Beitrags-Archiv für die Kategory 'Das Leben, das Universum und der ganze Rest'

Die Sache mit dem (Prof)x – determin

Donnerstag, 20. November 2014 10:44

[Disclosure: Ich begebe mich hier auf ganz dünnes Eis, weil ich von Sprache, Ethik und Gender Studies wenig bis gar keine Ahnung habe. Ich habe mir halt einfach mal meine Gedanken zu dem Thema für den Alltag gemacht. Als Ingenieur gehe ich das „pragmatisch-konstruktivistisch“ an und konstruiere ein neues Sprachgeschlecht.]

 

Die Sache mit dem x?

Schon falsch. Es geht nicht um die Sache. Um etwas Sächliches, also einen Gegenstand. Es geht um Menschen. Menschen, die sich weder männlich noch weiblich fühlen. Damit sind sie aber keineswegs sächlich oder ein Neutrum. Sondern jemand, für den (an dieser Stelle sieht mein althergebrachtes Sprachgefühl die männliche Form vor, die ich vorab auch gebrauchen möchte, auch wenn es inzwischen überholt sein mag) es derzeit keinen Geschlechtsbegriff gibt. Dabei haben sie aber zweifellos das Recht, nicht in eine der beiden Schubladen gesteckt zu werden. Eine dritte muss her. Das dauert natürlich seine Zeit, bis sich sowas durchsetzt. Vielleicht stellt man irgendwann auch fest, dass man noch mehr Sortiervarianten braucht. Dann ist das eben so. Wer damit ein Problem hat, ist selbst ein Problem.

Die deutsche Sprache ist eh schon kompliziert, da kommt es auf ein Geschlecht mehr oder weniger auch nicht an. Erst mal einen Begriff finden. Ich finde, er sollte mit „in“ enden, um die Zugehörigkeit zu einer geschlechtlichen Personengruppe als Abgrenzung zum Sächlichen zu verdeutlichen. Er sollte nicht mit m, f oder n anfangen, damit man ihn eindeutig abkürzen kann, am besten aber auch nicht w oder s (weiblich, sächlich). Also ein … (*nachdenk*) … „d“. determin (Betonung auf dem „de“ bitte). Das ist insofern auch schön, weil „determine“ im Englischen festlegen bedeutet. Also nix nebulöses, sondern etwas determiniertes, etwas bestimmtes.

Probleme bereitet uns hier als erstes die 3. Person singular: maskulin – feminin – neutral. Die Personalpronomen verteilen sich ja derzeit folgendermaßen in der 3. Person Singular:

m / f / n

Fall

Nominativ  er sie es

Genitiv          seiner ihrer seiner

Dativ             ihm ihr ihm

Akkusativ    seiner ihrer seiner

 

Bei Genitiv, Dativ und Akkusativ machen wir es uns ganz einfach. Maskulin und neutral sind jeweils gleich, als sollen feminin und determin das auch sein. Im Nominativ beginnen die maskuline und neutrale Form mit „e“, also soll die determine Form auch mit „s“ wie die feminine Form beginnen und auch drei Buchstaben haben. Lann Hornscheidt hat in diesem Zusammenhang das „x“ eingeführt. Das kann man gut aufgreifen: six. Bedeutet im englischen „6“, das klingt im deutschen wie „sex“, also drückt es über ein paar gedankliche Umwege etwas (sprach)geschlechtliches aus, ohne für maskulin oder feminin Stellung zu beziehen.

Damit sieht unsere Personalpronomentabelle nun so aus:

m / f / n / d

Fall

Nominativ  er sie es six

Genitiv          seiner ihrer seiner ihrer

Dativ             ihm ihr ihm ihr

Akkusativ    seiner ihrer seiner ihrer

Der Artikel wäre natürlich „dix“. Ansonsten basteln wir das so ähnlich wie oben zusammen:

Nominativ  der die das dix

Genitiv          des der des der

Dativ             dem der dem der

Akkusativ    den die das dix

Für den analogen Begriff zu Mann/Frau schlage ich „Dert“ vor. Der Wortstamm ergibt sich doch ganz gut und es klingt auch nicht doof oder so. Als Analogwort zu „Herren“ und „Damen“ ließe sich mit einigem Nachdenken aber auch etwas finden. Z. B. um dixjenigix, aufzugreifen, durch dix ich auf dieses Thema gestoßen bin: „Lann“ und „Lännix“. Muss aber nicht sein.

Lann Hornscheidt möchte mit Profx bzw. Professx angesprochen werden. Das ist natürlich etwas zungenbrecherisch in der Aussprache und vom Schriftbild arg ungewohnt. Für die Akzeptanz sollte man es den Mitmenschen vielleicht auch nicht zu schwer machen. Es sollte für meinen Geschmack durch einen Vokal ergänzt werden. Professix. Klingt nach Asterix? Ja und? Das ist ja nichts Negatives. Asterix ist ein Kerl? Solche Ähnlichkeiten werden sich wohl nicht vermeiden lassen, und sind ja nun auch in der restlichen deutschen Sprache keine Ausnahme. Man denke nur an die Vornamen Sönke und Wiebke. Viele Wörter enden auf die gleiche Silbe trotz unterschiedlichen Sprachgeschlechts. Immerhin hätte die Endung „ix“ wiederum große Ähnlichkeit mit „meinem“ Personalpronomen „six“. Der Professor, die Professorin, dix Professix. Lann Professix Müller. Kann man doch sagen? Und bei so Begriffen wie „mein“ Professor, „meine“ Professorin bildet man dann eben meinix Professix.

Ungewohnt, kann man aber mal drüber nachdenken.

 

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Zu spät für Unpünktlichkeit

Mittwoch, 12. November 2014 22:43

Er ist so toll, ihr Beitrag. Jeder einzelne Buchstabe in dieser Kombination wie bei @E13Kiki  könnte von mir sein (zumindest inhaltlich).

WIE ICH UNPÜNKTLICHKEIT HASSE!!!

Danke für diesen wichtigen Beitrag, den sich verdammt viele mal bitte schön vor die Stirn tackern sollen!

Jedenfalls ist es nun zu spät für mich, einen Artikel über Unpünktlichkeit zu schreiben. Danke für die ersparte Zeit. 😉

Tolle Uhr

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9. November 1989 – Was für ein Tag!

Donnerstag, 6. November 2014 21:04

Ja. Für ganz viele.

VERDAMMTE AXT. ICH WEIß NICHT MEHR, WAS ICH AM 9.11.1989 GEMACHT HABE!

Ich wohnte tief im Westen, war 19, hatte im Sommer mein Abi gemacht, mich für einen Studiengang eingeschrieben, den ich nicht studieren wollte (lange Geschichte), meine Kumpels zogen weg und studierten das und dort, was und wo sie wollten, oder waren beim Bund. Und ich machte in der Zeit diverse Praktika oder schweißte einen Fiat 500 wieder zusammen.

Ich glaube, ich habe Magnum geguckt. Kam das donnerstags? Ne, dienstags, oder?

ICH WEIß ES NIMMER!!! Mein älterer Bruder nannte mich Higgins mit Spitznamen. Das weiß ich noch.

Nachtrag:

Hier noch der Song, der meine Situation perfekt beschreibt. Die Rodgaus ab ich damals tatsächlich viel gehört.

 

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Die bunte Polizei-Torte

Donnerstag, 30. Oktober 2014 10:04

Kürzlich saß ich in einer Veranstaltung, in der es um polizeiliche Geschwindigkeitsmessverfahren ging: Neue Verfahren und wie sie zugelassen und in Verkehr gebracht werden, Änderungen älterer Verfahren, und wie sie an den neuesten Stand der Technik angepasst werden, Fehlerquellen, Schwachsinnigkeit Unvermögen von Gutachtern und so. Das Übliche. Teilnehmer waren größtenteils Polizei- und Eichbeamte, Vertreter der Hersteller und ein paar versprengte Sachverständige.

Unter anderem erhielt ein Vertreter der Polizei das Wort, um den Anwesenden einmal mehr zu erklären, warum Geschwindigkeitsüberwachung erforderlich ist. Natürlich bemühte er Statistik. Er zeigte ein buntes Tortendiagramm, aus dem klar hervorging, dass „nicht angepasste Geschwindigkeit“ Unfallursache Nummer eins ist.

Polizeitorte

(Quelle)

Das nimmt man ja im Grunde als Binsenweisheit hin. Wenn’s gekracht hat, war höchstwahrscheinlich einer zu schnell. Is‘ ja klar. Andere Gründe sind Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtsverletzung und so weiter. Was einen wie mich schon stutzig macht, ist, warum nicht z. B. auch „Unaufmerksamkeit“ oder „verspätete Reaktion“ als Unfallursache auftaucht. Grund, einmal nachzufragen. Gelegenheit dazu ergab sich nach dem Vortrag.

Tja, meinte er, da würden ja Bremsspuren ausgemessen und die Schäden der Fahrzeuge beurteilt und damit wisse man dann, wie schnell ein Fahrzeug war. Ich war baff. In Hessen werden Unfälle für die Statistik rekonstruiert! Ich meinte, dass wäre ja super da in Hessen. In Berlin würde nicht mal ein Bruchteil der Unfälle rekonstruiert, selbst die mit Toten und Schwerstverletzten kaum. Vor mir drehte sich ein Herr entrüstet um, dass das ja wohl nicht stimmen würde. Es gebe schließlich in Berlin eigens Verkehrsunfallkommandos der Polizeidirektionen, die nichts anderes machen würden, als Unfälle aufzunehmen. Ich sagte, ja, das kenne ich sehr genau, weil ich nämlich, wie auch viele meiner Kollegen zusammen mit den Polizisten auf der Straße rumkriechen würden, um Spuren zu sichern. Ja eben, meinte er. Ja eben nicht, meinte ich. Denn die Spurensicherung ist keine Unfallrekonstruktion. Zunächst würden die Spuren gesichert und dann könne man erst anfangen, den Unfall zu rekonstruieren, und ich wüsste sicher, dass das keine Tätigkeit der Berliner Polizei sei. Der Leiter der Tagung hat die Diskussion dann verständlicherweise abgebrochen, weil sich herausstellte, dass das wohl länger dauern würde. Immerhin schloss sich sowieso gerade an Kaffeepause an, so dass dort das Gespräch vertieft werden konnte.

Der Herr vor mir entpuppte sich als ein Vertreter aus dem Stab des Polizeipräsidenten. Wir haben uns gut und angeregt in der Pause unterhalten, es hat aber dennoch einige Zeit gekostet, ihm die Unterschiede zwischen Unfallaufnahme, Unfallrekonstruktion und Unfallforschung aus Sicht des Profis Unfallanalytikers zu erklären. Immerhin bekam ich aber die Antwort auf meine Frage, woher die Statistik die Unfallursache kennt: Das ist nichts weiter als die völlig subjektive Einschätzung der Polizisten, die den Unfall aufnehmen.

Man darf diesen Polizisten nun keinen Vorwurf machen, wenn sie bei ihrer Einschätzung einen Fehler machen. Woher sollen sie das denn wissen? Das hat mich verblüffenderweise auch der Stabsmann gefragt mit dem Verweis darauf, dass ich ja auch etliche Jahre gebraucht hätte, um Unfälle zu rekonstruieren. Ja, so 5 bis 10 Jahre braucht man, bis man das richtig kann. Und genau darum muss man sich doch fragen, wie der Dienstherr von seinen Mitarbeitern, also von Laien auf dem Gebiet der Unfallrekonstruktion, zum einen diese Einschätzung verlangen kann und zum anderen aber nicht davor zurückschreckt, aus diesem Ratespiel eine Statistik zu zaubern und diese bis auf die zweite Nachkommastelle zu präsentieren. Eine ähnliche Qualität hätte es wohl, wenn man die Mitarbeiter eines Bestattungsinstitut nach der Todesursache ihrer „Kunden“ fragen würde.

 

 

 

 

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Straßenmusik: Perlen vor die Säue

Sonntag, 26. Oktober 2014 11:40

Ich glaube, jeder ist wahrscheinlich schon mal über diesen oder einen ähnlichen Text gestolpert:

An einer U-Bahnhaltestelle in Washington D. C. spielte ein Mann an einem kalten Januar Morgen für 45 Minuten auf seiner Violine sechs Stücke von Bach. Während dieser Zeit benutzen ca. 2000 Menschen diese Haltestelle, die meisten auf dem Weg zur Arbeit.

Nach etwa 3 Minuten bemerkte ein Passant die Musik. Für ein paar Sekunden verlangsamte er seine Schritte, um dann schnell wieder seinen Weg zur Arbeit fortzusetzen.

4 Minuten später erhält der Geiger seinen ersten Dollar. Eine Frau wirft ihm ihren Dollar in den Hut ohne ihr Tempo zu verringern.

Nach etwa 6 Minuten lehnt sich ein junger Mann gegen die Wand um zuzuhören. Dann blickt er auf seine Uhr und setzt seinen Weg fort.

10 Minuten später bleibt ein etwa 3jähriger Junge stehen, aber seine Mutter zieht ihn sofort. Das Kind bleibt erneut stehen, um dem Musiker zuzusehen, aber seine Mutter treibt ihn an und das Kind geht weiter.

Mehrere andere Kinder verhalten sich ebenso. Aber alle Eltern, ohne Ausnahme, drängen ihre Kinder zum schnellen weitergehen.

Nach 45 Minuten: Der Musiker spielt ohne abzusetzen. Nur 6 Menschen insgesamt blieben stehen und hören für kurze Zeit zu. Zirka 20 Personen geben ihm Geld und gehen in ihrer normalen Geschwindigkeit weiter. Die Gesamteinnahmen des Mannes sind 32 Dollar.

Nach einer Stunde beendet der Musiker seine Darbietung und es wird still. Niemand nimmt Notiz und niemand applaudiert. Es gibt keine Anerkennung….

Niemand wusste es, aber der Violinist war Joshua Bell, einer der größten Musiker der Welt. Er spielte eines der komplexesten und schwierigsten Musikstücke, die je geschrieben wurden auf einer Violine im Wert von 3,5 Mio Dollar. 2 Tage zuvor spielte Joshua Bell vor ausverkauften Haus in Boston das gleiche Stücke, zu einem Durchschnittspreis von 100 Dollar pro Platz.

Dies ist eine wahre Geschichte. Joshua Bell spielte inkognito in der Untergrundstation. Auftraggeber dieses sozialen Experiments über Wahrnehmung, Geschmack und Prioritäten war die Washington Post.

Diese Experimente warf folgende Fragen auf:

Können wir Schönheit in einem alltäglichen Umfeld, zu einem unangemessenen Zeitpunkt wahrnehmen? Wenn dem so ist, nehmen wir uns Zeit sie Wertzuschätzen? Erkennen wir Talent in einem unerwarteten Kontext?

Eine mögliche Schlussfolgerung dieses Experiments könnte sein:

Wenn wir nicht einmal einen Moment Zeit haben anzuhalten, um einem der besten Musiker der Welt zuzuhören, während er eines der wundervollsten Musikstücke spielt auf einem der schönsten Instrumente, die je gebaut wurden…

… wie viel andere Gelegenheiten verpassen wir, wenn wir durch unser Leben hasten?

Onyx AshantiAch, da kommen einem ja echt die Tränen ob so großer Unbarmherzigkeit. Ganz ehrlich? Ich wäre auch schleunigst weitergegangen. Erstens habe ich keinen Zugang zu klassischer Musik und zweitens finde ich Sologeige überwiegend furchtbar. Streicher gehen erst bei n>3.

Außerdem suggeriert das ja, dass überhaupt jemand in der Lage wäre, die Qualität der musikalischen Darbietung erkennen zu müssen. Selbst wenn man es wollte: Die allermeisten sind doch so dermaßen musikalische Blindgänger, dass sie das nie erkennen würden. Vor allem den Wert eines Instruments heraushören zu können, gelingt vlt. 0,01 % der in Frage kommen Zuhörer, zu denen ich auch nicht gehören würde. Deswegen gehen sie wahrscheinlich auch ins Konzerthaus, weil die Wahrscheinlichkeit größer ist, dort Qualität geboten zu bekommen, ohne das selbst beurteilen zu können oder müssen. Nur weil man einen dunklen Anzug oder ein Abendkleid zu einer Musikdarbietung anzieht, heißt das noch lange nicht, dass in der Verkleidung auch ein Musikkenner steckt. Auf der Rückfahrt hören sie wahrscheinlich schon wieder Helene Fischer oder die Randfichten. Btw.: Jede Karte für die Staatsoper wird mit je 257 Euro gesponsert! Das nur am Rande.

Rupert's Kitchen OrchestraWas mich aber am meisten schmerzt, und damit tut man sehr vielen Straßenmusikern Unrecht, dass man zwangsläufig impliziert, nur etablierte Profimusiker wären in der Lage, ihr Instrument hervorragend bedienen zu können. Wahrscheinlich gehen die Leute nur deswegen vorbei, weil ihnen auf der Straße ganz oft hervorragende Musik* geboten wird und es keinen Unterschied macht, wenn da ein Supergeiger steht.

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*Es gibt allerdings auch ganz viele Straßenmusiker, die besser zu Hause bleiben sollten …

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Kaufhaus-Kräcker

Montag, 8. September 2014 21:06

Wie das mit dem Cracken ging, habe ich ja nie verstanden. Aber mit einem Stapel Disketten habe ich mich in den 80ern auch regelmäßig in Kaufhäusern rumgetrieben. Soll wohl verjährt sein. Nur, dass mir meine Eltern irgendwann nicht mehr geglaubt haben, dass man einen C64 auch nur ansatzweise für die Hausaufgaben gebrauchen kann. Wobei, im Werkunterricht hat er mir geholfen, meine Fähigkeiten zu erweitern. Immerhin habe ich mangels Geld meine Joysticks selber gebaut.

Via Jens S. aus B.

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Google, kannste vergessen? Danke.

Sonntag, 13. Juli 2014 22:24

Das sog. „Recht auf Vergessen“, diese „Lex Google“, wonach man einen Antrag an Suchmaschinenbetreiber stellen kann, unliebsame Suchergebnisse zu beseitigen, stößt bei einigen Netzaktivisten so dermaßen auf Widerstand, dass sie den Untergang des Abendlandes kommen sehen. Mindestens. Je öfter „Zensur“ gekräht wird, desto weniger fällt allerdings auf, wenn es wirklich mal zu Zensur kommt. Das ist das Ärgerliche an Gewöhnungseffekten.

Ich halte es für ziemliche Panikmache, dass dieses Möglichkeit, Sucheinträge beseitigen zu lassen, wirklich nennenswerte Auswirkungen hat. Erstens ist es doch so, dass man sich an jeden einzelnen Suchmaschinenbetreiber wenden muss. Ich verrate euch mal was: Es gibt nicht nur Google. Zweitens wird ja nicht die Fundstelle selber gelöscht. Der eigentliche Inhalt bleibt unangetastet. So richtig Zensur ist es also nicht. Ok. Dadurch wird die Recherche etwas aufwendiger, um nicht zu sagen, ist es ein Rückschritt wie in analoge Zeiten, als man sich in Bibliotheken durch Karteikästen und Regale gehangelt hat. Es ist nicht mehr alles bequem vorgefiltert und in appetitlichen Häppchen vorgekaut. Zur Not muss man selbst recherchieren. Macht natürlich keiner, dessen Startseite google und erster Bookmark Wikipedia ist.

Aber wenn man mal über seine eigene Bequemlichkeit hinwegsieht und sich in die betroffene Person versetzt: Warum sollte ihr es nicht ermöglicht werden, unliebsame Netzfundstücke schwieriger auffindbar zu machen? Es wird nun mal so viel unreflektierter Mist ins Netz gekippt, dass es einem manchmal etwas zu viel werden kann.

Mir ist das passiert, als mich mal ein von Verschwörungstheorien durchweichter Journalist sozusagen beruflich konsultieren wollte, nachdem sich ein ebenso weichbirniger Politiker zu Tode gefahren hatte. Ich sollte mich zu den Schäden am Fahrzeug äußern. Offensichtlich hatte sich der Journalist Zutritt zu dem Fahrzeugwrack verschafft, wohl unberechtigt, nehme ich an.

Wir haben dann telefoniert. Danach habe ich mich allerdings informiert, was das denn überhaupt für einer ist, dieser Journalist. Und da kam dann doch so großer Unfug zutage, vor allem auch eindeutig einer politischen Richtung zugehörig, mit der ich nun beim besten Willen nicht in Verbindung gebracht werden wollte,  dass ich dachte, ne, mit dem will ich nicht in einem Atemzug genannt werden. Jedenfalls untersagte ich ihm per Mail, mich in seinen Pamphleten namentlich zu nennen. Daran hat er sich – natürlich – nicht gehalten, und so ist mein Name mit – zum Glück – wenigstens richtig wiedergegebenen Zitaten in einem Buch zu dem Thema erschienen, das dieser Schreiberling tatsächlich zustande gebracht hat.

Irgendwann stieß ich bei Google auf, ich glaube, eine französische Seite, auf der mein Name und der dieses Journalisten auftauchte. Ich dachte, na super. Außerdem wurde da als Quelle das unsägliche Machwerk dieses Schreiberlings genannt, das ich mir dann erst mal beschaffte. Allerdings gebraucht für 99 ct, damit bitte keine Tantiemen bei diesem Typen landen. Und tatsächlich tauche ich darin namentlich auf.

Das Buch kauft wahrscheinlich eh kaum einer. Und wenn mich einer darauf anspricht, weiß ich gleich, was ich von demjenigen zu halten habe. Aber die Fundstelle im Netz hat mich doch irgendwie gewurmt. Da nun aber jemanden anzuschreiben, bitteschön meinen Namen zu entfernen, kann man ja vergessen. Damit erreicht man eher das Gegenteil. Kennt man ja. Wenn man sich aber an denjenigen wenden kann, der als Multiplikator fungiert, finde ich das persönlich nicht die allerschlechteste Variante. So mancher Netzinhalt sollte sowieso einer Halbwertszeit unterliegen und sich nach einer gewissen Zeit von selbst beseitigen.

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Der Weinverschluss ist die Leerkassette der Fortyagers

Montag, 21. April 2014 12:32

„Wir brauchen noch ein Geschenk für heute Abend!“ – „Stimmt. Was hältst du von den Weinverschlüssen da drüben?“

Proppen

Ich mag Bier. Aber ich mag auch gern Wein. Und Weinverschlüsse. Und Geschenke. Und so findet sich in den diversen Schubladen eine stattliche Sammlung an irgendwie mit einem Griff gestalteten Korken, Drehteilen mit Gummiringen oder anderen, meist kegelförmigen Abdichtungen in Flaschenhalsformat.

Früher ™ gab es ja auch immer mal das Geschenkproblem, wenn man zum Kindergeburtstag eingeladen war. Leerkassetten waren das Allheilmittel. Erst die orange-schwarzen BASF, später gern die 90er TDK mit Chromdioxid-Band. Das waren die guten! Und man konnte sie immer gebrauchen, um das neueste Mixtape zusammenzuschneiden. Nur ist die Zukunft der Weinverschlüsse genau so dunkel wie das schon eingetretene Ende der Kassette: Mit zunehmender Verbreitung von Drehverschlüssen an Weinflaschen, die inzwischen keinen Qualitätsmakel mehr darstellen, bleiben sie zunehmend ungenutzt in der Schublade liegen (mal abgesehen davon, dass ja auch erst mal ein Rest in der Flasche übrig bleiben muss).

Aber da oben der rechts im Bild, der sieht in absehbarer Zukunft einem zweiten Leben in seiner eigentlichen Funktion entgegen, wenn ich erst mal das Fünfganggetriebe in meinen Fiat einbaue! Wofür Weinverschlüsse eben so alles gut sind.

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Meinungsfreiheit

Montag, 21. April 2014 11:39

Man merkt, dass dieses Bildchen, das vor ein paar Tagen die Runde durch die Blogosphäre machte, von Meinungsträgern stammt bzw. transportiert wird, vor allem aber von Machern, die an den Knöpfchen sitzen, um darüber zu entscheiden, welche Meinung oder Äußerung sie in ihrem Dunstkreis, aus welchen Gründen auch immer, tolerieren oder löschen.

xkcd_freespeech

Original von Randall Munroe Übersetzung von A. Stefanowitsch unter  CC-BY-NC-Lizenz

Wenn du aber beobachtest, wie in einem Forum, das du selbst mal administriert hast, ein paar schwarze Schafe „an der Macht“ sind, die durchaus mal homophobe, rassistische, ehrverletzende oder zum Betrug aufrufende Beiträge aus den eigenen Reihen tolerieren und diejenigen blocken, die auf diese Umstände aufmerksam machen, merkst du, dass das Bildchen zwar von der vordergründigen Grundaussage immer noch stimmt, aber eine Attitüde transportiert, die voraussetzt, dass derjenige, der an den Hebeln der Macht sitzt,verantwortungsvoll handelt, extreme und unsachliche Äußerungen erkennt und damit entsprechend umgehen kann. Unbequeme Einzelpersonen sind leicht zum Troll abgestempelt. Dabei sind es vielleicht gerade sie, die versuchen, die Ausrichtung eines Forums wieder in die richtige Bahn zu lenken.

 

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Weniger Meinung mehr

Donnerstag, 2. Januar 2014 20:55

Eigentlich wollte ich ja einen ganz anderen Beitrag schreiben. Was könnte ich alles bloggen. Aber da Blogs ja bekanntermaßen immer schon tot waren und sind, blogge ich halt nicht mehr. Oder sagen wir, kaum noch. Das liegt an einer Episode im vergangenen Jahr, als ich beschloss, einer dieser berühmten Schönwetterblogger zu werden. Gemeckert wird ja schon genug, also wollte ich zukünftig nur noch (überwiegend) Positives bloggen. Tja. Und da einem wie mir das nicht so leicht fällt, ist es eben still geworden. Manchmal ist es mir auch überhaupt nicht gelungen und ich bin wieder in alte Phraserei verfallen. Schönes Wetter gibt es ja auch viel weniger als schlechtes Wetter. Kein Wunder also, wenn es hier selten was Neues gibt. Vielleicht nerve ich dafür mehr mit Kommentaren bei Facebook oder so.

Dabei könnte ich mich herrlich aufregen über schlauquatschende Gutmenschen, die jedes Wort auf die von ihnen höchstpersönlich geeichte Goldwaage legen. Aber da die sowieso alles noch ein bisschen besser wissen als ich – und das will schließlich schon was bedeuten! – halte ich eben die Finger still. Irgendwie habe ich immer weniger Lust, meine Meinung in die Welt zu posauen. Das gilt nicht nur im Netz, sondern zunehmend auch im Real Life. Ich denke mir halt meinen Teil. Noch nicht sehr oft, aber  öfter als früher. Auf Meinung verzichten, scheint mir das Motto für 2014 zu sein.

In diesem Sinne: ________

 

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