Die warme Jahreszeit klopft vielleicht noch nicht gerade vernehmbar an die Tür, aber mit ziemlicher Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Winter langsam zu Ende geht. Damit hat auch die triste Warterei, endlich mal wieder einen der liebgewonnenen Oldtimer zu bewegen, ein Ende. In dieser Saison soll sich zu den beiden Fiats noch ein weiteres Gefährt gesellen, nämlich der Heinkel Tourist-Roller, den mir jog zum Aufpäppeln überlassen hat.
Endlich hat es sich ergeben, dass ich mir mal ein paar Stunden, zusammen mit meinem Bruder Zeit genommen habe, um endlich anzufangen: Züge wechseln, den verkniesten Vergaser reinigen, neue Kerzen, neue Kontakte, frisches Öl, Ventile einstellen (ja, zum Glück ist es ein Viertaker). Die Elektrik wurde provisorisch zusammengefummelt, weil leider der Zündschlüssel fehlt. Aber siehe da: Die Standzeit hat der Roller ganz gut überstanden. Diverse Lichter glimmten auf, und auch die Dynastartanlage gab Geräusche von sich. Die ersten Zündungen durfte der Heinkel-Opa dann auch in die geheizte Werkstatt puffen, bis der erste wirkliche Probelauf auf der Terrasse stattfand. Hurra, er läuft!
Das macht Mut, um nun die Technik soweit auf Vordermann zu bringen, so dass die Mühle pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen dem TÜV vorgeführt und angemeldet werden kann. Sicherlich gibt es da noch diverse Rückschläge, denn, wie sich zeigt, ist der alte Herr etwas inkontinent, und die Schaltung einzustellen, scheint ein besonderes Kapitel zu sein, was jog wohl auch schon seinerzeit den Spaß am Roller verlieren ließ.
Gestern war erstmal der Höhepunkt unserer Kulturoffensive: „Tower of Power“ und Maceo Parker live im Postbahnhof am Ostbahnhof.
Seit 41 Jahren gibt es die Funkformation „Tower of Power“ nun. Die Besetzung ändert sich wohl gern mal, von den alten Recken sind aber auch noch zwei oder drei dabei. Ansonsten hatte ich die Geschichte der Band nicht wirklich verfolgt habe. Aber ich wusste, dass sie Musik abliefern, die intelligent ist und in die Beine geht. Darum hatte ich echt Bock auf das Konzert. Und Maceo Parker ist sowieso eine der großen Funk-Legenden in einer Reihe mit George Clinton, Bootsy Collins und dem Godfather James Brown. 40 Euro waren mir allerdings eigentlich zu heftig. Glück gehabt: Karten gab’s zum Geburtstag. Hurra!
Wir waren gegen 19.30 Uhr da, 20.00 Uhr sollte es offiziell losgehen. Zwischen Viertel nach acht und halb neun war es dann auch relativ zeitig so weit. Es war, als wir kamen, schon recht voll in der Halle. Wir haben uns dann direkt hinter dem Mischer ans Gitter gestellt, so dass wir einigermaßen Sicht, wenn auch aus etwas größer Entfernung, auf die Band hatten. Aber vor allem der Sound sollte hier gut sein! Die Band legte mit einem Gebläse-Gewitter los, dass es nur so krachte. Solche spitzen Bläserattacken mit dieser Präzision! Einfach genial. Dazu ein Groove, der schon nach den ersten Sekunden direkt in die Beine ging, so dass der gut gefüllte Saal sofort mitwippte. Man merkt den „Jungs“ (eher Daddies) auf der Bühne ihre Spiellaune wirklich an. Sie leben den Funk (den sie als Soul bezeichnen)! Zu keiner Zeit wurde es in den nächsten anderthalb Stunden langweilig. Beim vorletzten Stück setzte dann auch Maceo Parker mit ein. Dann kam eine Zugabe. Wir fragten uns, unwissend wie wir waren, ob’s das nun war mit Maceo Parker (kann ja wohl nicht!). Nene, nur ne halbe Stunde Umbaupause, bis Maceo mit seiner Band weitermachte.
Während „Tower of Power“ eher kürzere Stücke (wobei kurz immer noch schätzungsweise ca. 5 bis 7 Minuten sind) in einem Set hintereinander wegspielten, ist Maceo Parker dem (P-)Funk mit seinen gerne mal 15 minütigen Stücken verschrieben. Ich finde diese Stücke immer wieder faszinierende: Der pumpende Groove marschiert in eins durch, mal hier ein Solo, mal dort, mal leiser, mal lauter.
Und da sind wir auch schon beim Thema: Laut. Bei „Tower of Power“ war ja noch alles gut. Ein älterer und erfahrener Mischer machte einen guten Job. Für Maceo Parker nahm dann aber son Komiker mit alberner Puschelfrisur an den Knöpfen Platz, der sich nicht wundern sollte, wenn heute ein paar Anzeigen wegen (versuchter) Körperverletzung eingehen. Der hat den Schuss nicht mehr gehört. Um uns herum (so auch wir) steckten sich die Leute irgendwas in die Ohren: Gehörschutzstöpsel oder schlicht Papierkügelchen. Schlussendlich hat diese Pappnase uns und etliche andere im wahrsten Sinne mit seinem Krach vorzeitig aus der Halle geblasen.
Ich habe selbst schon ne Menge laute Musik gemacht, so dass mir nach den Proben die Ohren piepten. Da rauschten die Muscheln manchmal noch am nächsten Morgen. Aber diese Lautstärke muss einfach nicht sein. Meinetwegen kann er bei einem Death-Trash-oder-Sonstwas-Metal-Gig so aufdrehen. Funk hat das einfach nicht nötig, zumal in dem Krachbrei, der durch die Ohrenproppen nicht besser wird, alle Nuancen der Solisten untergehen. So hat ein einziger Wahnsinniger dafür gesorgt, dass wir auf einem Sonntag Abend einerseits doch nicht viel zu spät nach Hause kamen, aber andererseits ein fahler Beigeschmack eines ansonsten wahrhaft erstklassigen Konzerts zurückblieb.
Gestern Abend ging’s weiter in unserem Kulturprogramm, diesmal mit Piet Klocke und im Schlepptau Simone Sonnenschein. Veranstaltungsort war das Studio im Admiralspalast, also die Dachkammer. Ich persönlich mag das Theater nicht so sehr. Man kommt herein und schaut erstmal auf die irgendwie provisorisch wirkende Rückseite der „Tribüne“. Der Saal als solcher ist dann, um es neutral auszudrücken, einfach nüchtern. Architekturinteressierten wird die Stahl-Holz-Dachkonstruktion gefallen.
Ich kannte Piet Klocke bislang nur aus kurzen Einspielungen im TV und wollte ihn schon lange mal live sehen. In erster Linie, um mir darüber klar zu werden, ob ich den nun genial oder nur verrückt finde. Ehrlich gesagt bin ich mir heute nicht wirklich sicherer als vorher.
Seine Art, Sätze anzufangen, nicht zu Ende zu bringen oder anders als vermutet, ist genial. Er verstrickt sich immer tiefer in irgendwelchen an Peinlichkeit zunehmenden Wortaneinanderreihungen. Auch die ungelenken Gesten sind einfach Klasse. Vor sich hat er eine kurze Klaviatur, neben sich ein (Windows-)Notebook, das quasi als Sequenzer oder so dient. Da drückt er immer mal wieder eine Taste, und schon beginnen treibende Drum’n’Bass Loops oder auch ganze Songs. Das macht das Geschehen sehr abwechslungsreich, zumal Angelika Kleinknecht (Simone Sonnenschein) sehr angenehme Töne aus ihrem Saxophon dazuzaubert.
Allerdings frage ich mich jetzt, wo ich das hier schreibe, ob es sich lohnt, auf den Inhalt der Vorstellung einzugehen. Denn es ist der Eindruck zurückgeblieben, dass man ihn gesehen haben muss, um das leibhaftige Chaos im Vortrag zu erleben und auch seine, die interessantesten Gesichter ziehende Partnerin zu sehen, aber vor allem, Saxophon spielen zu hören. Aber, und das ist das große Aber, eben weil es so wenig auf den Inhalt ankommt, reicht es wohl, Piet Klocke einmal (oder sagen wir einmal in 10 Jahren oder so) gesehen zu haben.
Ich habe keine große Erfahrung mit Live-Comedy. Ich vermute bald, dass mir der Abnutzungseffekt auch bei anderen Größen der Szene passiert. Erst bei politischem Kabarett mit direktem Zeitbezug wird es das Problem bei mir nicht geben. Daher wird das wohl eine der nächsten Kleinkunst-Aktionen: Mathias Richling oder so. Das muss mal sein. Alles in allem waren es angenehme anderthalb Stunden Netto-Spaß. Für Eintrittspreise von über 20 Euro erwarte ich persönlich allerdings etwas mehr. Wahrscheinlich habe ich aber auch eine Schieflage zwischen meiner Erwartung und dem Niveau heutiger Kartenpreise zu korrigieren.
Etwas befremdlich fand ich den Schluss der Veranstaltung. Jeder weiß, dass es natürlich eine Zugabe gibt. Und so schlecht war die Vorstellung nun wirklich nicht, dass alle nach dem ersten Vorhang rausrennen mussten. Als die beiden jedenfalls wieder auf die Bühne kamen, guckten sie schon irritiert, als die Leute reihenweise die Treppe hinunterstapften und verschwanden. Ich vermute ja, dass alle diejenigen zur Garderobe gestiefelt sind, um ihre Jacken abzuholen, war doch da bis zum Beginn der Vorstellung eine Schlange halb durchs Foyer.
Einige haben sich aber eines besseren besonnen und sind zumindest in den seitlichen Gängen stehen geblieben. Hat sich auch gelohnt, wie ich meine, denn die Zugabennummer zum Thema „Schöpfungsgeschichte“ war dann auch wirklich genial.
Im Rahmen unserer Aktion „Kultur galore“ war gestern Abend die Premiere von „Hilde“ im Special-Programm der Berlinale.
Es war die erste wirklich große Kinopremiere, der meine Teuerste und ich beiwohnten. Das Spektakel fand im Friedrichstadtpalast statt. Das ist eigentlich ja kein Kino, sondern ein Revuetheater. Also hatte man eine ziemlich große Leinwand aufgebaut, damit die rund 1.600 Leute etwas sehen konnten. Ganz großes Kino also. Um den Eingang des Friedrichstadtpalasts zu erreichen, durften/mussten wir sogar über den roten Teppich gehen/schreiten.
Wir hatten Karten „Parkett C rechts“ (die kosteten übrigens 9,50 Euro. Sehr moderat, wie ich meine). Hörte sich erst ziemlich weit vorn/unten/außen an. Wir trösteten uns zunächst damit, dass wir dann die Künstler besser aus der Nähe sehen könnten, weil die sich sicherlich auf der Bühne versammeln würden. Es kam dann aber anders, weil unsere Plätze ziemlich weit oben, schätzungsweise in der 20. Reihe waren. Wir waren auch schon eine Stunde vor Vorstellungsbeginn (21.00 Uhr) dort. Beste Sicht auf die Leinwand und die eintreffenden Stars. Nur ist es ziemlich eng im Friedrichstadtpalast, wenig Beinfreiheit. Das merkte ich am Ende der Veranstaltung an meinen verdrehten Knien. Einige deutlich später kommenden Leute, meist in schicker Abendgarderobe, muckierten sich, dass Frühkommer ihre Plätze mit ihren Jacken belegt hatten und noch ein Getränk schlürften. „Das ist ja wie im Robinson-Club mit den Handtüchern auf den Liegestühlen.“ Im Gegensatz zum Robinson-Club, wo es an einem selbst liegt, wann man aufsteht, um sein Handtuch zu werfen, öffneten im F-Stadt-Palast für alle gleichzeitig die Tore, Verehrteste.
Wir saßen also brav eine gute halbe Stunde auf unseren Plätzen, bis das Licht verdunkelt wurde und mit ordentlichem Applaus das Staraufgebot und Produktionsteam begrüßt wurde. Das war schon toll für uns „Ex-Landeier“. So dicht dran ist man ja doch selten. Schön war auch, dass der Film ohne Werbung startete.
Der Film zeigt den Abschnitt von Hildegard Knefs Leben zwischen dem zweiten Weltkrieg und dem großen Auftritt in der Philharmonie 1966. Ich wüsste nicht, welche deutsche Schauspielerin die Knef besser darstellen könnte als Heike Makatsch. Sie hat „das gewisse Etwas“. Sprache, Stimme, Aussehen: Es passt wirklich sehr gut. Perfekt sage ich mal nicht, aber sie ist verdammt dicht dran. Möglicherweise stört genau das gerade die wahren Knef-Verehrer: Die Knef kann man nicht kopieren. Darum bringt Heike Makatsch, die alle Songs selbst singt, ihre eigene Interpretation ohne am Original zu scheitern (denn, mal ehrlich: Richtig gut singen im klassischen Sinne konnte Hildegard Knef auch nicht). Allerdings singt Makatsch schätzungsweise eine Terz höher.
Um den zeitlichen Rahmen abzustecken, beginnt der Film quasi kurz vorm Ende: Knef kommt vor dem Konzert in Tempelhof an und fährt von dort zur Philharmonie. Dort, in der Künstlergarderobe, kommen Erinnerungen an die Vergangenheit hoch, die in den Kriegsjahren beginnen. Eindringlich werden die letzten Kriegstage in Berlin geschildert, ihr Verhältnis zu ihrer Familie und zu den (diversen) Männern. Man erfährt ihre tiefgreifenden Veränderungen ihres Lebens beim Wechsel nach Hollywood. An dieser Stelle hatte der Film m. E. einige Längen. Kein Wunder: In Hollywood war es wohl für die Knef auch nicht so spannend. Der Film führt dann am Beispiel retrospektiver Geschichten aus dem Leben der Knef auf den große Showdown, den Philharmonieauftritt, hin. Während die Lieder zuvor nur im Off zu hören sind, trägt Makatsch nun „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ raumgreifend vor.
Ob man den Film gut oder mittelmäßig findet, hängt vom Anspruch ab. Sieht man das Dokumentarische im Vordergrund, wird man wohl enttäuscht, da der Film sehr episodenhaft und nicht eine minutiöse Nacherzählung ist, die jedes Detail mit der gleichen Intensität darstellt. Wenn man, so wie ich, eher auf etwas mehr als 2 Stunden gute Kinounterhalt mit vertretbarem Tiefgang aus ist, ist man bei „Hilde“ gut aufgehoben. Nicht nur, dass die Stimmung zum Kriegsende und in den Nachkriegsjahren gut rüber kommt: Durch ein paar schnoddrige bis alberne Bemerkungen gibt es auch ein paar wohldosierte Lacher. Uns hat der Film gefallen, zu hohe Ansprüche an die jüngere Kulturgeschichte sollte man aber nicht stellen. Und eines wird auch klar: Wer immer noch meint, Heike Makatsch sei doch diese ehemalige Viva-Moderatorin wird durch ihre schauspielerische Leistung zweifelsohne eines Besseren belehrt.
Dennoch scheint der Film beim Publikum nicht als der große „Brüller“ angekommen zu sein. Am Schluss, als das Team und die anwesenden Schauspieler auf die Bühne gerufen wuren, gab es zwar ordentlich Beifall, aber der große Begeisterungssturm blieb aus. So stand, als sich das Publikum aus dem Saal begab, das Grüppchen immer noch unten auf der Bühne und wirkte etwas verloren. Das scheint aber eine Eigenheit des Berliner Publikums zu sein. Dazu mehr in der nächsten Folge von „Kultur galore“.
Geht man (länger) in Urlaub, ist eine Urlaubslage fällig (z. B. heute von einer Kollegin). Das gleiche gilt an Geburtstagen. Während man in meiner alten Heimat aus verschiedenen Gründen „einen ausgibt“, wird in Berlin eine „<Anlass>-Lage“ gereicht. Schnittchen, Brötchen, kalte Platten, allgemein Büfett, Kekse, Kuchen, Torte usw. usf.
Nun muss ich noch herausfinden, was für Lagen es denn so gibt. Neben obigen Lagen käme z. B. nächstens eine „Autolage“ (Kollege hat ein neues Auto bekommen) in Frage. Ein weitaus bekannterer Begriff könnte auch eine neue Bedeutung bekommen: Die „Lebenslage“ würde bestens zur Geburt allfälligen Nachwuchses passen.
Inwieweit es auch eine „Krankheitslage“ gibt, wenn man vorhat, länger krank zu feiern oder nach der Krankheit die Arbeit wieder aufnimmt, habe ich noch nicht herausgefunden. Ebenso wenig Sinn machen in diesem Zusammenhang „Ablage“, „Schieflage“, „Ruhelage“ und „Insektenp-lage“. (Na, der war jetzt echt schlecht. Auf zum Büfett bzw. ans Büffet!!! :D)
So deuteten Etliche die Initialen des Berliner Motorrad-Werks der Bayrischen Motoren-Werke in den letzten Jahren. Der amerikanische Hausdesigner Chris Bangle hatte gehörig für Unruhe gesorgt. Optische Unruhe mit pummeligen Formen, die nicht zu Ende gestaltet wirkten. Traurige Augen, Durchhängende Seitenlinien, die die Autos wie Hängebauchschweine aussehen lassen oder Geschwüre am Heck, deren Linien für mindestens drei Entwürfe gereicht hätten. Egal, die Leute kauften es trotzdem. Zum Glück hat BMW wenigstens keine großartigen Qualitätsprobleme gehabt. Oder die Entwürfe der Konkurrenz waren auch nicht viel besser wie Mercedes mit unterschiedlich ineinander gewachsenen Eierscheinwerfern oder Audi mit dem einfallslosen TV-Total-„Singleframe“-Grill und den insgesamt sich nur durch die Größe zu unterscheidenden Modellen.
Dennoch: Autos wirken dann, wenn sie polarisieren. Autos, deren äußere Form dem Betrachter nicht egal ist, sondern zu Gemütsregungen führen, und sei es, dass er ein „wie hässlich“ ausstößt. Immerhin ein Zeichen, dass er das Design und das Auto wahrgenommen hat. Werbung ist, wenn man drüber spricht. Kaum zu glauben, dass der wunderbare Z8 auch von ihm stammen soll. Da muss er wohl (aus seiner Sicht) einen schlechten Tag gehabt haben.
Nicht zuletzt geben Fahrzeuge wie der X5 und X3 BMW und Bangle anscheinend Recht: Ziemlich überflüssige Autos verkaufen sich wie geschnitten Brot, weil sie eben vor der heimischen Garage noch protziger aussehen als der jämmerliche fahrbare Untersatz des Nachbarn. Ein, wenn auch selten öffentlich geäußertes, aber umso öfter zutreffendes Kaufargunemt.
Nun verlässt Chris Bangle also BMW. Seinen Platz soll ein Niederländer einnehmen. Einfältig wie ich bin, frage ich mich, ob wir demnächst mehr orangefarbene BMWs auf den Straßen rumfahren sehen. Eine ziemlich unterrepräsentierte Farbe im oberen Preissegment.
Galore. Dieses Wort wollte ich in jüngster Zeit immer mal verwenden, aber irgendwie gab es keinen Anlass. Nun ist es soweit, weil es stimmt: Übernächstes Wochende gibt es die volle Dröhnung Kultur:
Freitag Abend (Freitag, der 13.) geht’s in den Friedrichstadtpalast. Da läuft im Spezialprogramm der Berlinale der Film „Hilde“ mit Heike Makatsch in der Hauptrolle.
Samstag Abend sind wir wieder ganz in der Nähe, Admiralspalast. Piet Klocke und Simone Sonnenschein. Ja, das muss auch mal sein! Den wollte ich immer schon mal
Sonntag Abend wird es dann funky, wird es groovy, wird es heiß: Tower of Power und Maceo Parker im Postbahnhof am Ostbahnhof. Das ist prima, das ist nämlich quasi ein Heimspiel.
Wie schnell muss man sein, damit man mit seinem Auto in einem Kirchendach landet? Diese Frage beschäftigt die Nation (oder auch nicht).
Berufsbedingt habe ich allerdings schon eine gewisse Neugier, wie schnell das Auto wohl war. Technisch gesehen ist das Problem eigentlich recht einfach zu beschreiben. Ein Objekt rollt/rutscht über eine schiefe Ebene und fliegt danach ein Stück. Eigentlich nichts anderes als ein „schiefer Wurf“. Die wesentlichen Eckdaten aus den Pressemeldungen: Einschlaghöhe: 7 m, Flugweite 30 bis 35 m. Damit kann man zumindest mal überschlägig rechnen. Und da haben wir auch schon das erste Problem: Für die Berechnungen muss man den Winkel der Böschung kennen, wo das Auto hochgefahren ist. Nehmen wir einfach mal 20° an. Dabei sollte man noch prüfen, ob man nach einer Strecke von 30m und einem Winkel von 20° überhaupt 7 m Höhe erreichen kann. Da kommt ein minimaler Winkel von 13° heraus. Reicht also. Tatsächlich bewegt sich das Auto auf einer Bahnkurve, die nicht exakt einer Parabel entspricht. Da das Auto durch Luftwiderstand langsamer wird, ist die Abstiegphase kürzer als der Aufstieg. Das lassen wir aber alles beiseite. Und weil mir die Formeln für den schiefen Wurf zu kompliziert sind, probiere ich es erstmal mit einer Energiebilanz:
Erste Überlegung:
Wieviel Energie benötige ich, um ein Auto 7 m hoch zu werfen?
Ganz einfach: Wkin = Wpot
1/2*m*v² = m*g*h. Da kürzt sich die Masse des Autos schon mal raus. Prima!
v = √(2*g*h)
v = 11,7 m/s (= 42,2 km/h)
Das ist jetzt aber nur die Geschwindigkeit in vertikaler Richtung. Der Anteil von der Geschwindigkeit auf der Rampe ergibt sich durch den Sinus.
vges = v/sin20° = 123 km/h
Wer Lust hat, mit dem schiefen Wurf zu testen, kann sich hier eine Excel-Tabelle runterladen. Damit komme ich auch auf etwas über 120 km/h. Ohne genauere Angaben zu der Rampe etc. ist es aber letztlich Kaffeesatzleserei. Vielleicht war er auch schneller. Viel langsamer aber eher nicht, vermute ich.
Als quick-n-dirty-Computersimulation mit der Software mit dem herrlichen Namen „PC-Crash“ sieht das dann so aus (am Ende der Bewegung muss man sich ne Kirche denken):
Ich bin ja … ja was eigentlich? Manchmal etwas ambivalent. Einerseits finde ich Kino z. B. toll. Die Art der Unterhaltung gefällt mir einfach. Allerdings komme ich viel zu selten dorthin. Vielleicht einmal im Vierteljahr, wenn überhaupt. Und dann auch nur in son Kinocenter und nicht in ein Programmkino, wo eigentlich viel bessere Filme laufen.
So ähnlich geht’s mir auch mit dem Theater. Wir hatten mal ein Abo. Tja. Viel mehr gibt’s da auch schon nicht zu erzählen. Wir hatten das halt und sind auch ein paarmal dagewesen. Zwei Dinge haben sich in meinen Hirnwindungen festgesetzt: Aus einem Klassiker (Drama, mehr weiß ich nimmer) sind wir nach der Pause geflohen, und zu einer Götz-Alsmann-Revue sind wir zu spät gekommen. Das erste war gut, das zweite doof. Im letzten Jahr waren wir mal im Berliner Ensemble und haben dort „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ gesehen, in der Hauptrolle Martin Wuttke. Das war ein unglaubliches Erlebnis. Nicht mit dem ansonsten von mir/uns besuchten Provinztheatern zu vergleichen. Grundsätzlich habe ich also doch die Gabe, dass mich Theater begeistern kann.
So kam es, dass wir kürzlich -völlig gegen unsere Gewohnheit- an einem Montag Abend ausgegangen sind. Und zwar zum Admiralspalast, genauer gesagt zur kleinen Bühne oben unterm Dach, die „Studiobühne“ genannt wird. Allerdings lockte uns diesmal nicht ein weltbekannter Theaterklassiker, sondern vielmehr Improvisationstheater vom Theatersport Berlin, darauf aufmerksam gemacht von kulturell bewanderteren Nachbarn von schräg gegenüber. Ein wenig überrascht waren wir von den Eintrittspreisen. Denn 18 Euro pro Steuerzahlernase sind schon ein ganz schönes Pfund in meinen Augen. Dadurch wächst natürlich die Erwartungshaltung.
Ein durchaus lebhafter Moderator stellte uns -also dem gesamten Publikum- die beiden Mannschaften vor: Spartak Stanislawski und Dynamo Duse traten gegeneinander an. Oder miteinander? So recht konnte man das nicht unterscheiden, und das war auch gut so. Neben den bekannten Spielchen, wo jeder Satz oder jedes Wort mit dem gleichen Buchstaben anfing, gab man auch Fortsetzungsgeschichten als ineinander geschachtelte Parallelhandlungen zum Besten, wobei die Handlungsthemen durch Stichwörter vom Publikum vorgegeben wurden. Muss man gesehen haben! Sehr schön war auch die Idee, das dienstälteste Paar aus dem Publikum an das Keyboard des Begleitmusikers zu setzen. Eine Mannschaft spielte die Kennenlern-Szene des Paares schrittweise vor. Wenn die Mannschaft die Handlung richtig gespielt hat, spielte sie einen hohen Ton auf dem Keyboard, war es falsch, drückte er eine tiefe Taste. Herrlich, dass Dynamo Duse sogar erriet, dass er von Beruf Elektriker war! Ganz großes Kino… äh, Theater. Nach den diversen Spielchen wurde stets abgestimmt. Das war allerdings wirklich Nebensache.
Alles in allem war es ein sehr kurzweiliger Theaterabend. Wirklich beeindrucken konnte die schauspielerische Leistung, sich auf den Partner/Mitspieler einzulassen und nicht nur seinen eigentlichen Handlungsstrang weiterzutreiben, sondern gleichzeitig den der Mitspieler im Auge zu behalten. Ohne Frage muss man das einfach mal gesehen haben! Oder auch mehrere Male. Das muss man sich nur leisten können und wollen.
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