Beitrags-Archiv für die Kategory 'Draußen nur Kännchen'

Technicus non dicet latinam: Situs vilate inisse tabernit

Freitag, 6. März 2015 22:26

Oder „übersetzt“: Sieht aus wie Latein, ist es aber nicht.

Ich habe ja öfter mit Juristen zu tun. Juristen sind die, die neben Medizinern gern mit ihrer humanistischen Bildung prahlen und insbesondere sich der Aufgabe verschrieben haben, die tote Sprache Latein irgendwie am Tropf der Lebenserhaltung zu belassen. Während die Mediziner unbedingt das Brustbein als Sternum und die Kniescheibe als Patella bezeichnen müssen, obwohl es die deutschen Begriffe genauso tun und vor allem auch für das deutschsprachige Fußvolk zu verstehen wären (man ahnt, warum Fachsprech verwendet wird), wirft der gestandene Jurist gleich ganze Floskeln oder gar Sätze in die Niederungen des deutschen Gerichtssaals. Wenn mir in einer Gerichtsverhandlung langweilig ist, weil die Beweisaufnahme abgeschlossen und ich damit schon im Grunde arbeitslos bin, spiele ich in Gedanken oft Jura-Bullshit-Bingo. Man kann darauf wetten, dass in jedem Plädoyer diverse Juristenlateinfloskeln vorkommen. Sowas wie „ergo“, „a priori“ oder „de facto“ lassen wir mal gleich beiseite und stürzen uns in die Top 10:

10: „Ex lege“: Nach dem Gesetz. Anfänger geeignet.

9: „Juris non calculat“: Der Jurist rechnet nicht. Außer Stunden mal Stundensatz.

8: „Prima facie“: Der erste Anschein, Anscheinsbeweis. „Is immer so. Hamwa immer so gemacht. Darum is das jetzt auch so.“

7: „Hic et nunc“: Hier und jetzt. Mögliche Reaktion: „Haben Sie Schluckauf, soll ich Ihnen ein Glas Wasser holen?“

6: „Corpus delicti“: Beweisstück. Ohne das geht es nicht.

5: „Obiter dictum“: Nebenbei gesagt. Am Rande. Ist also nicht wichtig, Schöffe kann weiterschlafen.

4: „Persona non grata“: Sachverständiger, der nicht das sagt, was der Verteidiger hören will

3: „Conditio sine qua non“: Ohne ein bestimmtes Vorereignis wäre das, worum man verhandelt, nicht eingetreten. (Hä?-Faktor > 42 auf der nach oben offenen Jurisprudenz-Bullshit-Skala)

2: „Cui bono“: Wem nutzt es? Wird eher selten gebraucht. Aber gern mal im Sinne von: Der Tote wird durch einen Verurteilung auch nicht wieder lebendig.

1: „In dubio pro reo“: Im Zweifel für den Angeklagten. Kennt man. Must have im Verteidiger-Plädoyer

„Nunc est bibendum!“, sagt der Ingenieur. 😉

 

 

 

 

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Ich = Kunstbanause reloaded

Dienstag, 24. Februar 2015 23:37

Ich merk’s ja immer wieder: Mit Kunst oder (Hoch)kultur hab ich es nicht so.

Altes Museum und LustgartenIm gerade abgelaufenen Lebensjahr hatte ich zusammen mit meiner Begleiterin eine Jahreskarte für die staatlichen Museen Berlin – preußischer Kulturbesitz. Am Anfang waren wir voller Euphorie und schauten uns die Museen der Stadt an. Der anfängliche Schwung verging schnell. Im Sommer ist ja auch eh nicht so Museumszeit. Der Ablauf der Jahreskarte rückte näher, aber es standen noch diverse unbesuchte Museen auf der Liste. Die wurden dann im Schnelldurchlauf abgehandelt.

Die alte Nationalgalerie fand ich ganz gut. Nur die Bilder störten. Aber das Haus mit diesen lustig krummen Räumen? Cool. Das Bode-Museum. Hm. Was war da doch gleich? Ich glaube, viel Sakral-Zeugs. Ja genau. Das langweilte mich nach einer Viertelstunde und es ging im Laufschritt von Saal zu Saal.

Ich rannte also kopflos durch die Räume und hab dann prompt eine frühe Weissagung dieser Situation gefunden. Schön, dass man fast überall fotografieren darf. So habe ich mich darauf verlegt, ein paar besonders eindrucksvolle Exponate abzulichten.

Etwas kopflos heute?

Oder auch die historische Darstellung des C-3PO: Irgendwann später musste man dem wohl mal zur Tarnung ein Gesicht überzogen haben. Auf was für Ideen die Leute kommen!

C-3PO

Vom alten Museum habe ich nicht viel erwartet, außer Figuren ohne Köppe und ohne Arme. Und so kam es dann auch. Nur dieser Fernseher der Antike, in dem gerade eine Talkshow lief, hatte es mir angetan:
Fernseher der Antike

Wir waren dann natürlich auch noch im ethnologischen Museum. Joa, son paar Sachen waren ganz hübsch, wie z. B. die frühere Vergötterung der Rolling Stones. Aber der alte Plunder soll wirklich in den entstehenden Hot-Spot, ins Humboldt-Forum, aka es Stadtschloss-Neubau? Ne, oder? Gibt’s da nicht etwas, was die Leute mehr interessiert? Oder wie wäre es mit einem Parkhaus? Egal, mich fragt eh keiner.

Frühe Vergötterung der Rolling Stones

Den Vogel abgeschossen hat aber die Gemäldegalerie. Dort traf ich allerdings erst einen alten Bekannten wieder, den alten Knacker vom 100-Mark-Schein.

Der Mann vom 100-Mark-Schein

Der schaut aber eigentlich in die andere Richtung und ist natürlich bunt:

Der Cosmograph

Ein oder das Hauptwerk in der Gemäldegalerie ist derzeit der „Genter Altar“. Das ist ein im weitesten Sinne klappbares, recht großes Holzregal, in dem statt Büchern in den Fächern diverse Bilder angebracht sind. Aber jetzt kommt’s: Das ist weder das Original, noch ist es komplett. Sechs der zwölf Bilder sind durch Schwarzweißdrucke (oder Fotos) ersetzt! In einer rieeesigen Halle huldigt man also einer unvollständigen Kopie? Das fand ich so eigenartig, dass ich nur noch in die Luft gestarrt habe, was sich an einer Stelle aber durchaus lohnt:

Gemäldegalerie

Die Mario-Testino-Ausstellung im gleichen Gebäude hat aber einiges wieder rausgerissen. Supertolle Fotos von schönen Menschen.

Mario Testino

An das Kupferstichkabinett habe ich praktisch keine Erinnerung mehr. Viel scheine ich nicht verpasst zu haben. Sehr lohnenswert fand ich dahingegen das Kunstgewerbemuseum ein paar Schritte weiter. Das lag wohl daran, dass ich mir darunter nicht viel vorstellen konnte und so auch nicht viel erwartet habe. Aber dort hat es neben allerlei Klamotten auch hübsch gestaltete Gebrauchsgegenstände und Möbel. Da findet man dann Klassiker, die man auch auf die Torstraße sich auch selbst in die Bude stellen kann:

Eames

Am Ende war ich immer gut mit so was wie Meta-Kunst beschäftigt. Kunst im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten hübsch in Szene zusetzen und zu fotografieren. Zum Beispiel, wenn die Neue Nationalgalerie als Konzerthalle genutzt wird, was ich herausragend fand!

Kraftwerk

Am Ende der Jahreskarte stellte ich dann aber fest, dass mir Fotoausstellungen besonders gern anschaue. Darum habe ich mich über die Freikarten zum diesjährigen Geburtstag für’s c/o-Berlin gefreut. Gefällt mir gut dort am neuen Platz im Amerikahaus!  Dort war ich bestimmt nicht das letzte Mal.

c/o Berlin

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Wie ich Facebook benutze

Sonntag, 8. Februar 2015 11:40

Facebook ist Fluch und Segen zugleich. Ich hab dort etliche interessante Leute kennengelernt, alte Bekannte wiedergefunden und jeden Tag gibt es ein Füllhorn interessanter Links. Natürlich auch jede Menge Schrott, aber mit der richtigen Auswahl an Personen halten sich Katzenbildchen und Spieleeinladungen in Grenzen. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wann ich das letzte Mal eine solche Einladung bekommen habe.

Nun ist Facebook aber, was viele nicht wahrhaben wollen, keine Wohlfahrtsorganisation, sondern ein (derzeit gut) florierendes Wirtschaftsunternehmen. Die wollen dort Geld machen. Punkt. Das ist nichts Verwerfliches. Ich gehe auch jeden Wochentag mit keinem anderen Ansinnen ins Büro. (Die Welt verbessern zu wollen, habe ich mir abgeschminkt. Rechnungen schreiben ist besser für die Rente).

Nun hat Facebook „Allgemeine Geschäftsbedingungen“, meistens fälschlicherweise AGB’s genannt. Und nein. Man kann sich dagegen nicht durch das Posten eines „Ich widerspreche bla“-Bildchens zur Wehr setzen, sondern nur durch Löschen des eigenen Accounts. Friss oder stirb. That’s it.

Also muss man sich arrangieren. Facebook möchte uns möglichst gut durchleuchten, um im rechten Moment die passende Werbung einzublenden. Es werden also alle möglichen Wege verfolgt, die wir auf Facebook und überhaupt im Internet gehen. Von wo wir auf Facebook kommen, was wir dort anklicken, in welche Richtung wir Facebook verlassen und so weiter. Sobald der Facebook-Button auf einer Seite auftaucht, schauen Mark Zuckerberg und seine Knechte uns über die Schulter.

Was mache ich nun:

Erstens: Desktop/Notebook

Ich verwende Facebook in einem eigenen Browser. Der hat Facebook als Startseite. Alle möglichen Seiten im Netz surfe ich z. B. mit Chrome an (auch schon ein Fehler, ich weiß). Nur für Facebook verwende ich z. B. Safari oder Firefox (hängt davon ab, ob ich mit einem Mac oder ner Windose unterwegs bin). In allen Browsern habe ich einen Adblocker und Ghostery installiert. Ghostery verhindert weitgehend das Tracking. Also das Sammeln und Zurückfunken von Metadaten, die Informationen über unser Surfverhalten geben. Irgendwelcher Statistikkram und so. Jedenfalls ist es immer wieder interessant, wie viele Unternehmen z. B. bei eine Nachrichtenseite wie Sueddeutsche.de und so. Die bleiben damit erst mal größtenteils außen vor. Die Werbung auf Facebook „Die dicksten Dinger in deiner Nachbarschaft“ und so sind derzeit auch noch weg. Ich frage mich, wie lange es dauert, bis dort ein Umgehung gefunden wird. Aber nun.

Taucht in Chrome ein Facebook-Link auf, kopiere ich den eben schnell (Rechtsklick „Adresse des Links kopieren“), füge den in Firefox/Safari ein und mache dort weiter. Das ist lästig, aber nun. Finde ich bei Facebook, also in Safari oder Firefox, einen interessanten Link, der aus der Facebook-Spähre hinausführt, kann ich das genauso machen: Rechtsklick, Link kopieren, in Chrome einfügen und weitersurfen.

Man kann natürlich auch noch das Anlegen von Cookies unterbinden. Dann wird es aber irgendwann schwierig, Seiten anzusurfen. Aber nach einer Sitzung die Cookies automatisch zu löschen, ist nicht schlecht. Muss man sich halt jedes Mal neu anmelden.

Zweitens: Mobil

Ich habe ein iPhone. Darauf ist zwar auch die Facebook-App installiert, die brauche ich aber nur in Ausnahmefällen. Ansonsten verwende ich einen anderen Browser, in meinem Fall den Adblocker Browser. Der stellt z. B. im Vergleich zu Opera die Facebook-Seite besser dar. (Allerdings ist der Vergleich schon etwas älter. Kann sein, dass das inzwischen besser aussieht.) Während die Facebook-App ziemlich sicher auch im geschlossenen Zustand nach Hause telefoniert, macht der Adblocker-Browser das (wohl) nicht. Man kann natürlich auch die Apps richtig „abschießen“ (Doppelklick auf Homebutton und nach oben rausschieben).

Kann sein, dass das alles etwas paranoid ist. Aber schaden kann’s wohl nicht.

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Fundamental-Blogger

Samstag, 31. Januar 2015 11:12

Manchmal scheine ich ja Fundamentalist zu sein. Jedenfalls, was das Bloggen betrifft, also ein Weblog zu führen, ein digitales Tagebuch, in dem man seine Gedanken niederschreibt, die dann auch andere lesen können. Ob das nun besonders viele Leute lesen, oder nicht: Mir egal. Man liest auch mehr darüber, wie wichtig es ist, „erfolgreich“ (= mit monetärem Zuwachs) zu bloggen, als wie unwichtig es ist, Relevanz zu haben.

Ich finde es absolut ok und sehr anregend, dass es ganz viele Leute gibt, die z. B. Techniknachrichten ins Netz stellen. Oder über neue Musik schreiben. Oder über die fresheste Mode. Aber Bloggen in dem Sinn, wie ich das verstehe, ist das nicht. Darum gibt es m. E. auch immer wieder diese elende Diskussion, dass einige Blogger angefeindet werden, wenn sie mit Ihrem Schaffen Geld verdienen, sei es über Werbung oder für bezahltes Bloggen. Das liegt eben daran, dass viele das Bloggen offenbar noch so verstehen wie ich. Ich stelle aber klar: Auf diese Art sein Geld zu verdienen, ist genauso ehrenvoll wie als Oberarzt oder Straßenfeger.

Nur „Bloggen“ ist das eben nicht. Es ist kurztaktiges Online-Publizieren, häufig subjektiv gefärbt, eine zweifellos gewollte Attitude. Eigentlich wichtig, einen neuen Begriff dafür zu finden. Aber dafür ist es wohl zu spät. Jedenfalls, die „echten“ Blogger als „Journalizer“ zu bezeichnen, wie ich darüber mal fantasiert hatte, hat sich ja nun auch nicht durchgesetzt. (Was Wunder.)

Angeregt zu diesem Beitrag wurde ich hierdurch und dadurch.

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Politiker, beschwert euch nicht, einigt euch

Donnerstag, 18. September 2014 9:40

Heute stimmen also die Schotten darüber ab, ob sie im vereinigten Königreich bleiben wollen oder nicht. Wieder zeigen sich in Europa Bestrebungen in der Bevölkerung, dass man lieber unter sich sein will, statt im großen Ganzen unterzugehen. Und die Politiker jammern (bis auf die Befürworter der separatistischen Tendenzen).

Offensichtlich hat es die  Politik nicht geschafft, den Leuten zu vermitteln, dass es schlau und vorteilhaft für den Wohlstand ist, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen, ein  kleines Rädchen im Getriebe zu sein, ohne das der ganze Wagen nicht rundläuft, aber dass sie trotzdem in der Lage sind, die Eigenheiten ihrer Volksgruppe bewahren zu können (solange sie nicht z. B. fremdenfeindlich sind). Ich finde, in Deutschland funktioniert das ganz gut: Da sind als eine Gruppe natürlich die Bayern, die stolz auf ihren Freistaat, die Landschaft, das Bier, das Jodeln und was weiß ich sind. Aber trotzdem gibt es wohl nur ein paar dumme Hinterwäldler, die sich ernsthaft einen unabhängigen Bayernstaat wünschen. Die Ostfriesen oder auch Sachsen haben zurecht ihren Stolz, so zu sein, wie es ihnen durch  stoische Lebensart oder knorrige Mundart in die Wiege gelegt wurde und so weiter. Trotzdem funktioniert das Land dank Föderalismus eigentlich ganz gut.

Schaut man sich um, findet man aber immer wieder in den letzten 30 Jahren Ereignisse, die zum Zerfallen großer Staaten geführt haben: Sowjetunion, Jugoslawien, Tschechoslowakei, um ein paar zu nennen. Ob die Konglomerate, die die Staaten darstellten, in ihrer Kombination besonders glücklich entstanden waren oder den Menschen aufoktroyiert wurden, sei mal dahingestellt. Ob Grenzen entstehen oder abgebaut werden: Man wird nie allen gerecht.

Während aber die Europäische Union eigentlich eine Erfolgsgeschichte ist, gibt es dennoch Bestrebungen, dass man eben nicht das gemeinsame Europa sein will, sondern lieber ein separater kleiner Teil. Da fragt man sich ja, wie das sein kann. Gleichzeitig ist das Interesse an Europawahlen sehr gering. Auch die Wahlbeteiligungen hierzulande geben einem stark zu denken. Ist es nicht so, dass die Politik es offensichtlich nicht schafft, den Menschen zu vermitteln, wie wichtig es ist, gemeinsam etwas zu gestalten? Woran liegt das?

Ich glaube, das liegt an dem ureigenen Verhalten der Politiker selbst. Auf der einen Seite predigen sie von der tollen europäischen Gemeinschaft, vom Pluralismus und so weiter, sind aber auf der anderen Seite untereinander so zerstritten, dass das Gerede komplett unglaubwürdig ist. Anstatt sich eine Idee des politischen Gegners wenigstens anzuhören, wird, egal, was er sagt, gleich in die Kerbe gehauen, was das für riesengroßer Unsinn ist, den derjenige erzählt. Nur die eigene Partei, vielleicht sogar nur der eigene Flügel in der Partei weiß, wie es richtig geht. Alle anderen haben Unrecht und sind unfähig, völlig unabhängig, welche Ziele sie verfolgen.

Diese ganzen Elefantenrunden, Fernsehduelle, Interviews, Talkshows: Nur nerviges Rumgehacke auf dem Gegenüber. Kein einziger noch so vernünftiger Gedanke darf unwidersprochen bleiben. Das ist inzwischen soweit gekommen, dass das Zustimmen zu einer Position, die der Andere (warum ist er überhaupt „Gegner“?) vertritt, als Schwäche stigmatisiert wird. Überlegtes Abwägen, das Beurteilen der anderen Position, kommt viel zu kurz. Dabei ist es doch vielmehr eine Stärke, wenn man mit dem Kollegen aus der anderen Partei eine gemeinsame Lösung erarbeitet. Vor laufender Kamera traut sich das ja keiner mehr und im Hinterzimmer immer weniger.

Solange die Politiker im Kleinen nicht lernen, ihren Willen zur gemeinsamen Arbeit zu zeigen, können sie es von ihrem Wahlvolk auch nicht erwarten.

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Zen und die Kunst ein Buch zu erhalten

Sonntag, 24. Februar 2013 2:21

Blogger-Kollege Männig schreibt hier über die ach so tolle, doch nicht vorhandene Haptik von Büchern.

Gerade heute schrob jemand im gedruckten Tagesspiegel, den wir derzeit als freundliche Urlaubsspende eines Nachbarn erhalten, wie viel toller Bücher auf Papier doch gegenüber ihren digitalen Pendants seien. Dass die Bücher nach Olivenöl, Thymian und was weiß ich duften, weil beim Kochen jemand darauf gekleckert habe. Oder so.

Jens-Arne Männig hat ausgerechnet eines der Bücher herausgesucht, das ich mir als Oberstufenschüler bewusst gekauft habe, also nicht geschonken gekrochen bekommen hatte: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten. Es war damals eine Empfehlung meines Deutschlehrers Meier, wie z. B. auch Briefe in die chinesische Vergangenheit. Meier gab immer mal wieder Literaturlisten heraus, die er seinen sprachumnebelten Schülern, die nunmal Deutsch an einem technischen Fachgymnasium für die allgemeine Hochschulreife belegen mussten, in bester Absicht angedeihen ließ. Leider ist er viel zu früh verstorben.

Ganz ehrlich? Ich habe Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten nie vollständig gelesen. Die ersten 50 und die letzten 30 Seiten vielleicht. Oder so. Der Witz ist: Am Ende hat mir das Buch trotzdem gefallen und habe mir gerade neulich noch überlegt, mir es noch mal zu kaufen (oder zu beschaffen).

Und gerade heute ging ich zum Media-Markt, um mal die diversen Lesegeräte zu probieren: eBook-Reader, iPad: Sowas halt. Ergebnis: Ernüchternd. iPad-normal: (Mir als Lesegerät) viel zu schwer, aber geiles Display (Netzhaut-, äh, Retina-Display). iPad-Mini: Zu schlechtes Display im Vergleich zu den eBook-Readern. Größe und Gewicht sind ok. Das leuchtende Display nervt sehr schnell. E-Ink-Reader sind super, wenn man nur lesen will. Kindle ist doof, weil nur Amazon-Welt. Nicht-Kindle sind doof, weil ich nicht weiß, wie sie in der Amazon-Welt funktionieren. Überhaupt wirken die E-Ink-Reader irgendwie unausgegoren, wenn man einmal ein Apple-Produkt in der Hand hatte. Außerdem waren bei den Ausstellungsgeräten die Buchstaben in den Displays eingebrannt, wie ich es noch aus der Zeit der Monochrom-Monitore kenne, als Bildschirmschoner noch einen Sinn hatten.

Ich danke Blogger-Kollege Männig für seine Haptikanalyse. Wenn ein Tisch wackelt, kann man besser etwas Papier drunter klemmen, als ein pdf-Dokument oder einen E-Book-Reader. Ansonsten spricht aus meiner Sicht nicht mehr viel gegen* für gedruckte Werke. Was nervt, sind die technischen Beschränkungen, die aus monetären Gründen erfunden wurden. Die Vergänglichkeit von Druckwerken auf Papier, die Männig geradezu beispielhaft darstellt, zeigt aber auch, dass auch pdfs sich beim Kopieren abnutzen sollten, wenn man den Autoren und Verlagen eine Daseinsberechtigung zugestehen möchte.

via

*Ganz dumm verschrieben.

 

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest, Draußen nur Kännchen | Kommentare (2) | Autor:

Ich bin kein Blogger mehr: Journalizer

Sonntag, 3. Juni 2012 11:57

Am Mittwoch war im beim Learntank in Berlin. Nicole Y. Männl und Robert Basic hatten zum wiederholten Mal etliche Leute (vor allem sog. Blogger) zusammengetrommelt. Mal im großen Rahmen, mal in kleineren Gruppen sprach man über dieses oder jenes im Internet. Gestern war ich in Leipzig. Im Rahmen der AMI haben sich dort ein paar von diesen Blogger getroffen. Hinzu kamen Leute aus PR/Medienagenturen und aus Industrieunternehmen. Man beschnupperte sich und sprach sachlich miteinander.

Es ging immer wieder um „die Blogger“. Irgendwie muss man diese Leute, die ins Internet schreiben, doch in eine Schublade stecken können! Nicht so einfach. Einer zappelt immer übern Rand. Von irgendeinem guckt immer etwas aus einer Ritze. Manch einer schreit auch laut auf, wenn man die Schublade zuknallt.

Ich dachte immer, der Begriff „Blog“ kommt von „Web-Log“, also einem Logbuch, das man im Internet führt. Ein Logbuch hält erst mal Geschehnisse fest. Es ist dient erst mal nur dem Selbstzweck, geführt zu werden. So, wie eben auch ein Tagebuch. Da schreibt man in erster Linie hinein, um Geschehnisse oder Zusammenhänge zu reflektieren. Manchmal nimmt man es in die Hand, blättert ein wenig darin herum und guckt, was einen früher so bewegt hat.

Dieser Selbstzweck ist anscheinend zunehmend in Vergessenheit geraten oder abgelöst worden. Das betrifft vor allem Themenblogger. Ob Auto-, Mode- oder Designthemen: Wer heute bloggt, will Reichweite haben. Möglichst viele Leser, um daraus möglichst hohe Einnahmen zu generieren, wie auch immer. Ob direkt mit eingeblendeter Werbung oder indirekt dadurch, dass sie ihren Namen als Marke streuen.

Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden, nur ist es nach meinem Verständnis nicht mehr dieses „Bloggen“. Interessant fand ich auch, dass man als „Blogger“ ganz gern damit kokettiert, selbst ja keine Blogs zu lesen. „Warum sollte ich das tun? Interessiert mich doch nicht, was die anderen schreiben. Dazu habe ich eh keine Zeit.“ ist so das, was man dazu hört. Kein Wunder, dass das mit dem gegenseitigen Verlinken nicht mehr klappt, wenn man sich nicht liest.

Jene Blogger sind also eigentlich nichts anderes als Online-Publisher. So ein echter Blogger, das ist so einer wie ich *grins*. Der schreibt, was gerade seinen Hirnwindungen in Wallung hält. Da aber der Begriff „Blogger“ nun annektiert wurde, muss ich mir wohl was neues einfallen lassen. Ich habe mal bei „leo“ geguckt: Da steht zu „Tagebuch“ nicht nur „log“, sondern auch journal und diary. Während „Diarist“ etwas nach Diarrhö klingt, hört sich „Journalist“ gar nicht schlecht. Ach, Mist. Der Begriff ist schon belegt. Naja, dann eben Journalizer. Klingt super, oder?

Thema: Draußen nur Kännchen, Wie getz? | Kommentare (15) | Autor: