Ich kann jetzt tiefziehen und tischstichsägen

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Derzeit bin ich dabei, einen neuen Copter zu bauen, nachdem sich mein Klappcopter in der Luft desintegriert hat. (Seufz.) Das mit dem Klappen war ja ganz nett, gebraucht habe ich es dann aber praktisch nie. Der Plan war mal, den Copter in den Rucksack zu stecken und mal hierhin, mal dorthin mitzunehmen. Hab ich eigentlich nie gemacht. Als er dann ziemlich kaputt war, hatte ich keine Lust mehr, ihn zu reparieren. Also nehme ich einen großen Teil der Komponenten für einen neuen Copter.

Jetzt möchte ich mal ein Original (*hust*) nachbauen. Gut. Original ist bei Dingen, die es in echt gar nicht gibt, immer schwierig. Naja, jedenfalls soll es ein Tricopter-Modell des Slave 1, also des Raumschiffs von Boba Fett aus Star Wars werden. Das ist natürlich alles andere als ein Tricopter, sondern ein Dings mit Repulsoren und Ionen-Triebwerken oder so. Die gibt es aber leider nicht für Flugmodelle, und so sollen links und rechts sowie hinten, ne vorne, eben Propeller drankommen. Dazu später mehr.

Tiefziehkiste

Jedenfalls war der Plan, mir ein Hasbro-Modell vom Slave 1 zu besorgen und das abzuformen. Als leichter und ausreichend stabiler Rumpf bietet sich tiefgezogener Kunststoff an. Also musste eine Tiefziehkiste her. Im Grunde ist das eine Kiste, die oben mit einem Lochblech versehen wird. Dann kommt ein Anschluss für einen Staubsauger dran. Den Kunststoff (PET-G-Platten) spannt man in einen Rahmen ein, macht ihn warm und drückt ihn bei angeschaltetem Sauger über das abzuformende Modell, das auf dem Lochblech liegt. Sowas gibt es fertig zu kaufen. Eine Kiste war aber vorhanden, so dass ich mich mit der Bestellung eines Rahmens, eines Staubsaugeradapters, eines Lochblechs und natürlich Kunststoffmaterial begnügte.

In die Box kamen noch zwei Wände, damit das Lochblech, das ich mit Silikon aufgeklebt habe, sich nicht durchbiegt.

Da meine Slave-1-Form sehr hoch baut, wollte sich der Kunststoff nicht sauber um das Modell legen. Lässt man den Staubsauger eingeschaltet, kann man mit dem Heißluftfön noch gut nachhelfen. Insgesamt bin mit meinem Ergebnis jedenfalls zufrieden. Klar, die Details sind natürlich auf der Innenseite viel scharfkantiger. Aber so sehr kommt es mir nun auch nicht drauf an. Passt scho‘.

 

Stichsägetisch

Das Chassis wollte ich aus Holz bauen. Durch den Ei-förmigen Grundriss muss man allerlei krumme Linien aussägen. Schnell glitt die Maus zum ebay-Kleinanzeigen-Link und der Suchbegriff „Bandsäge“ füllte sich quasi von selbst ins Suchfeld ein. Aber ach. Kein Platz und zu teuer, der Spaß. Außerdem: Wie soll man mit der Bandsäge Löcher aussägen? Man kann das Sägeband ja nicht mal eben teilen und wieder zusammenschweißen (supergroße und tolle Bandsägen haben natürlich so eine Schweißvorrichtung, aber nicht die Hobbydinger).

Ich erinnerte mich an eine alte, kleine Black&Decker-Stichsäge. Wenn ich die unter einen Tisch schraube und ein schmales Sägeblatt durchschauen lasse, wäre das doch was. Also schnell im Baumarkt eine kleine Multiplexplatte besorgt, etliche Löcher gebohrt, zwei Vierkanthölzer angeschraubt (eins als Bein, eins zum Einspannen im Schraubstock), damit war ich im Grunde schon fertig.

Denn schon vor längerer Zeit hatte ich in ein Verlängerungskabel einen Taster eingebaut und auf ein Brett geschraubt. Und dann lag da immer noch so ein kleiner Dimmer für die Steckdose herum. Damit hatte ich nun also eine Möglichkeit, die Säge mit dem Fuß zu betätigen (den Schalter an der Säge habe ich mit einem Kabelbinder dauerhaft eingeschaltet) und kann auch noch die Geschwindigkeit zu regeln. Tja, was soll ich sagen? Geht super!

 

 

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Ist die Straßenmusik am Ende?

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Hint: Wohl kaum.

Seit einiger Zeit gibt es Stress im Mauerpark. Die Polizei geht entweder wegen Beschwerden, oder aus eigener Motivation gegen dort spielende Musiker vor. Auch an anderen Stellen gibt es regelmäßig Stress. Im ersten Moment ist mein innerer Aufschrei groß. Schaut man sich die Szenerie aber mal genauer an, fragt man sich, ob das noch Straßenmusik ist, oder eher ein Open-Air-Konzert, auf dem alle Bands mehr oder weniger gleichzeitig gegeneinander spielen. In nach meinem Geschmack viel zu geringer Distanz stehen die Musiker an sonnigen Sonntagen beinahe aufgereiht an dem Hauptweg, der von der Eberswalder Straße Richtung Gleimstraße verläuft. Oder auf der Wiese. Oder unter den Bäumen. In den Büschen tuckern hier und da Stromaggregate, um die Verstärker mit dem dringend benötigten Strom zu beliefern, denn für die teilweise auf Sackkarren und Bollerwagen, aber auch in Transportern hergebrachten Modelle gibt es längst keine Akkustromversorgung mehr. Alles vermischt sich zu einer Kakophonie aus gut gemeinten Tönen und Wohlstandslärm.

... und dann war Schluss.

Mit dieser Art Dichte und Beschallung verbunden ist eben auch eine Lautstärke, die weit über das hinausgeht, was ich mal unter Straßenmusik kennengelernt habe: Meistens solo mit Gitarre suchte man sich eine Ecke, von der man sich akustische Vorteile versprach, weil sich der Schall möglichst Richtung (hoffentlich zahlungswilligem) Publikum ausbreitete. Wer ein Blasinstrument spielte, z. B. Saxophon, war lautstärkemäßig gegenüber den Gitarrenbardinnen und -barden im Vorteil, konnte allerdings nicht gleichzeitig singen. Kompromiss war dann das Akkordeon, das für meinen Geschmack aber immer nach einer Mischung aus Kirchenmusik und Heilsarmee klingt. Naja, und dann gab (und gibt) es noch Solo- und Gruppentrommler und andere mit selbstgebauten folkloristischen Instrumenten. Mal für den Moment ok, aber nach kurzer Zeit zu stressig.

Mehr geht nicht

Natürlich ermöglicht elektrischer Strom auf der Wiese eine ganz andere Bandbreite von Instrumenten. Und es ist für sich genommen wirklich großartig, was einem geboten wird. Tasteninstrumente wären undenkbar, weil man ein Klavier nicht mal eben durch die Gegend karrt und dann erforderlicherweise auch noch stimmt. Oder Bass. E-Bass und Kontrabass sind nunmal stark unterschiedliche Instrumente. Ein Kontrabass ist einerseits sperrig, beim Klang auf der Wiese aber verdammt dünn. Beatboxing ohne Mikrofon bringt’s nicht so. Aber wenn die komplette Band vom „Band“ kommt und man nur ein paar dünne Tönchen dazuzirpt, stellt sich mir doch die Frage, ob das noch im Sinne des Erfinders ist.

Beatbox und Posaune

Jetzt kann man natürlich gleich die Spießer-Keule rausholen und auf mich einprügeln. Das ist schließlich Kunst, und die ist frei. Jaja. Schon gut. Das Ganze hat aber auch etwas mit Respekt und Toleranz zu tun. Und Toleranz ist eben etwas, was man mehr erbringen muss, als einfordern darf. Verstärker haben ja einen Lautstärkeknopf, und will ich meinen Sound auf einer platten Wiese hörbar machen, muss ich eben weiter aufdrehen, als wenn ich mich in eine Mauerecke oder unter eine Unterführung stelle.

Der Ton macht die Musik, nicht die Lautstärke.

Rupert's Kitchen Orchestra

 

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[Fusselflieger] Copter mit Selfie-Stick

Sonntag, 16. September 2018

Ich weiß nicht mehr, wo ich die Idee herhabe, ich glaube, aus einer Facebook-Gruppe. Jedenfalls fand ich die Perspektive ganz lustig und wollte sowas auch bauen: Einen Selfie-Stick für meinen Copter.

Um die „hübsche“ Haube zu halten, gucken oben aus meinem Copter vier Verschraubungen heraus. Ideal, um dort etwas zu montieren. Ich nahm ein paar Teile eines alten Lenkdrachens, genau gesagt eine dünne Kohlefaserstange, eine dickere sowie einen 90°-Verbinder und montierte das Ganze auf einem kleinen Elektromotor aus dem Schubladenantrieb eines alten CD-Rom-Laufwerks. Der Motor hat keine elektrische Funktion. Er dient hier lediglich einer leichtgängigen drehbaren Lagerung. Das alles habe ich dann noch auf ein Brettchen geklebt, zwei Löcher rein gebohrt und alles mit Glasfasermatte und Sekundenkleber verstärkt.

Am einen Ende der dickeren Kohlefaserstange hängt die Kamera, am anderen Ende ein Gegengewicht. Ich war mir nicht sicher, ob das eher eine Absturzhilfe wird, oder die beabsichtigte Kamerahalterung. Es stellt sich heraus, dass sich der Copter von dem Aufbau nicht großartig beeindrucken lässt.

So sieht das am Boden aus:

 

Heute war der Erstflug dieses hübschen Werks. Dieses Video ist dabei herausgekommen:

Ganz lustig, oder?

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Das Ende von „La Cucina“

Freitag, 24. August 2018

Mein kleiner Italiener hat dicht gemacht. Unzählige Male waren wir dort unten an der Schönhauser Allee kurz vor der Torstraße mittags vom Büro aus zum Essen. Eine Portion Pasta und einen kleinen Salat gab es meistens. Pasta mal mit Gemüse, mal mit Rind-, Schwein- oder Überraschungsfleisch. War immer lecker und das Personal sehr freundlich. Am Ende gab es stets einen hervorragenden Espresso „auf’s Haus“.

Da ist man mal kurz im Urlaub und schon schließt der Laden – wegen Sanierung. Es war auch ziemlich usselig drinnen, und das gesamte Inventar hätte mal eine Auffrischung gebraucht. Da aber lange Zeit unklar war, wann denn die Sanierung nach einem Verkauf des Hauses losgehen soll, hat der Betreiber gescheut, noch Geld zu investieren, wie er mir mal sagte. Wahrscheinlich wird die Miete nun so weit angehoben, dass er dort auch keine Pizzeria wieder eröffnen wird. Zwischenzeitlich hat er nämlich in Schwanebeck was Neues aufgebaut, wenn ich mich nicht irre, das „Buona Fortuna„*. Ich wünsche gute Umsätze und nette Gäste!**

Seit ein paar Tagen ziert ein großes Mural die Fassade. Das entschädigt wenigstens ein bisschen. Aber nur ein ganz bisschen. „La Cucina“ war unten rechts im Haus, links neben „BurgerVision“.

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*Nein, ich weiß nicht, warum das hintere Anführungszeichen auch unten ist. In der Voransicht sind beide oben.

** Es könnte auch das Don Giovanni sein. 

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Es werde Tretboot!

Samstag, 11. August 2018

Der Plan, ein Tretboot zu bauen, dümpelte knapp ein Jahr so vor sich hin. Ziemlich rasch hatte ich mir aufblasbare Schwimmer besorgt, sogar welche, die extra für ein Tretboot („Seabike“) gedacht sind. Auch der Plan, wie ich darauf eine Plattform für zwei Sitze befestigen könnte, nahm schnell Formen an. Nur der Antrieb machte mir nach wie vor Sorgen. Ich hatte mir zwar schon Teile von drei Fahrrädern besorgt, die Crashversuchen unserer Firma „zum Opfer gefallen“ waren. Für das geplante Hybrid-Tretboot brauche ich vor allem einen Generator. Die Wahl fiel auf einen kleinen Windgenerator, der aber so seine 1000 bis 1500 1/min braucht, um halbwegs akzeptable Leistung abzugeben. So schnell trampelt kein Schwein. Ich sah mich also nach einigermaßen passenden Getrieben um, und irgendwann lag auch ein Planetengetriebe vor mir mit einer  Übersetzung von 23:1, was theoretisch ganz gut hinkommen müsste.

Jedenfalls drehte ich passende Adapter und besorgte mich noch die richtigen Ritzel, um das alles in die Gänge zu bekommen. Aber beim Versuch, das ganze Werk von Hand durchzudrehen, lag der Verdacht nahe, eher eine Energievernichtungsmaschine als ein Tretboot zu bauen.

Also legte ich das ganze Zeug erst mal in die Ecke. Dennoch guckte es mich dauernd an. Der Urlaub rückte näher und damit auch der Wunsch, Tretboot zu fahren. Gut zwei Wochen, bevor es nach Krakow am See gehen sollte, hielt ich es nicht mehr aus. Ich griff mir also die Fahrradteile und fing an, mit Flex und Schweißgerät etwas zusammenzubauen, was das Boot irgendwie antreiben könnte. Aber wie groß muss die Übersetzung sein? Welchen Tiefgang hat das Boot? Wie groß muss der Abstand zwischen Sitz und Tretkurbel sein? Fragen über Fragen. Sicherlich kann man das alles irgendwie planen, konstruieren und zeichnen. Dazu hatte ich aber keine Lust. Also fing ich – wie immer – einfach an zu bauen.

Praktisch alle herkömmlichen Tretboote funktionieren mit Schaufelrädern. Der naheliegendste Grund neben der Robustheit ist, dass man die Ausrichtung der Welle nicht ändern muss. Tretwelle und Schaufelradwelle liegen quer zum Boot, meistens ist es ja sogar eine einzige Welle. Aber die Schaufelradantriebe haben einen schlechten Wirkungsgrad. Darum wollte ich auf jeden Fall einen Schraubenantrieb. Verschiedene Schrauben hatte ich auch schon liegen, aber die beste bekam ich erst vor kurzem von meinem Arbeitskollegen geschenkt, zusammen mit einem defekten Torqeedo-Elektro-Außenborder, den ich ihm schon mal repariert hatte. Nunmehr sah der Fall allerdings hoffnungslos aus.

Der Plan war jetzt ein zweistufiges Getriebe. Die erste Stufe sollte ein Winkeltrieb sein mit sich unter 90° kreuzenden Wellen, die zweite Stufe ein Kettenantrieb: oben großes, unten auf der Schraubenwelle ein kleines Ritzel.

Ich nahm also das Tretlagerteil eines Fahrradrahmens mit dem großen Ritzel und ordnete dazu ein auf einer Fahrradnabe sitzendes kleines Ritzel an. Ein paar Schweißpunkte, fest.

Auf das Ende der Welle hab ich eine alte Tretlagerwelle geschweißt (zur Zentrierung erst hohlgebohrt). Damit hatte ich am an anderen Ende gleich den nötigen Vierkant, um ein großes Fahrradritzel anzubringen, von dem ich die Tretkurbel abgeflext hab.

Weiter unten sitzt eine zweite Fahrradnabe mit einem kleinen Ritzel und am anderen Ende die Schraube. Damit laufen die Kette und das untere Ritzel zwar im Wasser, für einen Prototypbetrieb sollte das aber auf jeden Fall gehen.

 

Damit sich die Schraube nicht löst, habe ich die Welle quer durchbohrt und einen Sicherungsstift eingesetzt, der in eine entsprechenden Nut in die Schraube greift.

An anderen Stellen war es schwieriger mit Verdrehsicherungen, so dass ich z. B. das kleine Ritzel an dem Winkeltrieb angeschweißt habe.

Bei ersten Sitzproben meinte ich, dass die Fahrradtretkurbeln zu lang sind. Wenn man auf einem Fahrrad sitzt, tritt man ja quasi von oben nach unten, auf dem Tretboot aber mehr nach vorn. Man ist in den Hüften also schon stärker eingeknickt. Damit ist der Bewegungsraum eingeschränkt. Da ich natürlich nicht die passenden Gewindebohrer für die Pedale habe (Rechts- und Linksgewinde), habe ich kurzerhand neue Löcher in die Pedalarme gebohrt, die Pedalarme gekürzt, die Gewinde an den Pedalen abgeschliffen und die Pedalen angeschweißt.

Um die Tretmühle am Tretboot anzubringen, hab ich noch einen Ausleger mit einem Winkelstahl angeschweißt. Der Winkelstahl sitzt dann quer vorn am Boot.

Das Tretboot selbst besteht aus den beiden aufblasbaren Schwimmern und vor allem drei kurzen Alu-Leitern (6 Sprossen), die ich mir über ebay bestellt habe. Diese liegen hintereinander quer auf dem Boot und sind mit drei Gewindestangen verbunden, die ich durch die Sprossen gesteckt habe. Die Leiten habe ich noch mit an den Seiten umgekantetem Aluriffelblech belegt. Man will ja nicht zwischen den Sprossen durchrutschen.

An zwei vorderen Enden der drei Gewindestangen wird die Tretmühle befestigt, hinten ein Winkelprofil, an dem ich erst mal ein Kanupaddel als Ruder befestigt habe. Lenken will ich ja schließlich auch.

An den Schwimmern gibt es mehrere Ösen, durch die ich 18 mm dicke Alurohre gesteckt habe (2 mm Wandstärke). Da liegen die Leitern auf und sind mit Spanngurten fixiert. Das geht ganz gut und hält (zumindest bislang). Nachdem sich die Schwimmer in der extremen Hitze aber ziemlich gedehnt haben, ist es wohl doch besser, die Rohre noch etwas zu verlängern und ggf. auch noch vorn und hinten kurze Querverbindungen durch die restlichen Ösen zu stecken, weil die Schwimmer sonst unmittelbar hinter den Enden der Rohre Knickfalten bilden können. Mal sehen.

Als Sitze fungieren leichte, zusammensteckbare Campingsitze. Auch die werden mit Spanngurten in Position gehalten.

Dass die Tretmühle außermittig sitzt, ergibt allenfangs beim Losfahren eine kleine Tendenz zur Drehung um die Hochachse. Sobald man etwas Druck auf dem Ruder hat, ist das Manövrieren aber gar kein Problem mehr und man muss praktisch nicht gegenhalten.

Zunächst hatte ich die größtmögliche Übersetzung gewählt. Das sind 2 Stufen á 42:11 Zähne. Macht zusammen (42/11)*(42/11) eine Gesamtübersetzung von 14,6:1 . Es zeigte sich dann aber, dass das Treten zu schwer ging. Außerdem hatte ich schon bei den ersten Fahrten Probleme mit einem übersetzenden Zahnrad an der ersten Getriebestufe, dem Winkeltrieb.

Der besteht ja aus normalen Fahrradritzeln, die nun mal für über sie laufende Ketten gedacht sind, aber nicht zum Direkteingriff der Zähne. Außerdem bestand das große Ritzel – was ich nicht wusste – aus Aluminium und wurde schneller zerspant, als ich gucken konnte. Also musste ich noch im Urlaub für Ersatz sorgen, aber das ist eine andere Geschichte.

An der vorderen Kette hatte ich 3 Zahnkränze zur Auswahl. Ich baute zunächst auf den nächst kleineren um, wofür ich die Kette kürzen musste.

Das nächst kleinere Zahnrad hat 34 Zähne. Damit ergibt sich dann eine Gesamtübersetzung von (42/11)*(34/11) = 11,8:1. Ich hätte auch noch gern den kleinsten Zahnkranz ausprobiert, hatte die Kette auch schon wieder aufgetrennt, aber es zeigte sich, dass die Kette entweder zu lang war (sprang ab), oder zu kurz, so dass ich sie nicht zusammen bekam. Schließlich kann man minimal zwei Glieder herausnehmen. Eines hätte genau gepasst, ging aber nicht. Und da ich keinen Kettenspanner verbaut oder eine Möglichkeit hatte, die Kette zu spannen, musste ich diesen Versuch also abbrechen und die Kette in der alten Länge wieder zusammennieten. Wenn ich nochmal eine Tretantriebvariante baue und die gleiche Schraube verwenden kann, würde ich wohl eine Übersetzung zwischen 10:1 und 11:1 anstreben. Dann aber mit richtigen Zahnrädern!

Die Probefahrten verliefen nun recht erfolgreich. An der Ausrichtung der Plattform auf den Schwimmern muss ich noch etwas arbeiten. Das dürfte alles gern noch ein Stückchen weiter nach vorn für eine bessere Schwerpunktlage. Außerdem müsste die Schraube so 5 bis 10 cm tiefer ins Wasser ragen, wobei das auch wieder von der Schwerpunktlage abhängt. Und so konnten die ersten Fahrten unter der gleißenden Sonne Mecklenburgs unternommen werden. Während der Antrieb leise ratterte, dachte ich schon über ein Sonnendach nach …

Aber eigentlich sollte das Boot ja einen Hybridantrieb bekommen, also eine elektrisch betriebene Schraube, für die die Energie einerseits „ertreten“ und andererseits durch Sonnenenergie erzeugt werden sollte. Für den Antrieb hatte ich mir  von Amazon den kleinsten Außenborder besorgt, den ich kriegen konnte. Der hat auch nicht etwa eine stufenlose Drehzahlregelung, sondern nur halbe Fahrt und volle Fahrt. Naja, und die Drehrichtung kann man auch schalten. Immerhinque!

Nachdem die Trettestfahrten soweit abgeschlossen waren, hab ich dann provisorisch diesen Motor angebracht.

Wenn man sich den kleinen Propeller so ansieht, kann man sich nicht vorstellen, dass das damit funktioniert. Leider wirkt die Schraube auch ziemlich zerbrechlich. Die eine Ersatzschraube, die dem Motor beilag, ist wenigstens ein bisschen beruhigend. Mal sehen, ob ich da was 3D-drucken kann.

Als Spannungsquelle kamen zwei parallel geschaltete Modellflugzeug-Akkus zum Einsatz. Die haben rund 12 V. Damit kann man locker ne halbe Stunde fahren, ohne sie zu leer zu nuckeln. Und man ist durchaus flott unterwegs!

Wenn ich das richtig ausgerechnet hab, lag die Leistungsaufnahme des Antriebs bei meinen Testfahrten bei rund 120 Watt. Die muss man erst mal auf Dauer trampeln! (Zumal ja mein Planetengetriebe unter Umständen nicht unerheblich zu einem schlechten Wirkungsgrad beträgt. Ach je…)

Die Elektrotestfahrten hab ich nur einsitzig durchgeführt. Mit zwei Personen braucht man dann auch nicht unbedingt weniger Leistung. Alles schreit also danach, zum Tretantrieb noch ein Solarpanel zu verbauen. Das könnte auch gleich schönen Schatten spenden.

Zerlegt ist das Boot recht kompakt und lässt sich ganz gut im Auto verstauen.

Und wer mir in den Kommentaren sagt, welches Teil auf diesen Fotos fehlt, gewinnt eine Freifahrt!

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Rupert’s Kitchen Orchestra macht ernst und sich unbeliebt.

Donnerstag, 2. August 2018

Vor vielen Jahren entdeckte ich zufällig die Band „Rupert’s Kitchen Orchestra“. Ich mochte die Musik, die Texte waren lustig und hintersinnig, die Musiker erkennbar beseelt von dem, was sie tun. Ich hab viele gute Worte über die Band verloren, sie Bekannten und Freunden empfohlen, bin zu Konzerten gegangen und habe CDs gekauft. Es ging sogar so weit, dass mein Kumpel Bonus und ich nach einer Aufforderung von Rupet’s Kitchen Orchestra auf Facebook (der Link geht nicht mehr, weil der Beitrag gelöscht wurde), den Song „Wir retten Berlin“ nicht nur gecovert haben, sondern auch ein kleines Video dazu gedreht haben, das man sich bei Youtube ansehen konnte. Gerade mal 176 Leute haben das in den vergangenen knapp viereinhalb Jahren getan. Was für ein Erfolg!

Vor drei Wochen bekam ich plötzlich eine Nachricht über einen Kommentar von Youtube-User „rupertskitchen“ unter meinem Video:

Hey Willsagen, bitte nimm das Video inzwischen mal raus oder mache viel deutlicher, daß Du coverst. Danke!

Weil ich nicht so richtig wusste, was nun genau das Problem ist, antwortete ich:

„Text + Musik: Rupert’s Kitchen Orchestra“ Wie deutlich soll es denn sein? Ich sag mal so: IHR habt damals dazu AUFGERUFEN, das zu covern. Und ich hab gleich in der ersten Zeile den Urheber vermerkt. Was ist daran falsch?

Rupert’s Kitchen Orchestra:

Nenne doch einfach Deinen Künstlernamen im Titel.

Das hab ich dann ehrlich gesagt nicht so recht verstanden. Schließlich habe ich keinen „Künsternamen“, und das Video ist eindeutig nicht im YouTube-Kanal von Rupert’s Kitchen Orchestra aufgeführt.

Daher:

Meinen? Ich hab jetzt mal euern Bandnamen dazugeschrieben.

So sah das dann als Screenshot aus:

Gestern dann:

Willsagen, bitte lösche den Song umgehend, die Aktion von damals ist vorbei. Vermeide unangenehme Konsequenzen. Danke.

Da habe ich mich ja dann doch gefragt, welche Synapsen da wohl gerade klemmen. Es ist eine Coverversion, die nach Aufforderung der Band aufgenommen wurde, also erwünscht und legitimiert war. In den Kommentaren des damaligen Facebook-Beitrags fand die auch durchaus Anklang und es wurde insbesondere keine Unterlassung ausgesprochen. Hier sagt die Band ein bisschen was über ihr neuerliches Vorgehen, wenn auch sprachlich ziemlich ungeschickt. Offensichtlich hadert man mit der früheren Freerider-Attitüde einerseits und andererseits mit der Erkenntnis, dass man Einnahmen braucht, um den Spaß zu finanzieren. Und ungefragte Mitschnitte sind ja das eine. Da habe ich grundsätzlich durchaus ein gewisses Verständnis dafür, dass man die Kontrolle über das eigene Material behalten will. Bei Coverversionen sieht die rechtliche Lage aber doch etwas anders aus, vor allem unter den beschriebenen Voraussetzungen.

Ich will mal so sagen: Die mir angedrohten unangenehmen Konsequenzen könnten für die Band einige Gerichts- und Anwaltsgebühren sein, wenn ich es auf die Spitze treiben würde. Das tue ich natürlich nicht. Stattdessen habe ich das Video auf „privat“ gesetzt, auch wenn ich das bestimmt nicht müsste. Der Klügere gibt nach. So wichtig ist mir das dann ja doch nicht.

Aber beliebt macht man sich die Band „Rupert’s Kitchen Orchestra“ durch so ein Vorgehen ganz bestimmt nicht. In Zukunft werde ich also nicht nur einen großen Bogen um die „beste Berliner Funkband der Welt“ machen, sondern es wäre wohl am besten, auch alle zu warnen, die sich mit der Kapelle in irgendeiner Form geschäftlich einlassen. Verlässlichkeit sieht ja doch etwas anders aus.

Das Nachtreten übernimmt schon mal der Schlagzeuger:

Wer hier wohl der Kloppi ist?

Update:

Zwischenzeitlich hat sich der Schlagzeuger bei mir über Facebook gemeldet, nachdem ich an seinem albernen Kommentar ein „Haha“ hinterlassen hatte. Er hat jetzt damit rausgerückt, dass es um die GEMA geht. Das bedeutet für die Band einen ziemlichen Paradigmenwechsel, hat man doch früher gern mal auf dieses „System“ geschimpft und wollte keinesfalls Teil davon sein. Im Netz ist davon natürlich nicht mehr viel zu finden. Offensichtlich hat man mit vermehrtem Airplay gemerkt, dass es eben doch nicht so clever ist, sich Einnahmen durch die Lappen gehen zu lassen und nur den verhassten Touris im Mauerpark die Kohle (steuerfrei ..?) aus der Tasche zu ziehen. Der Song „Wir retten Berlin“ ist bei der GEMA also sehr wahrscheinlich deutlich später angemeldet worden, als die Aufforderung der Band auf Facebook, das Stück zu covern. Mit einer nachträgliche GEMA-Anmeldung lassen sich vorher zugeteilte Verwertungsrechte allerdings schlechterdings rückgängig machen. Andreas R. Raab klärt mich dann auch auf, dass es keine Coverversion, sondern eine Bearbeitung sei (gähn). Und dass er mich ja nur davor bewahren will, dass mir die (vormals böse) GEMA bald eine Rechnung auf den Tisch legt. Ach, und ich soll doch seinen Kommentar im obigen Screenshot nicht auf mich beziehen. Ist klar, bei der zeitlichen Koinzidenz. Und überhaupt wäre es doch wohl einzusehen, seinen unbegründeten Aufforderungen ohne Diskussion Folge zu leisten. Wer glaubt der eigentlich, wer er ist?

Immerhin habe ich nach dem YouTube-Kommentar nun auch mit der Facebook-Nachricht von Andreas R. Raab sozusagen schriftlich, dass es damals eine von der Band ausgelobte Aktion gab, den Song „Wir retten Berlin“ zu covern. Damit hat man seinerzeit klar eine Bearbeitungsgenehmigung erteilt, die man m. E. eben nicht mal eben so rückgängig machen kann, wie es einem gerade passt, auch wenn man den Facebook-Beitrag dazu gelöscht hat. Aber wie gesagt: Ich habe mich ja auf alles eingelassen, was man von mir wollte. Fragt man dann nach einer Begründung, darf man sich von diesem Experten beschimpfen lassen. Für eine kleine Entschuldigung ist man dann aber zu stolz. Das Beste ist noch, dass der Schlagzeuger von Rupert’s Kitchen Orchestra, Andreas R. Raab, mich erst von sich aus anschreibt und mich dann auch noch bittet, ihn in Ruhe zu lassen.

Zusammengefasst kommt also einer daher, behauptet, der Urheber zu sein, fordert mich im Grunde ungerechtfertigt auf, Änderungen an einer zuvor gewollten Coverversion bis hin zur Löschung vorzunehmen. Dem komme ich nach, wenn auch etwas widerwillig. Und dem Typ fällt nichts besseres ein, als einen für dumm verkaufen zu wollen und zu beleidigen.

Kannste dir nicht ausdenken. Der Ton macht die Musik. Aber sowas von!

Nachtrag 2:

Was für Amateure! Die GEMA kennt den Song gar nicht.

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Dampfgenerator für Modellboot

Freitag, 6. Juli 2018

Seit geraumer Zeit bin ich dabei (mit seeeeehr langen Unterbrechungen), das Modellboot zu restaurieren, das mein Vater als Jugendlicher gebaut hat. Um neuen Schwung in die Sache zu bringen, habe ich mir ein paar Gedanken über Zusatzfunktionen gemacht. Und dabei herausgekommen ist, dass der Schornstein qualmen muss! Also habe ich mich nach Dampfgeneratoren umgesehen. Was es da so zu kaufen gab, war entweder für HO-Modellbahnen und dampfte nicht genug, oder zu teuer. Dann machte meine Frau mich auf jemanden aufmerksam, der so fröhlich mit seiner E-Zigarette herumdampfte und dachte: Och, das wär’s ja!

Also habe ich mir bei Ebay erst mal die billigste E-Zigarette bestellt, wo gibt. Dabei waren 10 ml Fluid Duftnote „Grape“. Außerdem habe ich mir eine 12V-Aquarienpumpe ebenfalls bei Ebay besorgt. Die Daten kann man den Fotos entnehmen. Zusammen hat das keine 20 € gekostet.

Als erstes habe ich den Akku der E-Zigarette zur Seite gelegt. Zum einen, weil die Stromversorgung durch den Fahrakku des Boots erledigt werden soll, zum anderen, weil bei der E-Zigarette die Luft durch vier kleine Schlitze angesaugt wird, wenn man am Mundstück nuckelt, meine Pumpe soll aber von unten pusten. Dafür brauche ich einen ordentlichen Schlauchstutzen mit geringem Strömungswiderstand. Mit Wegfall des Akkus musste ich auch Kabel für die Stromversorgung anloten. Bei Youtube gibt es auch eine Anleitung, wie man eine Mini-Nebelmaschine baut. Daraus habe ich allerdings nur entnommen, wo man die Stromversorgung anlöten muss, nämlich an der kleinen Düse in der Mitte.Da muss das Pluskabel dran.

Das Minus-Kabel hab ich außen ans Gehäuse gelötet.

Danach hab ich in meiner Schläuche-Kiste gewühlt, bis ich genügend Schläuche hatte, um den kleinen Stutzen an der Pumpe mit dem dicken Rohr der E-Zigarette zu verbinden. Hier die ausgewählten Schläuche:

So sieht das von innen aus, wenn alle Schläuche ineinander gesteckt sind:

Und so im Ganzen. Das Plus-Kabel quetscht sich also zwischen dem dicken Schlauch und dem Gehäuse der E-Zigarette nach außen.

Die Kabel sind vorerst noch provisorisch an eine Steckerleiste angelötet, mit der ich den Dampfgenerator zum Testen erst mal an den Balancer-Anschluss eines 3S-Lipo-Akkus anschließen kann.

Die Pumpe hängt an allen 3 Zellen, die E-Zigarette nur an einer. Das muss ich später im Boot anders lösen, weil die einzelnen Zellen sonst nicht gleichmäßig entladen werden. Vielleicht mit einem Spannungsregler oder so. Das wird sich zeigen. Zeigen wird sich auch, wie lange die E-Zigarette auf Dauerbetrieb überhaupt läuft, bis sie erhitzt. Dafür muss ich vielleicht mal eine opfern. Aber wer weiß. Eventuell hält sie ja auch so durch.

Und so sieht das dann im Textbetrieb aus:

Wenn das Boot irgendwann mal fertig ist, gibt es ein schönes Fahr-Video.

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„Idiotensichere“ Spannungsversorgung für Messgeräte und so

Sonntag, 25. März 2018

Vor drei Jahren hat unsere Firma eine Bachelorarbeit an der TU-Berlin zum Thema „Untersuchung der Auswirkungen des Tragens eines Fahrradhelmes im Straßenverkehr auf die Risikokompensation durch Fahrer überholender Kraftfahrzeuge“ betreut. Dafür habe ich eine Messtechnik entwickelt, die zum größten Teil in einer Lenkertasche untergebracht werden konnte: Datenlogger, zwei Kameras, ein Arduino für die Synchronisation zwischen Datenlogger und Kameras sowie die Spannungsversorgung. Der Lasersensor für die Abstandsmessung wurde am unteren Rahmenrohr angeklemmt. Für von hinten kommende Autofahrer war das so ausgerüstete Fahrrad absolut unauffällig. Was von Beginn an Schwierigkeiten machte, war die Spannungsversorgung. Erst hatte ich dreizellige Lipo-Akkus meiner Modellflugzeuge zweckentfremdet, dann aus 9 AA-Zellen zusammengelötete Akkus verwendet, die wie Dynamitstangen aussahen. Besonders unangenehm war, dass zwar fast alle Technik mit 12 V zufrieden war, einzig der Lasersensor braucht mindestens 18 V. Für  unsere Zwecke war das ok, mit dem relativ kryptisch bedienbaren Ladegerät und der fummeligen Kabelage aber nicht sonderlich anwenderfreundlich.

Vor einiger Zeit fragten Verkehrsplaner der TU an, ob wir sie bei ähnlichen Messungen irgendwie unterstützen könnten. Klar, die Messtechnik lag bei uns mehr oder weniger ungenutzt rum. Aber die Spannungsversorgung war eben immer noch die Archillesferse. Gerne hätte ich ein System mit fertig konfektionierten Akkus, Schnelllademöglichkeit, nachkaufbar und am besten auch noch Tiefentladeschutz. Und wo ist das alles vereint? Richtig, in einem Akkuschrauber! Inzwischen haben die meisten ja LiIon-Akkus, die also nicht immer genau dann leer sind, wenn man sie braucht, sondern die Spannung auch über längere Zeit halten.

Also kaufte ich einen Bosch-12V-Akkuschrauber (GSR 12V – 15) samt Ersatzakku. Ich probierte ihn aus: Sehr handliches Gerät, hätte ich gern selbst. Aber ich zerlegte ihn ja gleich.Schnell hab ich auf der Platine den Punkt ausfindig gemacht, an dem beim Drücken des Schalters die volle Spannung anliegt. Daran und an Masse lötete ich erst mal dicke Kabel mit einem entsprechenden Stecker für die Hauptstromversorgung der Messtechnik an. An einem anderen Punkt findet man die geregelte Spannung für den Motor. Den kann ich nicht gebrauchen. An dem Schalter findet man seitlich zwei Anschlüsse. An die habe ich einen kleinen Kippschalter angelötet, um meine Spannungsversorgung ein- und ausschalten zu können.

Nun brauchte ich noch mindestens 18 V für den Lasersensor. Dafür habe ich ein Step Up-Modul besorgt (MT3608 2A). Dort kann man mit 12 V reingehen und bis zu 28 V bei 1 A herausbekommen. Die Ausgangsspannung kann man mit einem kleinen Spindeltrimmpoti einstellen. Perfekt für meine Zwecke.

Die kleine Platine mit dem Step Up-Modul und die Kabelage haben dort ausreichend Platz, wo zuvor Motor und Getriebe untergebracht waren. Die Teile kommen in die Bastelkiste. Hier werden sie nicht mehr gebraucht. Als Deckel habe ich eine kleine Kunststoffplatte angefertigt, in der nun der Schalter und eine Kontroll-LED sitzen und die beiden Kabel mit 12 und 24 V herausbaumeln. Bislang funktioniert das alles wunderbar. Mal sehen, was die Verkehrsplaner dazu sagen.

 

 

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Überall „Experten“

Freitag, 23. März 2018

Da sucht man händeringend nach geeignetem Nachwuchs in der eigenen Branche, dabei muss man nur einmal Twitter und Facebook öffnen und weiß gar nicht, wen man zuerst einstel – äh ohrfeigen soll. Ein autonom fahrendes Fahrzeug kollidiert mit einer Fußgängerin, die ein Fahrrad schiebt. Das ist zweifellos tragisch – wie jeder Unfall mit Personenschaden – aber für einen wie mich natürlich hochinteressant. Etwa genauso interessant, wie die Ergebnisse der Bundesliga für die gefühlt 80 Mio. Fußballtrainer, die regelmäßig vor den Fernsehgeräten und in den Stadien sitzen. In großer Zahl melden sie sich zu Wort, wenn der Ball noch nicht ausgerollt oder die Leiche noch nicht erkaltet, und wissen alles, aber wirklich _Alles_ über den Unfall: Erkennbarkeit, Geschwindigkeiten, aber als allererstes sogar, ob der Unfall vermeidbar war.

Was also tun, wenn man sich mit 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich der Unfallrekonstruktion doch irgendwie in der Lage sieht, bereits mit dem nach wenigen Stunden veröffentlichten Material etwas zu dem Unfall sagen zu können (zum Beispiel, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen)? Den Kopf in den Sand stecken, oder in homöopathischen Dosen (hilft ja eh nicht) hier und da mal einen Kommentar ablassen, um wenigstens versucht zu haben, die „Diskussion“ aus einigen Sackgassen wieder hinauszumanövrieren?

Ich komme auf das Thema, weil ich kürzlich hier eine Abhandlung darüber las, was es doch für ein Problem sei, oder warum eigentlich nicht zu den diversen Themen, die die Welt bewegen, geeignete Experten z. B. für Talkshows gewonnen werden könnten, sondern dann immer irgendwelche vermeintlichen Spitzenkräfte eingeladen werden.

Ich weiß ja, was drumherum, z. B. zur Vorstellung des „Experten“, dann für Beiträge produziert werden, denn schon beinahe rührend komisch, aber doch eher an der Grenze zum Fremdschämen ist es, wenn es um Verkehrsunfälle geht, habe ich doch ganz guten Einblick in das echte Geschehen. Zoom auf das Messrad, Totale von der Messlatte. Der „Experte“ in seinem Büro: Interessant, wie behände er zur Tür hineinkommen kann! Genau so stelle ich mir echte Professionalität vor. Er sitzt an seinem Rechner. Mit Warnweste. In der Einblendung liest man „Crashexperte“, „Unfallermittler“ oder so. Und er erzählt wirres Zeug.

Nur mit dem Namen des „Experten“ verbindet man alles andere als einen Fachmann. Man kennt sich ja in der Szene. Denn die echten Experten sehen ihr Gesicht aus Gründen der Seriösität und Reputation eher nicht so gern in windigen Fernsehproduktionen, wollen sie z. B. auch weiterhin im Gerichtsverfahren eine gute Figur abgeben oder nicht mit den falschen Namen in einem Zusammenhang genannt werden .

Damit ist das Problem eigentlich bereits beschrieben: Es melden sich nicht die zu Wort, die wirklich etwas von der Sache verstehen, sondern diejenigen, die meinen, sie hätten die große Ahnung, meistens noch kombiniert mit einem übersteigerten Sendungsbewusstsein und gute Rhetorik.

Und so werde ich es wohl noch ein Weilchen ertragen müssen, dass sich Menschen die Köpfe heiß reden und die Finger wund tippen, obwohl sie keinerlei Ahnung von Kollisionsmechanik und Unfallabläufen, deren Rekonstruktion oder gar der Vermeidbarkeitsbetrachtung haben. Im Hintergrund sammle ich übrigens Material zu dem Unfall, um dann, wenn es an der Zeit ist, vielleicht etwas Tiefgreifenderes dazu zu sagen.

Thema: Ach geh mir wech, Das Leben, das Universum und der ganze Rest | Kommentare (1)

Die deutsche Justiz wird digitales Neuland bleiben

Freitag, 2. März 2018

Gestern war ich auf einer Sachverständigen-Tagung bei der IHK. Da ging es unter anderem auch um die elektronische Akte. Nicht nur, dass man irgendwie in Dateien statt Papierstapel Einsicht nehmen wird, nein, auch die Gutachten sollen natürlich als Dateien eingereicht werden. Dafür soll es irgendwie Signaturtechniken geben. Es wurden bunte Karten und Kartenleser vorgestellt, ähnlich wie man sie auch für das beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) benötigt, das gerade eine scheppernde Bruchlandung hingelegt hat. Auch die Vortragende konnte nicht verhehlen, dass diese Lösung nicht besonders „smart“ ist. Es sei bestimmt nur eine Übergangslösung, meinte sie. Dass es die erforderliche Software nur für Windows-Systeme geben soll, ist dabei nur ein Bonmot am Rande.

Interessanter wurde es, als Nachfragen aus dem Publikum kamen, wie denn mit verschiedenen Dateiformaten umgegangen werde, da man bislang praktisch nur von Textdateien ausging. Ich habe dann explizit nachgefragt, ob denn auch Videodateien vorgesehen seien. Der Vertreter der Justiz, ein Richter vom Kammergericht, sagte dazu, dass das definitiv nicht vorgesehen sei. Er sprach dann auch nur von pdf- und tif-Dateien (also auch keine jpgs!).

Derzeit, wo wir noch bedruckte Papierstapel abliefern, haben wir das Problem, Simulationsberechnungen von Unfallabläufen, die wir auf dem Rechner als Film ablaufen sehen, als Sequenzen von Einzelbildern erstellen und ausdrucken zu müssen. In Einzelfällen liefert man dann eine CD-Rom oder DVD mit den Filmdateien dazu. Ich habe auch schon Filme bei Youtube hochgeladen („nicht gelistet“) und den Link im Gutachten als QR-Code verteilt. Letzteres kann man natürlich auch in Zukunft machen. Nur, wenn man doch schon die Möglichkeit hat, Dateien hochladen zu können, warum dann nicht auch Filme?

Vielleicht schafft es ja wenigstens das gute alte, nicht tot zu kriegende animated gif in die Liste zulässiger Dateien. Für kurze Sequenzen ginge das ja. Up to date ist anders. Aber was will man von einer der konservativsten Branchen schon erwarten?

Thema: Ach geh mir wech | Kommentare (1)