Digitaler Rassismus

5. Dezember 2012 · Will Sagen

Das Internet ist ein Abbild der Gesellschaft. Von himmelhoch jauchzend bis abgrundtief schlecht findet man alles. Es schließen sich Interessengruppen zusammen, um ihre Vorlieben an einem bestimmen Ding, Hobby, Thema zu vertiefen, sei es auf Blogs, Internetforen oder sonstigen Sammelstellen von digital abgelieferten Äußerungen. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Dummerweise treiben solche Einrichtungen im Netz aber auch immer mal fragwürdige Blüten. Bashing drückt es eigentlich viel zu soft aus, was man hier und da im Netz so findet. Wie uns Sascha Lobo kürzlich den Digitalen Hass erklärt hat, gehe ich noch einen Schritt weiter. Es ist der Digitale Rassismus, der in vielen Netzmikroorganismen Einzug hält. Man glaubt sich in der Gruppe so stark fühlen zu können und spürt Tendenzen in Themensträngen auf, man fühlt sich von „den anderen“ auch insoweit unbeobachtet, dass man sich dazu herablässt, eine ganze Gruppe zu verunglimpfen und sich so gleichzeitig auf eine höhere Stufe zu heben. So in etwa kann man doch Rassismus definieren.

Vor einiger Zeit hatte ich über den automobilen Rassismus schwadroniert. Liest man sich durch einige Kommentarspalten von automarkenaffinen Netzangeboten, stellt man schnell fest, dass natürlich BMWs nicht nur besser als Mercedesse sind, sondern dass damit auch gleichzeitig der Fahrer des Münchner Produkts ein besserer, wertvollerer Mensch ist als der armselige Wicht in seiner Stuttgarter Chaise. Aber es geht dann eben mit einigen soweit durch, dass sie Hasstiraden anstimmen, die man in einer Diskussion, in der man die Automarken durch Religions- oder Völkerangehörige ersetzen würde,  in eine ganz eindeutig braune Ecke stellen würde, und das zu recht.

Was auch unter sogenannten Fußballfans gilt, nämlich dass „Schalker“ selbstredend zur wertvolleren Bevölkerungsgruppe im Gegensatz zu „den Bayern“ zählen, greift nun auch auf das Internet über. Kürzlich las ich einen Themenstrang, in dem jemand ganz unbedarft fragte, wer denn auch bei Facebook sei. Statt „ich“ oder „ich nicht“, wussten natürlich etliche Verbalinkontinenzler etwas dazu beizutragen. Ein paar Bonmots gefällig?

Für mich ist “ Fäissbuck “ ( war natürlich drinnen ) die ideale Plattform für Exhibitionisten, Adabeis und Leute mit Hang, zum inhaltslosen Ausdruck.

Ich brauche Facebook so nötig wie Hundescheisse am Schuh !

Gesichtsbuch ist ab einem gewissen Alter je nach Synapsenentwicklung genauso belanglos wie Witze auf Toilettenpapier oder Serviettenringe

Zugegeben. Das ist alles relativ harmlos. Aber man erkennt schon daran eindeutige Tendenzen: Wir stellen als erstes fest, dass es die Facebookhasser besonders komisch finden, den Namen falsch zu schreiben. Das kennt man auch von Automarken. Kaum einer schreibt Ziedröhn Citroën richtig (ich auch oft genug nicht, weil ich die Punkte auf dem „e“ nicht schnell genug finde), geschweige denn, dass er das Wort richtig sprechen kann. Nicht schlimm. Eigentlich. Bestimmt gibt es sowas auch mit Fußballvereinen. Da ich mich damit nicht auskenne, kann ich kein Beispiel liefern.

Wer bei Facebook ist, wird mal gleich in eine Ecke mit Exhibitionisten und Leuten gestellt, die nichts hinkriegen. Auch der Kraftausdruck des Tierexkrements hätte im Zusammenhang: Ich brauche [Namen einer Weltreligion oder eines Volkes einsetzen] so nötig wie Hundescheiße am Schuh! gleich eine ganz andere Wirkung entfaltet, bedeutet aber, dass im Hirn desjenigen, der das geschrieben hat, eigentlich die gleichen Denkprozesse ablaufen, als dass er damit alle, die zur Gruppe der Facebookmitglieder gehören so scheiße findet, wie man Hundescheiße am Schuh finden kann. Ist ja auch eklig. Oder man ist als Facebooker eben einfach dumm.

Dabei hat sich das Thema eigentlich ganz harmlos entwickelt, bis jemand die erste verbale Entgleisung liefert. Er sieht, dass das keinen wirklichen Widerspruch in der gleichen Tonart findet. Viel mehr fühlen sich auch nun andere ermutigt, in die gleiche Kerbe zu hauen. Eben genau so, wie einer anfängt, vorm Asylantenheim „Ausländer raus“ zu krähen, bis es die ganze Menge skandiert. Diejenigen, die das abstößt, haben längst die Flucht ergriffen, um nicht angegriffen zu werden.

Typisch ist auch, dass sich die Facebookhasser offenkundig mit der Plattform nicht großartig auseinander gesetzt haben. Facebook ist erst mal nur eine Software. Es kommt ja darauf an, was man daraus macht. Einige schreiben, sie hätten sich da angemeldet und das wäre langweilig gewesen, was sie da gefunden hätten. Dabei kommt es ja gerade darauf an, selbst zu suchen, was für einen interessant ist oder mit wem man in Kontakt treten möchte. Andere beklagen, es hätten sich nach der Anmeldung gleich sooo viele Leute gemeldet, die mit ihnen befreundet sein wollten. Ich glaube davon kein Wort. Könnte es nicht so gewesen sein, dass sie sich mehr Aufmerksamkeit versprochen hatten? Wollten sie vielleicht lieber von ihren wirklichen Freunden gefunden werden, als von Spammern, die mit allem und jedem Freund sein wollen? Auch das vermeintliche Auskennen, aber die dann doch durchscheinende Unkenntnis ist charakteristisch für die Erniedrigung einer ganzen Gruppe im Sinne des Rassismus.

Facebook-Hass ist nur ein Beispiel für digitalen Rassismus. Das lässt sich auch auf andere Netzwerke übertragen. Na, wie denkst du über die, die immer noch bei Stayfriends sind? Irgendwelche Hinterwäldler, die noch mit Modem und AOL online gehen. Hab ich recht? Oder der alte Microsoft-Apple-Zwist. Auch da können einige nicht aus ihrer kleinen Rassistenhaut und hauen stattdessen munter auf andere ein, nur weil sie es wagen, eine andere Computermarke zu kaufen.

Was die Leute denken, kann man ihnen nicht verbieten. Was sie aber davon, sofern sie vorher gedacht haben, bleibend im digitalen Netz abliefern, wird man in Zukunft genauer beobachten müssen, da der digitale Umgang miteinander immer selbstverständlicher werden wird, nur dass das gesprochene Wort verhallt, das gepostete Wort aber bleibt, oder es früh genug in den digitalen Orkus gespült wird. Es ist nur verdammt schwer, ohne Zensur auszuüben, Meinungsfreiheit zu berücksichtigen, aber eben anderer Leute Würde nicht zu verletzen, dabei den richtigen Mittelweg zu finden.

Dias digitalisieren #1

21. November 2012 · Will Sagen

Ich bin seit 16 Jahren oder so verheiratet. Damals ™ ließ man sich noch einen Diaprojektor zur Hochzeit schenken, schließlich fotografierte man noch mit Filmen, und Dias sind einfach toll! Allerdings stehen die schönen Urlaubsbilder seit etwa 14 Jahren unbesehen im Schrank. Zeit, daran etwas zu ändern. Btw.: Weiß zufällig einer meiner mir persönlich bekannten Leser, wem ich oben genannten Projektor geliehen haben könnte? Mir ist so, als ob ich den verliehen habe. Jedenfalls habe ich ihn zu Hause nicht gefunden.

Neulich schrob ich von dem Link, wo jemand Dias nicht eingescannt hat, wie man das so kennt, sondern sie abfotografiert hat. Das wollte ich ja nun auch ausprobieren. Vor Jahren hatte ich mal ein paar Dias abziehen lassen. Da sah man auch jeden Fleck und so. Nichts da, vorher mal den Staub zu entfernen. Jedenfalls war mir klar: Entweder machst du das selbst oder gar nicht.

Nun habe ich zwar eine Vollformatkamera, mit der ich das Dia quasi 1:1 abbilden könnte. Allerdings habe ich dafür kein passendes Makroobjektiv. Jetzt stellte mir Fabi kürzlich leihweise ein Balgengerät mit Nikon-Anschluss zur Verfügung. Toll. Das Ding hat schon etliche Jahre auf dem Buckel, aber selbst meine relativ moderne D5000 lässt sich anschließen. Klar, dass man dann alles manuell einstellen muss. Leider versagt sogar die Belichtungsautomatik, wenn kein „intelligentes“ Objektiv angeschlossen ist. Aber das ist nun wirklich keine Hürde.

Also hab ich mit dem Balgengerät erst mal ein bisschen rumprobiert. Klappt. Kein Problem: Scharfstellen geht von Hand gut mit Liveview. Dank Klappdisplay geht das auch ohne Verrenkungen auf dem Schreibtisch. Mit der Bildschirmlupe kann man auch weit genug hineinzoomen, um die Einstellung wirklich genau zu checken.

Ich dachte dann, ich bräuchte Tageslicht als Hintergrundbeleuchtung für meine Dias. Also hab ich das Geraffel erst mal mit ins Büro genommen. Tja. Denkste. Tageslicht hat man wohl, wenn man in den Himmel schaut. Aber gerade aus dem Fenster heraus schaut man inmitten einer Metropole wie Berlin selbst vom 4. Stock aus nirgendwo in den Himmel. Überall im Hintergrund hats Häuser oder so Zeug. Und von einer Vorrichtung, die ich beliebig kippen und drehen kann, also auch gen Himmel, war oder bin ich noch weit entfernt.

Denn erst mal hab ich eine Papphalterung für die Dias gebaut, die ich in der  entsprechenden Entfernung rechtwinklig vor dem Balgengerät aufgestellt habe. Tja. Fehlte immer noch die Hintergrundbeleuchtung. Was leuchtet schön gleichmäßig weiß und hell? Richtig. Ein Laptop. Genauer gesagt in meinem Fall mein Macbook Air mit einem geöffneten, großgezogenen Finder-Fenster eines leeren Ordners. Da kann man auch die Papphalterung direkt anlehnen. Von wegen! Denn dann merkt man beim Scharfstellen, dass das Display keineswegs gleichmäßig weiß leuchtet, sondern ein Gitternetz mit kleinen Kästchen aufweist. Man schafft es dann einfach nicht, das Dia, das zwar in einer anderen Schärfeebene liegt, scharfzustellen. Selbst wenn man die Entfernung einigermaßen richtig eingestellt hat, sieht man das Raster noch leicht, siehe mittleres Bild oben in der Reihe.

Also habe ich den Abstand zum beleuchteten Display etwas vergrößert. Den Aufbau sieht man in der Bilderreihe weiter oben. Priml! Das klappt so schon ganz gut, denn, dieses Ergebnis ist doch schon gar nicht so schlecht, Bild rechts. Man muss dabei beachten, dass der Schärfepunkt des Originals leider nicht auf meinem Gesicht liegt, sondern etwa auf dem linken Vorderrad. Ein bisschen zurecht geschnitten sieht das doch schon richtig nach was aus! Eine bessere Ausrichtung, so dass man weniger Arbeit mit dem Beschneiden hat, kann man dann immer noch machen.

Der Knirps auf dem Bild bin übrigens ich (soweit ich weiß) mit meinem ersten Auto. Wir nannten es übrigens „Matra“. Ich weiß allerdings nicht, um welches Modell es sich dabei handeln soll. Jedenfalls sieht dem Auto kein mir bekannter Matra so richtig ähnlich. Egal.

Viel mehr habe ich noch nicht probiert, weil mir nämlich eine neue Idee gekommen ist, das Ganze zu automatisieren. Nämlich mit meinem alten (verschollenen) Diaprojektor. Der sollte ja auch so gebaut sein, ein Dia einigermaßen gleichmäßig zu beleuchten. Wenn ich nun das Objektiv herausnehme und stattdessen die Kamera mit Balgengerät in der optischen Achse befestige, müsste das doch klappen: Ich stelle das Dia scharf, löse aus und habe es digitalisiert. Ein Druck aufs Knöpfchen des Projektors und das nächste Dia wird geladen, auslösen, fertig, nächstes Bild. Und so weiter. Ok, wahrscheinlich wird man jedes Mal die Schärfe kontrollieren müssen. Aber ich glaube, das probiere ich als nächstes. Und wer bis hierhin brav gelesen hat, für den gibt’s hier noch ein Extra-Gimmick-Bild: Ich als Jüngling beim Kuchenfuttern.

 

BMW Z3 Coupé: Warum gibt es das eigentlich?

15. November 2012 · Will Sagen

Um ehrlich zu sein: Weiß ich auch nicht.

BMW-MuseumNeulich war ich im BMW-Museum in München. Ich hatte am Rande einer Tagung etwas Zeit, war allein unterwegs und dachte, ich könnte dort auf Spurensuche gehen. Wer sich für BMW interessiert, sollte sich das auf jeden Fall ansehen. Wer allerdings meint, etwas zum Z3 Coupé herauszufinden, wird arg enttäuscht.

Den Roadster findet man 2x. Zum einen als „normalen“ 4-Zylinder, zum anderen in der „M“-Abteilung als M-Roadster. Spätestens dort hätte man ja ein Coupé aufstellen können. Man könnte den Verdacht haben, dass sich BMW entweder für das Auto schämt (dafür gäbe es m. E. triftigere Gründe) oder selbst gar nicht weiß, dass man es mal gebaut hat. Wohl eher nicht. Aber ich habe dennoch auf dem Rundgang durch das Museum keinen einzigen Hinweis auf „mein“ Auto gefunden, nicht einmal in der Coupé-Sonderausstellung. Gut, dort werden nur die „großen“ Coupés behandelt, und groß ist mein Autochen nun wirklich nicht, auch wenn eine Prenzlmutter neulich was anderes meinte.

Da ich nun nicht gerade Automobilhistoriker bin, habe ich bislang davon abgesehen, genauer zu recherchieren, woher das Z3 Coupé eigentlich stammt. Gerade eben ist mir ein Bild über den Weg gelaufen, das mir bislang unbekannt war, und zwar von einem Z1 Coupé Prototyp aus dem Jahre 1991. Das Auto hat ja nun doch erhebliche Ähnlichkeit mit dem späteren Z3. Damit dürfte zumindest ein Puzzleteilchen gefunden sein. Mit der Zeit werden mir schon noch mehr über den Weg laufen.

Hier ein Link zu einem Foto vom BMW-Prototyp.

Hier aus ähnlicher Perspektive mein Auto:
Z3
Z1 Coupé von der Seite (BMW-Foto)

Und zum Vergleich:
Z3QP

Hach, Geschmack macht einsam ;):
Turnschuh

Linkomat: Dias und Negative scannen

11. November 2012 · Will Sagen

Wie ich ja schon mal schrob, werde ich mein Blog (wieder) vermehrt als Lesezeichendings nutzen. Wer also nie Dias und Negative zu scannen braucht, muss nicht weiterlesen. Viel kommt aber auch nicht.

Erster Link

Zweiter Link

 

 

 

 

Kreatives Recycling

2. November 2012 · Will Sagen

Eben dachte ich noch, ich könnte mir den Link ja bei Facebook irgendwie merken, indem ich dort etwas poste. Habe ich schon mal gedacht und etwas, das ich irgendwann gern wiederfinden wollte, dort in Erinnerung halten. Hat natürlich „dank“ der unglaublich superen Suchfunktion von FB nicht geklappt. Hier in meinem Blog finde ich im Gegensatz dazu eher etwas wieder.

Vielleicht sollte ich daher wieder mehr hier einfach mal einen Link posten, der mir gut gefällt.

Wohlan:

http://www.boredpanda.com/creative-reuse-upcycling-repurposing-ideas/

Da gefallen mir einige Sachen ausgesprochen gut!

 

Polleralarm um #barngate

27. September 2012 · Will Sagen

Oijoijoi! Da ist ja mal was los, hier in der südlichen Schönhauser Allee! Es hat nämlich ein neues Café eröffnet. Jawoll. Gut. Das allein ist jetzt nicht sooo was besonderes. Nein.

„Stein“ des Anstoßes ist ein Betonpoller, der den Eingang der Scheunen-Kaffeerösterei, frei übersetzt ins Deutsche, versperrt. Man spricht in dem Laden wohl nur englisch. Apropos englisch. Ich mag ja das englische Wort für Beton. Während man im Deutschen gut zwischen Betonung und Betonierung unterscheiden muss, hat der Engländer dieses Problem mit dem Begriff „concrete“, wobei die Begrifflichkeiten „handfest“ und „Beton“ allerdings durchaus bedeutungsverwandt sind.

Wie auch immer. Im Eingang der BetonKaffeerösterei steht nun also ein „Pollino„. Ein braver, stiller Geselle, 90 cm hoch, 170 kg schwer. Klingt sympathisch, oder? Verhindern soll unser grauer Freund, dass Kinderwagen in das Etablissement geschoben werden. Ob mit Menschenjungem drin oder nicht: Darauf kommt es nicht an, weil er der Sicherheit dient. Und das ist gar nicht so weit hergeholt. Kinderwagen haben die Eigenschaft, Fluchtwege zu versperren, so Cliff Barnes der Betreiber  auf seiner Facebook-Seite.  Denn, während es Versuche mit feststehenden Säulen als „Wellenbrecher“ vor Ausgängen gibt, um den Strom der brandgefährdeten Koffeinjunkies vor dem Ausgang zu teilen, so dass es nicht zu einer Verstopfung kommt, würden sich hingegen Kinderwagen mit ihrer volvoesken (volvo = lat. ich rolle) Eigenschaft durch den hipsterhaften Schub von hinten gleich zu hunderten in der Pforte (engl. = gate) des Kaffeenariums verheddern. Und das will ja keiner. Damit also alle rauskommen, bevor sie kaffeebraun geröstet werden, darf kein Kinderwagen rein, wofür es wissenschaftliche Belege gibt. Fast könnte man meinen, dass der Laden alle Nase lang in die Luft fliegen müsste, wenn man das hier auf dem mit „Welcome“ überschriebenen Bild (auch bei Facebook) liest: High risk of fire and smoke in our manufacturing space. Wuff!

Nur, wer Kinderwagen aussperrt, mag auch keine Kinder. Klar. Ja ne. So ist das ja nicht gemeint, lässt der Betreiber verlauten. Kinder ja, aber ohne eigenen vierrädrigen Untersatz. Kann man glauben. Muss man aber nicht. Vielleicht also doch Anflüge einer separatistischen Vereinigung kinderloser Bohnenfreunde? Andere Lokalitäten lassen auch bestimmte Leute vor der Tür, die nicht genehm sind. Man denke nur an Schlachtereien. „Wir müssen draußen bleiben.“ steht unter dem Konterfei eines traurigst dreinblickenden Cockerspaniels. Und wie wir alle wissen, sind Hunde auch nur Menschen.

In der Oase des tiefschwarzen Zappelwassers ist man zu allem Überfluss gegenüber Musik (gibt’s nicht) feindlich eingestellt. Man soll sich unterhalten. Hab ich noch nie geschafft, wenn ich allein in einem Café saß. Mich spricht auch keiner an (zum Glück). Wie man dem Welcome-Bild ebenfalls entnehmen kann, soll man sich mit dem stolzen Barista unterhalten, wie er die Gerätschaften bedient, die auch in der Kulisse von „Das Boot“ schon Verwendung gefunden haben könnten. Überall gluckert und zischt es. Vorne oben 10 hinten unten 15, denke ich so. Aber mal im Ernst: Das ist doch nichts für Stammkundschaft. Oder macht der, wie heißt das Gesöff doch gleich? Richtig, Kaffee vergesslich, so dass man bei jedem Besuch neu erklärt bekommen muss, wie man Kaffee kocht? Zum eigenen Glück kann man also die Stille neben, hinter, über und unter dem Geblubber genießen!

Nun sind wir aber doch bei meinem persönlichen Ausschlusskriterium angekommen: Es gibt keinen Zucker für den Kaffee. Und das, wo wir doch wissen, dass guter Kaffee schwarz wie der Teufel, süß wie die Sünde, heiß wie die Hölle zu sein hat.  Zucker im Kaffee: Also, echt! Da könnt man am Ende auch geraspelten Hartkäse über die Nudeln tun, oder einen Spritzer Zitrone in den Tee. Gibt schon perverse Leute …

Schade also, dass der Laden wohl  nichts für mich ist, wo mir die Ruhe und Entspanntheit bei einer Tasse Kaffee und einem Blick in die weite virtuelle Welt gut gefallen würde! Aber auch Laptops sind kommunikationshemmend, meint man. Gut. Während ich mich frage, ob ich meinen Bürodesktoprechner mitnehmen dürfte, würde ich also stumm auf dem Barhocker sitzen und mich nicht unterhalten, während ich das in einem anderen Laden mit der ganzen Welt tun dürfte. Und da sind wir dann auch beim www angekommen. Heute ist ja alles Facebook. Und weil alles Facebook ist, ist man ohne Facebook nichts. Facebook ist ja social media, und so plattformmäßig. Leute unterhalten sich miteinander. Mittels zielgerichtet durch Leitungen und Äther geschossener Elektronen und so. Aber da wissen wir ja, dass man in der Kaffeescheune davon nicht so viel hält. Und bevor eine Unterhaltung mittels Computer  erst aufkommt, löscht man lieber die Kommentare, die einem nicht passen. Nicht nur aus den Kaffeebohnen, nein, auch aus dem Internet möchte man eben nur das Beste herausholen.

Ich hol mir jetzt nen Kaffee. Mit einem Zuckerwürfel drin. Unsere Maschine sagt mir, dass es 240 ml braunen Nasses sein werden, die gleich in mich hineinfließen.

Btw.: Hier noch eine eben geschossene Bilderserie:

 

Skandal: Ein Bulli versperrt den Blick auf den Skandal-Poller! Rechts am Bildrand Hunderte 2 protestierende Prenzl-Mütter mit Kindern in Tragetüchern (Können die sich keinen Kinderwagen leisten?)

Da ist er: Der Skandal-Poller!

Unbeabsichtigt geschossenes Foto mit einer Aussagekraft, stark wie amerikanischer Kaffee.

Nahaufnahme. Man kann gerade das kleine Schildchen erkennen mit dem „Kinderwagen verboten“-Symbol.

Ulli Zelle habe ich zwar nicht gesehen, aber die Leitmedien der westlichen Hemisphäre der RBB war auch schon da, um die protestierenden Prenzlmütter zu interviewen.

Und mal ganz im Ernst: Ist es nicht ne geile Stadt, die selbst für solche kruden Ideen nicht nur ein Ladenlokal, sondern auch Kapazitäten frei hat, sich darüber aufzuregen? Stark, oder?

😉

Rennen mit Sti(h)l

16. September 2012 · Will Sagen

Jaja. Das Wortspiel ist uralt. Aber egal. Es passt halt. Warum? Darum:

Neulich fragte mich Rad-ab-Sven Jens, ob ich Lust hätte, mir das DTM-Rennen in Oschersleben anzugucken. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das letzte Mal an einer Rennstrecke stand. Mal wieder ein bisschen Rennluft schnuppern? Diesen Geruch von (hoffentlich) optimal verbranntem Hochoktanigem und dem süsslichen Duft niedrigviskosen Synthetiköl: Hach, wer auch nur ein bisschen Benzin im Blut hat, weiß, was ich meine. Die Karten für drei Nachbarjungs und mich kamen aus dem Dunstkreis der Firma Stihl. Die stellen nicht nur Kettensägen her, sondern auch elektrische Laubbläser, die man in der DTM zur Standkühlung der Autos nutzt. Toll.

DTM Oschersleben 2012

Was nicht so toll war, dass wir die letzten 5 km Anreise nicht gerade im Renntempo vorankamen, wenn man mal von Schneckenrennen absieht. Es ist immer das gleiche: Die Rennstrecken werden irgendwo in die Pampa gepflastert und sind ja soweit ganz hübsch, aber wie man bei etwas mehr Zuschauerzuspruch angemessen dahinkommen soll, darüber macht sich keiner Gedanken. Wir parkten unser Auto auf dem erstbesten Parkplatz mit dem Resultat, dass daraufhin nicht nur noch gut 20 min. Fußmarsch folgten (was mir ja mal ganz gut tut), sondern auch das „Warm-up“ ohne uns Begann. Die hätten ja auch mal warten können!

DTM Oschersleben 2012

Egal. Wir hatten die Strecke erreicht und die DTM-Autos, wahlweise mit BMW-M3-, Mercedes-C-Klasse- oder Audi-A5-Hülle drehten schon fröhlich ihre Runden. Erste Gelegenheit, ein paar Fotos zu machen. Besonders gut gefielen mir die flammenwerfenden Mercedesse. Fortan war ich für Mercedes. Ich bin ja so lange aus dem Thema raus, dass ich keine besondere Ahnung hatte, wer da überhaupt hinterm Steuer sitzt. Peinlich. Aber irgendwie auch egal.

DTM Oschersleben 2012

Ich mag Autorennen. Und eigentlich auch Tourenwagen rennen. Ein bisschen schade ist daher, dass die DTM-Autos nichts mit Tourenwagen in dem Sinne zu tun haben, wie ich ihn mal kennengelernt habe: Seriennahe Sportwagen, oft mit 4 Türen und Kofferraum. Aber auch das ist egal, wenn es so wie mir hauptsächlich darum geht, schnelle Autos im Kreis fahren zu sehen und vor allem auch das Flair drumherum ein bisschen aufzusaugen. Überall farbenfrohes Gepränge von den diversen Sponsoren und Rennteilnehmern. Viele Leute holten sich Winkelemente und Sitzpolster und so. Ich hatte aber mit meiner Fotoausrüstung schon genug zu schleppen (wobei ich immer an die Vollformat-DSLR-Freaks denken muss), so dass ich nicht noch zusätzlichen Ballast durch die Gegend tragen muss. Ich holte mir nur die schlechteste Pommes meines Lebens.

DTM Oschersleben 2012

Nach dem Warm-Up der DTM-Autos fuhren dann verschiedenfarbige Porsche 911 im Kreis. Porsches klingen ja immer gut und sind schön anzusehen. Hach, doch. Schon klasse, wenn diese Autos mal so schnell bewegt werden, wie sie aussehen. Leider war das nach einer halben Stunde schon wieder Geschichte. Danach kam erst mal nichts. Denn um 14.00 Uhr ging das Rennen los. Vorher durften noch ein paar Leute „Taxi“ fahren, also mal auf dem Beifahrersitz eine Rennstrecke erleben. Ne, das wäre ja nichts für mich! Wenn, dann selbst fahren. In diesem Zusammenhang fuhr dann auch das einzige ältere Auto, ein Mercedes SL (R107) herum. Der klang vor allem beim Gaswegnehmen gut!

DTM Oschersleben 2012

Wir haben dann erst eine Zeit auf der Haupttribüne in der Sonne geschmort, es war ja Wahnsinnswetter! Ich bin dann aber doch mal rüber Richtung Fahrerlager. Naja, das war nicht so doll. Erst gab es kein Hinkommen, weil gefühlt eine halbe Million Menschen durch eine Kartenkontrolle und anschließend eine enge Fußgängerbrücke mussten und sich dann natürlich alles vor den Boxen stapelte. Ich bin ja nicht so der Drängler und auch nicht der Größte. Darum sehe ich dann meistens Hinterköpfe. Einmal sah ich sogar einen jungen Mann mit Edding. Der hätte mir sicherlich ein Autogramm auf meinen hässlichen Sonnenhut geschrieben. Aber ich wusste gar nicht, wer das ist. Und würden Sie sich ihren Hut von einem fremden, wenn auch gut aussehenden Mann einfach so beschriften lassen? Seh’n’se.

DTM Oschersleben 2012

Dann wurde es langsam hektischer. Alle Zuschauer wurden wie eine Viehherde aus der Boxengasse getrieben. Ok, geht wohl auch nicht anders. Ich bin dann wieder auf die Haupttribüne, um festzustellen, dass es da irgendwie nicht toll zum Gucken ist. Also wieder raus und noch mal Richtung Start-Ziel, wo man uns vorher mit unseren Karten „Haupttribüne Gold“ abgewiesen hatte. Nun durften wir rein, und ganz am Ende hatte man auch einen super Blick auf die Startvorbereitungen und damit auch auf die Stihl-Laub-oder-Kühlluft-Bläser. Und auf diverse Fahrgestelle.

DTM Oschersleben 2012

Joa. Das Rennen sollte dann bald losgehen. Ein paar der schnellen Herren erleichterten sich vorher noch an der Leitplanke. Hihi. Und die Gridgirls gucken zu. Hoho. Dann der Start! Nachdem seine Kumpels schon am Rennen zugange waren, fuhr Herr Ekström  dann auch irgendwann los. Wir sind dann noch mal hierhin, mal dorthin gegangen und haben geguckt, wie die alle schön im Kreis fuhren. Aso, wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich Karten für die „Hasseröder-Tribüne“ nehmen. Da kann man interessantere Streckenabschnitte sehen und sitzt im Schatten. Von 22 gestarteten kamen im Laufe der Zeit immer weniger an uns vorbei. Zum Schluss waren es wohl nur noch 13 oder 14.

DTM Oschersleben 2012

Man verliert ja auch echt den Überblick. Keine Ahnung, wer wann wo auf welcher Position fährt. Ich dachte mir, es wäre doch wohl ein Leichtes, kleine Displays in die Seitenscheiben zu bauen, auf denen die aktuelle Platzierung (bzw. die in der letzten Runde) angezeigt wird. Wäre ne super Idee, oder?

DTM Oschersleben 2012

Ganz ehrlich? Wir haben uns das Ende nicht angesehen. In Anbetracht der chaotischen Anreise (zumindest der letzten Kilometer) wollten wir die Abreise entspannt angehen und haben uns schon zwei oder drei Runden vor Ende verabschiedet. Schön war’s. Danke!

Ape auf dem Rückweg

[Fusselflieger] Graupner Condor (1958)

11. September 2012 · Will Sagen

Na gut. Ist kein Flieger. Aber noch ne neue Rubrik? Ne, ne. Ich könnte ja ein Tragflächenboot davon bauen.

Wovon..?

Von der Condor. Die hat mein Vater 1957/1958 gebaut. Genau gesagt zwischen dem 28.12.1957 und dem 4.3.1958. So hat er es handschriftlich im Modell vermerkt. Das Boot hat er dann wohl offensichtlich zu Weihnachten als Modellbausatz geschenkt bekommen. Alles einzelne Holzteile. Nix da mit GFK-Rumpf oder so! Schön, Spanten und Leisten passend sägen und dann schleifen, schleifen, schleifen. Auch die kleinen Fensterrahmen: Alles fein mit der Laubsäge ausgesägt!

Es stand dann jahrelang in seinem Arbeitszimmer auf dem Schrank, wo wir es als Kinder immer bewundert haben.

Als ich so 14 oder 15 war, haben wir (meine beiden älteren Brüder und ich) das Boot reaktiviert und mit einer Fernsteuerung (2 Kanal!) ausgestattet. Das größte Problem war der Rumpf, der etliche Lücken und Spalten zwischen den einzelnen Leisten aufwies. Den haben wir damals, wenn mich nicht alles täuscht, mit Polyester-Harz abgedichtet. Fortan schwamm das Bötchen wieder und wir kloppten uns drum, wer wie viel Minuten vom Akku leer fahren durfte. Dann geriet das Boot wieder in Vergessenheit und es stand wieder auf dem Regal herum, diesmal im Keller, und staubte ein.

Ich fragte meinen Vater dann neulich, ob es für ihn in Ordnung wäre, das Boot wieder flott zu machen. Neuer Motor, neue Fernsteueranlage, vielleicht ein paar Spaßfunktion, aber vor allem neuer Lack und so.

Nun hab ich erst mal den Ist-Zustand festgehalten. Sieht eigentlich gar nicht so schlimm aus. 🙂

Graupner Condor-001

Graupner Condor-002

Graupner Condor-011

Graupner Condor-030

Graupner Condor-039

Graupner Condor-045

Der den Frauen die Köpfe verdreht

30. August 2012 · Will Sagen

und auch den Männern … Was für eine Woche!

Eine Woche lang „Don Giovanni“. Ich versteh ja nichts von Opern. Das erste, was ich daher mit „Don Giovanni“ verbinde, ist nicht etwa die Oper von Mozart über einen Frauenhelden, sondern das herrliche Boot von Anna-Blume-Bootcharter, mit dem wir 7 Tage lang über die Gewässer nördlich von Berlin schippern durften. Hier ist es:

Don Giovanni

Schick, oder? Man glaubt gar nicht, wie viele Leute gar nicht fassen können, dass es sich dabei um ein Charterboot handelt. In jedem Hafen und jeder Schleuse wird man auf das tolle Boot angesprochen. Wer sich auch auf der Straße mit stilvollem Beförderungsgerät umgibt, ist mit sowas auf dem Wasser einfach glücklich. Es macht echt Spaß, so etwas Schönes zu bewegen. Wer will da schon z. B. in so einer Charterdose Modell Joghurtbecher sitzen? Es war das erste Mal, dass wir (meine Beraterin in allen Lebenslagen und ich) allein auf große Tour gegangen sind. Von Mildenberg (Zehdenick) aus sollte es nach Rheinsberg gehen und zurück, mit ein paar Abstechern, mal hierhin, mal dorthin. Freitag mittag ging es los. Chartermeister Günter meinte, bis Bredereiche würden wir es trotz der vier Schleusen noch gut schaffen. Das stimmte. In aller Seelenruhe konnten wir unsere ersten Schleusen- und Anlegeerfahrungen machen, bevor wir uns erst im Gasthaus „Zur Fähre“ in Bredereiche stärkten und danach in die kleine, aber feine Kajüte verkrümelten, hier im unaufgeräumten Teil absichtlich etwas unterbelichtet.

Unter Deck

Huhu, Vorschoter!

Wichtig neben einem bequemen Boot ist natürlich auch noch eine verlässliche Mannschaft. Darum darf ich an dieser Stelle unseren kleinen pelzigen Vorschoter vorstellen, der sich immer mal wieder ins Bild geschummelt hat. Da wir schon ahnten, dass der direkte Weg nach Rheinsberg uns zu schnell ans Ziel bringen würden, fuhren wir erst mal nach Lychen. Dort im Hafen gab es zwar keine Dusche, davor konnte man aber in die Fluten springen. Das machten wir erst zaghaft über die Badeleiter am Heck, wobei insbesondere das Eintauchen in der Bauchnabelregion dauerte,  nach Kontrolle der Wassertiefe dann aber mit zunehmenden Temperaturen auch gern mit einem Sprung von Deck. In Lychen gab uns der Hafenmeister den Tipp, das Restaurant am Stadttor zu besuchen. Dort gab es neben lecker Essen auch noch Livemusik. Statt Eintritt zu nehmen hat man dort die Preise moderat angehoben. Finde ich voll in Ordnung. Die Band „Goodbye Gravity“ hat in angenehmer Lautstärke viele bekannte Stücke gecovert. Ein schöner Abend geht mit einem sternenklaren Himmel zu Ende:

Sonnenuntergang in Lychen

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nur bis nach Fürstenberg. Die Strecke hatten wir aber schnell hinter uns gebracht, so dass wir weiter bis nach Priepert geschippert sind. Tjoa. Da lag man dann im Yachthafen neben zig anderen Booten. Immerhin musste ich das erste Mal rückwärts „einparken“. Das hat aber erstaunlich gut geklappt, auch weil der dortige Hafenmeister die nötige Zuversicht ausstrahlte. Überhaupt waren die Leute dort insgesamt sehr freundlich!

Das erste Mal rückwärts eingeparkt mit'm Boot!

Am nächsten Tag haben wir dann Rheinsberg erreicht. Glücklicherweise waren wir dort schon recht zeitig, weil es doch ziemlich anfing zu gewittern. Man hörte hinterher wahre Schauergeschichten von gekenterten Booten auf der Müritz und so! Wir haben uns stattdessen das nette Städtchen und Schloss Rheinsberg samt Park angesehen. Wirklich ein lohnendes Ziel der Reise!

Schloss Rheinsberg

Am Steg hatten wir für kurze Zeit einen netten Nachbarn mit einem hübschen Holz-Jollenkreuzer. Ein herrliches Boot! Aber auch unglaublich aufwendig im Unterhalt. Der Nachbar hatte nur kurz zum Einkaufen angelegt. Bier war alle. Im Bildhintergrund kann man noch gut den Gewitterhimmel erkennen.

Beauties

Am nächsten Tag ging es dann im Prinzip schon auf den Rückweg. Das Ziel war nun Fürstenberg. Dafür müssen wir uns bei nächsten Mal unbedingt mehr Zeit nehmen! Denn, eins stand schon deutlich vor dem Ende unserer Reise fest: Es wird ein nächstes Mal geben! Es gibt ja noch so viel zu entdecken.

Wir hatten ja genug Zeit, also wurde mal wieder geankert. Es ging nicht nur im Kopfsprung in die Fluten, sondern ich konnte auch mein mitgebrachtes Modellwasserflugzeug noch einmal ausprobieren. Ich hatte eine winzige Kamera untergeschnallt, und heraus gekommen ist dieses Video. Ziel war natürlich, schöne Überflüge über das Boot zu filmen. Naja, Bildqualität und Fluggeschwindigkeit stehen dem entgegen, aber ist doch trotzdem ganz schön geworden:

Von Fürstenberg aus wären wir im Prinzip schon in einem Rutsch wieder nach Mildenberg gekommen. Aber was sollten wir da? Also haben wir Templin angesteuert. Das hieß: 6 Schleusen und zum Teil langsame Fahrt in den Templiner Gewässern. Aber wir kamen an den vier Schleusen zwischen Bredereiche und dem Abzweig nach Templin gut durch, wenn man von einem kleinen Zwischenfall absieht:

Wir wunderten uns schon, warum das Ausfahren aus der Schleuse der Schleusung vor uns so lange dauerte, bis eine Frau von der stattlichen Yacht kletterte und vom Schleusentor aus den wartenden Booten zurief: „Kann uns mal einer rausschleppen? Unser Motor springt nicht mehr an!“ Wir lagen an erster Position und ich hatte ja inzwischen auch eine zweistellige Stundenzahl am Steuerrad gestanden. Also nichts wie los. Alles in der gebotenen Ruhe und Umsicht: Wenden, rückwärts heranfahren, Leine von meiner Beraterin in allen Lebenslagen annehmen lassen. Und Schub. Ups. Keine Maschine? Also auch kein Rückwärtsgang. Zunächst übrigens nicht mal jemand am Steuerstand, weil vor lauter Aufregung die gesamte Charterfamilie meinen Bootsfahrkünsten zuschaute. Irgendwann war der Vater wieder am Ruder.

Mir war inzwischen klar geworden, dass ich erstens keinesfalls zu viel Schwung in die Sache bringen durfte, weil der Kahn ja nicht bremsen konnte. Und zweitens war der Anleger nicht lang genug für 2 Boote, also habe ich den Havaristen im Schlepp nur an den Anleger gezogen, Kommando zum Überwerfen der Leine an einen Passanten gegeben, der die Lage dank Hinweise meiner Beraterin in allen Lebenslagen gleich checkte, und bin abgedreht wieder in Richtung Schleuse. Einmal längs der wartenden Boote schallte mir der Applaus von dort entgegen. Wow!

Schleuse Kannenburg

Fährt man Richtung Templin, kann man an der Schleuse Kannenburg noch echten Handbetrieb erleben. Natürlich hat man für den Schleusenwärter einen kleinen Obolus griffbereit! In Templin angekommen hab ich meine Bootsfahrkünste vom Mittag gleich wieder revidiert. Könnte man jedenfalls meinen. Wir wollten eigentlich mit dem Heck zum See anlegen, dann hätten wir nämlich abends noch einen schönen Blick über den See gehabt. Der Hafenmeister gab uns aber zu verstehen, dass wir anders herum anlegen sollten. Also wenden. Kein Problem, wären da nicht die widersprüchlichen Kommandos, mal links, mal rechts, zu mir durchgedrungen. Mit dem Ohr an der seitlichen Plane vom Bootsverdeck hört man nicht so gut. Also bin ich mal so rum, mal so rum gefahren. Hätte man mich einfach machen lassen, wäre das wesentlich geschmeidiger gewesen. Na egal, wir sind ja angekommen, und das ohne Feindberührungen.

Templin

Hinter uns lag übrigens noch ein weiteres Boot der Anna-Blume-Flotte, der/die wunderschöne Edmond Dantès, hier beim Verlassen des Hafens am nächsten Morgen. Wir kamen mit den Chartergästen ein bisschen ins Gespräch. Sie hatten bei einem früheren Aufenthalt echt Pech gehabt: Ein „Mietyoghurtbecher“ aus einer Billigheimerflotte war wohl so dreckig, dass die Tomatensoße noch in der Kombüse klebte und die Bettwäsche fleckig gewesen sei. Wenn die Anfahrt über mehrere hundert Kilometer nicht gewesen wäre, wäre man gleich angeekelt umgekehrt. Aber so habe man das in Kauf genommen. Unglaublich, was einem woanders für sein gutes Geld vorgesetzt wird. Mit solchen Ängsten braucht man bei „unserer“ Flotte nicht zu leben. Das steht aber mal fest!

Edmond Dantès

Wir sind noch ein bisschen nach Osten in den Templiner Gewässern rumgeschippert. Da es aber leider zu kühl war, war nichts mehr mit Ankern und Baden. Nachdem ich dieses Foto geschossen hatte, sind wir dann auch umgedreht. Aber das musste ich einfach festhalten. Ein Bild für die Götter!

Gertrud, gib Gas!

So sind wir schon recht zeitig am Nachmittag wieder in Mildenberg gewesen. Dort konnten wir schon ein bisschen klar Schiff machen, bis der allerbeste Günter noch vorbeikam und uns beim Abpumpen des Schmutzwassers und beim Tanken half. Gut. Eigentlich war es andersherum: Wir haben ihm geholfen. Oder noch besser: Wir haben versucht, möglichst wenig im Weg zu stehen.

Nach Edmond Dantès traf in der Dämmerung auch noch das Mutterschiff der Flotte, die Anna Blume ein. So schliefen drei Boote der Flotte friedlich nebeneinander, samt Besatzung im Heimathafen, dem neuen Hafen am Ziegeleipark in Mildenberg.

Anna Blume Mutterschiff

Am nächsten Morgen erwartete uns erst der Dunst über den Gewässern und dann leider der angekündigte Regen.

Morgen

Daher fiel die beabsichtigte Besichtigung des Ziegeleiparks leider aus. Aber auch das können und werden wir nachholen. Als Wermutstropfen blieb (zunächst) der Verlust des Eherings meiner Beraterin in allen Lebenslagen. Ein paar Tage später klingelte das Telefon mit einer unbekannten Nummern, aber bekannten Stimme: Günter hatte ihn gefunden und zwei Tage später lag er (der Ring) im Briefkasten. Danke! Es war ein super Urlaub. Wirklich toll, wie sehr man keine 100 km von Berlin entfernt so sehr in eine andere Welt eintauchen kann. Erholung von der ersten bis zur letzten Minute.

Der gläserne Autofahrer

28. August 2012 · Will Sagen

Mal wieder wird eine Sau durchs Dorf getrieben, wenn auch nur eine ganz kleine, die wohl auch nur eine ganz kleine Gruppe überhaupt wahrgenommen hat. Immerhin hat der RBB in seinen Hauptnachrichten kürzlich mehrfach berichtet, dass man im Bundestag überlege, Unfalldatenspeicher („Blackbox“) verpflichtend einzuführen. Genauer gesagt, ist es der Petitionsausschuss, der sich dank 416 Unterstützern um dieses Anliegen kümmert. (Interessant finde ich ja, dass Petitionen mit dieser geringen Mitzeichnerzahl überhaupt wahrgenommen werden, aber das nur am Rande .) Und damit werde der bislang unerkannte Gaspedaltreter zum gläsernen Autofahrer.

Ganz klar, dass ich (als Unfallanalytiker) die Einführung eines solchen Speichergeräts befürworte. Denn, eins ist ja klar: Die Autos sind inzwischen mehr als einfache physikalische Massen mit 4 gummibewehrten Kontaktflächen zur Umgebung, die mehr oder weniger kontrolliert über die Straßen rollen oder schliddern. Wenn sie früher schlidderten, dann gab es Spuren. Bremsspuren, Blockierspuren, Driftspuren: Der Schlidderscout wusste aus diesen Spuren einiges zu lesen über Verzögerungen, Bremszustände usw. Mit ABS ist das mit den Spuren aber weitestgehend vorbei. Es gibt sie noch vereinzelt, aber man muss schon sehr genau hinsehen. Auch ESP trägt dazu bei, das Lesen und Deuten von Spuren zu erschweren, weil da die Elektronik „reinpfuscht“, wo früher einfach einer auf der Bremse gestanden hat.

Der ADAC meint, dass Unfallrekonstruktion schon heute funktioniere. Ich würde sagen, sie funktioniert heute noch. Denn zunehmende Sensorik und Assistenzsysteme machen es immer schwerer, zu unterscheiden, welche Aktion willentlich vom Fahrer ausgeführt wurde und was das Auto vielleicht irgendwie selbsttätig gemacht hat. Vielleicht hat ja auch mal ein Assistenzsystem nicht so funktioniert, wie es sollte, und den Fahrer oder einen Unfallbeteiligten geschädigt. Spätestens dann wäre es nicht verkehrt, wenn man etwas über die Daten wüsste, die so im Auto umherschwirren. Das haben sich auch Hersteller in den USA gedacht und dort EDR (Event Data Recorder) in etliche Fahrzeuge eingebaut. Vor allem deswegen, da man sich dort wesentlich eher als in Europa millionenschweren Produkthaftungsklagen entgegensieht und insbesondere die Beweispflicht eher bei den Herstellern liegt. Kein Wunder, dass man dann Vorkehrungen trifft, um sich in eine bessere Ausgangslage zu bringen.

Der ADAC liegt auch falsch, wenn er meint, dass solche Systeme zu teuer seien. Wahrscheinlich hat man nach „Unfalldatenspeicher“ gegugelt und das Gerät von VDO gefunden, das es schon seit etlichen Jahren gibt. Dabei handelt es sich um eine reine Nachrüstlösung, die auch nur eine begrenzte (wenngleich für die Unfallrekonstruktion wertvolle) Datenbasis liefert. Der ADAC liegt deswegen falsch, weil die komplette erforderliche Sensorik in heutigen Fahrzeugen vorhanden ist: Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigungen, Gierraten, Raddrehzahlen, Eingriffe von Assistenssystemen: Alles ist bekannt. Man muss es nur noch für einen kurzen Moment in einen Ringspeicher schieben und im Falle eines Falles (Triggersignal über ungewöhnliche Beschleunigungen) abspeichern und ansonsten überschreiben. Das kostet jedenfalls keine 1000 Euro. Vielleicht 100. Wenn überhaupt.

Damit verbunden ist aber auch, dass es nach wie vor jemanden geben muss, der solche Daten auswertet oder  bei mehreren beteiligten Fahrzeugen zueinander in Beziehung setzt. Und das ist bestimmt nicht eine Kernkompetenz von Polizei, Staatsanwaltschaft oder Versicherungssachbearbeitern. Runterladen und Ausdrucken: Damit ist es sicher nicht getan. Man muss sich halt Gedanken darüber machen, bei welchen Bewegungszuständen die Daten überhaupt entstanden sind. Auch das Datenschutzproblem sehe ich nicht unbedingt so kritisch. Erstens mal findet ein Unfall öffentlich statt. Früher hatte man auch soundso viel Meter Blockierspur auf der Straße, für jeden sichtbar. Wenn man die Datenspeicherung auf vielleicht 5 sec vor und nach dem Unfall (=Triggerereignis) begrenzt, hat man für eine Unfallrekonstruktion eigentlich genug Daten. Und auch die Manipulationssicherheit wäre insofern gewährleistet, da jemand, der sein Handwerk versteht, nicht schlicht Daten runterlädt und ausdruckt, sondern sie mit den restlichen, den bisherigen Anknüpfungstatsachen in Beziehung setzt.

Interessant übrigens, dass die Begriffe „Unfallanalytiker“ oder „Sachverständiger“ in der Auflistung derjenigen, die solche Daten gern hätten, im Bericht von Heise nicht aufgeführt sind …