Fête de la Gratis

Einerseits ist die Veranstaltung toll, weil überall viel gute Musik gespielt, andererseits absolut verachtenswert, weil „alle“ dran verdienen, nur die Musiker nicht.

Wer sich heute als Musiker beschäftigt, aber weder zu den oberen Zehntausend, noch zu den staatlich geförderten Künstlern gehört, hat es schwer, wenigstens die Ausgaben für Equipment, Proberaummiete, Fahrtkosten etc. wieder reinzubekommen. Musik hat einfach keinen Wert.
Radio KitchenUnd dann die Fête de la musique. Alle spielen umsonst und draußen am längsten Tag des Jahres! Was für eine tolle Idee, eigentlich. Auch ich werde mich beteiligen, obwohl man das gar nicht unterstützen dürfte. Denn, Equipment (Ton, Licht, Bühne, Dach …), um auf der grünen Wiese eine Bühne aufzubauen, will in der Regel gegen Gebühr geliehen werden. Besucher, die sich ein bisschen Musik anhören wollen, kommen vorbei und holen sich am Getränkestand ein Bier oder einen Wein. Dann noch ne Wurst vom Grill. Rrrring, wieder klingeln irgendwo ein paar Euro in der Kasse.

Nur der Anlass, weswegen die Leute kommen, die Musiker, sie bekommen keinen Cent, während alle drumherum irgendwie davon profitieren. Aber hey, es ist ja Werbung …

 

[WordPress] Problem gelöst: Http-Fehler beim Foto-Upload

Im letzten Beitrag hatte ich es schon angerissen. Ich hatte seit einiger Zeit Schwierigkeiten mit dem Foto-Upload. Ich dachte schon, das Ende von „willsagen.de“ sei nahe, da kam plötzlich ein freundliches Hilfeangebot von Kathrin Passig, sie würde sich das mal ansehen.

Beim Upload tauchte stets ein (mir) nichtssagender http-Fehler auf, etwa so: html

Kathrin hat dann herausgefunden, dass die Fotos zwar im ftp-Verzeichnis, wo sie hinsollen, ankommen, aber dann geht es irgendwie nicht weiter. Die Lösung hat sie dann hier im letzten Kommentar gefunden. Ich zitiere mal:

Der Fehler liegt offenbar am PHP-Modul Imagick, was für die Komprimierung der Bilder nach dem Upload zuständig ist.“

Mit diesem Plugin lässt sich das reparieren, in dem auf das alte Modul „GD“ umgestellt wird. Tja toll. Darauf soll einer kommen.

Wie die Apps auf den iPad-Oldtimer kommen

Ich leihe mir von meinem Freund ein iPad, um herauszufinden, ob ich es für einen Bandauftritt als digitales Textbuch verwenden kann. Es ist nicht so einfach, ein iPad auszuleihen, weil es viele Leute eben nicht mal eben für ein paar Wochen oder so weggeben können oder wollen. Ich bekomme eins und zwar einen echten Oldtimer, nämlich ein iPad 1.

Mein Freund gibt mir doch seine Säuernis mit auf den Weg, weil er es unmöglich findet, dass man das alte Ding quasi nicht mehr benutzen kann. Viel zu viele Apps lassen sich einfach nicht mehr installieren. Hat man im Appstore seine Wunsch-App gefunden, bekommt man viel zu häufig diese Meldung zu sehen.

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Problem: Auf dem Oldtimer-iPad läuft nur iOS 5. Und eine neuere Version lässt sich nicht installieren. Nach einigem Gugeln finde ich einen Workaround, der auch tatsächlich funktioniert. Man muss auf einem iMac oder Macbook iTunes öffnen (iTunes unter Windows wird wohl auch gehen), dort in den Appstore gehen und die gewünschte App laden. Die ist dann erst mal auf dem jeweiligen Rechner.

Dann nimmt man den Oldtimer zur Hand und öffnet dort den Appstore. Wichtig ist, dass man mit dem gleichen Apple-Account wie auf dem Macbook/iMac angemeldet ist. Nun sucht man wiederum die gewünschte App und installiert sie. Zwar bekommt man auch wieder eine Fehlermeldung vorgesetzt, aber man hat nun auch die Alternative, die letzte funktionierende Version zu laden.

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Voilà, nun laufen die alten Apps auf dem Oldtimer-iPad.

Whats (the fuck) App?

Ich bin erklärter WhatsApp-Ablehner. Das habe ich in vielen Gesprächen bekundet. Darum darf ich mich nicht wundern, wenn ich nun plötzlich von verschiedenen Seiten, zuletzt in einer Weihnachtskarte (schöne Grüße nach Hannover :)) darauf angesprochen werde, warum ich denn nun da doch angemeldet bin.

Enlight1Weswegen ich WhatsApp ablehne? Ganz einfach: Ich finde es ein absolutes Unding, dass bei der Anmeldung sämtliche Kontakte vom Handy abgesaugt werden. Bin ich verantwortungsvoll im Umgang mit den mir anvertrauten Kontaktdaten meiner Mitmenschen, kann ich dem nicht zustimmen. Das ist alles. Ansonsten ist WhatsApp genial. Nur eigentlich müsste ich ja alle fragen, ob sie damit einverstanden sind, dass ihre Daten wegen mir irgendwo in die Welt geblasen werden. Praktisch nicht machbar.

Nun war es aber so, dass ich in eine Modellfliegergruppe eingetreten bin, die sich zum Fliegen über WhatsApp verabredet. Da kann ich schlecht sagen, dass sie wegen mir bitte auf einen anderen Messenger umsteigen sollen. Also habe ich mich erkundigt, die App installiert und bei der Frage, ob jetzt die Kontaktdaten abgesaugt werden sollen (ist natürlich besser ausgedrückt) „Nein“ ausgewählt. Ich dachte bislang, dass es die Option gar nicht gibt. Interessanterweise hat mir auch niemand der mir bekannten WhatsApp-Nutzer gesagt, dass das ginge. Es schien, alternativlos zu sein, ist es aber nicht.

Enlight1 (1)Das Resultat ist, dass WhatsApp rudimentär benutzbar ist. Man bekommt Nachrichten, aber man sieht nur die Telefonnummer, nicht, wer sich dahinter verbirgt. Nur im Homescreen bekommt man kurz, nach dem Wegdrücken nicht wieder aufrufbar angezeigt, namentlich angezeigt, von wem die Nachricht kommt. Kann man also mit der Nummer oder auch dem Benutzerbildchen, das der WhatsApper vielleicht auch woanders verwendet, nichts anfangen, hat man nicht viel von der Nachricht. Ich habe schon ein paar solcher Nachrichten auf meinem Handy, aber wie gesagt, teilweise weiß ich nicht, von wem. Offenbar wurden wohl alle Leute, die meine Handynummer gespeichert haben, darüber informiert, dass ich mich bei WhatsApp angemeldet habe. Auch super.

Was soll ich sagen? Für meinen Zweck reicht es, da in einem Mehr-Personen-Chat die Namen der Teilnehmer angezeigt werden. Dafür ist es ok, den Rest der Nachrichten werde ich größtenteils ignorieren, wenn ich nicht explizit erkennen kann, von wem sie sind.

 

Eigentlich darf ich mein Erbe nicht fotografieren.

Neulich war ich in China, meine bislang weiteste Reise ever. Wie das so ist, wenn man versucht, ein derart großes Land innerhalb von zwei Wochen komplett zu bereisen, greift man sich ein paar touristische Highlights heraus, darunter die Terrakotta-Armee und die Große Mauer. Beides Weltkulturerbe.

Ich gehöre zu dieser Welt, also darf ich mich mit Fug und Recht als Erbberechtigten verstehen. Ich will die Sachen ja nicht gleich mitnehmen. Nun ist es aber so, dass man an einigen Stellen dieser Weltkulturerbestätten Hinweise findet, die einem das Fotografieren versagen wollen.

Gut. In China achtet darauf irgendwie keiner, was ich ok finde (daher das „eigentlich“ in der Überschrift.) Nur völlig zum Spaß wird man die Hinweise auch nicht aufgestellt haben. Immerhin ist gerade die Erhaltung der Weltkulturerbestätten in ärmeren Ländern durchaus mit finanziellen Zuwendungen verbunden, mal völlig abgesehen vom Imagegewinn. Da man ja ohnehin schon meistens nicht unerhebliche Eintrittsgelder für Besichtigungen verlangt, sollte es da nicht selbstverständlich sein, dass alle Besucher „ihr Erbe“ egal zu welchem Zweck kostenlos fotografieren dürfen?

Terracotta Army Xi'an

Great Wall

Immerhin kann man meine tollen Fotos auch kostenlos angucken. 😉

Attentatsversuch in Prenzlauer Berg steht unmittelbar bevor

Das jedenfalls könnte man meinen, wenn man sich ein Schreiben des Polizeipräsidenten durchliest, das kürzlich in unserem Büro in Berlin Prenzlauer Burg eintrudelte.

pp

Vor allem dieser Satz gefällt mir ja besonders gut:

„Mit dem Eintritt eines Schadens zum Nachteil von Leben, körperlicher Unversehrtheit und/oder Handlungsfreiheit ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen.“

Ich meine, geht’s noch?

Hintergrund dürfte der Besuch des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin sein. Dass es allerlei fehlgeleitete Irre auf der Welt gibt, die Bürgern Israels, gerade Spitzenpolitikern, nach dem Leben trachten, muss man nicht in Abrede stellen. Das ist leider ein Fakt. Aber fehlgeleitet war m. E. auch derjenige, dem die „wunderbare“ Formulierung im Schreiben des Polizeipräsidenten aus dem Kopf gepurzelt ist.

Erst mal ist ja gar nicht klar, wer überhaupt gemeint ist. Betrifft die akute Bedrohungslage nur den Staatsgast und natürlich sich in der Nähe befindende Personen, oder muss ich auch damit rechnen, von einer irrgeleiteten Kugel eines zuckenden Scharfschützen getroffen zu werden, die sicherlich zu hunderten auf den Häusern in der Umgebung Stellung beziehen? Oder durch den oder die Angriffe der ja mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Plan tretenden Attentäter? Eine solche Formulierung impliziert nicht nur Panikmache, sondern auch das voraussichtliche Scheitern der Sicherheitskräfte. Etwas mehr Selbstvertrauen hätte ruhig zwischen den Zeilen durchsickern dürfen.

In der Sache werde ich das tun, was das Schreiben wohl bewirken soll, nämlich das Büro einfach meiden. Andere Kollegen und Kolleginnen wohl auch. Es dürfte sehr schwierig werden, überhaupt zum Büro zu gelangen. Das angebotene Polizeigeleit dürfte nicht mehr sein, als die Folge davon, dass man das Erreichen des Arbeitsplatzes wohl nicht verbieten darf. De facto wird die Polizei Wichtigeres zu tun haben, als arbeitswütige Deppen zum Schreibtisch zu begleiten und darauf zu achten, dass keiner ein Fenster öffnet.

Die Rechnung über die Umsatzeinbußen schicken wir dann genau wohin?

Technicus non dicet latinam: Situs vilate inisse tabernit

Oder „übersetzt“: Sieht aus wie Latein, ist es aber nicht.

Ich habe ja öfter mit Juristen zu tun. Juristen sind die, die neben Medizinern gern mit ihrer humanistischen Bildung prahlen und insbesondere sich der Aufgabe verschrieben haben, die tote Sprache Latein irgendwie am Tropf der Lebenserhaltung zu belassen. Während die Mediziner unbedingt das Brustbein als Sternum und die Kniescheibe als Patella bezeichnen müssen, obwohl es die deutschen Begriffe genauso tun und vor allem auch für das deutschsprachige Fußvolk zu verstehen wären (man ahnt, warum Fachsprech verwendet wird), wirft der gestandene Jurist gleich ganze Floskeln oder gar Sätze in die Niederungen des deutschen Gerichtssaals. Wenn mir in einer Gerichtsverhandlung langweilig ist, weil die Beweisaufnahme abgeschlossen und ich damit schon im Grunde arbeitslos bin, spiele ich in Gedanken oft Jura-Bullshit-Bingo. Man kann darauf wetten, dass in jedem Plädoyer diverse Juristenlateinfloskeln vorkommen. Sowas wie „ergo“, „a priori“ oder „de facto“ lassen wir mal gleich beiseite und stürzen uns in die Top 10:

10: „Ex lege“: Nach dem Gesetz. Anfänger geeignet.

9: „Juris non calculat“: Der Jurist rechnet nicht. Außer Stunden mal Stundensatz.

8: „Prima facie“: Der erste Anschein, Anscheinsbeweis. „Is immer so. Hamwa immer so gemacht. Darum is das jetzt auch so.“

7: „Hic et nunc“: Hier und jetzt. Mögliche Reaktion: „Haben Sie Schluckauf, soll ich Ihnen ein Glas Wasser holen?“

6: „Corpus delicti“: Beweisstück. Ohne das geht es nicht.

5: „Obiter dictum“: Nebenbei gesagt. Am Rande. Ist also nicht wichtig, Schöffe kann weiterschlafen.

4: „Persona non grata“: Sachverständiger, der nicht das sagt, was der Verteidiger hören will

3: „Conditio sine qua non“: Ohne ein bestimmtes Vorereignis wäre das, worum man verhandelt, nicht eingetreten. (Hä?-Faktor > 42 auf der nach oben offenen Jurisprudenz-Bullshit-Skala)

2: „Cui bono“: Wem nutzt es? Wird eher selten gebraucht. Aber gern mal im Sinne von: Der Tote wird durch einen Verurteilung auch nicht wieder lebendig.

1: „In dubio pro reo“: Im Zweifel für den Angeklagten. Kennt man. Must have im Verteidiger-Plädoyer

„Nunc est bibendum!“, sagt der Ingenieur. 😉

 

 

 

 

Ich = Kunstbanause reloaded

Ich merk’s ja immer wieder: Mit Kunst oder (Hoch)kultur hab ich es nicht so.

Altes Museum und LustgartenIm gerade abgelaufenen Lebensjahr hatte ich zusammen mit meiner Begleiterin eine Jahreskarte für die staatlichen Museen Berlin – preußischer Kulturbesitz. Am Anfang waren wir voller Euphorie und schauten uns die Museen der Stadt an. Der anfängliche Schwung verging schnell. Im Sommer ist ja auch eh nicht so Museumszeit. Der Ablauf der Jahreskarte rückte näher, aber es standen noch diverse unbesuchte Museen auf der Liste. Die wurden dann im Schnelldurchlauf abgehandelt.

Die alte Nationalgalerie fand ich ganz gut. Nur die Bilder störten. Aber das Haus mit diesen lustig krummen Räumen? Cool. Das Bode-Museum. Hm. Was war da doch gleich? Ich glaube, viel Sakral-Zeugs. Ja genau. Das langweilte mich nach einer Viertelstunde und es ging im Laufschritt von Saal zu Saal.

Ich rannte also kopflos durch die Räume und hab dann prompt eine frühe Weissagung dieser Situation gefunden. Schön, dass man fast überall fotografieren darf. So habe ich mich darauf verlegt, ein paar besonders eindrucksvolle Exponate abzulichten.

Etwas kopflos heute?

Oder auch die historische Darstellung des C-3PO: Irgendwann später musste man dem wohl mal zur Tarnung ein Gesicht überzogen haben. Auf was für Ideen die Leute kommen!

C-3PO

Vom alten Museum habe ich nicht viel erwartet, außer Figuren ohne Köppe und ohne Arme. Und so kam es dann auch. Nur dieser Fernseher der Antike, in dem gerade eine Talkshow lief, hatte es mir angetan:
Fernseher der Antike

Wir waren dann natürlich auch noch im ethnologischen Museum. Joa, son paar Sachen waren ganz hübsch, wie z. B. die frühere Vergötterung der Rolling Stones. Aber der alte Plunder soll wirklich in den entstehenden Hot-Spot, ins Humboldt-Forum, aka es Stadtschloss-Neubau? Ne, oder? Gibt’s da nicht etwas, was die Leute mehr interessiert? Oder wie wäre es mit einem Parkhaus? Egal, mich fragt eh keiner.

Frühe Vergötterung der Rolling Stones

Den Vogel abgeschossen hat aber die Gemäldegalerie. Dort traf ich allerdings erst einen alten Bekannten wieder, den alten Knacker vom 100-Mark-Schein.

Der Mann vom 100-Mark-Schein

Der schaut aber eigentlich in die andere Richtung und ist natürlich bunt:

Der Cosmograph

Ein oder das Hauptwerk in der Gemäldegalerie ist derzeit der „Genter Altar“. Das ist ein im weitesten Sinne klappbares, recht großes Holzregal, in dem statt Büchern in den Fächern diverse Bilder angebracht sind. Aber jetzt kommt’s: Das ist weder das Original, noch ist es komplett. Sechs der zwölf Bilder sind durch Schwarzweißdrucke (oder Fotos) ersetzt! In einer rieeesigen Halle huldigt man also einer unvollständigen Kopie? Das fand ich so eigenartig, dass ich nur noch in die Luft gestarrt habe, was sich an einer Stelle aber durchaus lohnt:

Gemäldegalerie

Die Mario-Testino-Ausstellung im gleichen Gebäude hat aber einiges wieder rausgerissen. Supertolle Fotos von schönen Menschen.

Mario Testino

An das Kupferstichkabinett habe ich praktisch keine Erinnerung mehr. Viel scheine ich nicht verpasst zu haben. Sehr lohnenswert fand ich dahingegen das Kunstgewerbemuseum ein paar Schritte weiter. Das lag wohl daran, dass ich mir darunter nicht viel vorstellen konnte und so auch nicht viel erwartet habe. Aber dort hat es neben allerlei Klamotten auch hübsch gestaltete Gebrauchsgegenstände und Möbel. Da findet man dann Klassiker, die man auch auf die Torstraße sich auch selbst in die Bude stellen kann:

Eames

Am Ende war ich immer gut mit so was wie Meta-Kunst beschäftigt. Kunst im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten hübsch in Szene zusetzen und zu fotografieren. Zum Beispiel, wenn die Neue Nationalgalerie als Konzerthalle genutzt wird, was ich herausragend fand!

Kraftwerk

Am Ende der Jahreskarte stellte ich dann aber fest, dass mir Fotoausstellungen besonders gern anschaue. Darum habe ich mich über die Freikarten zum diesjährigen Geburtstag für’s c/o-Berlin gefreut. Gefällt mir gut dort am neuen Platz im Amerikahaus!  Dort war ich bestimmt nicht das letzte Mal.

c/o Berlin

Wie ich Facebook benutze

Facebook ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab dort etliche interessante Leute kennengelernt, alte Bekannte wiedergefunden und jeden Tag gibt es ein Füllhorn interessanter Links. Natürlich auch jede Menge Schrott, aber mit der richtigen Auswahl an Personen halten sich Katzenbildchen und Spieleeinladungen in Grenzen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal eine solche Einladung bekommen habe.

Nun ist Facebook aber, was viele nicht wahrhaben wollen, keine Wohlfahrtsorganisation, sondern ein (derzeit gut) florierendes Wirtschaftsunternehmen. Die wollen dort Geld machen. Punkt. Das ist nichts Verwerfliches. Ich gehe auch jeden Wochentag mit keinem anderen Ansinnen ins Büro. (Die Welt verbessern zu wollen, habe ich mir abgeschminkt. Rechnungen schreiben ist besser für die Rente).

Nun hat Facebook „Allgemeine Geschäftsbedingungen“, meistens fälschlicherweise AGB’s genannt. Und nein. Man kann sich dagegen nicht durch das Posten eines „Ich widerspreche bla“-Bildchens zur Wehr setzen, sondern nur durch Löschen des eigenen Accounts. Friss oder stirb. That’s it.

Also muss man sich arrangieren. Facebook möchte uns möglichst gut durchleuchten, um im rechten Moment die passende Werbung einzublenden. Es werden also alle möglichen Wege verfolgt, die wir auf Facebook und überhaupt im Internet gehen. Von wo wir auf Facebook kommen, was wir dort anklicken, in welche Richtung wir Facebook verlassen und so weiter. Sobald der Facebook-Button auf einer Seite auftaucht, schauen Mark Zuckerberg und seine Knechte uns über die Schulter.

Was mache ich nun:

Erstens: Desktop/Notebook

Ich verwende Facebook in einem eigenen Browser. Der hat Facebook als Startseite. Alle möglichen Seiten im Netz surfe ich z. B. mit Chrome an (auch schon ein Fehler, ich weiß). Nur für Facebook verwende ich z. B. Safari oder Firefox (hängt davon ab, ob ich mit einem Mac oder ner Windose unterwegs bin). In allen Browsern habe ich einen Adblocker und Ghostery installiert. Ghostery verhindert weitgehend das Tracking. Also das Sammeln und Zurückfunken von Metadaten, die Informationen über unser Surfverhalten geben. Irgendwelcher Statistikkram und so. Jedenfalls ist es immer wieder interessant, wie viele Unternehmen z. B. bei eine Nachrichtenseite wie Sueddeutsche.de und so. Die bleiben damit erst mal größtenteils außen vor. Die Werbung auf Facebook „Die dicksten Dinger in deiner Nachbarschaft“ und so sind derzeit auch noch weg. Ich frage mich, wie lange es dauert, bis dort ein Umgehung gefunden wird. Aber nun.

Taucht in Chrome ein Facebook-Link auf, kopiere ich den eben schnell (Rechtsklick „Adresse des Links kopieren“), füge den in Firefox/Safari ein und mache dort weiter. Das ist lästig, aber nun. Finde ich bei Facebook, also in Safari oder Firefox, einen interessanten Link, der aus der Facebook-Spähre hinausführt, kann ich das genauso machen: Rechtsklick, Link kopieren, in Chrome einfügen und weitersurfen.

Man kann natürlich auch noch das Anlegen von Cookies unterbinden. Dann wird es aber irgendwann schwierig, Seiten anzusurfen. Aber nach einer Sitzung die Cookies automatisch zu löschen, ist nicht schlecht. Muss man sich halt jedes Mal neu anmelden.

Zweitens: Mobil

Ich habe ein iPhone. Darauf ist zwar auch die Facebook-App installiert, die brauche ich aber nur in Ausnahmefällen. Ansonsten verwende ich einen anderen Browser, in meinem Fall den Adblocker Browser. Der stellt z. B. im Vergleich zu Opera die Facebook-Seite besser dar. (Allerdings ist der Vergleich schon etwas älter. Kann sein, dass das inzwischen besser aussieht.) Während die Facebook-App ziemlich sicher auch im geschlossenen Zustand nach Hause telefoniert, macht der Adblocker-Browser das (wohl) nicht. Man kann natürlich auch die Apps richtig „abschießen“ (Doppelklick auf Homebutton und nach oben rausschieben).

Kann sein, dass das alles etwas paranoid ist. Aber schaden kann’s wohl nicht.

Fundamental-Blogger

Manchmal scheine ich ja Fundamentalist zu sein. Jedenfalls, was das Bloggen betrifft, also ein Weblog zu führen, ein digitales Tagebuch, in dem man seine Gedanken niederschreibt, die dann auch andere lesen können. Ob das nun besonders viele Leute lesen, oder nicht: Mir egal. Man liest auch mehr darüber, wie wichtig es ist, „erfolgreich“ (= mit monetärem Zuwachs) zu bloggen, als wie unwichtig es ist, Relevanz zu haben.

Ich finde es absolut ok und sehr anregend, dass es ganz viele Leute gibt, die z. B. Techniknachrichten ins Netz stellen. Oder über neue Musik schreiben. Oder über die fresheste Mode. Aber Bloggen in dem Sinn, wie ich das verstehe, ist das nicht. Darum gibt es m. E. auch immer wieder diese elende Diskussion, dass einige Blogger angefeindet werden, wenn sie mit Ihrem Schaffen Geld verdienen, sei es über Werbung oder für bezahltes Bloggen. Das liegt eben daran, dass viele das Bloggen offenbar noch so verstehen wie ich. Ich stelle aber klar: Auf diese Art sein Geld zu verdienen, ist genauso ehrenvoll wie als Oberarzt oder Straßenfeger.

Nur „Bloggen“ ist das eben nicht. Es ist kurztaktiges Online-Publizieren, häufig subjektiv gefärbt, eine zweifellos gewollte Attitude. Eigentlich wichtig, einen neuen Begriff dafür zu finden. Aber dafür ist es wohl zu spät. Jedenfalls, die „echten“ Blogger als „Journalizer“ zu bezeichnen, wie ich darüber mal fantasiert hatte, hat sich ja nun auch nicht durchgesetzt. (Was Wunder.)

Angeregt zu diesem Beitrag wurde ich hierdurch und dadurch.