. Der Rest sind einfach nur Leute, die noch nie etwas in ihrem Leben erreicht haben und sich damit trösten wollen, dass sie zu einem angeblich überlegenem Konstrukt angehören.
    Why achieve something on your own if it is so much easier to blame an immigrant?

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