Beitrags-Archiv für die Kategory 'Draußen nur Kännchen'

Coronisch unterbelichtet #8 – juristisch fragwürdige Genesung

Dienstag, 15. März 2022 8:01

Es zieht sich, kann ich nur sagen.

Die eigentliche Infektion war nach ca. 10 Tagen oder so überwunden. Aber die belegte Stimme will nicht besser werden, außerdem sind Rachen und Nase immer noch ziemlich verschleimt. Auszuhalten, aber unangenehm, nervt, und es ist so recht keine wirklich positive Entwicklung zu spüren. Ok, das ging mir nach einer heftigen Erkältung, vielleicht war es ja auch eine richtige Grippe, schon mal so. Aber diesmal schwingt die Befürchtung mit, es könne was zurückbleiben. Long Covid, ick hör dir trappsen. Dass ich relativ viel sprechen muss (berufliche Diktate) und auch wieder ein bisschen singe, ist der Stimme auch nicht zuträglich. Nutzt aber nix.

Ich hatte fünf Tage nach dem positiven Antigen-Test dann doch noch einen PCR-Test gemacht, weil ich dachte, so eine Genesenenbescheinigung, die ich ja nicht bekomme, wenn ich nicht amtlich „positiv“ war, könne vielleicht irgendwann mal hilfreich sein. Jedenfalls hatte ich meinen PCR-Test per Mail beim Gesundheitsamt eingereicht. Postwendend kam dann eine Art Eingangsbestätigung mit allerlei Informationen und das war es dann. Nach zwei Wochen hab ich dann mal nachgefragt, wie es denn mit einer Genesenenbescheinigung so aussieht. Wieder kam eine automatische Antwort. Darin war dann Folgendes zu lesen:

Genesenennachweis

Das Gesundheitsamt Lichtenberg stellt nach mehreren gerichtlichen Verfahren und Beschlüssen aufgrund von zu unsicherer rechtlicher Situation seit dem 16.02.2022 keine „Genesenennachweise“ mehr aus. Die Ausstellung eines Covid-19-Genesenen-Zertifikats ist gem. § 22 Abs. 6 des Infektionsschutzgesetzes – IfSG durch die zur Durchführung oder Überwachung der Testung berechtigte Person oder nachträglich von jedem Arzt oder Apotheker vorzunehmen. Zu aktuellen Informationen zu Gültigkeit und Laufzeit des Zertifikats informieren Sie sich bitte bei den oben genannten Stellen.

Da frag ich mich ja wirklich, weswegen die Rechtssicherheit beim Arzt oder der Apotheke eher gewährleistet sein soll als bei einer Behörde. Ok. Die Gesundheitsämter sind alle überfordert. Aber das sieht mir doch arg nach Abschieben der Verantwortung aus. Ein Armutszeugnis. Naja. Ich bin in die nächste Apotheke gestolpert, habe mein ausgedrucktes Test-Ergebnis vorgezeigt und umgehend einen Zettel mit QR-Code bekommen. Danach bin ich 28 Tage nach dem positiven PCR-Test offiziell genesen. Ich dachte, das ging schneller. Aber evtl. habe ich da auch einfach eine Menge durcheinander gebracht mit Isolation, Quarantäne und was es da noch alles gibt.

So. Und jetzt gebe ich mich wieder meinem Röllchen Gelo Revoice hin.

 

Nachtrag:

Gerade kam vom Gesundheitsamt doch noch eine Bescheinigung. Jetzt weiß ich wenigstens, von wann bis wann ich mich isolieren musste: Bis vor 11 Tagen. 😉

 

 

 

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Coronisch unterbelichtet #7 – Jetzt hat es mich erwischt

Freitag, 25. Februar 2022 13:11

Letzten Samstag (Sonnabend, wie man in Berlin sagt) war ein Bandkumpel bei mir. Wir wollten ein paar Aufnahmen machen. Er hat sich vorher getestet, war negativ, meinte aber, er hat ein Kratzen im Hals. Da meine Mitbewohnerin und ich auch kürzlich eine bei ihr stärkere bei mir nur als Schnupfen erkennbare Erkältung hatten, hab ich mit den Schultern gezuckt, und wir haben losgelegt.

Am Montag sagte er dann, er habe sich gerade positiv getestet. Ich hab auch gleich einen Test gemacht: Negativ. Dienstag merkte ich dann auch diverse Symptome. Wobei, das stimmt eigentlich nicht, da mir, wenn ich es richtig überlegte, schon am Montag die Schultern im Bereich der Schlüsselbeine eigenartig weh taten, wie ich es bislang nicht kannte. Erst piekste es links, dann auf beiden Seiten, dann rechts. Sind das auch Symptome? Als nächstes kratzte der Hals. Von 36,5°C ging das Fieber am Dienstag ruckzuck bis auf 39.1° hoch, am nächsten Tag war es auch noch mal so um 39°C. Ich warf immer mal eine Ibupofen ein (max. 1,5 am Tag), was sich sehr gut auf das Fieber und das allgemeine Befinden auswirkte. Immer wieder geil das Zeug. Mittwoch lief mir vor allem die Nase bei rund 38°C Fieber. Laufende Nase ist bei mir eh typisch. Dafür habe ich – Gott sei Dank – weniger Stress mit Husten, im Gegensatz zu meiner Mitbewohnerin. Die war dann am Mittwoch positiv und röchelt mir mit ihren etwa gleichen Symptomen gut einen Tag hinterher. Kopfschmerzen hatte ich auch, hielten sich aber in Grenzen. Nachts bekam ich regelmäßig Halsschmerzen und schwitzte, was beides unangenehm war. Außerdem war mir mal zu kalt, mal zu warm, kalte Füße, heiße Füße, schwitzige kalte Füße und so weiter. Insgesamt fühlt sich das alles wie eine heftige Erkältung an.

Nicht geschafft habe ich, einen PCR-Test zu bekommen. Ich hatte ein nahe gelegenes „Testzentrum“ – trotz 39 Fieber – aufgesucht, das lt. Angabe im Internet auch gleich einen PCR-Test machen kann. Ich hatte zwar einen Termin, aber erst war keiner da, dann eine weitere Kundin, dann eine junge Frau, die aber eigentlich gar keine Schicht hatte, uns da aber rumlungern sah und mich dann auch getestet hat. Auf die Frage – als ich positiv – war, ob wir dann auch bitte einen PCR-Test machen könnten, sagte sie, das ginge nicht. Das stünde falsch im Internet. Andere Kunden hätten das auch schon angemerkt. Na super. Die Suche nach einem weiteren Testzentrum ergab dann, dass man da nur auftauchen solle, wenn man kein Symptome habe. Nochmal na super. Ich hab es dann aufgegeben und mich nur bei der Hausärztin kurz gemeldet. Die wollte mich überraschenderweise auch nicht sehen. Dann bekomme ich wohl keine Genesenenbescheinigung. Aber mich mit hohem Fieber noch weiter diesem staatlich verzapften Chaos hinzugeben? Ne, lass mal. Ich kann mich auch ohne Zettel verantwortungsvoll verhalten und igele mich eben bis Ende nächster Woche ein. Kein Problem für uns. Bringdienst lass gehen.

Vor rund fünf Wochen meinte die WHO, dass sich bis Mitte März die Hälfte der europäischen Bevölkerung mit Corona infiziert haben würde. Genau deswegen sah ich mich darin bekräftigt, dass die Frage nicht ist, ob, sondern wann man sich infiziert. Gerade im Moment höre ich aus allen Ecken, dass sich sagenhaft viele nahe und entfernte Bekannte und Verwandte infiziert haben oder gerade genesen sind. Wir haben es jetzt (erst mal?) hinter uns, und das ist auch gut so. Wenn man sich nicht komplett dauerhaft isoliert, kann man dem Virus nicht entrinnen. Davon bin ich überzeugt. Be prepared! Jedenfalls freue ich mich jetzt, wenn ich dann demnächst alle und jeden abknutschen und jedes Geländer ablecken kann. 😉

Insgesamt bin ich froh, dass wir alle Impfmöglichkeiten so schnell, wie es geht, wahrgenommen haben. So ist die Infektion für uns zu ertragen, und, Stand jetzt, werden wir zwar für ein paar Tage bei der Arbeit ausfallen, aber dem Gesundheitssystem nicht zur Last fallen, im Gegensatz zu diesen ganzen egoistischen CoronaleugnerInnen und ImpfgegnerInnen, die eben eine weitere Belastung des Gesundheitssystems mit ihrem Verhalten provozieren. Man kann natürlich mit geschlossenen Augen ein Messer hochwerfen und es am Griff wieder auffangen wollen. Das kann aber auch mit abben Fingern oder noch schlimmer enden. Mit Impfung hat man die Augen nicht verbunden und das Messer ist stumpf. Kann auch schiefgehen, ist aber wesentlich unwahrscheinlicher.

Es ist ganz schlicht eine asoziale Einstellung, zu meinen, es sei ja wohl immer noch die Entscheidung jeder/s Einzelnen, sich impfen zu lassen (solange man geimpft werden kann) oder eben nicht. Nein, ist es nicht, solange man Teil einer Gesellschaft ist und auch Rechte in dieser Gesellschaft für sich in Anspruch nimmt. Und das ist eben so, wenn man nicht auf die berühmte einsame Insel auswandert. Solange hat man Verantwortung für sich, aber eben auch seinen Mitmenschen gegenüber, der Gesellschaft nicht unnötig durch eigenes Tun oder Unterlassen zur Last zu fallen, genauso, wie man seinen Müll in die Mülltonne stopft und nicht einfach aus dem Fenster wirft. Kannste schon so machen, ist dann aber scheiße.

 

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Disclosure (eng) = Disclaimer (deu)

Samstag, 20. November 2021 10:54

Was ich schon seit einigen Jahren vermute,

dürfte nun wohl offiziell sein, wenn das „amtliche“ Berlin-Portal , aber vor allem sogar das über jeden Zweifel erhabene Online-Magazin „Übermedien“ das kleine Wörtchen „Disclaimer“, das auf Englisch „Haftungsausschluss, Dementi“ bedeutet, mit der Definition des Wortes „disclosure“ = „Offenlegung“ verwendet. Mit meinen jämmerlichen Restbeständen des in grauer Vorzeit erworbenen kleinen Latinums kann ich mir sogar irgendwie zusammenreimen, warum „dis“ und „closure“ das Gegenteil von geschlossen (halten) bedeutet. Vielleicht ist es aber auch griechisch. Was weiß ich. Ich will mal nicht zu viel klugscheißen. Bei sprachlichen Sachen befinde ich mich da auf dünnem Eis.

 

Btw.: Der Duden weiß noch nichts davon:

🙂

 

 

 

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Coronisch unterbelichtet #6 – Die Tyrannei der Ungeimpften

Mittwoch, 10. November 2021 8:02

So hat es der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery auf den Punkt gebracht. Der WDR meint, dass der Umgangston eskaliere.

Stimmt: Alle, die bis jetzt ungeimpft sind, aber sich impfen lassen könnten, sind egoistische Arschlöcher.

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Coronisch unterbelichtet #4 – Zahlungsziel 2 Monate

Samstag, 9. Januar 2021 18:08

Erst riefen sie an, jetzt schicken sie Mails. Das ist für eine deutsche Behörde schon recht erstaunlich. Gemeldet haben sich mehrfach Berechnungsstellen von Gerichten, wir sollen doch bitte schön endlich aufhören, Mahnung zu schicken. Am Telefon hieß es dazu, wir wüssten doch schließlich, dass sie im Frühjahr wochenlang nicht gearbeitet haben.

Folgende Mail erreichte uns jetzt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Nachricht.

Der derzeitige Bearbeitungsstand beträgt durchschnittlich 2 MONATE.
Dieser wird regelmäßig aktualisiert und ist unter https://www.berlin.de/gerichte/amtsgericht-tiergarten/das-gericht/besucherinformationen/oeffnungszeiten/#ezds
einsehbar.

Wir bitten von Anfragen zum Bearbeitungsstand bzw. von Mahnungen abzusehen, die in diesem Zeitraum liegen. Die Abarbeitung der Anträge erfolgt chronologisch nach Eingangsdatum in der Berechnungsstelle. Mahnungen führen nicht zu einer bevorzugten Bearbeitung.

Anliegen, die einen bestimmten Sachbearbeitenden betreffen, werden weitergeleitet.

Die Berechnungsstelle ist bemüht, Ihre Anträge schnellstmöglich zu bearbeiten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Berechnungsstelle

Wie ich finde, hab ich darauf ganz gut geantwortet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Problematik ist hier bekannt, gleichwohl können wir auf Zahlungserinnerungen nicht verzichten. Es hat sich in anderen Fällen zugetragen, dass Berechnungsstellen nach späteren Mahnungen behaupteten, nie eine Rechnung von uns bekommen zu haben. Da dann teilweise die Dreimonatsfrist abgelaufen war, hat man uns die Zahlung verwehrt. Deswegen werden wir zukünftig nach rund 7 Wochen mahnen und dabei auch die Rechnung erneut übersenden. Unser Mahnschreiben ist bewusst freundlich gehalten, so dass Sie sich auch nicht angegriffen zu fühlen brauchen. Nichtsdestotrotz sehen wir aufgrund unwägbarer Postlaufzeiten für eine längere Aussetzung der Zahlungserinnerung keinen Raum.

Auch unser Büro sieht sich aufgrund der gegenwärtigen Situation erheblichen Herausforderungen ausgesetzt. Obwohl wir im Frühjahr 2020 mehrere Wochen lang für den überwiegenden Teil unserer erstellten Gutachten gar keinen Zahlungseingang verzeichnen konnten, war es uns stets möglich, die Gehälter aller MitarbeiterInnen rechtzeitig zu zahlen und auch allen anderen Verbindlichkeiten wie Miet-, Internet- und Telefon- sowie Versicherungskosten nachzukommen, um nur ein paar zu nennen. Bei Zahlungszielen von zwei Monaten und mehr nähern wir uns jedoch einem Bereich, der nicht mehr akzeptabel ist. In der Privatwirtschaft würde man da längst über ein Mahnverfahren nachdenken.

Niemand von uns hat die derzeitige Situation gewollt. Wir haben in unserem Büro sehr frühzeitig alles unternommen, unseren Beitrag zu leisten, die Infektionszahlen gering zu halten. Und gleichzeitig sind wir guter Hoffnung, dass wir alle, womit ich Sie einschließe, die Situation erfolgreich meistern werden. Leider jedoch wurde in Gesetzen mit einzuhaltenden Fristen eine solche Situation nicht berücksichtigt.

Mit freundlichen Grüßen

Die sieben Wochen sollen dazu dienen, um ihnen wenigstens ein bisschen Feuer unter dem Hintern zu machen. Im Übrigen räumt sich die Justiz regelmäßig im Gesetzgebungsverfahrens des Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetzes einen „Justizrabatt“ ein. Man sei ja verlässlicher Zahler. Ja meistens, nur dass man dem Staat dauerhaft einen zinslosen Kredit in nicht unerheblicher Höhe gewehrt. Und vom Ärger, den wir mit Berechnungsstellen wegen absoluter Kleinigkeiten haben, will ich gar nicht erst anfangen zu reden: Dass man dort Rechnungen um Beträge kürzt, die geringer sind als das Porto für den Brief, um uns das mitzuteilen, ist nämlich durchaus üblich. Da spielt auch Corona keine Rolle, wo man mal ein bisschen Gas geben könnte.

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Ich bin jetzt „Fernpilot“

Dienstag, 5. Januar 2021 8:26

Eigentlich ist mir der Spaß am Modellfliegen langsam vergangen. Ein Grund mit ist der Regulierungswahn und die Verbotshysterie in Deutschland und Europa. Schuld sind diejenigen, die sich im Supermarkt, Elektronikdiscount oder im ach so bösen Internet eine „Drohne“ kaufen und damit machen, was sie wollen. Allein der Begriff „Drohne“ schon!

„Hast du auch eine Drohne?“
– „Nein, einen Quadrocopter. Und einen Tricopter“
„Und damit spionierst du deine Nachbarn aus?“
– „Nein, da ist nicht mal ne Kamera dran.“
„Hä?“

Ich kann es echt nicht mehr hören.

In Deutschland wurde vor gar nicht langer Zeit ein „Kenntnisnachweis“ auf den Weg gebracht, doch der ist nun schon wieder überholt, weil es jetzt einen – immerhin anscheinend europaweit gültigen – neuen Nachweis gibt, der mit einer Registrierungspflicht verbunden ist. Richtig: Wenn man zukünftig ein Modellflugzeug oder eben eine „Drohne“ (Sammelbegriff UAS – Unmanned Aircraft System) fliegen lassen will, muss man registriert sein. Mit Name, Adresse, Versicherung, einer ID und so weiter.  Und das soll jetzt dagegen helfen, dass irgendwelche Hirnis ihre Aldi-Drohne im Park auspacken und lustig fliegen, wo sie wollen? Wer das glaubt, glaubt auch an die Wirksamkeit von „Anlieger frei“-Schilder.

Und so sieht es aus, das „Jodeldiplom“. (Da hab ich jetzt was Eigenes):

Nachdem ich also den (zugegebenermaßen für die meisten meiner Modelle nicht zwingenden) Kenntnisnachweis vor etwa 2 Jahren absolvierte, habe ich nun den Online-Kurs samt Prüfung auf der Seite des Luftfahrtbundesamts durchgeklickt. Die Fragen sind überwiegend ok. Man muss den Stoff erstmal trainieren, bevor man sich zur Prüfung anmelden kann. Das habe ich ein paar Mal gemacht. Wenn die Seite dann mal nicht mit einem schwerwiegenden Fehler ausstieg, kamen bei allen Durchläufen ähnliche Fragen. In der Prüfung kam dann aber auch ganz anderer Stoff dran. Naja, man kann ja googeln. Es geht ja auch vorrangig darum, sich mal mit den Regeln auseinandergesetzt zu haben (ich behalte eh nur das Wichtigste). Ich kann eigentlich auch nichts dagegen einwenden, dass alle, die sich mit Modellfliegerei beschäftigen, sich das mal ansehen. Es kostet nicht mal was.

Nur gerade diejenigen, die es besonders nötig haben, kümmern sich doch einen Dreck um solche Vorschriften und werden weiter über Menschenansammlungen, in Parks oder über viel befahrenen Straßen und sonstigen Hotspots fliegen, wo einem eigentlich schon die Vernunft sagt, dass man es dort besser seinlässt. Und so ist es jetzt schon absehbar, dass es in ein paar Jahren heißen wird, dass die Maßnahmen verschärft werden müssen. Ja genau. Damit diejenigen, die einfach ihr Hobby ausüben wollen und das immer schon umweltverträglich getan haben, weiter drangsaliert werden. Ich warte auf den Tag, wo auch an einem Fußball – oft auch ein Flugobjekt, das ja jemandem an den Kopf fliegen oder eine Fensterscheibe zerschmettern könnte – eine feuerfeste Plakette mit Name, Anschrift und europäischer Registrierungs-ID angebracht werden muss, um den Nachwuchs-Stürmer dingfest machen zu können. Aber ach ne: Fußball ist ja systemrelevant.

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Coronisch unterbelichtet #3 – Ich hab geahnt, wer die Zeche zahlt

Mittwoch, 28. Oktober 2020 11:04

Öffentliche Auftraggeber zahlen immer. Fragt sich nur wann und in welcher Höhe.

Derzeit haben wir mal wieder Stress mit der Berechnungsstelle. Sie kürzen uns die Bezahlung von Wegezeiten, obwohl das längst gerichtlich geklärt ist. Ich schicke den Gerichtsbeschluss per Mail und bekomme folgende automatische Antwort:

Der derzeitige Bearbeitungsstand beträgt durchschnittlich 2 MONATE.
Dieser wird regelmäßig aktualisiert und ist unter https://www.berlin.de/gerichte/amtsgericht-tiergarten/das-gericht/besucherinformationen/oeffnungszeiten/#ezds einsehbar.

Wir bitten von Anfragen zum Bearbeitungsstand bzw. von Mahnungen abzusehen, die in diesem Zeitraum liegen. Die Abarbeitung der Anträge erfolgt chronologisch nach Eingangsdatum in der Berechnungsstelle. Mahnungen führen nicht zu einer bevorzugten Bearbeitung.

2 Monate will man sich also Zeit für die Bearbeitung lassen. Wenn unsereins innerhalb von 3 Monaten seine berechtigten Ansprüche nicht geltend macht, bekommt man übrigens gar nichts. Merkwürdigerweise behaupten Gerichte neuerdings öfter, dass Rechnungen nicht angekommen sind. Wenn man dann erst nach 2 Monaten ne Mahnung rausschickt, kann das schon mal eng werden.  Danke für nichts.

Gleichzeitig erreicht mich heute die Nachricht, dass die seit fast 8 Jahren eingefrorenen Stundensätze nicht wie bislang geplant zum 1.1.2021 angehoben werden, sondern wegen der Steuerausfälle und Mehrausgaben um weitere zwei Jahre aufgeschoben werden könnten.

Die Haushalte der Länder müssen durch die Covid-19-Pandemie sowohl hohe Steuerausfälle bei den Steuereinnahmen als auch enorme Mehrausgaben zur Bekämpfung der Pandemie verkraften. Vor diesem Hintergrund ist es aktuell nicht vertretbar, für einzelne Berufsgruppen erhebliche Vergütungsverbesserungen herbeizuführen, deren Finanzierung sowohl die Länderhaushalte als auch die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft erheblich belasten. Im Hinblick darauf sollte Artikel 11 des Gesetzesentwurfes dahingehend geändert werden, dass das Gesetz vollumfänglich erst zum 1. Januar 2023 in Kraft tritt.

Da lacht das Selbstständigen-Herz. Nicht. Immerhin hat es vor 2013 fast 20 Jahre gedauert, bis die Stundensätze angehoben wurden. Da sind wir noch gut dran.

Und uns geht es ja auch blendend im Vergleich zur Veranstaltungsbranche, Kneipen, Clubs etc. Das vergesse ich nicht. Das sind die, die wirklich die Zeche zahlen. Ich jammere nur auf hohem Niveau.

Nachtrag:

Und weil es so schön ist, habe ich auch noch ein Schreiben auf dem Tisch, wonach ein Gericht den Zeitpunkt der erbrachten Leistung eines am 30.6. fertiggestellten und verschickten Gutachtens auf den 6.7. legt (Eintreffen bei Gericht) und damit die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 % kürzt. Da das ein durchlaufender Posten für uns ist, ist uns das eigentlich vollkommen egal. Es macht nur Arbeit, das hin- und herzubuchen. Wie wir allerdings wissen sollen, wie lange ein Gutachten unterwegs ist und wann es bei Gericht eintrifft, erschließt sich mir nicht. Interessant wird das noch mal für den Jahreswechsel, wenn die Mehrwertsteuer wieder auf 19 % zurückgedreht wird.

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Eine Frage zur Gleichbehandlung

Samstag, 17. Oktober 2020 16:25

Auf Twitter hab ich mir neulich mal wieder eine blutige Nase geholt. Worum es genau ging, weiß ich schon gar nicht mehr. Ach ja, doch: Angeblich haben nur Frauen das Recht, eine Meinung zu Abtreibung haben zu dürfen. Ich habe aber auch eine Meinung dazu (Frauen sollten selbst entscheiden dürfen). Die darf ich aber nicht haben, weil ich nicht gebärfähig bin (Dass nicht alle Frauen gebärfähig sind, spielte wiederum keine Rolle. Man darf als Mann darauf dann auch nicht aufmerksam machen). Naja. Das lief insgesamt eher unglücklich.

Ich habe die Tweets gelöscht. Das war von Anfang an mein Plan, wenn die Diskussion aus dem Ruder läuft, womit ich zu 90% gerechnet habe. Das ist immer so, wenn sich selbsternannte Gerechtigkeitsdurchsetzungsbeauftragte einschalten, insbesondere solche mit dem Hang zum Missverstehenwollen, der Twitter ja seit einigen Jahren anlastet.

Jetzt gibt es da wieder so einen Vorfall. Außer in meiner Echokammer weiß ich nicht, wo ich darüber schreiben soll. Da, wo es hingehört, nämlich in die ständige Redaktionskonferenz des Techniktagebuchs, traue ich mich nicht, es zu schreiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass das nicht gut geht, liegt erfahrungsgemäß auch dort deutlich über 50%. Also, bleibt mir nur, es in meinem ureigenen Blog zu schreiben. Hier bin ich Herr und Hausmeister in einer Person.

Also, worum geht’s:

Es gibt von Kathrin Passig einen jüngst erschienen Beitrag im Techniktagebuch:

Das Michael-Rutschky-Gedenk-Multitool

(Übrigens, Michael Rutschky scheint auch eine bemerkenswerte Person gewesen zu sein, das nur nebenbei, siehe hier. Die in dem Artikel beschriebenen Mechanismen sind auch auf andere Kreise übertragbar und waren für mich in vielerlei Hinsicht sehr aufschlussreich. Darum geht es jetzt aber nicht.)

In dem Beitrag von Kathrin Passig im Techniktagebuch kommt folgender Satz vor:

„Männerkörper sind nämlich im richtigen Leben gar nicht wie der von John Wick.“

Ich habe mit dem Satz kein Problem. Er dürfte wohl absolut zutreffen. Was ich mich aber frage, ist, was passieren würde, wenn ich in einem Beitrag ungefähr folgenden Satz schrübe:

„Frauenkörper sind nämlich im richtigen Leben gar nicht wie der von Lara Croft.“

Ich vermute, da würde aber ein ordentliches Getöse aus absehbarer Richtung kommen. Vielleicht sogar zu recht. Aber kann dann Kathrins Satz unkommentiert so stehen bleiben?

Auf Twitter wurde mir nicht mal zugestanden, bei ähnlichen Problemen naiv oder unsicher sein zu dürfen. Nicht, nicht wissen zu dürfen, was angemessen ist. Ob es derzeit zumindest in Ordnung ist, Männer eher zu schelten als Frauen, weil sich das Rad jetzt mal andersrum dreht als in den letzten paar hundert Jahren? Vielleicht ist das ja richtig so. Unter Gleichbehandlung könnte man das zwar nicht subsumieren, aber vielleicht muss man es der versammelten Männerschaft eben erst mal einbimsen, damit sie lernt, wie sie sich zu verhalten hat.

Ich nehmen an, ich werde keine Antwort auf die Frage bekommen, die in sich nicht irgendeinen tadelnden Unterton hat, eine Kränkung oder eine Maßregelung. Damit werde ich dann wohl leben müssen. Ich finde den Satz übrigens überflüssig und nicht besonders witzig.

 

 

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Mann macht ja quasi alles falsch

Dienstag, 28. Juli 2020 8:21

Ein ganzes Leben lang begeht man einen Fehler nach dem anderen. Im Grunde beginnt es mit der Zeugung. Da hab ich schon das falsche Geschlecht gewählt.

Hier heißt es:

„K: Ich war auch überrascht, als ich im Techniktagebuch-Redaktionschat erwähnt habe, dass ich 2019 versucht habe, zum Ausgleich für die Jahre davor möglichst viele Bücher von Frauen zu lesen. Es gab gleich so unbehagliche und kritische Kommentare von Männern: „Also, ich lese Bücher, ohne drauf zu achten, ob die von Männern oder von Frauen sind!“

H: Und zufällig sind die Bücher dann alle von Männern.

K: Genau, so ist es. Also nicht alle, aber drei Viertel oder so. Ich versteh auch diese latente Aggression, die dann aufkommt. Das ist gar nicht frauenthemenspezifisch. Das gilt für jedes Thema, wo man jemandem den Eindruck vermittelt, dass er in seinem Leben was falsch macht.“

Ich bin einer der gemeinten „Ers“ (Erst hab ich ob meiner Einfalt gar nicht gemerkt, dass dort nicht „er oder sie“ steht. Nur Männer machen was falsch). Ich mache in meinem Leben etwas falsch, weil ich nicht darauf achte, ob ein Buch dieser Schundliteratur, wie ich sie lese, von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde. Bis das im Techniktagebuch-Chat thematisiert wurde, hab ich tatsächlich nicht mal darauf geachtet, welches Geschlecht den jeweiligen Weltraumroman geschrieben hat. Ich erinnere mich an einen Text zum Making of in einem Buch aus dem „erweiterten StarWars-Universum“, von denen ich über 60 gelesen habe, wo ziemlich ausführlich beschrieben wurde, wer in welchem Redaktionsteam saß, wie es mit wem zur Zusammenarbeit mit Lucas Film kam und so weiter. Daran waren viele Frauen und Männer beteiligt. Ich habe zu keinem Zeitpunkt darüber bewusst nachgedacht, ach guck, an dieser Position sitzt eine Frau, das da macht ein Mann. Das kann man natürlich beteuern, wie man will. Die Deutungshoheit des Wahrheitsgehalts, was Männer behaupten, obliegt anscheinend vorrangig Frauen. Aber es ist ja noch viel schlimmer: Es wird nicht nur als unwahr abgekanzelt, sondern einem sogar noch als Fehler ausgelegt. Nein. Es ist kein Fehler. Es ist keine Absicht. Es ist einfach so passiert. Und vielleicht ist es auch einfach so, dass mir Bücher von Männern besser gefallen, weil sie mehr zu mich interessierenden Themen schreiben und den von mir favorisierten Duktus besser drauf haben. Was weiß ich denn? Gerade lese ich das Buch einer Frau. Ich finde es nicht so gut. Aber das ist doch überhaupt kein Grund, gleich danach nicht wieder das Buch einer Frau zu lesen, einer anderen eben.

Man macht auch unbewusst so vieles falsch. Nicht verstanden habe ich nämlich, wofür es eigentlich wichtig ist, ob nun ein Mann oder eine Frau die Geschichte ersonnen hat, an der ich hoffentlich bei der Lektüre Spaß habe. Ich achte ja auch nicht beim Einsteigen in einen Omnibus darauf, dass abwechselnd ein Mann und dann eine Frau am Steuer sitzt. Und das nicht zu tun, ist also falsch. Ich frage mich, ob man erst mal in Erfahrung bringen muss, ob überhaupt gleich viele Bücher, die mich ansprechen könnten, von Männern und Frauen geschrieben wurden, oder ob es genauso viele Busfahrerinnen wie Busfahrer gibt, und ob ich nicht nach dieser Quote Bücher und Busse auswählen müsste. Ich frage mich auch seit langem, ob das Geschlecht außer bei der Fortpflanzung wirklich ein so dermaßen wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, zudem es so oft gemacht wird. Ein anderes großes Unterscheidungsmerkmal wie die Hautfarbe ist doch auch egal. Wenn ich dort nicht auf das Unterscheidungsmerkmal achte, ist das gut. Achtet man aber bei der Zusammensetzung im Grunde beliebiger Gruppen nicht auf die Geschlechterparität, ist das schlecht. Das heißt nicht, dass sich Männer allein über Themen unterhalten sollten, die Frauen betreffen. Aber es kann bedeuten, dass es auch einfach mal nur Männer oder nur Frauen sein dürfen, die sich über Themen auslassen, bei denen das Geschlecht keine Rolle spielt, Modelleisenbahnen oder Stricken z. B.

Leichtfertig wird einem jede Chance genommen, das Gefühl haben zu dürfen, dass die eigene Äußerung nur wenigstens mal kurz als wahr unterstellt wird.  Ah, du weinerlicher alter Sack, werden jetzt einige denken. Auf Twitter bekommt man es auch direkt um die Ohren gehauen. Genau das meine ich. Dass man auch Dinge nicht sagen darf, weil man ja zur  Zielgruppe gehört. Ich halte es nicht für eine gute Idee, die – zweifellos falsche – traditionelle, anerzogene (womit ich mich natürlich herausreden will …) Frauenfeindlichkeit gegen Männerhass zu tauschen, wie es aus meiner Sicht z. B. in unkomischer Weise in diesem  Twitter-Account passiert. Man kann so einen Account zwar einfach mit „Satire“ etikettieren. Aber verletzend ist es eben doch, weil man als Mann nun mal mitgemeint ist. Vor allem die Reaktionen der Leserinnen, die die Beiträge abfeiern, zeigen den tiefsitzenden Hass auf Männer.  Als „Typ“ hat man jedes Recht verwirkt, sowas nicht gut zu finden, weil man es ja nur deswegen nicht gut findet, weil man zu dem einen Großteil der Menschheit gehört, der jahrtausendelang den anderen Großteil nicht in gleichem Maße respektiert hat. Der Lernprozess ist leider nicht mit einem Fingerschnippen erledigt. Ich hab Zweifel, dass es ein gutes Konzept ist, gleiches mit gleichem zu vergelten. Gerade ansonsten sehr reflektiert argumentierende Personen legen plötzlich jede Sorgfalt ab und verallgemeinern, bis sie die halbe Menschheit erfasst haben. Es ist eigentlich kaum zu glauben, wenn es nicht in rascher Folge zu beobachten wäre.

Es ist gerade – wegen rechtsextremer, faschistischer politischer Ansichten – en vogue, über Menschen herzuziehen, die lautstark „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass …“ parlieren. Tatsächlich findet entweder ein Rückzug in Echokammern statt, wie ich ihn selbst gerade erlebe, oder eine Selbstzensur auch bei Themen, von denen man glaubt, doch gar keine radikale oder extreme Auffassung zu vertreten, allenfalls eine vielleicht mal angestaubte oder unmoderne, nicht ganz dem Konsens entsprechende Meinung. Das werden AfD-Wähler auch denken. Aber zu dieser Art Mensch gehöre ich doch nicht, oder? Oder doch? Unklar. Es wäre an dieser Stelle zum Beispiel unangebracht, bestimmten Frauen vorzuwerfen, dass sie bei ihrem Verhalten froh sein sollen, nicht als Mann zur Welt gekommen zu sein. Und doch erscheinen ein paar solcher Frauen vor meinem geistigen Auge

Ich kümmere mich jetzt um mein nächstes Buch. Ich hab nachgesehen, was ich sonst nie getan habe. Aber ihr glaubt mir ja nicht. Es ist von einer Frau geschrieben. Und prompt bin ich viel kritischer, kann die paar Seiten meiner drittklassigen Science-Fiction-Kindle-unlimited-Literatur nach Feierabend vor dem Einschlafen nicht mehr so herrlich unreflektiert genießen, wie ich mir das wünschen würde. Danke für nichts.

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Coronisch unterbelichtet #2 – Gerichtstermin

Dienstag, 19. Mai 2020 8:19

Gestern war meine erste Gerichtsverhandlung in der sog. Corona-Krise.

Der Termine war zunächst abgesagt, dann auf einen anderen Tag verlegt worden, schlussendlich wurde auch noch einmal der Saal geändert. Statt wie üblich in der Kirchstraße fand der Termin im Kriminalgericht an der Turmstraße statt.

Auf der Ladung fand ich keinerlei Hinweise auf besondere Verhaltensregeln, nicht einmal, ob im Gerichtsgebäude ein Mundnasenschutz zu tragen ist. Ich entschied mich, eine Maske dabei zu haben, und setzte die dann auch im Gebäude auf, obwohl ich derzeit weder niesen noch husten muss. Ich atme ganz normal so vor mich hin. Von den professionellen Prozessbeteiligten war ich damit derdie Einzige. Es waren auch eine Menge Zeugen geladen. Eine ältere Dame kam mit ihrem Enkel, beide hatten eine Maske auf, ansonsten noch zwei der weniger als zehn Zuschauer, anscheinend von der Presse. Als die Verhandlung aufgerufen wurde, sammelt sich dann auch erst mal eine im Wesentlichen unmaskierte Traube Menschen vor dem Saaleingang. Viele Justizangestellte hatten eine Maske auf, etliche aber auch nicht.

Im Saal waren die Tische etwas auseinandergerückt. Für den Richtertisch gab es anscheinend eine Plexiglasscheibe. Die hatte man aber beiseite gestellt. Es wurde irgendwie versucht, mindestens 1,5 m Abstand zu halten. Das ging auch solange gut, bis ein Zeuge gebeten wurde, etwas an einer Skizze oder auf einem ausgedruckten Foto zu zeigen. Weil ja alle irgendwie sehen sollen, was gezeigt wird, kamen sich dann doch plötzlich alle recht nahe. Geniest oder gehustet hat aber keiner.

Die Verhandlung zog sich sehr in die Länge. Um 9 Uhr war es losgegangen, um 11 meinte der Vorsitzende, mal eine Pause einzulegen und zu lüften. Das geschah dann auch für 10 Minuten oder eine Viertelstunde. Dann ging es weiter. ZeugInnen kamen und gingen, ebenso BesucherInnen. Dann ging es weiter mit der Beweisaufnahme, also Zeugenvernehmung. Ich saß ziemlich abseits fast 3 bis 4 Meter hinter dem Zeugentisch, etwa einen Meter zur Seite versetzt. Wenn die Leute normal redeten, hörte ich nicht viel. Der Raum ist ein alter denkmalgeschützter Saal mit hohen Decken, hölzener Wandverkleidung und sicherlich auch denkmalgeschütztem Linoleumboden. Das hallt wie in einer Kathedrale. Mit einer Akustikdecke und optimalerweise auch noch Teppichboden wäre das alles viel besser. Hoch lebe das (hässliche, stickige, mit Null Handyempfang gesegnete) AG Tiergarten Nebenstelle Kirchstraße. Denkmalschutz geht bekanntlich vor Benutzbarkeit. Und so spitzte ich meine Ohren, versuchte mich auf das Gemurmel zu konzentrieren und war wenigstens angesichts der Akustik froh, dass die Leute nicht auch noch durch eine Maske reden mussten. Dann hätte ich auch gleich nebenbei besser Musik hören können oder so. Ich hätte nichts verstanden.

Nach rund fünf oder fünfeinhalb Stunden war der Spuk nach einer weiteren Pause zur Urteilsfindung zu Ende. Fenster auf, alle raus (zur Tür, nicht zum Fenster).

Wir stellen fest: Alle üben derzeit noch, mit der Situation zurechtzukommen. Nimmt der Richter oder die Richterin die möglichen Infektionsgefahren ernst, leidet darunter die Verhandlungsfähigkeit wegen Unverständlichkeit, vor allem, weil Räume aus heutiger Sicht suboptimal eingerichtet sind. Wird sie nicht ernstgenommen, verursacht zumindest mir der lange Aufenthalt mit „neuen“ Leuten in relativ kleinen Räumen Unbehagen. Ich hätte gerne eine wirksame, aber unauffällige Möglichkeit, mich selbst zu schützen. Das sieht aber wohl schlecht aus. Also gehe ich weiter davon aus, schon immun zu sein, weil ich mir einbilde, bereits im März ganz leichte Symptome gehabt zu haben. Schwacher Trost. Möge es der Wahrheitsfindung dienen.

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest, Draußen nur Kännchen, nich so dolle | Kommentare (0) | Autor: