50 Jahre Fiat 500

2. Juli 2008 · Will Sagen

.. wurde ja eigentlich schon letztes Jahr gefeiert.

Leider habe ich die originalen Papiere zu meinem Fiat 500 N nicht mehr. Daher ist mir das genaue Erstzulassungsdatum nicht bekannt. Bei einer Neuzulassung verfährt der TÜV dann so, dass er als Erstzulassungsdatum den 1.7. einträgt. So auch bei meinem N. Der ist damit nun also 50 Jahre alt. Zumindest lt. Papieren.

Ich finde das für son kleines Auto schon ganz beachtlich. Wenn man bedenkt, wie viele der kleinen Asphaltblasen hergestellt wurden, ist es erstaunlich, wie wenige überlebt haben. Meiner ist immerhin einer aus dem ersten Produktionsjahr.

Nachdem ich zwischenzeitlich immer mal wieder drauf und dran war, ihn wegzugeben, steht nun (erstmal…) fest, dass ich ihn behalten werde. Für immer? Na, schauen wir mal, was die Zukunft so bringt.

N

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Sie nennen es "Urlaub"

22. Juni 2008 · Will Sagen

Schon lange hatte ich mich darauf gefreut: Eine (knappe) Woche Urlaub ohne irgendwelche Umzugskartons zu packen, zu befördern, auszupacken etc., so wie es seit 1,5 Jahren eher meine Urlaubsbeschäftigung war. Einfach mal frei und wegfahren. Es ging zur Gerlitzen-Alm, um dort das eine oder andere Modellflugzeug in der Hammerthermik kreisen zu lassen. Aber es kam alles ziemlich anders.

Gerlitzen_01Die Vorbereitungen liefen vorzüglich. Alle Fluggeräte waren intakt, alle Akkus geladen, ausreichend Reparaturmaterial und Werkzeug hatte ich auch in den Mini befördert, als es Sonntag um 7.00 Uhr losging. In der Nähe von Nürnberg, genauer gesagt in Ottensoos, wer kennt es nicht, traf ich mich mit meinem alten Vereinskumpel Heinz aus Ostbevern, um von dort gemeinsam weiter nach Kärnten zu fahren.

Gerlitzen_03Die Fahrt klappte bis auf einen kleinen Umweg reibungslos, so dass wir um 18.30 Uhr die Alm erreicht hatten. Schnell haben wir etwas gegessen, den Wagen ausgepackt und sofort den Zagi-Verschnitt (ein Segel-Nurflügler) in den Wind geworfen. Der Wind stand genau auf dem Hang, so dass es mächtig aufwärts ging. Toll, das konnte mir gefallen! Überhaupt war die Location klasse: Man brauchte aus dem Bett nur zweimal lang hinschlagen und war am Hang, bereit, das Modell rauszuwerfen. Abends gab es noch ein, zwei Bier, und bei mir machte sich eine extreme Müdigkeit breit, so dass ich ins Bett fiel.

Gerlitzen_06Und dort sollte ich mich die nächsten Tage meistens aufhalten. Am nächsten Morgen fühlte ich mich einfach nur scheiße. Schlapp, kodderig, appetitlos, überflüssig. Es half nichts: Ich musste erstmal aufstehen, um wenigstens etwas zu essen. Nach einem halben Brötchen war Schluss und ich verschwand wieder im Bett. Den Rest des Tages habe ich verschlafen. Am Dienstag war es so ähnlich. Ich hatte insofern Glück, weil nämlich auch das Wetter außerordentlich bescheiden war: Regen und Nebel. Abends lugte ich mal kurz raus, warf den Toro an und landete nach 15s wieder, weil sich plötzlich eine Wolke den Hang hinaufschob, in der der Flieger auch sofort verschwand. Kurz darauf tauchte er wieder auf und ich landete, wenn auch etwas unsanft. Das war’s also erstmal wieder.

Gerlitzen_22Ich weiß nicht, ob es an dem nach meinem Geschmack komisch gewürzten und zubereiteten Essen lag, aber inzwischen gab mir mein Magen-Darm-Trakt zu verstehen, dass ich mich nicht weiter als 150 Meter von der nächsten Keramikschüssel entfernen sollte. Ehrlich gesagt hatte ich dazu auch wenig Lust und so blieb ich fast den gesamten Mittwoch im Bett. Zwischendurch setzte ich mich mal kurz nach draußen, um festzustellen, dass der Haushang im Lee lag. Keine Chance für mich, die andere Seite der Alm lebend zu erreichen.

Gerlitzen_27Am Donnerstag ging es mir endlich deutlich besser und auch das Wetter hatte sich eines besseren besonnen. Den ganzen Tag schien die Sonne, der Wind stand nicht so schlecht, nur die Hammerthermik war immer noch nicht da (und sollte auch nicht mehr kommen). So bin ich am Donnerstag endlich zum Fliegen gekommen. Herrlich! Nur die Schüsselnähe sollte ich weiterhin beibehalten. Das änderte sich irgendwie nicht.

Gerlitzen_37Freitag war schon unser letzter Tag gekommen. Das Wetter war o.k., auch wenn es zwischendurch mal kurz regnete. Nur der Wind stand ziemlich schräg auf dem Hang. Ich verbrachte den Tag überwiegend damit, mich in meinen Klappstuhl zu fläzen und den anderen zuzugucken. Zwischendurch habe ich den Toro mal rausgelassen und mit dem Zagi ein paar Einstellrunden gedreht. Etwas größeres zu fliegen hatte ich keine Lust.

Gerlitzen_38Abends habe ich dann begonnen, meine Sachen zusammenzupacken. Schnell Fußball gucken, schlafen, alles ins Auto packen, frühstücken und bei bestem Wetter von allen verabschieden. Es sah so aus, als wenn das ein genialer Tag werden würde. Mit Hammerthermik. Wir sind dann Richtung Heimat gefahren (nicht ohne die eine oder andere Toilette aufgesucht zu haben). Das war’s. Auch wenn es mitunter ganz nett war, ich wäre besser zu Hause geblieben. Ich bin einfach unfähig, Urlaub zu machen.

So long.

Alle Bild gibt’s hier.

Hier ist noch ein Rundflug-Film.

3 Krawatten braucht der Mensch

11. Juni 2008 · Will Sagen

eigentlich nicht mal unbedingt.

Es kommt immer wieder vor, dass ich mir ne Krawatte umbinden muss. Das ist lästig, ich finde das doof, lässt sich aber nicht ändern. Schlimmer noch: Eine Krawatte reicht nicht. Das fällt auf Dauer auf. Also habe ich inzwischen drei im Gerichtseinsatz:

  • Eine orangefarbene mit kleinen weiß-silbernen Punkten: Die sieht eigentlich gar nicht so schlecht aus. Die Farben sind aber nicht gerade dezent. Gut geeignet für alle Arten von Zivilverfahren.
  • Eine dunkelrote mit einem dezenten Muster für ernste Strafsachen, bei denen es um was geht.
  • Und eine gelbe mit kleinen Fiat 500 drauf samt Abarth-Krawattenklammer für die besonders albernen Fälle. Die durfte ich mir heute mal wieder umbinden. :mrgreen:

Boah, is dat weit wech!

6. Mai 2008 · Will Sagen

Bremen_08_10„Das is ja soooo weit!“ Solange man in Berlin ist und nicht weg muss, ist ja alles gut. Aber wehe, wenn man mal woanders hinwill! Dann merkt man erstmal, dass Berlin nicht gerade der Nabel der Welt ist. Alles ist weit weg. Alles! Und wie. Letztes Wochenende ging es zum Bremer Fiat 500 Frühjahrstreffen. Das sind mal eben schlappe 400 Kilometer, wo ich früher nur gerade gut die Hälfte gefahren bin. Aber wie musste ich mich zurecht von Karsten belehren lassen: Ich bin es, der weggezogen ist, nicht die anderen. Stimmt. Aber selbst zum Berliner Fiat 500 Treffen sind es 100 km. Das ist doch nicht normal! Dennoch hat die Entfernung auch ihre guten Seiten. Es lohnt sich nicht, schneller als Material schonend zu fahren. Denn, ob ich nun ne halbe Stunde früher oder später ankomme, macht bei der gefühlten Tagesreise den Kohl nicht fett.

Bremen_08_01Also habe ich mich mit Kerstin und Rainer an der Autobahnraststätte Linumer Bruch, nordwestlich von Berlin, verabredet: 1. Mai, Donnerstag, 10 Uhr. Ich war dann auch pünktlich wie verabredet dort und bekam kurz nach 10 einen Telefonanruf: „Der Motor von Kerstins Auto klingelt, ich muss mal nach der Zündung sehen.“ – „Jo.“ Ein paar Minuten später dämmerte mir, Momang, da hängt doch der Wohnwagen dran. „Bau‘ mal die Motorhaube ab, der wird zu heiß. Das ist kein Zündungsproblem.“ – „Jo.“ Wieder etwas später trällerte mein Handy erneut: „Kommen bei dir noch Autos vorbei?“ – „Jo.“ – „Wir stehen hier auf drei Spuren. Das kann noch dauern.“ – „Jo…“

Bremen_08_04Gegen 11 kamen die beiden angekullert. Rainer mit seinem unglaublich grünem Kombi und Kerstin mit ihrem orangen 500er samt angehängtem Dethleffs Camper. Ein wenig Smalltalk, dann ging’s weiter. Erstmal. Denn schon kurz darauf haben wir einen Rastplatz angesteuert: Das Klingeln war wieder da. Hm. Naja, probieren wir eben mal meinen Kombi als Zugfahrzeug, obwohl ich nicht sonderlich scharf darauf war. Bremen_08_02Das Problem zeigte sich auch sofort in Form meines Getriebes: Mit der langen Hinterachsübersetzung musste ich ständig zwischen drittem und vierten Gang hin- und herschalten, im vierten fing auch der Kombimotor an zu klingeln, im dritten krähte der Motor (für mich) unerträglich. Außerdem hat es noch einen Ölkühlerschlauch erwischt. Glücklicherweise kann ich den Kühler mit zwei Hähnen abklemmen. Also ging’s ohne Extrakühlung weiter. Schlussendlich haben wir den Wohnwagen am Rastplatz Stolpe abgestellt, Rainer ist mit dem grünsten Kombi der Welt zurückgefahren, um anschließend das anhängertaugliche Familiengefährt zu holen, Kerstin und ich sind in aller Ruhe weitergefahren. In Stillhorn wurde getankt, wo sich schon angenehm geringer Verbrauch ankündigte. Den beiden Anhaltern mussten wir leider absagen. Alle Plätze besetzt mit Taschen und Modellflugzeugen etc.

Ungeplant fuhr Kerstin ein weiteres Mal rechts ran. Diesmal war es der Auspuff, der Rainer eines besseren belehrte, dass es doch etwas gibt, das besser als ein Provisorium hält. Die hinteren Krümmerschrauben hatten sich samt Gewinde verabschiedet, und dabei waren da schon M10er Schrauben reingewürgt worden. Mit etwas Bowdenzugseil wurde der Krümmer soweit es geht an den Kopf gezogen, damit der Motor nicht so aus dem Spalt herausfeuert. Das hat dann auch tatsächlich bis zur Ankunft gehalten. Ca. 7 Stunden nach der Abfahrt, ich weiß es nimmer genau, war ich damit am Ort des Geschehens: Der Backsberg liegt zu meinen Füßen!

Bremen_08_50Bremen_08_14Die ersten waren schon am Mittwoch eingetroffen und hatten auf der Wiese in den Mai getanzt. Darum waren sicherlich schon 15 Autos da. Wie üblich baute ich mein Zelt in der hinteren Ecke auf. Glücklicherweise hat mir (Visa-)Martin geholfen, denn es musste das große Zelt sein, schließlich sollte ich nicht allein bleiben die ganze Zeit… Die Begrüßungsrunde führte mich natürlich auch zum Anmeldewagen und Multi-Purpose-Zelt, in dem Harald and Friends Berge von Kuchen und Pizza backten. Jetzt ist auch klar, woher der Backsberg seinen Namen hat! Das ist wirklich einmalig: Praktisch zu jeder Tages- und Nachtszeit werden Bleche mit frisch gebackenen Köstlichkeiten aus dem Ofen gezogen. Echt super!

Nach dem mich das Lagerfeuer von vorn gebraten hat und ich hintenrum genug durchgefroren war, bin ich in meinen Schlafsack gekrabbelt. Trotz doppelter Socken und Zwiebelschalentechnik krabbelte die 4°C-Nachttemperatur an meinen nicht überall gleichmäßig isolierten Luxuskörper: „Schatz, bring‘ Decken mit!“, bibberte ich am nächsten Morgen in mein Wiesenfon „Jo.“ Ich hab mir auch noch ein paar von Haralds Möbeldecken geliehen, die er in seinem Hanomag stets liegen hat.

Backsberg_von_oben_06Bremen_08_19Am nächsten Tag sind Ralf, Nadine und ich samt Fremdenführer Klaus nach Bremen reingefahren, um mal wieder einen Blick auf die touristischen Highlights zu werfen. Ganz weit vorn liegt der Papierbastelbogenladen im Schnoor! Wieder auf dem Platz angekommen mussten wir was essen. Da machte ich Bekanntschaft mit einer weiteren Perversität unserer Konsumgesellschaft, die ich noch nicht kannte: Wegwerfgrill: Anzünder, Kohlen, Grillrost alles in einem. Anfachen, Grillen, Wegwerfen. Wahnsinn… Die ersten Würstchen schmeckten meiner Meinung aber etwas nach Grillanzünder. Während unserer One-way-Grill-Session ging ein ordentlicher Regenschauer runter. So richtig warm war mir nicht. Das musste besser werden! Schließlich geht mir die Kälte nur an eine Niere. Das’s nich gut. Der Freitagabend wurde mit einer Lehrer-Schüler-Modellflugsession für Cemil eingeläutet. Danach gab es wieder dieses Feuer von vorn und das Anti-Feuer von hinten. Achja, und natürlich Pizza und Kuchen.

Bremen_08_18Samstag ist traditionell der Tag der Eintagsfliegen. Leute wie Gerd fliegen für einen Tag vorbei, um nachzusehen, ob die anderen auch ja tagsüber einen Sonnenbrand bekommen und sich nachts den Ar*** abfrieren. Immerhin gesellte sich meine Chefin zu mir, mit der ich auch nachts das eigens errichtete Falteigenheim teilen würde.

Bremen_08_54Auch Philipp aus Hamburg war endlich wieder online: Sein Guzzi-D steht wieder auf allen Vieren und rennt wie früher. Wir hatten uns vorher schon grob verabredet, und ich war auch unter anderem deswegen nicht die Ausfahrt mitgefahren. Nach ein wenig Fachsimpelei über die neuesten Goodies -die Motorelektronik is ziemlich cool- wurde ein Traum war: Ich durfte mal ne Runde fahren. Wow! Der Bremer Philipp ist schnell zugestiegen. Erst fand ich in der Citroën-Schaltbox den Rückwärtsgang nicht, schließlich liegen die einzelnen Gänge trotz halbem Meter langem Schaltknüppel nur gut 1 bis 2 cm auseinander. Irgendwann ging es aber voran und wie:

BAAUUUUUUu-BAUUUUUUUuuuuuuu-BAUUUUUUUUUuuuuuu-BAAAUUUUuuuuuuuuuuuuuu

Bremen_08_60Vier Gänge durchgeschaltet, 130 km/h auf der Uhr und noch nicht mal in Fischerhude! Wow, macht das Teil ein Spektakel. In den fünften habe ich mich nicht getraut zu schalten, der lag mir zu dicht am dritten. Dafür hätte ich noch ein wenig üben probieren müssen. Die Bremse ist was für Männer. Wenn man richtig zulangt, spricht sie aber super gefühlvoll an. Überhaupt ist das ganze Auto kein fauler Kompromiss, wie einige andere Dosen, die ich zuvor mal gefahren bin. Da rappelt nichts im Fahrwerk, da klappert nichts. Der fährt geradeaus, wenn er soll und um die Kurve, wenn er darf. Einfach genial! Besten Dank für dieses Erlebnis. Das Auto hat mich auch in meiner Überzeugung bestärkt, dass es für mich keinen Sinn macht, einen Fiat-Motor großartig zu tunen, was über eine Nockenwelle und ein bisschen anders Bedüsen und Kopfarbeit hinausgeht. Wenn es voran gehen soll, und zwar richtig, müssen es schon 70 PS sein. Demnächst muss ich nur mal zum Gesichtschirurgen und mir das Dauergrinsen wegoperieren lassen.

Bremen_08_64Der Samstagabend war dann so ähnlich wie am Tag zuvor: Ein bisschen Modellfliegen, ein bisschen Benzin Reden, ein bisschen Nachdieseln. Achja, und Axels Essen. Das gab es so gegen 8, also genau rechtzeitig. Der Aufwand wurde in diesem Jahr (angeblich) etwas geringer gehalten, so dass nicht Herscharen fleißiger HelferInnen schnippeln mussten, was das Zeug hält, sondern nur drei oder vier. Das Ergebnis war wie immer beachtlich: Salat, Nudeln mit drei verschiedenen Soßen und zum Dessert Panna Cotta. Das Essen war und ist immer ein Highlight des Bremer Treffens. Nur finde ich es wirklich nicht erforderlich, den Aufwand grenzenlos zu steigern, was in der Vergangenheit mal so aussah. Selbst beim diesjährigen Treffen schien es noch Arbeit genug gegeben zu haben. Allerdings sollten über kulinarische Erlebnisse und den Weg dahin wohl besser Leute berichten, die davon Ahnung haben. Nudeln und Sauce schmeck(t)en mir jedenfalls sehr gut!

Bremen_08_36Bremen_08_26Das Lagerfeuer am Samstag sah zunächst im Vergleich zu Donnerstag oder Freitag etwas kümmerlich aus. Dennoch leistete es dank einiger pyromanisch veranlagter Herren unter anderem aus Holland oder den Niederlanden gute Wärmedienste. Da mich schon den ganzen Tag Kopfschmerzen plagten, obwohl ich mir nichts vorzuwerfen hatte, war ich früh im Schlafsack unter einem Haufen Decken verschwunden. Dafür war ich dann morgens wieder der erste bei der Dusche. Praktisch.

Habe ich schon erwähnt, dass es morgens frische Brötchen aus den Teig“resten“ gab? Einfach genial, die Organisation! Nach dem Frühstück lag am Sonntag noch das Packen und die Rückfahrt vor mir. Weil es Kerstin und Rainer gemütlicher angingen ließen und meine Chefin keine Lust hatte, hinter meiner lahmen Karre herzutrödeln, war ich mal wieder als Freerider allein auf weiter Flur unterwegs.

Bremen_08_72Außer, dass vor Berlin, das im Übrigen echt total weit von allem entfernt ist, der Verkehr stockte, so dass ich ab Fehrbellin Landstraße gefahren bin, habe ich nur noch den freundlichen (!) Cayenne-Fahrer an der Tankstelle in Erinnerung, dessen Frau der Meinung war, dass mein Auto ein Fiat 500 Kombi sei und er sich nun vergewissern wollte. Natürlich habe ich im Nebensatz fallen lassen, dass ich mal gerade nur 4,8 l/100km verbraucht habe, worauf er meinte, dass sogar ein Smart mehr verbraucht. Ich habe das mal so stehen lassen und keinen Kommentar zu seinem Panzerspähwagen abgegeben. Der überholte mich dann auch geschlagene 10 Minuten, nachdem ich längst losgefahren war. Kein Wunder, ein Hektoliter tanken dauert eben länger als ein paar Tropfen.

Noch einmal vielen Dank an Uli und Harald nebst den diversen Helfern für das schöne Treffen! Bis nächstes Jahr in Bremen.

So long.

Tempelhof sehen und sterben lassen

28. April 2008 · Will Sagen

DC-3_Tempelhof_31Ich wollte wenigstens einmal von Tempelhof geflogen sein. Zum Geburtstag habe ich mir darum einen Rundflug mit dem „Rosinenbomber“ (Douglas DC-3) gewünscht. Angeboten werden solche Rundflüge vom Air-Service-Berlin. Erster Termin war Freitag vor einer Woche. Die Flugsicherheit hat wegen tief hängender Wolken (Sichtflug) aber keine Startgenehmigung erteilt, was nicht so schlimm war. Bei schönem Wetter macht ein Rundflug schließlich mehr Spaß. Also fiel der neue Termin auf den gestrigen „Schicksals“-Sonntag.

Die DC-3 D-CXXX ist die einzige Maschine, die noch im kommerziellen Einsatz ist. Das zieht einige rechtliche Besonderheiten mit sich, die ich nicht weiter ausführen will. Die Kabine ist mit bequemen Ledersitzen eingerichtet. Die Beinfreiheit kann man sich so vorstellen, dass in einem einfachen Ferienflieger 2 Sitzreihen dort angeordnet sind, wo in der alten DC-3 eine Reihe ist: sehr geräumig! Insgesamt passen 25 Leute hinein. Die Fenster sind einigermaßen groß, so dass man recht gut herausgucken kann. Typisches Tiefdeckerproblem: So ein Flugzeug hat Tragflächen, die nicht durchsichtig sind. Tja.

Vor dem Rundflug nimmt man erst in einer „Lounge“ Platz und schlürft ein oder zwei Gläser Sekt, ist einen Donut oder so. Danach gibt es einen kurzen Film über die Luftbrücke. Schon ein Wahnsinn, was sich die Russen in der Zeit kurz nach dem Krieg geleistet haben, West-Berlin abzuriegeln und was über fast ein Jahr geleistet wurde, die Stadt am Leben zu halten!

Pikantes Detail am Rande: Obwohl der Flughafen dann noch nicht geschlossen ist, finden die Feierlichkeiten zum 60. Jubiläum der Luftbrücke nicht in Berlin, sondern in Frankfurt statt, teilte der Pilot mit. Der Senat habe es nicht gestattet, die Feier in Berlin zu begehen. Man fürchtet wohl den Presserummel. Weil auch einige amerikanische Piloten-Veteranen, die seinerzeit aktiv dabei waren, eingeladen sind, will man sie stilecht mit der DC-3 rumkutschieren und wohl auch nach Berlin fliegen.

Der Flug selbst ist natürlich viel zu kurz. Wir starteten Richtung Osten, drehten über Rummelsburg (unser neues Haus konnten wir leider nicht sehen) und flogen dann Richtung Westen an den wesentlichen Bauten vorbei, die man aus der Luft erkennen kann: Alex und Fernsehturm, Berliner Dom, Deutscher und Französischer Dom, Potsdamer Platz, Regierungsviertel, Großer Stern und so weiter am Olympiastadion und Wannsee vorbei Richtung Potsdam. Da wurde dann gewendet und schon gings wieder zurück.

Ich liebe ja das Fluggefühl in so einer alten Mühle. Die Berliner Straßen sind nämlich sogar in der Luft schlecht. Überall hat’s Schlaglöcher. So wird man lustig ein wenig durchgeschüttelt und brummt vom sonoren Geräusch der beiden Sternmotoren begleitet mit gut 220 km/h in ca. 600 m Höhe durch die Luft. Am liebsten würde ich ja selbst fliegen…

(Beim Neuladen (F5) gibt’s neue Bilder, oder druffklicken, dann landest Du in meinem flickr-Photostream)

mompl's Destination THF photoset Destination THF photoset

Steh' auf, wenn Du Rosinenbomber bist!

27. April 2008 · Will Sagen

„Ja“ zu Tempelhof. Das ist das Wort zum Sonntag, zum heutigen Schicksalstag für Tempelhof.

Aber halt: Wieso eigentlich Schicksalstag? O.k., es gibt da diese Volksabstimmung, wo ich auch gleich hingehen werde. Aber wie wir alle wissen (auch die, die es nicht wahrhaben wollen), hat das Theater eher unterhaltenden Charakter. Fest steht, dass Tempelhof als Verkehrsflughafen dicht gemacht wird. Das unterstütze ich auch. Ob man ihn generell als Fluggelände entwidmen muss, ist eine andere Frage, die aber heute nicht auf dem Wahlzettel gestellt wird.

Man muss deswegen mit „ja“ stimmen, um ein großartiges politisches Experiment anzuschieben: Wie verhält sich der Basta-Senat, wenn er sich mit einer Pro-Tempelhof-Mehrheit konfrontiert sieht? Wie versucht er, das politische Desaster zu verkaufen? Wird er so dümmlich sein, und alles auf Pflüger und Springer schieben? Hat er endlich ein Nachnutzungskonzept in Petto? Das ist es schließlich, was seine Entscheidung, Tempelhof zu schließen, so unglaubwürdig und beliebig erscheinen lässt.

Die Ausrede, dass der Landesentwicklungsplan das so vorsieht, mag ja wohl sein. Aber wer ist denn so dumm und denkt sich einen Plan aus, einen Flughafen (der allerdings eh kaum genutzt wird) zu schließen, bevor nicht der neue fertig ist? Stattdessen soll in Tegel noch einmal richtig investiert werden. Für wie lange? Vielleicht 4 Jahre oder so, bis Tegel auch geschlossen wird.  Mit Tempelhof hätte man zumindest noch eine Ausweichmöglichkeit, wenn es aufgrund der Bauarbeiten in Schönefeld mal eng wird. Aber dann schickt man die Leute wohl eher ins „nah“ gelegene Leipzig.

Das Argument, der Flughafen würde ja soviele Millionen im Jahr kosten, ist noch so ein Unfug. Von 10 oder 12 Millionen liest man. Klar, auf der einen Seite eine Stange Geld, aber andererseits muss uns doch wohl klar sein, dass nicht jemand in diesem riesigen Gebäudekomplex, von dem keiner weiß, was insgesamt damit passieren soll, im Oktober einfach das Licht ausknippst und abschließt. Die Gebäude kann man schließlich nicht einfach verfallen lassen. Z. B wird man im Winter heizen müssen, damit die Leitungen nicht einfrieren, um nur ein kleines Beispiel zu nennen. Man wird einen Wachschutz einsetzen müssen, der nach dem Rechten schaut. Aber was solls? Diese Fehler hat man anderorts auch schon begangen. Warum nicht auch in Berlin, das sich irgendwie ständig selbst im Weg steht.

Also, ihr Völker der Welt! Schaut auf diesen Wahlzettel und kreuzt „ja“ an, um das drohende Sommerloch (die Sommerpause der Politik müsste bald beginnen) mit Leben zu füllen!

Es war einmal im April…

24. April 2008 · Will Sagen

In der Oldtimer-Markt hat’s jedes Jahr in der April-Ausgabe einen Aprilscherz. In diesem Jahr fand man einen verschollenen Mercedes SLR „Silberpfeil“ des Rennfahrers Dapril Sherts in der vergessenen Box 57 im alten Fahrerlager des Nürburgrings. Der Hausmeister Berckes hatte ihn gefunden, findet einen Mitsubishi Colt aber praktischer.

Dazu konnte ich noch ein wenig beitragen. Wurde leider nicht veröffentlicht, daher nun hier:

Ich kann mich noch gut an das Rennen erinnern. Ich war seinerzeit Rundenzähler im Rennteam von Dapril Sherts. Leider kam ich beim Rennen wieder nur dazu, bis drei zu zählen. Die Lebensmittelvergiftung hatte durchschlagenden „Erfolg“. Ich meine jedoch, dass es nicht der Fisch von Erna (wir nannten sie „Salmonellen-Erna“), sondern die lustig bunten Pilze waren, die wir rund um die „Grüne Hölle“ gesammelt und im Fahrerlager im Motorraum des W196 mit der total verstellten Zündung und darum rotglühenden Krümmer gebraten hatten. Mir jedenfalls war irgendwann so schlecht, dass ich mich in die bewusste Box 57 zurückzog. Wie so oft machte ich ein kleines Nickerchen in einem Reifenstapel. Das brachte mir auch den Spitznamen „Bib“ ein, dessen Bedeutung ich erst wesentlich später bei einem Michelin-Händler begriff.

Als ich aufwachte, war das Tor zu und Totenstille vor der Tür. Ich rappelte ein wenig an der Wellblechgarage, aber kein Ton weit und breit. Glücklicherweise hatte ich Dapril vor dem Rennen eine Tüte Brandt-Zwieback (wenn sie sich die Tüte vorstellen, wissen sie, wie ich aussehe) und Knäckebrot in den Wagen gepackt, falls er zwischenzeitlich seinen restentleerten Magen wieder etwas füllen wollte. Das war noch da! Aber noch wichtiger ist ja bekanntlich Wasser. Für einen geringeren Strömungswiderstand im Kühlsystem des SLR hatten wir 1.4 Liter Moselwein (Riesling Kabinett) statt des dickflüssigeren Glykol mit Wasser aus einem nahegelegenen Mar gemischt. Damit war mein Überleben gesichert.

Ich hatte in der Hosentasche noch die Prototypen der neuen Amselklappen. Die sind etwas größer im Durchmesser (eben entsprechend der Körperfülle der heimischen Amsel) als die bislang verwendeten Drosselklappen, die sich am Körpermaß der zweijährigen weiblichen Singdrossel orientierten. Damit grub ich mir einen Tunnel aus der Garage. Möglich, dass man ihn heute nicht mehr sieht, weil ich ab einer bestimmten Tiefe den Aushub hinter mir ließ und nicht mehr nach oben beförderte.

Kurz vor dem nächsten Rennwochenende erblickte ich jedenfalls wieder Tageslicht. Glücklicherweise konnte ich mich dann für die nächste Zeit in der Würstchenbude (Box 58 und 59) als Wurstbieger verdingen. Der neue Rundgrill brachte diesen Job mit sich. Weil gleichzeitig die unglaublich zähen Steaks vom Schwenkgrill nicht mehr so gut gingen, haben wir mit den Resten das Tor der Box 57 verkleidet, was gar nicht auffiel. Denn, es war ja noch alles schwarzweiß in der damaligen Zeit!

So kam es, dass im Laufe der Zeit die Box 57 in Vergessenheit geriet. Von dem Geld, dass ich mir mit dem Würstchenbiegen erarbeitet hatte, kaufte ich mir übrigens schon früh einen Mitsubishi Lancer (mit dem größeren Kofferraum). Darum kann ich mich heute völlig neidlos mit Herrn Berckes über seinen Fund freuen!

Al R. Logen