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Mann macht ja quasi alles falsch

Dienstag, 28. Juli 2020 8:21

Ein ganzes Leben lang begeht man einen Fehler nach dem anderen. Im Grunde beginnt es mit der Zeugung. Da hab ich schon das falsche Geschlecht gewählt.

Hier heißt es:

„K: Ich war auch überrascht, als ich im Techniktagebuch-Redaktionschat erwähnt habe, dass ich 2019 versucht habe, zum Ausgleich für die Jahre davor möglichst viele Bücher von Frauen zu lesen. Es gab gleich so unbehagliche und kritische Kommentare von Männern: „Also, ich lese Bücher, ohne drauf zu achten, ob die von Männern oder von Frauen sind!“

H: Und zufällig sind die Bücher dann alle von Männern.

K: Genau, so ist es. Also nicht alle, aber drei Viertel oder so. Ich versteh auch diese latente Aggression, die dann aufkommt. Das ist gar nicht frauenthemenspezifisch. Das gilt für jedes Thema, wo man jemandem den Eindruck vermittelt, dass er in seinem Leben was falsch macht.“

Ich bin einer der gemeinten „Ers“ (Erst hab ich ob meiner Einfalt gar nicht gemerkt, dass dort nicht „er oder sie“ steht. Nur Männer machen was falsch). Ich mache in meinem Leben etwas falsch, weil ich nicht darauf achte, ob ein Buch dieser Schundliteratur, wie ich sie lese, von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde. Bis das im Techniktagebuch-Chat thematisiert wurde, hab ich tatsächlich nicht mal darauf geachtet, welches Geschlecht den jeweiligen Weltraumroman geschrieben hat. Ich erinnere mich an einen Text zum Making of in einem Buch aus dem „erweiterten StarWars-Universum“, von denen ich über 60 gelesen habe, wo ziemlich ausführlich beschrieben wurde, wer in welchem Redaktionsteam saß, wie es mit wem zur Zusammenarbeit mit Lucas Film kam und so weiter. Daran waren viele Frauen und Männer beteiligt. Ich habe zu keinem Zeitpunkt darüber bewusst nachgedacht, ach guck, an dieser Position sitzt eine Frau, das da macht ein Mann. Das kann man natürlich beteuern, wie man will. Die Deutungshoheit des Wahrheitsgehalts, was Männer behaupten, obliegt anscheinend vorrangig Frauen. Aber es ist ja noch viel schlimmer: Es wird nicht nur als unwahr abgekanzelt, sondern einem sogar noch als Fehler ausgelegt. Nein. Es ist kein Fehler. Es ist keine Absicht. Es ist einfach so passiert. Und vielleicht ist es auch einfach so, dass mir Bücher von Männern besser gefallen, weil sie mehr zu mich interessierenden Themen schreiben und den von mir favorisierten Duktus besser drauf haben. Was weiß ich denn? Gerade lese ich das Buch einer Frau. Ich finde es nicht so gut. Aber das ist doch überhaupt kein Grund, gleich danach nicht wieder das Buch einer Frau zu lesen, einer anderen eben.

Man macht auch unbewusst so vieles falsch. Nicht verstanden habe ich nämlich, wofür es eigentlich wichtig ist, ob nun ein Mann oder eine Frau die Geschichte ersonnen hat, an der ich hoffentlich bei der Lektüre Spaß habe. Ich achte ja auch nicht beim Einsteigen in einen Omnibus darauf, dass abwechselnd ein Mann und dann eine Frau am Steuer sitzt. Und das nicht zu tun, ist also falsch. Ich frage mich, ob man erst mal in Erfahrung bringen muss, ob überhaupt gleich viele Bücher, die mich ansprechen könnten, von Männern und Frauen geschrieben wurden, oder ob es genauso viele Busfahrerinnen wie Busfahrer gibt, und ob ich nicht nach dieser Quote Bücher und Busse auswählen müsste. Ich frage mich auch seit langem, ob das Geschlecht außer bei der Fortpflanzung wirklich ein so dermaßen wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, zudem es so oft gemacht wird. Ein anderes großes Unterscheidungsmerkmal wie die Hautfarbe ist doch auch egal. Wenn ich dort nicht auf das Unterscheidungsmerkmal achte, ist das gut. Achtet man aber bei der Zusammensetzung im Grunde beliebiger Gruppen nicht auf die Geschlechterparität, ist das schlecht. Das heißt nicht, dass sich Männer allein über Themen unterhalten sollten, die Frauen betreffen. Aber es kann bedeuten, dass es auch einfach mal nur Männer oder nur Frauen sein dürfen, die sich über Themen auslassen, bei denen das Geschlecht keine Rolle spielt, Modelleisenbahnen oder Stricken z. B.

Leichtfertig wird einem jede Chance genommen, das Gefühl haben zu dürfen, dass die eigene Äußerung nur wenigstens mal kurz als wahr unterstellt wird.  Ah, du weinerlicher alter Sack, werden jetzt einige denken. Auf Twitter bekommt man es auch direkt um die Ohren gehauen. Genau das meine ich. Dass man auch Dinge nicht sagen darf, weil man ja zur  Zielgruppe gehört. Ich halte es nicht für eine gute Idee, die – zweifellos falsche – traditionelle, anerzogene (womit ich mich natürlich herausreden will …) Frauenfeindlichkeit gegen Männerhass zu tauschen, wie es aus meiner Sicht z. B. in unkomischer Weise in diesem  Twitter-Account passiert. Man kann so einen Account zwar einfach mit „Satire“ etikettieren. Aber verletzend ist es eben doch, weil man als Mann nun mal mitgemeint ist. Vor allem die Reaktionen der Leserinnen, die die Beiträge abfeiern, zeigen den tiefsitzenden Hass auf Männer.  Als „Typ“ hat man jedes Recht verwirkt, sowas nicht gut zu finden, weil man es ja nur deswegen nicht gut findet, weil man zu dem einen Großteil der Menschheit gehört, der jahrtausendelang den anderen Großteil nicht in gleichem Maße respektiert hat. Der Lernprozess ist leider nicht mit einem Fingerschnippen erledigt. Ich hab Zweifel, dass es ein gutes Konzept ist, gleiches mit gleichem zu vergelten. Gerade ansonsten sehr reflektiert argumentierende Personen legen plötzlich jede Sorgfalt ab und verallgemeinern, bis sie die halbe Menschheit erfasst haben. Es ist eigentlich kaum zu glauben, wenn es nicht in rascher Folge zu beobachten wäre.

Es ist gerade – wegen rechtsextremer, faschistischer politischer Ansichten – en vogue, über Menschen herzuziehen, die lautstark „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass …“ parlieren. Tatsächlich findet entweder ein Rückzug in Echokammern statt, wie ich ihn selbst gerade erlebe, oder eine Selbstzensur auch bei Themen, von denen man glaubt, doch gar keine radikale oder extreme Auffassung zu vertreten, allenfalls eine vielleicht mal angestaubte oder unmoderne, nicht ganz dem Konsens entsprechende Meinung. Das werden AfD-Wähler auch denken. Aber zu dieser Art Mensch gehöre ich doch nicht, oder? Oder doch? Unklar. Es wäre an dieser Stelle zum Beispiel unangebracht, bestimmten Frauen vorzuwerfen, dass sie bei ihrem Verhalten froh sein sollen, nicht als Mann zur Welt gekommen zu sein. Und doch erscheinen ein paar solcher Frauen vor meinem geistigen Auge

Ich kümmere mich jetzt um mein nächstes Buch. Ich hab nachgesehen, was ich sonst nie getan habe. Aber ihr glaubt mir ja nicht. Es ist von einer Frau geschrieben. Und prompt bin ich viel kritischer, kann die paar Seiten meiner drittklassigen Science-Fiction-Kindle-unlimited-Literatur nach Feierabend vor dem Einschlafen nicht mehr so herrlich unreflektiert genießen, wie ich mir das wünschen würde. Danke für nichts.

Thema: Ach geh mir wech, danke es geht, Das Leben, das Universum und der ganze Rest, Draußen nur Kännchen | Kommentare deaktiviert für Mann macht ja quasi alles falsch | Autor:

Coronisch unterbelichtet #2 – Gerichtstermin

Dienstag, 19. Mai 2020 8:19

Gestern war meine erste Gerichtsverhandlung in der sog. Corona-Krise.

Der Termine war zunächst abgesagt, dann auf einen anderen Tag verlegt worden, schlussendlich wurde auch noch einmal der Saal geändert. Statt wie üblich in der Kirchstraße fand der Termin im Kriminalgericht an der Turmstraße statt.

Auf der Ladung fand ich keinerlei Hinweise auf besondere Verhaltensregeln, nicht einmal, ob im Gerichtsgebäude ein Mundnasenschutz zu tragen ist. Ich entschied mich, eine Maske dabei zu haben, und setzte die dann auch im Gebäude auf, obwohl ich derzeit weder niesen noch husten muss. Ich atme ganz normal so vor mich hin. Von den professionellen Prozessbeteiligten war ich damit derdie Einzige. Es waren auch eine Menge Zeugen geladen. Eine ältere Dame kam mit ihrem Enkel, beide hatten eine Maske auf, ansonsten noch zwei der weniger als zehn Zuschauer, anscheinend von der Presse. Als die Verhandlung aufgerufen wurde, sammelt sich dann auch erst mal eine im Wesentlichen unmaskierte Traube Menschen vor dem Saaleingang. Viele Justizangestellte hatten eine Maske auf, etliche aber auch nicht.

Im Saal waren die Tische etwas auseinandergerückt. Für den Richtertisch gab es anscheinend eine Plexiglasscheibe. Die hatte man aber beiseite gestellt. Es wurde irgendwie versucht, mindestens 1,5 m Abstand zu halten. Das ging auch solange gut, bis ein Zeuge gebeten wurde, etwas an einer Skizze oder auf einem ausgedruckten Foto zu zeigen. Weil ja alle irgendwie sehen sollen, was gezeigt wird, kamen sich dann doch plötzlich alle recht nahe. Geniest oder gehustet hat aber keiner.

Die Verhandlung zog sich sehr in die Länge. Um 9 Uhr war es losgegangen, um 11 meinte der Vorsitzende, mal eine Pause einzulegen und zu lüften. Das geschah dann auch für 10 Minuten oder eine Viertelstunde. Dann ging es weiter. ZeugInnen kamen und gingen, ebenso BesucherInnen. Dann ging es weiter mit der Beweisaufnahme, also Zeugenvernehmung. Ich saß ziemlich abseits fast 3 bis 4 Meter hinter dem Zeugentisch, etwa einen Meter zur Seite versetzt. Wenn die Leute normal redeten, hörte ich nicht viel. Der Raum ist ein alter denkmalgeschützter Saal mit hohen Decken, hölzener Wandverkleidung und sicherlich auch denkmalgeschütztem Linoleumboden. Das hallt wie in einer Kathedrale. Mit einer Akustikdecke und optimalerweise auch noch Teppichboden wäre das alles viel besser. Hoch lebe das (hässliche, stickige, mit Null Handyempfang gesegnete) AG Tiergarten Nebenstelle Kirchstraße. Denkmalschutz geht bekanntlich vor Benutzbarkeit. Und so spitzte ich meine Ohren, versuchte mich auf das Gemurmel zu konzentrieren und war wenigstens angesichts der Akustik froh, dass die Leute nicht auch noch durch eine Maske reden mussten. Dann hätte ich auch gleich nebenbei besser Musik hören können oder so. Ich hätte nichts verstanden.

Nach rund fünf oder fünfeinhalb Stunden war der Spuk nach einer weiteren Pause zur Urteilsfindung zu Ende. Fenster auf, alle raus (zur Tür, nicht zum Fenster).

Wir stellen fest: Alle üben derzeit noch, mit der Situation zurechtzukommen. Nimmt der Richter oder die Richterin die möglichen Infektionsgefahren ernst, leidet darunter die Verhandlungsfähigkeit wegen Unverständlichkeit, vor allem, weil Räume aus heutiger Sicht suboptimal eingerichtet sind. Wird sie nicht ernstgenommen, verursacht zumindest mir der lange Aufenthalt mit „neuen“ Leuten in relativ kleinen Räumen Unbehagen. Ich hätte gerne eine wirksame, aber unauffällige Möglichkeit, mich selbst zu schützen. Das sieht aber wohl schlecht aus. Also gehe ich weiter davon aus, schon immun zu sein, weil ich mir einbilde, bereits im März ganz leichte Symptome gehabt zu haben. Schwacher Trost. Möge es der Wahrheitsfindung dienen.

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Coronisch unterbelichtet #1

Samstag, 25. April 2020 18:00

Warum denn der nun auch noch?

Ich hätte ja gedacht, dass uns ein Krieg – wahrscheinlich um Wasser1 – ins Mittelalter zurückbombt, aber nicht eine Krankheit. Moment, wieso Mittelalter? Gefühlt ist es ja so: Wenn man auch nur ein bisschen vom bisherigen Lebensstandard zurückschrauben muss, meint man, dass die Welt untergeht. Und ganz ehrlich? Ich hab darauf auch echt kein‘ Bock. Aber ausgesucht hat sich das von uns ja keiner. Und ich denke viel an die, die es bereits jetzt echt hart getroffen hat.

Warum muss also ich nun auch noch was dazu sagen? Die Begründung ist ganz einfach: Wenn Menschen, die weder einen medizinischen, noch einen naturwissenschaftlichen Hintergrund haben, sondern sich einfach deswegen zu einem Thema äußern, weil überdurchschnittlich viele Leute sie kennen, sie also sog. Promis sind, kann ich ja auch einfach ungefragt hier in meinem ureigenen Blog ein bisschen herummeinen.

Worum geht’s denn eigentlich?

Grob zusammenfassen kann man die derzeitigen Auffassungen dessen, was uns gesellschaftlich widerfährt, vielleicht so:

Auf der einen Seite sind die, die mit den Einschränkungen einverstanden sind. Sie haben das Vertrauen, dass die EntscheiderInnen das schon richtig machen werden und gehen vor allem davon aus, dass die Beschränkungen in dem Moment zurückgefahren oder aufgehoben werden, wenn man es verantworten kann. Zu letzterer Gruppe zählen wahrscheinlich mehr Leute, die von den Beschränkungen vielleicht in ihrer Freizeit betroffen sind und vielleicht auch ihren Beruf nicht mehr ganz ungehindert ausüben können, aber insbesondere keine oder nur geringe finanzielle Einbußen haben. Personen, die von Einbußen betroffen sind, aber die Beschränkungen ok finden, haben vielleicht überdurchschnittlich oft direkt mit Menschen zu tun, die entweder schon an COVID-19 erkrankt sind, oder eindeutig zu einer Risikogruppe gehören. Sowas kann das ja auch kompensieren.

Auf der anderen Seite sehe ich Leute, die schon die ersten Einschränkungen mit voller Härte getroffen haben, wie z. B. „kleine“ KünsterInnen, Kneipiers etc. Dass diese Menschen von den getroffenen Maßnahmen nicht durchweg begeistert sind, ist leicht nachvollziehbar. Und trotzdem sind etliche dabei, die ihren persönlichen Shutdown mit großer Haltung tragen. Respekt!

Und dann natürlich so Schlauberger, die meinen, sie könnten jetzt schon überblicken, wie das mit so einer Pandemie geht und das ja auch alles vollkommen übertrieben dargestellt wird. Das sind die Schlimmsten.

Pest oder Cholera?

Man muss als erstes mal festhalten, dass man zumindest hierzulande als politische/r EntscheiderIn nur die Wahl hat, entweder das Gesundheitssystem oder die Wirtschaft vor die Wand zu fahren. Das Gesundheitssystem in diesem Land ist auf Gewinn und Profitabilität ausgelegt. Maschinen wollen genutzt, Operationssäle und Betten belegt sein, damit das System möglichst viel abwirft. Das bedeutet, dass das System möglichst ständig mit Nennlast gefahren werden muss. Eine zusätzliche Belastung ist nicht vorgesehen. Genau diese Situation ist aber eingetreten: Plötzlich müssen unvorhergesehen viel mehr Menschen behandelt werden. Weitere Kapazitäten werden geschaffen, aber Personal fehlt. Das schruppt eh schon Überstunden wie verrückt und geht auf dem Zahnfleisch und ist, was PflegerInnen betrifft, auch noch unterbezahlt. Der Unmut wächst und kippt dann in Wut um, wenn auch noch Arbeitsmittel fehlen, und seien es nur so banale Dinge wie Mundschutze oder Desinfektionsmittel. Schnell treten Stimmungsmacher auf den Plan, dass es ja nicht sein könne, dass das nicht vorhanden ist. Aber die gleichen würden sich wahrscheinlich auch darüber aufregen, wenn alle paar Monate hektoliterweise Desinfektionsmittel vernichtet werden muss, weil es nicht länger lagerfähig ist. Oder man stelle sich vor, dass jemand Masken tragen müsste, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Na, da wäre aber was los! Prompt wird dennoch gefordert, dass man aber sofort solche Masken und natürlich auch Beatmungsgeräte in rauen Mengen vorhalten müsste. Naja, und was ist, wenn wir bei der nächsten Pandemie ganz andere Mittel oder Apparate benötigen? Kann doch sein, dass es auch mal Windeln und Bettpfannen sein müssen, um mal andere Körperöffnungen ins Spiel zu bringen. So einfach ist das also nicht mit dem Bevorraten.

Solange man also ein Gesundheitssystem an der Belastungsgrenze betreibt, stehen keine Überkapazitäten zur Verfügung. Hätte man sie, wären sie wohl längst von irgendeinem emporkömmlichen Manager gestrichen worden. Da muss man sich nichts vormachen. Darum dürfen wir uns nicht wundern, dass unser Gesundheitssystem nur wenig zusätzliche Last verträgt. Aber, und das muss man auch mal feststellen: Im Vergleich zu anderen Ländern stehen wir sehr gut da. Aber solche Vergleiche nutzen eigentlich keinem was. Darum will ich das nicht vertiefen.

Weswegen das mit der Herdenimmunität nicht geht

Jetzt gibt es eine Gruppierung, die sagt, wir brauchen die Herdenimmunität. Ich habe gelesen, dass die erreicht ist, wenn sich 60 bis 70% der Bevölkerung infiziert haben. Manchen wir mal eine Rechnung auf. Es dauert ca. 14 Tage, bis die Krankheit ausbricht. Das RKI sagt, dass milde Verläufe ca. 2 Wochen im Krankenhaus bedeuten, schwere 3 bis 6 Wochen. In China haben die in einer Klinik zu behandelnden Menschen ca. 10 Tage im Krankenhaus gelegen. Nehmen wir einfach mal 14 Tage an. Gleichzeitig haben wir hiernach eine bislang maximale Zahl von aktiven Fällen von knapp 73.000 gehabt. Das ist vielleicht das, was unser Gesundheitssystem verkraften kann. Dabei muss man bedenken, dass schon etliche Operationen abgesagt wurden, um Kapazitäten zu schaffen. Mit einiger Anstrengung sind daher wohl eigentlich nur 50.000 aktive Fälle zu verkraften. Aber egal, nehmen wir mal 70.000. Jetzt teile ich 70.000 Fälle durch 14 Tage. Das sind 5.000 Fälle pro Tag. Wenn wir dem jetzt 80.000.000 Deutsche gegenüberstellen, davon 65% nehmen (60 bis 70% für Herdenimmunität), sind das immer noch 52.000.000. Die teilen wir nun durch 5.000. Das sind 10.400 Tage bis zum Erreichen der Herdenimmunität. Oder 28,5 Jahre. Kannste also vergessen. Die einzige Hoffnung ist, dass schnell ein Medikament gefunden wird, um die Symptome zu lindern und besser natürlich ein Impfstoff.

Update: Mich erreichte der Hinweis, dass ich sehr wahrscheinlich dort einen Rechenfehler begehe, wo ich „aktive Fälle“ mit Krankenhausaufenthalt gleichsetze. Kann sein, allerdings werden ja nur die derzeit getestet, bei denen man echten Anlass – Symptome – hat. Selbst wenn ich mich um den Faktor 10 vertan habe, was ich nicht glaube, wären es immer noch fast 3 Jahre. Das macht es nicht viel besser, solange es Leute gibt, die meinen, bis zum Herbst wäre das alles überstanden.

Update II: Was ich natürlich vergessen habe, ist die Dunkelziffer. Man hört von Bekannten immer wieder von Fällen, wo eine Corona-Infektion vermutet wird, und es gibt ja auch viele Fälle, wo die Krankheit nicht zum Ausbruch kommt, die Leute also auch nie getestet werden. Das wäre so der Hoffnungsschimmer: Es gibt zwar etliche ernsthafte Krankheitsverläufe, aber auch viele nicht erkannte Infektionen. Wenigstens ein Strohhalm, an den man sich klammern kann, so dass es vielleicht etwas schneller geht, bis wir „durch“ sind.

Also die Wirtschaft opfern?

Die Wirtschaft ist ein höchst anfälliges Gebilde, in dem unglaublich viele Zahnräder von allen Seiten ineinandergreifen. Ich habe das mit meinen Kollegen unmittelbar zu spüren bekommen. Wir sind mit unserer kleinen Firma abhängig von öffentlichen Kassen. Weil man die Arbeit in der zweiten Märzhälfte einfach erst mal eingestellt hat2, ging kein Geld mehr auf den Firmenkonten ein. Derzeit tröpfelt es nur ein bisschen. Innerhalb von vier Wochen haben sich die Außenstände um 50% erhöht. Wenn ich also nur ein paar Rädchen zum Stillstand bringe in dem Getriebe, hat das an ganz verschiedenen Stellen Auswirkungen, die man vielleicht auch gar nicht so auf dem Schirm hat. Man hört es in den Nachrichten: Plötzlich müssen überall Milliardenbeiträge locker gemacht werden, um die Wirtschaft zu stützen. Viele rufen auch nach dem Staat: Ihr müsst die Kneipen retten! Ihr müsst die Kinos retten! Ihr müsst die Theater retten! Ihr müsst die Klamottenläden retten! Alles, was uns lieb und teuer ist, muss der Staat retten.

Mal langsam. Vergesst nicht, dass wir alle der Staat sind. Die Kosten werden wir alle wieder einfahren müssen. Ich möchte aber mal einen anderen Gedanken weiterspinnen. Mieter von Kleingewerbeflächen, die jetzt ihre Läden schließen müssen, sagen, VermieterInnen müssen auf ihre Kohle verzichten. Das sind eh alles Immobilienhaie. VermieterInnen sagen, Moment mal. Wir haben auch unsere Verbindlichkeiten. Wir müssen z. B. Kredite für die letzte Luxussanierung bedienen. Moment. Kredite? Die kommen i. d. R. ja von Banken, also den Instituten, denen – weil sie ja systemrelevant (…) sind – vor rund 12 Jahren „der Arsch gerettet“ wurde, als ihr Konstrukt von aufeinanderaufbauendem Geldverleih zusammengebrochen ist. Banken schieben viel von ihrem Geld ja im Grunde nur gegenseitig hin- und her. Also, warum nicht an der Stelle mal einen Cut machen und sagen: Hier, du Bank. Jetzt verzichtest du mal auf die Kohle. Sag es der Bank, der du Geld schuldest. Einigt euch. Handelt einen Schuldenschnitt aus. Mich wundert eigentlich, dass bislang so selten überlegt wird, wie weit man die Grenze, wo der Geldfluss zum Stoppen kommt, eigentlich verlagern kann. Es muss ja nicht zwischen Mietern und Vermietern sein. Sollen es – wie gesagt –  doch mal die Banken unter sich ausmachen. Staaten zeigen ja, dass das grundsätzlich geht.

Beschränkungen – oder die Sache mit dem Dimmer und der Lampe

Und jetzt hat man also auf politischer Ebene ein paar Stellschräubchen, an denen man drehen kann: Drinbleibeempfehlungen (echte Ausgangssperren hatten wir ja gar nicht), Schließung diverser Läden, Kneipen, Bildungs- und Kultureinrichtungen, Reisebehinderungen. Und bei jeder kleinen Einstellung muss man zwei, eher drei Wochen warten, bis man die Wirkung sieht. Das vergessen ja auch viele. Macht euch das klar: Ihr habt eine Lampe mit einem Dimmer. Ihr dreht an dem Dimmer und wisst erst zwei bis drei Wochen später, ob das Licht die gewünschte Helligkeit hat. Ihr habt aber auch überhaupt keine Erfahrung, bei welcher Einstellung des Dimmers die Lampe wie hell ist. Und dann hat der Dimmer auch noch Spiel. Der Drehknopf wackelt ein bisschen, mal hält er sich mehr, mal weniger an die Vorgabe. Nicht so einfach, die richtige Wirkung vorherzusagen, oder?

Aber einige meinen ja, sie könnten das. Oder sagen zwei bis drei Wochen nach Beginn von Beschränkungsmaßnahmen: Seht ihr, es ist nicht so schlimm gekommen, wie ihr gesagt habt. – Nein, Schlauberger. Das ist nämlich die Wirkung der Maßnahmen. Und das nächste Problem ist dann noch, dass Zahlen aus verschiedenen Ländern miteinander verglichen werden, die aber gar nicht auf die gleiche Art und Weise erhoben wurden. Klar kann man Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber sie fallen definitiv nicht vom gleichen Baum.

Man kann es mit den Beschränkungen aber natürlich auch niemandem recht machen. Oder anders: Man kann es eigentlich nur falsch machen. Innerhalb ziemlich kurzer Zeit müssen Entscheidungen gefällt werden. Die SchlaubergerInnen kommen ja erst nach den Entscheidungen daher und wissen, wie man es besser gemacht hätte. Aber vorher zu sagen, was man denn machen sollte, können sie auch nicht. Warum dürfen Friseure bald wieder öffnen, Nagelstudios aber nicht? Weil die Leute sich eher selbst die Fingernägel als die Haare schneiden können? Vielleicht war das sogar ein Gedanke. Oder weil man eben irgendwie versucht, die Zahl der Kontakte zu reduzieren. Und dann kommen dabei eben auch ein paar ziemlich unverständliche, im Grunde irrwitzige Entscheidungen dabei heraus. Aber versetze man sich doch mal in die Lage: Es gibt da die MinisterpräsidentInnenkonferenz, die Kanzlerin und ein paar BeraterInnen sind auch dabei und man fängt irgendwo an: Was machen wir dicht, was lassen wir geöffnet? Das ganze im Blindflug, nämlich ohne zu wissen, was welche Wirkung hat. Dann sind da unterschiedliche Anforderungen: Großstadt versus Flächenland. Und dann müssen sich auch noch etliche Alphatiere auf einen Kompromiss einigen, die das eigentlich gar nicht so richtig gewöhnt sind. Ich finde, wenn man sich das vor Augen hält, ist eigentlich ziemlich viel Gutes dabei herausgekommen. Und trotzdem wird jede/r, derdie unter den Maßnahmen zu leiden hat, das anders sehen. Klar. Absolut verständlich. Ich hab auch kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet die Gerichtskassen nicht mehr arbeiteten, solange die Miete und Gehälter weiter bezahlt werden wollen.

Vielleicht hat man anfangs hierzulande ein bisschen zu viel beschränkt. Darum wird ja jetzt auch gegengesteuert. Und siehe Berechnung oben: Wahrscheinlich werden wir noch sehr, sehr lange mit dieser Geschichte zu tun haben, jedenfalls länger als bis zum Herbst oder so. Ich hoffe, ich kann vielleicht im nächsten Jahr etwa zur selben Zeit ein erstes Resümee ziehen. Sicher ist das nicht: Weder, dass ich bis dahin noch dazu in der Lage bin (tot oder pleite), noch, dass wir es bis dahin überstanden haben.

Schnell hat man auch den Untergang der EU3 kommen sehen, weil man die alten Staatsgrenzen so schnell dichtgemacht hat. Der Grund ist ja, dass die Leute daran gehindert werden sollen, in der Gegend herumzureisen. Nun hätte man auch einfach Deutschland entlang einer Linie, sagen wir Berlin – Essen, in zwei Hälften teilen und den Reiseverkehr an dieser neuen Grenzlinie unterbrechen können. Aber an alten Grenzen geht das nun mal einfacher, weil die Zahl der Verbindungen geringer ist und das Verkehrsaufkommen (Berufsverkehr ist ja weiterhin an vielen Stellen erlaubt) schlicht geringer ist als innerhalb beispielsweise einer Metropolregion. Das Ruhrgebiet in zwei Teile zu teilen, wäre wohl schwieriger, als eine Grenzregion in der Eifel. So habe ich das jedenfalls verstanden, nicht, dass man Deutsche von Luxemburgern oder so trennen will. Darum geht es m. E. nicht.

Maske? Welche Maske?

Ist ja auch so ein Thema: Erst hieß es: Die Masken helfen nicht. Kannste vergessen. Dann kommt die Maskenpflicht an einigen Stellen doch. Aber warum? Ich nehme an, dass es mit der Verfügbarkeit zu tun hat. Wenn man schon Mitte März gesagt hätte, „Leute, setzt alle solche Masken auf“, hätte es vermutlich Tote gegeben, die sich um die Dinger geprügelt hätten. Dass große Bestände aus Krankenhäusern und Praxen gestohlen wurden, spricht neben der Preisentwicklung ja Bände. Also konnte man die Sinnhaftigkeit erst dann bejahen, als es nicht mehr so schwierig aussah, die Menschen, die welche brauchen, mit Masken zu versorgen. Nur so kann ich es mir jedenfalls erklären. Denn wenn der medizinische Sinn fraglich wäre, würde doch niemand im OP oder beim Arzt so ne Maske auch zu normalen Zeiten aufsetzen, oder?

Reicht jetzt auch.

Eigentlich taumle ich hin und her zwischen, „ach wenn du jetzt krank wirst, dann hast du es hinter dir“ und „ach wenn du jetzt krank wirst, bist du eine weitere Last für das Gesundheitssystem“. Und dann kommt die WHO mit der Meldung um die Ecke, dass man gar nicht sicher davon ausgehen könne, mit Antikörpern immun zu sein. Wenn das so sein sollte, können wir die Maßnahmen aufheben, weil das Gesundheitssystem niemals in der Lage sein wird, dem noch Herr zu werden. Das kann noch „heiter“ werden.

Munterbleiben!

 

1Dieser Krieg kann übrigens immer noch kommen. Wir haben nicht aus verschiedenen Varianten des Untergangs unserer Wohlstandsgesellschaft gewählt

2 Obwohl man m. E. praktisch keinen Publikumsverkehr hat.

3 M. E. wird die EU viel eher im Umgang mit dem Diktator in Ungarn oder dem Umgang mit Geflüchteten an den EU-Außengrenzen beerdigt.

Thema: Ach geh mir wech, Das Leben, das Universum und der ganze Rest, Draußen nur Kännchen | Kommentare (0) | Autor:

Ich möchte doch nur einen Beitrag auf @uebermedien lesen

Mittwoch, 31. Oktober 2018 11:17

In meinem Feedreader ploppt ein Beitrag von “Übermedien” auf, der eine Zeitschrift behandelt, die ich früher, teilweise sicherlich 30 Jahre und länger zurück, viel gelesen habe. Es geht um die FMT (Flugmodell und Technik) über Modellfliegerei. Auch heute noch greife ich vielleicht ein Mal im Jahr z. B. für eine Bahnfahrt im Kiosk zu.

Den Verfasser stört im Teaser, dass das Layout und irgendwie alles ganz furchtbar sei, aber andererseits auch perfekt, und er verstehe kein Wort. Unter anderem die Frage, wie man eigentlich beurteilen will, warum alles auch inhaltlich furchtbar schlimm ist, obwohl der Verfasser, wie er selbst zugibt, vom Thema keine Ahnung hat, finde ich spannend.

Mein Interesse ist also geweckt, und ich suche die Möglichkeit, den Beitrag die Leseerlaubnis für einen einzelnen Beitrag käuflich zu erwerben. Ich meine mich zu erinnern, dass das mal über Blendle ging. Dort müsste ich sogar noch ein paar Cent Guthaben liegen haben. Aber die Option gibt es nicht mehr, wie ich schnell ergoogle. Ich finde nur die Möglichkeit, ein Abo – wenn auch auf Probe – abzuschließen. Ich will eigentlich kein Abo. Auch kein Probeabo, weil ich ja jetzt schon bereit bin, für diesen einen Beitrag eine angemessene Summe zu bezahlen. Ich stelle mir für den einmaligen Lesespaß so maximal 2 € (allerhöchstens) vor, was etwa 1/3 des Preises für eine FMT-Ausgabe (6,40 €) entspricht, in der man rund 100 Seiten redaktionelle Inhalte finde, wie mir gerade noch der Übermedien-Teaser verrät.

Ich befürchte auf der Abo-Seite nun eine langwierige Anmeldeprozedur, gleichwohl ist mein Interesse immer noch nicht vollständig erkaltet. Aber schon beim Anklicken der Seite, auf der man das Abo abschließen soll, taucht sofort diese Meldung auf. Spontan habe ich keine Lust mehr.

Ich habe weder eine Ahnung, was Drittanbieter-Cookies sind, geschweige denn, wie ich sie jemals ausgeschaltet habe, noch, wie ich sie wieder zulassen könnte. Und ich habe vor allem keine Lust, mich genau jetzt darum zu kümmern und irgendwelche Verrenkungen zu machen, um nun sogar nicht nur ein Probe-Abo, sondern gar eine Mitgliedschaft abzuschließen, das/die ich nicht will. Mein Geld will man an dieser Stelle nicht.

Ich rede mir ein, dass ich dann wohl doch nicht so viel verpasse, gebe auf und bastle an einem Modellflieger weiter.

Thema: Draußen nur Kännchen, nich so dolle | Kommentare (2) | Autor:

Ist die Straßenmusik am Ende?

Mittwoch, 17. Oktober 2018 21:37

Hint: Wohl kaum.

Seit einiger Zeit gibt es Stress im Mauerpark. Die Polizei geht entweder wegen Beschwerden, oder aus eigener Motivation gegen dort spielende Musiker vor. Auch an anderen Stellen gibt es regelmäßig Stress. Im ersten Moment ist mein innerer Aufschrei groß. Schaut man sich die Szenerie aber mal genauer an, fragt man sich, ob das noch Straßenmusik ist, oder eher ein Open-Air-Konzert, auf dem alle Bands mehr oder weniger gleichzeitig gegeneinander spielen. In nach meinem Geschmack viel zu geringer Distanz stehen die Musiker an sonnigen Sonntagen beinahe aufgereiht an dem Hauptweg, der von der Eberswalder Straße Richtung Gleimstraße verläuft. Oder auf der Wiese. Oder unter den Bäumen. In den Büschen tuckern hier und da Stromaggregate, um die Verstärker mit dem dringend benötigten Strom zu beliefern, denn für die teilweise auf Sackkarren und Bollerwagen, aber auch in Transportern hergebrachten Modelle gibt es längst keine Akkustromversorgung mehr. Alles vermischt sich zu einer Kakophonie aus gut gemeinten Tönen und Wohlstandslärm.

... und dann war Schluss.

Mit dieser Art Dichte und Beschallung verbunden ist eben auch eine Lautstärke, die weit über das hinausgeht, was ich mal unter Straßenmusik kennengelernt habe: Meistens solo mit Gitarre suchte man sich eine Ecke, von der man sich akustische Vorteile versprach, weil sich der Schall möglichst Richtung (hoffentlich zahlungswilligem) Publikum ausbreitete. Wer ein Blasinstrument spielte, z. B. Saxophon, war lautstärkemäßig gegenüber den Gitarrenbardinnen und -barden im Vorteil, konnte allerdings nicht gleichzeitig singen. Kompromiss war dann das Akkordeon, das für meinen Geschmack aber immer nach einer Mischung aus Kirchenmusik und Heilsarmee klingt. Naja, und dann gab (und gibt) es noch Solo- und Gruppentrommler und andere mit selbstgebauten folkloristischen Instrumenten. Mal für den Moment ok, aber nach kurzer Zeit zu stressig.

Mehr geht nicht

Natürlich ermöglicht elektrischer Strom auf der Wiese eine ganz andere Bandbreite von Instrumenten. Und es ist für sich genommen wirklich großartig, was einem geboten wird. Tasteninstrumente wären undenkbar, weil man ein Klavier nicht mal eben durch die Gegend karrt und dann erforderlicherweise auch noch stimmt. Oder Bass. E-Bass und Kontrabass sind nunmal stark unterschiedliche Instrumente. Ein Kontrabass ist einerseits sperrig, beim Klang auf der Wiese aber verdammt dünn. Beatboxing ohne Mikrofon bringt’s nicht so. Aber wenn die komplette Band vom „Band“ kommt und man nur ein paar dünne Tönchen dazuzirpt, stellt sich mir doch die Frage, ob das noch im Sinne des Erfinders ist.

Beatbox und Posaune

Jetzt kann man natürlich gleich die Spießer-Keule rausholen und auf mich einprügeln. Das ist schließlich Kunst, und die ist frei. Jaja. Schon gut. Das Ganze hat aber auch etwas mit Respekt und Toleranz zu tun. Und Toleranz ist eben etwas, was man mehr erbringen muss, als einfordern darf. Verstärker haben ja einen Lautstärkeknopf, und will ich meinen Sound auf einer platten Wiese hörbar machen, muss ich eben weiter aufdrehen, als wenn ich mich in eine Mauerecke oder unter eine Unterführung stelle.

Der Ton macht die Musik, nicht die Lautstärke.

Rupert's Kitchen Orchestra

 

Thema: Das Leben, das Universum und der ganze Rest, Draußen nur Kännchen | Kommentare (0) | Autor:

„Die Leute sollen nicht googlen“

Dienstag, 17. Oktober 2017 7:05

Gestern Abend hab ich mit meiner 2-Mann-Band an einer Open Stage teilgenommen. Es war das erste Mal, dass wir in dem Laden aufgetreten sind und so hab ich vorher geschaut, wie ich dort hin komme. Ich tippe den Namen des Ladens bei Google-Maps ein und sehe schnell, wo ich hin muss. Was ich aber auch sehe: „Heute geschlossen.“ und morgen auch. Und übermorgen sowieso. Geöffnet von donnerstags bis sonntags.

Leicht irritiert schaue ich auf der Homepage, jedenfalls dort, was ich für die Homepage halte. „DIESER DOMAINNAME IST REGISTRIERT“ leuchtet es mir entgegen. Also wieder googlen. Ok, die beiden Namensteile des Ladens sind noch mit einem Bindestrich voneinander getrennt. Dort gibt es einen Kalender, wo ich auch die Veranstaltung „Offene Bühne“ finde, im Gegensatz übrigens zur Facebook-Seite, auf der nur vergangene Veranstaltung aufgelistet sind.

Ich mache mich auf den Weg und bin auch rechtzeitig vor Ort, wo ich einen recht kauzigen Techniker vorfinde. Zusammen mit dem Menschen hinter der Theke mache ich die beiden auf den Umstand „heute geschlossen“ in Google Maps aufmerksam, und dass man das wohl ziemlich leicht ändern kann. Ja ne, so richtig geöffnet wäre ja heute nicht, weil es eben kein Konzert oder keine Lesung sei, sondern die offene Bühne, meint der Techniker, was ich mit Fragezeichen in den Augen beantworte.

Nunja, die Leute würden sich aber bestimmt vielfach via Google über den Anreiseweg informieren. „Das geht ja auch am besten.“, schiebe ich noch nach. „Unsinn.“ [sinngemäß] schallt es mir entgegen. Da nehme man berlin.de und dann den dortigen Stadtplan. Die Leute sollen nicht googlen.

Ich hab’s dann sein gelassen. Stattdessen haben wir vier Songs vor fast leeren Reihen gespielt.

Thema: Draußen nur Kännchen | Kommentare (0) | Autor:

Mal rischtisch hart durchgreifen! Eine kleine Bildergeschichte.

Sonntag, 3. September 2017 20:49

Heute im Mauerpark spielte unter anderem ein Gitarren-Duo, das sehr gut dazu zweistimmig sang. Es standen einige Leute herum und hörten bei angenehmer Lautstärke zu.

Schöne Musik!

Am Rand standen ein paar verdächtige Zuhörer. Sie warteten das Stück noch ab.

Verdächtige Zuhörer

Und dann war Schluss mit lustig. Echt ne ganz, ganz große Leistung.

... und dann war Schluss.

Mann, war ich sauer. 🙁

Thema: Ach geh mir wech, Draußen nur Kännchen | Kommentare (0) | Autor:

Fête de la Gratis

Dienstag, 20. Juni 2017 8:46

Einerseits ist die Veranstaltung toll, weil überall viel gute Musik gespielt, andererseits absolut verachtenswert, weil „alle“ dran verdienen, nur die Musiker nicht.

Wer sich heute als Musiker betätigt, aber weder zu den oberen Zehntausend, noch zu den staatlich geförderten Künstlern gehört, hat es schwer, wenigstens die Ausgaben für Equipment, Proberaummiete, Fahrtkosten etc. wieder reinzubekommen. Musik hat einfach keinen Wert.
Radio KitchenUnd dann die Fête de la musique. Alle spielen umsonst und draußen am längsten Tag des Jahres! Was für eine tolle Idee, eigentlich. Auch ich werde mich beteiligen, obwohl man das gar nicht unterstützen dürfte. Denn, Equipment (Ton, Licht, Bühne, Dach …), um auf der grünen Wiese eine Bühne aufzubauen, will in der Regel gegen Gebühr geliehen werden. Besucher, die sich ein bisschen Musik anhören wollen, kommen vorbei und holen sich am Getränkestand ein Bier oder einen Wein. Dann noch ne Wurst vom Grill. Rrrring, wieder klingeln irgendwo ein paar Euro in der Kasse.

Nur der Anlass, weswegen die Leute kommen, die Musiker, sie bekommen keinen Cent, während alle drumherum irgendwie davon profitieren. Aber hey, es ist ja Werbung …

 

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[WordPress] Problem gelöst: Http-Fehler beim Foto-Upload

Donnerstag, 12. Mai 2016 22:15

Im letzten Beitrag hatte ich es schon angerissen. Ich hatte seit einiger Zeit Schwierigkeiten mit dem Foto-Upload. Ich dachte schon, das Ende von „willsagen.de“ sei nahe, da kam plötzlich ein freundliches Hilfeangebot von Kathrin Passig, sie würde sich das mal ansehen.

Beim Upload tauchte stets ein (mir) nichtssagender http-Fehler auf, etwa so: html

Kathrin hat dann herausgefunden, dass die Fotos zwar im ftp-Verzeichnis, wo sie hinsollen, ankommen, aber dann geht es irgendwie nicht weiter. Die Lösung hat sie dann hier im letzten Kommentar gefunden. Ich zitiere mal:

Der Fehler liegt offenbar am PHP-Modul Imagick, was für die Komprimierung der Bilder nach dem Upload zuständig ist.“

Mit diesem Plugin lässt sich das reparieren, in dem auf das alte Modul „GD“ umgestellt wird. Tja toll. Darauf soll einer kommen.

Thema: Draußen nur Kännchen, Linkomat, Wichtigpopichtig! | Kommentare (2) | Autor:

Wie die Apps auf den iPad-Oldtimer kommen

Dienstag, 29. März 2016 18:56

Ich leihe mir von meinem Freund ein iPad, um herauszufinden, ob ich es für einen Bandauftritt als digitales Textbuch verwenden kann. Es ist nicht so einfach, ein iPad auszuleihen, weil es viele Leute eben nicht mal eben für ein paar Wochen oder so weggeben können oder wollen. Ich bekomme eins und zwar einen echten Oldtimer, nämlich ein iPad 1.

Mein Freund gibt mir doch seine Säuernis mit auf den Weg, weil er es unmöglich findet, dass man das alte Ding quasi nicht mehr benutzen kann. Viel zu viele Apps lassen sich einfach nicht mehr installieren. Hat man im Appstore seine Wunsch-App gefunden, bekommt man viel zu häufig diese Meldung zu sehen.

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Problem: Auf dem Oldtimer-iPad läuft nur iOS 5. Und eine neuere Version lässt sich nicht installieren. Nach einigem Gugeln finde ich einen Workaround, der auch tatsächlich funktioniert. Man muss auf einem iMac oder Macbook iTunes öffnen (iTunes unter Windows wird wohl auch gehen), dort in den Appstore gehen und die gewünschte App laden. Die ist dann erst mal auf dem jeweiligen Rechner.

Dann nimmt man den Oldtimer zur Hand und öffnet dort den Appstore. Wichtig ist, dass man mit dem gleichen Apple-Account wie auf dem Macbook/iMac angemeldet ist. Nun sucht man wiederum die gewünschte App und installiert sie. Zwar bekommt man auch wieder eine Fehlermeldung vorgesetzt, aber man hat nun auch die Alternative, die letzte funktionierende Version zu laden.

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Voilà, nun laufen die alten Apps auf dem Oldtimer-iPad.

Thema: an Apple a day, Draußen nur Kännchen, Neues aus der Bastelbude, nich so dolle | Kommentare (1) | Autor: