Mobile Geeks machen es sich einfach mit "den Daten im Auto": Alles ist böse

15. Februar 2015 · Will Sagen

Vor ein paar Tagen erschien auf Mobile Geeks ein Artikel über datensammelnde Autos. Leider ist der Artikel ziemlich oberflächlich bzw. in Teilen schlicht falsch, obwohl ein tatsächlich wichtiges Thema angesprochen wird. Ich nehme an, der Artikel ist als einseitiger Rant, losgelöst von Objektivität, gedacht? Steht leider nicht dabei. Ich schrob dort einen längeren Kommentar:

Früher hat man nach Unfällen (darauf möchte ich mich mal beschränken) die Bremsspurlänge auf der Straße vermessen, um Geschwindigkeiten zurückrechnen zu können. Heute geht das „Dank“ ABS meistens nicht mehr. Man sah den Fahrzeugen auch noch besser an, welche Kräfte gewirkt haben, weil die Verformungen offensichtlicher waren und nicht im Verborgenen unter voluminösen Verkleidungen bleiben. Außerdem sind die polizeilichen Unfallaufnahmen sehr lückenhaft geworden. Um überhaupt den Zustand von vor 20 Jahren wieder zu erreichen, die Bremsspuren hat schließlich auch niemand sofort unkenntlich gemacht, wäre es daher notwendig, gewisse Daten in einem Zeitfenster um ein Triggereignis zu speichern.

Der Artikel suggeriert, dass genau das (und noch mehr, da keine Zeifensterbeschränkung) schon massenweise geschehen würde. Dem ist aber nicht so, jedenfalls nicht in Deutschland bzw. in der EU. Es gibt hier vereinzelt Fahrzeuge mit EDR, dann Importfahrzeuge aus USA, bei denen man die Funktion nicht abgeschaltet hat. Übrigens muss man, wenn man sich hierzulande einen Tesla S mieten will, eine Erklärung unterschreiben, dass man damit einverstanden ist, dass die eigene Position ständig von Tesla verfolgt werden kann. Ich glaube nicht, dass Tesla das freiwillig macht.

Wenn es überhaupt möglich ist, irgendwelche Daten aus Unfallfahrzeugen (ohne EDR) auszulesen, ist das ein erheblicher technischer Aufwand, da eben keine tabellarischen Daten, sondern wenn überhaupt derzeit nur Fehlercodes abgespeichert werden, z. B. ein Fehler am Drehzahlsensor, wenn ein Rad abreißt. Da hat man auch eine Geschwindigkeit, aber es steht nicht fest, dass dieser Geschwindigkeitswert etwas mit der Schwerpunktgeschwindigkeit des Fahrzeuges zu tun hat. Eine gerichtsfeste Auswertung nur solcher Daten, ohne sie in Bezug zu anderen Anknüpfungstatsachen zu setzen, ist praktisch nicht möglich.

Was die Hersteller mit irgendwelchen Daten derzeit anfangen, ist längst nicht so klar, wie es in dem Artikel behauptet wird. Die Herstellerinfos gehen von „wir sammeln gar nichts, um unsere Kunden zu schützen“ bis „wir sammeln eine Menge, aber wir sagen nicht, wann und was.“ Dass die Daten erst mal den Kunden gehören, dürfte dabei klar sein, da er sie mit dem erworbenen Fahrzeug erzeugt. So richtig kann aber niemand gegen die Hersteller vorgehen, um mehr zu verraten, weil sie nicht zur Offenlegung verpflichtet sind, was sie tun und lassen.

Zur Frage, wem „die Daten“ gehören, die ein technisches Gerät erzeugt, hat vor dem LG Halle bzw. OLG Naumburg einen Prozess gegeben, der die Frage behandelt hat, wem die Daten gehören, die von Geschwindigkeitsmessgeräten (aka „Blitzer“) erzeugt werden. Die gehören dem Anwender, jedenfalls keinesfalls dem Hersteller des Geräts. Müsste man sich mal vorstellen, wenn z. B. Canon oder Nikon Besitzansprüche auf die mit ihren Kameras erzeugten Fotos anmelden würde.

Der Rundumschlag dieses Artikels endet dann natürlich mit einer Grätsche in Richtung eCall. Und grundsätzlich ist es ja auch richtig, dass die technischen Möglichkeiten Missbrauch Tor und Tür öffnen. Nur finde ich den Artikel bedenklich einseitig, da der Nutzen, den so ein System bieten kann, ebenso wie die Auswertung unfallrelevanter Daten, praktisch komplett unter den Tisch fällt. Nach meinen ganz persönlichen Erfahrungen als Unfallanalytiker gehen nämlich sehr häufig die Kläger in Zivilverfahren um Schadenersatz und Schmerzensgeld leer aus, weil sie keine Möglichkeit haben, zu beweisen, dass sie den Unfall nicht verursacht haben oder dass sie bestimmten Belastungen ausgesetzt waren.

Über diese Themen habe ich mich in ähnlicher Form bereits hier und hier ausgelassen.

 

Roomservice: Live und in Farbe!

10. Februar 2015 · Will Sagen

Woah, das war lange her, dass ich mal auf einer Bühne stand, um Musik zu machen. Ich war dabei früher auch immer hin und her gerissen. Einerseits gefiel es mir, andererseits war es aber auch immer purer Stress.

In meiner alten Heimat hatte ich mit Copyshop eine Coverband, die immer mal wieder auf der Kirmes oder einer Party spielte. Vielleicht so einmal im Vierteljahr oder so. Wohl eher seltener. Mit meinem Umzug nach Berlin fand meine musikalische Karriere allerdings ein abruptes Ende. Ich spielte im Oktober 2006 noch einmal auf dem Gala-Abend der Jahrestagung der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallrekonstruktion in Dresden als Überraschungsauftritt mit Wolfgang H. aus M. und Jürgen G. aus S., aber das war natürlich nur eine einmalige Sache zum Spaß. Interessant war immerhin, dass wir vorher kein einziges Mal zusammen proben konnten, stattdessen wurden mp3-Dateien und Texte hin- und hergeschickt. Hat aber alles gut geklappt, naja und dort bahnte sich dann auch eine berufliche Veränderung an, weil sich dort Gespräche zu einem Wechsel nach Berlin ergaben. Über 8 Jahre ist das schon wieder her. Es gibt sogar noch ein Bild aus einem Video von dem Auftritt mit meinem „Karrieresprung“:

Der Karrieresprung!

In Berlin stand das Musikmachen dann erst mal nicht mehr unter einem so guten Stern. Lange Zeit stand das ganze Musikgeraffel rum, zwischendurch habe ich mal ein gutes Jahr in einer Band als Bassist gespielt, die in der lautesten Platte Berlins probte. Ich glaube, die Band hieß Paperpilots oder so. Ich weiß es nicht mehr. Die Proben waren äußerst unregelmäßig und wurden gern mal eine halbe Stunde vor Beginn abgesagt, die Musik war gut (auch wieder Coversachen, aber sehr groovy und funky), nur waren die anderen auf ihren Instrumenten eindeutig besser als ich. Beinahe hätte es dann noch eine Twitterband (ich glaube, mit mbukowski, efrane und fakirsessel) gegeben, daraus ist aber nichts geworden.

Danach kamen wieder ein paar Jahre musikalische Abstinenz, bis ich bei Michael und Udo als Bassist einstieg. Wir nannten uns dann „Big as(s) Funk“ und machten rockigen Funk. Oder funkigen Rock. Manchmal auch Blues. Das war dann furchtbar. Funk war aber gut. Sehr gut. Es ist einfach meine Musik. Richtig gut wurde es, als Bonus dazustieß, weil der super singen und Texte schreiben kann. Die Einigkeit in der Musik ließ sich allerdings nur schwer auf die persönliche Ebene übertragen und so kam es, wie es kommen musste: Bonus stieg aus. Ich hing dann kurz zwischen den Stühlen und entschied mich dann, auch den Stecker bei Big as Funk zu ziehen. Tut mir immer noch leid für die Rest-Combo, war aber besser so. Jedenfalls für mich.

Bonus hat mich dann in sein Singer/Songwriter-Projekt eingebaut, als Bassist und zweite Stimme, also das, was ich eh schon immer gemacht habe, nur jetzt viel leiser. Und weniger stressig. Funk ist zwar einfach die beste Musik, die es gibt, allerdings für einen wie mich, der nun nicht der Super-Virtuose auf dem Bass ist, vielleicht nicht unbedingt zum Selbermachen, sondern eher zum Anhören.

Anders dagegen Bonus‘ neues Projekt. Singer/Songwriter. Eigentlich son Ding, von dem ich mich wundere, dass es mir gefällt. Aber hey, es macht Spaß! Richtig Spaß! Nach Jahren voller Krach mag ich nun die leisen Töne. Liegt vielleicht am Alter. Die Stücke sind toll, wir verstehen uns gut, also let’s rock.

Und so sah das dann aus. Ganz ruhig und gesittet.
Ich mal wieder auf ner Bühne

Das war letzten Freitag im „Flop“ bei der Open-Stage. Dort sind wir als „Roomservice“ aufgetreten, haben vier (von acht möglichen) Stücken gespielt, noch etwas getrunken und sind wieder gegangen. Alles super! Kein Stress, gar nichts. Tjoa, und jetzt wollen wir öfter mal so ne Open Stage entern. Vielleicht wieder am kommenden Freitag. Vielleicht diesmal in Kreuzberg. Mal sehen.

Aufnahmen gibt’s leider noch keine, aber das kommt schon noch.

 

 

Wie ich Facebook benutze

8. Februar 2015 · Will Sagen

Facebook ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab dort etliche interessante Leute kennengelernt, alte Bekannte wiedergefunden und jeden Tag gibt es ein Füllhorn interessanter Links. Natürlich auch jede Menge Schrott, aber mit der richtigen Auswahl an Personen halten sich Katzenbildchen und Spieleeinladungen in Grenzen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal eine solche Einladung bekommen habe.

Nun ist Facebook aber, was viele nicht wahrhaben wollen, keine Wohlfahrtsorganisation, sondern ein (derzeit gut) florierendes Wirtschaftsunternehmen. Die wollen dort Geld machen. Punkt. Das ist nichts Verwerfliches. Ich gehe auch jeden Wochentag mit keinem anderen Ansinnen ins Büro. (Die Welt verbessern zu wollen, habe ich mir abgeschminkt. Rechnungen schreiben ist besser für die Rente).

Nun hat Facebook „Allgemeine Geschäftsbedingungen“, meistens fälschlicherweise AGB’s genannt. Und nein. Man kann sich dagegen nicht durch das Posten eines „Ich widerspreche bla“-Bildchens zur Wehr setzen, sondern nur durch Löschen des eigenen Accounts. Friss oder stirb. That’s it.

Also muss man sich arrangieren. Facebook möchte uns möglichst gut durchleuchten, um im rechten Moment die passende Werbung einzublenden. Es werden also alle möglichen Wege verfolgt, die wir auf Facebook und überhaupt im Internet gehen. Von wo wir auf Facebook kommen, was wir dort anklicken, in welche Richtung wir Facebook verlassen und so weiter. Sobald der Facebook-Button auf einer Seite auftaucht, schauen Mark Zuckerberg und seine Knechte uns über die Schulter.

Was mache ich nun:

Erstens: Desktop/Notebook

Ich verwende Facebook in einem eigenen Browser. Der hat Facebook als Startseite. Alle möglichen Seiten im Netz surfe ich z. B. mit Chrome an (auch schon ein Fehler, ich weiß). Nur für Facebook verwende ich z. B. Safari oder Firefox (hängt davon ab, ob ich mit einem Mac oder ner Windose unterwegs bin). In allen Browsern habe ich einen Adblocker und Ghostery installiert. Ghostery verhindert weitgehend das Tracking. Also das Sammeln und Zurückfunken von Metadaten, die Informationen über unser Surfverhalten geben. Irgendwelcher Statistikkram und so. Jedenfalls ist es immer wieder interessant, wie viele Unternehmen z. B. bei eine Nachrichtenseite wie Sueddeutsche.de und so. Die bleiben damit erst mal größtenteils außen vor. Die Werbung auf Facebook „Die dicksten Dinger in deiner Nachbarschaft“ und so sind derzeit auch noch weg. Ich frage mich, wie lange es dauert, bis dort ein Umgehung gefunden wird. Aber nun.

Taucht in Chrome ein Facebook-Link auf, kopiere ich den eben schnell (Rechtsklick „Adresse des Links kopieren“), füge den in Firefox/Safari ein und mache dort weiter. Das ist lästig, aber nun. Finde ich bei Facebook, also in Safari oder Firefox, einen interessanten Link, der aus der Facebook-Spähre hinausführt, kann ich das genauso machen: Rechtsklick, Link kopieren, in Chrome einfügen und weitersurfen.

Man kann natürlich auch noch das Anlegen von Cookies unterbinden. Dann wird es aber irgendwann schwierig, Seiten anzusurfen. Aber nach einer Sitzung die Cookies automatisch zu löschen, ist nicht schlecht. Muss man sich halt jedes Mal neu anmelden.

Zweitens: Mobil

Ich habe ein iPhone. Darauf ist zwar auch die Facebook-App installiert, die brauche ich aber nur in Ausnahmefällen. Ansonsten verwende ich einen anderen Browser, in meinem Fall den Adblocker Browser. Der stellt z. B. im Vergleich zu Opera die Facebook-Seite besser dar. (Allerdings ist der Vergleich schon etwas älter. Kann sein, dass das inzwischen besser aussieht.) Während die Facebook-App ziemlich sicher auch im geschlossenen Zustand nach Hause telefoniert, macht der Adblocker-Browser das (wohl) nicht. Man kann natürlich auch die Apps richtig „abschießen“ (Doppelklick auf Homebutton und nach oben rausschieben).

Kann sein, dass das alles etwas paranoid ist. Aber schaden kann’s wohl nicht.

Einfach die Hände schütteln

31. Januar 2015 · Will Sagen

Ich bin Begrüßungs- oder Verabschiedungs-Honk.

Als Kind hat man mir beigebracht, „das schöne Händchen“ zu geben. Da ich eh Rechtshänder bin, war das einfach.

Später, als ich mehr mit Musikern und damit sowas wie Künstlern zu tun hatte, ging das Umarmen los. Noch schlimmer mit Küsschen auf die Wange geben. In Luxemburg übrigens drei. Aber wie? Links-rechts-links? Rechts-links-rechts? Keine Ahnung.

Wenn Sie mal jemanden treffen, mit dem Sie beim Versuch einer Umarmung mit dem Kopf aneinander ballern, könnte es sein, dass Sie gerade mich begrüßen. Ich habe nämlich die Begabung, garantiert mit der falschen Seite anzufangen. Schon ist die erste peinliche Situation da. Super.

Oder dieses supercoole Verabschieden, wie das die Cool People in den schlechten Autosendungen auf D-Max immer machen: High Five? Ich haue garantiert daneben. Zack, ist der kleine Finger umgeknickt. Die Fäuste leicht gegeneinander klopfen: Ich werde Ihnen die Hand geben wollen. Sich so lässig an den Handgelenken packen? Ich kratze meine Nägel in Ihre Pulsadern.

Selbst beim Händeschütteln kann man ja einiges falsch machen. Hier im Osten schüttelt man sich viel eher die Hände als im Westen, wo auch mal der Gruß mit der leicht angehobenen Hand und einem „Hi“ ausreicht. Ich gebe garantiert dem nicht die Hand, der es gerade erwartet.

Das sind Probleme! Guten Tag!

Das Unrecht am eigenen Bild

31. Januar 2015 · Will Sagen

Die Diskussion um das Foto des Fotografen Martin Langer von dem Mann mit Pissfleck in der Hose, der in den frühen 90ern in Rostock-Lichtenhagen so was wie den Hitlergruß zeigt, ausgelöst durch das Twittern dieses Fotos durch Jan Böhmermann, ist ja an Absurdität nicht zu übertreffen. Besonders hilfreich dank der Kommentar- und Verlinkungsvielfalt ist sicherlich der Beitrag vom Wirren. Ich möchte der Absurdität noch eine weitere Facette hinzufügen.

Ich fotografiere ja auch immer mal wieder Leute auf der Straße. Ohne zu fragen (muss man auch nicht). Aber auch ohne zu fragen, ob ich die Fotos veröffentlichen darf (müsste man!). Ich lege aber Wert darauf, nie Menschen in Posen zu zeigen, die sie diskreditieren oder lächerlich aussehen lassen.

Und so frage ich mich, wie wohl der Mann mit dem (vermeintlichen) Pissfleck (es könnte sich wohl auch um verschüttetes Bier gehandelt haben, aber dann hätte das Bild deutlich weniger Reiz) und auch der daneben stehende Mann auf die ja wohl mit Sicherheit vom Fotografen gestellte Frage reagiert haben, als er um Erlaubnis bat, das Foto veröffentlichen zu dürfen. Das Bild ist auf der Webseite untertitelt mit „Zuschauer während der Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen im August 1992“. Als Teilnehmer öffentlicher Veranstaltungen muss man damit rechnen, fotografiert zu werden, wobei schon fraglich ist, ob das Portraitdarstellungen sein dürfen. Als Zuschauer, damit nicht Teilnehmer, vielmehr zufäliger Zaungast, eröffnet sich aber ein Diskussionsspielraum. Vielleicht ganz interessant dazu:

Wesentlich häufiger als die konkrte Zustimmung sind jedoch die Fälle, in denen die abgebildete Person stillschweigend, in der Sprache der Juristen „konkludent“, in die Aufnahme und deren Veröffentlichung eingewilligt hat. Hier ist wichtig, dass in dem bloßen Dulden der Fotografie noch keine Einwilligung gesehen werden kann. Vielmehr muss die Person zum Ausdruck bringen, mit den Aufnahmen einverstanden zu sein. Dies kann zum Beispiel durch „Posen“ geschehen, sprich die Person merkt, sie wird fotografiert und setzt sich bewusst in Szene. Aber natürlich ist auch die nachträgliche Zustimmung möglich. Wenn eine Person nicht merkt, dass sie fotografiert wird hat sie sich auch nicht konkludent mit der Aufnahme einverstanden erklärt. Um sich hier rechtlich abzusicher, sollte der Fotograf, wenn die Person erkennbar ist, diese nachträglich um eine Erlaubnis fragen.

Quelle

Emporgereckter rechter Arm als Pose und der Aufforderung, mit Fleck in der Hose fotografiert und konkludent veröffentlicht zu werden, oder zufällig dabei abgelichtet worden? Der Fotograf wird es wissen, nehme ich an.

Fundamental-Blogger

31. Januar 2015 · Will Sagen

Manchmal scheine ich ja Fundamentalist zu sein. Jedenfalls, was das Bloggen betrifft, also ein Weblog zu führen, ein digitales Tagebuch, in dem man seine Gedanken niederschreibt, die dann auch andere lesen können. Ob das nun besonders viele Leute lesen, oder nicht: Mir egal. Man liest auch mehr darüber, wie wichtig es ist, „erfolgreich“ (= mit monetärem Zuwachs) zu bloggen, als wie unwichtig es ist, Relevanz zu haben.

Ich finde es absolut ok und sehr anregend, dass es ganz viele Leute gibt, die z. B. Techniknachrichten ins Netz stellen. Oder über neue Musik schreiben. Oder über die fresheste Mode. Aber Bloggen in dem Sinn, wie ich das verstehe, ist das nicht. Darum gibt es m. E. auch immer wieder diese elende Diskussion, dass einige Blogger angefeindet werden, wenn sie mit Ihrem Schaffen Geld verdienen, sei es über Werbung oder für bezahltes Bloggen. Das liegt eben daran, dass viele das Bloggen offenbar noch so verstehen wie ich. Ich stelle aber klar: Auf diese Art sein Geld zu verdienen, ist genauso ehrenvoll wie als Oberarzt oder Straßenfeger.

Nur „Bloggen“ ist das eben nicht. Es ist kurztaktiges Online-Publizieren, häufig subjektiv gefärbt, eine zweifellos gewollte Attitude. Eigentlich wichtig, einen neuen Begriff dafür zu finden. Aber dafür ist es wohl zu spät. Jedenfalls, die „echten“ Blogger als „Journalizer“ zu bezeichnen, wie ich darüber mal fantasiert hatte, hat sich ja nun auch nicht durchgesetzt. (Was Wunder.)

Angeregt zu diesem Beitrag wurde ich hierdurch und dadurch.

Video-Video

23. Januar 2015 · Will Sagen

Dass andere Leute immer das zuerst machen, was man selbst immer mal ausprobieren wollte.

Aber dass dabei sowas tolles rauskommt, hätte ich nicht gedacht!

via

 

Keine Angst, Charlie!

11. Januar 2015 · Will Sagen

PRRRR
Vor langer Zeit für uns gemalt von Silke N. aus H. nach Vorlage von Uderzo.

Hat mir immer schon sehr gut gefallen. Jetzt mehr denn je.

Warum ich nicht gern demonstrieren gehe

10. Januar 2015 · Will Sagen

Weil meistens schlechtes Wetter ist: Regen, Sonne, kalt, heiß: Irgendwas ist ja immer.

Ne, im Ernst.
Derzeit wird ja viel zum Demonstrieren aufgerufen. Meine Teilnahmen an Demos kann man allerdings wahrscheinlich an zwei Händen abzählen. Mal Menschenkette gegen Ausländerhass, 30-Mann-Demo vor dem Funkhaus von Radio ffn für den Erhalt des Frühstyxradios, gegen #Zensursula, gegen Überwachung, Anti-Atomkraft. Viel mehr kommt da nicht zusammen.

Und sehr oft (von der Frühstyxradiogeschichte und den eher stillen Menschenketten abgesehen) ging es mir ähnlich: Ich fühlte mich von den Wortführern instrumentalisiert. Da wurde eine Wortgewalt auf die Menge und in den Äther geblasen, dass mir unwohl wurde. Ich war mit der Rhetorik und den teilweise extremen Ansichten nicht einverstanden. Ich fühlte mich benutzt. Meine Anwesenheit wurde dafür missbraucht, mich mit den Äußerungen der Wortführer zu identifizieren.

Wenn es nicht ganz dicke kommt, werde ich wohl erst wieder zu einer Demo gehen, auf der ich selbst spreche. Und dit kann dauern.

 

Differenzierter Egalismus

9. Januar 2015 · Will Sagen

Ich bin froh, dass ich im freien Entschluss vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten bin. Ich bin gerade jetzt – nach den Anschlägen von Paris – darüber froh, weil ich damit zu einer Gruppe weniger gehöre, für die ich meine, mich einsetzen zu müssen, wenn sie angegriffen wird, durch was oder wen auch immer. Man ergreift ja so leicht Partei für etwas, das einem wichtig ist. Es ist mir inzwischen schlicht und ergreifend egal, wer was über welche Religion sagt. Das ist gut. Wenn das so ist, nennt man das wohl pragmatischen Agnostizismus. Einfach ausgedrückt, glaube ich nicht an einen Gott, aber ich glaube auch nicht, dass es bestimmt keinen Gott gibt, wie Atheisten das tun (am Rande: Ich bin überzeugt, dass die meisten Atheisten eigentlich auch Agnostiker sind).

Ich verkenne nicht, dass der Glaube für Menschen, denen es z. B. in irgendeiner Weise schlecht geht, eine Stütze sein kann. Der Mensch lebt in schlechten Zeiten von der Hoffnung.  Die Erlösung, wie auch immer die aussehen mag, kann den Menschen hilfreich sein, um die tägliche Challenge zu meistern und Kraft zu schöpfen. Zum Glück geht es mir so gut oder bin ich so aufgeklärt, dass ich das nicht nötig habe.

Seit den Gräueltaten in Paris ist in den sog. sozialen Medien richtig Stimmung. Man ist zwar einerseits irgendwie natürlich gegen Gewalt, vor allem, wenn sie aus religiösen Erwägungen heraus begangen wird, aber man hat kein Problem damit, sich teilweise übelst zu fetzen, wenn es darum geht, ob denn nun im Namen der einen oder anderen Religion irgendwann in der Menschheitsgeschichte nicht auch mal gemordet wurde, ob das vergleichbar ist oder schlimmer, weniger schlimm, irgendwie anders und überhaupt. Ruckzuck ist man bei den Kreuzzügen und „den bösen Christen“. Man ist nicht zimperlich damit, pauschal alles zu verunglimpfen, was mal als Säugling über den Rand eines Taufbeckens geschmult hat. Klar. Es sind natürlich ALLE Christen. Wenn man lange genug wühlt, gibt es wohl immer einen oder mehrere Religionsangehörige, die mal was Böses getan haben und sich dabei auf „ihren Gott“ berufen haben. Schaut euch auch mal diesen sagenhaften Comic von Pablo Stanley an, der das immer immer immer aktuelle Lied „Imagine“ von John Lennon illustriert hat.

Gerade in einer Zeit, in der die Folgen von Gewalttaten von der Gesellschaft zu meistern sind, ist es unheimlich wichtig, Augenmaß zu bewahren. Nicht alle über einen Kamm zu scheren, zu differenzieren. Und überhaupt mal genau hinzuschauen. Stimmt es überhaupt, dass die Gewalttäter im Namen des Islams als gewaltbereite Islamisten unterwegs waren, auch wenn sie das rausgebrüllt haben mögen? Oder sind es vlt. einfach geistig gestörte, traumatisierte, irrgeleitete (meist männliche) Heranwachsende*, wie sie auch als Amokläufer in Schulen in Deutschland oder Amerika rumballern (dort meist ohne Religionshintergrund)? Ich weiß es nicht. Ich glaube nur, dass es falsch ist, solche Vorfälle nur durch die Religionsbrille zu sehen, auch wenn es noch so bequem ist. Auch andere Gewalttäter haben immer wieder vorgegeben, im Sinne irgendeiner höheren Sache zu handeln und damit eine gute Sache zu kapern, die vielen, vielen Menschen eine gemeinsame Heimat in der Ausrichtung ihres Lebensmottos gibt.  Was, wenn mal son Irrer statt den Namen einer Gottheit „BVF Schalke 05“ ruft, bevor er sich in die Luft sprengt? Alle Fußballfans verunglimpfen oder nur die eines gewissen Vereins? Bestimmt nicht, aber es ist auch schon nicht komisch, wenn gewaltbereite Testosteronüberproduzenten sich wegen einer Kunstlederpille an die Gurgel gehen ohne sich gleich gegenseitig umzubringen.

Ich rege daher zum differenzierten Egalismus an. Leute, denkt nach, ob ihr gerade mit der Pauschalsense die Meinung eines anderen niedermähen wollt oder ob es nicht vielleicht doch angemessen ist, etwas genauer hinzusehen. Sind die Dinge wirklich so einfach, wie sie im ersten Schein der Schwarzweißmalerei aussehen? Und, vor allem, überlegt, ob es sich nicht eher lohnt, die ganze Situation zu entschärfen, wenn man mit einem genuschelten „Machwoh’sein“  etwas Druck vom Kessel nimmt. So wichtig ist das doch alles gar nicht.

Ich sollte selbst viel öfter gelassener sein.

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*Das habe ich mir nicht allein ausgedacht, aber ich hab die Quelle vergessen.