Die großen drei Missverständnis der E-Mobilität

Fehler, die aus meiner Sicht derzeit dauernd bei der Betrachtung von Elektroautos gemacht werden:
  • „Bei der Stromerzeugung entsteht auch CO2“
    Die Elektroenergie kann sicherlich klimaschädlich hergestellt werden, es gibt aber eben C02-neutrale oder sogar schonende Methoden. Bei Verbrennungsprozessen entsteht immer CO2.
  • „Die Erzeugung elektrischer Energie verursacht auch jede Menge giftige Abgase“
    In Ballungsgebieten ist es nicht egal, wo Schadstoffe ausgestoßen werden. Selbst wenn E-Autos nicht klimaschonend betrieben werden, ist der Betrieb in Innenstädten immer noch besser, als dort Verbrennungsgase zu erzeugen.
  • „Die Herstellung von E-Autos und deren Komponenten ist viel giftiger als die herkömmlicher Verbrennerautos“
    Die Produktion der gesamten E-Komponenten steckt im Vergleich zum Verbrennungsauto noch in den Kinderschuhen. Zunächst sieht man in klassischen Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Fertigungsprozessen zu, überhaupt etwas herzustellen, dann wird die Effizienz gesteigert und dann die Umweltverträglichkeit. Heutzutage laufen die letzten beiden Punkte aber schon Hand in Hand, früher keineswegs. Wenn man die gleiche Gesamtentwicklungszeit wie in Verbrennungstechnologie investiert hat, wird aus heutiger Sicht die E-Mobilität unter Garantie besser dastehen als Verbrennertechnologie. Man muss nur Geduld haben. Derzeit sind wir maximal in der Phase der E-Mobilität, als man für Verbrennerautos den Sprit gerade nicht mehr in der Apotheke kaufen musste.

Second Life für Magsafe 1 #rp16 – Kaputte Netzteile gesucht!

Ich habe für die re:publica 2016 eine Workshop-Session eingereicht. Und zwar möchte ich zusammen mit Andrea vom Techniktagebuch die Reparatur von Magsafe-Netzteilen (Typ 1) vorstellen. Ob die Session angenommen wird, erfahre ich wohl in etwa 6 Wochen.

Magsafe-Netzteile für Macbooks haben häufig nur ein kurzes Leben. Während Trafo/Spannungswandler meistens noch funktionieren, leiden die Kabel z. B. unter falscher Wickeltechnik oder Materialermüdung und brechen entweder am Stecker oder am Netzteilgehäuse. Bevor man sie in den Elektroschrott gibt, lohnt es sich aber, wenigstens einen Reparaturversuch zu starten.

FullSizeRenderZuerst hat mir Kathrin Passig ihre umfangreiche Sammlung kaputter Magsafe1-Netzteile zur Verfügung gestellt, an denen ich ein bisschen üben konnte. Das hat eigentlich ganz gut geklappt. Dann habe ich zusammen mit Andrea das Netzteil ihres Macbooks repariert. Dabei hat es sich als sehr hartnäckig herausgestellt, so dass wir viel über die Fallstricke gelernt haben, die die kleinen Mistviecher bereithalten können.

Zu Beginn der Session sollen die typischen Beschädigungen vorgestellt werden. Es gibt Fehler, die sich einfacher als andere reparieren lassen, womit sich die Reparaturwürdigkeit einstufen lässt. Wir zeigen, wie man die Fehlerquellen freilegt und was man für die Reparatur braucht. Wenn es sich einrichten lässt, sollen gleich Netzteile von Session-Teilnehmern unters Messer kommen. Eine Erfolgsgarantie können wir natürlich nicht geben.

Spoiler: Ohne Lötkolben geht’s nicht.

Nun ist es aber so, dass die bislang zur Verfügung stehenden Netzteile noch nicht ausreichen, um die Reparaturmethoden verfestigen und durchstrukturieren zu können. Und darum können wir noch ein paar Netzteile gebrauchen. Kathrin hat mir angeboten, ihre Coworking-Space-Adresse als Sammelpunkt zu verwenden.

Ihr könnt (wg. Kabelbruch) kaputte Magsafe-Netzteile – bitte nur die mit den magnetischen Steckern – ausreichend frankiert schicken an:

Weserland Coworking
Kathrin Passig
Weserstr. 21

12045 Berlin

Meinetwegen könnt ihr auch einen Namen oder besser eine E-Mail-Adresse draufschreiben (Edding, Folienschreiber, Aufkleber). Sollten sie reparabel sein – was nicht feststeht! – könntet ihr sie ggf. bei der re:publica 16 wiederbekommen*. Einen Rücksendeservice können wir nicht anbieten.  Sorry. Denn es ist auch denkbar, dass Netzteile beim Reparaturversuch unrettbar kaputt gehen oder nur ein paar Ersatzteile gebraucht werden.

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*Hast du kein Ticket, können wir uns vor der Tür treffen oder so.

Ballerspiel

Wo ich neulich schon von meinen alten C64-Zeiten schwadroniert hab, fiel es mir wieder ein.

Klar, hab ich sie gespielt, die Spiele wie Donkey Kong, Pacman und so weiter. Aber die stärkste Erinnerung habe ich immer noch an „Fort Apocalypse„. Das war was!  Tage und Wochen haben wir vor der Glotze gehangen und gedaddelt, bis alle Mannen gerettet, alle Panzer zerbombt und alle Luftminen gesprengt waren.

Damals ™. :roll:

Live long and prosper, Space Shuttle

Uih, der Countdown zum letzten Space Shuttle Flug läuft. (Bald nicht mehr.)

Damit geht ja irgendwie auch für mich eine Ära zu Ende, weil mich die diversen Shuttles seit ihrer Erprobungsphase als Gleiter auf dem Rücken einer Boeing 747 schon in meiner Kindheit begleitet haben. Selbstredend hatte ich diverse Modelle, neben kleineren Matchbox-Shuttles u. a. auch ein Revell-Modell, bei dem man die Rumpfklappen öffnen und das ESA-Forschungslabor herausnehmen konnte. Außerdem ließ sich der Greifarm in diverse Richtungen schwenken. Selbstredend war das Cockpit voll ausgebaut und bestückt.

Mich überkommt ja wirklich ein bisschen Wehmut, dass das wirklich der letzte Flug sein soll. Ich wünsche jedenfalls allen, die an diesem Projekt gearbeitet haben, dass alles so klappt, wie sie sich das wünschen und vor allem alle Astronauten heile zur Erde zurückkehren.

Have a nice flight!

 

Energie!

BUMMMMMMMMMMMMMMM

Geiler Sound, den meine kleine Keychain-Cam da aufgezeichnet hat. Der Film ist zwar nicht ganz so wie erhofft geworden, da das Schiebedach mit einem Schlag zugeknallt ist und dabei die Kamera wegkatapultiert hat, aber ich finde, dadurch ist das jetzt mal richtig große Kunst geworden! Und das beste: Alle drei von mir eingesetzten Kameras haben den Anprall überlebt. Das ist echt cool!

:mrgreen:

Gefilmt heute beim Crashtest: BMW mit Anhänger fährt mit ca. 50 km/h vor die Betonbarriere.

Hier noch ein Video von fabi. Von außen betrachtet ist das deutlich unspektakulärer.

Gleich gehts los. #crashtest on Twitpic

Kaputt. #Crashtest on Twitpic

Schalala wider den guten Geschmack

Schalala07Gestern war es soweit: Die singende Föhnwelle aus Tübingen weilte in der Hauptstadt. Für mich war es gleichzeitig eine Premiere, denn ich war zum ersten Mal in der Waldbühne. Und ich war überwältigt. Zum einen von der Waldbühne, zum anderen von der überschwänglichen guten Laune und der Buntheit der Menschen. Wow! Farbenfrohes Gepränge allerseits. Ich hätte nicht gedacht, dass Dieter immer noch solch einen Zulauf hat. Ich schätze, die Waldbühne war dreiviertel gefüllt. Das muss ihm erstmal einer nachmachen!

Schalala05Wie gehabt erklang „Musik ist Trumpf“, und die Kapelle (in verschiedenen grellfarbenen Strampelanzügen) erklomm dazu die Bühne. Tja, und dann kam er: Dieter Thomas Kuhn im silbernen Glitzeranzug. Und schon ging es los: Ein „Klassiker“ nach dem anderen aus der seligen Hitparadenära schalalallte durchs Rund. Und die Massen tobten! Die Massen waren übrigens eindeutig mitgealtert. Verständlich, dass sich jüngere Leute nicht in diesem Maße dieser Art schlechter Musik hingeben. Schließlich haben sie ihre eigene Vergangenheit zu bewältigen. Also bestand die Meute größtenteils aus denjenigen, die nach der Hitparade in die Badewanne mussten oder aus denen, die den Nachwuchs nach der Hitparade in die Wanne gesteckt hat.

Schalala01Verhältnismäßig stereotyp lief dann auch das Konzert ab: Gleiche oder ähnliche Ansagen wie früher, die gleichen Stücke sowieso im Uptempo gespielt mit dem Hang zur Verhonepiepelung, und das ist ja auch gut so. Wir wurden nicht enttäuscht und nicht überrascht. Es war ein wahres Fest des schlechten Geschmacks und der guten Laune! Vielleicht gehen wir in ein paar Jahren wieder hin. Wer weiß!

Snapshot aus wmv-Video

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Ich habe immer wieder Schwierigkeiten auf die Schnelle aus einem wmv-Video einen Snapshot von einem gewünschten Frame zu erstellen. Wohlgemerkt, hier geht es um meine @work-Windose.

Der Media Player Classic will bei mir erst gar nicht Snapshots abspeichern, mit dem VLC-Player kann man (ich) keinen Frame gezielt ansteuern.

Ich habe mir jetzt gerade einen Video-to-jpg-Converter aus dem Netz gezogen, der genau das kann, was ich will: Einen Frame ansteuern und einen Snapshot erstellen. Er kann auch Videos automatisch in Einzelbilder zerlegen, wobei man die Framerate wählen kann. Das habe ich noch nicht ausgiebig getestet.

airbag

Damit habe ich aus einem Crashversuch-Video jetzt gerade dieses Bild extrahiert: Ein explodierender Beifahrer-Airbag, der nicht mal einen Wimpernschlag lang lustig orange leuchtet.

Das Ganze ist eher was für „quick-n-dirty“. Aber manchmal sucht vielleicht jemand anders auch genau sowas. Hier gibt’s das:

http://www.das-download-archiv.de/software_7210_download_free-video-to-jpg-converter.html
http://www.das-download-archiv.de/loading_file7210.html

Desktop heißt Arbeitsfläche

Desktop (Klick auf das Foto gibt ein lustiges Suchbild)

Als ich in grauer Vorzeit mit meiner Berufstätigkeit begann, konnte man von Digitalfotos nur träumen. Man hatte wohl schon mal von sowas gehört, aber richtig daran glauben, mochte man noch nicht. Alles war „analog“ (wobei das irgendwie Unsinn ist). Na, zumindest waren die Fotos noch welche zum Anfassen, richtig auf Fotopapier mit Chemie und so.

Das hat sich natürlich längst überlebt. Aufgrund der Kostenersparnis sind natürlich fast alle  Schadengutachter dazu übergegangen, ihre Fotos digital zu knippsen. Anfangs haben sich zwar einige aufgeregt, dass es ja nicht so kostengünstig sei, jedes Mal einen neuen Chip einlegen zu müssen (kein Scherz!). Aber inzwischen ist wohl auch der letzte dahinter gekommen, dass man den Inhalt auf den Speicherkarten löschen und neu beschreiben kann.

Für die Gilde der Unfallanalytiker, die i. d. R. Unfälle erst bearbeiten, wenn rund ein Jahr vergangen ist und der Prozess den entsprechenden Stand der Dinge erreicht hat, sind allerdings neue Probleme eingetreten: Komische Bilderverwaltungssysteme und krankhafter Sparzwang führen zu stark verkleinerten Dateien, die auf Anforderung für die Unfallanalyse zur Verfügung gestellt werden. Das ist ziemlich ärgerlich, denn je nach Aufgabenstellung lassen sich die offenen Fragen oft schlechter klären als mit Papierfotos, zumal sich noch nicht durchgesetzt hat, dass einzig die Dateien, die aus der Kamera kommen, die Originale sind und nicht irgendwelche Ausdrucke, denen ein schlechter Drucker seine persönliche Note aufgezwängt hat.

Aber das wollte ich alles gar nicht schreiben.

Früher konnte man jedenfalls die Papierfotos (aus der Akte herausreißen und) auf dem Schreibisch verteilen. Man konnte Fotos direkt nebeneinander liegend miteinander vergleichen, Schäden zuordnen etc. Am Anfang, vor fast 11 Jahren, brauchte ich den Computer nur für den Gutachtentext.

Als es mit der Digitalfotografierei losging, saß man dann i. d. R., wenn es einem gutging, vor einem 17″-Röhrenmonitor und suchte zwischen einzelnen Pixeln die Fotos von den kaputten Autos. Schon vor Jahren, als auf die Ingenieure in meiner alten Firma neue Rechner niederregneten (na, das war was!) bin ich als erster dazu übergegangen, auch den zweiten Anschluss an der Grafikkarte mit einem weiteren (vom eigenen Taschengeld für die Firma gekauften) Monitor zu versehen und das Desktop zu erweitern. Das war seinerzeit noch keineswegs selbstverständlich!

Ich vertrete den Standpunkt, dass sich der Desktop, also die Arbeitsfläche vom Schreibtisch auf den Monitor verlagert hat und man deswegen dort im Prinzip genau so viel Oberfläche zum Angucken der Fotos braucht wie vorher auf dem Schreibtisch. Für mich ist es zumindest hilfreich, diese Möglichkeit zu haben.

Dazu kommt dann das nächste Problem: Alle Produkte und Resultate der Arbeit werden auf DIN A4-Format festgehalten. Hochkant natürlich. Darum habe ich vor kurzem schon mal einen der beiden TFTs hochkant gestellt.  Doch der Wunsch nach einem dritten Monitor war groß. Also habe ich mir erstmal eine weitere Grafikkarte zugelegt, und zwar eine GeForce 6200, die man in einen normalen PCI-Slot stecken kann. Da hatte ich nun zwei neue Monitoranschlüsse (von denen ich aber aus Gründen der Übersichtlichkeit nur einen benutzen werde). Ein arbeitsloser 15″-TFT musste erstmal zu Versuchszwecken herhalten, bis mein freundlicher „Büroausstatter“ einen weiteren „richtigen“ Monitor genehmigte, einen Samsung SyncMaster 2043BW. Meine beiden anderen Samsung 203B sind verlässliche Dinger, also warum nicht wieder einen Samsung nehmen?

Schon jetzt merke ich, dass es sehr angenehm ist, z. B. mehr Fotos auf den Monitoren ausbreiten zu können. Ich habe nun die beiden alten Samsungs hochkant gestellt und den neuen, ein sog. Widescreen (16:10, 1680×1050) quer. Das ergibt eine breitere Taskleiste. Auf den Hochkantscreens kann man bei der heutigen Vielzahl an Menüleisten, Ribbons und was da sonst so rumhängt, endlich ein DIN A4-Blatt in Originalgröße anzeigen lassen, außerdem reicht die Größe aus, um zwei Querformat-Bilder in angenehmer Größe übereinander betrachten zu können. Vor allem das Hochkant-Format ist ein echter Gewinn!

Dennoch: So richtig rund läuft die Sache noch nicht, auch wenn im Großen und Ganzen alles ganz gut funktioniert. Der Media-Player-Classic hat beim Öffnen eines Videos den Rechner gestern extrem ausgebremst, dass ich ihn einmal sogar resetten musste. Manche Videos werden auf den Hochkantscreens nicht wiedergegeben.  Das ist nicht schön. Außerdem hat der neue Samsung ein gewisses Eigenleben, weil hin und wieder (komischerweise meistens, wenn Kollege K. auftaucht) irgendwelche Menüs aufblinken oder sich der Monitor auch mal unvermittelt ausschaltet. Außerdem scheint die Firmware einen Bug zu haben: Stellt man die Helligkeit über das OSD auf ziemlich „dunkler“ (<50) ein, reagiert der Monitor nur noch extrem langsam auf Menübefehle, die man zu meinem Leidwesen nicht mehr über richtige Drucktasten, sondern in der unteren Gehäusekante versteckte Sensor“tasten“ eingibt.

Dennoch: Meinen @work-Rechner aufzurüsten, hat sich auf jeden Fall gelohnt. Den Rest kriege ich sicherlich noch in die Gänge.

Kulturoffensive #1: "Hilde"

Im Rahmen unserer Aktion „Kultur galore“ war gestern Abend die Premiere von „Hilde“ im Special-Programm der Berlinale.

f-stadt-palastEs war die erste wirklich große Kinopremiere, der meine Teuerste und ich beiwohnten. Das Spektakel fand im Friedrichstadtpalast statt. Das ist eigentlich ja kein Kino, sondern ein Revuetheater. Also hatte man eine ziemlich große Leinwand aufgebaut, damit die rund 1.600 Leute etwas sehen konnten. Ganz großes Kino also. Um den Eingang des Friedrichstadtpalasts zu erreichen, durften/mussten wir sogar über den roten Teppich gehen/schreiten.

Wir hatten Karten „Parkett C rechts“ (die kosteten übrigens 9,50 Euro. Sehr moderat, wie ich meine). Hörte sich erst ziemlich weit vorn/unten/außen an. Wir trösteten uns zunächst damit, dass wir dann die Künstler besser aus der Nähe sehen könnten, weil die sich sicherlich auf der Bühne versammeln würden. Es kam dann aber anders, weil unsere Plätze ziemlich weit oben, schätzungsweise in der 20. Reihe waren. Wir waren auch schon eine Stunde vor Vorstellungsbeginn (21.00 Uhr) dort. Beste Sicht auf die Leinwand und die eintreffenden Stars.  Nur ist es ziemlich eng im Friedrichstadtpalast, wenig Beinfreiheit. Das merkte ich am Ende der Veranstaltung an meinen verdrehten Knien. Einige deutlich später kommenden Leute, meist in schicker Abendgarderobe, muckierten sich, dass Frühkommer ihre Plätze mit ihren Jacken belegt hatten und noch ein Getränk schlürften. „Das ist ja wie im Robinson-Club mit den Handtüchern auf den Liegestühlen.“ Im Gegensatz zum Robinson-Club, wo es an einem selbst liegt, wann man aufsteht, um sein Handtuch zu werfen, öffneten im F-Stadt-Palast für alle gleichzeitig die Tore, Verehrteste.

saalWir saßen also brav eine gute halbe Stunde auf unseren Plätzen, bis das Licht verdunkelt wurde und mit ordentlichem Applaus das Staraufgebot und Produktionsteam begrüßt wurde. Das war schon toll für uns „Ex-Landeier“. So dicht dran ist man ja doch selten. Schön war auch, dass der Film ohne Werbung startete.

Der Film zeigt den Abschnitt von Hildegard Knefs Leben zwischen dem zweiten Weltkrieg und dem großen Auftritt in der Philharmonie 1966. Ich wüsste nicht, welche deutsche Schauspielerin die Knef besser darstellen könnte als Heike Makatsch. Sie hat „das gewisse Etwas“. Sprache, Stimme, Aussehen: Es passt wirklich sehr gut. Perfekt sage ich mal nicht, aber sie ist verdammt dicht dran. Möglicherweise stört genau das gerade die wahren Knef-Verehrer: Die Knef kann man nicht kopieren. Darum bringt Heike Makatsch, die alle Songs selbst singt, ihre eigene Interpretation ohne am Original zu scheitern (denn, mal ehrlich: Richtig gut singen im klassischen Sinne konnte Hildegard Knef auch nicht). Allerdings singt Makatsch schätzungsweise eine Terz höher.

Um den zeitlichen Rahmen abzustecken, beginnt der Film quasi kurz vorm Ende: Knef kommt vor dem Konzert in Tempelhof an und fährt von dort zur Philharmonie. Dort, in der Künstlergarderobe, kommen Erinnerungen an die Vergangenheit hoch, die in den Kriegsjahren beginnen. Eindringlich werden die letzten Kriegstage in Berlin geschildert, ihr Verhältnis zu ihrer Familie und zu den (diversen) Männern. Man erfährt ihre tiefgreifenden Veränderungen ihres Lebens beim Wechsel nach Hollywood. An dieser Stelle hatte der Film m. E. einige Längen. Kein Wunder: In Hollywood war es wohl für die Knef auch nicht so spannend. Der Film führt dann am Beispiel retrospektiver Geschichten aus dem Leben der Knef auf den große Showdown, den Philharmonieauftritt, hin. Während die Lieder zuvor nur im Off zu hören sind, trägt Makatsch nun „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ raumgreifend vor.

buehneOb man den Film gut oder mittelmäßig findet, hängt vom Anspruch ab. Sieht man das Dokumentarische im Vordergrund, wird man wohl enttäuscht, da der Film sehr episodenhaft und nicht eine minutiöse Nacherzählung ist, die jedes Detail mit der gleichen Intensität darstellt. Wenn man, so wie ich, eher auf etwas mehr als 2 Stunden gute Kinounterhalt mit vertretbarem Tiefgang aus ist, ist man bei „Hilde“ gut aufgehoben. Nicht nur, dass die Stimmung zum Kriegsende und in den Nachkriegsjahren gut rüber kommt: Durch ein paar schnoddrige bis alberne Bemerkungen gibt es auch ein paar wohldosierte Lacher. Uns hat der Film gefallen, zu hohe Ansprüche an die jüngere Kulturgeschichte sollte man aber nicht stellen. Und eines wird auch klar: Wer immer noch meint, Heike Makatsch sei doch diese ehemalige Viva-Moderatorin wird durch ihre schauspielerische Leistung zweifelsohne eines Besseren belehrt.

Dennoch scheint der Film beim Publikum nicht als der große „Brüller“ angekommen zu sein. Am Schluss, als das Team und die anwesenden Schauspieler auf die Bühne gerufen wuren, gab es zwar ordentlich Beifall, aber der große Begeisterungssturm blieb aus. So stand, als sich das Publikum aus dem Saal begab, das Grüppchen immer noch unten auf der Bühne und wirkte etwas verloren. Das scheint aber eine Eigenheit des Berliner Publikums zu sein. Dazu mehr in der nächsten Folge von „Kultur galore“.